Part 32

01-03-13

Love of an angel

         Part 32

 

Interview?

 

So nervös wie an diesem Tag bin ich in meinem gesamten Leben noch nicht gewesen. Endlich hatte ich die Chance erhalten allen zu beweisen wie gut ich in meinem Job tatsächlich war. Bisher hatte ich mich immer wieder mit diversen Gelegenheitsjobs und den miesesten alle Aufträge herumschlagen müssen. Aber wenn dieser Tag gut lief, dann wäre es damit spätestens morgen ein für alle Mal vorbei.

Ich schwelgte in ungetrübter Vorfreude, denn das hier sollte das Interview meines Lebens werden! Noch keiner hatte es bisher geschafft so weit zu kommen! Jeder Reporter in ganz Tokyo - ach was, der ganzen Welt - würde sonst etwas darum geben, um in diesem Augenblick hier an meiner Stelle zu stehen. Und zwar genau hier!

Vor dem Gebäude einer der erfolgreichsten Plattenfirmen und Musikproduzenten der letzten Jahrzehnte. Einzig und allein um eine Band zu interviewen, die in letzter Zeit immer wieder für Furore gesorgt hat.

Es waren Newcomer, absolut neu im Geschäft und dennoch stürmten ihre Singels und Alben fast augenblicklich nach Erscheinung die weltweiten Charts. Es war schon beinahe unheimlich mit welcher Geschwindigkeit sich diese Band an die Spitze kapituliert hatte. Fast so, als hätte man nur darauf gewartet, das sie auf der Bildfläche der internationalen Musikszene erschien.

Doch trotz ihres immensen Erfolges weigerte sich die Band hartnäckig längere Interviews zu geben oder Fragen im Bezug auf ihre Gründung zu beantworten. Was für viele Newcomer ein sicheres Todesurteil gewesen wäre erzeugte hier das krasse Gegenteil. Ihr beharrliches Schweigen machte sie nur noch interessanter für das Publikum. Eine Band mit einem derartigen Erfolg, über die außer der Art ihrer Musik und ihrer Live-Auftritte kaum etwas bekannt war regte die Fantasie der Fans unglaublich an. Schon nach kürzester Zeit hatte jedes einzelne Bandmitglied einen Fanclub, der seinen Namen trug. Es war wirklich beängstigend wie schnell die einzelnen Bandmitglieder zu Idolen geworden waren.

Und endlich, endlich hatte sich diese Band auf ein ausführliches Interview eingelassen, das ich - ein Reporter, der jeden Tag darum kämpfte nicht in die endgültige Armut abzurutschen - führen sollte. Das würde mich die Erfolgsleiter ohne Probleme nach oben erklimmen lassen! Ja! Das war es, was ich mir immer gewünscht hatte! Mit einem Schlag ganz oben zu sein! Dieses Interview war die Chance, auf die ich in den letzten fünf Jahren so verzweifelt gewartet hatte.

Doch anstatt die Gelegenheit mich zu beweisen endlich beim Schopf zu packen, stand ich nun schon seit über zehn Minuten mit zitternden Knien vor einem gigantischen Hochhaus und machte mir vor lauter Nervosität fast in die Hose. Was absolut nichts machte, da ich ohnehin eine halbe Stunde zu früh dran war. Ich wollte auf jeden Fall pünktlich sein. Allerdings beschlich mich langsam aber sicher das dumpfe Gefühl, das die drei Tassen Kaffee zum Mittag doch keine so sonderlich gute Idee gewesen waren. Das viele Koffein steigerte meine Nervosität nur noch weiter. Verdammt! Warum bin ich bloß so verdammt unsicher? Ich bin es doch gewöhnt Musiker zu interviewen und ich bin gut darin. Bisher hatte ich es noch mit allem aufnehmen können und habe nie auch nur einen einzigen Abgabetermin verpaßt.

Aber dieses Band war ein völlig anderes Kaliber. Nicht ohne Grund galt sie als besonders feindselig, wenn es um Reporter ging. Nun ja, sie werden mich schon nicht gleich fressen. Also, vor was habe ich eigentlich Angst?

Da mir weitere zehn Minuten Herumstehen auch nicht die nötigen Erkenntnisse einbrachten entschloß ich mich die Höhle des Löwen betreten. Augen zu und durch! Komm schon, du hast schon Schlimmers überstanden!

Kaum hatte ich die kunstvoll verzierte Glastür und das dazugehörige Mosaik aus farbigem Glas an den Wänden hinter mir gelassen verschlug es mir auch schon den Atem. Mitten in der riesigen Lobby thronte ein Springbrunnen, den man viel eher in Venedig oder Rom vermutet hätte, als in einem supermodernen Hochhaus, das in einer der größten Städte der Welt stand. Die gesamte Lobby war das perfekte Abbild eines mediterranen Traumes und der leicht rostfarbene Marmor, der beinahe jeden Zentimeter der meterhohen Wände bedeckte, fügte sich ohne Probleme darin ein.

Das Bild, das sich einem hier bot vermittelte den Eindruck als wäre eine mediterrane Terrasse direkt nach Tokyo verlegt worden. Wo man auch hin sah wurde man sofort an die südlichen Länder oder Tropen erinnert. Bei all den Pflanzen, die sich geschmackvoll um Säulen und in Kübeln rund um den Brunnen verteilten hätte es mich noch nicht einmal gewundert, wenn plötzlich ein Papagei oder ähnliches aufgetaucht wäre. Es sah alles viel zu sehr nach einer Oase als nach einem Hochhaus aus und es entsprach so gar nicht dem, was ich erwartet hatte. Es war unglaublich beeindruckend und ich warf das gesamte Bild, das ich bisher von dieser Firma hatte komplett über den Haufen.

Von außen wirkte das Gebäude beinahe steril und war über und über mit Glas verkleidet. Durch das man komischerweise nicht das Geringste aus dem inneren Bereich sehen konnte. Höchstwahrscheinlich eine ultrateuere Sonderanfertigung aus Spiegelglas von der ich lieber nicht wissen wollte, was sie gekostet hatte. Ich hatte fest damit gerechnet, daß sich dieser gerade, kühle Stil auch im Inneren fortsetzen würde. Immerhin handelte es sich hier um das Firmengebäude eines der erfolgreichsten Musikproduzenten weltweit.

Es war das neuste der insgesamt zwölf Gebäude der Tensei Corporation und der Hauptsitz ihrer unzähligen Plattenfirmen. Hier liefen sämtliche Drähte der TC-Musikindustrie zusammen. Momentan befanden sich weit über fünfzig Bands und ebenso viele Solokünstler bei TC-Music unter Vertrag und Hunderte standen nach wie vor in der Warteschleife, um endlich ihr Debüt geben zu können. Doch die Auswahl Kriterien waren hart und die Ansprüche äußerst hoch. Die meisten Künstler gaben bereits nach halber Strecke auf. Aber die, die durchhielten konnten mit einer Wahnsinnskarriere rechnen.

Doch noch kein anderer Künstler hatte geschafft, was die letzte TC-Music Entdeckung vollbracht hatte. Quasi über Nacht war eine vollkommen unbekannte Band scheinbar aus dem Nichts an die Spitze der weltweiten Charts gestürmt und ihr Erfolg ließ sich durch nichts und niemanden bremsen. Selbst, die chronische Abneigung was Interviews anging konnte ihren kometenhaften Aufstieg nicht bremsen. Was auch immer mit dieser Band zu tun hatte wurde zu Gold oder Platin. Ein gefundenes Fressen für sämtliche Medienkonzerne und Schundblätter und dennoch waren die Verträge von TC-Music in diesem Fall so locker wie niemals zuvor. Die Firma hatte kaum ein Mitspracherecht, was die Songs oder die Bühnenshows anging. Sie war lediglich der Geldgeber für einen phänemonalen Start gewesen, der sich jetzt an den Früchten seiner einmaligen Investition sattessen konnte.

Keiner wußte, wie genau es der Band gelungen war an einen solchen Vertrag zu kommen, aber für alle Beteiligten erwies er sich als absoluter Glücksgriff. Seit ihrem Debüt machten sie bereits mehr als die Hälfte des Umsatzes von TC-Music aus. Etwas, das es - wie den Vertrag - in der Geschichte der Firma bis dato noch nicht gegeben hatte und wohl auch nie mehr geben wird. Den Managern wurde plötzlich klar wie abhängig sie von ihren Newcomern geworden waren. Ganz abgesehen davon, das inzwischen jedes einzelne Bandmitglied über ein solches Barvermögen verfügte, das sie sich ohne Probleme einfach die Mehrheit der Firma hätten kaufen können.

„Bleib sofort stehen!“ Die laute Stimme und hastige Schritte, die auf mich zukamen rissen mich aus meinen Gedanken und ein kurzer Blick auf die Uhr jagte mir Schauer über den Rücken. Nur noch zehn Minuten! Und ich hatte nicht die geringste Ahnung wo ich in diesem Riesenbau überhaupt hin mußte. Ich konnte es mir nicht leisten zu diesem Termin zu spät zu kommen. Wohl oder übel mußte ich mich zusammenreißen. Egal, wie sehr mich dieses Gebäude auch beeindruckt. Ich habe keine Zeit dafür. Später kann ich mir ja noch einmal alles in Ruhe ansehen. Das heißt sofern dieses Treffen gut verläuft…

Zu meinem Glück wußte die Dame am Empfang ganz genau bescheid und ich machte mich mit Feuereifer daran eine der geschwungenen Marmortreppen zu erklimmen. Der Aufzug war selbstverständlich gerade kaputt und es waren ja nur fünf Stockwerke.

„Du kannst mich mal!“ Wer auch immer in diesen Wortwechsel verwickelt war kam genau in meine Richtung und es sah nicht so aus als würde diese Person mich bemerken. Seufzend wich ich ein kleines Stück zur Seite um nicht direkt über den Haufen gerannt zu werden. Auch wenn ich noch niemanden sehen konnte, die Stimmen der Beiden waren bereits in der ganzen Lobby kristallklar zu verstehen.

