Part 31

05-05-24

 

Love of an angel

         Part 31

 

Memories and pain

 

„Shao! Warte! Wo willst du hin?!“ Kira war nicht schnell genug gewesen um mich noch aufhalten zu können. Ich sah mich kurz um.

„Sorry Kira-chan!“ Ich achtete nicht darauf ob er und Katou mir folgten sondern hechtete den Gang entlang in dem Setsuna verschwunden war. Ich mußte ihn auf jeden Fall einholen. Wenn Rosiel hier war, dann hätte Setsuna keine Chance zu entkommen. Rosiel ist davon besessen ihn zu töten.

Allerdings konnte Rosiel gar nicht wissen, das wir uns inzwischen in der Hölle befanden. Unsere Flucht aus den Himmeln konnte unmöglich schon bekannt geworden sein. Selbst wenn Rosiel schneller als alle anderen davon erfahren hätte, er hat niemals vor uns in Anagura ankommen können. Außerdem wäre der Oger Palast in diesem Fall auch nicht von dieser ohrenbetäubenden Stille erfüllt. Er mußte also schon lange vor uns aufgebrochen sein.

Nur wieso begibt ausgerechnet er sich freiwillig in die Hölle? Er ist ein Engel! Er würde diesen Ort niemals ohne triftigen Grund betreten. Es muß irgend etwas sein, das er unbedingt haben will. Nur was? Die Oger besitzen nichts was für einen Engel von Interesse sein könnte. Außer…

Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Alexiel!

Ihr Körper ist immer noch hier! Seitdem Setsuna sie aus dem Engelskristall befreit hat kümmerten sich die Oger um ihre leblose Hülle. Das ist es! Deshalb ist Rosiel hier! Er will seine Schwester zurück!

Ich bog um die nächste Ecke und versuchte verzweifelt herauszufinden in welchem dieser verfluchten Korridore Setsuna stecken könnte. Die Dinger sahen alle gleich aus und nichts, aber auch rein gar nichts wies daraufhin in welche Richtung er gelaufen war. Es könnte jeder Gang sein und keiner davon war sonderlich kurz. Wenn das so weitergeht wird es Stunden dauern ihn zu finden.

Bisher war es mir noch nicht aufgefallen, aber der Palast der Oger kam einem Labyrinth gleich, das seinesgleichen suchte. Wenn man nicht genau wußte welchen Weg man nehmen mußte um an sein Ziel zu gelangen konnte man sich tagelang verirren. An Rosiel Aura konnte ich mich leider auch nicht orientieren. Sie erfüllte das gesamte Mauerwerk dermaßen stark, das sie selbst die Aura von Setsuna beinahe komplett überlagerte. Es war nicht möglich einen der Beiden genau zu lokalisieren. Also viel zu gefährlich um einen Dimensionstunnel zu öffnen. Das Risiko war einfach zu hoch. Wenn ich Pech hatte, dann landete ich nachher noch genau vor den Füßen eines Erzdämonen. Und ich hatte nicht den geringsten Zweifel, daß es genauso kommen würde.

„Cee, du mußt mir helfen, ich kann ihn…“ Ich verstummte als ich merkte, daß ich allein war. Cee war verschwunden. Was zum Geier ist hier los?! Er ist doch noch bis vor zwei Sekunden direkt neben mir gewesen. Wo ist er so schnell hin?

„CEE!“ Ein schwaches Bellen hallte durch den Korridor der rechts von mir lag. So ist das also, du hast mich abgehangen. Na warte! Ich rannte ihm so schnell ich konnte hinterher. Anscheinend hatte er den richtigen Weg bereits gefunden. Er wartete ungeduldig auf mich bevor er hinter der nächsten Abbiegung verschwand. Wir spielten Katz und Maus und ich hatte immer wieder das Gefühl zu spät zu kommen. Besonders schlimm wurde es als die Gänge plötzlich mit Blutspuren übersäht waren und hier und da die Überreste eines Dämons an ihnen klebten. So wie es aussah hatte Rosiel ganze Arbeit geleistet. Jeder, der versucht hatte ihm den Weg zu versperren, hatte dies das erste und letzte Mal in seinem Leben getan.

Ich schluckte schwer als mir bewußt wurde, das Kurai bestimmt nicht kampflos zugesehen hatte als plötzlich ein Engel ihre Leute angriff. Ich konnte nur hoffen, daß es ihr gutging. Rosiel würde niemanden verschonen, der versuchte ihn von seinem Ziel fernzuhalten.

In mir begann nach und nach ein beklemmendes Gefühl aufzusteigen. Es könnte sein, das ich bereits zu spät kam. Das sie längst alle tot waren…

Energisch schüttelte ich den Kopf. Jetzt nur keine Panik! Du mußt sie erst finden. Vorher kannst du dir über rein gar nichts sicher sein! Suchend sah ich mich an der nächsten Abbiegung um. Welche Richtung? Zum Glück konnte ich mich auf Cee verlassen. Ohne ihn hätte ich mich unter Garantie schon ein halbes Dutzend Mal verlaufen.

Verdammt noch mal Setsuna wo steckst du? Du bist kein Gegner für Rosiel! Er wird dich zerfetzen!

Der Gang nahm und nahm kein Ende. Wie lang ist dieses  Ding denn noch?! Irgendwann muß er doch zu ende sein! Setsuna kann mich doch nicht dermaßen abgehängt haben. Ich bin doch direkt hinter ihm her. Eigentlich hätte ich schon längst eingeholt haben müssen! Verdammt! Wo steckst du Setsuna?

„SHIT!! Der kleine Arsch hat uns ausgeschlossen!“ Abrupt blieb ich stehen als ich Katous Stimme durch einen Riß in der Wand neben mir hörte. Es war deutlich genug zu hören, das er abwechselnd mit voller Wucht gegen etwas schlug und Setsuna dabei immer wieder zum Teufel wünschte. Aber das kann nicht sein! Das ist eine völlig andere Richtung… Hat Cee mich etwa…?

„Sind wir dir nicht gut genug!?“ Egal! Ich machte kehrt und lief den Korridor bis zur nächsten Abbiegung zurück. Katous wüste Beschimpfungen waren inzwischen mehr als nur deutlich zu  hören. Keuchend kam ich hinter ihm zu stehen. Ich hatte keine Ahnung wie lange ich bereits durch den Oger Palast gerannt war, aber hier war Rosiels Aura eindeutig am Stärksten. Und nebenbei war ich ziemlich aus der Puste. Warum zum Geier ist Cee nur in die andere Richtung gerannt? Er müßte Rosiels Aura doch am Deutlichsten von uns allen spüren können.

„Katou… was zur… Hölle… ist hier… los…?“ Ich bekam kaum noch Luft. Zum einen, weil ich in der letzten Zeit einem Marathonläufer ernsthafte Konkurrenz gemacht hatte und zum anderen, weil ich bereits ahnte das Rosiel seine Beute gefunden hatte. Ich hoffte nur Setsuna war clever genug gewesen ihm aus dem Weg zu gehen.

„Shao?“ Die dünne Stimme hinterher löste einen Knoten in meiner Brust. Gott sei Dank, sie lebt noch!

„Kurai?“ Die Oger Prinzessin war kaum wieder zu erkennen. Sie war unheimlich blaß und konnte sich fast nicht auf den Beinen halten. Würde Noise sie nicht stützen, dann wäre sie bestimmt schon längst zusammengebrochen.

„Was ist hier los?“ Ich wies auf die verschlossene Tür hinter mir. Die starke Aura in diesem Raum war eindeutig die von Rosiel-chan. Kurais Blick flackerte leicht, als sie versuchte mir zur erklären was passiert war.

„Der Messias und Kira, sie…  sie sind beide da drin und...“ Mehr brauchte ich nicht zu wissen. Ohne zu Zögern glitt ich durch die Wand.

„Shao warte! Du-“ Katous Stimme wurde von der massiven Wand mir verschluckt. Was auch immer er mir noch hatte sagen wollen, es mußte warten. Zu aller erst mußte ich Rosiel finden und ihn davon abhalten irgendeinen meiner Freunde zu massakrieren. Wie ich das anstellen sollte wußte ich allerdings nicht. Wahrscheinlich würde mir nichts anderes übrig bleiben als selbst den Köder zu spielen. Rosiel-chan auf die Palme zu bringen dürfte mir ja nicht sonderlich schwer fallen. Inzwischen hatte ich damit mehr als genug Erfahrung. Und während er hinter mir her ist kann er schlecht Setsuna und Kira in ihre Einzelteile zerlegen. Das Problem ist nur, erstens muß ich schnell genug sein und zweitens müssen die Beiden sich in der Zwischenzeit aus dem Staub machen. Nicht, das die noch auf die selten dämliche Idee kommen mir helfen zu wollen.

Fluchend kämpfte ich mich über und durch unzählige Berge von Schutt und Geröll, die immer wieder aufs Neue zu entstehen schienen. Nach diesem Trümmerfeld zu urteilen hatte Rosiel meine beiden Freunde bereits gefunden. Hoffentlich hält Setsuna noch eine Weile durch!

Neben mir löste sich mit immensem Krach eine Geröllawine, der ich gerade noch ausweichen konnte. Durch den Lärm der herunterstürzender Gesteinsbrocken und sonstigen Einrichtungsgegenständen konnte ich gedämpft ihre Stimmen hören. Es klang ganz danach als würden Setsuna und Rosiel sich gerade ein hitziges Wortgefecht liefern. Klasse! Das heißt der kleine Hitzkopf lebt noch. Außerdem macht ihr Geschrei es wesentlich einfacher sie zu finden. Auch wenn ich immer noch keine Ahnung habe, was genau ich eigentlich anstellen soll, wenn sie schließlich gefunden habe. Wahrscheinlich wird mir nichts anderes übrig bleiben als mich Rosiel in den Weg zu stellen und damit alles zu zerstören. Er wird es mir nie verzeihen, daß ich ihn wegen einem, in seinen Augen, wertlosen Menschen angreife. Er wird mich nie wieder anlächeln…

Knurrend zwang ich alle Gedanken an die Konsequenzen meines Handelns tief in mein Bewußtsein zurück. Ich hatte Sara versprochen ihr Setsuna zurück zu bringen und zwar in einem Stück. Na ja, und ohne den Messias wird sich die Welt der Menschen wohl auch nicht ohne weiteres retten lassen. Wenigstens wenn man nach dem ganzen Kram geht den Adam Kadmon uns immer wieder erzählt hat. Ich bin da zwar nach wie vor anderer Meinung, aber er könnte schließlich auch recht haben. Besser erstmal kein Risiko eingehen.

Und auch, wenn ich es nie ganz habe wahrhaben wollen, ich habe von Anfang an gewußt, daß ich mich irgendwann gegen Rosiel stellen mußte. Unsere Ziele sind viel zu gegensätzlich als daß das nicht passieren würde. Das zwischen uns wäre ohnehin niemals gutgegangen. Warum tut es dann nur so verdammt weh?

Noch während ich darum kämpfte einen klaren Kopf zu behalten fiel mir auf, das ich lediglich Rosiel und Setsuna hörte. Aber Kurai hatte doch gesagt, das Kira ebenfalls hier war… Und wo war eigentlich Catan? Rosiel würde den Himmel niemals ohne ihn verlassen… Wo also stecken die Beiden?

Das Geröll unter mir gab plötzlich nach und ich schlitterte in Richtung Boden. Fluchend versuchte irgendwie Halt zu finden, um den Hügel nicht ganz so unkontrolliert hinunter zusausen. An seinem Fuß kam ich schließlich zum Stillstand. Die Szene, die ich von dort aus sehen konnte ließ mich erstarren. Ich hatte das Gefühl mich in meinem ganz persönlichen Alptraum wiederzufinden. All meine Befürchtungen schienen sich urplötzlich zu bewahrheiten oder noch schlimmer zu werden.

