Part 27

03-12-07

 

Love of an angel

         Part 27

 

 

Trapped

 

Es gibt Dinge, die sind dämlich und wieder andere sind schlicht und ergreifend einfach nur noch dumm. Nehmen wir zum Beispiel einfach mal die momentane Situation. Ich hatte einer fremden Seele gestattet meinen Körper zu nutzen ohne auch nur den geringsten Gedanken an die möglichen Konsequenzen zu verschwenden. Danach hatte ich Catan dann so ziemlich alles über meine Vergangenheit erzählt und ihm das Versprechen abgenommen, das Rosiel niemals etwas davon erfahren dürfte (es sei denn dieser fand es selbst heraus. Was hoffentlich niemals geschah), dann fand ich heraus, wie lange ich und Rosiel uns eigentlich schon kannten und das wir einen Traum miteinander teilten in dem wir uns schon vor einiger Zeit (lange bevor Catan ihn aus den Tiefen der Erde befreite) begegnet waren ohne, das wir den Anderen erkannt hätten. Diese Erkenntnis hatte dann allerdings auch ein paar äußerst angenehme Folgen nach sich gezogen…

Wie dem auch sei. Zurück zum Eigentlichen. Letztendlich bin ich reiflich unbekleidet neben einem auch nicht besser angezogenen Zaphikel aufgewacht, während Anaels Seele in der Erlösung verschwand. Und anstatt wie jeder andere normal denkender Mensch mir endlich mal ernsthafte Sorgen um den Zustand meines Körpers zu machen (der bewegte sich nämlich nicht beziehungsweise nicht mehr sonderlich viel) hatte ich mich einfach noch ein bißchen näher an Zaphikel gekuschelt um die Wärme seines Körpers noch ein wenig länger zu spüren und den Duft seiner Haut einatmen zu können. Irgendwie bin ich dabei wohl eingenickt, denn sonst würde ich mich wohl kaum hier befinden. Mitten auf einer Waldlichtung mit sternenübersähtem Himmel und weit und breit keine Menschenseele in Sicht. Nicht, das ich etwas dagegen hätte endlich einmal nicht in irgendeiner lebensgefährlichen Situation zu stecken, aber es ist doch merkwürdig, daß das ausgerechnet jetzt passiert. Immerhin liegt mein Körper gerade wer weiß wo rum und kann jederzeit von wem auch immer gefunden werden während ich hier fest hänge.

Na ja, vielleicht sollte ich es anders formulieren. Ich wachte schlicht und ergreifend nicht mehr auf! Da konnte ich noch so sehr befürchten in Schwierigkeiten oder sonstigen Unannehmlichkeiten zu stecken. Es tat sich rein gar nichts. Also gab ich letztendlich den Versuch auf meinen Körper zu wecken (der wollte anscheinend wirklich nicht wach werden) und streckte mich auf dem von weichem Moos durchsetzten Gras aus. Eine kleine Verschnaufpause war vielleicht gar nicht mal so übel. Bleibt nur zu hoffen, dass sie nicht allzu lange dauert. Denn sollte mich Rosiel meinen Körper in der momentanen Situation vorfinden, dann Gnade mir Gott. Bisher habe ich mich ja immer noch irgendwie arrangieren können, aber das ich mit Zaphikel geschlafen habe (offensichtlich, alle Fakten gegen mich, Erklärung absolut unglaubwürdig etc. etc. etc.) wird es dieses Mal wahrscheinlich anders aussehen. Da ist es vollkommen egal, dass er mich liebt. Gerade das wird es wohl eher schlimmer machen. (Nicht gerade sonderlich beruhigend.)

Verdammt noch mal! Warum musste ich denn auch unbedingt meinen Gefühlen nachgeben? Wäre ich an jenem Abend einfach nicht zu ihm gegangen, dann wäre so vieles anders gelaufen. Aber ich musste ja unbedingt auf mein Herz hören. Es war doch klar, dass das wieder mal nichts als Schwierigkeiten bringt. Andererseits bin ich schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr richtig verliebt gewesen. Nicht seitdem ich Remiriel verloren hatte. Mein Herz hätte diese Wunde nicht kein zweites Mal verkraftet und jetzt, wo ich gerade dabei war mich von meiner Vergangenheit zu erholen (was gar nicht mal so einfach war, da ich zwischendurch alles, was damals vorgefallen war vergessen hatte) musste ausgerechnet ein solch eingebildeter und arroganter Engel wie Rosiel in mein Leben treten, der mir nach und nach auch noch mein Herz stahl. Wäre nicht meine Vergangenheit, dann würde ich mir wahrscheinlich auch nur halb so viele Sorgen machen. Aber so? Das wir beide unseren Gefühlen nachgegeben hatten würde uns mit Sicherheit nur in Schwierigkeiten bringen. Wären meine Kräfte nicht gewesen, dann hätte Sevie uns schon längst in der Hand. Auf der richtigen Spur ist er jedenfalls, aber zum Glück hat er uns bisher nichts nachweisen können. Es bleibt nur zu hoffen, dass es auch weiterhin so bleibt und er nicht doch noch herausfindet was für eine Beziehung Rosiel und ich inzwischen haben. (Sofern man in diesem Fall überhaupt von einer Beziehung reden kann.) In diesem Punkt sind wir beide viel zu leicht erpressbar. Obwohl ich Rosiel wahrscheinlich opfern würde um die Welt der Menschen zu retten…

Die Frage ist nur was wird er mit mir anstellen, wenn er mich in den Armen von Zaphikel findet? Ich habe keinerlei Ahnung, wie viel ich ihm wirklich bedeute. Sicher, seine Gefühle für mich sind offensichtlich (ein Engel wie Rosiel würde sich niemals zu einer Sünde herablassen, wenn dem nicht so wäre), aber vertraut er mir auch? Obwohl wir schon so viel Zeit zusammen verbracht haben kennen wir den Anderen eigentlich kaum. Wir beide haben unsere Geheimnisse voreinander, die außer uns niemand zu kennen scheint und es ist nur eine Frage der Zeit bis eines dieser Geheimnisse anfängt uns zu zerstören. Wie zum Beispiel diese Sache mit Zaphikel. Immerhin habe ich Rosiel nie davon erzählt, das ich die Seele eines anderen Engels in mich aufgenommen habe, damit diese ihren ehemaligen Geliebten noch ein letztes Mal wieder sehen konnte. Dabei hätte ich mir allerdings auch nicht träumen lassen, dass sie tatsächlich mit Zaphikel schläft. (Aber dran denken hätte ich zumindest können! Ich bin ja so ein Idiot, das mir so etwas immer erst aufgeht, wenn es schon viel zu spät ist.)

Frustriert drehte ich mich auf die Seite. Warum habe ich Dämmel mir nicht schon wesentlich früher Sorgen um diesen Punkt gemacht? Bin ich wirklich so naiv gewesen zu glauben, das Rosiel nicht dahinter kommen wird? Oh ja! Genauso naiv bin ich! Und so selten dämlich kann ja schließlich auch nur ich sein! Wie kann ich denn bitte schön auch erwarten, das Rosiel und Catan in Yetzirah bleiben und ich meinen Plan ohne nennenswerte Störung durchführen kann. Hätte mir nicht von Anfang klar sein müssen, dass so etwas vorn und hinten nicht funktioniert?

Nein! Natürlich nicht. Ich bin der festen Überzeugung gewesen das Rosiel meine Flucht bemerkt, sich aufregt und dann Yetzirah nach mir durchsucht. Was eine wunderbare Ablenkung sämtlicher Engel bedeutet hätte. Aber nein! Nichts dergleichen hat er gemacht. Der Mann (OK, Engel) muss plötzlich intelligent sein und eins und eins zusammenzählen. Sprich: er wusste das ich Zaphikel helfen wollte und das dieser sich im Himmelskorridor befand. Und anstatt nun (wie von mir geplant) wutschnaubend durch Yetzirah zu toben und die anderen Engel auf Trab zu halten machte er sich ruhig und gelassen auf den Weg zum Korridor, da er sich ziemlich sicher war mich genau dort zu finden. Leider war seine Suche dann auch noch von Erfolg gekrönt als ich während Anael meinen Körper übernommen hatte 'ausversehen' in seinen Traum geglitten war. Wenn er aufwacht wird es bestimmt nicht allzu lange dauern bis er auch den Rest von mir findet. Tja, und ausgerechnet in einem solchen Moment wo wirklich alles andere besser wäre muß ich tief und fest in Zaphikels Armen einschlafen. Ich muss wirklich einen Hang zum Masochismus haben.

