Part 30

05-05-05

 

Love of an angel

         Part 30

 

Return to the grounds of hell

 

Obwohl ich genau wußte, daß dieser Moment irgendwann kommen würde überraschte es mich dennoch, daß er so plötzlich da war. Die Erkenntnis, daß die Zeit nicht mehr länger für mich arbeitete sondern eher das Gegenteil der Fall war hatte etwas von einer kalten Dusche gehabt. Bisher hatte ich immer auf Zeit spielen können, doch urplötzlich mußte alles schnell gehen. Wir durften uns nicht länger als nötig in der Nähe des längst versunkenen Himmelskorridors aufhalten.

Und doch ab und zu schien wie durch ein Wunder die Zeit, die sich gegen uns gewandt hatte plötzlich stehenzubleiben. Einzig und allein für den Augenblick auf den Raziel seit meiner Rückkehr in die Himmel gewartet hatte. Auf sein Bitten hin hatten wir uns allein im seinen Quartier eingeschlossen und mit einer simplen Vorrichtung hatte er dafür gesorgt, daß uns niemand hören konnte. Wir waren vollkommen sicher in diesen Wänden.

Er saß vollkommen entspannt und abwartend auf dem Bett während ich den langsamen Zug der Wolkenwale durch das Panoramafenster seines Zimmers beobachtete. Wir waren bereits seit geraumer Zeit mit der Merkabah unterwegs. An einem geheimen Treffpunkt würden wir einen Teil der Rebellen treffen und uns von Raziel trennen um die Himmel zu verlassen und in die Hölle zurück zu kehren.

Vielleicht würde ich es dann auch endlich schaffen meine Gefühle für Rosiel zu ignorieren. In der Hölle würde mir unter Garantie Astaroth begegnen und er hatte bereits sehr deutlich gemacht was er davon hielt, das ich mich erneut in einen Engel verliebt hatte. Zum Glück wußte er nicht in welchen.

„Shao-san, alles in Ordnung?“ Raziels Stimme war voll aufrichtiger Sorge und ich mußte leicht lächeln obwohl er das kaum sehen konnte. Mein Gesicht war nach wie vor dem Fenster zu gewandt und ich preßte meine Stirn schon seit geraumer Zeit gegen das kühle Glas. Ich hatte ihm in den letzten Minuten soviel von mir und meiner Vergangenheit erzählt wie ich meinte verantworten zu können. Auch das sich die Seele seiner Mutter über sehr lange Zeit in meinem Inneren befunden hatte. Raziel wußte nun beinahe dasselbe wie ich über Anaels und Zaphikels gemeinsame Vergangenheit. Wie ich bereits vermutet hatte war ihm allerdings vieles schon lange selbst klar gewesen.

Es war gefährlich ihm so viel anzuvertrauen. Unwissenheit wäre ein wesentlich besserer Schutzmantel für ihn gewesen, aber ich fühlte mich verpflichtet endlich seine Fragen zu beantworten. Außer mir gab es in den Himmeln so gut wie niemanden, der das noch konnte. Und dabei erzählte ich ihm längst nicht alles…

Jetzt, wo er alles verloren hatte, was in seinem Leben von Bedeutung gewesen war mußte er einen Halt finden, der seinem Leben wieder Sinn gab. Wenn ich auch weiterhin geschwiegen hätte, dann würde Raziel zwar sein Leben für die Ziele der Anima Mundi einsetzen, aber es dabei auch sehr schnell verlieren. Zaphikels Tod hatte ihn schwer verletzt und die Tiefe dieser Wunde konnten wohl nur diejenigen nachvollziehen, die einen solchen Verlust ebenfalls erlitten hatten. Er würde alles tun um diesem Schmerz zu entkommen. Auch wenn ihm selbst das vielleicht noch gar nicht bewußt war.

Ich hatte Zaphikel und Anael versprochen auf ihren Sohn aufzupassen und das bedeutete auch, daß ich nicht zulassen durfte, daß er sich Hals über Kopf in Gefahr begab. Das Beste was mir eingefallen war um genau das zu verhindern war endlich all seine Fragen zu beantworten. Auch, wenn ich nach wie vor ernsthafte Zweifel an der Genialität dieser Idee hatte. Der Schuß konnte verdammt leicht nach hinten losgehen.

„Vertraust du mir nicht?“ Ich lachte trocken. Ihm vertrauen? Hatte ich in den letzten Jahrhunderten überhaupt irgend jemandem vertraut? Hat irgend jemand jemals erfahren wie es in meinem Inneren wirklich aussieht? Wie sehr mir meine Vergangenheit zu schaffen macht? Nein, eher nicht. Ich hatte es ja selbst nicht gewußt. Ich bin vor allem geflohen, das auch nur entfernt damit zu tun hatte. Immer in der Hoffnung, das ich mich nie wieder erinnern mußte. Und dann…

Ja, und dann war er gekommen… Rosiel…

Ohne, das ich es verhindern konnte hatte er mein gesamtes Leben auf den Kopf gestellt. Er stellte sich mir in den Weg wann immer sich die Gelegenheit dazu ergab. Schleppte mich in die Himmel und sorgte durch seine Unnachgiebigkeit letztendlich dafür, daß das Siegel, das mich solange vor meinen Erinnerungen geschützt hatte brach. Gut, das war etwas, das noch nicht einmal er hatte ahnen können. Aber selbst, wenn er es gewußt hätte…

Es wäre ihm höchstwahrscheinlich egal gewesen. Durch seine Sturheit konnte ich mich nun wieder viel zu gut an all jenes erinnern, daß ich schon so lange hinter mir glaubte. Was jedoch noch  viel schlimmer war…

Rosiel hatte es nach all den Jahrhunderten, in denen sich mein Herz beinahe jegliche tiefgreifende Gefühle für ein anderes Lebewesen verboten hatte, den schützenden Panzer, der es umgab nach und nach zum Schmelzen gebracht. Ohne, das ich etwas dagegen hätte tun können wanderte mein Herz immer mehr zu diesem durchgeknallten Engel bis es schon beinahe schmerzhaft war überhaupt an ihn zu denken.

Ja, ich hatte mich erneut verliebt. Erneut verliebt in einen Engel…

Und das, obwohl ich wußte, das eine solche Beziehung nur Schmerz und Leid verursachen würde. Je länger sie dauerte desto mehr würde es mich letzten Endes verletzen. Und dennoch…

Je länger wir zusammen waren und in unseren gemeinsamen Gefühlen Erfüllung fanden war ich glücklich. Rosiel gab mir den Frieden, den ich schon solange in meinem Leben gesucht hatte. Auch wenn er nicht ewig andauern würde. Ich war ihm dankbar dafür, daß mein Herz bei ihm zur Ruhe kam.

„Shao-san?“ Behutsam legte sich eine Hand auf meinen Rücken. Als ich den Blick zur Seite wandte sah ich in ein Paar äußerst besorgter aquamarinblauer Augen. Richtig, ich war ihm immer noch eine Antwort schuldig. Ich hatte nicht mehr länger Zeit mir über meine bisher gefällten Entscheidungen Gedanken zu machen.

Seufzend wandte ich mich wieder dem Blau des Himmels zu, das hier und da von dem silbernen Körper eines Wolkenwals durchbrochen wurde. Sie hatten uns die ganze Zeit seit der Zerstörung des Korridors begleitet und würden es auch weiterhin tun. Jedenfalls solange sie der Meinung waren, das wir ihren Schutz brauchten.

„Ist schon gut…“ Meine Stimme war nur ein Flüstern, aber durch die gespenstische Stille, die im Raum herrschte, problemlos zu verstehen. Raziel stellte sich dicht neben mich. Ich konnte spüren wie sich sein Kopf sacht an meinen Arm lehnte.

„Warum willst du deine Geheimnisse so unerbittlich schützen? Warum kannst du mir nicht einfach antworten?“ Es klang resigniert wie er das sagte. Anscheinend rechnete er nicht mehr damit, daß ich seine Frage beantwortete. Mit einem Ruck streckte ich mich und hob meinen Blick. Es hatte keinen Sinn. Früher oder später würde er es ohnehin erfahren.

„Weil ich Alexiels Tochter bin.“ Meine Stimme war tonlos und während dieser Satz im Raum verklang verschwand Raziels Nähe. Er stand jetzt etwa einen knappen halben Meter neben mir und versuchte das eben gehörte in Einklang mit dem zu bringen, was er bereits über mich wußte.

„Aber wie? … Was? …“ Ich sah ihn voller Mitleid an. Er kämpfte mit seinen Gefühlen und wußte anscheinend nicht mehr länger, was er glauben sollte und was nicht. Ja, es wäre besser gewesen ihm diese Tatsache auch weiterhin zu verheimlichen. Aber was hätte das schon gebracht? Besser er erfährt es aus meinem Mund, als das es ihm später irgendeiner seiner Spione oder Feinde erzählte.

„Du siehst ihr doch nicht einmal ähnlich… du…“ Er brach ab und starrte mich vollkommen ungläubig an.

„Shao-san… was…“ Seine Augen weiteten sich immer mehr als sich ein bisher dahin unsichtbarer Schleier von ihnen hob. Zum ersten Mal sah er mich ohne, das ein Bann sein Sichtfeld störte und ein bitteres Lächeln legte sich auf meine Lippen.

„Du siehst beinahe genau aus wie sie.“ Brachte er keuchend hervor bevor er sich nervös mit einer Hand durch die Haare fuhr und auf seiner Unterlippe kaute.

„Wie kann das sein? Diese Ähnlichkeit... es ist mir nie aufgefallen…“ Er hatte seinen Blick gesenkt und ich konnte nur zu gut verstehen was ihn beschäftigte. Auch mir war es lange Zeit ein Rätsel gewesen warum man nicht schon alleine aufgrund meines Aussehens zu dem Schluß kam wer meine Eltern waren. Irgendwie schien das alles mit dem Siegel zusammen zu hängen…

Obwohl es bereits seit geraumer Zeit gebrochen war hatte sich längst nicht jeder Bann, der mich schützte vollständig gelöst. Es gab immer noch vieles an das ich mich gar nicht oder nur zum Teil erinnern konnte. Allem voran, das Gesicht oder der Name meines Vaters. Auch, das bisher niemand meine Erscheinung mit Alexiel in Verbindung gebracht hatte schien an den teilweise noch intakten Bannkreisen des Siegels zu liegen. Lediglich die Personen, die wissen, das ich Alexiels Tochter bin können die Ähnlichkeit zwischen ihr und mir auch tatsächlich sehen. Aber das ist mir erst sehr spät klar geworden. Ehrlich gesagt hatte ich daran bisher auch nie einen großartigen Gedanken verschwendet. Erst als ich Catan von meiner Vergangenheit erzählte kam ich ins Grübeln.