Rosiel hatte Setsuna wie eine Marionette in diversen Kabeln gefangen und drückte das Fesselgebilde immer enger zusammen. Setsunas gequälte Schreie hallten von den Wänden wieder und bohrten sich wie glühende Nadeln in meinen Körper. Ein Teil der Kabel hatte bereits sein linkes Auge durchbohrt und rissen die Wunder immer wieder vom Neuen auf. Geschockt wandte ich meinen Blick für einen Moment ab, um mich wieder zu fangen. Noch aus den Augenwinkeln nahm ich ein unnatürliches weißes Leuchten auf dem Boden wahr. Ich keuchte auf als erkannte, was zwischen Rosiels Füßen lag. Ein abgetrennter Engelsflügel!

Ein kurzer Blick auf die grausame Szene genügte, um festzustellen, das Rosiel unverletzt war. Es war Setsunas Rücken, auf dem die passende riesige Wunde klaffte. Ich taumelte langsam vorwärts. Zu spät! Ich bin zu spät gekommen! Ich hätte viel früher hier sein müssen…

Stimmen drangen wie fernes Rauschen an meine Ohren, doch ich verstand keines ihrer Worte. Mein gesamter Körper weigerte sich den Anblick, der sich ihm bot als real zu erachten.

Warum Rosiel-chan?

Warum tust du mir das an?

Rosiel-chan, warum bist du so grausam?

Seine gesamte Aura war von Haß und Wahnsinn erfüllt während Setsuna verzweifelt um sein Leben kämpfte. Wie konnte das sein? Wie kann ein Engel, der ein so zerbrechliches Herz wie du besitzt so grausam sein? Rosiel-chan, warum tust du das?

Ich stolperte leicht und wandte meinen Blick langsam von der grausamen Szene ab. Vorsichtig bückte ich mich, um nach zusehen über was ich beinahe gefallen wäre. Als ich den Gegenstand erkannte stockte mir der Atem. Vor meinen Füßen lag ein abgetrennter Kopf und nur wenige Meter davon entfernt eine vollkommen zerfetzte Leiche. Keuchend versuchte ich nach Luft zu schnappen, aber plötzlich schien es davon nicht mehr genug zu geben. Bitte nicht! Bitte, bitte nicht das! Behutsam drehte ich den Kopf um.

„Kira-chan…“ Ich sank in die Knie und legte zitternd meine Hände um den blutverschmierten Kopf. Warum? Warum Kira-chan?

„Kira-chan.“ Tränen strömten mir über das Gesicht als mir klar wurde was geschehen war. Er hat ihn getötet…. Er hat ihn… Rosiel hat Kira getötet…

„Nee-chan?“ Wie in Trance hob ich den Kopf vom Boden auf und drückte ihn behutsam an mich. Sein Gesicht war von vollkommener Überraschung gezeichnet. Fast so als hätte er gar nicht damit gerechnet das man ihn tötet. Kira-chan…

„Es tut mir so leid, Nee-chan.“ Langsam stand ich auf und musterte Catan eisig. Seine Uniform saß tadellos und wies nicht den geringsten Makel auf. Es paßte so gar nicht in diese Stätte der Zerstörung.

„Er hat ihn getötet!“ Tränen verschleierten meinen Blick als ich mich zu Rosiel umwandte.

„Er hat ihn ohne zu zögern getötet!“ Kira-chan ist tot. Er ist tot... Ich werde ihn nie wiedersehen!

„Nee-chan…“

„Er hat meinen besten Freund getötet!“ Meine Stimme überschlug sich fast. Zorn, Trauer, Enttäuschung. All das vermischte sich.

„Shao, du?“ Ich blinzelte zwischen meinem Tränenvorhang hervor. Rosiel sah mich direkt an. Sein Gesicht war fast vollkommen weiß.

„Rosiel-chan…“ Bitte! Bitte laß ihn los! Laß Setsuna gehen und sag mir, daß das hier alles nur ein Traum ist! Sag mir, daß du es nicht getan hast. Das ich nicht gezwungen bin gegen dich zu kämpfen. Daß das alles nur ein böser Traum ist aus dem ich nur aufwachen muß!

„Shao...“ Seine Stimme war ganz sanft… er ist so nah… Der Kopf in meinem Arm begann leicht zu rutschen.

„Nein!“ Ich wich einen Schritt zurück und preßte Kiras Überreste enger an mich. Sein Blut strömte über meine Arme, meinen Bauch. Kira-chan… Es tut mir so leid Kira-chan… Ich hätte es verhindern müssen…

„Shao, komm zurück.“ Rosiel streckte milde lächelnd eine Hand nach mir aus während Setsuna vor Schmerzen gepeinigt aufschrie. In meinem Kopf begann es unangenehm zu hämmern.

„Nein…“ Meine Stimme zitterte. Ich kann nicht mehr zurück. Rosiel-chan, du hast meinen besten Freund getötet. Ich kann nie wieder zu dir zurückkehren.

„Nein.“ Das Geröll unter mir setzte sich langsam in Bewegung. Ich durfte nicht zurück. Wenn ich jetzt zu ihm zurück kehrte würde ich ihn nie wieder verlassen können.

„Nee-chan.“ Vorsichtig näherte sich Catan mir. Mit gebrochener Stimme flehte ich ihn stehenzubleiben, aber er hörte nicht auf mich.

„Bitte Nee-chan, bitte komm zurück.“ Keuchend kämpfte ich darum nicht völlig die Kontrolle zu verlieren. Das Blut rauschte in meinen Ohren und mein linker Oberschenkel brannte wie Feuer. Mein Schwert gierte danach endlich befreit zu werden.

„Shao…“ Die unendliche Sanftheit in Rosiels Stimme zerriß mir das Herz. Ich kann nicht! Ich kann nicht zurück! Rosiel-chan, ich werde nie wieder zu dir zurückkehren. Während ich noch weiter vor ihm zurück wich fiel mein Blick auf Kiras leblosen Kopf in meinen Händen. Kira-chan… warum mußte es ausgerechnet Kira sein? Warum sterben meine Freunde schon wieder? Wieso können die Engel uns nicht ein einziges Mal glücklich werden lassen? Was haben wir ihnen denn getan?

Irgendwo in meinem Inneren machte es plötzlich KLICK und die all Trauer und Verzweiflung verschwand aus meinem Bewußtsein. An ihre Stelle traten Haß und Zorn. Mein Schwert hatte gesiegt. Der Blutdurst, der in mir erwachte war das Werk dieser verfluchten Klinge. Ich sah Catan flehend an. Bitte, bitte geh! Nimm Rosiel und geh! Flieh soweit du kannst! Noch kann ich es kontrollieren!

„Bitte. Nee-chan, komm zurück.“ Es ist zu spät. Jetzt kann ich es nicht mehr aufhalten. Der Blutdurst meines Schwertes gewinnt nach und nach die Überhand. Ich werde nicht mehr lange genug bei Bewußtsein bleiben um zu verhindern, daß meine Klinge sich tief in seinen oder Rosiels Körper bohrt. Es ist beinahe so wie damals. Je länger dieser Moment dauert, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, daß ich mich wieder in eine blutrünstige Bestie verwandele. Und davor hatte ich eine Heidenangst. Aber was bleibt mir jetzt noch für eine andere Wahl?

„Nein! Das werde ich ihm niemals verzeihen…“ Ich wich vor seiner flehend ausgestreckten Hand zurück und drückte Kiras Kopf schützend an mich. Er würde ihn mir nicht noch einmal nehmen! Ich würde nicht zulassen, daß er noch mehr Leid über meine Freunde brachte.

„Rosiel, ich werde dir niemals verzeihen was du getan hast!“ Meine zornerfüllte Stimme hallte durch den Raum und Rosiels Gesicht war für eine Sekunde ein Bild des Schmerzes. Als hätte man ihm bei lebendigem Leib das Herz aus der Brust gerissen. Aber ich konnte kein Mitleid mit ihm haben. Er hat meinen besten Freund getötet. Die Konsequenzen müssen wir beide tragen.

„Warum?“ Catan packte mich hart an den Schultern und zwang mich ihn anzusehen.

„Warum Nee-chan!“ In seinem Blick lag pure Verzweiflung.

„Niemals!“ Ärgerlich befreite ich mich von ihm und brachte Abstand zwischen uns. Niemals hätte ich mich wieder in einen Engel verlieben dürfen! Engel verursachen nur Schmerz und Leid. Und es gibt nur einen einzigen Weg um sich endgültig davon zu befreien. Der Griff meines Schwertes hatte etwas seltsam Beruhigendes. Schon sehr bald würde das alles hier nur noch eine unschöne Erinnerung sein…

„Nee-chan, was hast du vor?“ Das Entsetzen in Catans Blick verstärkte sich, als er die Waffe in meiner Hand bemerkte. Es versetzte mir einen Stich, das er mich so ansah, aber mir blieb keine andere Wahl. Es tut mir leid Catan, aber es gibt nur noch diesen einen Weg. Ich kann nicht zu lassen, daß meinen Freunden noch mehr Leid geschieht. Auch, wenn das bedeutete, das ich mich vielleicht selbst verliere…

Behutsam legte ich Kiras Kopf zwischen einige Steine und schloß seine Augen. Es sah aus als würde er im Schlaf lächeln.

„Leb wohl Kira-chan.“ Ich packte mein Schwert fester und war überrascht, das Catan mir den Weg versperrte.

„Ich kann dich nicht gehen lassen!“ Er klang verzweifelt. Hin und her gerissen zwischen seiner Treue zu Rosiel und unserer Freundschaft. Er wußte was Kira mir bedeutet hatte.

„Du kannst mich nicht aufhalten.“

„Das weiß ich, aber ich kann nicht zulassen, daß er noch mehr verletzt wird.“ Und was ist mit den Anderen? Ist es wirklich in Ordnung, das sie leiden müssen nur damit Rosiel glücklich sein kann?

„Nee-chan, du verletzt euch nur beide.“ Er sah mich fest an. Ich schloß für einen kurzen Moment die Augen um ihn nicht noch mehr von meinen Tränen sehen zu lassen. Er hat recht, aber ich kann und will nicht zulassen, das Rosiel noch mehr unschuldige Leben gefährdet. Bitte Catan, bitte, es gibt nur diesen Weg. Laß mich ihn erlösen!

„Geh mir aus dem Weg!“ Bitte! Bitte zwing mich nicht dazu gegen dich zu kämpfen! Reicht es nicht, daß ich mich gegen Rosiel stellen muß! Bitte zwing mich nicht dich ebenfalls zu verletzen!

„Nein!“ Das Schwert pulsierte in meiner Hand. Ich schrie innerlich auf. Es war zu spät! Soeben hatte ich auch den letzten Rest meiner mühsam aufrecht erhaltenen Kontrolle eingebüßt. Nun würde mich nichts mehr aufhalten…

„Du läßt mir keine andere Wahl…“ Ich legte die Klinge in meine linke Hand und drückte leicht zu. Meine Haut hatte ihr nichts entgegen zu setzten. Mein Blut quoll dunkel und heiß an der Klinge entlang. Sobald auch nur ein einziger Tropfen davon den Boden berührte würde es hier von Dämonen nur so wimmeln. Mein Blut würde sie anziehen wie das Licht die Motten. Es tut mir leid Catan, aber ich muß sicher sein, das keiner von euch diesen Ort mehr verläßt. Ihr laßt mir keine andere Wahl. Ich schickte ein stummes Gebet zum Himmel. Bitte schenk ihnen Frieden.

„Verlierst du jetzt völlig den Verstand!?“ Noch ehe ich die Stimme hinter mir einordnen konnte hörte ich Catan entsetzt aufkeuchen. Mich traf ein mörderischer Schlag, der mich zu Boden beförderte. Alles um mich herum versank in Dunkelheit. Eine Finsternis, die von Setsunas verzweifelten Schreien und Rosiels grausamen Lachen erfühlt war.