„Gestorben mit einem glücklichen Lächeln auf ihrem Gesicht in den Armen eines gutaussehenden Priesters als ihr Freund hereinplatzte...“

So oder so ähnlich dürfte dann wohl die Inschrift auf meinem Grabstein aussehen. Das heißt nur, wenn von mir noch soviel übrig bleibt, dass sich ein solcher lohnt. Ansonsten heißt es wohl:

„Von den Feuern der Leidenschaft in die Hitze der Rache gerissen kehrte sie zurück zum Ursprung allen seins. Asche zu Asche, Staub zu Staub.“

Oh man, wenn ich mir das so recht überlege ist es wahrscheinlich besser wenn ich mich gar nicht mehr von hier wegbewege. Ich sollte vielleicht einfach weiterschlafen und hoffen, dass alles schnell vorüber ist. Damit würde sich zumindest vermeiden lassen, dass ich mich mit einem äußerst aufgebrachten Rosiel auseinandersetzen muss. Ja, das ist wahrscheinlich die beste Lösung. Einfach solange hier bleiben bis sich der gröbste Sturm gelegt hat. Es ist schließlich auch um Etliches gemütlicher auf dem bemoosten Waldboden zu liegen anstatt auf dem harten Flur des Himmelskorridors. Machen wir eben das Beste draus und erholen uns ein wenig.

*Tut mir leid, aber das wird leider nicht gehen.* Die sanfte, ruhige Stimme drang wie ein Wispern durch das Laub der Baumkronen zu mir bevor sich die Lichtung mit einem Mal gleichmäßig erhellte. Grinsend drehte ich mich um.

"Ich habe mich schon gefragt, wann ich dich wiedersehe." Die lichtumflorte Gestalt sah mich lächelnd an und schwebte dann etwas näher an mich heran. Langsam setzte ich mich auf und sah in das von Licht durchtränkte Gesicht.

"Adam Kadmon. Nein, Serafita." In seinem Gesicht spiegelte sich ein klein wenig Überraschung wieder, da ich seinen Namen kannte obwohl er ihn mir nie genannt hatte. Doch ich bin nach unserer ersten Begegnung in Yetzirah nicht ganz untätig gewesen. Zwar hatte ich weder Rosiel noch Catan nach dem Wesen gefragt, das mich in Yetzirah beschützt hatte aber durch Setsunas und Kiras Erzählungen was Adam Kadmon anging konnte ich mir ziemlich sicher sein, das die Beiden demselben Wesen wie ich begegnet waren. Ein bisschen Wühlerei in den Computern und der Eden-Bibliothek hatten dann auch noch die allerletzten Zweifel beseitigt. Wobei ich zugeben muss, dass es wirklich echt erschreckend ist, wenn man als Engel beziehungsweise Halbengel die Existenz des höchsten Wesens direkt nach Gott einfach so vergessen hat. Ich hoffe nur er weiß davon nichts. (Man, das ist so was von peinlich gewesen.)

*Du bist erwacht.* Für einen kleinen Moment glaubte ich so etwas wie Tränen in seinen Augen zu sehen, aber das konnte auch Einbildung durch das Lichtgefunkel um ihn herum sein. Fast so als hätte er meine Gedanken erraten wurde das Licht um ihn herum etwas schwächer. Danke!

"Eher nicht. Im Moment versuche ich das gerade, aber es klappt nicht." Der leichte Seufzer von seinen Lippen zeigte, dass er eigentlich etwas ganz anderes gemeint hatte. Zögernd nickte ich. Mir war zwar nicht sonderlich danach diese Tatsache erneut aufzuwärmen, aber er hatte mir bereits mehr als einmal geholfen. Das Mindeste, was ich tun konnte war freundlich zu ihm zu sein.

"Ja, das Siegel ist gebrochen und ich kann mich an fast alles erinnern." Wobei ich auf den Rest nicht sonderlich scharf war. Meine bisherigen Erinnerungen reichten mir bei Weitem. Aber ich wusste, dass es sich nicht vermeiden lassen würde, dass ich mich irgendwann an alles erinnern würde. Auch wenn ich mir nichts mehr wünschte als wenn alles so bleiben würde wie es jetzt ist. Aber wer weiß ob das wirklich so klug ist? Vielleicht sind meine Erinnerungen der Schlüssel zu etwas, das für jemanden einmal äußerst wichtig werden könnte. Wenn ich mich wieder an alles erinnere wird es vielleicht sogar einfacher Adam Kadmon zu befreien. Aber das ist alles rein hypothetisch. Fakt ist bist jetzt haben meine Erinnerungen lediglich etliche alte Wunden wieder aufgerissen, die ich am Liebsten für immer vergessen hätte. Aus diesem Grund war ich eigentlich auch mehr als nur erleichtert über die Tatsache, dass der Rest von ihnen es nicht sonderlich eilig zu haben schien in mein Bewusstsein zu sinken.

*Es tut mir leid. Ich hätte dir all das nur zu gerne erspart.* Bedauernd sah er mich an. Entschieden schüttelte ich den Kopf.

"Laß mal gut sein. Irgendwann wäre es ohnehin passiert. Ist vielleicht auch besser so." Ich frage mich zwar, wer das jetzt glauben soll, aber egal.

*Ja, vielleicht. Aber ich frage mich ob deine Kraft reichen wird. Der Weg, den du beschritten hast ist sehr steinig.* Als wenn er mir damit irgendetwas Neues erzählt. Irgendwie ist jeder Weg den ich wähle von Geröllbrocken geradezu übersäht. Mit Lawinengefahr versteht sich. Scheint ein seltenes Talent zur Selbstzerstörung zu sein, das ich da besitze.

*Erinnerst du dich noch an diesen Ort?* Der plötzliche Themenwechsel irritierte mich etwas und so schüttelte ich lediglich den Kopf. Warum soll ich mich hieran erinnern? Es ist doch nur eine Waldlichtung. Gut, eine ziemlich gemütliche, aber viel mehr auch nicht.

*Schließ deine Augen und atme tief ein. Woran erinnert dich das?* Ich wusste zwar nicht wofür das gut sein sollte, aber da er so nett fragte und nebenbei auch noch das höchste Lebewesen nach Gott war, tat ich ihm den Gefallen. Ein angenehmer Duft nach Zedern und Flieder hüllte mich ein und gab mir ein unglaubliches Gefühl der Geborgenheit. Es war lange her, aber ich hatte dieses Gefühl schon einmal gehabt. Vor langer Zeit...

"Du?" Ungläubig öffnete ich die Augen und starrte ihn an. Er ist das gewesen, der mich damals im Wald versteckt hatte als ich mein Gedächtnis verlor?

"Du warst das?" Er legte lächelnd einen Finger auf meine Lippen, die unter der leichten Wärme zu kribbeln begannen.

*Bewahre dieses Wissen tief in deinem Herzen, denn eigentlich hätte ich mich überhaupt nicht einmischen dürfen.* Ich wollte ihn fragen warum und was ihn daran hinderte sich selbst zu befreien, aber ein Blick in seine Augen reichte um all meine Fragen unnötig erscheinen zu lassen. Seine Augen spiegelten eine solche Wärme und Fürsorge wieder, wie ich es bei den höheren Wesen bisher nur äußerst selten gesehen hatte. Es war der Blick einer Person, die sich um das Schicksal eines ihrer Kinder sorgt. Von ihm ging eine solch unbestimmte Fürsorge und Trauer aus, das ich mich beinahe augenblicklich wieder daran erinnerte, dass er Setsuna darum gebeten hatte ihn zu befreien, da die Welt der Menschen, die nach wie vor durch seinen Bann geschützt wurde, ansonsten bald dem Untergang geweiht sein wäre. Seine Kräfte wurden immer schwächer und wenn man ihn nicht bald befreite, dann würde sich der Bann lösen. Das war auch der eigentliche Grund warum ich mich in den Korridor begebenen hatte. Von hier aus gab es mehr als nur eine Möglichkeit den Aziluth zu erreichen und Setsuna hatte meiner Meinung nach mehr als genug damit zu tun seine Schwester Sara zu retten. Da würde ihm kaum noch Zeit bleiben sich noch um andere Dinge zu kümmern. Und Adam Kadmon zu befreien stand bei ihm bestimmt nicht an erster Stelle. Dafür kannte ich diesen Heißsporn inzwischen gut genug.

Mit einem leichten Knoten in der Brust sah ich zu, wie seine strahlende Gestalt vor mir allmählich verblasste und die Dunkelheit um mich herum wieder die Oberhand gewann. Ich schwor mir alles in meiner Macht stehende zu tun um ihn sobald wie möglich zu befreien. Das Problem war nur, das ich dafür erst einmal wieder aufwachen und zu meinen Freunden zurückkehren musste. Immerhin hatte ich Sara–chan versprochen Setsuna zu ihr zu bringen. Ach ja, dem Kleinen und Kira-chan musste ich auch noch ganz dringend etwas sagen. Seitdem ich einen Blick auf Luzifers Gesicht (OK, er war es nicht wirklich, sondern nur eine Statue von ihm) werfen konnte war ich mir sicher, dass sie in der Hölle in Gefahr waren. Und das mehr als jemals zuvor. Es bleibt nur zu hoffen, dass Belial diesen Trumpf nicht ausspielen würde. Außerdem fällt mir gerade auf, dass ich mir da eine ganze Menge vorgenommen habe. Dafür, dass ich eigentlich geplant hatte nach meiner Rückkehr mich direkt auf den Weg zu machen um Adam Kadmon zu befreien ließ ich mich viel zu oft aufhalten. Aber was sollte ich machen? Ich konnte meine Freunde ja wohl schlecht hängen lassen, oder? Und wir gerade dabei sind, wenn ich noch länger hier rumhänge komme ich überhaupt nicht mehr voran.