Jemand der Rosiel so Nahe stand wie er und der genau über dessen schwierige Beziehung zu seinem Zwilling Alexiel bescheid wußte fiel nicht auf, das ich ihr so dermaßen ähnelte? Das war mehr als nur merkwürdig. Es würde wohl noch sehr lange dauern bis ich den vollen Umfang des Siegels erfassen konnte.

Meine Eltern hatten ein kleines Meisterwerk geschaffen und da Rosiel aus den Bruchstücken ihres Siegels ein neues Kreuz erschaffen hatte wirkten einige Teile nun anscheinend doppelt so gut wie vorher. Auch wenn ich mich nach wie vor fragte, wie er das angestellt hatte.

„Ist schon gut Raziel-chan. Es konnte dir gar nicht auffallen.“ Sein fragender Blick versenkte mich beinahe und in wenigen abgehakten Sätzen schilderte ich ihm was mir selbst erst vor kurzem aufgefallen war. Dabei wußte ich nur zu gut, daß jedes meiner Worte ihn später in große Gefahr bringen konnte. Vor allem, wenn er Rosiel oder Sevothtarte in die Hände fiel.

„Ist Sevothtarte deshalb so versessen darauf dich zu vernichten?“ Verblüfft starrte ich ihn an bevor ich in schallendes Gelächter ausbrach.

„Großer Gott nein! Wenn er das wüßte, dann hätte er mich von Anfang an in Ketten gelegt. Nein, er weiß nichts.“ Auch wenn ich mir ziemlich sicher war, das Sevie bereits einen ganzen bestimmten Verdacht hegte was meine Herkunft anging. Allerdings fehlten ihm dafür nach wie vor die Beweise.

„Und bevor du fragst, Rosiel-chan weiß es ebenfalls nicht.“ Raziel sog scharf die Luft ein.

„Ist das der Grund warum du mir nichts über dich erzählen wolltest? Weil du Angst hattest, das Rosiel es über mich herausfinden könnte?“ Seufzend sah ich ihn an. Sein Blick war unsicher geworden. Es war deutlich zu sehen, daß ihm erst jetzt klar wurde wieviel ich mit diesem Gespräch riskierte.

„Nein. Es ist nur… ich habe Anael versprochen dich zu beschützen und je weniger du über mich wußtest, desto sicherer warst du. Etwas, das du nicht weißt kann man dir niemals gewaltsam entlocken. Manchmal ist das der beste Schutz, den man haben kann.“ Er wirkte nicht sonderlich überzeugt.

„Soll das heißen wenn man nichts weiß geschieht einem nichts?“ Er spie mir diese Worte voller Verachtung entgegen. Zu spät bemerkte ich, daß ich einen Fehler gemacht hatte. Er hatte bereits gesehen, daß selbst Unwissenheit einen nicht schützen konnte. Immerhin hatte Sevothtarte seine Naivität ausgenutzt um sich dem Problem >I-children< ein für alle Mal zu entledigen.

„Nicht direkt, aber manchmal hilft es.“ Es war ein schwacher Versuch mein Schweigen ihm gegenüber zu rechtfertigen, aber er ignorierte es.

„Das ist nicht fair! Das ist einfach nicht FAIR!“ Er stürmte aus dem Raum und rannte dabei fast in Kira, der dem jungen Engel mit hochgezogenen Augenbrauen hinterher sah.

„Hast du es ihm gesagt?“ Er drückte mir einen Becher dampfenden Kaffee in die Hand und machte nicht den Eindruck, als würde er ernsthaft mit einer Antwort rechnen.

„Zum Teil. Es ist besser für ihn wenn er nicht alles weiß. Auch wenn er das leider nicht versteht.“ Nachdenklich sah Kira mich über den Rand seines Kaffeebechers an und deutete mit einem Finger auf mich.

„Und wann erzählst du uns davon?“ Ich zuckte mit den Schultern und versteckte mein Gesicht für einen kurzen Moment hinter der grünen Tasse.

„Wenn es ungefährlich für euch ist?“

„Also nie.“ Grinsend prostete er mir zu.

„Shao-chan ich hoffe nur du weißt was du tust.“ Unsere Tassen klirrten zusammen.

„Das hoffe ich auch.“ Wir standen noch eine Weile zusammen bis auch ich den Inhalt meines Bechers komplett gelehrt hatte. Danach sah es Kira dann plötzlich als seine höchstpersönliche Aufgabe an mir sämtliche Fragensteller vom Hals zu halten. Er verschuf mir damit mehr als nur genügend Zeit um in Ruhe nachzudenken.

Es war richtig, das ich meine Freunde längst nicht in alles einweihte was mich und meine Vergangenheit oder meine Verbindung zu Rosiel betraf, um sie vor dem zu schützen, was dieses Wissen mit sich bringen würde. Aber noch viel wahrscheinlicher war es, daß ich schwieg um mich selbst zu schützen. Je weniger ich Anderen von den Dingen erzählen mußte, die geschehen waren, desto weniger mußte ich darüber nachdenken. Vor allem, warum es mich nach wie vor so sehr schmerzte an Rosiel zu denken…

Die Merkabah bewegte sich beinahe lautlos durch das Wolkenmeer und immer noch wichen die Wale nicht von unserer Seite. Es war sonderbar friedlich und fast könnte man glauben, daß wir gar nicht auf der Flucht aus den Himmeln waren. Das Blau um uns herum war vollkommen ruhig und nichts außer den Wolkenwalen durchbrach die weißblaue Pracht in der wir uns bewegten.

Sehnsüchtig sah ich durch das Fenster hinaus auf die Wolken. Nichts würde ich lieber tun als jetzt dort draußen mit den Walen zu spielen, aber wir waren nach wie vor in Gefahr. Außerdem mißtrauten mir die Rebellen. Es wäre ein zu großes Risiko ausgerechnet jetzt die Merkabah zu verlassen. Seufzend riß ich mich von dem friedlichen Anblick los und begann statt dessen das Innere der Merkabah zu erkunden.

Dank Cees Anwesenheit wagte es niemand mich bei diesem Streifzug zu stören. Selbst Raziel wich mir nach wie vor aus und außer ihm hatte ich niemanden großartig etwas zu sagen. Nach knappen zwei Stunden wurde ich dann aber doch müde und beschloß die Gelegenheit zu einem kleinen Schläfchen zu nutzen. Vielleicht war es das letzte Mal für lange Zeit, das es mir gelingen würde ungestört zu schlafen. Die Anderen würden mich schon wecken, wenn wir den Treffpunkt erreicht hatten…

 

* * * * * *

 

„Shao-chan! Hey, Shao-chan!“ Mühsam öffnete ich meine Augen und unterdrückte ein herzhaftes Gähnen.

„Wir sind da! Zeit aufzustehen.“ Da ich keinerlei Anstalten machte mich zu bewegen verpaßte Kira mir eine leichte Kopfnuß. Ich sparte es mir ihn zu fragen wie er an einer von innen verschlossenen Tür und Cee vorbeigekommen war. Langsam schälte ich mich aus dem Bett. Meine Kleidung war zum Glück nur halb so verknittert wie ich geglaubt hatte und nachdem ich mich ein paar Mal ausgiebig gestreckt hatte machten wir uns auf den Weg zu den Anderen. Es sah ganz so aus als hätten wir den Treffpunkt ohne nennenswerte Probleme erreicht.

Kaum hatten wir die Merkabah verlassen wurden wir von etwa einen halbem Dutzend Mitgliedern der Anima Mundi in Empfang genommen. Sie führten uns in ihr teilweise unterirdisches Versteck und ich konnte die feindseligen Blicke, die auf mir ruhten beinahe körperlich spüren.

Sicher, es war in den Himmeln kein allzu großes Geheimnis, das Rosiel einen Narren an mir gefressen hatte, aber das rechtfertigte in meinen Augen noch lange nicht eine so dermaßen starke Abneigung. Wahrscheinlich nahmen es mir die Rebellen übel, das man mich lebend aus dem Korridor hatte bergen können während ihr Anführer dort zurückgeblieben war.

Wenn ich nach den Gesichtsausdrücken ging, mit denen man mich schon seit unserer Ankunft bedachte, dann war es sehr wahrscheinlich, daß die Rebellen mich am Liebsten sofort zurückgelassen oder Sevothtarte übergeben hätten. Doch da Raziel uns alle als seine Begleiter, die unter seinem persönlichen Schutz standen, vorgestellt hatte blieb ihnen vorerst nichts anderes übrig, als mir zumindest halbwegs freundlich zu begegnen. Auch wenn es ihnen zu tiefst misshagte. Immerhin war Raziel ihr neuer Anführer und sie hatten ihm Treue geschworen.

Trotzdem war die Atmosphäre bedrückend. Ich war heilfroh Cee an meiner Seite zu wissen. Er hatte seine Wolfsgestalt zwar beibehalten, aber seine rubinroten Augen, die jeden Engel eisig fixierten, wenn er mir auch nur einen Millimeter zu nahe kam sorgten dafür, daß man mich größtenteils in Ruhe ließ. Das warme Prickeln in meinem linken Oberschenkel tat ein Übriges um mich daran zu erinnern, daß ich egal, was jetzt auch passieren würde keinesfalls wehrlos war. Auch Setsuna und Kira hatten die feindselige Stimmung bemerkt. Sie waren beide kaum merklich in meine Nähe gerückt. Bei dem Gedanken was ein plötzlicher Angriff auf mich oder einen der Anderen jetzt auslösen würde stahl sich ein leichtes Lächeln in mein Gesicht. Diese Engel hätten nicht die geringste Chance.