* * * * * *

Rosiels Lachen hallte immer noch in meinen Ohren als ich das Bewußtsein bereits wiedererlangte. Mein gesamter Körper zitterte als mich daran erinnerte, was ich mit angesehen hatte und was beinahe geschehen war. Mein Schwert hätte um ein Haar die Oberhand gewonnen…

Die grausame Erkenntnis, die ich daraus gewonnen hatte, war alles andere als angenehm. Egal, wie sehr ich es mir auch wünschte, ich würde mit Rosiel niemals glücklich werden können. Es stand zu viel zwischen uns. Er hat ohne zu Zögern einen meiner besten Freunde getötet und es hätte nicht mehr viel gefehlt und ich hätte mit ihm das Gleiche angetan…

Verdammt! Rosiel-chan, warum nur?! Warum kann unser Leben nicht einfach sein?

Es tat weh zu wissen, daß er egal was ich auch tat nicht zögern würde auch weiterhin sein Ziel zu verfolgen. Dabei war es ihm vollkommen egal wer ihm im Weg stand. Wichtig war nur, daß er an sein Ziel gelangte. Wie, das war nebensächlich.

Aber was werfe ich ihm da vor? Ich bin keinen Deut besser. Nachdenklich betrachtete ich die Wunde in meiner linken Hand. Ich würde jeden einzelnen meiner Freunde verraten wenn es darum ging Assia zu retten. Der einzige Unterschied ist, das…

Nein, das stimmt nicht. Ich habe bereits mehr als nur einmal getötet um an mein Ziel zu gelangen. Wenn man es nüchtern betrachtet, dann gibt es rein gar nichts, was ich Rosiel vorwerfen kann. Dennoch, die Tatsache, das ausgerechnet er meinen besten Freund getötet hat…

Ich ballte meine verletzte Hand zu einer Faust. Der Schmerz lief wie warmes Feuer meinen Arm hinauf.

Rosiel… wir werden uns von nun an nur noch als Gegner gegenüberstehen…

Ich habe es von Anfang an gewußt…

Nur warum tut es dann so unglaublich weh?

Warum habe ich seine ausgestreckte Hand nicht ergriffen?

Ich hätte mit ihnen in die Himmel zurück kehren können…

Warum habe ich nicht einfach nachgegeben?

Im Endeffekt kannte ich die Antworten auf all diese Fragen bereits. Ich hatte sie mir bereits vor langer Zeit gestellt und beantwortet. Die Konsequenzen aus meinem Handeln waren nur um vielfaches schmerzhafter als ich geglaubt hatte. Rosiel ist für mich wesentlich wichtiger geworden als ich jemals hätte ahnen können. Viel wichtiger als ich bisher bereit war zuzugeben.

Dennoch würde ich nicht zögern ihn zu töten, wenn er versuchen sollte mich an der Rettung Assias zu hindern. Dieses Wissen allein reichte aus um mein Herz in Fetzen zu reißen. Der Schmerz war beinahe unerträglich und dennoch konnte ich nichts anderes tun als ihn zu ertragen. Würde ich es nicht tun, dann würde ich es für immer und ewig bereuen.

„Warum in Luzifers Namen hast du nicht verhindert das sie diesen Raum betritt?!“ Ich schoß in die Höhe. Astaroth!

„Sie sollte gar nicht dort sein!“ Er klang verärgert. Diese kalte Stimme… ja, es muß Astaroth gewesen sein, der mich außer Gefecht gesetzt hat. Aber warum? Warum hat er sich eingemischt?

„Ich weiß auch nicht warum sie plötzlich dort war!“ Murrend rieb ich mir über meinen Hinterkopf. An irgend etwas hatte ich mich im Halbdunkeln äußerst erfolgreich gestoßen.

„Sie war in einem völlig anderen Teil des Palastes! Es war unmöglich zu ahnen, das sie den Raum so schnell finden würde.“ Ich kannte diese Stimme zwar nicht, aber was die Beiden da besprachen verursachte mir Unbehagen. Um mich nicht noch einmal zu stoßen ließ ich einen kleinen Lichtball entstehen und stieß im selben Moment einen leisen Schrei aus.

Direkt über mir schwebten unzählige, dunkle Schlangenköpfe. Ihre glänzenden, schwarzen Augen musterten mich aufmerksam. Allerdings gab es nur einen Körper. Keine Ahnung ob das Vieh echt war oder nicht, aber bei elf Köpfen hatte ich keine reelle Chance einem tödlichen Biß zu entgehen. Vorsichtig rückte ich soweit wie möglich von ihnen weg. Der Untergrund war merkwürdig weich, aber ich hatte keine Zeit mich darum zu kümmern. Viel zu schnell spürte ich eine Wand im Rücken. Zitternd zog ich mich daran hoch und ließ die Schlange dabei nicht eine Sekunde aus den Augen. Es sah nicht so aus als würde sie befürchten, daß ihre Beute entkommen könnte. Leider konnte ich sie auch nicht mal eben in Asche verwandeln. Immerhin wollte ich weg ehe Astaroth merkte, das ich wieder bei Bewußtsein war. Auf eine nochmalige Auseinandersetzung mit ihm konnte ich gut und gerne verzichten.

Langsam tastete ich mich an der Wand lang entlang. Die Köpfe der Schlange folgten jeder meiner Bewegungen aufmerksam, aber sie machte keinerlei Anstalten mich aufzuhalten. Wahrscheinlich spielen Astaroths Haustiere ebenso gern mit ihrer Beute wie ihr Herrchen. Gott, wie ich Schlangen hasse!

„AUH!“ Urplötzlich war der weiche Untergrund auf dem ich mich bewegt hatte weg und ich war äußerst unsanft auf etwas wesentlich Härterem gelandet. Der Lichtball verlosch beinahe zeitgleich.  Angestrengt versuchte ich die Schlange in der Dunkelheit ausfindig zumachen. Wo ist dieses Vieh?

„Was zur Hölle?“ Grimmig hatte Astaroth die bis dato lediglich angelehnte Tür des Raums aufgestoßen. Das Helle Licht blendete mich zwar, aber es reichte um zu erkennen, daß es ihn nicht sonderlich überraschte mich bei Bewußtsein zu sehen. Und was nun?

„Oh, du bist wach.“ Das ich auf dem Boden lag schien ihn ebenfalls herzlich wenig zu interessieren. Warum grinst der eigentlich so?

„Hat Ananta dich erschreckt?“ Warum überrascht es mich eigentlich noch, daß dieses Vieh einen Namen hat? Es wäre ein Wunder, wenn er ihr keinen gegeben hätte. Im Gegensatz zu mir ist Astaroth von Schlangen nahezu besessen.

„Du hast doch gut geschlafen, oder?“ Ohne sich weiter um mich zu kümmern ging er auf die Schlange zu und entfernte ein weißes Laken von ihrem zusammengerollten Leib. Der Raum war inzwischen beinahe taghell erleuchtet.

„Komm Ananta, im Keller wartet ein Festmahl auf dich.“ Lächelnd gab Astaroth der Schlange einen Klaps auf den massigen Leib und öffnete einen geheimen Zugang in der Wand. Sie verschwand beinahe lautlos. Ich habe auf dem Rücken einer Schlange geschlafen? Mein Verstand weigerte sich irgendwie diese Tatsache zu akzeptieren. Allerdings erklärt daß den merkwürdig weichen Untergrund von vorhin…

„Wenn du wach genug bist um mir zu zuhören sag bescheid. Wir haben viel zu besprechen.“ Zu liebenswürdig! Wie wäre es eigentlich, wenn du mir beim Aufstehen helfen würdest?

„Ach ja, ich habe mir erlaubt deine Kleidung zu ersetzen. Blut mag zwar eine Zierde sein, aber in deinem Fall wäre das nicht sonderlich ratsam.“ Und mit eben diesen Worten verschwand er aus dem Zimmer. Ich starrte ihm nach als wäre ich soeben eine Fata Morgana begegnet. Was in drei Teufels Namen hat das jetzt schon wieder zu bedeuten?

Da ich allerdings erst dann Antworten erhalten würde, wenn der gnädige Herr es für nötig hielt mich in seine Pläne einzuweihen blieb mir nichts anderes übrig als seinen Anweisungen zu folgen. Wenigstens hat er mich diese Mal nicht eingesperrt. Grummelnd stand ich vom Boden auf und konnte direkt feststellen, daß Astaroths Modegeschmack meilenweit von tragbaren Klamotten entfernt war. Das Ding konnte man noch nicht mal guten Gewissens als Kleid bezeichnen. Es war ein Hauch von Nichts! Mit einem Seufzer ersetzte ich es durch ein schwarzes Outfit, das in der Hölle nicht weiter auffallen würde. Ein enganliegendes, schwarzes, kurzes Kleid, darüber einen langen, ebenfalls schwarzen Mantel und passende Stiefelletten.

Und vor allen Dingen brachte ich meine Haare mit einem dünnen Lederband wenigstens halbwegs wieder in Form. Astaroth hatte meine Zöpfe gelöst und meine Mähne stand in alle nur erdenklichen Richtungen ab. Leider war das Band nicht lang genug um all meine Haare zu fassen, aber für die Hälfte reichte es gerade so. Das war besser als nichts. Wenigstens würden sie mir so nicht dauernd im Gesicht rumhängen. Als ich nach der Kette an meinem Hals tastete hielt ich einen Moment inne. Rosiel hatte mir das Kreuz zu meinem Schutz gegeben…

 Ich schloß meine Hand darum und zog leicht an der Kette. Er hat Kira-chan getötet…

Ich werde ihn nie wiedersehen.…

…all unsere Versprechungen sind in einem Moment verpufft… Nichts davon würde mehr geschehen…

Allmählich dämmerte mir, daß ich wesentlich mehr verloren hatte als nur einen Freund. Mit Kira-chan ist auch meine letzte Hoffnung auf den Tod gestorben. Er wäre in der Lage gewesen mich zu töten… und er hatte es mir versprochen… wenn das hier alles vorbei war…

Es ist wohl Ironie des Schicksals, das sein Leben vor meinem endete. Dennoch wünschte ich mir nichts sehnlicher als schneller bei ihm gewesen zu sein. Vielleicht hätte ich ihn dann noch retten zu können. Es sind nur wenige Minuten gewesen, doch diese haben mich unendlich viel gekostet…

Entschlossen schüttelte ich den Kopf. Es ist nicht mehr zu ändern. Er ist tot. Du kannst nichts mehr für ihn tun. Stell dich den Tatsachen! Rosiel hat ihn getötet.

Es fiel mir immer noch schwer überhaupt daran zu denken. Der Mann, den ich über alles liebte hatte meinen besten Freund auf dem Gewissen.

Rosiel-chan, egal wie viel du mir auch bedeutest, das kann ich dir nicht verzeihen. Ich kann nicht zulassen, daß du meinen Freunden noch mehr Leid zufügst. Ich ließ das Kreuz unauffällig unter dem Rollkragen meines Kleides verschwinden.

Sicher, es wäre besser gewesen es wegzuwerfen, aber ich brachte es nicht fertig. Rosiel war nach wie vor ein Teil meines Herzens. Es tat weh genug gegen ihn kämpfen zu müssen. Es war unnötig sich noch weiter zu verletzten. Bleibt nur zu hoffen, daß mich dieses Kreuz auch weiterhin beschützt. Als ich den angrenzenden Raum betrat war ich überrascht, das Astaroth bereits ungeduldig auf mich wartete.

„Für jemanden mit deinen Fähigkeiten brauchst du ganz schön lange.“ Wie immer die Liebenswürdigkeit in Person.

„Ich freue mich auch dich zu sehen.“ Er schnaubte leicht und winkte mich hinter sich her. Bin ich jetzt sein persönliches Schoßhündchen? Und kein Wort über mein Kleid? Auch nicht über die geänderte Frisur? Es muß wirklich verdammt wichtig sein.