Also gut! Egal was davon am Wichtigsten ist. Erst muss ich aufwachen. Ich startete einen allerletzten Versuch und stemmte mich mit aller Macht gegen das, was mich in meinem Bewusstsein gefangen hielt und bekam plötzlich keine Luft mehr.

Alles um mich herum hatte sich schlagartig verändert und mir die Luft aus den Lungen gepresst. Ich ruderte mit den Armen und Beinen um irgendwo Halt zu finden, aber vergeblich. Wände und Balken existierten nicht mehr länger. Die gesamte Umgebung bestand plötzlich aus etwas Flüssigem, das mich mit sich riss. Schließlich öffnete ich den Mund in der Hoffnung doch noch irgendwo ein letztes Quäntchen Sauerstoff zu finden, aber er füllte sich augenblicklich mit Flüssigkeit. Ich schloss ihn wieder und versuchte zu verhindern, dass noch mehr von diesem Zeug den Weg in meine Lungen fand. So wie das schmeckte konnte es zwar eigentlich nur stinknormales Wasser sein, aber man kann ja nie wissen. Und wenn das Wasser ist, dann gibt es unter Garantie auch einen Boden und eine Oberfläche.

Ich drehte mich solange ich konnte um den Weg nach oben zu finden und als ich schon fast glaubte ertrinken zu müssen blitzte etwas Helles über mir auf. Mit letzter Kraft schwamm ich darauf zu und durchstieß die Oberfläche. Meine Lungen füllten sich dankbar mit Luft und ich sank kraftlos ins Wasser zurück. Das war ganz schön knapp gewesen.

Ein paar Hände packten mich brutal an den Schultern und drückten mich erneut unter Wasser. Zum Glück verschluckte ich mich dabei nicht weiter. Strampelnd versuchte ich mich aus dem Griff zu befreien, aber er ließ nicht locker. Selbst dann nicht, als meine Lungen bereits wieder nach frischem Sauerstoff schrieen. Ich wollte schon fast aufgeben als meine linke Hand endlich etwas zu fassen bekam. Allem Anschein nach den Arm desjenigen, der mich festhielt. So gut es ging drehte ich mich und brachte auch meine rechte Hand in die richtige Position. Danach stieß ich mich mit viel Schwung von der dunklen Wand ab, die kurz zuvor hinter mir aufgetaucht war, und zog meinen Peiniger mit mir. Noch während er an mir vorbei ins Wasser glitt schoss ich nach oben und füllte meine Lungen erneut mit Luft. Doch viel länger würde ich bestimmt nicht im Wasser bleiben können. Jedenfalls nicht, wenn ich nicht wollte, das man mich ertränkte. Mühsam hievte ich mich über den Rand des Beckens und sank kraftlos zu Boden. Meine Muskeln protestierten wegen dieser plötzlichen Anstrengung und weigerten sich auch nur noch eine einzige weitere Bewegung auszuführen. Keuchend blieb ich vollkommen durchnässt liegen und hoffte einfach nur, dass dieser Zustand nicht von allzu langer Dauer sein würde.

Unsterblich sein hatte zweifellos seine Vorteile, aber auch nur eine Minute länger unter Wasser und ich wäre für mindestens eine Woche außer Gefecht gewesen. Ich konnte zwar nicht sterben, aber ein totenähnlicher Zustand war durchaus möglich. Je nach Art und Schwere der Verletzung konnte der auch einige Zeit andauern und gerade in diesem Zeitraum war ich eine leichte Beute, egal für wen. Besonders jetzt, wo Cee nicht bei mir war um mich zu beschützen. Ich hatte ihn bei Kira und Setsuna in der Hölle gelassen, damit er auf die Beiden aufpasste. Ich hatte ja nicht ahnen können, dass ich meinen Beschützer sobald wieder brauchen würde. Aber es war besser, wenn er auf diese beiden aufpasste als auf mich. Immerhin hatten die beiden noch ein Leben, das sie verlieren konnten.

„Du lebst also immer noch.“ Ganz toll! Es reicht ja nicht, dass ich bereits halbtot am Boden liege. Nein! Es muss natürlich auch noch ausgerechnet vor den Füßen meines absoluten Lieblingsengels sein. In diesem Fall ist es wirklich besser, das Cee nicht bei mir ist. Er wäre in der Luft zerfetzt worden.

„Wenn du das so nennen willst.“ Ich schaffte es beim besten Willen nicht den Kopf zu heben um seine Reaktion zu sehen. Mein Körper war nach wie vor fast völlig gelähmt und bei jeder noch so kleinen Bewegung hatte ich das Gefühl ein Brenneisen oder tausend kleine Nadeln in meinem Fleisch zu spüren. An sich ein ziemlich vernünftiger Grund sich nicht über Gebühr zu bewegen, aber man ließ mich leider nicht. Erneut packten mich ein paar kräftige Hände und zogen mich auf die Füße. Ich schrie auf, als die plötzliche Belastung meine Beine in ein Meer aus Feuer verwandelte. Mein Gegenüber störte das herzlich wenig. Er wartet geduldig bis mich seine Wachen so weit aufgerichtet hatten, dass er mir ins Gesicht sehen konnte. Das weiß seiner Maske verwandelte sein Gesicht in etwas völlig unbewegtes. Es wirkte mehr wie das einer Statue statt des eines Lebewesens aus Fleisch und Blut.

„Dieses Mal bist du zu weit gegangen.“ Seine Augen funkelten mich eisig an und im selben Moment merkte ich, dass ich nicht mal mehr ein Stückchen Stoff am Körper trug. Es war nicht sonderlich schwer auszurechnen wo man mich gefunden hatte und mit wem. Ich hoffe nur, es geht ihm gut.

„Wo - ist - Zaphikel?“ Keine Antwort. Stattdessen wurde ich erneut eiskalt von oben bis unten gemustert. Wenn ich ihm jetzt sage, dass ich friere kriege ich dann eine Decke?

„Was habt ihr mit ihm gemacht?“ Meine Hoffnung, dass er ihnen vielleicht doch entkommen sein könnte zerrann von Sekunde zu Sekunde immer mehr. Bitte nicht! Bitte Zaphikel! Ihr könnt doch nicht so dermaßen dumm gewesen sein. Warum habe ich euch denn diese Chance verschafft von diesem Ort zu fliehen? Wieso habe ich Anael hierher gebracht, wenn man dich jetzt doch wieder gefangen nahm? Soll das etwa alles umsonst gewesen sein?

„DAS sollte deine geringste Sorge sein. Du hast dich des höchsten Verbrechens unter Engeln schuldig gemacht und dieses Mal rettet dich nichts mehr vor deiner gerechten Strafe.“ Mit einer Hand griff er nach meinem Kinn und zwang mich ihn anzusehen. NEIN! Es kann doch nicht sein, das ihr uns beide erwischt habt!

„Dafür sorge ich.“ Seine Augen funkelten mich hasserfüllt an. Normalerweise hätte ich jetzt irgendeinen dummen Spruch auf Lager, aber erstens war ich mir über meinen körperlichen Zustand immer noch nicht völlig im Klaren und zweitens hatte mich die Erfahrung gelehrt, dass es sehr schmerzhaft sein konnte Sevie über Gebühr zu reizen. Vor allem wenn man in einem solchen Moment der Schwächere war. Es tut mir leid Zaphikel, aber ich werde dir wahrscheinlich nicht mehr helfen können. Im Moment muss ich zusehen meine eigene Haut zu retten. Ihr habt eure Chance verspielt…

„Führt sie ab! Ich will diesen Schmutz nicht mehr sehen!“ Angewidert löste er seine Hand von meinem Kinn und sah zu, wie mich seine Männer fortschleiften. Viel mehr bekam ich davon allerdings auch nicht mit, da ich Dank der Lieblingswürdigkeit und Fürsorge seiner Männer erst einmal das Bewusstsein verlor.

Als ich wieder zu mir kam befand ich mich bereits in einer Zelle. Viel anders kann man einen Raum mit einem vergitterten Minifenster und einer Pritsche auch nicht bezeichnen. Dabei sollte es laut Aussagen meiner Wachen eine der besseren Unterkünfte sein. Ich hatte daran zwar so meine Zweifel, aber man warf ohne viel Federlesen einfach hinein und ich fand mich in einer äußerst unbequemen Position auf dem Fußboden wieder. Wenigstens hatten sie mir was angezogen. Sieht zwar fast aus wie ein Klinikdress, aber besser als nichts. Da ich nach wie vor weder in der Lage war zu stehen geschweige denn zu gehen kroch ich schließlich zu der Pritsche, die so ziemlich das einzige Möbelstück in diesem Raum darstellte und schaffte es irgendwie mich daran hochzuziehen um schließlich völlig aus der Puste auf die Matratze zu sinken. Das Ding war weder sonderlich gut gepolstert, noch roch es angenehm, aber es war wesentlich besser als weiterhin auf dem Fußboden herum zu liegen. Sieht so aus, als würde mir erst einmal nichts anders übrig bleiben als abzuwarten. Meine Muskeln und Sehnen nutzten den momentanen Ruhemoment meines Körpers nämlich hemmungslos aus, um mir in aller Ruhe zu verdeutlichen wie weh sie einem doch tun konnten, wenn sie es denn mal wollten. Mich wunderte nur, dass meine Knochen nicht auch noch mit diesem Schwachsinn anfingen. In diesem Zustand würde ich mit oder ohne Hilfe ohnehin nicht sonderlich weit kommen. Sorry Anael, ich habe für euch getan was ich konnte. Warum seid ihr nicht einfach geflohen als ihr die Chance dazu hattet? Ich hätte es verstanden.