„Warte gefälligst! Es war deine Idee!“ Ohne sich weiter darum zu kümmern, daß man sie rief stürmte eine zweifelsohne weibliche Gestalt auf mich zu. Noch während sie ihren Hintermann zum Teufel wünschte stülpte sie sich einen schwarzen Motorradhelm über, der sie und den schwarzen Lederoverall den sie trug zu einer perfekten Einheit verschmelzen ließ. Diese eher beiläufige Bewegung hatte allerdings nur verdeutlicht wie eng der Overall an ihrem Körper anlag. Diese Figur ist verboten!

Der Lederoverall schmiegte sich so eng an ihren Körper, daß man jede noch so kleine Kurve ihres Körpers erkennen konnte und die würden jeden Mann um den Verstand bringen. Ich konnte nicht anders als anzustarren. Wer auch immer das war, diese Frau strahlte ein dermaßenes Selbstbewußtsein aus, das es einen automatisch dazu bewegte ihr aus dem Weg zu gehen.

„Und wenn schon!“ Mit einem Blick, der mit Leichtigkeit jedes Lebewesen auf diesem Planeten in eine Eissäule verwandelt hätte, funkelte sie ihren Verfolger durch den Helm an. Dieser entpuppte sich als Mann mittleren Alters, der in einem dunklen Armani steckte. Er schien von diesem Blick nicht im Geringsten beeindruckt zu sein.

„Du bleibst hier!“ Oh ha, das duldet keinerlei Widerspruch.

„Ach ja?“ Das Funkeln, das daraufhin in ihre Augen trat jagte Eis durch meine Adern. Sogar der Armani wich einen kleinen Schritt zurück.

„Und wie willst du mich aufhalten?“ Mit einer lockeren Handbewegung klappte sie das Visier ihres Helmes runter und würdigte weder ihren Verfolger noch mich eines weiteren Blickes. Statttdessen stürmte sie auf Glastür zu, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, das jeder um sie herum ihr sofort Platz machte. Seltsamerweise taten das auch alle.

„Warte!“ Ohne sich umzudrehen hob sie ihre rechte Hand und ließ ihren Verfolger wissen, was er sie mal konnte. Ich starrte ihr immer noch nach, als sich die Glastür des Eingangsbereiches schon längst wieder geschlossen hatte. Wer um alles in der Welt war das?

„Es ist doch jedes Mal dasselbe!“ Verblüfft stellte ich fest, daß der Armani inzwischen fast neben mir stand und fluchend sein Handy gezückt hatte. Anscheinend lief bei TC-Music auch nicht immer alles wie geplant. Irgendwie erleichterte mich das.

„Ich bin’s.“ Sein Gesprächspartner schien bereits zu wissen, um wen es sich, denn er brauchte seinen Namen nicht zu nennen.

„Ja, sie hat es schon wieder getan.“ Ah ha, scheinbar passierte das öfter. Vielleicht war sie irgendein so Popsternchen, das mal wieder seine Starallüren ausleben mußte. Ich beneidete den Armani nicht sonderlich um seinen Job. Es muß ganz schön schwer sein sich tagaus, tagein mit so etwas herumzuschlagen.

„Wie?“ Der Armani wirkte sichtlich überrascht und er hörte seinem Gesprächspartner aufmerksam zu während er immer wieder nickte und hier und da ein zustimmendes ‚Hmm’ brummte.

„Ja, kein Problem. Bis später.“ Gelassen klappte er sein Handy zusammen und starrte mich vollkommen verwundert an. Anscheinend war ich ihm bisher gar nicht aufgefallen. Kein Wunder.

„Darf ich fragen, was sie hierher führt?“ Er machte nicht gerade den Eindruck als würde er sich über meine Anwesenheit freuen und obwohl ich mir festvorgenommen hatte nicht mehr länger nervös zu sein wurde mir unter seinem durchdringenden Blick reiflich mulmig. Egal wer er war, er gehörte zu TC-Music und wenn ich diesen Auftrag haben wollte, dann durfte ich mir absolut keinen Fehltritt leisten.

„Ich… ich…“ Seine Laune schien sich nicht im Geringsten zu bessern. Kein Wunder, wenn mir gerade eines meiner Popsternchen vor der Nase weggelaufen wäre hätte ich wohl auch schlechte Laune. Noch dazu, wenn ein Wildfremder diese unschöne Szene beobachtet hat. Mühsam riß ich mich zusammen und brachte den Satz ohne stammeln zu Ende.

„Ähm… ich bin Reporter. Ich soll hier heute ein Interview führen.“ Mit leicht zitternden Händen überreichte ich ihm meine Visitenkarte, die er eingehend musterte. Seinen forschender Blick lag prüfend auf mir. Ich entsprach anscheinend so gar nicht dem Bild, das er von einem Reporter hatte. Wie sollte es auch anders sein?

Abgetragene Hemden und ausgewaschene Jeans mit einer nicht unbeachtlichen Anzahl Löcher tragen wohl kaum dazu bei mir einen Ausdruck von Seriosität zu verleihen. Aber für mehr reichte mein Gehalt eben nicht. Wenigstens nicht solange ich auch noch von irgend etwas leben oder meine Wohnung bezahlen wollte. Anzüge waren und sind einfach zu teuer.

„Und zu welchem unserer Künstler wollen sie?“ Wenn ich etwas haßte, dann war es die Art und Weise wie solche eingebildeten Typen mit mir umsprangen. Sicher, mein Äußeres macht nicht gerade den besten Eindruck, aber er könnte sich zumindest um eine Spur von Höflichkeit bemühen. Sein gesamtes Verhalten zeigte viel zu deutlich, wie lästig ich ihm war und sein hochnäsiges Getue tat ein Übriges dazu. Ich kam mir vor wie ein unbedeutendes Sandkorn, das im direkten Vergleich mit einen hochpolierten Edelstein nur verlieren konnte.

„Eigentlich handelt es sich um eine Band.“ Der soll sich nur nicht einbilden, daß ich mich von ihm einschüchtern lasse. Immerhin war das hier ein offizieller Termin und wenn mich dieser Lackaffe noch länger aufhielt würde ich unter Garantie noch zu spät kommen.

„Eine Band? Aber für heute sind doch gar keine Interviews angesetzt. Außer…“ Ein rascher Blick auf meine Visitenkarte schien seine Vermutung zu bestätigen. Jedenfalls war ihm deutlich anzumerken, das ihm etwas eingefallen war und das schien ihm nicht sonderlich zu gefallen.

„SIE sollen White demon feather interviewen?!“ Die gesamte arrogante Fassade zerbröckelte mit dieser Erkenntnis und brachte einen Gesichtausdruck absoluter Fassungslosigkeit zum Vorschein. Das war genug um ein zufriedenes Lächeln in mein Gesicht zu zaubern.

„Ganz recht. Haben sie etwas dagegen?“ Ob es dir nun paßt oder nicht, dieser arme Reporter vor dir wird heute das Interview seines Lebens führen und daran wird auch ein Armani wie du nichts ändern.

„Nein, nein verstehen sie mich bitte nicht falsch. Ich bin lediglich überrascht, das sie so jung sind.“ Wie bitte? Jung?! Was bildete sich dieser Kerl ein?! Ich bin fünfundzwanzig!

„Merkwürdig, sie wurden ausdrücklich angefordert…“ In Gedanken versunken betrachtete er noch einmal ausführlich meine Visitenkarte.

„Wußten sie es etwa?“ Oh man, was für ein Lackaffe! Hoffentlich hält er mich nicht noch länger auf. Seufzend sah er mich schließlich wieder an und fast meinte ich in seinen Augen so etwas wie Mitleid erkennen zu können. Nur warum sollte ein Armani Mitleid mit mir haben?

„Nun denn, ihr Termin ist um halb zwei so weit ich weiß. Das wird etwas knapp werden, aber wenn wir uns beeilen schaffen wir es gerade noch. Kommen sie?“

„Moment! Woher wissen sie das alles? Und wer sind sie überhaupt?“ Ich hatte nicht vor diesem eingebildeten Fatzken auch nur einen einzigen Schritt hinterher zu rennen. Auf seine Hilfe war ich bestimmt nicht angewiesen.

„Oh, stimmt. Wie unhöflich, ich habe mich ihnen gar nicht vorgestellt.“ Einsicht ist der erste Weg zur Besserung.

„Mein Name ist Mike Aruyama und ich bin der Manager von White demon feather.“ Nur ein angeborener Reflex verhinderte, daß mein Kinn in diesem Moment zu Boden fiel. Ich starrte mein Gegenüber fassungslos an.

„SIE sind der berühmte Aruyama?! DER Aruyama mit dem besten Riecher in der gesamten Szene?“ Das war zu viel! Da stand einer der berühmtesten Manager der Musikgeschichte vor mir und ich halte ihn für einen eingebildeten Lackaffen?! Das kann auch nur mir passieren! Der Mann ist eine Legende!

„Nicht doch, nicht doch. Ich hatte einfach nur Glück.“ Und das sagt ausgerechnet derjenige, der dafür gesorgt hat, daß White demon feather bei TC-Music unter Vertrag ging und der mit seinem kompletten Privatvermögen für den Erfolg oder Mißerfolg der Band voll haftbar gemacht worden ist? Bei einem Scheitern der Band wäre er vollkommen pleite gewesen, aber Ayurama wäre nicht er selbst gewesen, wenn er nicht bereit gewesen wäre dieses Risiko einzugehen.

Er war ein Vollblut Manager und bereits jetzt eine lebende Legende in der Musikbranche. Wenn er an den Erfolg eines Künstlers glaubte, dann konnte ihn nichts und niemand davon abhalten aus diesem einen Star zu machen. Er hatte bereits etliche Erfolge verbucht bevor er mit seinem letzten Projekt dafür sorgte, das sein Name endgültig unsterblich.

Er war es, der TC-Music und White demon feather zusammengebracht hatte und so oft es auch einen Managerwechsel geben sollte, die Band hatte es immer wieder geschafft jeden davon zu vergraulen. Deshalb war Aruyama schon bald von TC-Music zum festen Manager von White demon feather ernannt worden. Niemanden außer ihm gelang die Band im Zaum zu halten.

