Part 22

03-07-25

 

Love of an angel

         Part 22

 

Renewed meeting in Yetzirah

 

 

"SCHUTZENGEL?!" Mein Trommelfell begann zu protestieren. Michaels Lautstärke suchte aber auch ihresgleichen. Allerdings ist seine Reaktion wohl kaum verwunderlich. Die Behauptung von Sara-chan hat ja selbst mich umgehauen. Wie kommt sie überhaupt auf den Schwachsinn zu behaupten ich sei ihr Schutzengel? Ein Schutzengel? Ausgerechnet ich ?!

"Hör mal Schwester, sie ist so ziemlich alles aber bestimmt nicht dein gottverdammter Schutzengel!" Hört, hört.

"Mika-chan laß sofort Jibril in Ruhe!" Raphaels rasches Einschreiten verhinderte das irgend jemand ernsthaft handgreiflich werden konnte. Obwohl ich nicht glaube, das Michael wirklich vor hatte Sara zu verletzten. Wahrscheinlich wollte er sie lediglich einschüchtern. Trotzdem wäre ich bereit gewesen notfalls einzugreifen, da Saras Gesichtsausdruck ziemlich deutlich zeigte, daß Michaels Einschüchterungsversuch auch hervorragend geklappt hatte.

"Außerdem beleidigt man den Herrn nicht." Bitte?! Das wäre mir jetzt aber ganz neu. Soweit ich weiß kann man seit Jahrhunderten über unseren 'Herrn' behaupten was man will, ohne das es irgendwelche Konsequenzen nach sich ziehen würde, aber okay es sind Engel.

"Ach was, der Alte ist schon ewig nicht mehr aufgetaucht. Wenn ihm was nicht paßt, dann kann er sich ja melden." Sichtlich beleidigt setzte sich Michael in eine Ecke des Bannkreises der uns durch die Dimensionen führte. Sieht so aus als würden wir die Sache aus sitzen müssen, na gut. Halbwegs entspannt ließ ich mich genau gegenüber von ihm nieder. Er musterte mich eisig. Oh ha, anscheinend ist er immer noch sauer.

"Du bist nie im Leben ein Schutzengel!" Ganz schön feindselig der Kleine. Irgendwie werde ich das dumpfe Gefühl nicht los, das er mich nicht sonderlich mag. OK zugegeben, er hat hundertprozentig recht mit dem was er sagt, aber das werde ich ihm garantiert nicht auf die Nase binden. Immerhin habe ich vor in einem Stück in Yetzirah anzukommen und nicht in Einzelteilen.

"Ach ja? Und wie wird so ein Knirps wie du Feuerengel?" Wie war das noch gleich? Ich wollte heil in Yetzirah ankommen?

"Hast du mich gerade Knirps genannt?" Tja, ich schätze, das kann ich jetzt getrost vergessen. Aber wenn wir schon unsere Gesundheit gefährden, dann bitte schön auch direkt richtig.

"Du solltest vielleicht mal deine Ohren untersuchen lassen."

"Wie bitte?!"

"Du hast mich schon richtig verstanden Kleiner." Falls es noch niemand gemerkt haben sollte, ich bin gerade das, was man im allgemeinen als lebensmüde bezeichnen würde. Ich lege mich mit dem impulsivsten und wohl auch gefährlichsten der vier Erzengel an und das macht mir auch noch einen Heidenspaß. Irgendwie ganz schön krank

"KLEINER?!" Michaels Gesichtsfarbe hatte inzwischen einen ungesunden Purpurton angenommen wodurch das Drachentattoo auf seiner linken Wange fast komplett schwarz wirkte. Mühsam unterdrückte ich ein Kichern. Sein Gesicht war fast genauso rot wie seine Haare.

"Ähm, du Shao ich glaube das ist keine so gute Idee." Vorsichtig zupfte Sara an meinem Ärmel um mich davon abzuhalten dieses Spielchen noch weiter zu betreiben. Dabei macht es so unheimlich viel Spaß. Ich amüsiere mich prächtig. (Hab ich's nicht gesagt? Völlig lebensmüde!)

"Nur keine Panik er wird mir schon nichts tun." Eher anders herum. Siegessicher lächelte ich mein Gegenüber an. Schließlich weiß er nicht mit wem er sich hier anlegt. Ähm, Moment mal! Sollte das nicht eigentlich ein Geheimnis bleiben?

"Du Verdammte- !" Was auch immer er auf mich loslassen wollte es verpuffte in einer netten, kleinen Dampfwolke. Soviel dann zum Thema Geheimnis. Na ja, nicht mehr zu ändern. Zu spät ist zu spät.

"Niedlich. Hast du noch mehr davon auf Lager?" Er stand kurz davor zu explodieren und merkte einfach nicht, das ich ihn mit voller Absicht provozierte, da er jedesmal seine Deckung komplett fallen ließ, wenn er sich aufregte und voll auf den Angriff konzentrierte. Dadurch konnte man ihn ohne Probleme mit einem kleinen, ziemlich simplen Bann außer Gefecht setzen. Ganz schön praktisch wenn sich jemand so sehr auf seinen Angriff verläßt und die Verteidigung dabei völlig außer acht läßt und das bei einem Erzengel. Eigentlich sinnlos zu erwähnen, das seine nächsten drei Attacken ebenso harmlos verpufften wie die Erste. Nur fiel bei Michael langsam aber sicher der Groschen woran es lag, das ich so einfach mit ihm fertig wurde und er besann sich auf eine Methode, die ihm bisher eigentlich immer zum Sieg verholfen hatte, stinknormale körperliche Gewalt. Pech nur, das er damit bei mir auch keinen Blumentopf gewinnen konnte. Ich nagelte ihn auf dem Boden fest ehe er überhaupt wußte wie ihm geschah. Regelmäßiges Training zahlt sich eben aus und nebenbei macht mir das Ganze auch noch einen Heidenspaß.

"Tss, und so was nennt sich Feuerengel." Mit einem Fuß hielt ich ihn auf dem Boden fest. Er verfluchte mich in allen nur möglichen Sprachen während Sara und Raphael vollkommen entgeistert anstarrten. Bitte, nicht! Ich kann gleich nicht mehr vor Lachen.

"Du verdammte... ARGH!" Bevor er etwas sagte, was wir beide vielleicht bereuen konnten hatte ich seinen Arm leicht gedreht und ihn zum Schweigen gebracht. Wenn das mal mit allen Engeln so leicht gehen würde. Ach ja, das wär schön, wenn das mit Rosiel auch so einfach klappen würde. Ich konnte nicht verhindern, das sich bei diesem Gedanken ein leichter Seufzer von meinen Lippen löste. Wirklich zu schade...

"Ich mische mich ja nur ungern in eure kleinen Differenzen ein, aber ich muß leider darauf bestehen, das du ihn los läßt." Etwas enttäuscht sah ich Raphael an, der um seine Aufforderung ein klein wenig deutlicher zu gestalten eine Windrose um sich herum erzeugte. Jetzt schon? Schade. Verdirbt irgendwie die Stimmung.

"Schon gut, schon gut." Vorsichtig ließ ich Michael los und machte mit erhobenen Händen einen Schritt rückwärts um nicht direkt wieder in seiner Schußlinie zu stehen. Was bei dem Blick eine ziemlich weise Entscheidung war.

"Ich bring dich um!" Ich war schon wieder in Abwehrstellung aber Raphael schlug den kleinen Hitzkopf mit einem tiefen Seufzer KO.

"Das nenne ich einen wahren Freund." Verlegen kratzte sich Raphael am Hinterkopf als Michael bewußtlos zu Boden ging. Allerdings nicht ohne das der Kleine ihn noch mal zum Teufel wünschte. Wirklich herzerfrischend wie nah sich die beiden stehen. Erinnert mich irgendwie an meine Freundschaft mit Kira und Setsuna. Bei den Beiden hilft manchmal auch einfach nur noch gnadenlos draufschlagen.

"Meinst du? Tja, meistens ist das der einzige und sicherste Weg nicht von ihm geröstet zu werden."

"Verrätst du mir auch von wem du diesen weisen Ratschlag erhalten hast? Scheint mir ein intelligenter Bursche zu sein, wenn er solche Tips parat hat." Nicht, das ich irgendwelche Zweifel an dem Nutzen habe, aber es ist doch interessant zu wissen welcher Engel neben Raphael so respektlos sein könnte Michael einfach sang und klanglos auszuknocken.

"Sagen wir einfach, jemand der Michael gut genug kennt um das zu wissen." Schade, ich dachte er würde es erzählen.

"Aber kannst du mir bitte mal erklären was in drei Teufelsnamen das sollte?! Sich mit Michael anzulegen ist nicht gerade ungefährlich." Ich weiß gar nicht was er hat. Der Kleine ist doch gut versorgt. Sieht ganz so aus als hätte Sara-chan die Aufgabe übernommen sich um ihn zu kümmern. Sonst würde sein Kopf wohl kaum auf ihrem Schoß liegen. Bewußtlos sieht er sogar richtig niedlich aus.

"Reg dich ab, so schlimm war es auch wieder nicht." Mit einer Bewegung die kaum wahrnehmbar war nagelte mich Raphael am Boden fest und funkelte mich an.

"Bist du wahnsinnig?! Er hätte dich töten können." Gelassen sah ich in seine aufgebrachten blauen Augen und beugte mich ein kleines Stückchen vor um sein Ohr zu erreichen. Sara mußte nicht unbedingt noch mehr erfahren. Es reichte schon, das sie und Setsuna in diesen Irrsinn überhaupt mit hineingezogen worden sind.

"Nein, ich bin nur bereits vor langer Zeit gestorben." Ich konnte sehen wie das Entsetzen in seine Augen schlich. Er ließ von mir ab und sah sich hilfesuchend in dem Bannkreis um, aber dort war niemand, der ihm sagen konnte, das meine Worte nicht gefallen waren, das er sich das nur eingebildet hatte. Es gab nichts was seinen aufkeimenden Verdacht entschärfen könnte und man sah ihm deutlich an wie sehr er mit sich kämpfte nicht das auszusprechen was er vermutete. Ich frage mich was Rosiel ihm alles erzählt hat...

"Shao-san was hast du zu ihm gesagt?" Lächelnd kniete ich mich neben sie und striff mit einer Hand durch Michaels rotes Haar bevor ich Raphael kurz anfunkelte.

"Nichts besonderes Sara-chan. Lediglich etwas zum Nachdenken."

"Shao-san?" Ihre Hand legte sich zitternd auf meinen Arm und in diesem Moment begriff ich, das sie sich vor mir fürchtete. Verdammt! Warum muß es denn unbedingt so kompliziert sein?

"Tut mir leid Sara-chan. Ich glaube in der letzten Zeit ist einfach etwas zu viel passiert. " Ein bißchen?! Wenn man ehrlich ist, dann ist das die Untertreibung des Jahrhunderts. Mitfühlend sah sie mich an und ich ließ mich ganz zu Boden sinken. Ich möchte gar nicht erst wissen was sie in der Zwischenzeit durchgemacht hat. Es war bestimmt nicht leicht sich als einziger Mensch unter Engeln zu behaupten, auch nicht wenn man angeblich die Wiedergeburt des Engels der Verkündung, Jibril ist. Aber wenigstens kann ich mir sicher sein, das sie in Raphael und Michael zwei Beschützer hat, die wissen wie man zur Not mit Sevothtarte fertig wird. Irgendwie beruhigend. Tut mir leid Sara-chan, aber ich werde dich schon bald im Stich lassen...