„Komm. Wir haben nicht viel Zeit.“ Wie wäre es, wenn du mir erstmal erzählst was hier eigentlich vor sich geht? Warum hast du mich daran gehindert gegen Rosiel zu kämpfen?

„Wie geht es den Anderen?“ Ärgerlich funkelte er mich an.

„Woher soll ich das wissen?“

„Astaroth!“ Mir fehlten die Nerven um mich auf ein ermüdendes Gespräch mit einem Erzdämon einzulassen dem man jede noch so kleine Information mit tausend Tricks aus der Nase ziehen mußte.

„Hör zu, im Moment gibt es andere Probleme als diesen dämlichen Kleinkrieg der Engel.“ Kleinkrieg?! Ich schnappte nach Luft um ihm nicht direkt an die Gurgel zu springen.

„Dank diesem idiotischen Engel wurde der Träger von Luzifers Seele getötet und das bedeutet den Untergang der Hölle.“ Fassungslos starrte ich ihn an. Es sah nicht so aus als würde er scherzen.

„Luzifers Seele?“ Er verdrehte die Augen.

„Du hast es doch selbst gesehen. Dieser Mensch war Luzifers Ebenbild. Hast du etwa geglaubt, das wäre Zufall?“ Wenn ich ehrlich war, ja. Ich hatte gehofft, daß es nichts weiter zu bedeuten hatte. Es wäre mir wesentlich lieber gewesen, wenn mein bester Freund und der Herrscher der Hölle nichts miteinander zu tun hätten.

„Bei allen Dämonen der Hölle! Wie naiv bist du?! Luzifer hat die Hölle bereits vor Jahrtausenden verlassen und Gott war dermaßen genervt, daß dieser sich ihm nach wie vor widersetzte, daß er Luzifers Seele schließlich in diesem verfluchten Schwert einsperrte. Nicht, das ihm das irgend etwas gebracht hätte. Selbst dort war unser Herrscher noch eine Gefahr für ihn. Erst als er das Schwert versiegelte konnte sich Gott sicher sein, das ihm der Engel des Lichts keine Schwierigkeiten mehr machen würde.“ Mit einem Finger zog Astaroth die Kontur meiner Wange nach.

„Du müßtest das eigentlich wissen. Immerhin trägst du das Gegenstück jenes Schwertes.“ Warum habe ich nur das Gefühl unter einem eisigen Wasserfall zu stehen? Sicher, vieles von dem, was er mir gerade erzählt hat wußte ich bereits. Dennoch breitete sich in meinem Inneren eine dunkle Vorahnung aus. Irgend etwas hatte ich bis jetzt ganz bewußt übersehen…

„Wie dem auch sei. Wir müssen uns beeilen. Bevor hier alles zusammenbricht mußt du unbedingt noch die Wahrheit erfahren.“

„Die Wahrheit wovon?“ Mißtrauisch funkelte ich ihn an. Er ist ein Erzdämon. Es kann weiß Gott was sein, das er mir zeigen will. Und unter Garantie wäre es nichts sonderlich Angenehmes.

„Laß dich einfach überraschen.“ Mit einem äußerst beunruhigenden Lächeln auf den Lippen drehte er sich um und ging entschlossen voran. Mir blieb nichts anderes übrig als ihm zu Folgen. Okay, ich hätte auch fliehen können. Aber zum einen wußte ich nicht wie ich Kurai und den Anderen noch unter die Augen treten sollte oder ob diese überhaupt noch lebten. Und zum anderen war ich inzwischen viel zu neugierig zu erfahren, was einen Erzdämon wie Astaroth dazu bewogen hatte sich in einen Streit unter Engeln einzumischen.

„Ach, bevor ich es vergesse. Ich glaube, das hier gehört dir.“ Er war so abrupt stehengeblieben, daß ich fast in ihn hineingelaufen wäre. Mit einem lässigen Fingerschnippen ließ er eine Wand verschwinden und ein freudiges Wuff klang mir entgegen.

„Cee!“ Ihm ist nichts passiert! Gott sei Dank! Überglücklich ging ich in die Hocke und ließ mir von seinem weichen Fell das Kinn kitzeln. Ich hatte ihn im Oger Palast aus den Augen verloren. Wo hat Astaroth ihn nur gefunden? Oder ist er mir etwa bis hierhin gefolgt?

„Du solltest froh sein, daß ich ihn vor den Anderen gefunden habe. Belial würde nichts lieber tun als ihn in seine Einzelteile zu zerlegen.“ Preisfrage: Wen oder was würde Belial eigentlich nicht liebende gerne in seine Einzelteile zerlegen?

„Danke.“

„Brich dir nur keinen ab. Ich habe ihn gerettet, weil du ihn noch brauchen wirst.“ Ohne darauf zu warten daß ich mich wieder erhob eilte Astaroth bereits weiter. Wie schön, das man immer wieder betonen muß, das man ein äußerst mächtiger, stets mißgelaunter Dämon ist. Aber warten könnte er zumindest.

„Und was willst du mir nun zeigen?“ Es war gar nicht so einfach gewesen ihn einzuholen.

„Ah, du bist also neugierig?“ Ich werd dich gleich…

„Ich bin mir ziemlich sicher, daß du diesen Raum bei deinen letzten Besuchen nicht gesehen hast.“ Er stieß eine beeindruckende Flügeltür auf und ein Schwall eiskalter Luft strömte uns entgegen. Ich zog den Mantel enger um meine Schultern.

„Ist das dein Kühlschrank? Bißchen groß, oder?“

„Sehr witzig.“ Sein Blick war fast ebenso kalt wie die Luft um uns herum.

„Wirklich, du hast Humor.“ Tja, wenn man bedenkt in welcher Situation ich mich gerade befinde ist das wohl das Einzige, was mich aufmuntern kann. Ich folgte Astaroth staunend. Alles im Inneren des Raums bestand aus Eis. Jede Säule, jedes noch so kleine Wandelement. Selbst die Vorhänge waren pures Eis. So etwas hatte ich noch nie gesehen.

„Dort drüben ist es.“ Unentschlossen riß ich meinen Blick von einem Wandrelief los, das den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse darstellte. Ich mich frage mich wie man es überhaupt aus Eis schaffen konnte. Es ist so detailreich.

„Jetzt komm schon! Du hast keine Zeit die Einrichtung zu bewundern.“ Unsanft packte er mich am Arm und zog mich hinter sich her. Cee streifte knurrend um meine Beine, aber er hütete sich davor Astaroth anzugreifen.

„Verdammt noch mal, was soll ich hier?“ Ich versuchte mich aus seinem Griff zu befreien. Je länger ich in seiner Nähe blieb desto gefährlicher wurde es. Wer weiß schon wie lange er noch so ruhig bleibt? Ich hatte ihn schließlich schon ganz anders erlebt und ich traute es Astaroth durchaus zu, das er noch einmal versuchen würde mich einzusperren. In diesem Fall, dann aber wohl für die Ewigkeit.

„Dich von deinem Vater verabschieden.“ Ich erstarrte.

„WAS?!“

„In diesem Raum ist dein Vater eingeschlossen. Er wird mit der Hölle untergehen.“ Das Blut begann in meinen Ohren zu rauschen.

„Mein Vater ist hier?“ Mir wurde schwindelig während Astaroth mich unerbittlich weiter zog.

„Ja, und zwar genau hier.“ Er blieb vor einer massiven Wand aus Eis stehen und hob leicht den Kopf. Ich folgte seinem Blick und hätte um ein Haar erleichtert gelacht.

„Soll daß ein Scherz sein?“ Was auch immer ihn geritten haben mochte mir zu helfen. Im Moment begann ich ernsthaft an seinem Verstand zu Zweifeln.

„Ich neige nicht zu Scherzen.“ Aber sicher doch!

„Wenn ich vorstellen darf. Iadara, dein Vater.“ Ich starrte die Wand vor mir an und wußte nicht ob ich lachen oder weinen sollte. Ungefähr anderthalb Meter über uns war ein Körper tief im Eis eingeschlossen. Trotz der dicken Eisschicht konnte ich seine Kleidung und sein Gesicht ohne Probleme erkennen. Aber das konnte nur ein schlechter Scherz sein. Es war vollkommen unmöglich, daß er mein Vater war.

„Erkennst du ihn etwa nicht?“ Astaroth klang ungeduldig. Was genug ist, ist genug.

„Selbstverständlich erkenne ich ihn! Ich verstehe nur nicht, warum du ihn hier eingeschlossen hast.“

„Anscheinend verstehst du es nicht. Das hier-“ Er tippte leicht gegen das Eis.

„-ist dein Vater. Ob du es nun wahrhaben willst oder nicht.“ Allmählich dämmerte mir, daß er es ausnahmsweise einmal tatsächlich ernst meinte. Aber ich konnte es immer noch nicht glauben. Shion Arakima sollte mein Vater sein?!

Das war vollkommen unmöglich! Shion ist ein Mensch! Ich hatte ihn erst kennengelernt als White demon feather gegründet wurde. Er befand sich in Assia und dort stand nach wie vor die Zeit still. Wäre er ein Dämon, dann hätte ihm Adam Kadmons Bann nichts anhaben können und er wäre schon längst in die Hölle zurückgekehrt. Außerdem hätte ich es unter Garantie bemerkt wenn Shion ein Dämon wäre. Nein, er konnte nicht mein Vater sein!

„Um deinem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. Iadara ist der erste Sohn von Luzifer und Lilith. Der absolute Liebling seines Vaters. Er fiel erst in Ungnade als er mit Luzifers großer Liebe anbändelte.“ Ich ignorierte die Kälte um uns herum so gut ich konnte und konzentrierte mich auf die Gestalt im Eis. Er sah Shion auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich.

Aber, wenn man genauer hinsah fielen einem die Unterschiede sofort ins Auge. Seine Haare waren wesentlich länger als die von Shion. Shion trug seine Mähne lediglich ein gutes Stück über die Schultern. Iadaras reichten, obwohl sie größtenteils zu einem Zopf zusammengebunden waren, bis weit über seine Knie. Auch sein Körper war durchtrainierter als der von Shion. Und die Narbe auf dem rechten Handrücken sah ich ebenfalls zum ersten Mal.

„Lilith verschwand als ihr Sohn erwachsen war. Niemand weiß warum oder wohin.“

„Moment! Lilith, die erste Frau, die Gott schuf?“ Bisher hatte selbst ich das lediglich für ein Gerücht gehalten. Angeblich schuf Gott vor Eva bereits eine Frau für Adam, doch diese verließ den Garten Eden aus eigenem Antrieb und wurde nie wieder gesehen.

„Ja, und ich kann dir versichern, das sie ein verdammtes Biest ist. Weder Gott noch Luzifer konnten ihr das Wasser reichen. Lilith tat immer nur das, was sie wollte.“ So wie er sich anhört scheint er sie ziemlich gut gekannt zu haben. Ich hütete mich allerdings davor ihn zu fragen woher.

„Und sie hat ihren Sohn hier eingesperrt?“ Ein trockenes Lachen scholl mir entgegen.

„Nein, das war Luzifer.“

„Aber hast du nicht gesagt er wäre sein Lieblingssohn?“ Irgendwie ist das Ganze ziemlich verwirrend.

„Er war es bis zu dem Tag, an dem er Alexiel traf.“ Ich zuckte leicht zusammen. Meine Mutter…

„Luzifer hatte bereits vor langer Zeit ein Auge auf diesen Engel geworfen. Konnte aber nie bei ihr landen. Das ausgerechnet sein Sohn ihr Herz gewann hat er ihm nie verziehen.“ Mir schwirrte der Kopf. Luzifer ist in meine Mutter verliebt gewesen?

„Erst hat niemand etwas von dieser Beziehung geahnt. Selbst als einige der Erzdämonen herausfanden mit wem Iadara sein Leben teilte erfuhr Luzifer nichts.“

„Ihr habt ihn nicht verraten?“ Das Ganze hört sich so ganz und gar nicht nach den Dämonen, die ich kenne an.