Sein Jahresgehalt sollte sich Gerüchten zufolge inzwischen in dreistelligen Millionendollarbeträgen bewegen und es steigert sich durch Prämien und etliches Anderes um mehr als doppelte pro Jahr. Es ist kaum zu glauben, daß er überhaupt noch arbeitet. An seiner Stelle hätte ich mich schon längst zur Ruhe gesetzt und würde meinen Ruhm genießen statt mich nach wie vor mit Bands und Starallüren herumzuschlagen.

„Sagen sie das nicht. Immerhin waren sie es, der White demon feather entdeckt hat.“ Der Reporter in mir begann allmählich durchzubrechen und ich kramte bereits nach meinem Notizblock und einem Stift.

„Oh das. Eigentlich war es genau anders herum. Die Band hat mich entdeckt. Nicht ich sie.“ Verblüfft hob ich meinen Blick und sah ihn an. Das gesamte überhebliche Getue von kurz zuvor war wie weggeblasen. Jetzt wirkte er beinahe verlegen.

„Was?! Wollen sie damit etwa sagen die Band sei auf sie zugekommen? Sie wurden nicht bei einem Casting entdeckt?“ Über White demon feather ist so verdammt wenig bekannt. Aber ich weiß ganz sicher, das es zu einen von Aruyamas Grundprinzipien zählt niemals eine Band oder einen Künstler zu fördern, den er nicht zumindest einmal bei einem offiziellen Casting gesehen hat. Warum soll es ausgerechnet in diesem Fall anders gewesen sein?

„So in etwa. Aber kommen sie bitte. Ich möchte nicht, daß sie sich meinetwegen verspäten. Die Band wird alle ihre Fragen beantworten.“ Sein Gesichtsausdruck strafte seine letzten Worte Lügen, aber das war mir egal. Dies hier war die Chance meines Lebens und er hatte recht. Es wäre wesentlich besser, wenn ich mich nicht verspätete. Schon gar nicht bei dieser Band.

Ohne sich großartig darum zu kümmern, ob ich mit ihm Schritt halten konnte, ging Aruyama vor. Dabei legte er ein Tempo an den Tag, das seinesgleichen suchte. Plötzlich war ich unendlich dankbar für mein regelmäßiges Training auf dem Laufband und die zahlreichen Botengänge. All das ermöglichte es mir ohne Probleme mit ihm Schritt zu halten und keine fünf Minuten später befand ich mich in einem riesigen Raum, der derart gemütlich eingerichtet worden war, das man ihn für ein Wohnzimmer halten könnte statt einen Pressesaal. Was denkt sich die Band dabei? Ist etwa bisher noch wirklich kein einziger Reporter jemals soweit vorgedrungen? Wird dieser Raum deshalb anderweitig genutzt, weil in ihm niemals eine Pressekonferenz stattfinden wird?

„Bitte warten sie hier. Ich werde der Band sagen, das sie da sind.“ Mit diesen Worten ließ er mich mutterseelenallein in diesem phänemolanen Raum. Hier fehlte es an rein gar nichts. Es war nach dem neusten Komfort eingerichtet und führte mir wieder einmal schmerzhaft vor Augen, wie wenig Geld ich doch mit meinem Job verdiente. Ich konnte mir gerade einmal eine zwei Zimmer Wohnung leisten, die etwa halb so groß war wie dieser Raum. Nachdem ich mich lange genug umgesehen hatte um ein für alle mal zu wissen, das ich mir einen solchen Luxus niemals leisten könnte, sank ich in einen der umherstehenden Sessel, der so gemütlich war, das es nicht allzulange dauerte bis ich vor mich hindöste.

In meiner zugigen Wohnung war ruhiger Schlaf fast vollkommen unmöglich. Wenn es gerade Mal nicht von allen Seiten wie Hechtsuppe zog, dann feierte unter Garantie einer meiner Nachbarn eine Party, die im besten Fall ‚nur’ die halbe Nacht dauerte. Da ich gerade dabei war endgültig einzuschlafen merkte ich auch nicht, wie der Raum von mehreren Personen betreten wurde.

„Oh, das ist er also?“ Die leise Stimme holte mich langsam aus meinem Dämmerzustand zurück.

„Er sieht ganz anders aus als die Anderen. Ziemlich jung… Was hat Mike sich dabei gedacht?“ Das war eine andere Stimme und sie klang bei weitem nicht so freundlich wie die vorherige.

„Hmm… ich finde ihn irgendwie süß.“ Die klare weibliche Stimme direkt neben mir war endgültig zu viel. Ohne es zu wollen rutschte ich bei diesen Worten aus dem Sessel und landete unsanft auf dem Boden.

„Süß? Also ich finde er sieht eher wie ein Trottel aus. Schläft obwohl er eigentlich arbeiten soll.“

„Kaze! Sei nicht so gemein!“

„Ach jetzt komm schon Sue. Stell dich bloß nicht so an. Er wird ohnehin nicht länger als die Anderen durchhalten. Sobald Shao da ist zieht er den Schwanz ein und läßt sich hier nie wieder blicken.“ Was zuviel ist, ist zuviel. Inzwischen war ich vollkommen wach und bemühte mich darum endlich wieder in vorteilhaftere Sitzposition zu gelangen.

„Es wäre schön, wenn ihr beiden euch langsam wieder beruhigen würdet. Ich glaube nämlich das unser Gast schon seit geraumer Zeit wach ist und jedes Wort gehört hat.“ Die plötzliche Stille war ebenso unangenehm, wie das Gespräch davor. Nun gut, man hatte mir gesagt, daß dieser Job nicht einfach werden würde. Also, dann. Es ist wahrscheinlich besser, wenn ich direkt klarstelle, daß ich nicht so leicht aufgeben werde. Diese Chance lasse ich mir von nichts und niemanden nehmen!

„Danke, aber ich glaube wir wurden uns noch nicht vorgestellt. Mein Name ist-“

„Wozu sollen wir uns vorstellen?“ Brüsk schnitt mir ein braunhaariger Typ mit einer Frisur, die aussah als hätte sie Bekanntschaft mit den den letzten drei Hurrikans gemacht, das Wort ab.

„Wenn ein Reporter nicht weiß wer wir sind, dann ist er hier fehl am Platz.“ Das war deutlich. Sie würden mir rein gar nichts schenken. Wenn ich ein Interview wollte, dann mußte ich darum kämpfen.

„Kaze!“ Aufgebracht stürmte eine kleine Blondienne zwischen uns und versuchte den Typen krampfhaft dazu zu bewegen mich in Ruhe zu lassen. Sie hatte damit zwar keinen sonderlichen Erfolg, aber ich war ihr dankbar dafür, das sie es zumindest versuchte.

„Reg dich ab Sue. Er ist schließlich nur hier weil wir gezwungen wurden endlich ein vernünftiges Interview zu geben. Für den Erfolg haben wir jedoch keinerlei Garantie übernommen.“ Endlich hatte ich Gelegenheit meine Gesprächspartner eingehend zu mustern. Der unfreundliche Typ war Kaze Nakayama, der zweite Bandleader von White demon feather und ein begnadeter Gitarrist. Ein Halbjapaner mit durchtrainiertem Body, der mit seinen geheimnisvollen, blauen Augen und hellbraun getönten Haaren, die Herzen sämtlicher weiblichen Fans zum Schmelzen brachte. Leider zeigte sich gerade, daß er einen hundsmiserablen Charakter hatte. Auch wenn er auf der Bühne ein Genie war, als Mensch konnte man ihn anscheinend vergessen.

„Kaze du bist gemein! Du gibt’s ihm noch nicht mal eine Chance.“ Meine Verteidigerin war ein weiteres Bandmitglied und neben Shao Deshon das einzig weibliche Mitglied der Band: Sue Arakima. Trotz ihrer zierlichen Gestalt und Größe war sie die Schlagzeugerin von White demon feather. Man traut ihr kaum zu, das sie ihre Drumsolos ohne Probleme einen kompletten Saal zum Toben bringen können.

Und nebenbei ist sie auch noch die jüngere Schwester des letzten Bandmitgliedes: Shion Arakima. Dem Hauptsongwriter, der zudem für die einzigartigen Klavier- und Keyboardklänge der Band verantwortlich ist. Beide Geschwister besaßen einzigartige grüne Augen und hatten ihre Haare ebenfalls gefärbt. Sue trug einen schulterlangen Blondschopf zur Schau während ihr Bruder deutlich längere Haare in einem angenehmen rotbraun besaß. Damit war mein Wissen allerdings beinahe auch schon so gut wie erschöpft.

„Warum sollte ich? Die Presse schreibt doch sowieso was sie will. Es ist nur recht und billig, wenn wir sie etwas leiden lassen.“ Es kostete mich meine gesamte gute Erziehung um diesem eingebildeten Schnösel nicht einfach eine zu verpassen. Sicher, er ist Mitglied einer äußerst erfolgreichen Band, aber das ist noch lange kein Grund sich so aufzuführen.

„Kaze! Reiß dich bitte zusammen!“ Bisher hatte sich Shion aus der Unterhaltung herausgehalten, aber nun ergriff er die Partei seiner Schwester. Wahrscheinlich war er das ruhigste Bandmitglied. Es schien ihm jedenfalls nicht sonderlich zu gefallen seinen Kollegen zurecht weisen zu müßen.

„Mit Shao ist er schließlich schon gestraft genug. Du mußt ihm nicht auch noch das Leben schwer machen.“ Mit einem leichten Seufzer gab sich der Braunhaarige schließlich geschlagen und ließ sich sehr zu Sues Erleichterung auf ein Sofa sinken von dem aus er mich herausfordernd anfunkelte.

„Shion hat recht. Ich sollte dich wirklich nicht so ärgern. Wenn Shao wieder da ist wird es für dich schlimm genug.“ Das Funkeln in seinen Augen verriet allerdings deutlich, wie sehr er sich genau darauf freute.