"Shao-san?" Ich beantwortete den fragenden Blick mit einem leichten Lächeln. Ich ahne schon was jetzt kommt. Diese Frage hat schon viel zu lange auf sich warten lassen.

"Hmm?"

"Du sag mal... ...wie?"

"Wie ich es geschafft habe euch zu folgen?" Sie nickte nur zögernd. Sieht ganz so aus als würde sie ahnen, das mir zwischenzeitlich nicht sonderlich viel Angenehmes widerfahren ist. Vielleicht sollte ich ihr einfach sagen was passiert ist, aber was dann? Was wenn sie von Rosiel und Catan erfährt?

"Das kann ich dir beantworten. Rosiel hat sie gerettet." Danke Raphael! Das hättest du auch mal für dich behalten können. Jetzt kann ich mir wieder irgendeine fadenscheinige Erklärung ausdenken warum Rosiel auf die schwachsinnige Idee verfallen ist mich unbedingt mit nach Yetzirah schleppen zu müssen .

"Ro... Rosiel?! Dieser durchgeknallte Engel?!" Genau der! Verdammt noch mal! Ich hab keine Lust mir schon wieder was zu dem Thema ausdenken zu müssen. Immerhin war das Rosiels beknackte Idee und nicht meine. Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätte ich Assia niemals freiwillig verlassen. Murrend fügte ich mich schließlich in das Unvermeidliche und servierte Sara in etwa dieselbe Erklärung, die ich Setsuna bereits erzählt hatte. Sie war ziemlich beeindruckt von der Tatsache, das mein Mitbewohner in Wahrheit ein Engel war und das ich ihr das solange vorenthalten hatte. Auch Raphael schien ziemlich überrascht zu sein, das ich mit einem Engel zusammen lebte oder besser hatte. Ich hatte schon fast die Befürchtung, das er dieses Thema weiter vertiefen wollte aber er fand es viel interessanter herauszufinden warum ich immer noch lebte. Schließlich war es kein Geheimnis, das ich mich in Yetzirah von einer Brüstung gestürzt hatte um Rosiel zu entkommen. Eine ziemlich dramatische Beschreibung der eigentlichen Tatsachen wenn man mich fragt. Aber da es gerade so gut paßt, warum es ändern? Nach Saras völlig entsetztem Aufschrei rückte ich mit ein paar knappen Worten damit heraus, das es die einzige Möglichkeit war ohne Probleme direkt nach Sheol zu gelangen. Was mir auch nicht gerade viel weiterhalf. Sie sahen mich beide an als hätte ich soeben meinen Verstand verloren.

"Du hast dich selbst getötet nur um nach Sheol zu gelangen?!" Hält der mich wirklich für so dämlich? Sicher, Selbstmord ist der einfachste Weg an den Grund der Hölle zu gelangen, aber doch längst nicht der Einzige. Seufzend erklärte ich den Beiden die näheren Zusammenhänge soweit ich es verantworten konnte. Immerhin war ich zuerst im Hades gelandet und erst dann in Sheol. Als ich auch noch damit herausrückte, das ich bei meiner kleinen Rundreise auf Setsuna gestoßen war gab es für Sara kein Halten mehr. Sie wollte von mir ganz genau wissen was Setsuna gemacht hatte und warum. Kaum war ich fertig (sie war in dieser Hinsicht mindestens genauso nervig wie ihr Bruder) strahlte ihr gesamtes Gesicht wie schon lange nicht mehr. Sie wußte nun endgültig, das er sie immer und überall suchen würde, egal was es auch kostet. Raphael hingegen schien von diesem Faktor nicht sonderlich angetan zu sein. Sein Gesicht sah als hätte es jemand schockgefroren.

"Dann war das damals also doch kein Traum?" Verwundert sah ich Sara an. Ich hatte keine Ahnung was sie meinte.

"Du warst wirklich da." Sie griff nach meinem Arm und krallte sich darin fest während sich ihre Augen hoffnungsvoll auf mich richteten. Bei mir leuchtete nur ein Fragezeichen nach dem anderen auf. Ein kurzer Blick auf Raphael verriet mir, das auch er nicht sonderlich viel mehr wußte als ich.

"Es gab eine Zeit, da war ich allein und in irgendeinem Raum eingeschlossen. Ich wußte, das tot war, aber etwas von mir... meine Seele... existierte weiter." Ach das meint sie. Verständnisvoll lächelte ich sie an.

"Irgendwann in dieser Zeit wo ich nie sicher wußte ob ich träumte oder nicht hatte ich den Eindruck deine Stimme zu hören und dich zu sehen. Du hast mir versprochen das-"

"Ich ihn dir auf jeden Fall zurückbringe. Ich weiß. Das war kein Traum Sara-chan. Wir sind uns wirklich in Yetzirah begegnet." Ihre Augen wurden immer größer.

"Aber wie?"

"Frag mich nicht. Ich war schwerverletzt und es war nicht mal sicher ob ich überhaupt überleben würde. Ich schätze dieser Zustand hat dafür gesorgt das wir uns treffen konnten." Raphael stieß einen leisen Pfiff aus.

"Deshalb wollte Rosiel also unbedingt Medizin von mir haben. Ich habe mich schon gefragt was ihn dazu bringt freiwillig mein Refugium zu betreten." Rosiel war persönlich zu Raphael gegangen und hatte nach Medizin für mich verlangt? Normalerweise sind für so was doch seine Lakaien zuständig. So viel bedeute ich ihm also? Ärgerlich befreite ich mich von diesem Gedanken. Das kann nicht sein. Er würde so etwas niemals tun. Nicht er und schon gar nicht für einen Menschen. Verdammt! Reiß dich zusammen, du bist hier nicht allein. Wenn sie irgend etwas merken bist du geliefert. Versuch lieber mal ihnen erklären wie du es geschafft hast wieder heil aus der Hölle raus zukommen und das am Besten glaubhaft. Immerhin ist eine Begegnung mit Luzifer egal ob nun für Menschen, Engel oder Dämonen im Normalfall tödlich. (Vor allem wenn er schlechte Laune hat.) Das ich an seiner Hochzeit teilgenommen hatte noch dazu in der Begleitung eines Erzdämons würde eine Menge unangenehme Fragen aufwerfen und keine davon würde ich beantworten können ohne mich selber dabei zu verraten. Ich war Sara äußerst dankbar, das sie mir keine weiteren Fragen mehr stellte und auch Raphael genügend ablenkte, in dem sie ihm vorwarf sich Michael gegenüber unmöglich zu benehmen, damit er mich ebenfalls in Ruhe ließ. Ich konnte also ungestört meinen Gedanken nachhängen und plötzlich fiel mir etwas ein, das mich bis dato nicht im Geringsten gestört hatte oder mir vielleicht merkwürdig vorgekommen wäre. Doch wenn ich genau darüber Nachdenke...

Die ganze Zeit während ich mich auf Luzifers Hochzeit aufgehalten hatte ist mir Belial nicht ein einziges Mal begegnet. Selbst bei dem Sektempfang der obersten Dämonen war er nicht anwesend. Er ist erst in dem Moment aufgetaucht, wo er Kurai in den Saal geführt hatte. Warum nicht schon früher? Er muß doch gewußt haben, das ich mich ebenfalls dort aufhielt. Meine Anwesenheit muß ihm aufgefallen sein und ich kann mir einfach nicht vorstellen, das er sich die Chance, mich vor allen Erzdämonen zu enttarnen freiwillig entgehen läßt. Was war also Grund? Warum hat er nichts unternommen? Astaroth? Nein, er hätte niemals solchen Einfluß auf Belial. Es muß ihn etwas anderes davon abgehalten haben. Ist vielleicht vor der Hochzeit irgend etwas schiefgelaufen? Hatte er zu viel damit zu tun die Braut vorzubereiten und konnte sich deshalb nicht mit mir befassen? Kann das sein? Ist Kurai vielleicht doch nicht freiwillig mit ihm gegangen und war Abbandon vielleicht aus diesem Grund frei? Aber warum ist Luzifer dann nicht selbst eingeschritten? Ach ja, stimmt. Er gilt als verschollen. Es gibt zur Zeit ja nur noch diese Statue. Das Ding ist vielleicht häßlich! Als wenn der Fürst der Hölle keinen besseren Modegeschmack hätte und dieser Kopfschmuck. Gott, wer kommt nur auf die Idee ihm so was als Krone zu verpassen? Kopfschmuck?! Moment mal! Ich hab doch genau davor gestanden und sein Gesicht, obwohl es halbverdeckt von allem möglichen Zeugs war, sah aus wie...

"Oh shit!" Ich fuhr hoch als mir wie Schuppen von den Augen fiel. Sein Gesicht! Dieses Gesicht, das mir fast jeden Tag begegnete... Warum fällt mir das denn erst jetzt wieder ein? Nein, nein! Unmöglich! Ich kann jetzt nicht zurück in den Himmel. Belial weiß es ebenfalls... Oh Gott, ich muß Setsuna und die Anderen warnen.

"Hey, wo willst du hin?" Raphael zog mich brutal am Arm zurück.

"Laß mich los! Ich muß zurück! Ich muß sie warnen!" Zappelnd versuchte ich mich von ihm zu befreien.

"Nein! Wenn du diesen Bannkreis jetzt verläßt wirst du dich in den Dimensionen verlieren! Das ist viel zu gefährlich!" Inzwischen hatte er mich mit beiden Armen fest umklammert und stand kurz davor mir versehentlich eine Rippe zu brechen. Ich versuchte dennoch mich freizukommen. Eine Rippe ist nichts im Vergleich zu dem was den Anderen passieren wird wenn sie es herausfinden.

"Du verstehst das nicht! Ich muß unbedingt zurück! Sie haben keine Ahnung was da unten vor sich geht." Nein, sie haben absolut keine Ahnung! Es wird sie völlig überraschen. Verdammt! Jetzt laß mich doch endlich los du sturer Kerl.

"Du verstehst nicht! Es ist sinnlos diesen Kreis zu verlassen! Du kommst so nicht zurück. Du gefährdest nur unnötig dein Leben." Mein Leben? Was ist das schon? Wenn sie jetzt niemand warnt rennen sie in eine Katastrophe.

"Raphael, was zur Hölle machst du da?!" Stöhnend rieb sich Michael den Hinterkopf und kam langsam wieder auf die Füße. Danke Kleiner, die Ablenkung habe ich gebraucht.

"Frag nicht so dumm hilf mir lieber!" Einer meiner Arme war inzwischen frei leider nicht für lange. Ist der hartnäckig!

"Ich denk ja gar nicht dran. Sieh gefälligst zu wie du mit deinen Frauen allein klarkommst." Demonstrativ blickte er dabei in eine andere Richtung. Täusche ich mich oder schmollt er?

"MICHAEL!" Raphaels Griff lockerte sich etwas und ich nutzte meine Chance. Ich ließ mich nach unten rutschen und wollte gerade los sprinten als sich die Umgebung veränderte.