„Wie denn? Iadara war beinahe genauso mächtig wie sein Vater. Wenn wir versucht hätten ihn zu erpressen hätte er einen Weg gefunden, um uns das Leben zur Hölle zu machen.“ DAS machte Sinn. Die erste Regel für einen Dämonen lautet, wenn jemand stärker ist als du mach ihn zu deinem Freund, bis er eine Schwäche zeigt und dann stoß ihm ein Messer in den Rücken.

„Nein, wir mußten stillhalten und mit ansehen was als Nächstes geschah.“ Er warf mir einen eisigen Blick auf. Ja, ja schon klar. Ich bin an allem Schuld. Meinetwegen mußtest du nach Assia und dich mit Luzifer auseinandersetzen. Danke, ich weiß bereits, daß dir dieses Thema nicht gefällt. Aber ich habe schließlich niemanden darum gebeten dich zu meinem Babysitter zu ernennen.

„Und dieser Vollidiot zeugt auch noch ein Kind mit einem Engel! Von da an gingen die Probleme erst richtig los.“ Ich schluckte schwer. Mein Körper begann allmählich in der Kälte zu prickeln. Es wird höchste Zeit, daß ich hier rauskomme.

„Als die Sache schließlich eskalierte konnten wir die Wahrheit nicht länger verbergen. Luzifer half uns zwar persönlich in die Geschehnisse in Assia einzugreifen, aber Iadara zahlte einen hohen Preis dafür.“

„Das war der Tag an dem uns die Engel überfielen. Habe ich recht?“ Er nickte leicht.

„Luzifer stellte seinen Sohn zur Rede und als er die ganze Wahrheit kannte fällte er sein Urteil. Er schloß Iadara in diesem Raum ein. Für den Rest seines Lebens sollte sein Sohn im Eis eingeschlossen bleiben. Luzifer hatte allerdings nicht gerechnet, daß sein Sohn noch ein allerletztes As im Ärmel hatte. Kurz bevor der Fluch seines Vaters ihn traf trennte Iadara seine Seele von seinem Körper und schickte sie in die Welt der Menschen.“ Eine kurze Pause entstand als Astaroth Atem schöpfte. Mein Puls raste und mir war abwechselnd heiß und kalt.

„Es dauerte nicht sonderlich lange bis Luzifer es herausfand, aber er ließ seinen Sohn gewähren. Iadaras Seele wurde in einem Menschen wiedergeboren. Einem Menschen für den nur ein einziges Ziel in seinem Leben gab. Seine Tochter zu finden und zu beschützen.“ Der Raum begann sich vor meinen Augen zu drehen.

„Du lügst!“ Ich zitterte am ganzen Körper. Warum ist mir nur plötzlich so kalt?

„Selbst Luzifer hätte niemals zu gelassen, das du ohne Schutz in Assia bleibst. Sein Sohn mochte ihn hintergangen haben, aber Alexiels Kind hätte er niemals etwas antun können. Dafür liebt er diesen verfluchten Engel einfach viel zu sehr!“ Ich schlang die Arme enger um meinen Körper und versuchte verzweifelt einen klaren Gedanken zu fassen. Mein Kopf fühlte sich an als stünde er kurz davor zu zerspringen.

„Deshalb ließ er auch zu, daß Iadaras Seele in der Menschenwelt wiedergeboren wurde. Dein Vater war immer in deiner Nähe.“

„Das ist nicht wahr!“ Meine Lippen waren beinahe taub. Es fiel mir unglaublich schwer mich überhaupt noch zu bewegen.

„Wie lange willst du dir noch etwas vormachen? Du weißt das es die Wahrheit ist!“ Astaroth war unerbittlich. Er ließ mir keine Chance. Wenn mir doch nur nicht so schrecklich kalt wäre…

„Nein!“ Ich weigere mich zu glauben, daß es wahr ist! Shion kann nicht mein Vater sein! Ich hätte meinen Vater immer und überall erkannt! Shion kann es nicht sein!

„Ist dieses gottverdammte Siegel etwa immer noch intakt?“ Ich antwortete ihm nicht. Irgendwo in meinem Inneren brachen Erinnerungen an die Menschen hervor, die mir immer wieder geholfen hatten. Ihre Gesichter schossen an mir vorbei wie längst vergessene Schatten.

„Wahrscheinlich weiß du es gar nicht, aber nicht nur deine Eltern haben deine Erinnerungen versiegelt. Auch Luzifer legte einen Bann über dich. Du solltest alles vergessen, was mit deinem Vater zusammenhing.“

„Warum?“ Meine Zähne schlugen klappernd aufeinander. Es fiel mir schwer zu sprechen während ich krampfhaft versuchte mich an die Gesichter der Personen zu erinnern, die mich freundlich behandelt hatten. Ihre Gesichter waren vollkommen verschwommen. Warum fällt es mir so schwer mich an sie zu erinnern?

„Hättest du erfahren, daß er deinen Vater eingesperrt hat, dann währst du irgendwann in die Hölle gekommen um ihn zu befreien. Luzifer wollte verhindern, daß es dazu kommt. Du solltest das Gesicht deines Vaters für immer vergessen. Das war das Grausamste was er Iadara antun konnte. Das seine eigene Tochter das Gesicht und den Namen ihres Vaters für alle Ewigkeit vergißt.“ Ich stöhnte auf als die Gesichter in meiner Erinnerung allmählich klarer wurden. Sie alle waren Menschen gewesen, die mir eine helfende Hand gereicht hatten, wenn ich diese am Meisten gebraucht hatte. Und sie alle hatten etwas gemeinsam. Dieselben sanften, grünen Augen. Shions Augen…

„Als das Siegel deiner Eltern brach konntest du dich lediglich daran erinnern wer deine Mutter ist. Das Gesicht deines Vaters blieb dir verborgen. Oder sollte ich mich da irren?“ Ich nickte stumm. Das ist Wahnsinn! Das ist absoluter Wahnsinn! Shion mein Vater?! Ein Sohn Luzifers? Der Boden unter meinen Füßen begann merkwürdig zu schwanken.

„Du hast geglaubt es liegt daran, daß ein Teil des Siegels nach wie vor aktiv ist?“

„Ja.“ Hinter meiner Stirn begann es schmerzhaft zu pochen.

„Luzifers Bann ist stark. Es dürfte dir ziemlich schwer fallen dich an die Menschen zu erinnern, die die Seele deines Vaters in sich trugen.“ Wäre ich nie drauf gekommen. Stammen diese Kopfschmerzen etwa von dem Versuch mich zu erinnern? Wenn das so ist sollte ich es vielleicht lieber lassen?

„Es gibt allerdings noch einen Beweis dafür, daß du Iadaras Tochter bist. Ihn konnte selbst Luzifer nicht beseitigen.“ Cee drückte sich besorgt an meine Beine als ich leicht schwankte. Die Kopfschmerzen wurden immer schlimmer.

„Du trägst ihn bei dir.“ Astaroth sah mich triumphierend an. Ein Königreich für ein Aspirin!

„Ich glaube dir nicht!“ Verzweifelt versuchte ich mich dagegen zu wehren, daß er mir möglicherweise doch die Wahrheit erzählte.

„Dein Schwert! Das Schwert, das du damals benutzt hast um mir zu entkommen. Was glaubst du warum eine derart mächtige Klinge ungenutzt in meinem Kellergewölben lag?“ Weiß nicht? Gab genug andere?

„Es ist das Gegenstück zu Nanatsusaya, einem Schwert das Gott erschaffen wurde. Luzifer schuf das Gegenstück dazu, damit sich seine Nachkommen sich gegen den Himmel zu Wehr setzen konnten. Wahrscheinlich hat er nie damit gerechnet, das Gott ihn später ausgerechnet in Nanatsusaya einsperren würde.“ Irgendwie klang es nicht so als würde Astaroth es sonderlich bedauern was Luzifer widerfahren war.

„Deine Waffe!“ Er wies auf die verdeckte Tätowierung an meinem Bein. Bitte nicht! Mir platzt gleich der Schädel!

„Der Name deines Schwertes ist Ayasustanan und es hat dich auserwählt. Nur du kannst diese Waffe führen.“ Er log nicht. Das Schwert hatte sich damals ohne mein Zutun mit mir vereinigt und mich als seinen Meister anerkannt. Es war mir auch nicht neu, daß Luzifer es als Gegenstück zu Nanatsusaya erschaffen hatte. Allerdings hatte ich mir darüber eigentlich nie weiter Gedanken gemacht.

„Niemand außer Luzifer oder einer seiner direkten Nachkommen kann dieses Schwert führen! Es folgt nur den Befehlen derjenigen, die das Blut des Höllenfürsten in sich tragen!“

„Nein!“ Ich wich einen Schritt zurück als ich das Gefühl hatte mir würde jemand mit einem Hammer auf den Schädel schlagen.

„Du bist Luzifers Enkelin!“ Er packte mich grob an beiden Armen.

„Warum sonst sollte ein Erzdämon auf dich aufpassen?“ Sein Blick war vollkommen klar und eisig.

„Ich glaube dir nicht!“ Sein Griff wurde fester. Verdammt! Warum hören diese Kopfschmerzen nicht auf?

„Es wäre besser du tätest es. Jetzt wo der Träger seiner Seele getötet wurde bricht die Hölle in sich zusammen. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die anderen Erzdämonen Luzifers kleines Versteckspiel ebenfalls durchschauen.“ Nein! Nein, ich weigere mich das zu glauben. Das kann nicht die Wahrheit sein!

„Warum hilfst du mir?“ Vielleicht ist es das, was mich zweifeln läßt. Wenn er mir wirklich die Wahrheit erzählt hat, warum hilft er mir dann immer noch? Jetzt wäre doch der beste Moment für ihn um seinen lästigen Job endgültig loszuwerden.

„Hast du schon mal versucht dich gegen Luzifer zu stellen oder dich gegen ihn aufzulehnen?“

„Äh… nein.“ Es wäre schließlich mehr als nur ungesund das zu probieren.

„Ein gut gemeinter Rat, versuch es nicht.“ Er mußte mir nicht sagen, daß er es getan hatte. Sein Gesichtsausdruck sprach Bände.

„Er mag es nicht sonderlich, wenn man sich seinen Befehlen widersetzt.“ Oh man, wie es schien hatte Astaroth bereits mehr als genug Erfahrung darin gesammelt wie man Luzifer verärgerte. Und eine sehr gründliche Lektion erhalten was mit solch dreisten Dämonen geschah.

„Er hat dir befohlen auf mich aufzupassen?“ Irgendwie kann ich es immer noch nicht glauben. Luzifer höchstpersönlich soll angeordnet haben, daß ein Erzdämon auf mich aufpaßt?

„Als wenn es nicht gereicht hat, das Iadara mir deinetwegen schon auf die Nerven ging. Nein, unser Big Boss mußte sich schließlich auch noch einmischen.“ Verächtlich sah er auf die im Eis eingeschlossene Gestalt.

„Nichts als Ärger hat man mit dir!“ Es war merkwürdig zu sehen, wie Astaroth den leblosen Körper anfunkelte. Irgendwie wurde ich das dumpfe Gefühl nicht los, das er mir immer noch nicht alles erzählt hatte.

„Als Luzifer seinen Sohn nach dessen Verrat bestraft hatte kam ich an die Reihe. Immerhin hatte ich Iadara dabei ‚geholfen’ ihn zu hintergehen. Aus diesem Grund durfte ich von da an mit einem Eiswürfel im Keller leben.“ Er schnaubte verächtlich.

„Soll das heißen du hast es von Anfang an gewußt? Du hast immer gewußt wer meine Eltern sind?“ Allmählich bekam ich mich wieder in den Griff. Die Kopfschmerzen blieben jedoch.