Ich drehte mich ein klein wenig um wenigstens einem kleinen Teil der Schmerzen zu entkommen, aber es brachte nicht sonderlich viel. Allerdings stellte ich dabei verwundert fest, dass ich immer noch das Kreuz trug, das Rosiel mir geschenkt hatte. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, das Sevie es mir abgenommen hat, aber es hing nach wie vor um meinen Hals. Das war aber auch das einzig Positive an der ganzen Situation. Alles andere konnte man getrost vergessen. Und das Beste ist, das ich mir den ganzen Mist wieder mal äußerst erfolgreich selber eingebrockt habe. Wäre ich nicht so selten dämlich gewesen in Zaphikels Armen einzuschlafen, dann hätte mich Sevie unter Garantie nicht bei ihm gefunden. Wobei mir einfällt. Warum hat der uns überhaupt gefunden? Was hat Anael und Zaphikel bloß dazu veranlasst im Korridor zu bleiben statt zu fliehen? Ich begriff einfach nicht, was die Beiden hier gehalten hatte. Warum sind sie nicht geflohen?

Das Sirren der Zellentür, die sich kurz darauf öffnete unterbrach meinen Gedankengang. Da mein Körper sich zwischenzeitlich immer mehr mit irgendetwas gefüllt hatte, das unheimliche Ähnlichkeit mit Blei aufwies, konnte ich meinen Kopf zwar nicht drehen, aber aus den Augenwinkeln zumindest erkennen, das ein oder zwei Personen die Zelle betraten. Ich hoffte nur, das Sevie nicht dabei war. Seltsamerweise verschlechterte nämlich jede Begegnung mit diesem Engel meinen Gesundheitszustand erheblich. Obwohl, bisher ist es noch nie so schlimm gewesen wie jetzt. Die Schritte der Beiden waren leicht zögernd, aber dennoch steuerten sie die Pritsche relativ zielstrebig an. Ich stieß einen resignierten Seufzer aus. Bitte nicht auch noch das! Ich habe auch schon so genug mit meinem Körper zu kämpfen. Könnt ihr euch das nicht sparen? Ich bin doch schon bewegungsunfähig.

„Du sahst schon mal besser aus.“ Verblüfft starrte ich in Rosiels Gesicht, das sich über mich beugte. Normalerweise wäre ich jetzt schwungvoll nach oben geschossen, aber mein Körper gehorchte mir nicht. Ich konnte ihn lediglich vollkommen entgeistert anstarren. Was zum Geier macht der hier?!

„Geschieht dir allerdings ganz recht.“ Richtig! Er ist ja ohnehin im Himmelskorridor gewesen. Wahrscheinlich konnte ihm Sevie auch gar nicht früh genug unter die Nase reiben, was sein Schoßhündchen angestellt hatte. Das Leben ist eindeutig gegen mich. Dennoch freute ich mich ihn zu sehen, auch wenn ich genau wusste, dass er mir nicht helfen konnte. Wie Sevie schon so richtig angemerkt hatte, mir konnte keiner mehr helfen. Nicht dieses Mal. Ich hatte mich versündigt und die Konsequenzen waren unabänderlich. Es sei denn, ein Wunder würde geschehen. Irgendwie schaffte ich es bei diesem Gedanken ein Lächeln zustande zu bringen. Was meinst du Rosiel-chan ob es noch Wunder für gibt?

„Sorry, Rosiel-chan. Das nächste Mal gehe ich vorher in den Schönheitssalon.“ Seine Miene verfinsterte sich augenblicklich. Anscheinend war er nicht zu Scherzen aufgelegt.

„Darüber macht man keine Witze. Dieses Mal bist du zu weit gegangen.“ Auch mein Lächeln schwand als ich die Sorge in seiner Stimme bemerkte in der gleichzeitig eine ganze Menge unterdrückter Wut verborgen lag. Sie ganz so aus als hatte nur mein Zustand verhindert, dass ich diese sofort zu spüren bekam. Ich antwortete ihm nicht. Was hätte ich auch sagen sollen? Das alles nur ein furchtbarer Irrtum war? Ein Missverständnis? Das jemand anderes meinen Körper benutzt hatte? Wer sollte so etwas schon glauben? Und außerdem ist es eine unwiderlegbare Tatsache, dass man mich friedlich schlafend in Zaphikels Armen gefunden hatte. Und die Spuren über das, was davor passiert war waren wahrscheinlich auch nicht zu übersehen gewesen. Was nicht gerade dafür sprach, das mir diese sonderlich Situation unangenehm gewesen wäre oder so etwas in der Art. Geschweige, denn das man den Eindruck gewinnen konnte, das man mich zu irgendetwas gezwungen hätte.

„Der Raum ist jetzt sicher.“ Der Klang dieser Stimme brachte mich unwillkürlich wieder zum Lächeln. Eigentlich war ohnehin klar gewesen, dass es Catan sein musste, der Rosiel begleitete, aber jetzt hatte ich eine Bestätigung. Er hielt sich allerdings nach wie vor außerhalb meines Blickfelds auf und ich glaubte zu wissen warum. Anscheinend sorgt er gerade dafür, dass niemand den genauen Wortlaut des Gespräches zwischen mir und Rosiel mitbekam. Und das hatte es in sich! Nachdem Rosiel endlich damit fertig war mich und meine Unvernunft zum Teufel zu wünschen kam er auf den Kern des Ganzen und damit auch auf das, was ihn eigentlich am Meisten störte. Nämlich diese klitzekleine Tatsache, dass ich mit einem Engel geschlafen hatte und das nicht er dieser Engel gewesen war.

Wirklich, das war das Einzige. Alles andere wie zum Beispiel, das ich mich trotz seines ausdrücklichen Verbots in den Himmelskorridor geschlichen hatte war ihm völlig egal. Viel mehr hatte er schon fest damit gerechnet, dass ich mich auch dieses Mal nicht an seine Anweisungen halten würde. Aber die Sache mit Zaphikel wurmte ihn sichtlich. Da ich keine Ahnung hatte in wie weit Catan ihn in die Sache mit Anael eingeweiht hatte beschränkte ich mich aufs zuhören. Nachdem mein schlechtes Gewissen beinahe das Ausmaß eines Dinosauriers angenommen hatte fuhr Rosiel mich an, das ich mich endlich verteidigen solle. Müde fragte ich ihn was das denn bringen sollte und im nächsten Moment schnappte er sich den Kragen meines Hemdes und zog mich daran hoch.

„Hast du überhaupt eine Vorstellung davon was du dir eingebrockt hast?!“ Seine goldenen Augen funkelten mich an. Ich schluckte kurz bevor ich ihm antwortete.

„Eine Menge Schwierigkeiten nehme ich an.“ Ich wusste, dass es falsch war so zu reagieren. Vor allem da er tatsächlich ernsthaft um mich besorgt war. Aber ich hatte mich so sehr daran gewöhnt mich mit ihm zu streiten, dass ich einfach nicht anders konnte. Er ließ mich urplötzlich los und ich fiel unsanft zurück auf die Pritsche.

„Rosiel-sama!“ Catan wollte dazwischen gehen wurde aber von Rosiels ausgestrecktem Arm daran gehindert.

„Sei ruhig! Kein einziges Wort!” Er kämpfte sichtlich darum die Fassung zu bewahren. Seine Stimme zitterte kaum merklich als er weiter sprach. Ich hielt seinem Blick stand.

„Du hast Sevie genau den Vorwand geliefert, den er brauchte um dich für immer loszuwerden. Hast du denn gar keine Vorstellung davon, was das für dich bedeutet?!“ Den letzten Satz schrie er fast und griff danach in mein Haar. Ich hatte keinerlei Ahnung, wie sehr ich ihn verletzt hatte, aber allmählich begann ich das Ausmaß dessen, was ich getan hatte zu begreifen. Rosiel nahm die ganze Geschichte wahrscheinlich noch wesentlich mehr mit als mich. Aber er wusste schließlich auch nicht, dass man mich nicht töten konnte. Sagen konnte ich ihm das allerdings auch nicht, denn damit würde ich ihm eines meiner größten Geheimnisse verraten und ich wusste nicht, wie er das aufnehmen würde. Ich hatte Angst, dass ihn dieses Wissen zerstören würde.