"Willkommen zurück Jibril-sama." Nein! Ich erstarrte mitten in der Bewegung. Bitte nicht schon wieder! Wir waren komplett umzingelt und direkt vor uns stand mit einem höchst zufriedenen Gesichtsausdruck mein persönlicher Alptraum. Tut mir leid Jungs, ihr werdet in der Hölle vorerst ohne mich auskommen müssen. Ich bin gerade in meiner eigenen gelandet. Ich drücke euch die Daumen, das ihr es schafft.

"Großminister Sevothtarte... ich hatte nicht erwartet euch hier zu treffen." Hui, Raphael klingt vielleicht begeistert. Sara sieht auch ganz so aus, als ob sie auf diese Begegnung am Liebsten verzichtet hätte. Willkommen im Klub kann ich da nur sagen.

"Du meinst ebenso wenig wie ich erwartet habe, das der Anführer der Virtues Jibril aus meiner Obhut entführt?" Es folgte ein eisiges Schweigen in dem ich unsere Fluchtchancen ausrechnete. Es sieht mehr als schlecht aus für uns aus. Ein gutes Dutzend Engel hat uns umstellt, die selbstverständlich alle zu Sevothtartes Garde gehören. Nicht einer von ihnen wäre bereit die Seiten zu wechseln. Es war also wieder mal hoffnungslos. Herzlich willkommen in Yetzirah, dem Paradies und Heimat der durch geknallten Idioten. Man, wie ich das vermißt habe.

"Jibril-sama wenn ihr so gütig wärt mich nun zu begleiten." Das es sich dabei um keine Bitte sondern einen Befehl handelte mußte keinem der Anwesenden gesagt werden. Keiner von uns neigte dazu Sevothtarte zu unterschätzen. Es wäre glatter Selbstmord ihm jetzt in die Quere zu kommen. Sara-chan sah vollkommen verloren aus wie sie da auf dem Boden saß und nach und nach all ihre Hoffnung verlor. Wie lange hat sie wohl an ihrer Flucht gearbeitet um von hier fliehen zu können? Was hat sie nur um endlich mit Setsuna zusammen zu sein? Und nun soll das alles umsonst gewesen sein? Sie war wieder genau dort wo sie begonnen hatte. Es muß frustrierend sein, wenn man genau weiß, das man eine zweite Chance niemals so leicht erhalten würde wie die Erste. Ach was soll's? Warum nicht? Rosiel wird ja hoffentlich innerhalb der nächsten fünf Minuten hier auftauchen und mich vor Schlimmeren bewahren. Wozu hat der denn sonst seine Spitzel? Ansonsten bin ich gleich nämlich Hackfleisch. Demonstrativ richtete ich mich auf und stellte mich vor Sara-chan.

"Das wird sie nicht."

"DU?!" Na wer denn sonst? Siehst du hier sonst noch irgend jemanden der so völlig bescheuert ist sich dir in den Weg zu stellen?

"Solltest tot sein!" Ach nein. Schön das er das auch weiß. Und erst diese unbeschreibliche Freude unseres Wiedersehens.

"Ich freue mich auch dich zusehen." Der Schlag, der mich ins Gesicht traf warf mich zu Boden. Ich konnte spüren wie meine Wange langsam anschwoll.

"Du wagst es dich mir erneut in die Quere zu kommen?" Was heißt denn hier bitte erneut?! Bisher habe ich dir ja wohl noch nichts getan.

"Shao-san?" Statt auf Sara zu achten stand ich langsam wieder auf und funkelte Sevothtarte eisig an. Ich bin nicht durch die Hölle gegangen nur um mich jetzt wieder vor irgendeinem Engel zu fürchten.

"Du wirst Sara-chan nicht anfassen. Ist das klar?" Er zwang sich dazu sich zu beherrschen und gab seinen Männern lediglich den Befehl ihre Waffen auf mich zu richten. Aber zum Glück für uns alle stürmte in diesem Augenblick jemand dazwischen. Timing ist eben alles.

"Sevothtarte-sama! Bitte wartet!" Vollkommen aus der Puste kam ein dunkelhaariger Engel vor ihm zum Stehen. Ich verstand nicht genau was die Beiden da miteinander besprachen aber als der Name Rosiel fiel wurde mir trotz aller Erleichterung ganz schön mulmig in der Magengegend. Zweifelnd sah ich die Anderen an, aber keiner von ihnen schien zu wissen was das bedeutete. Allerdings waren sich alle drei einig, das es besser wäre wenn ich mich Sevothtarte nicht noch einmal in den Weg stellte. Das könnte meine Gesundheit doch um ein Erhebliches gefährden. (Was für eine Erkenntnis!) Nach etwas längerem hin und her war ich schließlich bereit Sara-chan zur Not der Obhut von Raphael und Michael zu überlassen. Wie sich herausstellte mußte ich das auch. Da ich die Wahl hatte entweder diesem dunkelhaarigen Engel zu folgen oder mich Rosiels ausdrücklichem Befehl zu widersetzen und damit Sevothtartes angenehme Gesellschaft noch ein Weilchen länger zu genießen zu dürfen. Die Entscheidung könnte gar nicht schwerer sein. Ein größenwahnsinniger Engel mit Reinheitskomplex auf der einen und ein durchgeknallter Engel mit Schwesterkomplex auf der anderen Seite. Beides nicht gerade, das was man sich unter einer Traumauswahl vorstellt. Da mir meine Gesundheit allerdings doch nicht ganz so egal war und ich außerdem keinen Nerv hatte von Sevie bei nächster Gelegenheit in ein Reagenzglas gesteckt zu werden gab ich schließlich klein bei und wählte Rosiel. Bleibt nur zu hoffen, daß das gut geht.

Kaum hatten waren wir außer Hörweite konnte ich direkt feststellen wie überaus freundlich mir dieser dunkelhaarige Engel doch gewogen war, nämlich gar nicht. Er stellte sich mir als Dobiel vor und gab im selben Zug zu verstehen, das er zwar Rosiels Befehl ausführte mich aber trotzdem auf den Tod nicht leiden konnte. Immerhin bin ich in seinen Augen nur ein nutzloser Mensch, den man jederzeit zerquetschen konnte. Das bei dem Namen bei mir was klingelte und ich ihn mal an der Hand verletzt hatte behielt ich in diesem Fall doch lieber für mich. Es muß ja nicht unbedingt sein, das man diese Abneigung noch weiter steigert. Außerdem hatte ich auf dem Weg zu Rosiels Refugium schon genug Probleme damit mir eine Erklärung zurecht zu legen warum ich immer noch lebte und warum Sara behauptete ich sei ihr Schutzengel. Gut, noch weiß das außer Raphael, Michael und mir niemand, aber ich bin mir sicher das wird nicht mehr lange der Fall sein. Spätestens in zwei bis drei Tagen weiß das auch Sevothtarte und dann kann ich mich wahrscheinlich einsargen lassen. Wo er mich doch so gut leiden kann.

"Wir sind da. Ab hier werdet ihr allein weitergehen." Ohne auf meine Antwort zu warten ließ er mich mutterseelenallein auf dem Gang stehen. Super und was nun? Kann mir vielleicht mal irgend jemand erklären wie ich in diesem riesen Bau Rosiel finden soll?! Das Ding ist in etwa so übersichtlich wie ein zugewuchertes Blumenbeet. Da ich allerdings auch nicht vor hatte länger als nötig in der Gegend herum zustehen versuchte ich schließlich irgendwo einen Hinweis auf Rosiel zu finden. Das Problem war nur, das dieses Gebäude dafür viel zu groß war. Die Räume grenzten in einem schier endlosen Wirrwarr aneinander und hier und da hatte ich den Eindruck, das ein Raum schon seit Jahren nicht mehr genutzt worden war. Wie sonst erklärte man sich die meterhohen Staubschichten und Spinnweben?

Eine Landkarte wäre echt nicht schlecht gewesen. Warum muß Rosiel auch so ein riesen Anwesen besitzen? Das Teil ist das reinste Labyrinth! Nach einer knappen halben Stunde fand mich dann zum Glück eine der Sisters, die anscheinend schon etwas länger auf der Suche nach mir gewesen ist. Nach allem was ich aus ihren tausend Entschuldigen heraus hörte hatte Dobiel eigentlich die Aufgabe gehabt mich direkt bei ihr abzuliefern, aber charmant wie er eben so ist hat er es vorgezogen mich am anderen Ende des Anwesens einfach allein zu lassen. Ach ja und selbstverständlich regte sie sich ziemlich über mein Erscheinungsbild auf, das unter der Begegnung mit den Huntern doch recht deutlich gelitten hatte. Der Lederoverall hatte diverse Risse und Löcher davongetragen und die Haut darunter sah auch nicht gerade viel besser aus. Wenigstens hatte sich Raphael äußerst erfolgreich um den Bruch in meinem Arm gekümmert, so das zumindest dieses Problem inzwischen behoben war.

"Madame bitte." Sie hielt mir eine Tür auf und wartet offensichtlich darauf das ich eintrat. Ich tat ihr den Gefallen und sah nur noch wie die Tür hinter mir langsam ins Schloß fiel. Sieht ganz danach aus als würde man mir das Vergnügen Rosiel zu begegnen allein überlassen. Ist das jetzt gut oder schlecht? Allerdings war ich etwas überrascht aus der anderen Ecke des Raumes zwei Stimmen zu vernehmen. Rosiel ist also nicht allein. Was einen ziemlich guten Grund darstellt sich erstmal nicht bemerkbar zumachen. So leise wie möglich näherte ich mich den Stimmen.

"Sag mir nur eines Rosiel-sama. Vermißt du sie oder bist du glücklich sie endlich los zu sein?" Das ist doch... Nein, vollkommen unmöglich! Das kann nicht sein. Vorsichtig näherte ich mich noch etwas mehr sorgte aber gleichzeitig dafür das man mich nicht entdecken würde in dem ich mich hinter einem Vorhang verbarg.

"Ich weiß nicht... aber ich kann nicht sagen, das mich ihr Tod freut." Meine Hände krallten sich in den Stoff als ich die zweite Person erkannte. Es war Catan gekleidet in eine der Uniformen von Rosiels Garde. Aber das ist vollkommen unmöglich! Er ist doch ein Ghoul gewesen. Wie soll das gehen?

"Du hast sie geliebt." Sein Blick glitt sorgenvoll auf Rosiel der nachdenklich auf einem Sofa saß. Seine Worte hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Rosiel wirkte als würde er sich zum ersten Mal über diese Tatsache Gedanken machen und auch mich ließ diese Feststellung nicht kalt. Sicher, er hat mir mal so was ähnliches zu verstehen gegeben, aber ich habe doch nicht im Traum daran gedacht, das er es wirklich ernst meinen könnte. Dieser völlig durchgeknallte, größenwahnsinnige Engel hat sich in mich verliebt. In mich! Das Kind eines Engels und eines Dämons! Mein Herz begann immer schneller zu klopfen.

"Wieso hast du mir nichts gesagt, als du es bemerkt hast?" Rosiels Stimme schwankte zwischen Vorwurf und Trauer. Mein Verschwinden muß ihm näher gegangen sein als ich vermutet hatte. Nur würde mich interessieren wie Catan auf die hirnverbrannte Idee kommt, das zwei Personen, die sich andauernd streiten ineinander verliebt sein könnten?!