„Also stell uns lieber jetzt deine Fragen bevor sie dich auffrißt.“ Das ist jawohl!

„Hören sie bitte nicht auf ihn. Er ist nur etwas gereizt, weil seine Freundin ihn versetzt hat. Stimmt’s Kaze?“ Lächelnd wuschelte Shion seinem Bandkollegen durch die Haare, der unter diesen Worten sichtlich rot geworden war. Anscheinend war er doch nicht ganz so hart, wie er vorgab zu sein. Das erfüllte mich ein klein wenig mit Genugtuung.

„Laß das! Ich kann es nicht leiden, wenn du mich wie ein kleines Kind behandelst!“ Das hatte selbstverständlich das genaue Gegenteil von dem, was er eigentlich erreichen wollte zur Folge. Ich verspürte keinerlei Mitleid. Meiner Ansicht nach hatte er eine kleine Strafe durchaus verdient. Und da die beiden männlichen Mitglieder von White demon feather gerade damit beschäftigt waren sich gegenseitig zu ärgern wendete ich mich dem einzigen Gesprächspartner zu, der noch übrig blieb.

Sue entpuppte sich als äußerst angenehmer Interview Partner. Obwohl sie den meisten meiner Fragen eher auswich oder mit einer Gegenfrage beantwortete erfuhr ich von ihr so manches. Dennoch war ich kaum schlauer als vorher. Irgendwie war es fast vollkommen unmöglich von ihr mehr als nur eine wage Antwort zu bekommen. Es war äußerst unbefriedigend.

„Sagen sie Sue wo befindet sich eigentlich Shao? Ich habe sie bisher noch nirgends gesehen.“ Ich hoffte sie mit dieser Frage aus der Reserve zu locken, doch sie sah sich lediglich kurz um und gab dann ihrem Manager, der sich schon seit geraumer Zeit in einer anderen Ecke des Raumes aufhielt und immer wieder angeregt in sein Handy sprach, ein kurzes Zeichen.

„Nun Shao ist-“

„Sie ist noch unterwegs.“ Noch ehe ich weiter nachbohren konnte beugte sich auch schon Mike Aruyama über die Lehne ihres Sessels und gab seinem Schützling Rückendeckung.

„Sie hat beschlossen sich vorerst frei zu nehmen. Sie ist mit ihrem Motorrad unterwegs.“ In seiner Stimme schwang eine deutliche Warnung mit. Anscheinend wäre es besser für mich, wenn ich nicht allzu viele Fragen in diese Richtung stellte.

Allerdings erklärte das dann auch den Auffruhr in der Halle. Die Frau in dem schwarzen Overall muß Shao Deshon gewesen sein. Allein der Gedanke an diesen mörderischen Blick jagte mir kalte Schauer über den Rücken. Shao Deshon, der Schrecken aller Reporter. Wahrscheinlich ist an diesem Gerücht wesentlich mehr dran als ich vermutet habe…

„Soll das heißen, sie hat es schon wieder getan?“ Sue wirkte nicht im Geringsten überrascht eher enttäuscht. Seufzend antwortete ihr Aruyama.

„Ja, aber keine Sorge sie wird bald zurückkommen.“ Er zwinkerte ihr wissend zu und Sue schüttelte amüsiert den Kopf.

„Du kannst es einfach nicht lassen, oder? Du weißt doch genau, das sie dir dafür nachher den Hals umdreht.“

„Das ist eben das harte Los eines Managers. Ständig ist mein Leben in Gefahr.“ Die Beiden kriegten sich vor Lachen nicht mehr ein und ich fragte mich ernsthaft ob es sich dabei lediglich um einen Scherz handelte oder ob es die Wahrheit war. Nach allem was ich bisher über White demon feather wußte war Shao Deshon der schwierigste Charakter von ihnen. Egal, wie viele Pluspunkte man bei den anderen Bandmitgliedern auch sammeln konnte, sie hatte das letzte Wort. Ohne ihr Votum kam man nicht an die Band ran.

Selbst jetzt wo, ich allein mit den restlichen Bandmitgliedern und ihrem Manager war fielen die Informationen derart spärlich aus, das ich mich ernsthaft fragte, ob ich überhaupt in der Lage sein würde einen Artikel zu schreiben. Die Informationen, die ich bis jetzt erhalten hatte waren kaum mehr als das, was bisher auch jeder andere Reporter über White demon feather hatte herausfinden können. Damit läßt sich auf gar keinen Fall ein Artikel schreiben, der mein Leben für immer verändert. Es fehlt einfach das gewisse Etwas. Irgend etwas, das noch niemand kennt. Nur was? Mit welcher Frage könnte ich sie aus der Reserve zu locken?

„Hey Mike, wen hast du Shao eigentlich hinterher geschickt? Hat sich wieder ein Selbstmordkannidat gefunden?“ Kaze schien es gar nicht abwarten zu können was sein Manager auf diese Frage antwortete. Selbst die Kopfnuß, die Shion ihm verpaßte konnte das breite Grinsen in seinem Gesicht nicht vertreiben. Anscheinend kommt das hier wirklich nicht zum ersten Mal vor. Und je länger ich ihnen zu höre, desto mehr frage ich mich was für eine Person Shao Deshon wohl ist.

Auf der Bühne und im Studio ist sie ein absoluter Profi. Es gitb so gut wie niemanden auf dieser Welt, der ihr das Wasser reichen könnte. Egal wie schwierig ein Song auch sein mochte. Sie gab erst dann auf, wenn er perfekt war. Ebenso die restlichen Bandmitglieder. Ein Album war erst dann perfekt, wenn wirklich jeder einzelne Song so klang, wie er sollte. Sie waren sogar schon öfter bewußtlos im Studio zusammengebrochen, weil sie einfach nicht aufhören wollten zu Proben. Eine sehr ungesunde Lebensweise, die sich dennoch lohnte. Ihren Erfolg konnte ihnen niemand streitig machen. Doch über sie selbst und ihr Privatleben war so gut wie nichts bekannt. Besonders bei Shao war es schwierig. Man wußte über sie lediglich zwei Dinge.

Erstens, sie und besaß wie alle Mitglieder von White demon feather bereits jetzt mehr Geld als sie jemals in ihrem Leben würde ausgeben können und zweitens galt sie der Schrecken jedes Reporters. Ich kenne mehr als nur eine Geschichte in der behauptet wird, das nicht wenige Reporter allein wegen Shao Deshon ihren Beruf für immer aufgeben haben. Was auch immer zwischen ihnen vorgefallen war blieb ein Geheimnis. Allerdings sollen sie am ganzen Körper zitternd zurück in die Redaktion gekommen sein, packten ohne ein weiteres Wort ihre Sachen zusammen und verschwanden spurlos. Bisher hat es kein Reporter geschafft ein Interview mit White demon feather zu überstehen ohne, daß irgendein bleibender Schaden zurück geblieben wäre. Sie waren der absolute Alptraum der Branche und gleichzeitig die größte Chance, die sich einem bieten konnte. Für manche mehr als nur ein Grund diese Gelegenheit beim Schopf zu packen. Doch im Gegensatz zu all den Anderen habe ich bei diesem Interview rein gar nichts zu verlieren.

Für mich kann es nur noch aufwärts gehen. Noch tiefer kann man gar nicht mehr fallen. Dienstbote in einer Redaktion ist so ziemlich der armseligste Job, den man haben kann, wenn man eigentlich Profijournalist ist beziehungsweise werden will.

„Kaze, Kaze es ist nicht irgendein Selbstmörder. Dieses Mal wird sie unter Garantie freiwillig zurück kommen.“ Über Aruyamas Gesicht leckte sich ein zufriedenes Lächeln, das große Ähnlichkeit mit einer Katze aufwies, die soeben einen Kanarienvogel verspeist hatte. Das leichte Spiegeln des Lichts in seiner Brille ließ ihn dabei irgendwie bedrohlich erscheinen.

„Soll das etwa heißen-?“ Kaze und Shion starrten ihren Manager, der immer mehr vor sich hingrinste, ungläubig an. Es schien ihn diebisch zu freuen endlich ein Mittel gefunden zu haben, um seinen Wildfang zu zähmen.

„Mike, du hast doch nicht etwa IHN geschickt.“ Sue sah Aruyama an als hätte dieser soeben seinen Verstand verloren.

„Wen denn sonst? Er ist der Einzige auf den sie hört.“ Aruyama zuckte lächelnd mit seinen Schultern.

„Du spielst die Beiden gegeneinander aus? Mike, wie kannst du nur!“ Wütend sah Sue ihren Manager an, der sich schon einmal vorsorglich aus der Reichweite ihrer Fäuste begab.

„Es ist nun einmal die einfachste Methode, um sie zur Vernunft zu bringen. Alles andere hätte zulange gedauert.“ Man konnte ihm ansehen, das er mit der Lösung dieses Problems mehr als nur zufrieden war. Noch ehe sich diese Diskussion weiter vertiefen konnte war ein unglaublicher Lärm vor der Tür des Raumes zu hören.

„Ah, ich glaube da sind sie schon.“ Grinsend nahm Aruyama wieder sein Handy in die Hand und tätigte einen einzigen Anruf, der aus den Worten >Sie sind da< bestand. Keine zwei Sekunden später flog eine Seitentür, die sich bisher vollkommen perfekt in die Wand eingefügt hatte auf und eine über und über mit Stoffen, Maßbändern und Nadeln bedeckte Frau, die etwa so alt wirkte wie Aruyama, stürmte in den Raum. Ihre Frisur sah dabei kaum besser aus, als der Rest ihrer Erscheinung. Ein Mensch, den man soeben von einer wichtigen Arbeit fortgerissen hatte und der Störungen eigentlich gar nicht brauchen konnte. Sie sah sich kurz im Raum um und schüttelte dann den Kopf während sie irgend jemanden leise zum Teufel wünschte.