„Wir sind da Raziel-sama.“ Erschrocken zuckte ich aus meinen Gedanken hoch als unsere Eskorte plötzlich stehenblieb und sich plötzlich sehr schnell auflöste. Vor uns stand ein weiblicher Engel in schwarzer Uniform mit glatten, kinnlangen, hellbraunen Haaren der uns merklich musterte. Ich mußte grinsen als ich die Abzeichen auf ihrer Uniform erkannte. Sie war ein Mitglied von Rosiels Truppen.

Es folgte eine reiflich lange Diskussion zwischen ihr und Raziel in der es hauptsächlich um den Fortbestand der Anima Mund und die Tatsache, das er als ihr Anführer in den Himmeln bleiben sollte, ging. Da Setsuna sich ebenfalls in diese Debatte einmischte nutzte ich die Zeit um mich gründlich umsehen. Es war unübersehbar, das Zaphikel sehr gründlich gearbeitet hatte wenn es um den Widerstand ging. Dieser Stützpunkt würde bei jeder noch so gründlichen Kontrolle als abgelegener Außenposten durchgehen. Es gab nirgends auch nur den geringsten Hinweis darauf, daß er eigentlich eines der Hauptnervenzentren der Rebellen war. Jeder der hier anwesenden Engel war ein Mitglied der Anima Mundi und dennoch würde sie niemand verdächtigen. Ich kam nicht umhin vor Zaphikel meinen Hut zu ziehen.

Cee begann neben mir unruhig zu werden und nur ein leichtes Kraulen über seinen Rücken verhinderte, das er seine Gestalt änderte. Für die Engel war er nach wie vor nichts anderes als ein pechschwarzer Wolf und das sollte nach Möglichkeit auch so bleiben. Allerdings war ich mir ziemlich sicher, daß zumindest einige der Rebellen seine ungewöhnliche Aura bereits bemerkt hatten. Auch wenn sie diese wahrscheinlich eher mir zuschrieben.

Die Diskussion neigte sich dem Ende entgegen und es war anscheinend endgültig beschlossen, das Raziel allein bei den Rebellen zurückbleiben würde. Etwas, das mir nach wie vor Kopfschmerzen bereitete. Ich hatte Anael versprochen auf ihren Sohn aufzupassen, doch das war leichter gesagt als getan. Wir würden uns innerhalb der nächsten Stunden auf den Weg nach Anagura machen, um uns Kurai und den Anderen anzuschließen und von dort aus konnte ich Raziel nicht länger schützen. In der Hölle würde ich mehr als genug damit zu tun haben nicht von den Erzdämonen enttarnt zu werden und Cee konnte ich nicht zurücklassen. Zum einen, weil er in den Himmeln viel zu sehr auffallen würde und zum anderen, würde er es unter Garantie nicht noch einmal zulassen, das ich alleine ging. Er hatte sich einmal meinem Willen gebeugt um meine Freunde zu beschützen, aber er würde es so schnell kein zweites Mal tun. Was blieb dann noch?

Vollkommen mit diesem Problem beschäftigt merkte ich gar nicht, daß wir uns inzwischen wieder auf dem Rückweg zur Merkabah befanden. Erst Katous lauter Aufschrei als Riuet ihm schon wieder einen Elektroschock verpaßte brachte mich zurück in die Gegenwart.

„Wieviel Zeit haben wir noch?“ Irritiert sah Riuet mich an und hielt nach wie vor seine rechte Hand, an der ein Mini-Elektroschocker befestigt war nach oben. Ohne es zu wissen hatte er mich mit seinem kleinen Spielzeug auf eine Idee gebracht. Nur dafür bräuchte ich Zeit. Etwas, von dem wir nach wie vor nur sehr wenig besaßen.

„Mit allen Umbauten, den Schutzvorrichtungen…“ Er kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf.

„…Zwei Stunden etwa. Vielleicht auch weniger.“ Das würde, nein, das mußte reichen. Ich machte auf dem Absatz kehrt und verschwand dicht gefolgt von Cee im Inneren des Stützpunkts. Mein plötzliches Auftauchen überraschte die Kommandantin etwas, aber sie hörte mir ruhig zu und versprach mir zu helfen. Mit einem knappen Befehl stellte sie mir zwei Engel zur Seite, die mich der Lösung meines Problems etwas näher bringen sollten. Binnen weniger Minuten fand ich mich in einem nicht genutzten Lagerraum wieder. Das war das Zweite, was ich neben Zeit brauchte. Eine Menge Platz!

Mit einer leichten Verbeugung erkundigten sich meine Begleiter, ob es das gewesen sei, was ich gesucht hatte und ich versicherte ihnen, daß es einfach perfekt sei. Zögernd ließen sie mich allein und als sie den Raum endlich verlassen hatten verriegelte ich sämtliche Türen und Fenster von Innen. Keine Störungen mehr! Jedenfalls nicht für die nächsten zwei Stunden! Wenn das hier klappen sollte, dann mußte ich mich konzentrieren. Nichts und niemand durfte mich dabei ablenken!

Vorsichtig brach ich die Spitze einer dünnen Stahlstange ab und erhitzte die Bruchstelle solange bis sie glühte. Später würde man auf dem Boden zwar nicht mehr den geringsten Hinweis entdecken, aber noch mußte ich sicher sein, das die Zeichen klar und deutlich zu sehen sein würden. Sie mußten auf jeden Fall lesbar sein.

Cee legte sich bequem vor eine der verriegelten Türen und machte es somit vollkommen unmöglich diese von Außen zu öffnen. Konzentriert zog ich den heißen Stahl über den Boden bis ein gleichmäßiger Kreisumriß entstanden war. Das war der Anfang…

Ohne mich weiter um meine Umgebung zu kümmern begann ich den Rand des Kreises nach und nach mit Schutzsymbolen zu versehen, die kurz aufleuchteten als ich den Kreis durch eine zweite Linie schloß. Bis hierhin war es noch einfach. Aber ich hatte schon lange keinen Bannkreis dieses Umfangs mehr geschaffen. Es dauerte sehr lange bis die alten Formeln ihren Weg über meine Lippen und die Zeichen ihren Platz in dem Kreis fanden. Doch mit jeder Ebene, die ich schloß wurde er mächtiger und größer.

Ich stand nach wie vor im Zentrum und jedes Mal, wenn sich eine neue Ebene schloß dehnten sich die Symbole weiter aus um Platz für die nächsten zu schaffen. Ich mußte das Zentrum nicht verlassen und dennoch erstreckte sich der Kreis bereits über die Hälfte des Raumes. Wenn ich fertig war, dann würden seine äußeren Ränder die Wände berühren oder sie wären bereits daran hinaufgewandert.

Ich verfiel in einen leichten Singsang als sich die nächsten Zeichen beinahe wie von selbst in den Boden brannten. Irgendwann verließ mich mein Gefühl für Raum und Zeit. Schicht um Schicht huschten schwarze Muster über den Boden, deren Funktion nur ein mächtiger Engel entschlüsseln konnte. Ihre Abfolge wurde lediglich hier und da von einem kurzen Aufleuchten unterbrochen wenn sich erneut eine Schicht schloß. Der Kreis pulsierte unter mir und allmählich kehrte mein Bewußtsein aus seinem Dämmerzustand zurück. Der Bann war beinahe vollendet und in meinen Kopf zeichneten sich die alten Formeln deutlicher ab als jemals zuvor.

„Nun denn!“ Ich schloß die letzte Ebene des Kreises und trat einen Schritt beiseite um seine Mitte freizugeben. Dort fehlte lediglich noch der Name desjenigen, der durch diesen Bann geschützt werden sollte. Ich holte tief Luft und rammte die Stahlstange genau ins Zentrum.

„RAZIEL!“ Gesprochen in einem alten Dialekt brannte sich der Name augenblicklich in das Metall. Es schmolz und zu einer silbernen Pfütze, die den Kreis vollendete.

„Sanctus!“ Ich streckte meine Hand fordernd aus und sämtliche Symbole leuchteten kraftvoll auf bevor sich der gesamte Kreis nach und nach sich zusammenzog bis schließlich nur noch eine kleine, silberne Kugel übrig blieb. Sie war nicht viel größer als eine Erbse. Vollkommen unscheinbar, aber dennoch ein äußerst machtvoller Bannkreis. Langsam schwebte die Kugel in meine Hand. Vorsichtig schloß ich meine Finger darum und konnte deutlich das warme Pulsieren spüren, das von der kleinen Kugel ausging. Ich hoffte inständig, daß es reichen würde um Raziel zu beschützen. Mehr konnte ich beim besten Willen nicht für ihn tun.

„Komm Cee, laß uns zu den Anderen zurück gehen.“ Schwanzwedelnd erhob er sich und trottete neben mir her bis wir den Stützpunkt verlassen hatten. Kaum hatten wir das Freie erreicht schoß er davon um nach Raziel zu suchen. Unauffällig ließ ich das Ergebnis meiner Bemühungen in einer Tasche meines Mantels verschwinden.

Meine Hände zitterten leicht und bei genauer Betrachtung mußte ich feststellen, das sie damit nicht allein waren. Auch meine Knie und der Rest meines Körpers hatten sich in der Zwischenzeit merklich in Pudding verwandelt. Es war mir gar nicht aufgefallen wie viel Kraft mich dieser Bannkreis gekostet hatte. Seufzend ließ ich mich in das weiche Gras sinken und genoß die warmen Strahlen der Sonne. Wie schön wäre es jetzt all seinen Sorgen zu vergessen und sich einfach vom Wind im Blau des Himmels umhertreiben zu lassen…

„Na, genießt du die Ruhe vorm Abflug?“ Kiras Gesicht thronte direkt über mir. Er hatte sein Katana leicht gegen die Schulter gelehnt und folgte meinem Blick in die Wolken hinauf.

„Die Jungs scheinen dich ja echt zu mögen. Sie lassen uns nicht einen Augenblick aus den Augen.“ Beinahe so als hätten sie seine Worte verstanden tauchten vier Wolkenwale aus dem weißen Dunst auf und ließen ihre sanften Stimmen über uns erschallen.