"Hättest du mir denn geglaubt?" Selbstverständlich nicht! Das sich ein Engel wie Rosiel sich in mich verliebt oder umgekehrt ist doch auch Schwachsinn! Immerhin können wir uns nicht leiden. Höchstwahrscheinlich hätten wir Catan für vollkommen wahnsinnig erklärt. Zärtlich ließ ich meinen Blick über seine Gestalt streifen. Er kennt uns wirklich besser als wir uns selbst...

"Weißt du Rosiel-sama ich werde sie vermissen." Sein Blick lag auf einem der Fenster und ich konnte sehen wie er mit den Tränen kämpfte, aber er weinte nicht. Wahrscheinlich wußte er ebenso gut wie Rosiel das es unmöglich sein würde herauszufinden wo sich meine Seele befand. Vorausgesetzt natürlich ist wäre gestorben. Verdammt, warum bin ich eigentlich so nervös? Nichts wäre einfach als jetzt dort hinüber zu gehen und diesen beiden Engeln zu zeigen, das es mir gut geht. Warum zögere ich noch?

"Das tue ich schon die ganze Zeit..." Mein Herz klopfte mir bei diesem Eingeständnis von Rosiel bis zum Hals. Ich hätte nicht erwartet, das ich ihm soviel bedeute. Irgendwie habe ich das Gefühl, das seine Einsamkeit nach meinem Verschwinden nur noch größer geworden ist, auch wenn Catan inzwischen wieder bei ihm ist. Mein Gewissen begann sich zu regen, aber im Endeffekt wußte ich, das ich gar nicht anders hatte handeln können. Hätte ich nach meinem Erwachen Yetzirah nicht verlassen wäre ich bestimmt von den Huntern und einigen anderen Engeln entdeckt worden. Mein Geheimnis wäre nicht lange genug verborgen geblieben und nicht einmal Rosiel hätte mich vor der Gefangenschaft bewahren können. Sein Blick hob sich etwas und in den klaren goldenen Augen spiegelte sich für einen kurzen Moment das Licht des Mondes bevor er den Kopf wieder sinken ließ. Dieser Anblick ließ die Schmetterlinge in meinem Bauch zu neuem Leben erwachen.

"Es ist wahr Catan. Ich vermisse sie." In seiner Stimme lag eine Einsamkeit, die ich nie bei ihm vermutet hätte. Es wird Zeit, viel länger kann ich mich nicht mehr versteckt halten. Ich habe die Beiden schon viel zu lange allein gelassen. Außerdem kann es ein besseres Stichwort geben? Aber warum zittern dann meine Knie?

"Ach wirklich? Verrätst du mir auch wieso? Hast du etwa keinen mehr der dir auf die Nerven geht Rosiel-chan?" Als er meine Stimme vernahm wirbelte er herum und starrte mich vollkommen entgeistert an. Sein Blick flog kurz zu Catan als wollte er ganz sicher sein, das er keinem Trugbild aufsaß. Allerdings sah dieser ebenfalls so aus als hätte er gerade einen Geist gesehen. Eigentlich auch kaum verwunderlich. Immerhin waren die Beiden bis vor zwei Sekunden der festen Überzeugung ich sei tot.

"Shao?!" Spöttisch lächelte ich ihn an um nicht in Tränen auszubrechen. Habe ich mich denn so sehr verändert, das er mich nicht mehr erkennt? Langsam ging ich auf sie zu und tippte beiden kurz an die Stirn, damit sie merkten, das ich keine Einbildung ihrer Phantasie war und ich gleichzeitig ganz sicher gehen konnte, das diese Gespräch kein Traum gewesen war und vor allem wollte ich Catans Haut spüren. Er war also wirklich geheilt! Erleichtert ließ mich in einen Sessel sinken. Sie waren immer noch reiflich aus der Fassung und starrten mich entgeistert an. Lächelnd schlug ich die Beine übereinander und verschränkte die Arme hinter meinem Kopf. Meine Nervosität war plötzlich wie weggeblasen. Ich war wieder zurück und würde die Beiden so schnell bestimmt nicht wieder allein lassen.

"Habt ihr wirklich geglaubt, das ihr mich so leicht los werdet?" Es war das erste Mal, das sowohl Rosiel als auch Catan vollkommen sprachlos waren und es dauerte ziemlich lange bis sie den kleinen Schock, den ich ihnen durch mein Auftauchen verpaßt hatte überwunden hatten. Immerhin steht man nicht jeden Tag wieder von den Toten auf. Rosiel hatte sich als erster wieder im Griff und ich konnte mir ungefähr eine Stunde lang anhören wie dämlich ich gewesen bin mich einfach so von einer Brüstung zu stürzen nur um in die Hölle zu gelangen. Die Tatsache, das ich a) noch höchst lebendig und b) mir auch nicht sonderlich viel passiert war ließ er dabei außen vor. Nachdem er endlich fertig war sich über diese unwesentlichen Tatsachen aufzuregen stand ich kurz davor einzuschlafen, was sein lautes Türenknallen allerdings äußerst erfolgreich verhinderte. Völlig verdattert sah ich ihm hinterher. Das war's? Kein schön dich zu sehen? Oder oh, dir ist nichts passiert?

"Was hat ihn denn gebissen?" Ich konnte nicht verhindern, das meine Stimme enttäuscht klang.

"Das fragst du mich?" Catan hatte sichtlich Mühe damit sein Lachen zu unterdrücken und sein Blick sprach Bände. Er hatte mich also durchschaut.

"Aber er muß sich doch deshalb nicht so anstellen." Grummelnd starrten ich die Tür an und ließ ich mich ein Stückchen weiter in den Sessel sinken.

"Du bist richtig niedlich wenn du schmollst."

"Ich schmolle nicht! Ich dachte nur er würde sich vielleicht freuen mich wiederzusehen."

"Oh keine Sorge, das tut er. Er kann es nur nicht zeigen." Seine Mundwinkel zuckten derart verräterisch, das ein kleiner Schmollmund von mir reichte um ihn erstmal für circa fünf Minuten zum Lachen zu bringen. Ich wußte zwar nicht wie Rosiel und er es geschafft hatten, aber das er seine wirkliche Gestalt zurück hat erleichterte mich unheimlich. Nachdenklich betrachtet ich mein linkes Handgelenk wo sich unter dem dünnen Leder leicht der Abdruck eines Armbands abzeichnete. Sieht ganz so aus als wäre ich umsonst in Sheol gewesen...

"Was hast du?" Sein Blick zeigte deutlich, das er sich Sorgen um mich machte.

"Nichts, ich bin nur froh, das es dir gut geht." Kritisch fing er meinen Blick auf.

"Du hast dich sehr verändert..." Ich wich ihm aus.

"Du aber auch. Ich hätte niemals damit gerechnet, das Rosiel dich heilen könnte." Mit einem leichten Räuspern wandte er sich ab.

"Das hat er auch nicht. Ich habe aufgegeben." Ich fuhr auf.

"WAS?!"

"Noch lebe ich, aber es ist nur eine Frage der Zeit bis ich endgültig zum Ghoul werde." Fassungslos starrte ich ihn an. Er sagt das so als würde er mir klarmachen wollen, das es morgen vielleicht regnet.

"Aber wieso? Ich verstehe das nicht? Du wußtest doch, das ich dich niemals im Stich lassen würde." Mitleidig sah er mich an und erzählte mir was sich in meiner Abwesenheit ereignet hatte. Sicher, er hatte gewartet, aber eines Tages hatte Rosiel ein paar I-Children in sein Verließ gebracht um Catans Hunger zu stillen, unter denen sich auch ein Engel namens Teiaiel befand. Dieses Mädchen hatte die Fähigkeit die Gedanken anderer lesen zu können und verstand so auch ihn. Obwohl er ein Ghoul war freundeten sie sich an. Tiara, wie er sie liebevoll nannte wurde für ihn zu einem Licht in der Dunkelheit. Ihre Hoffnungen auf eine Welt in der sie friedvoll und ohne Sünden zusammen leben könnten beruhigte sein gequältes Herz und doch hatte er es nicht geschafft ihren einzigen Wunsch zu erfüllen. Sie wünschte sich nichts sehnlicher als mit ihm gemeinsam die Himmel zu verlassen und diese eine Welt zu suchen, aber konnte nicht. So sehr er auch wollte, sein Herz und seine Treue galt einzig und allein Rosiel. Deshalb griff er ein als ein Haufen Mörder in sein Gefängnis eindrang und Tiara tötete. Sie hatte ihm Hoffnung gegeben und er hatte es nicht geschafft ihr zu helfen. Ihr Tod hatte ihm zu Bewußtsein geführt wie dringend Rosiel ihn brauchte und das er ihn niemals verlassen konnte. Deshalb hatte er aufgegeben. Mühsam schluckte ich alles was ich ihm hätte sagen können hinunter. Es war offensichtlich das er unter diesem Verlust litt, aber ebenso klar war es, das er sich niemals anders hätte entscheiden können. Rosiel war für ihn wichtiger als sein eigenes Leben.

"Obwohl ihr Name Engel der Zukunft bedeutete hatte sie keine..." Sein Blick lag schmerzvoll auf der Decke des Zimmers und in seinen Augen schimmerten vereinzelte Tränen.

"Wir haben sie unter weißen Blumen begraben, damit ihre Seele nun auf ewig in dem Licht scheinen kann nach dem sie sich so sehr gesehnt hat."

"Nicht. Hör auf dich zu quälen." Sanft nahm ich sein Gesicht in meine Hände und zwang ihn mich an zusehen.

"Sie war glücklich weil sie dich getroffen hat und sie ist auch noch jetzt. Ganz sicher." Seine Hände legten sich vorsichtig über meine.

"Und das soll mir reichen?" Der Schmerz in seinen Augen war mehr als ich ertragen konnte. Ich kannte ihn selbst nur zu gut. Vorsichtig zog ich meine Hände zurück.

"Nein, aber es ist ein Stück Hoffnung. Ein kleines Licht in einem Meer aus Dunkelheit." Ich tippte auf sein Herz.

"Genau hier. Dort wird es nie mehr verlöschen." Er drückte mich fest an sich.

"Ich bin so froh das dir nichts passiert ist." Ich klammerte mich an seinen Rücken und sei es nur aus dem Grund, um sicher zu gehen, das er es wirklich war. Der angenehme Duft seiner warmen Haut stieg zu mir auf und ich wünschte mir nichts mehr, als das wir in unser altes Leben zurück könnten und alles wieder so wurde wie es einmal war. Ein sinnloser Wunsch ich weiß, aber ich würde nichts lieber tun als ihm diese Unbeschwertheit wiederzugeben. Ohne ihn wäre mein Leben nur halb so schön gewesen und obwohl wir nie mehr als Freunde waren konnte ich mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Maria wunderte sich nicht zu unrecht warum wir kein festes Paar waren, aber wir hatten das mit der Beziehungskiste einmal probiert was damit geendet hatte, das wir lachend neben dem Bett lagen und nicht darin. Es war seltsam aber wir haben nie mehr für einander empfunden als Freundschaft. Wenn ich da hingegen an das mit Kira denke... Lieber nicht, das ist Monate her...

