Chapter 06

06-10-21

Moon Shadows



Dark Shadows over a white moon


Die sanften Klavierklänge waren so gut wie das einzige Geräusch, das in dem riesigen dunklen Anwesen widerhallte und Zoisit wußte nach wie vor nicht, was er mehr haßte. Die stoische Ruhe und Gelassenheit ihrer Geisel oder Kunzits erneute Abwesenheit. Fluchend erhob er sich um wenigstens ein einziges Mal zu sehen wie ihre Gefangene die Fassung verlor. Sie würde sicher nicht damit rechnen, daß er sich freiwillig zu ihr gesellte.

Beinahe lautlos betrat er den schmucklosen Raum in dem kaum etwas anderes Platz gefunden hatte außer ein paar vereinzelten Sesseln, einem kleinen Tisch und einem riesigen, schwarzen Flügel an dem sie saß. Durch die großzügig angelegten Buntglasfenster fiel ein atemberaubendes Muster aus Licht und Schatten auf den weichen Teppich, der seine Schritte beinahe bis zur Unkenntlichkeit dämpfte. Sie war vollkommen vertieft in ihr Spiel. Das hereinfallende Licht ließ ihr blaues Haar genau in der Farbe leuchten der sie ihren Namen verdankte, Topas.

Nach wie vor war es Zoisit vollkommen schleierhaft was die junge Frau bewogen hatte sich freiwillig in ihre Hand zu begeben. Kunzit hatte sie vor knapp einem Monat mitgebracht und verkündet, das niemand etwas von ihrer Anwesenheit erfahren dürfte. Am allerwenigsten Königin Beryll.

Sie war in die zerschlissenen Kleider einer Sailor Kriegerin gehüllt gewesen. Doch diese waren ebenso Teil einer Täuschung wie ihr jetziges Aussehen. Einem Fluch von Kunzit war es zu verdanken, das sie jeder auf den ersten Blick für ein Wesen aus dem Königreich des Dunklen halten würde. Außerdem konnte er ihr Leben jederzeit mit einem Fingerschnippen beenden. Aber weder das eine noch das andere schien sie zu stören.

Mißtrauisch beäugte Zoisit die Klavierspielende Gestalt. Für einen Menschen war sie schön gewesen aber das war sie auch jetzt noch. Obwohl ihre Haut eisblau geworden war und ihre Augäpfel warmen Gelb von Bernsteinen leuchteten war es schwer diese Tatsache zu übersehen. Zoisit spürte einen kleinen Stich in seinem Herzen als er die Kleidung, die ihren Körper umgab wie eine zweite Haut musterte. Tiefes schwarz, das hier und da unterbrochen um den Blick auf die nahezu makellose Haut freizugeben.

Ja, er konnte verstehen warum Kunzit sie vor aller Welt verborgen hielt. Ein Wesen wie sie frei im Königreich des Dunklen herum laufen zu lassen würde mehr Aufmerksamkeit erregen als sie sich im Moment leisten konnten. Allein die Tatsache, daß sie gemeinsam in Kunzits riesigem Anwesen lebten hatte sie für Jahre in Ungnade fallen lassen.

Zum Glück hatten jedoch Kunzits und seine Fähigkeiten bald sämtliche Zweifler verstummen lassen und auch Königin Beryll schien sich inzwischen mit der Eigenart ihrer beiden Generäle abgefunden zu haben. Solange sie ihre Arbeit nicht vernachlässigten akzeptierte man ihr gemeinsames Leben.

Er seufzte leicht als er daran dachte was alles hinter ihnen und was noch vor ihnen lag. Wenn sie zusammenbleiben wollten war es unumgänglich den heiligen Silberkristall zu finden. Doch diese verdammten Sailor Kriegerinnen machten ihnen immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Wären sie nicht, dann hätten sie die Mondprinzessin unter Garantie in ihrer Gewalt.

Wobei ihm einfiel, daß er sich nicht daran erinnern konnte diese Sailor Kriegerin schon einmal bei den anderen gesehen zu haben. Auch die anderen hatten nichts von einer Kriegerin mit topasblauen Haaren erwähnt. Seine Augen verengten sich sie den Rücken ihrer Gefangenen fixierten. Warum hatte Kunzit sie nicht eingesperrt? Warum ließ er sie frei in ihrem Anwesen herumlaufen?