„Mike, wenn sie da ist schick sie sofort rüber. Ich muß die Kostüme heute noch anpassen!“ Danach verschwand sie ebenso schwungvoll wie sie gekommen war. Diese Person hatte ich noch nie zuvor gesehen, aber sie schien nicht wenig mit der Band zu tun zu haben. Also, ich bin Reporter oder nicht?

„Darf ich fragen, wer das war?“ Mit einem verächtlichen Zischen gab Kaze mir zu verstehen, daß ich das nicht durfte.

„Sie kennen unsere Kostümbildnerin noch nicht.“ Wieder einmal war es Aruyama, der hilfreich in die Bresche sprang und meine Frage beantwortete.

„Das war Maria Aruyama. Sie ist für sämtliche Kostüme, Outfits, die Frisuren und das Make up von White demon feather zuständig.“ Sorgfältig notierte ich mir den Namen. Das war etwas Neues. Etwas, was bisher noch niemand wußte. White demon feather hat eine eigene Kostümbildnerin, Maria Aruyama… …Aruyama… Moment!

„Aruyama?!“ Erschrocken über meinen eigenen Ausruf starrte ich fassungslos den Nachnamen auf meinem Notizblock an.

„Ist sie etwa?“ Vollkommen ungläubig sah ich in Aruyamas lächelndes Gesicht und versuchte die Information zu verarbeiten, die soeben in mein Gehirn sickerte.

„Ganz recht. Sie ist meine Frau. Wir haben vor einiger Zeit geheiratet.“ Geheiratet? Der große Mike Aruyama ist verheiratet?! Das ist mit keinem einzigen Wort an die Öffentlichkeit gedrungen. Was um alles in der Welt verheimlicht diese Band noch?

„Vor einiger Zeit? Mike, wenn Maria das hört läßt sie dich unter Garantie wieder drei Wochen lang den Abwasch machen.“ Shion amüsierte sich köstlich über das entsetzte Gesicht seines Managers. Der Tumult vor der Tür unterbrach dieses interessante Gespräch leider vorzeitig. Er wurde derartig laut, das ich mich ernsthaft zu fragen begann wieviel diese Tür wohl aushalten würde, ehe sie aus den Angeln flog. Doch ehe es dazu kam wurde sie schwungvoll aufgestoßen und knallte mit voller Wucht an die Wand. Eine über und über mit Schrammen bedeckte Person in einem schwarzen Lederoverall, der deutlich gelitten hatte stürmte in den Raum. Es war kaum zu übersehen um wen es sich dabei handelte. Diese langen, haselnußbraunen Haare waren schließlich ihr Markzeichen. Shao Deshon, wie sie leibt und lebt und außer sich vor Wut. Ohne auf mich oder einen der Anderen zu achten stürmte sie auf ihren Manager zu und drückte diesem ihren Motorradhelm mit voller Wucht in den Bauch. Aruyama schnappte keuchend nach Luft.

„Das nächste Mal, wenn du mich loswerden willst engagier einen Profi!“ Ohne mit der Wimper zu zucken nahm Aruyama ihr den Helm ab und setzte ein profimäßiges Geschäftslächeln auf.

„Maria wartet nebenan auf dich. Sie will die Kostüme heute noch anpassen.“ Mit einem nicht zu überhörenden Fluch auf den Lippen verschwand Shao durch die Tür des Nebenraums. Ich konnte immer noch nicht fassen was sich da eben abgespielt hatte.

„Sind sie sicher, daß sie in Ordnung ist? Sie sieht aus als hätte sie einen Unfall gehabt.“ In dem kurzen Moment wo sie ihrem Manager den Helm in den Bauch gedrückt hatte war mir genügend Zeit geblieben um mir ein kurzes Bild von Shao zu machen.

Ihr gesamter Overall war mit Rissen und Löchern übersäht gewesen, stellenweise sogar dermaßen stark, daß man die Haut darunter hatte sehen können. Einige der Schrammen waren so tief gewesen, das sie bluteten und auch ihr Gesicht hatte trotz des Helms deutliche Spuren eines Unfalls aufgewiesen. Garantiert ist sie unter ihrem Overall über und über mit blauen Flecken bedeckt. Was auch immer passiert sein mochte, es war unter Garantie ein Unfall. So schnell es ging machte ich mir Notizen über alles, was in den letzten paar Minuten in diesem Raum vor sich gegangen war. Wenn das keinen Artikel wert ist, dann weiß ich auch nicht mehr.

„Oh, nur keine Sorge. Sie ist hart im Nehmen. Das Bißchen wird sie nicht umbringen.“ Der Optimismus und die Sorglosigkeit mit der Aruyama mir das sagte machte mir beinahe Angst. Einer seiner wichtigsten Stars taucht verletzt auf und ihn kümmert das nicht im Geringsten? In was bin ich hier nur reingeraten? Normalerweise geraten Manager bei so etwas doch völlig in Panik. Doch sowohl Aruyama als auch die restlichen Mitglieder von White demon feather wirkten nicht im Geringsten besorgt. Sie machten eher den Eindruck als würde so etwas nicht zum ersten Mal passieren.

„Störe ich? Es sieht aus als hättet ihr heute einen wichtigen Termin.“ Mit einem leichten Klopfen war einer der gutaussehendes Männer, die ich bis dato in meinem Leben gesehen hatte in den Raum getreten. Er hatte kinnlange, platinblonde Haare und das Gesicht eines Engels. Sein Körper war einfach perfekt und seine schwarze Kleidung schien nur dafür gemacht worden zu sein, um seine natürliche Schönheit zu unterstreichen. Um es kurz zu machen seine gesamte Erscheinung verschlug mir den Atem.

„Aber nicht doch Catan. Du weißt doch, das du bei uns jederzeit willkommen bist.“ Aruyama überschlug sich geradezu vor Liebenswürdigkeit und ich machte mir meine Notizen. Catan also. Merke: Wer ist er und in welcher Beziehung steht er zur Band?

„Das sagt er jetzt nur, weil du der Einzige bist, der unser kleines Biest bändigen kann.“

„KAZE!“ So schnell wie das dunkelrote Kissen in seinem Gesicht landete konnte der zweite Bandleader von White demon feather gar nicht reagieren. Alle Achtung! Aruyama war ein verdammt guter Werfer.

„Es wäre besser du entschuldigst dich bei Catan.“ Sue konnte es nicht lassen ihren Bandkollegen noch ein klein wenig weiter zu ärgern. Es sah ganz so aus, als würde ich an diesem Tag doch wesentlich mehr erfahren als ich mir erhofft hatte. Wer auch immer dieser Mann war, er schien eine recht enge Beziehung zu Shao zu haben und das machte ihn für mich nur noch interessanter. Ich verfluchte die Tatsache, daß ich zu diesem Interview keine Kamera mitgenommen hatte, aber das war eine der strengen Auflagen gewesen um überhaupt so weit zu kommen. Keine Kameras und nur eine einzige Person, die sich die Band selbst ausgesucht hatte. Warum das Los dabei ausgerechnet auf mich gefallen war, ist mir nach wie vor ein Rätsel, aber ich werde diese Chance nutzen. Komme, was da wolle!

„Mike könnte ich dich einen kurzen Moment sprechen?“

„Sag es mir einfach. Was ist es dieses Mal?“ Es war dem Blonden sichtlich unangenehm, das er diese Frage vor allen Anderen beantworten sollte, aber schließlich gab er seufzend nach und mein Stift flog nur so über das Papier.

„Ihr braucht ein neues Motorrad und eine neue Limousine.“ Das hier war besser als alles, was ich bisher an Gerüchten über White demon feather gehört hatte. Mit dieser Story ist meine Karriere für die nächsten zwei bis drei Jahre gesichert. Im Kopf rechnete ich bereits die Prämien meines Verlegers durch, wenn ich ihm das Ergebnis dieses Nachmittags präsentierte.

„Schon wieder? Das ist das fünfte Mal in diesem Monat!“

„Tut mir leid, aber es gab keinen anderen Weg sie zu stoppen.“ Seufzend zückte Aruyama sein Handy und verschwand in einer Ecke des Raums, damit sein Gespräch niemanden störte.

„Catan wie genau hast du Shao eigentlich aufgehalten.“ Sues Stimme klang äußerst mißtrauisch und mit einem leisen Seufzer erzählte der blonde Schönling was passiert war. Er hatte sich mit ihr ein Verfolgsrennen durch halb Tokyo geliefert bis er sie endlich in eine Sackgasse gedrängt hatte. Doch anstatt, das sie aufgab hatte sie ihr Motorrad gewendet und war auf ihn zugestürmt. Also hieß es nur noch Augen zu und durch. Die Tatsache, das dieser Typ, der so aussah als könnte er keiner Fliege etwas zu leide tun beinahe einfach so einen berühmten Star wie Shao Deshon über den Haufen gefahren hätte erschreckte mich zutiefst.

„Wenn du es ihnen unbedingt erzählen mußt, dann erwähn gefälligst auch, das ich es locker geschafft hätte an dir vorbei zukommen, wenn du diese dämliche Karre nicht in der letzten Sekunde herumgerissen hättest.“ Die vor Wut bebende Stimme, die direkt hinter mir aufklang lähmte fast sämtliche meiner Bewegungen.

„Immerhin hatte ich dich gewarnt.“ Es sah nicht so aus als würde ihn Shaos Ausbruch überraschen. Sein Gesichtsausdruck zeigte deutlich, das er in dieser Sache bestimmt nicht klein beigeben würde.

„Ja, ja schon gut. Du hast mich erfolgreich zurück gebracht. Auftrag beendet und ich lebe sogar noch.“

„Shao! Was um Himmelswillen machst du hier?! Zieh dir gefälligst etwas an!“ Ohne es zu wollen wendete ich den Blick und konnte ihn einfach nicht mehr abwenden als sich diese beeindruckende Figur direkt vor mir erhob. Lediglich ein dünner Slip aus feinster Spitze sowie ein dazu passender BH verdeckten das Nötigste. Das Schlimme daran war nur, das sie halbdurchsichtig waren. Mühsam schluckte ich und versuchte krampfhaft an etwas anderes zu denken als an diesen traumhaften Körper.