"Und ich erst. Ich dachte schon ich wäre zu spät dran."

"Zu spät?" Verwundert ließ er mich los, was mir genügend Zeit gab meinen linken Ärmel nach oben zu krempeln. Das Silber blitzte im Licht hell auf.

"Ja, um dir das hier zu geben." Vorsichtig streifte ich mir den Armreif ab und hielt ihn ihm entgegen.

"Meinst du etwa so was steht mir?"

"Quatschkopf!" Lachend knuffte ich ihn in die Seite.

"Das hier ist das Heilmittel für einen Ghoul." Er starrte mich vollkommen fassungslos an.

"Hey, jetzt guck nicht so. Ich habe dir doch gesagt, das ich weiß wie ich dir helfen kann."

"Ich faß es nicht, das du es wirklich bis nach Sheol geschafft hast. Gott, was habe ich getan?" Langsam ließ ich meine Hand wieder sinken. Ich ahnte schon was jetzt kommen würde.

"Ich hätte niemals zulassen dürfen, das du dich selbst tötest nur um nach Sheol zu gelangen."

"Wie kommst du eigentlich auf den Trichter, das ich tot bin? Hör mal wenn das so wäre, dann würde ich jetzt bestimmt nicht vor dir stehen." Er war völlig aus der Fassung. Kein Wunder es ist ja auch ziemlich unrealistisch sich aus dem Himmel direkt in die Hölle zu stürzen und das nebenbei auch noch lebend zu überstehen.

"Aber wie? Nee-chan wie soll das gehen?" Lachend ließ ich mich in auf das Sofa fallen. Sein Gesichtsausdruck war herrlich.

"Kommt ganz darauf an wie viel Zeit du hast." Es wurde eine lange Nacht. Wir saßen zusammen gekuschelt auf dem Sofa schwelgten in Erinnerungen und ich erzählte ihm gerade soviel sich verantworten ließ. Er wußte das ich ihm etliches verheimlichte, aber er fragte mich nicht weiter danach. Es war dasselbe wie schon zu vor bei meinem Träumen. Nie hatte er gefragt warum ich sie hatte oder wieso die Hunter mich verfolgten. Er war einfach nur da und hielt mich fest. Genauso wie jetzt. Ich habe ihm längst nicht alles erzählt was er wissen sollte aber ich brachte es einfach nicht über mich ihn mit diesem Wissen vielleicht in eine Situation zu bringen, die ihn ebenso sehr leiden lassen würde wie mich. Er erfuhr nur das aller Nötigste. Sicher, er hatte unendlich viele Fragen was meine Vergangenheit betraf, aber er würde sie mir nicht stellen, das wußte ich. Er würde warten bis ich es ihm eines Tages selbst erzählte. Ich war ihm unendlich dankbar dafür. Eine einzige Frage von ihm hätte genügt und ich hätte ihm alles erzählt. In meinem Leben spielt er eine viel zu große Rolle, als das ich ihn länger als nötig anlügen würde.

Selbstverständlich konnte ich ihm schlecht verheimlichen das ich alles andere als ein normaler Mensch war, aber ich ließ es so aussehen als wäre lediglich meine Mutter ein Engel gewesen, auch wenn ich mich an ihr Gesicht nicht mehr erinnern konnte. Was seine Fragen bezüglich meines Vaters anging, so mußte ich noch nicht einmal lügen, da ich mich nach wie vor an fast gar nichts was ihn betraf erinnern konnte. Ebenso akzeptierte er das ich mich ohne Probleme in der Hölle bewegen konnte und in Astaroth einen Verbündeten hatte. Die Frage was mich zurück nach Yetzirah getrieben hatte würde sich in einer solchen Situation auch anbieten, aber da er wußte das ich mit Sara und Setsuna befreundet war stellte er sie nicht. Auch was ich jetzt tun wollte war ihm egal. Es war nur wichtig das wir beide diesen kleinen Moment für uns hatten. Anscheinend wußten wir Beide, das wir so ungezwungen wie jetzt nicht so schnell wieder miteinander reden konnten. Er erzählte mir fast alles was sich in meiner Abwesenheit in Yetzirah ereignet hatte und auch wo Sevothtarte für gewöhnlich Jibril gefangen hielt. Selbstverständlich wußte er, das ich mir diese Information auch auf andere Weise hätte beschaffen können, aber es zeigte auch gleichzeitig, das er im Vergleich zu Rosiel nicht versuchen würde mich an irgendeinem meiner Vorhaben zu hindern. Was auf Gegenseitigkeit beruhte. Niemals würde ich ernsthaft versuchen ihn von einem seiner Vorhaben abzubringen. Wir würden beide unsere eigenen Ziele verfolgen und dadurch vielleicht schon bald zu Gegnern werden... aber das lag noch in weiter Zukunft momentan waren wir einfach nur füreinander da. Ich merkte wie ich allmählich eindöste.

"Warum sagst du es ihm eigentlich nicht?" Es war viel zu gemütlich zum wach werden. Halbschlaf ist doch auch schön.

"Hmm? Was?" Seine Hand striff sanft durch mein Haar.

"Warum du es ihm nicht sagst?" Och nö! Nicht jetzt! Bitte nicht dieses Thema. Ich hatte Rosiel fast komplett aus meinen Gedanken verbannt und nun holte er ihn wieder zurück. Warum? Warum kann nicht einfach alles so bleiben wie es ist? Das würde so vieles erleichtern.

"Nee-chan?" Grummelnd drehte ich meinen Kopf ein kleines Stück zur Seite und rutschte dabei leicht von seiner Schulter ab.

"Wieso sollte ich?" Mit einem leichten Seufzer sah er mich an. Schon klar, ich weiß bescheid. Das zählt nicht.

"Bitte, erwähn seinen Namen nicht. Ich möchte jetzt nicht darüber reden." Es hilft nichts. Ich kann vor meinen Gefühlen nicht weglaufen. Besser ich stelle mich ihnen. Aber was bringt mir das außer Schmerz und Leid? Am Ende bin ich doch wieder allein.

"Aber warum denn nicht? Für euch beide wäre es leichter wenn ihr es endlich aussprechen würdet." Langsam ließ sank mein Kopf auf seinen Schoß. Wenn du wüßtest... wenn du nur wüßtest warum ich es ihm nicht sagen kann...

"Nein wäre es nicht. Es würde alles nur noch komplizierter machen." Sein Hand fuhr vorsichtig durch mein Haar. Bitte! Bitte red nicht mehr davon. Ich will mir jetzt keine Gedanken darüber machen. Wenn ich Rosiel sage was ich wirklich für ihn empfinde sind wir beide in Gefahr. Ich würde zu seinem Schwachpunkt werden und er zu meinem. Nein, er wäre nicht mein Schwachpunkt. Ganz sicher nicht. Dieses Mal würde ich alles opfern nur um Assia zu retten. Es wird mir zwar das Herz zerreißen, aber ich werde diesen Fehler nicht noch einmal machen. Ich werde es nicht riskieren das sich die Vergangenheit wiederholt. Nicht dieses Mal.

"Nee-chan warum?" Ich antwortet ihm nicht sondern verbarg meinem Kopf in seinem Schoß. Soll ich es ihm erklären? Ihm die ganze Wahrheit sagen?  Ihn mit meiner Vergangenheit belasten? Nein, das könnte ich nie. Dieses Wissen würde ihn zerstören.

"Ich verstehe dich nicht. Wenn du Rosiel-"

"Nicht! Bitte, laß uns nicht mehr davon sprechen." Es ist schon schlimm genug zu wissen, das ich dein Vertrauen mißbrauchen werde. Mach es mir nicht noch schwerer. Er seufzte leicht, aber schwieg. Erleichtert atmete ich auf.

"Was zum Henker hast du getan?!" Erschrocken fuhr ich auf. Uns gegenüber stand ein reiflich aufgebrachter Rosiel, der angesichts der momentanen Situation sogar noch eine Spur wütender wurde als er es ohnehin schon war.

"Rosiel-sama es-"

"Schweig! Darum geht es überhaupt nicht!" Er sah Catan derart vernichtend an, das ich merken konnte wie dieser zusammen zuckte. Täusche ich mich oder ist Rosiel eifersüchtig auf ihn?

"DU!" Immer noch halbschlafend und völlig von der Rolle versuchte ich mich zu erinnern wegen was er jetzt schon wieder auf mich sauer sein könnte. Da ich allerdings noch nicht sonderlich lange Yetzirah aufhielt konnte ich ja wohl kaum schon etwas angestellt haben. Es sei denn er kann seit neustem Gedanken lesen und hat mitbekommen was ich vorhabe.

"Wie kommst du auf die hirnverbrannte Idee zu behaupten du seist Jibrils Schutzengel?!" Warum müssen sich hier Neuigkeiten eigentlich immer so verdammt schnell verbreiten? Hätte es nicht gereicht wenn er es morgen früh erfahren hätte?! Gähnend richtete ich mich ganz auf und antwortete ihm.

"Erstens, diese Behauptung stammt nicht von mir und zweitens solltest du dir endlich mal angewöhnen zu klopfen." Das war zuviel. Ich fand mich keuchend hinter dem Sofa wieder während sich ein Ring aus Eisen um meinen Hals schloß. Irgendwie schaffte ich es mich an der Lehne wieder auf die Beine zu ziehen. Rosiel kochte immer noch vor Wut. Es würde mir zwar nicht sonderlich viel helfen wenn ich mich jetzt von seinem Angriff befreite, aber langsam geht mir die Luft aus. Mit einer leichten Handbewegung zerriß ich das dünne magische Band, das sich um meinen Hals gelegt hatte und stützte mich schwer atmend an der Rückenlehne des Sofas ab. Ich konnte mich nur zu gut an eine ganz ähnliche Situation erinnern und zwar als Rosiel zum ersten Mal in meiner Wohnung aufgekreuzt war. Damals hatte versucht mich auf eine ganz ähnliche Art und Weise zu töten. Damit wären wir also wieder ganz am Anfang gelandet, allerdings mit einem kleinen Unterschied. Dieses Mal bin ich sehr wohl in der Lage mich gegen ihn zu behaupten. Das merkte leider auch Rosiel und ich hatte meine Chance ihm weiterhin etwas vormachen zu können vor knapp zwei Sekunden vertan. Jetzt war er so etwas von mißtrauisch das es einem mittleren Wunder gleichkäme wenn er keine Fragen stellen würde. Das war wahrscheinlich auch der Grund warum ich so überrascht war als er sich einfach auf dem Absatz umdrehte und ging. Fragend sah ich Catan an, doch er zuckte nur ratlos mit den Schultern. Was auch immer Rosiel geritten haben mochte, ich war baff. Ich hatte wirklich mit fast allem gerechnet, aber nicht damit, das er mich für die nächsten zwei Tage komplett ignorierte. Gut, es war nicht das Schlechteste was mir passieren konnte, immerhin hatte ich so genügend Zeit mich um ein, zwei andere Dinge zu kümmern, aber merkwürdig war es schon.