„Selbstverständlich! Die einzige Person, die ihr Gedächtnis verloren hat bist du.“ Danke, das ist genau das, was ich brauche. Jedes seiner Worte hatte etwas von einem Hammer auf einem Amboß. Mein Kopf drohte allmählich zu platzen.

„Du glaubst mir nicht ein einziges Wort, hmm?“ Perplex sah ich ihn an. Er war verdammt schnell, das mußte ich ihm lassen. Auch wenn ich es inzwischen in Erwägung zog, daß Astaroth mir ausnahmsweise mal die ganze Wahrheit erzählte, überzeugt hatte er mich noch nicht. Ich soll Luzifers Enkelin sein? Das kann doch einfach nur ein schlechter Scherz sein.

„Wir haben keine Zeit für die sanfte Tour.“ Ruckartig zog er mich an sich und preßte meine Hände gegen das Eis.

„Sieh genau hin!“ Ich schrie auf als sich die Kälte ihren Weg durch meine Handflächen fraß. Mit unglaublicher Geschwindigkeit schoß ein Fluß von Bildern und Emotionen durch mich hindurch, die nicht meine eigenen wahren.

Eine Woge von Zuneigung und Fürsorge durchströmte mich. Längst verschüttet Erinnerungen begannen nach und nach an der Oberfläche meines Bewußtseins aufzutauchen. Der liebevolle, warme Blick meines Vaters… seine starke Umarmung… alles, was ich solange vergessen glaubte… und sein Gesicht… das Gesicht, das mich stets warm angelächelt hatte… mit diesen sanften, grünen Augen… wie konnte ich all das nur vergessen? Zitternd löste ich mich von der Eisfläche und starrte Astaroth an.

„Es ist wahr… du hast nicht gelogen… es ist wahr…“ Ich konnte meinen Blick nicht von der Gestalt im Eis abwenden. Allmählich fügte sich das Puzzle in meinem Gedächtnis zusammen. Es war wahr. Alles was mir Astaroth erzählt hat ist wahr! Ich bin die Enkelin von Luzifer.

„Schön, daß du es auch endlich merkst.“ Der Sarkasmus in seiner Stimme war nicht zu überhören.

„Wir sollten gehen ehe es zu spät ist.“ Gehen? Wohin?

„Falls du es vergessen haben solltest, dieser irre Engel hat die Zerstörung der Hölle ausgelöst.“ Das Bild von Kiras zerfetztem Körper war beinahe sofort da. Ich konnte es einfach nicht vertreiben. Rosiel hat ihn getötet…

Alles um mich herum begann sich plötzlich zu drehen. Auch die beinahe abgeklungenen Kopfschmerzen kehrten mit unglaublicher Brutalität zurück. Und jedes Mal, wenn ich an Rosiel oder Kira dachte wurden sie schlimmer.

„Wage es ja nicht jetzt das Bewußtsein zu verlieren!“ Überrascht stellte ich fest, das Astaroth mich in seinen Armen hielt. Mein Körper war fast vollkommen taub.

„Kalt… mir ist so kalt…“ Endlich schien er zu begreifen. Mit einem Ruck hob er mich auf seine Arme und trug mich in das nächst beste Zimmer, das über so etwas wie einen Kamin verfügte. Fürsorglich befreite Astaroth mich von meinem Mantel und hüllte mich in eine warme Decke. Dankbar lächelte ich ihn an.

„Bilde dir nur nichts ein.“ Murrend ließ er sich in einem Sessel schräg gegenüber von mir fallen.

„Ich verstehe nicht warum du so empfindlich auf die Kälte reagiert hast.“ Cee drückte sich eng an mich und ich preßte meine kalten Arme gegen seinen warmen Körper. Ich konnte einfach nicht aufhören zu zittern.

„Wieso empfindlich? Für diese sibirischen Temperaturen habe ich doch verdammt lange durchgehalten.“

„Für einen Menschen ja. Aber für jemanden mit deiner Abstammung… Eigentlich hättest du die Kälte kaum spüren dürfen.“ Er sah mich nachdenklich an. Mir war egal, was ich laut meiner Gene alles können sollte. Im Moment war es nur wichtig so schnell wie möglich wieder aufzutauen. Und irgendwo zwischen dem Nachdenken über das, was Astaroth mir in den letzten Minuten alles erzählt hatte und dem leichten dahin dämmern, während mir allmählich wärmer wurde, fiel mir etwas ein.

„Uriel!“ Wenn es irgend jemanden gab, der Astaroths Geschichte bestätigen konnte, dann er.

„WAS?!" Astaroth sah mich an, als hätte ich soeben den letzten Rest meines Verstandes eingebüßt. Mühsam kämpfte ich gegen das Schwindelgefühl in meinem Kopf an und schaffte es sogar aufzustehen. Astaroth war so schnell an meiner Seite, das ich kaum gesehen hatte wie er aufgestanden war. Seine Arme legten sich schützend um meine Schultern.

„Ich muß mit Uriel sprechen." Warum ist mir das nicht schon viel früher eingefallen? Als er sich sicher sein könnte, daß ich nicht noch einmal umfallen würde löste Astaroth seinen Griff.

„Und das fällt dir jetzt ein?" Wann denn sonst? Bisher hatte noch keine Zeit gehabt in Ruhe nachzudenken. Aber nun?

„Ich will es wissen!" Außer Astaroth ist Uriel der Einzige, der weiß. wer mein Vater ist. Egal wie glaubwürdig Astaroths Geschichte auch ist. Er ist und bleibt ein Dämon. Es würde gegen seine Natur verstoßen mir einfach so die ganze Wahrheit zu erzählen. Ich bin mir ganz sicher, das er mir nach wie vor etwas verschweigt. Die Frage ist nur was?

„Bei allen Dämonen der Hölle! Hast du eigentlich die geringste Ahnung was hier gerade vor sich geht?!" Er kämpfte sichtlich damit seine Beherrschung nicht vollständig zu verlieren.

„Er weiß, wer mein Vater ist!" Und er weiß, was du mir verschweigst. Das reichte. Astaroths Gesicht verlor beinahe sämtliche Farbe.

„Spiel keine Spielchen mit mir!" Knurrte er mich drohend an. Anscheinend begriff er, daß sobald ich mit Uriel sprechen würde, sein kleines Spiel sofort beendet wäre.

„Astaroth, er weiß es. Er wollte es mir damals im Hades bereits sagen, aber ich wollte nichts davon hören. Meine Erinnerungen waren gerade erst zurück gekehrt und ich hatte mehr als genug mit ihnen zu kämpfen. Ich wollte nicht auch noch erfahren müssen was für ein Dämon mein Vater ist." Die Tatsache, das Alexiel meine Mutter ist hatte schon für genügend Probleme gesorgt. Da mußte ich nicht auch noch unbedingt wissen wer mein Vater ist. Aus irgendeinem Grund hatte ich vor diesem Wissen damals eine Heidenangst gehabt.

„Und du glaubst es ist so einfach eben in den Hades zu schneien und ihn danach zu fragen?" Astaroths Stimme troff nur so vor Hohn.

„Man sollte dich in Ketten legen! Das wäre bei Weitem das Einfachste! Die Hölle steuert auf ihren sicheren Untergang zu; das Siegel, das deine Aura vor den Dämonen verbirgt wird immer schwächer; Belial würde dich am Liebsten vernichten und dann willst du einen Dimensionstunnel in Richtung Hades öffnen?!" Sekunde! Was war das denn schon wieder?

„Belial will mich vernichten?" Nicht, das ich an den Sympathien dieses Dämons zweifeln würde, aber vernichten? Ich dachte immer Belial wollte mich nur so schnell und so weit wie möglich loswerden. Das er mich vernichten wollte war etwas vollkommen neues. Andererseits hätte ich es mir auch denken können. Wie Astaroth ist auch Belial ein Erzdämon und die neigen leider nicht dazu sich mit halben Sachen zufrieden zu geben.

„Selbstverständlich will er das! Du hast auf Luzifers Hochzeit die Aufmerksamkeit aller Erzdämonen auf dich gezogen. Es ist bisher noch nie vorgekommen, daß Luzifer an einem Geschenk derartiges Interesse gezeigt hat. Während du gesungen hast war sein Geist vollkommen ruhig. Es war das erste Mal seit Jahrtausenden, daß es in der Hölle wirklich still wurde." Er schüttelte den Kopf.

„Das war mehr als nur leichtsinnig. Jeder Erzdämon versucht seitdem herauszufinden wer oder was du bist. Glaubst du etwa ich habe dich zum Spaß zurück nach Assia geschickt? Das ist der einzige Ort gewesen an dem sie nicht sofort nach dir gesucht hätten."

„Die Erzdämonen sind hinter mir her?" Als wenn mir durchgeknallte Engel noch nicht reichen würden.

„Ja, aber aus unterschiedlichen Gründen. Am Schlimmsten von ihnen ist und bleibt jedoch Belial. Er ist richtig besessen davon dich zu finden." Astaroth sah mich strafend an.

„Wenn einer von ihnen auch nur ahnt, daß du hier bist hast du keine Chance mehr.“ Soll mich das jetzt etwa aufbauen? Allerdings bedeutet daß auch, das Astaroth mich vor den anderen Erzdämonen versteckt. Es muß ihm wirklich viel daran liegen, daß ich die Hölle mit heiler Haut verlasse. Vielleicht hat er mir ja doch die Wahrheit erzählt…

„Die Frage ist nur, wie verhindere ich das du dich selbst verrätst?“ Sein Gesicht war so dicht vor meinem, das ich seinen Atem auf meiner Wange spüren konnte.

„Wenn du das wirklich verhindern willst…“ Seine Augen funkelten amüsiert auf.

„…verbünde dich mit einem Engel und töte mich.“ Er wich von mir als hätte ich ihm soeben einen elektrischen Schlag verpaßt.

„Das kann nicht dein Ernst sein!“ Traurig lächelte ich ihn an.

„Ich werde garantiert nicht hierbleiben und tatenlos zu sehen wie die Welt der Menschen untergeht.“ Das kann ich nicht! Ich kann nicht zulassen, daß man diese Welt zerstört!

„Und ich werde dich nicht töten.“ Er funkelte mich eisig an.

„Dann sind wir uns ja einig.“ Abwesend kraulte ich Cees Fell. War es das? Ist es so einfach einen Pakt mit einem Erzdämonen zu schließen?

„Hey, Astaroth! Wo steckst du? Wir kommen noch zu spät!“ Beinahe zeitgleich schossen wir in die Höhe und sahen uns entsetzt an.

„Wer ist das?“ Suchend sah ich mich nach einem möglichen Versteck. Das Einzige, was auch nur halbwegs in Betracht kommen würde wäre der Schatten hinter Astaroths Sessel.

„Wahrscheinlich Asmodeus.“ Er klang richtig begeistert.

„Besser du versteckst dich.“ Sehr witzig! Und wo bitte schön? Dieser Raum ist dafür nicht im Geringsten geeignet! Allerdings war Astaroth mir einen Schritt voraus. Er zog an einer dünnen Vorhangschnur und brachte eine kleine Nische zum Vorschein. Dankbar schob ich mich an ihm vorbei. Cee drängelte sich ungefragt neben mich. In der kleinen Ecke wurde es dadurch zwar unheimlich eng, aber wenigstens würde uns niemand so schnell bemerken.

„Hallo Astaroth! Die Anderen warten!“ Knurrend ließ Astaroth den Vorhang wieder zufallen. Unser Versteck war nun von außen nicht mehr sichtbar.

„Ich bin hier!“ WAS?! Der ruft Asmodeus auch noch?! Ist der völlig durchgedreht?

„Na endlich! Ich dachte schon, ich müßte deinen ganzen Palast auf den Kopf stellen.“ Ich konnte die Schritte von Asmodeus auf dem schweren Teppich nur gedämpft wahrnehmen, aber er befand sich zweifelsohne bereits im Raum. Cee drückte sich enger an mich.