„Sie haben ein gutes Gedächtnis.“ Ich lächelte ihn an und lauschte nebenbei den Erzählungen der Wolkenwale. Sie konnten sich noch sehr gut an mich erinnern und auch wenn viele von ihnen nicht selbst dabeigewesen waren so hatten sie die Sage von einem Engel der ihre Sprache verstand von Generation zu Generation weitergegeben. Es war also kein Wunder das sie sich freuten mich zu sehen.

„Shao-chan, geht es dir nicht gut? Du bist ziemlich blaß.“

„Es geht schon. Schätze mal, ich hätte mich heute nicht ausschließlich von Kaffee ernähren sollen.“ Nachdenklich legte er eine Hand auf meine Stirn und verzog leicht das Gesicht.

„Fieber hast du jedenfalls nicht.“ Ich grinste ihn leicht an.

„Du bist ganz schön mißtrauisch.“

„Ich kenne dich gut genug.“ Seufzend richtete ich mich etwas auf. Er wich ein kleines Stück zurück und sah mich ernst an.

„Es gibt keinen Grund sich Sorgen zu machen, Kira-chan. Mit mir ist alles in Ordnung.“

„Das hast du letztes Mal auch gesagt und danach lagst du über eine Woche im Krankenhaus.“ Das darf doch einfach nicht wahr sein. Er gräbt tatsächlich diese alte Geschichte wieder aus?

„Wenn ich mich richtig erinnere war ich nicht alleine.“

„Mag sein, aber du hast wesentlich mehr abbekommen.“ Das stimmte. Damals war ich von irgend so einem Möchtegern Gangster entführt worden und Kira hatte versucht mich zu retten. Das Schlimme daran war nur, das ich in der Zwischenzeit schon so gut wie auf der Flucht war und sowohl Kiras Auftauchen als auch die plötzliche Intelligenz meines Entführers ließen die Situation eskalieren. Kira hatte sich einen Menge Prügel, einige Messerstiche und ich mir neben unzähliger blauer Flecken eine Kugel im Bauch eingefangen. Trotzdem waren wir doch mehr oder weniger glimpflich davongekommen.

„Also, was hast du als Nächstes vor?“ Er sah mich scharf an und ich konnte seinem Blick nicht ausweichen.

„Euch begleiten. Alles andere ergibt sich von allein.“

„Ah ja…“ Er wirkte nicht sonderlich begeistert.

„Dann komm endlich her, damit ich dir die Flausen austreiben kann.“ Er nahm mich lachend in den Schwitzkasten und strubbelte wild durch meine Haare bevor er mich von oben bis unten durchkitzelte. Vor lauter Lachen bekam ich fast keine Luft mehr und irgendwie gelang es mir sogar mich klein wenig für die rauhe Behandlung zu revanchieren.

„Aber sonst geht es euch beiden gut. Ja?“ Prustend löste ich mich von Kira und mußte prompt wieder lachen als ich die Unmengen an Gras in seinen Haaren und Klamotten bemerkte. Mit einem schiefen Grinsen ließ er mich wissen, daß ich auch nicht gerade besser aussah. Das Katou mit einer reiflichen mürrischen Miene auf uns hinunter sah machte die ganze Sache nur noch komischer.

„Wenn man es nicht besser wüßte könnte man euch zwei glatt für ein Paar zu groß geratene Kinder halten.“ Was zu viel war, war zuviel! Lachend sank ich zurück auf den Rasen und beobachtete Kira dabei wie er krampfhaft versuchte seine Selbstbeherrschung nicht zu verlieren. In Anbetracht von Katous tadelndem Gesichtsausdruck und meinem mehr schlecht als recht unterdrücktem Lachen ein Ding der Unmöglichkeit.

„Falls man heute noch mal mit euch reden kann, dann solltet ihr langsam aber sicher in die Gänge kommen. Dieser komische Hund steht kurz davor Raziel als nächste Hauptmahlzeit zu verdrücken.“ Irgendwie schaffte ich es genügend Luft für eine Antwort zusammen zu bekommen.

„Cee hat ihn…“ Kleiner, erneuter Lachkrampf.

„… also gefunden?“ Kira half mir beim Aufstehen. Allerdings konnte sich keiner von uns beiden sicher sein wer hier eigentlich wen stützte. Mit dem Lachen aufzuhören erwies sich dann als das nächste größere Problem.

„Schon vor über zehn Minuten und seitdem läßt er dem Kleinen nicht einen Millimeter Bewegungsfreiheit. Würde mich echt mal interessieren was plötzlich in dieses Vieh gefahren ist.“

„Soll ich raten?“ Kira sah mich mit einem vielsagenden Blick an, den ich gekonnt ignorierte. Immer noch grinsend folgten wir Katou, der kopfschüttelnd voran ging und irgend etwas von wegen manche Leute sollten von Drogen besser die Finger lassen murmelte. Kira knuffte mich leicht in die Seite und ich versetzte ihm einen leichten Schubs mit der Hüfte. Wir wußten beide wie ironisch Katous Aussage war.

„Na endlich! Shao bitte unternimm was!“ Ich hatte große Mühe nicht erneut laut loszulachen. Die Szene, die sich vor uns abspielte war einzigartig. Cee hatte einen völlig überrumpelten Raziel eng an die Stahlwände der Merkabah gedrückt während Setsuna verzweifelt versuchte in Cees Fell Halt zu finden, um diesen von Raziel wegzuziehen. Es sah zum Schießen aus, wie er sich abmühte dabei nicht dauernd auf Cees Rücken zu landen. Was wahrscheinlich hauptsächlich daran lag, daß mein treuer Begleiter seine Gestalt der Situation entsprechend angepaßt hatte. Er hatte nun in etwa den Umfang eines Bären und machte es Setsuna und Raziel damit nicht gerade leichter mit ihm fertig zu werden. Und irgendwie war ich mir verdammt sicher, daß ihm die ganze Sache so ganz nebenbei auch noch einen Heidenspaß machte.

„Meinst du nicht, du solltest ihnen helfen?“ Daß seine Mundwinkel dabei verräterisch zuckten machten Kiras Worte in keinster Weise glaubwürdiger. Ich amüsierte mich köstlich und er auch. Nach einiger Zeit hatte ich dann allerdings doch so etwas wie Mitleid mit Cees Opfern. Zum Glück hatte er inzwischen genügend eigenen Spaß gehabt und ließ Raziel nach einem Fingerschnippen von mir los. Gelassen, ganz so als könnte er kein Wässerchen dieser Welt trüben, trabte Cee auf mich zu während er wieder zu einem kleinen Fellknäuels wurde das ganz dringend ganz, ganz viel Aufmerksamkeit brauchte. Lachend hob ich ihn auf den Arm und kraulte ihn. Seine Zunge fuhr freudig über mein Kinn und sein Kopf kitzelte an meinem Hals.

„Irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl, das dieser Hund einen Narren an dir gefressen hat Shao-chan.“ Ruppig strich Kira über Cees Fell und bekam sofort ein drohendes Knurren zur Antwort. Eigentlich vertrugen sich die Beiden ja hervorragend. Nur manchmal gab es einige, kleinere Differenzen zwischen ihnen. Meistens dann, wenn einer von ihnen mal wieder der Meinung war ich würde den Anderen mehr beachten als ihn.

„Allerdings ist das auch kein Wunder. Bei einer solch süßen Besitzerin.“ Er hauchte mir einen Kuß auf die Schläfe während er grinsend meine freie Hand abfing mit der ich ihm eigentlich eine kleben wollte. Ich konnte es auf den Tod nicht ausstehen, wenn man mich als süß bezeichnete! Da Kira vollkommen damit beschäftigt war meinen Schlag ab zu wehren hatte Cee seine Chance genutzt und seine spitzen Zähne erfolgreich im Unterarm seines Rivalen versenkt. Es folgte ein lauter Aufschrei von Seiten Kiras und schon war Cee von meinem Arm verschwunden während Kira ihm nachsetzte. In der nächsten Zeit würden wir keinen der Beiden so schnell wieder zu Gesicht bekommen. Wenn es darum ging Katz und Maus zu spielen waren sie beide gleich gut. Allerdings war ich mehr als nur gespannt darauf zu erfahren wer von ihnen dieses Mal gewinnen würde. Momentan stand es 371 zu 368 für Kira, aber Cee holte verdammt schnell auf. So manches Mal hatte er Kira mit Absicht gewinnen lassen nur um ihm Sekunden später sämtliche Punkte wieder abzujagen.

„Weswegen hast eigentlich so dringend nach dem Kleinen gesucht?“ Katous genervter Tonfall holte mich aus meinen Gedanken zurück.

„Deswegen.“ Vorsichtig holte ich die kleine, silberne Kugel aus meiner Jackentasche und hielt sie Raziel entgegen. Er starrte abwechselnd sie und mich an.

„Shao-san was soll das sein?“ Ich stieß einen leichten Seufzer aus. Anscheinend lernten die jungen Engel heutzutage nicht einmal mehr die einfachsten Dinge.

„Das ist ein Bannkreis. Er wird dich schützen solange wir weg sind.“

„Für einen Bannkreis ist das Ding aber recht mickrig. Meinst du nicht.“ Ich sah Katou vernichtend an. Das war wieder mal typisch Mann!

„Größe ist nicht alles.“ Er zuckte unschlüssig mit den Schultern und widmete sich dann einer interessanteren Tätigkeit. Sprich: Setsuna ärgern. Das gab mir genügend Zeit mich ungestört mit Raziel zu unterhalten.

„Aber ich finde auch, daß die Form für einen Bannkreis recht merkwürdig ist.“ Oh bitte! Jetzt auch noch du Raziel! Begreift hier denn wirklich niemand, daß es nicht auf die Verpackung sondern auf den Inhalt ankommt?

„Wenn er größer wäre, dann könntest du ihn wohl kaum verschlucken.“ Er schnappte leicht nach Luft.

„Verschlucken? Du meinst ich soll dieses Ding essen?!“

„Nicht essen. Schlucken. Das ist alles.“ Ich grinste ihn an und konnte deutlich sehen, daß er nichts von dem verstand, was ich versuchte ihm klarzumachen.

„Warum?“ Bitte, bitte laß das einen schlechten Scherz sein. Es kann doch nicht sein, das ein Engel gar nichts über Bannkreise dieser Art weiß.