Zu allererst versuchte ich unbemerkt in die Eden-Bibliothek zu gelangen, was an einem ziemlich mißgelaunten Rosiel scheiterte, der mich just in dem Moment abpaßte als ich die geheime Zugangstür öffnen wollte. Da mir auch keine fadenscheinige Erklärung einfallen wollte was ich ausgerechnet zu dieser Uhrzeit (so circa halb fünf morgens) und dann noch mit beiden Händen die Wand abtastend an eben jenem Ort wollte, starrte ich ihn einfach nur giftig an. Er seufzte leicht, bevor er mir zu verstehen gab, das es sinnvoller wäre ihm jetzt einfach zu folgen. Eigentlich hatte ich einen Protest von wegen ich sei kein Hund der auf Pfiff oder Fingerschnippen reagierte schon auf den Lippen, aber da ich bereits mehrfach die Bibliothek ohne sein Wissen betreten hatte ließ ich es sein. Vielleicht war es aber auch nur mein schlechtes Gewissen, weil ich ihn solange in dem Glauben gelassen hatte, das ich tot sei. Überhaupt war er in meiner Gegenwart ziemlich wortkarg. Wenn er mir mal was mitteilte, dann nur das aller nötigste. Gut, das änderte nichts an der Tatsache, das wir uns nach wie vor dauernd in der Wolle hatte, aber es war längst nicht mehr so schlimm wie vorher. Auch Catan wirkte ziemlich in sich gekehrt und so sehr ich es auch versuchte ich bekam aus keinem von Beiden heraus warum sie sich so merkwürdig verhielten. Allerdings fiel mir mit der Zeit etwas ganz anderes auf. Ich konnte keine zwei Schritte mehr machen ohne das nicht einer von den Beiden in meiner Nähe auftauchte. Anfangs dachte ich noch es würde sich lediglich um Zufälle handeln, aber mit der Zeit ging einem das doch ganz schön auf den Keks. Sich in Yetzirah zu bewegen war schon so schwierig genug aber mit den Beiden als Wachhund wurde es grausamer als jeder Spießrutenlauf. Den Beiden diesen Quatsch auszureden erwies sich auch nicht gerade als einfacher. Bei Rosiel biß ich auf Granit und bei Catan nun ja, drücken wir es mal so aus, nach etlichen Versprechungen und bitte, bitte, bitte ließ er sich doch noch erweichen und teilte mir Raziel als neues Hündchen zu. Damit wäre eines meiner Probleme gelöst. Bleiben? Zu viele, seufz...

"Shao-san, ist alles mit dir in Ordnung?" Lächelnd sah ich in die aquamarinblauen Augen, die mich fragend ansahen. Seitdem ich ihn wiedergesehen hatte durchströmte mich ein Gefühl von größter Zufriedenheit und ich hatte nicht allzu lange gebraucht um herauszufinden woran das lag. Es war mehr als deutlich zu sehen. Aquamarinfarbene Augen, goldenes Haar und ein sanfter Charakter. Er war das Ebenbild seiner Mutter und Anaels Gefühle ließen sich nicht kontrollieren. Sie überschwemmten mich wie eine warme Brandung. Anaels und Zaphikels Sohn... Ein Kind das eben so wenig existieren durfte wie ich, das wie ich keinerlei Ahnung hatte wer seine Eltern sind.

"Es ist nichts Raziel-chan. Aber warum sagst du mir nicht endlich woher deine Verletzungen stammen?" Es hatte mich schwer getroffen als ich bei unserem Wiedersehen die Verbände in seinem Gesicht gesehen hatte. Um seinen Kopf schlang sich ein Verband und auf seiner rechten Wange zeugte ein dickes Mullpflaster von einer tiefen Wunde. Die Fürsorge mit der ich ihn daraufhin überschüttete hatte uns beide überrascht. Anaels mütterliche Gefühle hatten so schnell von mir Besitz ergriffen, das ich nicht mehr verhindern konnte ihn zu bemuttern. Es tat weh ihn mit diesen Wunden zu sehen und doch schwieg er beharrlich was den Grund dafür war. Schließlich gab ich es auf ihn danach fragen zu wollen, aber Anael protestierte solange bis ich mich schließlich geschlagen gab und wieder damit anfing. Dafür das sie sich solange nicht gemeldet hatte war sie jetzt verdammt hartnäckig.

"Tut mir leid Shao-san, aber..."

"Ich weiß, du kannst es mir nicht sagen." Das ging schon seit Tagen so. Immer wenn ich versuchte auf dieses Thema zu kommen wich er mir aus. Bei diesen Wunden muß es sich um wesentlich mehr handeln als es den Anschein hat und er quälte sich damit ganz allein. Es war zum Verzweifeln.

"Dann laß mich dir wenigstens helfen." Noch ehe er vor mir zurückweichen konnte hatte ich den Verband um seinen Kopf gelöst. Darunter kamen einige unschöne Platzwunden zum Vorschein.

"Shao-san, ich- " Ich legte ihm einen Finger auf die Lippen damit er nicht weiter sprach. Das so ein kleiner Engel solche Wunden davon trug. Was mochte er getan haben? In was war er hineingeraten, das solche Wunden zurück blieben? Eine Schlägerei kann es kaum gewesen sein, dann würden die Verletzungen ganz anders aussehen.

"Auh!" Triumphierend hielt ich ihm das Pflaster unter die Nase und fast reflexartig versuchte er die Wunde auf seiner Wange mit einer Hand zu bedecken. Ich hielt sein Handgelenk fest und sah ihn ernst an.

"Auch wenn du mir nichts erzählen willst oder kannst. Diese Wunden sind nichts für kleine Engel. Du bist viel zu jung für so was." Er starrte mich vollkommen entgeistert an. Zärtlich striff ich mit einer Hand über seine verletzte Wange und schloß die Wunde. Für eine einfache Verletzung war sie viel zu tief. Irgend etwas mußte ihn mit viel Wucht dort getroffen haben, doch was?

"Shao-san was tust du da?" Sanft lächelte ich ihn als ich meine Hand von seiner Wange löste.

"Nach was sieht es denn aus?" Vorsichtig tastete er seine Wange ab und konnte es anscheinend nicht fassen, was er dort spürte. Kein Wunder. Ich hatte ganze Arbeit geleistet. Es war nicht mehr der geringste Kratzer zu sehen.

"Aber das ist doch..."

"Was? Unmöglich? Und wenn schon." Mit beiden Händen umfaßte ich seinen Kopf und kümmerte mich um die Platzwunden. Sie waren zwar auch tief, aber bei weitem nicht so tief wie die Wunde auf seiner Wange.

"Was heißt denn in diesem Leben schon unmöglich?" Er sah mich unsicher an. Kein Wunder immerhin habe gerade eben Kräfte an den Tag gelegt, die ein normaler Mensch gar nicht haben dürfte. Als ich meine Hände über seine Wangen streiften merkte ich, das sein linkes Auge ebenfalls verletzt worden war, auch wenn es bei Weitem nicht so schlimm war wie dir übrigen Wunden, die er erlitten hatten. Behutsam hauchte ich ihm einen Kuß darauf woraufhin er vor mir zurückwich als hätte ihn soeben was gestochen.

"Jetzt stell dich bitte nicht so an. Du hättest auf dem Auge für den Rest deines Lebens eine Sehschwäche gehabt."

"Aber, aber... aber das..."

"Sag mir jetzt bitte nicht, das war dein erster Kuß." Er lief augenblicklich knallrot an und begann irgend etwas unverständliches vor sich hin zu stottern. Na ganz toll. Ein Engel, der noch nie geküßt worden ist und dabei kann man das noch nicht mal so nennen. Also Themawechsel.

"Bist du eigentlich sonst noch irgendwo verletzt?" Der Rotton vertiefte sich noch ein bißchen. Armes Kerlchen. Was haben sie dir nur angetan?

"Keine Sorge, du mußt dich nicht ausziehen." Ich zwinkerte ihm zu woraufhin er in die andere Ecke es Raums zurückwich. Es ist wirklich niedlich wie schüchtern er ist. Ohne meine Position zu verändern hüllte ich ihn in einen Teil meiner Aura ein und taste seinen Körper nach weiteren Wunden ab. Wie erwartet hatte er davon weitaus mehr als es auf den ersten Blick den Anschein hatte. Als ich fertig war und das grüne Licht um ihn herum allmählich seine Leuchtkraft verlor lag sein völlig ungläubiger Blick auf mir.

"Shao-san, wie hast du das gemacht?" Mein Lächeln lag nach wie vor auf ihm. Schätze mal ich habe ganze Arbeit geleistet.

"Das ist unglaublich. Die Wunden, sie sind alle weg." Als wenn ich mich mit halben Sachen zufrieden geben würde.

*Ich hätte dir auch was anderes erzählt, wenn das nicht so wäre.* Anael war sichtlich erleichtert, das es ihrem Sohn wieder besser ging. Ein Gefühl, das von mir ebenso Besitz ergriff. Ich konnte es nicht verhindern, das ich in diesem kleinen Engel etwas ganz ähnliches zu sehen begann wie sie.

*Hör mal, ich habe ja nichts dagegen wenn du so in Selbstzufriedenheit schwelgst, aber ich glaube da hat jemand noch ein paar Fragen an dich.* Mit einem leichten Schubs vertrieb sie mich aus ihrer Nähe und zog sich wieder zurück, damit ich mich um Raziel kümmern konnte. Er stand mittlerweile genau vor mir und sah mich an, als würde er mich zum ersten Mal in seinem Leben wahrnehmen. Ich lehnte mich in der Nische etwas zurück wodurch die Fensterläden hinter mir verdächtig zu knirschen begannen.

"Shao-san, danke." Seine Umarmung kam unerwartet, aber sie löste etwas in mir aus. Ich würde diesen kleinen Engel so gut es ging beschützen und sei es nur um Anael noch mehr Trauer zu ersparen. Das sie ihren Sohn ebenfalls verliert würde ich auf gar keinen Fall zu lassen.

"Keine Ursache mein Kleiner. Gern geschehen." Er klammerte sich fester an mich.

"Ich sollte das nicht tun... er meinte, es würde nur Schwierigkeiten bringen wenn ich darüber spreche, aber..." Seine Tränen tropften auf meinen Schoß.

"...irgend jemand... irgend jemandem muß ich es einfach erzählen." Sanft strich über sein Haar.

"Dann quäl dich nicht länger. Komm, ich hör dir zu." Und so erfuhr ich woher seine Wunden stammten und was der Kleine in meiner Abwesenheit durchgemacht hatte. Während einer Streife war er in der untersten Schicht von Yetzirah, Shamayim gelandet und hatte dort einen weiblichen Engel mit nur einer Schwinge getroffen. Ihr Name war Shatiel und sie hatte versucht ihn auszurauben leider waren sie beide dabei von einem Abgrund gestürzt und er hatte sich dabei verletzt als er sie auffing hatte. Sie hatte ihn mit zu sich nach Hause genommen und verarztet und zum ersten Mal in seinem Leben hatte Raziel gesehen was in den Slums von Yetzirah wirklich vor sich ging. Wie ich konnte er ebenfalls nicht verstehen warum so viele Engel dort unten leben mußten und dann auch noch zum Spaß von den anderen Engeln wie Hasen gejagt wurden. Shatiel hatte ihm schließlich geholfen zurück zu kehren und er hatte ihr versprochen ihr bei seinem nächsten Besuch etwas mitzubringen. Nicht nur ihr, sondern auch all den I-Children, die bei ihr Unterschlupf gefunden hatten. Es war ihm sogar gelungen Sevothtarte dazu zu überreden Lebensmittel und Spielzeug in den Slums zu verteilen. Die Engelsarmee kam für alle Unkosten auf. Für Raziel war es wunderschön zu sehen wie sehr sich die Kinder über ihre Geschenke freuten und als Shatiel ihm dann noch versicherte, das er jederzeit wiederkommen dürfte war sein Glück vollkommen. Doch mit dem was dann passierte hatte weder er noch eines der Kinder jemals gerechnet. Kaum hatte er Shatiel und die I-Children verlassen gab es eine furchtbare Explosion, die keiner von ihnen überlebte und das war nicht die Einzige. Überall in Shamayim explodierten Häuser und die Zahl der Opfer wuchs stündlich. Der hohe Rat hatte seine Chance, sich all der unnützen Engel zu entledigen genutzt und in sämtlichen der gelieferten Hilfsgütern Bomben versteckt. Es überlebten nur wenige und diese wurden von den 'angeblichen' Hilfstrupps niedergemacht.