„Maria, es gibt niemanden in diesem Raum, der das noch nicht gesehen hätte.“

„Ähm Shao, ich widerspreche dir ja nur ungern, aber er ist neu.“ Mit einem leichten Grinsen deutete Shion auf mich und lenkte damit auch die gesamte Aufmerksamkeit auf meinen immer röter werdenden Kopf. Was hätte ich in diesem Moment nicht für ein Mauseloch gegeben.

„Shao Deshon! Du ziehst dir sofort etwas über!“ Der Tonfall ihrer Kostümbildnerin duldete keinerlei Widerspruch und mit deutlichem Zähneknirschen nahm Shao den Bademantel in Empfang der ihr unter die Nase gehalten wurde.

„Warte, ich helfe dir.“ Fast lautlos war der blonde Schönling neben ihr und nahm ihr den Bademantel ab. Sorgsam hielt er diesen so, das sie ohne Probleme hineinschlüpfen konnte. Mit einem lockeren Knoten wurde dieses durchaus praktische Kleidungsstück schließlich verschloßen und sie lehnte sich genüßlich an den blonden Mann hinter sich. Sanft schloß dieser seine Arme um Shao und ich konnte spüren wie mir bei diesem Anblick das Blut in die Wangen schoß.

„Noch böse?“

„Ein bißchen.” Noch schmollte sie, aber es war deutlich zu sehen, daß das nicht mehr allzulange der Fall sein würde.

„Und? Komme ich gegen dieses bißchen an?“ Seine Wange befand sich jetzt fest genau an ihrer.

„Hmm… ein Abendessen wäre nicht schlecht und ein entspannendes Bad.“ Der träumerische Gesichtsausdruck, der sich daraufhin in ihr Gesicht stahl war fast mehr, als ich ertragen konnte. Wenn ich bis vor kurzem noch Zweifel daran gehabt hatte welche Rolle dieser Mann in ihrem Leben spielte, dann waren diese nun endgültig beseitigt. Es war ganz klar, daß die Beiden sich nicht erst seit gestern kannten und es war weit mehr als ein rein freundschaftliches Verhältnis, was sie verband.

„Gut, dann werde ich sehen, was sich da tun läßt.“ Er hauchte ihr einen sanften Kuß auf die Stirn und verabschiedete sich höflich von allen anderen. Immer noch reiflich aus der Fassung starrte ich dir Tür an, durch die dieser geheimnisvolle junge Mann soeben verschwunden war.

Also hat nicht nur Aruyama eine geheime Beziehung auch Shao versteckt ihren Lebensgefährten vor der Öffentlichkeit. Das heißt zumindest bis jetzt noch. Sobald mein Artikel erscheint ist es damit vorbei. Das ist Sprengstoff, der weltweit für Rummel sorgen wird und ich habe fest vor derjenige zu sein, der diese Bombe zündet.

„Also, wer ist der Typ?“ Gelassen ließ Shao sich auf ein zweier Sofa direkt gegenüber von mir nieder und musterte mich eingehend. Unter diesem Blick wurde mir abwechselnd heiß und kalt. Obwohl sie nur einen Bademantel trug schaffte es diese Frau mir einen Respekt einzuflößen, den ich noch nicht einmal meinem Chef gegenüber hervorbrachte. Es war fast so als würde sie direkt in mein Inneres sehen und dort nach Schwächen suchen.

„Er ist der Reporter, den ihr für heute angefordert habt.“ Aruyama war wieder ganz in seinem Element und überreichte ihr meine Visitenkarte, die ich ihm bereits auf der Treppe gegeben hatte.

„Reporter? Was für ein Reporter? Seit wann geben wir Interviews?“ Neben mir bekam Kaze einen Lachanfall, den er erst beendete als er Shions strafenden Blick auffing. Es sah ganz so aus als könnte sich Shao tatsächlich nicht daran erinnern, das man für heute ein Interview angesetzt hatte und sie schien auch nicht im Geringsten motiviert zu sein an einem solchen teilzunehmen. Im Geiste strich ich meinen Erfolg bereits wieder. Wahrscheinlich war es das. Wenn sie nicht bereit ist mit mir zu reden muß ich mit dem Wenigen, was ich heute erfahren habe auskommen. Es ist zwar schade, aber allein die Tatsache, das Shao Deshon einen festen Freund hat ist ein Vermögen wert.

„Hirofumi Takano also. Was macht eigentlich dein Großvater?“ Die plötzliche Nennung meines gesamten Namens war mir äußerst unangenehm. Wahrscheinlich antwortete ich deshalb so schnell. Ich wollte diesen altmodischen Namen auf keinen Fall ein zweites Mal hören.

„Im Moment ist er auf Hawaii. Es geht ihm für sein Alter hervorragend.“

„Schön zu hören. Wenn er zurück kommt soll er sich kurz bei mir melden.“ Fassungslos starrte ich sie an. Was um alles in der Welt wollte eine Frau wie Shao Deshon von einem alten Knacker wie meinem Großvater? Lächelnd betrachtete sie meine Visitenkarte.

„Takano-chan also… ich frage mich was er in den letzten Jahren so gemacht hat.“ Takano-chan? Kennt sie meinen Großvater so gut, daß sie ihm diesen Kosenamen gegeben hat? Er ist doch weit über siebzig! Wie kommt jemand in ihrem Alter darauf einen alten Mann mit –chan anzusprechen?

„Nun gut, du bist sein Enkel. Dann habe ich keine andere Wahl.“ Was soll das denn bitte schön bedeuten? Gelassen schnippte sie die Visitenkarte auf den Tisch.

„Habt ihr ihm die Regeln erklärt?“ Fragend sah Shao in die Runde und schien sich nicht im Geringsten darum zu kümmern, das sie mich mit ihren Aussagen immer mehr verwirrte. Aber ich hatte ja von Anfang an gewußt, daß es nicht leicht werden würde jemanden wie White demon feather zu interviewen. Was auch immer Shao mit meinem Großvater verband ich würde es spätestens nach dessen Rückkehr erfahren. Irgendwie ist im vor kurzem eingefallen, das er noch nie auf Hawaii war und das unbedingt nachholen müße solange er noch könnte. Das er allerdings direkt einen ganzen Monat auf dieser kleinen Insel bleiben wollte hat uns alle überrascht.

„Nein, dazu war noch keine Zeit. Bisher hat er nur Sue ein paar Fragen gestellt.“ Mit einer undurchdringlichen Miene ließ sich Aruyama in einen Sessel sinken und auch die restlichen Bandmitglieder verteilten sich nach und nach auf die verbleibenden Sitzgelegenheiten so das sie mir gegenüber saßen.

„Auch gut. Dann erkläre ich sie ihm.“ Plötzlich hatte ich den Eindruck genau in der Mitte einer raffinierten Falle zu sitzen. Ihre Augen blitzten mich eisig an.

„Wenn du ein Interview willst gibt es ein paar Spielregeln.“ Die gesamte Atmosphäre hatte sich plötzlich verändert und ich schaffte es gerade noch zu nicken als sie mir ihre gesamte Aufmerksamkeit zukommen ließ. Gelassen überkreuzte sie die Beine und ließ mich ein klein wenig zappeln bevor sie fort fuhr.

„Kein Wort von diesem Gespräch hier dringt nach außen, es sei denn wir genehmigen es.“ Ich wollte protestieren, immerhin ist das Einschränkung der Pressefreiheit, aber ein eisiger Blick aus ihren rehbraunen Augen reichte aus, um mich sofort wieder verstummen zu lassen.

„Unser Privatleben ist tabu. Sobald deine Fragen in diese Richtung gehen ist das Interview sofort beendet. Hobbys oder so etwas sind in Ordnung, aber ich denke du weißt welche Art von Fragen ich meine, oder?“ Und wie ich das wußte. Keinerlei herumstochern in ihrer Intimsphäre.

„Der fertige Artikel wird samt Fotos und Layout zu allerst uns vorgelegt. Wir entscheiden was davon gedruckt wird und was nicht. Und kein Wort von dir über diese Abmachung! Das ist eine Sache zwischen uns und dir. Wir haben dich angefordert und du kannst selbst entscheiden ob du die Chance nutzt oder es sein läßt. Unsere Bedingungen stehen. Es ist an dir sie anzunehmen oder abzulehnen.“ Das war hart. Diese Bedingungen widersprechen allem, was man jemals unter Pressefreiheit verstanden hat und dennoch ist es nach wie vor eine einmalige Chance.

„Was passiert, wenn ich ablehne?“ Meine Kollegen haben mich oft genug gewarnt, aber ich will wissen ob diese Band wirklich so schlimm ist wie alle behaupten.

„Da du Takano-chans Enkel bist nicht viel.“ Ich konnte ein leichtes Aufatmen nicht verhindern.

„Selbstverständlich wirst du deinen Job verlieren und Tokyo verlassen. Wahrscheinlich wäre ein einfaches Leben in einem entlegenen Dorf genau das richtige für dich. Ich bin mir sicher, das du sehr schnell lernst, wie man Reis anbaut.“

„WAS?!“ Ich sprang auf. Sie wagt es mir zu drohen?

„Glaubst du wirklich ich würde jemanden, der die ganze Sache von vorhin mitbekommen hat einfach so mit diesen Informationen hier rausspazieren lassen? Nein, nein, das wäre viel zu gefährlich.“ Meinte sie das ernst? Fragend sah ich den Rest der Band an, aber keiner von ihnen machte den Eindruck als würde Shao scherzen.

„Und wenn ich schwöre kein einziges Wort zu verraten?“ Diese Situation gefällt mir ganz und gar nicht. Ich habe nicht vor zur Marionette einer Band zu werden. Egal, von welcher.

„Vergiß es! Du kannst dich zwischen ja und nein entscheiden. Entweder du akzeptierst und bist ein gemachter Mann oder du lehnst ab und landest in der Provinz.“

„Das ist Erpressung.“ Sie lächelte mich kalt an.