„Weil dieser Bann einzig und allein für dich geschaffen wurde. Er wird erst dann aktiviert, wenn er sich im Inneren deines Körpers befindet.“ Und endlich schien ihm ein Licht aufzugehen. Aufgeregt ließ Raziel mich an seinem spärlichen Wissen über Bannkreise teilhaben. Ich wußte nicht ob ich lachen oder weinen sollte. Wäre Zaphikel nicht gewesen, dann wüßte er wohl bis heute nur über die Standart Bannkreise der untersten Stufe bescheid. Es war einfach nicht zu fassen! Was ist nur mit all dem Wissen passiert, das man den jungen Engeln sonst vermittelt hat? Aber was frage ich? Ich hatte die Eden-Bibliothek doch selbst gesehen. Sie war komplett verwüstet gewesen als ich sie das erste Mal seit langer Zeit wieder betreten hatte.

Es hatte sich wirklich viel verändert. Viel zu viel, als das man es übersehen oder ignorieren konnte. Nur warum schien es das dann niemanden außer mir aufzufallen oder zu stören? Hatten sie sich in all der Zeit etwa daran gewöhnt? Und was zum Geier denke ich hier eigentlich? Ich kann Engel nicht leiden! Warum mache ich mir dann so viele Gedanken darüber was in den Himmeln in den letzten Jahrhunderten vor sich gegangen ist?

„Shao-san, alles in Ordnung?“ Um mich endgültig von meinen konfusen Gedanken abzulenken spielte ich mit einem meiner Zöpfe.

„Sorry, Raziel-chan mir ist nur etwas eingefallen.“ Ich vermied es ihn direkt anzusehen. Inzwischen kannte er mich gut genug um zu wissen, daß ich ihm etwas verschwieg. Zum Glück fragte er nicht weiter nach was es war und so konnten wir ohne Probleme zum Thema Bannkreis zurückkehren. Nach einer knappen Erklärung willigte Raziel ein die kleine Silberkugel zu schlucken. Erleichtert streckte ich meine Hand aus damit er sich die Kugel nehmen konnte. Im nächsten Moment schrie ich schmerzerfüllt auf.

„RAZIEL-SAMA!“ In meiner rechten Hand klaffte ein blutendes Loch während die Silberkugel irgendwo im Gras verschwand. Ehe ich überhaupt begriff was eigentlich gerade geschehen war brach um mich herum das Chaos aus. Raziel rief panikerfüllt einige Befehle, die mehr oder weniger befolgt wurden. Um uns herum begannen sich immer mehr bewaffnete Rebellen zu versammeln, die mich feindselig musterten. Ihre Waffen wiesen ausschließlich auf mich und keiner von ihnen machte den Eindruck als würde er sonderlich lange zögern diese auch einzusetzen. Na klasse! Alles zurück auf Anfang. Oder wie?

Es sah ganz und gar nicht gut aus. Wenigstens bis zu dem Moment wo Cee praktisch aus dem Nichts auftauchte und in die Menge schoß. Er stellte sich schützend vor mich und knurrte die Rebellen drohend an. Leider nahm ihn keiner von denen sonderlich ernst. Er war immer noch ein kleines, schwarzes Fellknäuel und abgesehen von den tiefroten Augen sah er in keinster Weise bedrohlich aus. Allerdings änderte sich das sehr schnell als er die Wunde in meiner Hand bemerkte. Er schnupperte kurz daran und blitzschnell hatte er seine wahre Gestalt angenommen. Ohne, das ich es verhindern konnte stürzte er sich zielstrebig auf die umherstehenden Engel und drückte einen von ihnen problemlos zu Boden. Seine Tatze lag fest auf dem Hals des Engels, der röchelnd nach Luft schnappte.

„CEE!“ Er reagierte nicht. Sein Knurren verstärkte sich und er fletschte drohend seine Zähne als der Engel unter ihm verzweifelt versuchte sich zu befreien. Keiner der Anderen wagte es ihm zu helfen. Sie standen unter Schock. Das Auftauchen einer Höllenbestie in den Himmeln hatte sie vollkommen gelähmt. Nicht, das ich etwas dagegen hatte, das Cee mir all diese Engel vom Hals hielt, aber es gab da noch ein ganz anderes Problem. Im Moment machte er sich nämlich nicht mehr die Mühe seine Aura zu verbergen. Ich war mir sicher, das jedes Schiff im Umkreis von 15 Kilometern egal, wie klein es auch sein mochte, sofort wissen würde das sich ein Dämon in den Himmeln aufhielt. Was bedeutete, daß unsere Zeit nun endgültig ablief. Innerhalb der nächsten Stunde würde es hier nur so vor Soldaten wimmeln. Ergo blieb mir auch nicht mehr viel Zeit um die Situation zu entschärfen. Sobald die Engel sich von ihrem Schock erholt hatten würden sie über Cee herfallen und das hätte ein Blutbad zur Folge. Außerdem würde es uns nur unnötig aufhalten. Ich konnte auf eine Begegnung mit noch mehr Engeln gut und gerne verzichten.

„Cerberus – laß – ihn – auf – der – Stelle – los!“ Meine Stimme war kalt wie Eis und das einzige, was Cee in diesem Moment noch wahrzunehmen schien. Langsam löste er sich von der Kehle des Engels. Keuchend schnappte dieser nach Luft. Sein Kopf war hochrot angelaufen und er zitterte am ganzen Körper. Ich hatte jedoch keinerlei Mitleid mit ihm. Immerhin war er für das Loch in meiner Hand verantwortlich. Wenigstens glaubte ich das, da Cee augenblicklich und äußerst zielstrebig auf ihn losgegangen war. Die anderen Engel hatte er komplett ignoriert.

„Du sollst ihn loslassen!“ Cee hatte zwar die Kehle des Engels freigeben, aber er stand nach wie vor mit beiden Vorderbeinen auf dessen Oberkörper. Grimmig ging ich auf die Zwei zu und war überrascht, das Cee sich so vehement gegen meinen Befehl sträubte. Normalerweise gehorchte er mir aufs Wort.

„CERBERUS!“ Ich schien den richtigen Ton getroffen zu haben. Schuldbewußt wich er einen Schritt zur Seite und gab seinem Opfer somit Gelegenheit aufzustehen. Allerdings nicht ohne den Engel auch weiterhin drohend anzuknurren. Ich schenkte ihm einen strafenden Blick, der ihn nicht im Geringsten interessierte.

„Gemeine Verräter!“ Das Atmen schien ihm zwar nach wie vor schwer zu fallen, aber anscheinend hatte er sich bereits gut genug erholt um mit Beleidigungen um sich verwerfen zu können. Als er schließlich mit seiner Triade an der Stelle ankam wo er behauptete, das es von Anfang an besser gewesen wäre wenn Sevothtarte mich sofort getötet hätte, stieg eine Welle kalten Zorns in mir auf. Noch ehe dieser unverschämte Engel begriff wie ihm geschah lag meine verletzte Hand auf an seiner Kehle. Beinahe augenblicklich verlor er den Boden unter den Füßen.

„An deiner Stelle wäre ich verdammt vorsichtig mit dem was du sagst!“ Ich funkelte ihn eisig an und konnte deutlich die Furcht in seinen Augen sehen. Zu keiner Zeit hatte ich darum gebeten in die Himmel gebracht zu werden oder darum, das man mich mochte. Ich wollte einfach nur so schnell und soweit wie möglich weg von all den Engeln und den damit verbundenen Problemen. Und was hatte mir das gebracht? Rosiel hatte mich und meine Meinung komplett ignoriert. Das Siegel, das mich beschützte war gebrochen. Meine Erinnerungen hätten mich beinahe zerrissen. Die Hunter haben nichts unversucht gelassen mich zu töten. Ich bin wortwörtlich durch die Hölle gegangen, um einem Freund zu helfen. Ich habe mich erneut in einen Engel verliebt, den ich letztendlich verraten werde. Und das alles nur, um meine Freunde und die Welt der Menschen zu retten. Und jetzt wagt es dieser Engel zu behaupten ich wäre ein Verräter!? Hat er eigentlich auch nur die geringste Vorstellung davon wie es ist sein Leben lang verfolgt zu werden?

„Shao-chan?“ Die Hand auf meiner Schulter vertrieb einen Teil meines Zorns. Neben mir stand Kira und sah mich beschwörend an. Er sah ziemlich abgekämpft aus.

„Ich glaube er hat verstanden. Laß ihn los.“ Verwundert sah ich zu dem Engel hinauf, der in meinem Griff zappelte. Sein Gesicht war bereits komplett blau angelaufen. Ohne ihn zu warnen öffnete ich mit einem leichten Seufzen (was tut man nicht alles für seine Freunde) meine Hand und er fiel äußerst unsanft zu Boden. Mein mit Blut durchtränkter Handabdruck lag wie ein roter Ring um seinen Hals. Kira nickte mir sichtlich erleichtert zu und klopfte leicht auf meine Schulter.

„Verräter!“ Mit einem gefährlichen Zischen beförderte ich den Engel ungefähr vier Meter über das Gras. Kira keuchte entsetzt auf und Raziel starrte mich an wie einen Geist.

„Kein einziger Engel nennt mich einen Verräter!“ Entschlossen schritt ich auf mein Opfer zu und bot ihm wahrscheinlich zur Überraschung aller meine unverletzte Hand um ihm beim Aufstehen zu helfen. Ich mochte den Kerl zwar nicht, aber es würde rein gar nichts bringen sich ausgerechnet jetzt mit den Rebellen anzulegen. Das würde nur noch mehr Schwierigkeiten bedeuten. Außerdem weiß er wahrscheinlich ohnehin nicht wovon er spricht.

„Hast du verstanden?“ Es sah nicht so aus als wäre ich in seiner Beliebtheitsskala gestiegen, aber er schien es für klüger zu halten dies nicht laut auszusprechen. Murrend kämpfte er sich auf die Beine und ignorierte meine helfende Hand. Dann eben nicht.

„Shao-chan, was ist hier eigentlich los?“ Kira musterte die Engel, die ihre Waffen nach wie vor griffbereit hielten aufmerksam. Aber keiner von ihnen rührte sich.