„Mit einem Engel zu schlafen mag dich vielleicht nicht stören, aber sich dabei erwischen zu lassen sieht dir gar nicht ähnlich.“ Er zog die Strähnen in seiner Hand enger zusammen und meine Kopfhaut begann langsam zu pochen. Mir schossen die Tränen in die Augen, aber das lag mehr an seinen Worten als an allem anderen. Er ahnte ja gar nicht, wie gut ich ihn verstand. Ich hatte ihn schon so oft verletzt. Wahrscheinlich mehr als mir überhaupt bewusst war und dennoch versuchte er mir immer wieder zu helfen. Warum zögere ich dann noch ihm meine Geheimnisse anzuvertrauen? Was hält mich davon ab?

„Rosiel-chan, ich-“

„Ich hätte es von Anfang an wissen müssen!“ Der Schmerz in seiner Stimme trieb mir endgültig die Tränen in die Augen. Er verstand das alles vollkommen falsch. Aber ich kann es ihm nicht sagen. Dieses Wissen würde er nicht verkraften. Er darf von meiner Vergangenheit nichts erfahren.

„Ich wusste, dass sobald du dich wieder erinnerst würde sich alles ändern. Das hat mir zumindest Raphael gesagt. Allerdings habe ich nicht damit gerechnet, das es sich so entwickelt.“ Er zog an meinen Haaren. Was?! Raphael hatte ihm das gesagt? Wie viel weiß dieser Engel inzwischen eigentlich über mich? Und wie viel davon rät Rosiel nur?

„Selbst deine Haare haben inzwischen eine andere Farbe!“ Entsetzt sah ich ihn an.

„WAS?!“ Verächtlich ließ er die Strähnen los und schleuderte sie mir ins Gesicht. Entgeistert starrte ich den goldenen Vorhang an, der sich über meine Augen legte.

„Ich verstehe das nicht. Wieso…“ Und dann fiel es mir wieder ein. Anaels Haare waren blond gewesen. Als sie meinen Körper übernahm hatte sich dieser an ihr altes Selbst angepasst und damit auch die Farbe meiner Haare verändert. Aber warum waren sie dann immer noch blond? War ich vielleicht noch zu schwach, als das alle Veränderung rückgängig gemacht werden konnten? Rosiel merkte das ich nicht glauben konnte, was ich sah und für einen kurzen Moment verrauchte sein Zorn.

„Catan lass uns bitte allein"

„Aber Rosiel-sama..." Als er mein leichtes Nicken bemerkte seufzte er kurz und verbeugte sich vor Rosiel.

„Wie ihr wünscht Rosiel-sama." In seinem Gesicht war deutlich genug zu erkennen, das er mich nur ungern mit Rosiel allein ließ, aber es blieb ihm keine andere Wahl. Dieses Gespräch ging nur Rosiel und mich etwas an. Er verließ den Raum beinahe lautlos und als sich dir Tür hinter ihm schloss funkelte mich Rosiel erneut an. Dieses Mal jedoch bei Weitem nicht so wütend wie das letzte Mal.

„Du hattest also keine Ahnung?" Er strich mir sanft die Haare aus dem Gesicht und fing meinen Blick auf. Ich wusste nicht, wie ich ihm das alles erklären sollte, geschweige denn, ob ich das auch wirklich wollte. Es war zuviel geschehen und mindestens die Hälfte davon würde er nicht verstehen.

„Wie kommt es eigentlich, dass du mir immer nur Schwierigkeiten machst?" Er ließ sich neben mich auf die Matratze sinken und wartete anscheinend auf eine Reaktion, die ausblieb da ich gerade darum kämpfte mich zumindest auf meinem Unterarm abstützen zu können, aber selbst das klappte nicht. Ich konnte nichts anderes tun als hilflos liegen zu bleiben und zu hoffen, dass mein Körper irgendwann in nächster Zeit wieder gewillt war zu funktionieren. Im Moment jedoch ist jede noch so kleine Bewegung äußerst schmerzhaft.

„Wirklich, seit dem wir uns das erste Mal begegnet sind machst du mir nur Ärger." Mit einer Hand strich er meine Wange entlang und lächelte mich warm an. Augenblicklich schmolz ich dahin. Ich erwiderte sein Lächeln und hoffte inständig darum, dass die Situation so bleiben würde.

„Du hattest es anfangs ja auch nicht anders verdient." Es tat gut ihn in meiner Nähe zu wissen ohne die Befürchtung zu haben, dass gleich der nächste Engel um die Ecke kommt um einen zu töten.

„Mag sein .aber du hättest dich auch ein bisschen zurückhalten können." Er sah mich vorwurfsvoll an und ich musste unwillkürlich lachen. Diesen Rosiel sah ich viel zu selten und wenn er dann einmal zum Vorschein kam, dann nur für kurze Zeit. Das waren die kleinen Momente, die man mehr als alles andere genießen sollte.

„Nein, das hätte ich nicht. Es ist zu vieles geschehen..." Mein Blick glitt an ihm vorbei und ich sah wieder in meine Vergangenheit und was diese ausgelöst hatte. Dennoch konnte ich mir nichts vorwerfen. In der Gegenwart hatte ich bereits mehr als genug getan, um meinen Freunden zu helfen. Vielleicht war es jetzt an der Zeit ein Mal an sich zu denken und Rosiel die ganze Wahrheit zu sagen, aber ich wusste genau, das ich das nicht konnte. Meine Vergangenheit würde ihn nur noch mehr ins Unglück stürzen.

„Warum schweigst du?' Sein Blick lag warm auf mir doch ich konnte ihm diese Frage nicht beantworten.

„Was ist nur in deiner Vergangenheit gewesen, das du es selbst mir nicht sagen kannst?" Ich biss mir auf die Lippen und sah ihn flehend an. Bitte frag nicht weiter Ich würde es dir ja sagen, aber das würde dich zerstören. Ich will dich nicht verlieren.

„Hat es etwas mit Zaphikel zu tun?" Seine Stimme war plötzlich hart und kalt. Fassungslos sah ich ihn an.

„Hat dieser Engel irgendetwas damit zu tun?'" In seinen goldenen Augen flammte der Zorn auf als ich immer noch schwieg.

„Ist er schuld daran, dass ich dich vielleicht verliere?" Seine Hände hatten sich zu Fäusten geballt und er biss sich auf die Unterlippe. Ich starrte ihn an, als wäre er soeben vollkommen wahnsinnig geworden. Was hieß hier bitte schön er würde mich vielleicht verlieren?

„So schnell wirst du mich unter Garantie nicht los Rosiel-chan." Er erwiderte mein Lächeln nicht sondern wandte sich von mir ab.

„Rosiel-chan?"

„Sei dir da nicht so sicher. Sevothtarte hat bereits das hohe Konzil über euer Vergehen in Kenntnis gesetzt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis sie den genauen Zeitpunkt des Wing-cuttings bekannt geben." Panik brach in mir aus. Ein Wing-cutting würde selbst an mir nicht spurlos vorbeigehen. Engel ohne Flügel waren dazu verdammt bei lebendigem Leib zu verfaulen und wie jeder andere Engel hatte auch ich eine Heidenangst davor. Ohne Flügel wäre ich sämtlicher meiner Astralkräfte beraubt und ich wusste nicht, was das für Folgen haben würde.

„Ich hätte dich anketten sollen und nicht nur einsperren, wie Catan es wollte, dann wäre das alles niemals passiert." Das brachte mich zurück. Er hatte vor mich anzuketten?!

„Ich bin kein Hund!"

„Aber seit du in Yetzirah bist benimmst du dich wie ein gefangenes Tier!"

„Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich niemals hierher wollte! Die Hochburg der Engel ist der letzte Ort an dem ich meinem Leben sein wollte! Ich werde niemals vergessen, was die Engel mir angetan haben! Ich kann sie nicht leiden!" Er zog eine Augenbraue leicht nach oben.

„Ach ja?! Dafür gibst du dich aber mir außergewöhnlich vielen von uns ab."

„Was blieb mir denn schon für eine andere Wahl?! Du hast mich doch gegen meinen Willen hierher geschleppt und das obwohl du ganz genau wusstest, das ich niemals freiwillig einen Fuß in die Himmel gesetzt hätte!" Mein Körper mochte mir nicht gehorchen, aber mein Geist war hellwach. Ich hatte nicht vor in diesem Streit klein beizugeben. Wenn er mich damals in Assia gelassen hätte, dann hätte wäre das Siegel vielleicht niemals gebrochen und so vieles wäre anders gelaufen.

„JA! Weil es die einzige Chance war dein Leben zu retten!"

„Was weißt du schon über mein Leben? Wäre ich in Assia geblieben, dann hätte Ich mich niemals daran erinnert, was die Engel uns angetan haben." Ich spürte wie mir die Tränen in die Augen schössen. Es war zuviel! Noch ein weiteres Wort und ich würde ihm alles erzählen was damals vorgefallen war. Ich biss mir auf die zitternden Lippen um mich nicht noch weiter zu verraten.