Er ahnte die Antworten auf diese Fragen zwar bereits, aber er versuchte nach wie vor sie zu ignorieren. Sie war mächtig, sehr mächtig um genau zu sein. Selbst der Fluch mit dem Kunzit sie an sich gebunden hatte konnte daran nichts ändern. Ihre Kräfte waren denen seines Mentors durchaus ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen. Gerade deshalb wunderte es Zoisit so sehr, das sie sich freiwillig in ihre Hände begeben hatte.

Ohne den geringsten Widerspruch hatte sie zugelassen, daß sie mit einem Fluch belegt wurde, den nur Kunzit allen wieder würde aufheben können. Solange dieser Bann wirkte war es ihr unmöglich sich gegen ihn zu stellen oder einen seiner Befehle zu mißachten. Es sei denn sie wollte beinahe unerträgliche Schmerzen oder ihren Tod riskieren.

Nachdenklich ließ Zoisit sich in einen der Sessel sinken und beobachtete sie gelassen weiter. Er wußte, daß sie seine Anwesenheit längst bemerkt hatte, aber sie ließ sich nicht das Geringste anmerken. Sie ihre Gefangene, daran gab es nicht den geringsten Zweifel aber dennoch nagte es an ihm, das Kunzit ausgerechnet eine Frau in seinem Anwesen behagte. Die Dienerinnen zählten in seinen Augen nicht viel mehr als Insekten, die man zertrat, wenn sie einem zu lästig wurden.

Warum übergab Kunzit sie nicht einfach an Beryll? Das würde ihnen beiden ihr Wohlwollen sichern und sie müßten nicht immer auf der Hut sein sobald sich ihre Wege vor den Toren des Anwesens trennten. Eine Sailor Kriegerin würde Königin Beryll über Monate gütlich stimmen und sie hatten endlich einmal wieder etwas Zeit für sich selbst anstatt laufend in die Welt der Menschen zu reisen um den heiligen Silberkristall zu finden.

Bei dem Gedanken daran schnaubte Zoisit verächtlich durch die Zähne. Der Silberkristall der Mondprinzessin. Warum in alles in der Welt war der nur so wichtig? Er galt seit Jahrtausenden als verschollen und warum sollte er ausgerechnet jetzt wieder auftauchen und ihnen gefährlich werden?

Sicher, die ersten Anzeichen dafür waren nicht zu übersehen. Die Sailor Kriegerinnen waren wieder erwacht und dennoch waren sie kaum etwas anderes als einfache Mädchen. Ihre Kräfte würden niemals ausreichen um gegen das Königreich des Dunklen bestehen zu können. Zu weit waren sie von dem entfernt, was sie einst ausmachte. Solange sie die Mondprinzessin nicht fanden war alles in Ordnung. Ohne die Prinzessin würden sie niemals mächtig genug werden um ihnen auch nur ansatzweise gefährlich werden zu können.

Und der Silberkristall? Solange die Prinzessin des Mondes nicht erwachte war er nichts weiter als ein wertloser. Seine Macht verbarg sich solange bis die Mondprinzessin ihn aus seinem tiefen Schlummer weckte. Ihn jetzt zu suchen und dadurch eventuell die Prinzessin zu wecken könnte für sie alle gefährlich werden.

Es reichte ja bereits, daß diese dummen Gören es immer wieder schafften ihre Missionen zu vereiteln. Mit jeder neuen Konfrontation lernten die Sailor Kriegerinnen dazu. Es würde nicht mehr sonderlich lange dauern und sie würden sich selbst auf die Suche nach der Prinzessin machen und was geschah, wenn diese erwachte wagte sich Zoisit noch nicht einmal vorzustellen.

“Du grübelst immer noch viel zu viel.“ Erschrocken fuhr er auf. Ihr Gesicht befand sich gerade einmal eine handbreit von ihrem entfernt. Sie lächelte ihn wissend an und augenblicklich stellten sich seine Nackenhaare auf. Was war es nur, das ihn so sehr an ihr störte? Warum schaffte sie es jedes Mal so auszusehen als wüßte sie mehr über ihn als er selbst?

“Das geht dich nichts an!“ Ihr Lächeln wurde breiter und sie machte einen Schritt zurück, um ihm Gelegenheit zu geben seine Fassung wiederzugewinnen. Etwas, das ihn nur noch mehr aufbrachte. Sie war so verdammt ruhig! Egal, was bisher auch geschehen war. Sie hatte sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen lassen. Selbst als einige Mitglieder von Berylls persönlicher Leibwache urplötzlich im Anwesen aufgetaucht waren hatte sie lediglich lächelnd an der Wand gelehnt. Erst als die Soldaten begannen ihn zu bedrohen hatte sie sich bewegt und mit eisiger Stimme dafür gesorgt, daß sie so schnell nicht wieder kommen würden.