„Ehrlich gesagt würde mich das auch interessieren. Der Kerl hat mir einfach die Hand zerschossen.“ Grimmig zog ich den Gürtel aus meinem Mantel und benutzte ihn als Verband um die Blutung zustoppen. Die Wunde heilte zwar bereits, aber ich hatte nicht vor noch mehr Blut auf meinem Klamotten wiederzufinden. Umziehen vor dem Abflug wäre unumgänglich. Es sei denn ich wollte in der Hölle direkt mit einem Schild >Hallo Erzdämonen, kommt und fangt mich< herumlaufen.

„Ihr wolltet unseren Anführer töten!“ Das brachte mich aus dem Konzept. Ich starrte den Engel vor mir an als hätte dieser soeben seinen Verstand verloren.

„Ich wollte WAS?!“

„Ihr wolltet ihm eine von euren Federn geben. Das hätte ihn getötet.“ Okay, das erklärte einiges. Aber wie zum Geier kommt jemand auf diesen Schwachsinn? Hat eigentlich keiner dieser Engel ein Gehirn. Na ja, vielleicht haben sie ja eins und vergessen nur es zu benutzten. Hirn ja, Inhalt = Vakuum.

„Und wie kommst du ausgerechnet auf diesen Quatsch?“

„Ich habe oft genug gesehen wie Rosiel sich seine Untergeben gefügig macht. Das hier sieht beinahe genauso aus wie eine seiner Federn.“ Triumphierend hielt er die kleine, silberne Kugel, die meinen Bannkreis enthielt zwischen seinen Fingern in die Höhe.

„Ah ja, und das beweist jetzt was?“ Ich gab mir nicht die geringste Mühe den Hohn in meiner Stimme zu verbergen. Engel sind wirklich so etwas von selten dämlich!

„Das fragst du noch?!“ Allmählich begann er aufzubrausen. Wunderbar, klasse. Wie war das noch gleich? Wir haben keine Zeit um uns mit den Rebellen anzulegen? Shao, du bringst gerade euer gesamtes Vorhaben in Gefahr.

„Hältst du uns für so naiv, das wir nicht merken, was du vorhast?“ Wenn er mich so direkt fragt…

„Ja.“ Totenstille. Hey, er hat um eine Antwort gebeten und bekommen. Egal, ob sie ihm paßt oder nicht.

„Ihr seid nicht nur naiv, ihr seid sogar blind und taub! Ihr seid derart vernagelt, das ihr es noch nicht einmal merkt, wenn jemand versucht euch zu helfen!“ Bevor er mir antworten konnte brachte ich die Kugel mit einem Fingerschnippen zurück in meinen Besitz. Sämtliche Engel hingen mehr oder wenig begeistert an meinen Lippen.

„Das hier…“ Ich hielt die Kugel in die Höhe, damit auch der letzte Idiot merkte um was es ging.

„…ist ein Bannkreis, der euren Anführer schützen soll. Und wenn ihr euch die Mühe gemacht hättet die Kugel zu untersuchen bevor ihr mich angegriffen habt, dann wäre euch das auch aufgefallen. Habt ihr während eurer Ausbildung denn gar nichts gelernt?!“ Das löste einen mittleren Tumult aus, den Raziel nur mühsam in den Griff bekam.

„Shao-chan, ich glaube wir sollten uns besser aus dem Staub machen. Die sehen nicht so aus als wären sie von deiner Kleinen Ansprache sonderlich erbaut.“ Mit einem satanischen Grinsen wandte ich mich Kira zu.

„DAS war noch gar nichts.“ Sein Gesicht verlor beinahe sämtliche Farbe.

„Du wirst doch nicht etwa?“

„Was?“ Ich lächelte ihn herausfordernd an. Wenn ich wollte, dann wäre keiner der versammelten Engel in den nächsten Stunden in der Lage noch irgend etwas zu tun. Zu ihrem Glück fehlte dafür aber leider die Zeit.

„Nichts, schon gut.“ Er seufzte leicht.

„Ich vertraue einfach darauf, daß dein gesunder Menschenverstand noch funktioniert.“ Ich knuffte ihn leicht in die Seite und wartete darauf, das Raziel seine Männer wieder in den Griff bekam. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich soweit beruhigt hatten, daß sie den Befehlen ihres Anführers Folge leisten konnten. Alle Achtung! Zaphikel hat seinen Nachfolger hervorragend gewählt. Man sieht es ihm zwar nicht an, aber Raziel ist wesentlich stärker als er aussieht.

„Shao-san war das wirklich nötig?“ Sichtlich erleichtert, das sich die Männer endlich zerstreuten kam Raziel auf uns zu.

„Es hätte sonst zu lange gedauert. Uns läuft die Zeit davon.“ Ich ignorierte Kiras Schnauben, das soviel wie, du wolltest doch nur angeben, bedeuten sollte.

„Dieser Posten ist sicher. Ihr könnt in Ruhe aufbrechen.“ Nachdenklich sah ich Raziel an. Er hatte ohne Zweifel das Zeug zu einem großartigen Anführer, aber er mußte noch verdammt viel lernen.

„Ich wünschte dem wäre so. Raziel-chan, hier wird es bald von Soldaten wimmeln.“ Er schüttelte den Kopf als könnte und wollte er nicht glauben was ich ihm da sagte.

„Vorhin hat Cee alles getan um mich zu schützen. Seine Aura war weithin spürbar. Ein Dämon in den Himmeln ist mehr als nur ein Grund für sämtliche Schiffe in der Nähe sofort hierher zu eilen.“

„Wieviel Zeit habt ihr noch?“ Es war bemerkenswert wie schnell er sich der neuen Situation anpaßte.

„Weniger als eine Stunde.“

„Dann solltest du es mir wohl besser geben. Oder?“ Ich zögerte kurz bevor ich die kleine Kugel in seine Hand fallen ließ.

„Und du meinst nicht, daß deine Leute vielleicht recht haben könnten?“

„Shao-san!“ Tadelnd sah er mich an und verschluckte die Kugel schneller als mir lieb war.

„REFUGE!“ Kaum hatte ich das Wort ausgesprochen spürte ich auch schon wie sich der Bann endgültig aktivierte. Er paßte sich Raziel an und verband einen Teil von ihm mit mir. Alles in allem war das in der kurzen Zeit ein verdammt guter Bann geworden. Das dachte ich wenigstens bis zu dem Moment in dem sich die Umgebung plötzlich zu verschieben schien. Unzählige Bilder, die nicht aus meinem Bewußtsein stammten stürmten auf mich ein und ich hatte große Mühe mich auf den Beinen zu halten. Es dauerte nicht lange bis ich die Quelle dafür ausgemacht hatte. Aus irgendwelchen Gründen schien sich ein Teil von Raziels Gefühlen und Erinnerungen auf mich zu übertragen. Eigentlich dürfte so etwas gar nicht passieren. Was habe ich nur falsch gemacht? Verschwommen nahm ich wahr, daß es Raziel ebenso wie mir ging.

„Raziel! Shao!“ Kiras Stimme drang wie durch einen Wolkenschleier zu mir während mich eine Welle der Einsamkeit und Verzweiflung überrollte.

Warum bin ich geboren worden?

Wenn ihr mich alle haßt, warum wurde ich dann geboren?

Fragen, die ich mir selbst lange Zeit gestellt hatte, doch ich hatte meine Antworten bereits gefunden. Das war nicht ich!

Warum tötet ihr mich nicht, wenn ihr mich so sehr haßt?

Es wurde immer schlimmer. All das erinnerte mich viel zu sehr an meinen eigenen Schmerz, den ich so gut es ging tief in meinem Inneren verborgen hatte. Nur im Moment brachen all die mühsam errichteten Mauern in sich zusammen. Was im alles in der Welt ist das? Woher kommt all dieser Schmerz und diese Einsamkeit? Ich hatte Mühe meine Gedanken in Zaum zu halten. Es war, als würde man mich immer wieder mit einer neuen Welle Schmerzes überrollen. Es fehlte nicht mehr viel und ich würde mich darin verlieren. Doch irgendwo zwischen all den Bildern der Verzweiflung und des Schmerzes kam plötzlich ein Gefühl nie gekannter Wärme zum Vorschein.

Zaphikel-sama!

Noch ehe dieses Gefühl verschwinden konnte rammte ich meine Finger tief in die frische Wunde meiner rechten Hand. Der plötzliche Schmerz zerriß das Band zwischen mir und Raziel. Keuchend sackte ich in mich zusammen. Was auch immer das gewesen war, diese Erfahrung möchte ich kein zweites Mal machen. Meine Erinnerungen waren beinahe schon mehr als ich ertragen konnte. Die eines Anderen konnten ohne Probleme dafür sorgen, das mein Geist für immer in sich zusammenbrach.

„Shao-chan?“ Ich riß mich zusammen um nicht einfach in Kiras Arme zu fallen. Mir fiel das Atmen schwer, aber langsam beruhigte ich mich wieder. Aus irgendeinem Grund hatten sich Raziels und meine Erinnerungen verbunden. Es bleibt nur zu hoffen, daß es ihn nicht ebenso schwer wie mich erwischt hatte.

„Raziel-chan?“ Er kniete zusammengekauert auf dem Boden und zitterte am ganzen Körper. Sah ganz so aus, als wäre es wesentlich schlimmer als ich befürchtet hatte.

„Raziel-chan, laß los. Es ist nicht dein Schmerz. Das sind nicht deine Erinnerungen. Laß sie einfach los.“ Vorsichtig ging ich neben ihm in die Hocke und fuhr behutsam mit eine Hand seinen Rücken entlang. Er war immer noch in dem was er sah und fühlte gefangen. Ich mußte ihn so schnell wie möglich dort herausholen. Je länger er in diesem Zustand blieb desto gefährlicher wurde es für seinen Geist.

„Laß los. Du mußt loslassen!“ Ich wiederholte es immer und immer wieder, bis es schließlich Wirkung zeigte. Mit einem verzweifelten Aufschrei stürzte er sich in meine Arme und weinte still.