„Und warum musst du immer genau an diesem Punkt schweigen? Warum sagst du mir nicht endlich, was in deiner Vergangenheit passiert ist?" Sein Zorn verrauchte allmählich wieder und seine Stimme wurde sanfter.

„Ich würde es verstehen." Ich zwang mich ihn anzusehen.

„Nein, das würdest du nicht." Du würdest es niemals verstehen, das Alexiel meine Mutter ist und ein Dämon mein Vater. Nein Rosiel-chan, das kann ich dir nicht sagen und auch nicht, was die Engel uns damals angetan haben. Würdest du erfahren, dass ich einen Sohn hatte, dann würde dieses Wissen dir nur schaden.

„Was macht dich so sicher? Woher nimmst du das Recht über mich zu urteilen?" Er war wütend auf mich, aber aus wesentlich mehr Gründen als ich anfangs dachte. Wahrscheinlich ist es sogar besser so. Wenn dieses Gespräch vorbei ist wird er mich vielleicht nie wieder sehen wollen. Damit wäre zumindest er in Sicherheit. Vielleicht ist es besser meinem Herzen jetzt diese Wunde zu zufügen und nicht erst, wenn es endgültig zu spät ist. Wenn er sich noch weiter in mein Herz schleicht wird es immer schwieriger werden sich von ihm zu lösen. Ja, es wäre wirklich einfacher es jetzt zu tun, aber warum zögere ich dann? Ist er mir bereits zu wichtig, als das ich mich jetzt noch von ihm lösen könnte?

„Rosiel-chan nur dieses eine Mal. Bitte hör auf und lass es gut sein." Ich wusste das würde nichts bringen. Er würde nicht locker lassen bis ich ihm endlich alles erzählte. Aber ich würde eher sterben als das ich ihm auch ein noch so winziges Stück meiner Vergangenheit verriet.

„Das kann ich nicht. Deine Vergangenheit ist vielleicht die einzige Chance dich zu retten." „Nein!" Auf keinen Fall! Meine Vergangenheit ist der Schlüssel zu deiner und meiner Vernichtung! Das kannst du nicht von mir verlangen.

„Wenn dir jemals von Engeln ein Unrecht wieder fahren ist, dann wird das hohe Konzil deine Strafe abmildern. Es könnte ein Gerichtsverfahren geben in dem abgewogen wird ob und in wie weit du schuldig bist."

„Nein!" Du verstehst das nicht! Es würde alles zerstören, wenn sie erfahren, wer ich wirklich bin. Er ließ sich jedoch nicht sonderlich lange unterbrechen.

„Sie würden dich vielleicht sogar freisprechen." Er sah mich flehend an.

„Rosiel-chan ich kann nicht." Sie würden mich für den Rest meines Lebens in ein Versuchslabor sperren wenn sie es wüssten.

„Aber das ist deine einzige Chance! Sonst rettet dich nichts mehr vor dem Wing-cutting!" Ich versuchte meine aufsteigende Panik bei diesem Wort niederzukämpfen. Zu sehr waren die Bilder von Remiriels Tod in meinem Bewusstsein verankert. Ein Wing-cutting ist das Grausamste, was man einem Engel antun konnte.

„Nicht, wenn ich vorher von hier fliehen kann" Er sah mich vollkommen fassungslos an.

„Du willst fliehen?“

„Ja, sobald mein Körper sich erholt hat werde ich von hier verschwinden. Das hohe Konzil kann entscheiden was es will. Wenn der Gefangene um den es geht nicht mehr da ist, dann kann das Urteil auch nicht vollstreckt werden." Das nennt sich dann Logik. Hoffentlich klappt das auch. Aber ich muss ihn davon überzeugen, dass ich es alleine schaffe. Wenn er mir hilft spielt er Sevie genau in die Hände und dieser wird die Chance zu nutzen wissen, da war ich mir sicher.

„Du kannst unmöglich aus dem Korridor fliehen." Ich sah ihn kalt lächelnd an.

„Es waren schon vorher einige Dinge unmöglich und ich habe es trotzdem geschafft." Er überlegte einen kurzen Moment und schüttelte dann den Kopf.

.Du wirst es niemals rechtzeitig schaffen. Sie entscheiden bereits heute was mit dir geschehen soll." Hätte ich es gekonnt, dann hätte ich mich jetzt aufgerichtet.

„Was?!" So schnell? Das konnte unmöglich sein. Das hohe Konzil war voller Politiker und Richter, die zuerst die Situation einschätzen und sich dann ausgiebig beraten mussten. Sie würden niemals so schnell zu einer Einigung kommen.

„Sevothtarte hat ihnen seinen Antrag bereits vorgelegt und innerhalb der nächsten zwölf Stunden wird darüber entschieden. Deshalb bin ich auch hier. Ich wollte dir die Chance geben dich selbst zu retten. Aber wie es aussieht ist dir nicht mehr zu helfen." Er stand auf und sah traurig auf mich herunter.

„Und das alles nur wegen einer Nacht mit einem Engel." Er ging langsam auf die Tür zu und wirkte wie jemand, dem man seinen letzten Hoffnungsschimmer geraubt hatte.

„Ich hätte mehr von dir erwartet." Plötzlich wirkte der mir zugewandte Rücken kalt und abweisend. Fast so als hätte jemand eine Eiswand zwischen uns gestellt, die jetzt mein Herz allmählich gefrieren ließ. Gegen alle Proteste meines Körpers begann ich mich zu bewegen. Wenn ich ihn jetzt gehen ließ, dann würde ich ihn für immer verlieren. Meine Muskeln schrieen auf als es mir endlich gelang mich auf meinem Unterarm abzustützen.

„Rosiel warte!" Ich streckte ihm meine Hand entgegen obwohl mein gesamter Arm sich anfühlte als hätte man ihn komplett mit Säure übergossen. Mein gesamter Körper arbeitete gegen mich und nur mein Wille zwang ihn noch zu gehorchen. Er durfte nicht gehen! Nicht so! Doch er drehte sich nicht mehr um sondern näherte sich immer mehr der Tür. Mir war als würde man mein Herz in zwei Teile reißen. Verzweifelt versuchte ich ihn zu erreichen

„ROSIEL!" Mein Arm rutschte an der Kante der Pritsche ab und ich merkte noch, das ich fiel danach wurde für einen kurzen Augenblick alles dunkel um mich herum. Nicht jetzt! Ich kann doch nicht jetzt ausgerechnet das Bewusstsein verlieren! Ich muss ihn aufhalten! Er darf nicht so gehen! Er darf mich nicht allein lassen!

*Du solltest wirklich vorsichtiger sein.* Verblüfft öffnete ich die Augen und sah direkt in Anaels vorwurfsvolles Gesicht.

*Ehrlich, er hat vollkommen Recht. Mit dir hat man wirklich nur Ärger.* Ich war so verwirrt über ihr plötzliches Auftauchen, das ich nicht einmal bemerkte, wie Rosiel auf einmal neben mir kniete. Erst als er mich hoch hob und wieder auf die Pritsche legte nahm ich seine Anwesenheit wieder wahr. Aber viel mehr als das verblüffte mich Anaels plötzliches Auftauchen.

„Wieso bist du noch hier? Du solltest doch längst deinen ewigen Frieden genießen können " Sie sah mich tadelnd an.

*Hast du wirklich geglaubt ich würde dich nach allem, was du für mich getan hast allein lassen?* Ich begriff immer noch nicht was sie dann ausgerechnet hier suchte. Ihre Seele war endlich frei. Warum war sie dann noch hier?

„Wer bist du?" Rosiels Stimme riss mich aus meinen Gedanken. Richtig, er war immer noch hier. Er ist nicht gegangen! Dankbar klammerte ich mich mit einer Hand in den Stoff seiner Kleidung. Er bemerkte es kaum. Sei gesamtes Interesse hatte sich auf Anaels Astralgestalt verlagert, die nun wie ein Schutzwall zwischen mir und ihm stand.

*Erkennt ihr mich nicht mehr Rosiel-sama? Es ist viel Zeit vergangen seid wir uns das letzte Mal gesehen haben. Ihr habt euch verändert.* Er sah sie an wie einen Geist, der sie im Grunde genommen ja auch war.

„Anael?" Sie nickte kurz.

„Aber du bist tot." Sie nickte wieder und Rosiel sah mich fragend mit einer hochgezogenen Augenbraue an.

„Gehe ich richtig in der Annahme, das du irgendetwas damit zu tun hast?"

„Hey, es war reiner Zufall, dass wir uns im Hades begegnet sind." Eine ziemlich lahme Verteidigung und das wusste er ebenfalls. Inzwischen kannte er mich viel zu gut um an einfache Zufälle zu glauben. Und das Wörtchen >Hades< hätte ich vielleicht besser weglassen sollen. Das konnte ja nicht gut gehen.

„Ah ha!" Na bitte, da haben wir's. Erglaubt nicht ein einziges Wort davon.