"Und... und... und das ist alles meine Schuld! Wäre ich nicht so dumm gewesen hätte könnten sie alle noch leben. Nur durch meine Dummheit sind sie gestorben." Sein gesamter Körper zitterte unter seinen Tränen. Ich drückte ihn fester an mich.

"Nein! Egal, wer das behauptet. Es war nicht deine Schuld!" Er weinte nur noch mehr.

"Du verstehst das nicht Shao-san. Wäre ich nicht gewesen-"

"RAZIEL! Sieh mich an!. Es war nicht deine Schuld. Hörst du?" Sein Blick traf flackernd auf meinen. Noch immer schimmerten Tränen in seinen klaren Augen und der Anblick zerriß mich fast. Dieser kleine Engel war eiskalt von Sevothtarte ausgenutzt worden und es hätte nicht mehr viel gefehlt und er wäre ebenfalls gestorben.

"ES-WAR-NICHT-DEINE-SCHULD." Nein, ganz sicher nicht. Er hatte nichts damit zu tun. Er wollte lediglich etwas Gutes tun und das hatte der hohe Rat eiskalt ausgenutzt. Sie hatten seine Naivität benutzt um ihre Ziele zu verwirklichen und Raziel hatten sie danach einfach seinem Schicksal überlassen. Sie hatten sogar riskiert, das er bei dieser Explosion ebenfalls ums Leben kam. Dafür werden sie büßen, das schwöre ich.

"Shao-san, was hast du vor?" Erstaunt sah ich ihn an. Sind meine Gedanken so offensichtlich?

"Dein Blick ist vorhin so hart geworden, das man fast Angst vor dir bekommen könnte."

"Nur keine Sorge Raziel-chan. Es ist nichts." Selbstverständlich glaubte er mir kein Wort.

"Bitte, wenn du vor hast Sevothtarte deswegen zur Rede zu stellen... tu es nicht. Du weißt nicht zu was er fähig ist." Ich senkte meinen Kopf ein Stück zu Seite und sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Ich soll nicht wissen zu was dieser Irre fähig ist?! Das ich nicht lache.

"Bitte Shao-san." Sein flehender Blick war mehr als ich ertragen konnte. Dieser kleine Engel war so verzweifelt, das es mir fast das Herz zerriß. Was auch immer zwischen ihm und Sevothtarte vorgefallen sein mochte, es hatte gereicht um ihn für den Rest seine Lebens zu prägen.

"Schon gut, schon gut. Ich verspreche es, aber nur unter der Bedingung, das du endlich aufhörst zu weinen." Erleichtert fiel er mir um den Hals.

"Danke Shao-san, danke!" Shatiel ist also tot und mit ihr all die unschuldigen Kinder, die sich in ihrer Obhut befanden. Warum? Warum hatten sie das getan? Es war doch schon schlimm genug das sie all diese Kinder in die Slums verbannten. Warum mußten sie dann noch sterben? Warum nur müssen Engel so verdammt grausam sein?!

"Raziel-chan, du weißt nicht zufällig ob bei Shatiel noch ein anderer Engel gewesen ist, oder? Hat man in den Trümmern oder in der näheren Umgebung die Leiche eines männlichen Engels gefunden?" Ich konnte das leichte Zittern spüren, das durch seinen Körper lief. Es tut mir leid mein Kleiner, aber ich muß wissen ob Angel noch am Leben ist oder nicht. Irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl, das ich seine Hilfe brauchen werde wenn ich möglichst unauffällig nach Ethemenanki gelangen will. Entweder das oder die Hilfe der Anima Mundi. Aber ob es so klug ist sich den Rebellen anzuschließen? Immerhin habe ich auch schon so mehr als genügend Probleme unentdeckt zu bleiben.

"Nein, da war nur sie und die Kinder. Ich habe sie selbst beerdigt." Ich striff mit meinen Händen über seinem Rücken. Ganz ruhig. Keine Sorge, ich werde dich nicht lange danach fragen.

"Hör zu, ich frage das nicht um dich zu quälen, aber ich muß wissen ob dieser Engel noch am Leben ist." Angel ist vielleicht wirklich der Einzige, der mir helfen könnte den Aziluth Turm zu erreichen ohne mich mit Tausenden von Engeln anlegen zu müssen.

"Warum? Warum willst du das wissen?" Seine Stimme klang dumpf durch den Stoff meiner Kleidung. Mit einem Seufzer löste ich mich von ihm und sah ihn ernst an.

"Raziel-chan, was ich dir jetzt erzähle muß unter allen Umständen unter uns bleiben. Nur ein Wort zu irgend jemanden und keiner von uns beiden wird lebend aus dieser Sache herauskommen." Er erwiderte meinen Blick ohne auch nur einen Millimeter zurück zu weichen und dann weiteten sich seine Augen plötzlich.

"Du warst das. Du hast uns damals vor dem Sturz gerettet. Du bist dieser graugeflügelte Engel!" Halb geschockt und halb stolz auf seine Kombinationsgabe sah ich ihn an. Anael kann wirklich stolz auf ihren Sohn sein. Er ist ein verdammt cleveres Kerlchen. Noch könnte ich ihn anlügen und ihm erzählen, das er sich das alles einbildete, aber das wäre sinnlos. Irgendwann würde er von selbst auf die Wahrheit kommen und außerdem hatte ich ihn schon viel zu sehr in meine Geheimnisse eingeweiht, als das er das so ohne weiteres schlucken würde.

"Ja, aber das darf nichts und niemand erfahren. Unter gar keinen Umständen!" Er nickte entschlossen.

"Keine Sorge Shao-chan, ich werde es niemanden erzählen. Ohne dich wäre ich damals gestorben." Erstaunlich wie ernst er sein kann. Er erinnert mich an meinen Sohn. Ob er in diesem Alter wohl genauso gewesen wäre?

"Gut, dann hör mir jetzt gut zu, da ich dir nur ein einziges Mal erzählen werde was an diesem Tag passiert ist nachdem wir von der Brüstung stürzten." Er hörte mir gebannt zu und unterbrach mich nicht ein einziges Mal obwohl man ihm deutlich ansehen konnte, das es ihn reiflich überraschte, das ich Shatiel ebenfalls gekannt hatte. Auch die Verbindung zu Angel und damit zur Anima Mundi verblüffte ihn. Sicher, er wußte, das ich eingewilligt hatte in Yetzirah zu bleiben um einem Engel das Leben zu retten, aber er hatte nie erfahren um welchen Engel es sich dabei handelte. Geschweige denn, das ich ihn danach noch einmal wiedergetroffen hatte. Eine Kurzbeschreibung von Angel reichte ihm um mir sagen zu können, das dieser ebenfalls schon vor geraumer Zeit gestorben war. Erstaunlicherweise wußte Raziel eine Menge darüber. Anscheinend hatte Angel versucht etwas über Sevothtarte herauszufinden und wurde dabei von ihm erwischt. Nur mit der Hilfe eines großen Engels gelang ihm die Flucht. Was niemand wußte, war das es sich bei diesem Engel um Jibril handelte, da diese zu dem damaligen Zeitpunkt immer noch leblos im Wassergarten saß. Aber aus irgendeinem Grund schützte sie ihn durch ihre Magie. Sevothtarte hatte jeden einzelnen Stein umgedreht nur um Angel zu finden und sogar die Garde der Seraphim, die seinem direkten Befehl unterstand und die absolute Elite der momentanen Militärs darstellte, mobil gemacht. Nur entkam ihm Angel und tauchte unerkannt bei Zaphikel auf, dem er vergeblich zu erzählen versuchte was mit Jibril los war und was sich hinter Sevothtartes Maske verbarg. Sevothtarte war es gelungen eine Nadel in Angels Körper zu stechen, die verhindern sollte, das dieser auch nur ein einziges Wort darüber verlieren konnte. Würde er es dennoch versuchen wäre das sein sicherer Tod. In diesem Fall brachen keine zwei Sekunden nachdem er Zaphikel das wichtigste, das er herausgefunden hatte anvertraute, sämtliche Blutgefäße seines Körpers auf und er sank tot zu Boden. Raziel war in diesem Moment auch nur anwesend gewesen weil eine  Stimme ihn gerufen hatte. Ich mußte ihn nicht fragen um wen es sich dabei handelte. Ich war mir sicher, das es sich dabei um Sara gehandelt haben mußte, deren Seele sich in Zaphikels Obhut befunden hatte. Ich frage mich ob er weiß wer der Anführer der Anima Mundi ist.

"Shao-san wieviel weißt du eigentlich über die Anima Mundi?" Der Ernst in seiner Stimme war nicht zu überhören und irgendwie hatte ich das dumpfe Gefühl, das von meiner Antwort eine Menge abhing. Immerhin richtete er gerade eine Waffe auf mein Herz.

"Was hast du vor Raziel-chan? Willst du mich wirklich töten?" Er schüttelte verzweifelt den Kopf.

"Nein, aber wenn du zuviel darüber weißt bist du eine Gefahr." Es dauerte nicht mal zwei Sekunden und ich bekam einen Lachanfall. Vor lauter Überraschung ließ er die Waffe sinken.

"Oh man Raziel-chan wenn ich wollte, das man die Anima Mundi entdeckt, dann hätte ich viel früher dafür sorgen können. Glaub mir, das Letzte was ich will ist, das man die Rebellen entdeckt." Dafür müßte ich mindestens ebenso skrupellos wie Sevothtarte oder einige andere Engel sein und das war ich nicht. Sicher, für mein Ziel bin ich ebenfalls bereit über Leichen zu gehen, aber so lange es sich nur vermeiden läßt, will ich Unschuldige da raus zu halten.

"Aber, aber du... du lebst doch mit Rosiel zusammen und du trägst seine Uniform." Prustend erklärte ich ihm, das die Sache mit Rosiel sich nicht ganz so verhielt wie manche Engel es gern vermuteten. Und das ich mal wieder die Uniform seiner Garde trug hatte ich Catans Umsicht zu verdanken. Er meinte es wäre für mich wesentlich sicherer, wenn die anderen Engel glaubten, das ich loyal zu Rosiel stehen würde. Dann wäre auch mein Leben nicht mehr ganz so schnell gefährdet, da Rosiel jeden, der seiner Elite zu nahe kam unerbittlich verfolgte oder vernichtete. Meine Begeisterung hielt sich zwar in Grenzen, aber was sollte ich tun? Mich noch mal auf eine drei Stunden Diskussion mit Rosiel einlassen? Da war es wirklich einfacher einmal zu tun was er von mir verlangte. Dann hatte man wenigstens seine Ruhe.