“Du hast dich kein bißchen verändert.“ Ohne sich weiter um ihn zu kümmern kehrte sie ihm den Rücken zu und nahm erneut am Flügel platz. Ihre schlangen Finger huschten über die Tasten und zauberten eine Melodie hervor die Zoisit seltsam berührte. Er hatte sie schon einmal gehört… vor langer Zeit…

Das verschwommene Bild in seinem Geist zerplatzte in dem Moment in dem die schwere Eingangstür des Anwesens laut ins Schloß fiel. Sämtliche Wände vibrierten unter diesem Echo. Kunzit war zurück und seine Laune schien einen absoluten Tiefpunkt erreicht zu haben.

Für einen kurzen Moment überlegte Zoisit ob es nicht besser wäre seinem Mentor vorerst aus dem Weg zu gehen bis dieser sich wieder etwas beruhigt hatte, aber wußte bereits, daß das Tage dauern könnte. Seufzend ließ er sich tiefer in den Sessel sinken und lauschte Kunzits Schritten, die sich entschlossen näherten.

Mit demselben Schwung mit dem sich die Eingangstür geschlossen hatte schwangen nun die Flügeltüren des Musikzimmers auf. Das schwere Holz prallte gegen die Wand und knarrte bedrohlich. Irgendwann werden die Wände noch Löcher bekommen, schoß es Zoisit durch den Kopf. Mit eisig funkelnden Augen stürmte Kunzit auf die junge Frau am Flügel zu, die ihr Spiel nicht für eine einzige Sekunde unterbrochen hatte.

“Woher kennst du diese Melodie?“ Seine Hand umklammerte ihr rechtes Handgelenk wie eine Stahlklammer. Gelassen sah sie zu ihm auf.

“Solltest du das nicht besser jemanden anderen Fragen?“ Ihre Augen huschten kurz zu Zoisit der immer weiter in seinem Sessel zusammensank. Alles in Kunzit war im Moment eine Bedrohung und er hatte nicht die geringste Ahnung, was diese Melodie mit ihm zu tun haben könnte.

“Verdammt!“ Fluchend ließ Kunzit ihre Hand los und stürmte aus dem Raum. Das Echo der Türen überdeckte seine Schritte.

“Geh ihm nach.“ Fassungslos starrte Zoisit sie an.

“WAS?!“ Wenn er seinem Mentor jetzt folgte konnte das durchaus schmerzhafte Folgen haben.

“Keine Sorge, er wird dir nichts tun. Geh ihm nach.“ Irgend etwas an ihrem Blick zerstreute seine Zweifel, auch wenn er nicht sagen konnte was es war. Zweifelnd stand er auf und machte sich auf den Weg um Kunzit zu suchen. Er hoffte nur, daß sie recht hatte.

“Kunzit-sama?“ Zögernd klopft er an die Tür zu den Privatgemächern seines Mentors.

“Ich bin es Zoisit.“ Ein undeutliches Knurren gepaart mit „Komm rein“ war die einzige Antwort, die er erhielt. Mit klopfendem Herzen betrat er den Raum und zuckte zusammen als sich die Türen hinter ihm mit einem lauten Knall schlossen.

“Komm näher.“ Kunzits tiefe dunkle Stimme erklang undeutlich vom anderen Ende des Raums und seine kobaltblauen Augen leuchteten eisig in der Dunkelheit auf. Zoisit schluckte als er spürte wie die Panik immer mehr von ihm Besitz ergriff. Dennoch gehorchte er.

* * * * * *

Topas hatte sich bereits wieder dem Flügel zugewandt als sie das Geräusch der zufallenden Türen erreichte. Kopfschüttelnd sah sie die Decke über sich an.

“Komisch, das die Beiden selbst heute noch so einen Eiertanz aufführen. Inzwischen sollten sie sich doch aneinander gewöhnt haben.“ Mit einem geheimnisvollen Lächeln auf den Lippen wandte sie den Blick ab und legte ihre Hände behutsam auf die Tasten. Die Melodie perlte wie ein leichter Sommerregen durch das Anwesen. Nicht mehr lange und ihr Werk würde vollendet sein.




to be continued…



 

 

Chronologische Reihenfolge der bisherigen Kapitel:

-          Awkward contract

-          Days full of incidence

-          Old friends, new friends

-          A new beginning

-          Dark shadows over a white moon

-         Icecream black and white

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