„Und welchem Zufall ist es zu verdanken, das Anaels Seele sich nun hier befindet?" Am Ton seiner Stimme war deutlich genug zu erkennen, dass er auf Meine Antwort mehr als nur gespannt war. Ich drehte meinen Kopf zur Seite und versuchte ihn zu ignorieren. Leider funktionierte diese Taktik nicht mehr. So leicht ließ er nicht locker.

*Rosiel-sama, wenn ich euch die Sache erklären dürfte.* Ich funkelte Anael wütend an, aber sie winkte beschwichtigend ab. Anscheinend war sie der Ansicht, das es nichts schaden konnte, wenn Rosiel bescheid wusste. Ich war da allerdings ganz anderer Meinung. (Und sei es nur aus Prinzip.)

„Nur zu. Wenigstens gibt es hier eine Person, die bereit ist meine Fragen zu beantworten.“ Ich zischte ihm ein leises Arschloch zu, das er geflissentlich überhörte. Also erklärte ihm Anael in einer ziemlich gerafften Version wie sie aus dem Hades erst in meinen Körper und dann in den Korridor gelangt war. Rosiels Gesichtsausdruck bei dem Ganzen wandelte sich je nach dem was sie erzählte sehr auffällig. Vor allem als ihm klar wurde, dass sich seit meiner Rückkehr nach Yetzirah in meinem Körper gesteckt hatte. Wenn man genau hinsah konnte man erkennen wie ihm bei einem ganz bestimmten Gedanken die Röte in die Wange schoss. Das hielt allerdings nur solange an bis ihm klar wurde warum man mich ausgerechnet neben Zaphikel gefunden hatte.

„Du hast einer fremden Seele deinen Körper überlassen?!“ Er starrte mich an als hätte ich allein dadurch den letzten Rest meines Verstandes eingebüßt. Also war ich mit meiner Antwort dementsprechend vorsichtig.

„Ja?" Und schon konnte ich mir dir schönste Triade über mich und meinen Leichtsinn anhören, die ich ungefähr mit demselben Wortlaut bereits von Catan gehört hatte. Nur, das Rosiel sich noch ein klein wenig blumenhafter ausdrückte. Na ja, und weil er gerade so schön dabei war hielt er mir direkt auch noch einen Monolog darüber was mit mir geschehen würde, wenn das raus kam. Immerhin ist es beinahe unmöglich eine Seelenwanderung vorzunehmen ohne selber dabei draufzugehen. Was mich nun selbstverständlich dazu prädestinierte zu einem Versuchsobjekt sämtlicher durchgeknallter Engel im Himmel zu werden. Allen voran selbstverständlich Sevie und sein Gefolge. Da ich keinerlei Chancen hatte Rosiel zu unterbrechen versuchte ich einen Blick auf Anael zu erhaschen, die das Ganze anscheinend mit demselben Interesse wie ich verfolgte.

*Musstest du es ihm den unbedingt sagen?*

*Ja, denn ansonsten hättest du ihn für immer verloren. Außerdem wusstest du doch von Anfang an, dass es keine besonders clevere Idee war eine fremde Seele in deinen Körper aufzunehmen und trotzdem hast du es getan. Du solltest mit den Konsequenzen leben können*

*Mag sein, aber muss er sich deshalb direkt so aufregen?* Sie kicherte leise und meinte dass das für Rosiels Verhältnisse noch harmlos sei. Wenigstens solange sich dieser in meiner Nähe aufhielt. Seufzend gab ich mich geschlagen und nachdem Rosiel endlich damit fertig war mich und meinen bodenlosen Leichtsinn zu verfluchen ließ er sich zu mir Pritsche fallen.

„Du hättest es mir sagen müssen." Er sah mich vorwurfsvoll an.

„Wenn ich gewusst hätte, das es eine andere Seele dort war, dann..." Ich konnte ein leichtes Grinsen nicht mehr verhindern als er versuchte seine Verlegenheit hinter einem Handrücken zu verbergen.

„…dann hättest du mich niemals im Leben angefasst. Ich wäre trotzdem in den Korridor gegangen und wir hätten genau dieselbe Situation wie jetzt nur mit der kleinen Ausnahme, dass wir immer noch nicht zu unseren Gefühlen stehen würden."

„Wer sagt, das ich dich dann nicht angefasst hätte?!“ Das kam so schnell, das mir erstmal die Luft wegblieb und Anael einen Lachanfall bekam.

„Glaub mir, keine Macht der Welt hätte verhindert, das ich mir genommen hätte was mir zustand." Ich starrte ihn vollkommen fassungslos an.

„Soll das heißen, du hattest das von Anfang so geplant?!" Ich konnte es einfach nicht glauben. Er hatte mich eiskalt reingelegt! Nichts von wegen reiner, unschuldiger Engel! Pah! Der hier ist eiskalt und berechnend!

„So würde ich es nicht gerade nennen, aber es war nicht von der Hand zu weisen, dass es eines Tages dazu kommen würde. Entweder ich hätte dich getötet oder das." Er grinste mich breit an und hatte unwahrscheinliches Glück, das ich im Moment nicht in der Lage war meine Hand zu heben.

„Du arroganter Bastard hast das die ganze Zeit gewusst?!" Und ich Idiot quäle mich noch mit Selbstvorwürfen rum, das er sich meinetwegen versündigt und so weiter. Was bin ich nur für ein Idiot gewesen! Statt einer Antwort griff er in meinen Nacken und zog mich zu sich hoch. Ich versuchte mich dagegen zu wehren an seine Brust gedrückt zu werden, aber mein Körper gehorchte mir nach wie vor nicht.

„Lass mich los!" Er kicherte in meine Haare und ich konnte spüren wie sich mein Zorn allmählich immer mehr steigerte. Dieser Mistkerl hat es die ganze Zeit gewusst und ich Idiot habe nicht das Geringste davon geahnt.

„Nein, ich lasse dich nie wieder gehen. Du gehörst mir." Er drückte mich noch enger an sich und plötzlich war meine Wut verraucht. Normaler weise hatte ich etwas gegen sämtlicher seiner Besitzansprüche, aber seit Kurzem waren sie mir gar nicht mehr Mal so unangenehm. Seufzend sank ich gegen seine Brust.

„Das ist unfair, ich kann mich nicht wehren."

„Wenn du es könntest würde mir die Sache ja auch nur halb soviel Spaß machen." Er hauchte einen Kuss auf meine Lippen.

„Du kannst nicht ewig stark sein. Manchmal ist es gar nicht so schlecht schwach zu sein.“ Ich ertrank in dem warmen Gold seiner Augen, das mir versprach mich aufzufangen wann immer das nötig sein würde.

„Du solltest mir zumindest eine kleine Chance geben.“ Ich drückte mich leicht an ihn und genoss die Wärme seines Körpers, der sich an meinen schmiegte.

„Auch wenn ich dann zu einer Schwäche für dich werden würde? Rosiel-chan ich bin vielleicht das schwache Glied in deiner Kette, das zu deinem Untergang führen kann.“ Und das nicht nur weil Sevothtarte mich gegen dich einsetzen kann, sondern weil vielleicht irgendwann der Tag kommen wird an dem ich mich gegen dich stellen muss um die Welt der Menschen zu retten. Ich kann nicht zu lassen, dass man meine Heimat zerstört und du wirst es niemals zulassen, dass sich irgendjemand deinen Plänen in den Weg stellt. Letzten Endes werden wir uns beide zerstören.

„Niemand ist perfekt. Und diese eine Schwäche kann ich mir leisten. Du verursachst viel zu viel Chaos, als das dich irgendjemand als meine Schwäche bezeichnen würde.“ Seine Arme schlossen sich enger um meinen Rücken.

„Ich wäre ein Narr, wenn ich die jetzt noch gehen ließe. Ich werde nicht zulassen, das du mich noch einmal verlässt.“ Die Entschlossenheit in seiner Stimme hätte mich vielleicht beunruhigen sollen, aber stattdessen war das Gegenteil der Fall es war gut zu wissen, das er sich seiner Sache so sicher war. Obwohl ich mich fragte woher er diese Sicherheit nahm.

„Auch wenn du rein gar nichts über mich weißt? Wenn ich dir niemals sagen werde, was in meiner Vergangenheit geschehen ist?“ Er rückte ein kleines Stück von mir ab und sah mir fest in die Augen.

„Du bist bereits einmal vor mir geflohen. Hast du etwa vor das noch einmal zu tun?“ Ich schüttelte den Kopf.

„Nein, ich laufe nicht mehr weg.“ Schon gar nicht vor dir. Aber ich muss wissen ob du auch weiterhin versuchen wirst meine Vergangenheit zu erforschen oder nicht.

„Warum sollte ich dann versuchen herauszufinden was in deiner Vergangenheit war? Solange du bei mir bleibst muss ich nichts wissen, das darüber hinausgeht.“

„Das ist Erpressung.“ Aber ich schaffte es bei Weitem nicht so beleidigt zu klingen wie ich wollte. Seine Worte hatten in meinem Bauch ein unheimliches Wärmegefühl ausgelöst, das sich allmählich in meinem gesamten Körper ausbreitete.