„Ist schon gut. Es ist vorbei. Es ist vorbei.“ Versuchte ich ihn zu beruhigen, doch der Körper in meinen Armen wollte nicht aufhören zu zittern. Ich konnte nichts anderes tun als ihn festzuhalten und zu hoffen, daß er sich von selbst wieder beruhigen würde. Ich wußte nicht, was er gesehen hatte. Es mußte irgend etwas aus meiner Vergangenheit gewesen sein. Nach seinem Zustand zu urteilen jedoch keine eine meiner angenehmeren Erinnerungen.

„Shao-chan, ich hätte nie ged…“ Er rang verzweifelt nach Luft.

„Ich wußte nicht… …ich hatte keine Ahnung…“ Ich schloß ihn fester in meine Arme.

„Schon gut. Raziel-chan. Schon gut. Laß einfach los.“ Es schien nicht so als würden meine Bemühungen sonderlich viel Erfolg zeigen. Verzweifelt sah ich mich nach Kira um, der mich und Raziel mit merkwürdig verklärtem Blick ansah.

„… warum nur?... Warum waren sie so grausam?“ Vorsichtig legte ich meine Hände auf Raziels Wangen und zwang ihn mich anzusehen.

„Laß es ruhen Raziel-chan. Es ist Vergangenheit! Meine Vergangenheit.“ Sein Blick flackerte, aber ich ließ ihn nicht los.

„Es ist zu spät. Das alles ist viel länger her als du dir überhaupt vorstellen kannst. Es bringt nichts noch mehr Tränen zu vergießen.“ Nichts, aber auch rein gar nichts würde diese Dinge ungeschehen machen. Ich schluckte den Knoten, der sich in meinem Hals gebildet hatte hinunter. Die letzten Minuten hatten mir viel zu deutlich gezeigt, das Raziel und mich wesentlich mehr verband als nur die Erinnerung an seiner Eltern. Wir waren uns ähnlicher als ich gedacht hatte. Trotzdem würde ich nichts unversucht lassen ihn zu beschützen. Wenn es sein mußte sogar vor sich selbst. Das hatte ich Anael und Zaphikel versprochen.

„Aber all dieser Schmerz… wie erträgst du das nur?“ Eine Frage, auf die ich bis heute keine Antwort gefunden hatte.

„Und wie erträgst du deinen?“ Seine aquamarinblauen Augen sahen mich verblüfft an.

„Meinen?“ Und dann begriff er. Die Verbindung, die ihn in mein Innerstes blicken ließ hatte mir dasselbe bei ihm ermöglicht. Das Band zwischen uns war wesentlich fester als es ein gewöhnlicher Bannkreis es jemals ermöglicht hätte. Doch warum? Was hatte dafür gesorgt, das sich der Bann so sehr verstärkte?

„Wenn ihr beiden da noch länger auf dem Boden hockt kommen diese Möchtegern Lebensretter unter Garantie noch mal zurück.“ Kira wie er leibt und lebt. Immer irgendeinen Spruch auf den Lippen, der einen in die Wirklichkeit zurück holt.

„Er hat recht Raziel-chan. Es wird Zeit.“ Schmunzelnd stand ich auf und hielt ihm meine Hand entgegen.

„Mußt du wirklich gehen?“ Seine Hand legte sich vertrauensvoll in meine und für einen kurzen Moment hatte ich das Gefühl die Nähe meines Sohnes spüren zu können. Er lächelte mich sanft an. Wie von selbst schob sich das Bild eines anderen darüber. Er war das lächelnde Ebenbild seines Vaters… Ariel…

„Shao-san?“ Das Bild vor meinen Augen verschwamm und ich spürte Raziels besorgten Blick auf mir.

„Es tut mir Leid…“ Ich konnte dich nicht beschützen… Ariel…

„Shao-san weinst du?“ Raziels Stimme drang wie durch einen Vorhang an mein Bewußtsein und das Bild meines Sohnes verschwamm immer mehr. Es tut mir so unendlich leid, daß ich dich nicht beschützen konnte.

„Es tut mir so leid.“ Ich drückte das blasse Bild meines Sohnes so fest an mich wie ich nur konnte. Egal, wie viel Zeit inzwischen auch vergangen ist, deinen Tod werde ich mir niemals verzeihen…

„Shao-san, du erdrückst mich!“ Der laute Protest in meinem Armen brachte mich endgültig zurück in die Wirklichkeit. Raziel wand sich in meiner Umarmung wie ein Aal. Nur zögernd lockerte ich meinen Griff. Irgend etwas hatte mir diese Vision sagen wollen nur was? Warum erschien Ariels Bild gerade jetzt so deutlich vor meinen Augen? Nachdenklich sah ich Raziel an, der seine Kleidung verlegen in Ordnung brachte. Mein kleiner Überfall hatte ihn ebenso sehr überrascht wie mich. Was war es nur, das mich so sehr an Ariel erinnerte?

„Du siehst ziemlich blaß aus. Ist alles in Ordnung?“ Ich ließ Kiras Frage unbeantwortet und konzentrierte mich auch weiterhin auf Raziel.

„Du mußtest an deinen Sohn denken. Oder Shao-san?“ Verblüfft sah ich Raziel an, dessen fester Blick nun auf mir ruhte. Seine Worte hatten mich tiefer getroffen als ich bereit war zuzugeben.

„Ich habe gesehen, was sie ihm getan haben…“ Um uns herum stand plötzlich die Zeit still. Dieser eine Satz reichte aus, um alles zu erklären. Stumm nickte ich Raziel zu und wandte mich zum Gehen. Ich überließ es ihm und Kira mir zu folgen oder nicht.

 

* * * * * *

 

Die Anderen schienen schon eine ganze Weile auf uns gewartet zu haben. Riuet lehnte an irgend etwas und tippte ungeduldig mit einem Fuß auf den Boden. Das Ding hinter ihm sah aus wie ein Drache, den man mit einer Maschine gekreuzt hatte. Ziemlich merkwürdige Konstruktion. Allerdings hatte ich den unbestimmten Verdacht, daß genau das unser Transportmittel sein würde. Es dauerte keine fünf Minuten und Riuet hatte diese Vermutung gepaart mit einem ausführlichen, technischen Vortrag bestätigt. Meine Begeisterung hielt sich mehr als nur in Grenzen. Vor allem nachdem Riuet auch noch stolz verkündigte, das er dieses Teil Fifi-chan getauft hatte. Der Kleine mochte vielleicht ein technisches Genie sein, aber Geschmack hatte nicht.

Fifi’s Bewaffnung suchte allerdings nach ihresgleichen. Er hatte rein gar nichts ausgelassen um dieses Schiff, Lebewesen (was auch immer es sein mochte) in eine Kriegsmaschine zu verwandeln. Nachdenklich glitt mein Blick an dem Ungetüm vor mir vorbei in das weite Blau des Himmels. Ich würde diesen Ort also erneut verlassen…

Der leise Gesang der Wolkenwale, die über uns friedlich ihre Bahnen zogen drang an mein Ohr und plötzlich fiel es mir unglaublich schwer loszulassen. Ich würde ihre Lieder vermissen…

„Na los geh schon.“ Irritiert sah ich Kira an. Was sollte das denn jetzt. Mit einer kaum sichtbaren Bewegung wies er auf den Himmel über uns.

„Verabschiede dich von ihnen.“ Es war seltsam, das ausgerechnet immer er ganz genau zu wissen schien, was mich beschäftigte. Selbst wenn es mir selbst noch nicht klar war hatte er das Problem bereits erkannt. Zweifelnd sah ich ihn an. Wir hatten nicht mehr sonderlich viel Zeit…

„Wir starten in zehn Minuten! Wer bis dahin nicht an Bord ist muß laufen!“ Riuet hatte das Kommando an sich gerissen.

„Siehst du? Du hast genügend Zeit.“ Kira lächelte mich sanft an und ich stieß mich überglücklich vom Boden ab. Die Weite des Himmels lag beinahe endlos vor mir. Als die Wale merkten, das ich mich zu ihnen gesellte stimmten sie ein Lied an, das mir wage bekannt vorkam…

DEINE STIMME… BEVOR DU GEHST… EIN LETZTES MAL…

Ich begriff nicht, was diese sanften Riesen von mir wollten, doch je länger ich ihnen lauschte desto sicherer war ich mir, das ich dieses Lied kannte.

…VIEL ZEIT IST VERGANGEN… ENGEL ASSIAS… SING MIT UNS…

„Aber ich kenne den Text doch gar nicht!“ Ein Ungetüm von einem Wolkenwal schob sich an mir vorbei und blinzelte mich wissend an.

DOCH, DU KENNST IHN… ALLEIN DEIN LIED… LIED, DAS NUR DIR GEHÖRT…

Irgendwo zwischen seiner Antwort und dem Drängen der anderen Wale begriff ich. Das war es also. Nach all der Zeit erinnerten sie sich noch an dieses Lied? Ich suchte in meinem Gedächtnis nach den verschollenen Textfragmenten und langsam fügte sich alles wieder zusammen. Behutsam folgte ich ihrer Melodie und gab ihren Noten schließlich einen Text. Seit meiner Ausbildungszeit bei den Engeln hatte ich dieses Lied nur sehr selten gesungen. Es war das Lied, das ich einzig und allein für diesen einen Tag geschrieben hatte. Eine Liebeserklärung an die Welt, die mir mehr als alles andere am Herzen lag. Assia, die Welt der Menschen. Mein Zuhause, meine Vergangenheit, meine Gegenwart und meine Zukunft. Nie würde es einen anderen Ort geben an dem ich leben könnte. Egal, wieviel Schmerz und Leid ich erdulden mußte. Assia würde für immer mein Zuhause bleiben!

Atemlos ließ ich mich wieder zu Boden gleiten. Die Wale sangen immer noch, doch meine Zeit war begrenzt. Ich hatte mich von ihnen verabschiedet und sie würden dieses Lied bis in alle Ewigkeit bewahren. Eine Lobpreisung Assias.

„Alle Achtung, du bist nicht ohne Grund so berühmt.“

„Was soll das heißen?“ Spielerisch drohte ich Kira mit meiner Faust während ich meine Schwingen verschwinden ließ. Er wich mir lächelnd aus.