„Aber selbstverständlich. Hat man dich etwa nicht vor uns gewarnt?“ Sie amüsierte sich köstlich darüber, daß sie mich in eine solch ausweglose Situation gebracht hatte. Langsam aber sicher dämmerte mir, warum so viele Reporter, die versucht hatten White demon feather zu interviewen ihren Job einfach so an den Nagel hängten.

„Soll das heißen so etwas geschieht nicht zum ersten Mal?“

„Doch, das hier ist das erste Mal, daß es den Enkel eines Freundes betrifft. Deshalb bin ich auch so nachsichtig.“

„Nachsichtig?! Was um alles in der Welt soll an hieran bitte schön nachsichtig sein?“

„Ganz einfach, ich hätte dich auch nach Sibirien versetzten lassen oder dich für den Rest deines Lebens ruinieren können. Du hast es einzig und allein deinem Großvater zu verdanken, daß du hier sitzt und die ich dir die Wahl lasse. Jeder andere Reporter wäre innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden aus Japan verschwunden und wäre niemals freiwillig zurückkehrt.“ Mir klappte das Kinn nach unten. Ist das hier wirklich ein Weltstar? Die Art und Weise wie sie mit mir umspringt läßt viel eher auf einen Yakuza oder Mafiosi schließen. Ich bin auch ehrlich gesagt nicht scharf darauf zu erfahren was sie genau mit ‚verschwunden’ meint. Mir war verdammt mulmig, aber ich wußte wie ich mich entscheiden würde. Auch, wenn es mir nicht gerade leicht fällt, aber das hier ist die Chance meines Lebens. Auf so etwas habe ich immer gewartet.

„Akzeptiert! Aber dafür will ich alles wissen!“ Sie sah mich verblüfft an bevor sie in schallendes Gelächter ausbrach.

„So, so du willst selbst Bedingungen stellen?“ Wieder traf mich ihr eisiger Blick, aber dieses Mal hielt ich ihm stand.

„Gut!“ ‚Zufrieden nickte sie mir zu.

„Shao was hast du vor?“ Sie grinste ihren Manager wissend an.

„Du willst doch nicht etwa?“ Es war deutlich zu hören, wie sich in Aruyamas Stimme so etwas ähnliches wie Panik einschlich und auch die restlichen Bandmitglieder wirkten plötzlich äußerst beunruhigt.

„Doch, genau das.“ Sämtliche Anwesende schnappten hörbar nach Luft.

„Ich will, daß er auf dem nächsten Konzert anwesend ist und sich ein Bild von uns macht. Gebt ihm einen All Areas Paß und dann treffen wir uns wieder.“ Moment mal! Was?!

„Soll das heißen, es gibt heute kein Interview?“ Ich schaffte es einfach nicht länger meine Enttäuschung zu verbergen. Meine Träume zerplatzten nach und nach wie Seifenblasen und das war hart. Ich bin mir sicher, daß es kein nächstes Treffen geben wird.

„So sieht es aus. Wie soll jemand, der noch nie eines unserer Livekonzerte gesehen hat einen vernünftigen Artikel über uns schreiben?“ Damit hat sie durchaus recht, aber ich weigere mich das zuzugeben. Vielmehr interessiert mich woher sie so genau weiß, das ich noch nie einen Liveauftritt von White demon feather gesehen habe. Nicht, das ich es nicht gern getan hätte, aber die Tickets sind immer so unheimlich schnell ausverkauft und nebenbei kosten sie auch eine ganz schöne Stange Geld.

„Damit wäre alles geklärt. Mike, du gibt’s ihm den Paß und dann entscheiden wir alles weitere.“ Damit war das Gespräch beendet und noch ehe ich eine weitere Frage stellen konnte war sie bereits im Nebenraum verschwunden. Ich starrte ihr nach als wäre sie ein Geist und keine reale Person. Das alles kam mir so unwirklich vor. Ist das wirklich passiert?

„Hier, das werden sie heute abend brauchen. Das Konzert beginnt um halb zehn.“ Mit einem leichten Schulterklopfen drückte mir Ayurama einen All-Areas Paß für das schon seit Monaten ausverkaufte Konzert von White demon feather im Tokyo Dome in die Hand bevor er mich lächelnd aus dem Raum schob.

„Der arme Kerl kann einem Leid tun.“ Die dunkle Stimme von Shion beunruhigte mich weitaus mehr als es sämtliche von Shaos Drohungen vermocht hätten. Wenn sich selbst die restlichen Bandmitglieder Sorgen um mich machten, dann mußte das alles mehr als nur ernst gemeint sein. Für einen kurzen Moment hatte ich den unstillbaren Drang einfach in meiner Redaktion anzurufen und haarklein alles zu berichten, was sich heute ergeben hatte, aber irgend etwas ließ mich zögern. Es war die dumpfe Ahnung, daß mir diese Aktion mehr schaden würde als nützen. Außerdem muß ich mich unbedingt noch bei meinem Großvater bedanken. Ich weiß zwar nicht wie, aber anscheinend habe ich es wirklich nur ihm zu verdanken, das ich überhaupt soweit gekommen bin. Obwohl er ruhig schon früher einmal hätte erwähnen können, das er Shao Deshon kennt. Aber der alte Fuchs hat sich noch nie gern in seine Karten sehen lassen. Wer weiß welche Asse er noch in seinem Ärmel versteckt. Sobald ich wieder zuhause bin ruf ich ihn an, aber jetzt wird erstmal gefeiert!

 

* * * * *

 

Einige Tage später saß ich erneut in dem ‚Pressesaal’ von White demon feather und wußte nicht so recht, was ich mit mir anfangen sollte. Ich hatte bisher alle Bedingungen der Band erfüllt. Das Resultat wanderte gerade abwechselnd durch die Hände von Kaze, Aruyama und selbstversändlich Shao. Wie man mir höflich mitgeteilt hatte würden Sue und Shion heute nicht mehr an der Sitzung teilnehmen, da ihnen etwas wichtiges dazwischen gekommen sei.

Es war mir auch nicht klar, was es noch großartig zu besprechen gab. Immerhin hatte Maruyama mich eine knappe halbe Stunde nachdem ich das Gebäude verlassen hatte angerufen um mir mitzuteilen, das ich über das Konzert einen Probeartikel verfassen sollte. Außerdem sollte ich mir bitte unbedingt einen fähigen Fotografen suchen, damit sie das gesamte Layout beurteilen können. Unter normalen Umständen hätte ich mich wahrscheinlich mit meinem Gesprächspartner wegen dieser Unverschämtheit angelegt. Aber in diesem Fall… Im Endeffekt war es mir sogar beinahe egal. Ich war nur froh, das man mich bisher noch nicht aufgefordert hatte Tokyo zu verlassen. Vor allen Dingen nicht nach einem solchen Konzert!

Das hatte all meine Erwartungen übertroffen. War ich vorher schon fest entschlossen gewesen diesen Job nicht einfach so aufzugeben, dann könnte mich nun  nicht einmal mehr der Teufel höchstpersönlich von diesem Vorhaben abbringen. White demon feather genoß nicht umsonst weltweiten Ruhm.

Das Live-Konzert war vollkommen anders als all die Alben und Videos gewesen. Es war als würde man ein vollkommen eigenständiges Universum betreten, das nur noch von Musik beherrscht wurde. Anfangs hatte es mich erschreckt mit wie wenig Security ein Konzert dieser Größe veranstaltet wurde, aber schon bald war klar, das mehr gar nicht nötig war. Die Fans wußten genau wie weit sie gehen durften und keiner von ihnen kam auf die Idee eine der unsichtbaren Grenzen zu überschreiten.

Doch am erstaunlichsten war es, wie die Band den tobenden Saal innerhalb weniger Sekunden zu vollkommener Ruhe brachte. Ohne Mikro war Shao in die Mitte der Bühne getreten und hatte angefangen zu singen. Erst leise und nach und nach immer lauter, während die Instrumente sie langsam und dezent begleiteten. In diesem Moment hätte man in dem Saal eine Stecknadel fallen hören können. Alles starrte vollkommen gebahnt auf die Bühne und selbst in den letzten Reihen war Shaos Stimme problemlos zu hören.

Das war auch das endgültige Finale. Nach über sechs Zugaben war dieser Song, der letzte des Abends und ich hätte schwören können, das Shao eine ausgebildete Opernstimme besaß. Leider hatte ich keine Chance mehr gehabt sie danach zu fragen. Trotz meines All-Areas Paß ließ man mich nach dem Konzert nur noch sehr kurz hinter die Bühne. Es reichte gerade noch um der Band zu diesem Erfolg zu gratulieren und von Shao ein anerkennendes Nicken zu erhalten. Danach lotsten mich die Security Leute in Richtung Ausgang wo mich Maruyama kurz abfing um mir den Termin des nächsten Treffens mittzuteilen.

Und da sitze ich nun auf glühenden Kohlen und den Artikel über das Konzert bereits fix und fertig in meiner Aktentasche und trotzdem habe ich keinerlei Ahnung was nun wird.

Zum Glück war es mir damals gelungen eine unserer besten Fotografinnen davon zu überzeugen mich zu dem Konzert zu begleiten. OK, eigentlich wäre sie ohnehin dort gewesen, da sie ein riesen Fan der Band ist. Im Gegensatz zu mir ist sie seit der ersten Single Mitglied im OWDFC (Official White demon feather Fanclub) und hat ihr Ticket selbstverständlich schon eine halbe Ewigkeit in ihrer Schreibtischschublade aufbewahrt. Es hatte mich also nur geringe Mühe gekostet sie dazu zu überreden ihre Ausrüstung einzupacken und ein paar gute Fotos zu schießen. Erstaunlicherweise gab es beim Einlaß auch keinerlei Probleme als wir beide unsere Presseausweise vorzeigten. Normalerweise wurde jedem Mitglied der Presse am Eingang alles außer Stift und Zettel abgenommen. Später gab die Band dann Fotos, die man verwenden konnte frei. Etwas, das für sehr viel Wirbel gesorgt hatte, aber das auch niemand ändern konnte.