„Ja, aber das verhindert, dass du es dir vielleicht noch einmal anders überlegst.“

„Rosiel-chan, ist das wirklich in Ordnung? Du weißt nicht, was alles geschehen ist.“ Er legte mir einen Finger auf die Lippen.

„Ist das denn so wichtig? Du weißt über mich genauso wenig wie ich über dich. Warum sollen wir es nicht dabei belassen? Es ist in Ordnung, wenn man nicht alles voneinander weiß.“ Ist es das wirklich? Ist es in Ordnung, das wir so wenig voneinander wissen und doch so eng verbunden sind? Wie viele Geheimnisse haben wir voreinander und wie viele davon kann man gegen uns verwenden?

„Mach dir darüber keine Sorgen. Eine kleine Schwäche kann ich mir leisten.“ Ich sah ihn etwas verwundert an, aber sein Gesicht war auf einmal vollkommen ernst.

„Ich werde dich nicht noch einmal verlieren.“ Dabei drückte er mich so fest an sich, dass ich fast keine Luft mehr bekam. Ich verstand nicht ganz, warum er plötzlich so besitzergreifend war, aber ich schloss erleichtert die Augen. So viele meiner Zweifel waren zerstreut worden, dass ich gar nicht mehr wusste ob ich mich darüber freuen oder mir lieber Sorgen machen sollte. Immerhin war dass ziemlich Rosiel untypisch. Aber was machte das schon, wenn man verliebt war?

„Und was das Schönste ist-“ Er hob grinsend mein Kinn an und gab mir einen langen Kuss.

„-das du dich in Moment nicht wehren kannst.“ Er stürzte sich auf mich und löste sich dann blitzartig von mir als Anael ein leichtes Hüsteln von sich gab.

*Rosiel-sama ich weiß es wirklich zu schätzen, das ihr euch solche Sorgen um sie macht, aber bitte vergesst nicht wo ihr seit. Außerdem wartet euer Begleiter immer noch vor der Tür auf euch.* Das war ein verbaler Rausschmiss. Rosiel sah sie strafend an gab dann aber doch nach. Wenn auch widerwillig und nicht ohne vorher noch sein Zeichen auf meinem Hals zu hinterlassen.

„Also gut. Ich werde mit dem hohen Konzil sprechen und versuchen dich hier irgendwie rauszubekommen. Danach sehen wir weiter." Er stand schwerfällig auf und warf mir einen sehnsuchtsvollen Blick zu, der mich bis unter die Haarwurzeln erröten ließ. Rosiel-chan das ist verdammt peinlich! Vor allem, da Anael dieses Mal voll sichtbar daneben steht und sich nicht gerade in Zurückhaltung übt was die Privatsphäre anderer Leute angeht.

„Ich hoffe du kümmerst dich gut um sie." Anaels Gesichtsausdruck zeigte deutlich, dass sie dafür keine Extraaufforderung gebraucht hätte. Schließlich war allein das der Grund ihres Hier seins.

„Rosiel-chan, mach keinen Blödsinn." Er sah mich strafend an.

„Wenn einer von uns beiden hier Blödsinn machen sollte, dann bist du das. Tu mir bitte einen Gefallen und bleib solange hier bis ich mit dem Konzil gesprochen habe. Danach kannst du dir meinetwegen Gedanken um eine Flucht machen. Aber gib ihnen bitte nicht schon vorher den Beweis, den sie brauchen um dich zu vernichten." Mürrisch wies ich ihn daraufhin, das ich mich ohnehin nicht bewegen konnte was mit einem >hoffnungsloser Fall< kommentiert wurde. Als er den Raum verlassen hatte war ich zutiefst beleidigt.

*Er mag dich wirklich sehr.* Irritiert blinzelte ich Anael an. Inzwischen lag mein Kopf auf ihrem Schoß und sie strich sanft durch mein Haar.

*lch hätte niemals gedacht, das Rosiel sich einmal für etwas einsetzt, was ihn nicht direkt betrifft. Er hat sich wirklich sehr verändert.* Mein bissiger Kommentar von wegen das würde ich gar nicht merken prallte an einer Mauer purer Gelassenheit ab.

„Hat er eigentlich recht mit meinen Haaren? Sind sie immer noch blond?" Ich hatte zwar die Strähnen gesehen, die Rosiel mir ins Gesicht geworfen hatte, aber ich hoffte nach wie vor, dass es nicht mein gesamtes Haar betraf.

*Keine Sorge, es wird bereits wieder dunkler. In ein paar Stunden solltest du deine alte Haarfarbe wiederhaben.* Seufzend schloss ich die Augen. In ein paar Stunden also. Dann war das einzige, was mir jetzt noch blieb zu warten wie sich die Dinge entwickelten. Allein kam ich aus dieser Zelle nicht raus und solange meine Haarfarbe nicht wieder meine eigene war konnte ich davon ausgehen in einem Versuchslabor zu landen. Mal ganz abgesehen davon, dass sich mein Körper erst einmal von der Seelenwanderung erholen musste. Ich hoffte nur Rosiel würde sich beeilen. Wenn das hohe Konzil seine Entscheidung traf bevor er mit ihnen gesprochen hatte würde ich unter Garantie zu einem Wing-cutting verurteilt werden. Nun ja, in zwölf Stunden würde ich mehr wissen. Vielleicht sollte ich die Gelegenheit nutzen und etwas schlafen. Wer weiß was noch alles auf mich zukommt, wenn sich die Tür dieser Zelle das nächste Mal öffnet.

 

04-06-02

 

 

Next: Part 28 – Death of an angel

 

 



Puh! Eines könnt ihr mir glauben zwei Kapitel auf einmal zu Posten war alles andere als geplant. Aber Zufall wollte es, dass sie etwa zu selben Zeitpunkt fertig wurden. Leider ist dieses Kapitel hier nicht ganz so lang wie ihr es sonst von mir gewöhnt seit aber glaubt mir bitte, das ich einen verdammt guten Grund hatte an dieser Stelle mit dem Schreiben aufzuhören. Warum? Tja, alles weitere hätte den üblichen Rahmen mehr als nur gesprengt und außerdem ist so die Vorfreude auf das nächste Kapitel größer ^.^

Wisst ihr was mich neulich wirklich aus den Socken gehauen hat? Auf Yaoi.de ist Love of an angel über 2.000 Mal geladen worden. Das ist doch Wahnsinn, oder?! *freu*

Allerdings trübte eine kleine Tatsache die anfängliche Freude. Wenn wirklich über 2.000 Leute diese Geschichte lesen warum melden sich dann immer dieselben 15 Personen (verteilt auf alle Postingspages!) bei mir? Was ist mit all den Anderen? Traut sich wirklich niemand sonst ein Feedback abzugeben oder ist die Story einfach zu uninteressant um sie noch weiter zu lesen? *sich etwas unsicher fühl*

Schreibt mir doch einfach was ihr bisher davon haltet und welche Fragen eurer Meinung nach unbedingt noch geklärt werden sollten. OK; bis auf die Sache mit  Shaos Vater, das kommt noch! (Wann und wo das bleibt erstmal mein kleines Geheimnis ^.^) Egal ob Review oder direkte E-Mail. Ich freue mich immer über Feedback!

Inzwischen ist auch der letzte Band von AS auf Deutsch erschienen und ich muss sagen, dass mir die Sache langsam aber sicher Angst macht. Immerhin hatte ich fest vor diese FF zu beenden bevor das passiert. Wie man sieht war das ein Satz mit X, war wohl nix. Mit Love of an angel wird es noch eine ganze Weile weitergehen. Rechnet es euch selber aus. Dazu, müsst ihr nur herausfinden an welcher Stelle der AS-Mangas sich die Love of an angel Storyline  gerade befindet. Also, wo sind wir?

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich im letzten Kapitel einen Fehler gemacht habe. Rosiel ist selbstverständlich der inorganische Engel und Alexiel der organische Engel und nicht andersherum, wie ich es versehentlich geschrieben habe. Und das als AS –Fan! *Asche auf mein Haupt*

Zu meiner Verteidigung: laut Korrekturergänzungen und –lesen stand an der Stelle inorgansicher Engel. Hab nur nicht mitbekommen, dass ich vergessen hatte es auch wirklich einzutippen. (Was zwei so kleine Buchstaben doch für einen Unterschied machen…

Das ist das Problem, wenn man die Story kennt. Man liest aus Prinzip das, was Richtig sein müsste. (Ja, ja ich weiß eine völlig lahme Entschuldigung, aber bitte verzeiht mir!)

UPDATE Kurenai no Tenshi
 

ab sofort erhältlich

Volume 13

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UPDATE Convention
 
Teilnahme an folgenden
CONVENTIONS:

Dokomi
30.04. - 01.05.2016
in Düsseldorf
eigener Stand
UPDATE Fanfiction
 
Moon Shadows
Chapter 14
___________________

Secrets
wird fortgesetzt
___________________

Love of an angel
abgeschlossen
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Kaze to ki no uta

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Animescreenshots sind online
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