„Shao-san, das… das… das war… WOW!“ Raziel sah mich mit leuchtenden Augen an. Was um alles in der Welt hatte ich denn bitte schön jetzt wieder getan? Es konnte wohl kaum daran liegen, daß ich den Schutz der Wolken dazu genutzt hatte um mein Outfit zu wechseln. Im Moment trug ich eine enganliegende Jeans und ein Oberteil, das eine Kreuzung aus Bluse und Mantel darstellte. Na ja und so ganz nebenbei hatte ich meine rechte Hand mit einem ordentlichen Verband versehen.

„Er hat recht, das war Wahnsinn! Warum hast du bisher nie so gesungen?“ Verwundert sah ich Setsuna an und bemerkte zum ersten Mal, die Menschenmenge um uns herum. Gut, es waren eigentlich ausschließlich Engel, aber was macht das schon. In ihren Gesichtern spiegelte sich absoluter Unglauben wieder.

„Das war es also was Rosiel unbedingt hören wollte als er dich in die Himmel gebracht hat. Zaphikel-sama hat mir davon erzählt, aber ich konnte es einfach nicht glauben.“ Ohne es zu wollen hatte Raziel da eine Wunde berührt, die noch zu frisch war um dies unbeschadet zu überstehen. Rosiel war das Letzte an das ich jetzt denken wollte. Er würde nichts unversucht lassen um mich zu finden. Je weiter ich mich von den Himmeln entfernte desto höher wäre die Wahrscheinlichkeit, daß er aufgab. Es tut mir leid Rosiel-chan, aber es ist besser so…

„Ähm, ich möchte ja nicht hetzten, aber die Sensoren zeigen bereits die ersten Schiffe in unsere Richtung an. Wir müssen aufbrechen.“ Riuet wies ungeduldig auf den kleinen Bildschirm hinter sich. Reflexartig griff ich nach Raziels Hand.

„Paß gut auf dich auf.“ Er lächelte mich sanft an.

„Shao-san…“ Ich drückte ihn kurz an mich.

„Ich habe es Zaphikel versprochen. Also unternimm bitte nichts Leichtsinniges.“

„Keine Sorge Shao-san, ich werde auf mich aufpassen.“ Für einen Moment fingen sich unsere Blicke ein und gaben sich ein stummes Versprechen. Am Leben zu bleiben. Sanft löste ich meine Hand von seiner und er war wieder ganz der Anführer der Anima Mundi.

„Wegen des Aufstands im Korridor herrscht Ausnahmezustand. Das Bannfeld um den Himmel zu durchqueren könnte schwierig werden.“ Seine Sorge um unser Wohlergehen war ihm deutlich anzumerken. Allerdings wußte er genauso gut wie wir, daß wir nicht länger bleiben konnten. Unsere Anwesenheit würde die Rebellen nur unnötig gefährden. Wir mußten gehen.

„Ihr werdet natürlich Geleitschutz haben.“ Mit einem unergründlichen Lächeln auf den Lippen schnappte sich Setsuna die letzte von den noch herumliegenden Energieeinheiten und hievte sie auf seine Schulter.

„Danke Raziel. Aber Riuet hat uns mit seinen Waffen schon sehr geholfen.“ Kira seufzte leicht und schloß die Augen. Er hatte es wie ich aufgeben mit Setsuna über diesen Punkt zu diskutieren.

„Und je später wir aufbrechen, desto enger ziehen sie ihr Überwachungsnetz.“ Raziel machte keinerlei Anstalten ihm zu widersprechen. Es lag auf der Hand, das Setsuna recht hatte. Der restliche Abschied fiel abgesehen zwischen der beinahe schon übliche Auseinandersetzung zwischen Katou und Riuet kurz aus. Ehe wir uns versahen befanden wir uns schon an Bord (eher auf dem Rücken) des Drachen und waren unterwegs zu den Grenzen des Himmels.

Leider waren unsere Verfolger doch wesentlich schneller als wir gedacht hatten und mehr als nur einmal gelang es uns nur knapp ihren Sensoren zu entkommen. Es schien als wäre der gesamte Himmel auf den Beinen um uns zu erwischen.

„Ihr Penner habt meinen Mittagsschlaf gestört!“ Diese laute Stimme zerstörten all meine verblieben Hoffnungen, die Himmel doch noch unbeschadet zu verlassen.

„Meine schlechte Laune steht auf Maximum! Right on time!“ Michael und seine Kavallerie. Schlimmer hätte es gar nicht mehr kommen können. Und da Riuets kleinen Meisterwerken mitten im Kampf auch noch der Saft ausging und dieser daraufhin Fersengeld gab standen unsere Chancen mehr als nur schlecht.

„GLEICH GIBT’S MESSIAS AM SPIESS!“ Michael war voll und ganz in seinem Element. Wie eine Naturgewalt sauste er mit hocherhobenem Schwert auf Setsuna zu.

„CEE!“ Setsuna war völlig ohne Deckung. Wenn Michael ihn jetzt traf, dann wäre es das.

„Warte!“ Ohne mit der Wimper zu zucken stellte sich Kira uns in den Weg und damit genau in die Richtung aus der Michaels Schwert zuschlagen würde. Mit einem dämonischen Lächeln sah er hinauf zu dem Feuerengel. Es war beinahe schon beängstigend zu sehen wie Michael urplötzlich seinen Angriff abbrach.

„Sie ziehen sich zurück…“ Nachdenklich sah ich Kira an. Was um alles in der Welt hast du getan Kira-chan? Warum weicht Michael dir aus? Weil du Luzifer so ähnlich siehst?

„…ich weiß nicht, was es war, aber du hast uns gerettet!“ Die Antwort ist einfacher als du denkst Setsuna. Kira ist das Ebenbild Luzifers, Michaels Bruder…

„Es mußte auch gerade Michael sein…“ Sichtlich erleichtert ließ Katou sich gegen seine Waffe sinken. Cee stupste mich sanft mit seiner Schnauze an und ich streichelte abwesend über sein Fell. Es war vorbei. Das war die letzte Hürde. Wir hatten die Grenze des Himmels erreicht. Nach Anagura war es von hier aus nur noch ein Katzensprung.

 

* * * * * *

 

„Soweit so gut.“ Setsuna ging zielstrebig auf das große Tor des Palastes zu. Wir hatten unseren ‚Drachen’ im Wald vor dem Palast freigelassen. Er bestand zum Großteil aus Engelsmagie und wäre unter Garantie zu einer leichten Beute der Dämonen geworden. Es war besser für ihn wenn er zu seinem Schöpfer zurückkehrte.

„… findet ihr es auch zu ruhig hier?“ Schon den ganzen Weg vom Wald in den Palast hatte ich so ein merkwürdiges Gefühl. Irgend etwas stimmte nicht. Es konnte kein Erzdämon sein. Dafür war es nicht dunkel genug. Dennoch je näher wir dem Gebäude kamen desto stärker schien die Bedrohung zu werden.

„Ach was, die wollen uns bestimmt nur überraschen.“ Ich wünschte wirklich ich könnte Setsunas Optimismus teilen. Aber als wir das Tor des Palastes hinter uns gelassen hatten wußte ich instinktiv, daß wir in eine Falle liefen. Eine bedrohliche Aura füllte beinahe sämtliche Mauern um uns herum aus.

„HEEY! KURAI-CHAAN? Was wird das? ’ne Überraschungsparty?“ Katou schien sich ebenfalls keine allzu großen Sorgen zu machen. Dabei schrie jeder einzelne dieser Steine förmlich ACHTUNG FALLE. Es war zu ruhig im Palast und in meinem Inneren keimte ein ganz bestimmter Verdacht auf. Diese seltsame Atmosphäre hatte ich schon einmal in der Vergangenheit gespürt. Aber ich hoffte inständig, daß ich mich irrte. Ein kleiner Blick auf Kira und Cee reichte allerdings vollkommen aus, um meinen Verdacht zu bestätigen. Beide sahen sich aufmerksam um. Wie zwei Raubtiere, die eine Witterung aufgenommen haben. Bitte nicht!

„Setsuna?!“ Erschrocken drehte ich mich um und sah gerade noch wie dieser in die entgegengesetzte Richtung davon rannte.

„WAS…?“ Ich hielt Katou fest als er Setsuna hinterher stürmen wollte. Ich wußte jetzt wem die bedrohliche Aura um uns herum gehörte.

Rosiel-chan!

 

05-07-05

 

Next: Part 31 – Memories and pain

 

 



Puh! Kaum zu glauben, aber es hat tatsächlich geklappt! Das neue Kapitel ist noch vorm Urlaub fertig geworden *freu*

Und es ist auch noch das dreißigste Kapitel! WOW!

Irgendwie ist diese FF wesentlich länger geworden als ich mir das jemals vorgestellt hatte. Deshalb ein riesen großes Dankeschön an alle Leser! Ihr motiviert mich immer wieder zum Weiterschreiben! *knuddel euch*

Leider habe ich im Moment nicht ganz so viel Zeit zum Weiterschreiben, wie gerne hätte. Mein Jahresurlaub steht kurz bevor steht und da ich für knapp vier Wochen von der Bildfläche verschwinden werde haben sich Berge an Arbeit angesammelt, die vorher unbedingt noch erledigt werden müssen.

Wohin es geht?

Nun ja, es gibt da etwas süßes, das genauso heißt wie mein Urlaubsziel. Kleiner Tip: Die Süßware besteht aus Puffreis umhüllt mit Schokolade.

Na, kommt ihr drauf? ^.^

Oh, bevor ich es vergesse! Hier und da gab es einige kleine Änderungen beim Posting der Storys.

 - Mein Nickname auf Fanfiction.net hat sich auf Sea9040 geändert.

 - Yaoi.de hat Love of an angel gelöscht. Allerdings findet ihr die Geschichte nach wie vor in den anderen Archiven.


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CONVENTIONS:

Dokomi
30.04. - 01.05.2016
in Düsseldorf
eigener Stand
UPDATE Fanfiction
 
Moon Shadows
Chapter 14
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Secrets
wird fortgesetzt
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Love of an angel
abgeschlossen
UPDATE Gallery
 
Kaze to ki no uta

Cover, Farbbilder und
Animescreenshots sind online
UPDATE Modelkits
 

Photobucket

 
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