Wie dem auch sei, wir genoßen eine Sonderbehandlung und zogen somit selbstverständlich den Neid all unserer Kollegen auf uns. Aber wir waren viel zu aufgeregt, als das uns das großartig gekümmert hätte. Für uns beide war das eine einmalige Chance und Suzuki-san war ein absoluter Profi. Nachdem sie den Schock, das man ihr ebenfalls einen All-Areas Paß in die Hand drückte, überwunden hatte überließ sie nichts mehr dem Zufall. Für so manchen ihrer Schnappschüsse hätten einige Verlage mit Sicherheit ein kleines Vermögen bezahlt.

Es war unglaublich, welche Motive sie mit ihrer Linse einfing. Leider mußten wir sämtliche Filme nach dem Konzert abgeben, aber innerhalb weniger Tage erhielten wir per Post einen Stapel der Abzüge mit dem Vermerk, das die Negative bei der Band verblieben und wir den Artikel über das Konzert schon einmal fertig stellen sollten.

Selbstverständlich erwähnten wir kein Wort davon gegenüber von unserem Chef, der nach wie vor der festen Überzeugung war, das ein Interview mit White demon feather beruflicher Selbstmord war. Innerhalb der nächsten Tage schoben Suzuki-san und ich etliches an Überstunden, da niemand außer uns etwas von diesem Artikel wissen durfte. Das Ergebnis war mehr als nur zufriedenstellend.

Ein großzügiges Layout, Informationen, die außer uns niemand hatte und nicht zu vergessen die unglaublichen Fotos von Suzuki-san. Über zehn Seiten White demon feather! Die Leser würden uns die Ausgabe aus den Händen reißen.

„Einverstanden.“ Erschrocken zuckte ich aus meinen Gedanken hoch und sah direkt in Shaos belustigtes Gesicht.

„Mike, der Artikel ist in Ordnung. Ich denke er schafft den Job.“ Grinsend warf sie die Vorabversion unseres Artikels quer über den halben Tisch. Mir rutschte bei dieser respektlosen Behandlung unserer Arbeit das Herz in die Hose.

„Oder hast du Einwände Kaze?“

„Nein, er ist gut. Ich denke wir sollten es versuchen.“ Er klang nicht wirklich begeistert, aber ich war überrascht, das er meine Arbeit anerkannte.

„Gut, dann hole ich jetzt den Vertrag.“ Maruyama wollte sich gerade in Bewegung setzen als Shao ihn lachend aufhielt.

„Mike, du meinst nicht zufällig diesen hier. Oder?“ Mit viel Schwung landete ein nicht zu verachtender Stapel Papier genau vor meiner Nase auf dem Tisch.

„Was ist das?“

„Och, nichts weiter.“ Grinsend funkelte Kaze mich an.

„Nur die genauen Bedingungen unserer Verinbarung. Alles von den besten Anwälten geprüft und besiegelt. Ein wasserdichter Vertrag.“ Mir wurde flau im Magen. Damit hatte ich nicht mehr gerechnet. Ein Vertrag? Sie wollten das alles schriftlich? Ich dachte ich habe den Job. Vorsichtig hob ich das erste Blatt an. Das Ding war unheimlich umfangreich. Es wird Stunden dauern es zu lesen.

„Unterschreiben sie einfach. Es nicht nötig, das sie jetzt den ganzen Vertrag lesen.“ Shaos Stimme klang zwar honigsüß, aber ihre Ungeduld konnte sie nur schwer verbergen.

„Entschuldigung, aber ich würde schon gerne wissen, was ich hier unterschreibe.“ Das war etwas, was mir mein Großvater immer und immer wieder eingebläut hatte. Unterschreib nie etwas, was du vorher nicht gründlich gelesen und überprüft hast. Egal, wer dich darum bittet oder wieviel Druck am auf dich ausübt. Seufzend ließ Shao sich in einen Sessel fallen.

„Mike wärst du so freundlich?“

„Kein Problem.“ Maruyama hob den Vertrag vorsichtig vom Tisch auf und blätterte etwas darin herum.

„Das ist ein Standartvertrag für all unsere Angestellten. Er regelt ihr Gehalt, ihre Unterbringung, die Anzahl der ihnen zustehenden Mitarbeiter, Spesen etc. und selbstverständlich auch sämtliche Verpflichtungen, die sie gegenüber der Band haben. Bei Vertragsbruch haften sie mit ihrem gesamten Vermögen für den entstandenen Schaden und können beliebig von uns versetzt werden.“

„WAS?!“

„Überrascht? Wir lassen doch nicht einfach so einen Reporter in unsere Nähe ohne uns nicht vorher gegen alles abzusichern.“ Kaze sah mich triumphierend an.

„Das meinte ich nicht. Was meinen sie mit Gehalt und Unterkunft?“ Maruyamas Augen begannen belustigt zu funkeln.

„Ganz einfach, sobald sie diesen Vertrag unterschrieben haben arbeiten sie exclusiv für mich und die Band. Wir zahlen ihr Gehalt und sie bekommen eine angemessene Unterkunft, sowie diverse Büro Räume für sie und ihr Team von uns gestellt.“ Mir schwirrte der Kopf. Das hörte sich alles viel zu gut an um wahr zu sein.

„Mein Team?“ Unterkunft… Büroräume… Träume ich etwa gerade?

„Aber sicher. Oder wollen sie etwa die ganze Arbeit alleine machen? Sie können sich ein Team zusammenstellen und sobald wir ihre Wunschkanditen geprüft haben können sie frei arbeiten. Für sämtliche Unkosten wird die Band aufkommen.“

„Aber das erweckt doch mit Sicherheit den Anschein, als würden sie die Presse kontrollieren.“ Über Maruyamas Gesicht huschte ein berechnendes Lächeln.

„Tun wir das nicht bereits?“ Ich schluckte. Es stimmt. White demon feather und TC-Music zwingen der Presse viel mehr Regeln auf, als eigentlich in dieser Branche normal sind. Aber es wehrt sich niemand dagegen. Selbst mit den spärlichen Informationen, die sie freigegeben läßt sich ein Vermögen verdienen. In diesem Fall zählt der Umsatz des Magazins eben weit mehr als die viel gelobte Pressefreiheit.

„Was ist, wenn ihnen eines meiner Teammitglieder nicht gefällt?“ Mir war unwohl bei dem Gedanken Suzuki-san sagen zu müßen, das sie nicht länger mit mir an dem Projekt White demon feather arbeiten konnte. Es würde verdammt schwer werden einen anderen Fotografen zu finden, der so gut ist wie sie.

„Dann suchen sie sich jemanden, der den Job ebenso gut erledigen kann.“ Shaos Stimme war eiskalt.

„Und wenn ich mich weigere?“ Über ihr Gesicht huschte ein kaltes Lächeln, das in etwa bedeutete: Das wollen sie gar nicht wissen.

„Unterschreiben sie. Danach werden wir mit ihrem jetzigen Vorgesetzen sprechen.“ Lächelnd legte Maruyama den Vertrag vor mir auf den Tisch und hielt mir einen Stift entgegen. Zögernd nahm ich den Kugelschreiber und starrte das Blatt vor mir an als würde es gleich lebendig werden und mich verschlingen.

„Entschuldigung, aber ist das auch der richtige Vertrag? Hier hat schon jemand unterschrieben.“

„Ach das. Nur keine Sorge, der Vertrag ist vollkommen in Ordnung.“ Kaze grinste mich an.

„Ihre Fotografin war bereits hier und hat einen riesen Wirbel veranstaltet, bis wir endlich einiwilligten sie ebenfalls einzustellen.“

„Suzuki-san war hier?“ Ich konnte es nicht glauben. Was hat sie nur dazu bewogen?

„Ja. Und ihre Fotos sind hervorragend. Wir hätten sie ohnehin gefragt ob sie nicht ihn ihrem Team arbeiten möchte. So gesehen hat sie uns eine Menge Arbeit erspart in dem sie sich selbst vorstellte.“ Shao schien sich prächtig über mein fassungsloses Gesicht zu amüsieren. Anscheinend wurde hier rein gar nichts dem Zufall überlassen. Meine Hand begann leicht zu zittern. Unterschreiben oder nicht?

„Es liegt nun allein an ihnen Takano-san.“ Sie lächelte mich sanft wie ein Engel an.

„Wollen sie den Job ja oder nein?“

 

05-09-10

 

Next: Part 33 – Storm in a desert

 

 




Ähm ja, wie man am Datum merkt hatte ich dieses Kapitel schon sehr früh geplant, aber irgendwie war nie Zeit es fertig zuschreiben oder andere Sachen kamen dazwischen. Zum Glück war der Urlaub so erholsam, das ich es ohne Probleme innerhalb der letzten zwei Wochen fertig schreiben konnte.
 

Hiermit ist nun auch der vierte Handlungsbogen abgeschlossen. Vom Umfang her ist er etwas kürzer als die anderen, aber in den folgenden Kapiteln passiert soviel, das es nur jetzt möglich war den vierten Chapter zu beenden.

Die bisherigen Chapter teilen sich wie folgt auf:


Chapter 01 -   Part 00 bis Part 08

Chapter 02 -   Part 09 bis Part 18

Chapter 03 -   Part 19 bis Part 26

Chapter 04 -   Part 27 bis Part 32

 

Bevor ich es vergesse:

Wer >Das wandelnde Schloß< (Howls moving castle) noch nicht im Kino gesehen hatte sollte dies ganz schnell nachholen. Der Film ist spitze und sogar die deutsche Synchro ist gut! Am liebsten würde ich noch mal reingehen, aber im Moment habe ich leider keine Zeit *heul*

Der coolste Chara ist meiner Meinung nach übrigens der Hund! Null, Text, aber der volle Durchblick ^.^

 

UPDATE Kurenai no Tenshi
 

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Dokomi
30.04. - 01.05.2016
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UPDATE Fanfiction
 
Moon Shadows
Chapter 14
___________________

Secrets
wird fortgesetzt
___________________

Love of an angel
abgeschlossen
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Kaze to ki no uta

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