"Aber jetzt sollten wir endlich weitermachen, oder nicht Raziel-chan? Sonst werden wir heute nicht mehr fertig." Entschlossen griff er sich den nächstbesten Bücherstapel und stellte ihn sorgfältig in eines unsere neu gezimmerten Regale. Wir hatten es in den letzten Tagen geschafft einen Großteil der Eden-Bibliothek aufzuräumen, aber wir waren noch längst nicht fertig. Diese Räume würden vielleicht niemals mehr ihren alten Glanz zurück erhalten, aber ich würde dafür sorgen, das man zumindest etwas wieder davon sehen konnte. Zu unserem Glück hatte noch niemand etwas von unseren heimlichen Aufräumaktionen gemerkt. Na ja, das uns hatte sich eigentlich eher zufällig ergeben, da ich davon ausgegangen war meinen Wachhund erfolgreich abgehangen zu haben. Wer rechnete denn schon damit, das sie mir ausgerechnet an diesem Tag Raziel zu teilen würden, der prompt wußte wo er mich zu suchen hatte? Als er plötzlich hinter mir stand war ich gerade dabei gewesen in einem noch nicht ganz zerbrochenen Blumenkübel einen Teil der verblieben Samen in der Erde zu neuem Leben zu erwecken. Wie ich ihm sinnvoll erklären sollte warum aus einem vor zwei Sekunden noch reiflich häßlichem Erdhaufen urplötzlich ein Meer von Pflanzen emporwuchs fiel mir in dem Moment natürlich auch nicht ein.

"Shao-san hilfst du mir bitte mal kurz?" Schuldbewußt zuckte ich aus meinen Gedanken hoch. Raziel mühte sich gerade damit ab einen der zerbrochenen Kübel wieder irgendwie zusammen zuflicken und wenn ich ihm nicht bald half würde die eine Hälfte über kurz oder lang auf einem seiner Füße landen. Ich griff zu und schlang gleichzeitig ein Seil um die beiden Hälften. Nach etwa fünf Minuten sah das Ding zwar immer noch reiflich ramponiert aus, aber man konnte erkennen, das es sich eigentlich um einen Blumenkübel handelte. Da wir außerdem mehr als genug Erde zur Verfügung hatten (keine Ahnung wie Raziel die so schnell organisiert hatte) konnten wir ihn direkt bepflanzen. Wobei die Pflanzen und Samen von mir stammten. Immerhin wußte ich ziemlich genau, wie man diverse Bestellungen zu seinen Gunsten ändern konnte. (Rosiel dreht mir zwar den Hals um, wenn er das herausfindet, aber was macht das schon?) Mit einem kleinen Fingerschnippen wurde auch dieser Kübel innerhalb von Sekunden zu einer kleinen, grünen Oase. Raziel kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Es war für ihn unbegreiflich, das ich solche Kräfte besaß und das ich sie jahrelang verborgen gehalten hatte. Vor allem, das ich in der Lage war Verletzungen ebenso gut zu heilen wie Raphael verblüffte ihn. Da er nichts von dem Siegel wußte war es nicht verwunderlich, das er fragte was einen Engel dazu bewegen konnte seine wahre Herkunft zu verleumden.

"Wenn du in Assia aufgewachsen wärst würdest du die Antwort kennen." Betroffen schwieg er als er die Bitterkeit in meiner Stimme hörte. Ich hatte gar nicht vorgehabt ihm zu antworten, aber die Worte hatten sich von meinen Lippen gelöst ehe ich es verhindern konnte. Nachdenklich ließ ich meine Finger über das üppige Grün vor mir streifen. Es war wirklich eine Schande, das dieser Ort zerstört worden war. Wer hat das nur getan? Warum würde irgend jemand befehlen einen solch friedlichen Ort, wie diese Bibliothek zu zerstören? Seufzend riß ich mich schließlich von den Pflanzen los. Es brachte nichts sich darüber den Kopf zu zerbrechen, das war lange vorbei. Wer auch immer diesen Befehl gegeben haben mochte, er hatte diesen Ort nie wieder betreten. Einmal zerstört war er in Vergessenheit geraten. Nicht einmal mehr wert durch einen Bannkreis geschützt zu werden. Er wurde einfach sich selber überlassen und verrottete im Laufe der Zeit.

"Komm Raziel-chan, laß uns gehen. Ich denke für heute haben wir genug getan." Und das stimmte. Die umgestürzten Regale standen zum Großteil wieder, die Bücher lagen nicht mehr heillos durcheinander auf dem Boden sondern bildeten Stapel, die sich in regelmäßigen Abständen quer durch den ganzen Raum verteilten und die Blumenkübel waren vom Staub und Erde befreit worden, sofern sie nicht völlig zu Bruch gegangen waren. Noch ein, zwei Tage Arbeit und man wurde einen Teil des ursprünglichen Glanzes wiedererkennen. Dennoch würde es noch lange nicht reichen um diesen Raum seiner ursprünglichen Nutzung wieder zurück zu führen.

Als sich das Portal hinter uns schloß dauerte es einen kleinen Moment bis ich realisierte, das mir kein anderer Engel entgegen kommen würde, der seine geliehen Bücher zurückbringen wollte. Auch die dämmrige Dunkelheit um uns herum, die nur vom Licht der Ölrinne erhellt wurde irritierte mich. Nur zu gut konnte ich mich daran erinnern wie dieser Ort einst vom Licht erstrahlt worden war und nur die Pflanzen für ein wenig Schatten sorgten. Es ist wirklich eine Schande, das dieser Ort in Vergessenheit geraten ist.

"Es wäre schön, wenn du mich heute begleiten könntest Shao-san. Zaphikel erwartet immer noch deinen Besuch." Kopfschüttelnd sah ich ihn an. Das fragte er mich schon seit dem ersten Tag an dem wir uns wiedergesehen hatten, aber meine Antwort würde sich nicht ändern. Auch wenn Anael es noch so gerne wollte. Es war viel zu früh um sich mit Zaphikel zu treffen. Ich hatte keine Ahnung was das für Folgen haben würde und außerdem müßte ich Rosiel erklären können was ich von einem der großen Throne wollte. Er würde mit Sicherheit eine Verschwörung wittern und ich hatte nicht vor Zaphikel in Schwierigkeiten zu bringen.

"Tut mir leid Raziel-chan, aber das kann ich nicht. Sag ihm bitte, das ich ihn sobald besuche wie es geht, aber im Moment wäre es einfach nicht klug." Wenn Sevothtarte mich bei ihm erwischt sind wir alle drei in Schwierigkeiten und das wollte ich nicht riskieren. Es reichte schon, das ich mich mit dem weißen Engel anlegte. Andere müssen da nicht unbedingt auch noch mit hineingezogen werden.

"Ich verstehe..." Jetzt ist er schon wieder deprimiert. Mal sehen was wir dagegen unternehmen können. Lachend wuselte ich mit einer Hand seine Haare durcheinander und durfte gleich darauf die Flucht antreten, da er das auf den Tod nicht leiden konnte. Leider wurde unsere kleine Verfolgungsjagd durch Rosiels plötzliches Auftauchen abrupt beendet. Der Blick hatten einen Lavasee gefrieren lassen. So schnell es ging verabschiedete sich Raziel von mir und machte das er wegkam. Konnte ich ihm noch nicht mal verdenken. Rosiel sieht aus als würde er in der nächsten Minute einen Gletscher produzieren. Da ich immer noch keinen Ton von mir gegeben hatte seufzte er schließlich und zog mich hinter sich her. Keine Ahnung was er für ein Problem hatte, aber er sperrte mich ohne irgendeinen Kommentar in meinem Zimmer ein aus dem ich nur noch rauskam, wenn einer meiner Wachhunde auf mich aufpaßte. Und selbstverständlich hielt es mal wieder niemand für nötig mir zu erklären was dieser Mist zu bedeuten hatte. Selbst Catan schwieg sich aus und Raziel-chan hatte man nichts gesagt. Er war selber überrascht, das ich unter Hausarrest stand.

Sich Sara-chan zu nähern erwies sich durch den ganzen Quatsch natürlich auch als weitaus schwieriger als gedacht. Vor allem wenn man so eine grundlegende und fast schon chronische Abneigung gegen Engel besitzt wie ich. Nicht, das es unmöglich war, aber dieser angebliche Hausarrest von Rosiel machte etliches komplizierter als zuerst geplant. Sicher, seitdem ich mit Raphael, Michael und Sara-chan nach Yetzirah zurück gekehrt war tat ich zwar mein Möglichste dem Großteil der Engel aus dem Weg zu gehen, aber hier in Yetzirah funktionierte das genaugenommen nie. Erstens ist Yetzirah die Hochburg der Engel und zweitens wohne ich inzwischen ja mehr oder weniger direkt beziehungsweise mehr oder weniger offiziell bei Catan und Rosiel. Außerdem mußte ich den Beiden hoch und heilig versprechen mich von Sevothtarte fernzuhalten, aber solange er Sara-chan gefangenhält wird das wohl nichts werden. (Hey, hat hier etwa irgend jemand ernsthaft daran geglaubt, das ich mich daran halte?) Ich hoffe nur inständig, das Rosiel mein Verschwinden nicht allzu schnell bemerkt. Seit meiner Rückkehr ist er so was von empfindlich. Er läßt mich keine zwei Minuten aus den Augen und es kommt schon einer kleinen Meisterleistung gleich das ich es überhaupt geschafft habe ihm zu entwischen. Hoffentlich hält Catan dicht. Wenn Rosiel von dieser Sache Wind kriegt bin ich geliefert.

Welcher normal denkende Mensch kommt denn auch auf die Idee einfach schnurstracks auf Jibrils Domizil zu zuspazieren, dem Wachmann einen gefakten Befehl von Sevothtarte unter die Nase zu halten um dann gut gelaunt pünktlich zum Tee bei Sara aufzutauchen? Und das nicht zum ersten sondern zum fünften oder sechsten Mal?

 

 

03-08-18

 

Next: Part 23 – Unspoken love

 

 




He, he ich glaube hier ist jeder Kommentar überflüssig, oder? ^.^
UPDATE Kurenai no Tenshi
 

ab sofort erhältlich

Volume 13

Photobucket

Werbung
 
"
UPDATE Convention
 
Teilnahme an folgenden
CONVENTIONS:

Dokomi
30.04. - 01.05.2016
in Düsseldorf
eigener Stand
UPDATE Fanfiction
 
Moon Shadows
Chapter 14
___________________

Secrets
wird fortgesetzt
___________________

Love of an angel
abgeschlossen
UPDATE Gallery
 
Kaze to ki no uta

Cover, Farbbilder und
Animescreenshots sind online
UPDATE Modelkits
 

Photobucket

 
Heute waren schon 90116 Besucher (221652 Hits) hier!
=> Willst du auch eine kostenlose Homepage? Dann klicke hier! <=