„Das wäre wohl kaum nötig gewesen. Ich war lediglich dabei mich umzuziehen und wollte nicht gestört werden.“ Vorsichtig linste ich durch einen kleinen Spalt des dunklen Vorhangs. Astaroth hatte sich in eine dunkelrote, beinahe schwarze Robe gehüllt. Auch Asmodeus trug etwas Ähnliches und das konnte nur bedeuten, daß etwas äußerst wichtiges vor sich ging. Die Erzdämonen haben irgend etwas vor…

„Ah ha, und das lag nicht zufällig daran, daß du Besuch von einer reizenden Dame gehabt hast?“ Lächelnd hob Asmodeus die Decke in die Astaroth mich gehüllt hatte vom Boden auf. Shit!

„Du solltest besser nicht von dir auf andere schließen.“ Astaroths Stimme hätte den Raum ohne Probleme in eine Eiswüste verwandeln können.

„Ist Belial informiert?“ Oh, Themawechsel? Das ist doch sonst nicht Astaroths Art.

„Ja, er ist bereits unterwegs. Wir treffen ihn und die Anderen am Zeremonienkreis.“ Mein Gehirn begann auf Hochtouren zu arbeiten. Zeremonienkreis? Das mächtigste Instrument der Hölle? Was um alles in der Welt haben die vor?

„Dann sollten wir uns beeilen.“ Gelassen verdeckte Astaroth seine Haare mit der Kapuze der Robe.

„Bevor wir gehen. Könntest du mir eventuell bei der Lösung eines „kleineren“ Problems behilflich sein?“

„Kommt ganz darauf an.“ Mit einem satanischen Lächeln drehte sich Astaroth um und sah genau auf unser Versteck. Scheiße!

„Wir wäre es damit?“ Mit einer lässigen Handbewegung beförderte er den Vorhang beiseite. Super! Allein mit zwei Erzdämonen! Wirklich klasse!

„Interessant. Dort hast du sie also versteckt.“

„Wie sieht es aus? Du hilfst mir sie in Sicherheit zu bringen und dafür lasse ich euch später ein paar Stunden allein?“ Sein Tonfall war ziemlich eindeutig und über Asmodeus Gesicht breitete sich ein Ausdruck absoluter Zufriedenheit.

„Abgemacht!“ Äußerst schwungvoll wurde ich aus meinem Versteck befördert und landete genau vor den Füßen der Beiden. Wie ein Blitz schoß Cee zwischen uns und begann bedrohlich zu knurren. Er war jetzt wohl und ganz Dämon, aber er hätte nicht die geringste Chance.

„Du lernst es wohl nie, oder?“ Lächelnd versetze Astaroth ihm einen Schlag. Jaulend brach Cees massige Gestalt in sich zusammen und er versuchte winselnd wieder auf die Füße zu kommen.

„CEE!“ Vorsichtig tastete ich über sein Fell und konnte das Blut unter meinen Händen spüren. Über seine gesamte linke Flanke klaffte eine tiefe Wunde.

„Ruhig! Halt still.“ Es war gar nicht so einfach ihn davon abzuhalten wieder aufzustehen während ich versuchte seine Wunde zu heilen. Er funkelte die beiden Dämonen aus tiefroten Augen an und machte es mir unglaublich schwer ihn festzuhalten.

„Sieh an, sieh an. Da hast du dir ja wirklich ein paar interessante Haustiere zugelegt.“ Asmodeus strich mit einer Hand über sein Kinn und beobachtete interessiert, wie ich versuchte Cee weiterhin am Boden zu halten. Endlich hatte er es begriffen und blieb liegen.

„Glaub mir, manchmal wünschte ich wenigstens einer der Beiden würde auf mich hören.“ Gelassen ließ Astaroth eine Peitsche in seiner Hand entstehen.

„Aber leider ist das hier, die einzige Sprache, die sie verstehen.“ Noch ehe sein Schlag Cee treffen konnte warf ich mich dazwischen. Die Peitsche wickelte sich eng um meinen rechten Arm.

„Was soll das?“ Ich schlang meine Hand um den Lederriemen und setzte ihn in Brand.

„Siehst du, was ich meine?“ Leicht verärgert ließ Astaroth die Peitsche zu Boden fallen wo sie langsam zu Asche zerfiel.

„Oh ja, ich glaube du hast an dieser kleinen Wildkatze deine helle Freude.“ Es sah nicht danach aus als würde sich Asmodeus so schnell von mir beeindrucken lassen.

„Es wäre wirklich zu schade, wenn ihr etwas geschehen würde.“ Plötzlich stand er hinter mir und legte seine Hand auf meinen Hals. Mit einem Ruck riß er den Rollkragen von meinem Kleid und verschaffte sich tiefe Einblicke.

„Wirklich, du hast einen verdammt guten Geschmack.“ Was zu viel war, war zuviel. Ich rammte meinen Ellebogen mit voller Kraft nach hinten. Leider war Asmodeus schneller. Ich hing in einem stahlharten Griff fest.

„Warum trägt sie eigentlich ein Kreuz?“ Zärtlich fuhr er über meine Haut, bis er es in den Händen hielt.

„Ach, hatte ich vergessen das zu erwähnen? Sie ist ein Halbblut.“

„Ein Halbblut hmm…“ Genüßlich sog Asmodeus den Duft meiner Haare ein.

„Für so ein kleines Kätzchen hat sie ganz schön scharfe Krallen. Aber ich glaube ich habe genau den passenden Käfig.“

„Stell sicher, daß sie sich nicht vom Fleck bewegen kann, dann überlasse ich sie dir für die nächste Nacht.“ Belustigt funkelte Astaroth mich an. Ich biß mir auf die Zunge um ihm nicht noch die Genugtuung zu geben sich über sämtliche meiner Verwünschungen lustig zu machen. Er hatte mich eiskalt reingelegt. Das hier ist der Haken nach dem ich schon die ganze Zeit gesucht hatte. Er hat mir nur verraten wer mein Vater ist damit ich ihm nicht länger mißtraue und ich Volltrottel voll drauf reingefallen. Er hat nie vorgehabt mir zu helfen.

„Warum so großzügig?“

„Nun, vielleicht weil sie diese Lektion besser verstehen wird als die Peitsche?“ Asmodeus brach in schallendes Gelächter aus und sein Griff lockerte ein klein wenig. Ich nutzte die Chance, die sich mir bot und befreite mich von ihm. Es gelang mir genügend Abstand zwischen uns zu bringen bis die beiden Dämonen sich einig wurden, daß ich ganz dringend eine Lektion in gutem Benehmen brauchte.

„Bleibt wo ihr seid!“

„Niedlich. Wirklich niedlich.“ Selbstzufrieden sah Astaroth Asmodeus an.

„Ich denke ich überlasse sie dir für eine Woche. Sie verdient eine Lektion.“ Knurrend wich einen Schritt zurück als sich Asmodeus lässig in Bewegung setzte. Dafür, daß er es vorhin so eilig hatte ließ er sich jetzt verdammt viel Zeit.

„Keine Sorge mein Kätzchen, ich habe nicht vor dich zu verletzen.“ Wer’s glaubt. Bevor er noch näher an mich herankommen konnte hielt ich ihm mein Schwert entgegen.

„Bleib stehen!“

„Interessant.“ Lächelnd sah Asmodeus erst mein Schwert und dann Astaroth an.

„Ein Halbblut mit dieser Abstammung. Deshalb bist du also so großzügig.“ Nickend gab Astaroth ihm zu verstehen, daß er mit seiner Vermutung recht hatte.

„In diesem Fall…“ Es ging so schnell, das ich nicht die geringste Chance zum Reagieren hatte. Ein dunkler Schatten hüllte mich komplett ein und als er endlich verschwand fand ich mich gute zwei Meter über dem Boden wieder. Das Schlimmste daran war allerdings, das ich in einer Art übergroßer Schneekugel steckte, die sich auch mit noch so viel Mühe nicht zertrümmern ließ. Außerdem trug ich bahnenweise rote Stoffbahnen, die nur minimal das verhüllten, was sie eigentlich sollten.

„Das sollte ausreichen.“ Zwinkernd sah Asmodeus zu mir hoch.

„Du brauchst es gar nicht erst zu versuchen. Dieser Bann läßt sich nicht von Innen zerstören.“

„Ich wußte, du würdest eine Lösung für dieses Problem finden.“ Zufrieden stellte sich Astaroth neben ihn und sah mich triumphierend an. Sein Blick sprach Bände. Endlich gefangen!

„Laßt mich hier raus!“ Wütend hämmerte ich gegen den harten Kristall.

„Aber sicher. Sobald wir zurück sind.“ Mit einem Fingerschnippen sorgte Astaroth dafür, daß sich mein Gefängnis in Bewegung setzte während Asmodeus dasselbe mit Cee tat, der nach wie vor am Boden lag. Er versuchte zwar sich gegen den Erzdämon zu behaupten, aber er wußte auch, daß es so gut wie keinen Zweck hatte. Die Beiden brachten uns zurück in den Raum, der ausschließlich aus Eis bestand.

„Ich denke hier sind sie am Besten aufgehoben.“ Zufrieden betrachtete Astaroth sein Werk.

„Ja, aber wir sollten und langsam beeilen sonst reißt Belial uns den Kopf ab.“ Oh bitte! Da wäre ich zu gerne dabei.

„Bis nachher kleine Wildkatze!“ Ich zischte Asmodeus einen Fluch zu, der selbst einen Erzdämon sprachlos machte. Wenn auch nicht für lange. Grinsend schloß er die großen Flügeltüren hinter sich und Astaroth. Frustriert weil ich so dämlich gewesen war einem Dämon zu vertrauen versuchte ich noch eine ganze Weile mein Gefängnis zu zertrümmern.

Aber Asmodeus behielt recht. Von Innen ließ sich dieses Ding durch rein gar nichts erschüttern. Das einzig Positive war, das hier irgendwo eine Heizung eingebaut sein mußte. Trotz des Eises um mich herum und der doch recht knappen Bekleidung war mir nicht mehr länger kalt. Was man von Cee leider nicht behaupten konnte. Er lag beinahe vollkommen unbeweglich auf dem Boden und in seinem Fell begann sich weißer Raufreif abzusetzen. Wenn er sich nicht bald bewegte würde er noch erfrieren.

„Cee! Hey, Cee! Komm schon steh auf Kleiner!“ Seine Ohren bewegten sich als er meine Stimme hörte.

„Ich weiß du hast Schmerzen, aber du mußt aufstehen.“ Winselnd hob er seinen Kopf an und sah mich durchdringend an.

„Du schaffst es! Ich weiß, das du es schaffst!“ Mit einem bedrohlichen Knurren spannte er seine Muskeln an und schaffte es nach wenigen Anläufen wieder aufrecht zu stehen. Erleichtert ließ ich mich ein kleines Stück zurück sinken.

„Siehst du? Ich wußte du kannst es.“ Er schüttelte sich kurz bevor er auf mein Gefängnis zuschoß. Unentschlossen umkreiste er die Kugel und stupste sie hier und da an. Und dann warf er sich plötzlich ohne jede Vorwarnung dagegen. Die Kugel prallte mit voller Wucht an die Wand und hatte nicht den geringsten Kratzer. Ich war vollkommen durchgeschüttelt und heilfroh, das Cee die Kugel kurz bevor sie auf den Boden treffen konnte mit seinem Rücken auffing. Ansonsten wäre ich erneut äußerst unsanft gelandet. Dankbar lächelte ich ihn an und versuchte einen anderen Weg zu finden meinem Gefängnis zu entkommen.

„Deine Wunde ist ja wieder aufgebrochen.“ Verblüfft starrte ich das Blut auf der Kugel und Cee an. Sanft schob er seine Schnauze unter die Kugel und schubst sie ein kleines Stückchen in die Höhe. Das war seine Art mir zu sagen, daß ich mir keine Sorgen machen sollte.

„So nicht mein Freund.“ Strafend sah ich ihn an. Vorsichtig kam er auf die Kugel zu und drückte seine verletzte Flanke gegen ihre Außenseite. Astaroth hatte ihn wirklich gut getroffen. Nur ein paar Zentimeter tiefer und die Wunde wäre tödlich gewesen. Ich hoffte nur, daß meine Kräfte auch durch den Kristall wirkten. Zu meiner Überraschung taten sie es. Die Wunde begann problemlos unter meinen Händen zu verheilen obwohl sich eine dicke Schicht magischen Kristalls zwischen ihr und mir befand. Als sie sich ganz geschlossen hatte schwief mein Blick zu Iadaras lebloser Gestalt im Eis über mir.

„Es tut mir leid. Astaroth mag mir vielleicht die Wahrheit erzählt haben…“ Fest sah ich das Gesicht, das ich schon seit Jahren kannte an. Die Ähnlichkeit mit Shion ist wirklich beängstigend.

„…aber ich glaube ihm nicht, daß du mein Vater bist.“ Nachdem was vorhin geschehen war konnte ich Astaroth rein gar nichts mehr glauben. Wenn ich wissen will wer mein Vater ist, dann muß entweder Uriel nach ihm fragen oder mich selbst erinnern. Leider ist keines von Beiden in der nächsten Zeit möglich.

„Ich hoffe du verstehst das.“ Die Gestalt vor mir blieb stumm. Ganz im Gegensatz zum Rest des Raumes. Plötzlich erzitterte er in seinen Grundfesten und um uns herum brach das Chaos aus. Cee schoß auf mich und versuchte mich und die Kugel in der ich steckte so gut es ging vor den wilden magischen Strömungen und den Gesteinsbrocken, die durch den Raum peitschten zu schützen. Ich rollte mich eng in mich zusammen und erzeugten einen Bannkreis, der uns beide schützen sollte. Kurz darauf fanden wir uns auch schon im puren Chaos. Die gesamte Hölle schien in sich zusammenzubrechen und ich hatte alle Mühe den Schutzkreis aufrecht zu erhalten.

Cees Krallen kratzten über mein Gefängnis als er sich immer fester daran klammerte um nicht von mir getrennt zu werden. Mir blieb keine Zeit mich um ihn zu kümmern ich mußte den Bann aufrecht erhalten, der immer wieder erschüttert wurde.

Irgendwann verlor in dem ganzen Chaos das Bewußtsein. Als ich wieder zu mir kam fand ich mich in einer Sandwüste wieder. Um mich herum lagen Hunderte von Scherben in denen sich das Licht der Sonne spiegelte. Mein Kopf stand nach wie vor kurz davor zu explodieren.

Mühsam kämpfte ich mich auf die Beine und wünschte Astaroth, die Engel und alles, was mir sonst noch einfiel zum Teufel. Was in aller Welt haben sie getan?

Alles war im totalen Chaos versunken und das konnte nur eins bedeuten. Sie haben die Säulen, die die Schalen des Himmels und der Hölle stützten eingerissen. Damit hatten sie ihre letzte Möglichkeit sich selbst zu retten ausgespielt. Zerstöre deinen Feind und rette dich selbst. Ganz und gar das Verhalten eines Dämons. Wie konnte ich nur so dermaßen naiv sein? Wie konnte ich Astaroth auch nur eine einzige Sekunde lang glauben?

Mit jedem Schritt, den ich machte bohrten sich die Splitter meines Kristallgefängnisses in meine Füße. Der Schmerz befreite meinen Kopf nach und nach. Irgendwo in dem Wirrwarr, das dort herrschte schienen sich die wichtigsten Dinge plötzlich von ganz allein zu finden.

Astaroth mochte mich zwar verraten haben, aber er hatte mir auch gesagt wer mein Vater ist oder vielmehr war. Doch war das die Wahrheit? Ist dieser Dämon im Eis wirklich mein Vater?

Suchend drehte ich mich um obwohl ich genau wußte, das die Antwort, die ich suchte niemals so einfach zu finden sein würde. Die Welt um mich herum bestand nur noch aus Sand und zerstörten Gebäuden, die wie Grabsteine aus dem weichen Boden ragten. War das hier noch die Hölle oder bereits der Himmel?

Die Astraleben hatten sich komplett verschoben. Ich hatte nicht die geringste Ahnung wo ich mich befand. Und ich war allein…

„Cee?“ Vorsichtig setzte ich meinen Weg über den mit Scherben bedeckten Boden fort. Er ist so dicht bei mir gewesen. Er muß einfach irgendwo sein.

„CEE?“ Die Wunden an meinen Füßen hinterließen eine blutige Spur im Sand. Wo ist er?

Hinter einer Düne fand ich schließlich seine bewegungslose, dunkle Gestalt. Es war beinahe so wie bei unserer ersten Begegnung. Sein Körper war übersäht mit Wunden und er schnappte keuchend nach Luft. Seine Lungen rasselten.

„Cee!“ Ohne Rücksicht auf meine eigenen Verletzungen rutschte ich zu ihm herunter. Vorsichtig strich ich über seinen Kopf.

„Hallo mein Großer.“ Winselnd leckte er über meine Hand.

„Warte einen Moment.“ Ich rutschte neben ihn und tastete über sein Fell. Die Wunden waren allesamt nicht lebensbedrohlich. Wenigstens nicht für einen Dämon seines Kalibers. Dennoch mußten sie unendlich schmerzhaft sein.

„Nur keine Sorge, das haben wir gleich.“ Er funkelte mich aus seinen rubinroten Augen belustigt an und schubst mich dann schwungvoll zur Seite. Mit einem schmerzvollen Knurren kämpfte er sich auf die Beine und schüttelte sein langes schwarzes Fell.

„Warte! Cee, was hast du vor?“ Das Rot seiner Augen blendete mich fast als er entschlossen auf mich zu kam. So hatte ich ihn bisher noch nie erlebt. Irgend etwas hatte ihn verändert…

 „Nicht! … Nein, nicht!... Das kitzelt!...“ Verzweifelt versuchte ich ihn davon abzuhalten mit seiner Zunge noch weiter über meine Fußsohlen zu lecken.

„Schon gut! Schon gut! Ich habe verstanden!“ Lachend drängte ich seine Schnauze zur Seite.

„Erst die eigenen Wunden versorgen, dann die der Anderen.“ Schwanzweldend legte er sich vor mich und wartete ab. Kopfschüttelnd heilte ich meine Wunde und stürzte mich dann auf ihn.

„Und jetzt bist du dran!“ Er versuchte sich spielerisch zu wehren, gab aber schnell auf. Wir wußten beide, das es besser wäre von jetzt an gut auf uns aufzupassen. Die Zerstörung der Säulen hatte alles verändert. Es würde nicht mehr länger leicht sein sich unauffällig in die Himmel zu schleichen. Die unteren Schalen würden von Dämonen nahezu überschwemmt und jeder nur verfügbare Engel würde unterwegs sein um diese zu eliminieren. Das würde ein verdammt hartes Stücke Arbeit werden.

In den Hades konnte ich auch nicht gehen. Dort würde es drunter und drüber gehen. Bis ich Uriel gefunden hätte wäre viel zu viel kostbare Zeit verloren gegangen. Auch Setsuna und die Anderen würden nur noch schwer zu finden sein. Die Frage war, was nun?

„Was meinst du?“ Er stupste mich leicht an und stand auf. Sein schwarzes Fell glänzte im Licht der untergehenden Sonne und sein Blick war auf den Horizont gerichtete, der sich allmählich violett verfärbte.

„Also wie immer?“ Seufzend erhob ich mich ebenfalls und strich über sein Fell. Der warme Körper darunter pulsierte voll Leben.

„Einen Schritt nach dem anderen…“ Er setzte sich langsam in Bewegung und ich krallte meine Hand in sein Fell.

„…egal, wohin uns der Weg auch führt…“ Meine Füße hoben sich fast von allein und hielten mit ihm Schritt. Die Sonne war beinahe endgültig hinter dem Horizont verschwunden und tauchte die Welt um uns herum in ein Meer aus dunklem Gold und Violett.

„…oder die Dunkelheit uns verschlingt…“

 

05-07-17

 

Next: Part 32 – Interview?

 

 



Und jetzt, Hand aufs Herz. Wer von euch hätte damit gerechnet, daß ausgerechnet Shion der Vater von Shao ist? Noch dazu ist Shion der erste Sohn Luzifers! Für ein Bandmitglied von White demon feather ist das ein ganz schöner Werdegang, oder nicht?

Und um ehrlich zu sein sollte Astaroth in diesem Kapitel eigentlich eine etwas andere Rolle spielen. Vor allem sollte er Shao eigentlich vor Asmodeus beschützen und sich nicht mit diesem verbünden….

ARGH! Das war alles ganz anders geplant, aber ich mußte ja unbedingt >Blut und Seele< (Weiß Kreuz FF) zu Ende lesen! Das war ja ein solcher Fehler!

Nach dem Ende dieser Story, das meiner Meinung nach nicht wirklich vorhanden ist, lief hier so einiges aus dem Ruder.  Ehrlich, da kämpft man sich durch dutzende von Kapiteln, endlich wird es richtig, richtig spannend und dann DAS!

ARGH!

Das war kein Ende, das war eine Zumutung!

Ja, ja wie man merkt hat mich >Blut und Seele< ein „klein“ wenig aufgeregt und leider hat sich das so ausgewirkt, das ich jetzt ein riesen Problem mit Astaroth habe. Warum muß der Typ denn auch nur so eigensinnig sein?! Jetzt muß ich mir für ihn schon wieder was Neues ausdenken. Verdammt! Der macht es einem wirklich nicht leicht. Immer hüpft er aus der Reihe.

Aber nur keine Sorge, das schaffe ich auch noch. Das wäre ja noch schöner, wenn mir so ein kleiner Erzdämon einfach so auf der Nase herumtanzt.

Ach ja, und Love of… wird auf jeden Fall ein richtiges Ende haben. Ein Ende, das diese Bezeichnung auch verdient. *fest entschlossen*

Hey, ist es euch eigentlich schon aufgefallen, daß ich diesen Monat unheimlich fleißig war, was das Schreiben angeht? Eigentlich sollte dank des langen Urlaubs ja bereits Streß ausgebrochen sein, aber irgendwie hält sich das alles noch in Grenzen. (Zum Glück ^.^)

Oh, und bevor ich es vergesse am 15.09.2005 erscheint die zweite Ausgabe von >Kurenai no Tenshi<, dem Fanzine an dem ich mitarbeite. Dieses Mal ist das Hauptthema Anatolia Story uns Yami no purple eye.

Mehr Infos so wie die Cover etc. findet ihr unter folgenden Links:

http://kurenai-no-tenshi.de.tl/bisherige-Ausgaben.htm

Jetzt aber genug von der Werbung. Ich hoffe euch allen hat dieses Kapitel gefallen. Das nächste folgt dann nach meinem Urlaub.

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 Erläuterungen:

Ananta
Im Indien des Altertums galt die Sage, daß die Welt von einem elfköpfigen Schlangenwesen mit Namen Ananta, die Endlose gestützt werde. Ananta diente Wischnu, dem Herrn des Universums. Ihren langgestreckten Rücken bot sie dem Gott als Ruhebett dar, wenn dieser zu schlafen wünschte.


Im Endeffekt hat Astaroth Shao also sogar unheimlich viel Ehre erwiesen als er sie auf Anantas Rücken schlafen ließ ^.^

 

UPDATE Kurenai no Tenshi
 

ab sofort erhältlich

Volume 13

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Teilnahme an folgenden
CONVENTIONS:

Dokomi
30.04. - 01.05.2016
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Moon Shadows
Chapter 14
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Secrets
wird fortgesetzt
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Love of an angel
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