Part 42

06-08-12

Love of an angel

         Part 42

 

And in the end… that’s all?

 

„Deshalb habe ich dir alles genommen! Stück für Stück! Deine schönen Augen, deine hübschen Hände, Füße… deine weiße, durchscheinende Haut…! Alles! ALLES!“ Sein Gesicht war beinahe komplett von dem violetten Muster bedeckt. Es versetzte mir einen Schock ihn so zu sehen. Er war nicht wieder zu erkennen. Der Wahnsinn hatte nun fast vollkommen Besitz von ihm ergriffen. Das, was ihn einst ausmachte war beinahe nicht mehr zu erkennen.

„Doch mein Körper dankte mir mein Handeln gegen die natürliche Vorsehung mit einer gegenläufigen Entwicklung! Je mehr Macht ich besaß, desto jünger wurde er! Und nun sieh mich an!“ Aufgebracht wandte er sich Setsuna und Kurai zu. Es gab keinen Weg ihn zu stoppen. Der Zorn und die Hilflosigkeit über den Zustand seines Körpers, an dem er nichts ändern konnte, bahnten sich unaufhörlich ihren Weg. Es tut mir so leid Rosiel-chan! Ich hätte dich viel früher von deinem Leid erlösen sollen. Hätte ich nicht solange gezögert mich gegen dich zu stellen… es tut mir leid.

„Früher… konnte ich ihm durch meinen Verstand noch halbwegs Herr werden! Ich bat sogar Alexiel um Rat! Doch sie tat nichts, als stumm zuzuhören!“ Nein! Rosiel-chan! Nein! Du irrst dich! Sie wird einen Grund gehabt haben warum sie dir nicht half. Sie hätte dich niemals allein gelassen!

„Aber nur nun ist es zu spät…! Ich kann dieses >schwarze Ding<, das mit der Zeit in mir wuchs, nicht mehr länger zurückdrängen!“ Ich muß hier raus! Ich muß unbedingt hier raus! Wenn das so weitergeht verliert er auch noch das letzte bißchen Verstand. Ich muß ihn erlösen bevor es endgültig zu spät ist! Bevor er vergißt wer er ist…

 

* * * * *

 

>…haßt du mich so sehr…? < Die Vision kam zu plötzlich. Ist das schon wieder Rosiels Vergangenheit?

>Ist es dir so zuwider, daß ein häßliches Monster wie ich von Gott geliebt wird? < Er saß unbekleidet auf den Überresten eines Himmelbettes.

>Willst du mich deshalb töten, Alexiel? < Was?!

>Ich will dich retten…< Diese Stimme… kann das sein? Doch als ich sie erkannte verblaßte ihr Bild bereits wieder. Mir war lediglich ein kurzer Blick vergönnt. Doch das Antlitz meiner Mutter hatte mehr gezeigt als es tausend Worte je vermocht hätten. Die unendliche Liebe zu ihrem Bruder und das Wissen um seinen Zustand zwangen sie zur einer Entscheidung, die sie niemals treffen wollte.

 

* * * * *

 

„Du verbanntest mich auf die Erde… und das zerbrochene Schwert eilte dir hinterher!“ Kann es sein? Mutter hast du es deshalb getan, weil du wußtest, daß wir uns dort begegnen würden? Hast du gehofft wir könnten uns gegenseitig retten? Wir, die wir uns beide nichts sehnlicher wünschten als Erlösung?

„Wie sagtest du bei deinem Tribunal?“

 

* * * * *

 

>…mein Fall und mein Beitritt zur Armee der Oger war ein rein persönlicher Racheakt. < Nein! Das ist eine Lüge! Du lügst! Ich habe den Ausdruck in deinen Augen gesehen als du Rosiel gegenüber gestanden hast. Du hast versucht ihn zu schützen. Du hast dich geopfert um uns alle zu retten…

>Ich liebte Gott und haßte Rosiel, da er bei ihm sein durfte. Ich wollte mich an Gott rächen, daß er mich in Eden einschloß. < Selbst im Moment ihrer Niederlage hielt sie ihren Kopf hocherhoben. Es schnürte mir die Kehle zu sie in Fesseln zu sehen. Sie hat ihr Leben riskiert, um das ihres Bruders zu retten und sich der ewigen Verdammnis des Himmels ausgeliefert…

Die Strafe, die man ihr für ihren Verrat auferlegte war schlimmer als der Tod. Die Seele vom Körper getrennt und dazu gezwungen bis in alle Ewigkeit in Assia wiedergeboren zu werden. Einzig und allein um noch in jungen Jahren einen grausamen Tod durch Menschenhand zu sterben. Ohne eine Chance auf Erlösung oder Gnade…

 

* * * * *

 

„…wieso wolltest du mich nicht ansehen, Alexiel? Ist es denn meine Schuld, das ich so häßlich bin?“ Nein Rosiel-chan! Du bist nich häßlich! Ich versuchte zu ihm zu eilen und ihn zu umarmen, damit der Schmerz, der sich durch sein Innerstes fraß ihn nicht länger heimsuchen konnte, doch ich prallte an einer unsichtbaren Wand zurück. Meine Schulter brannte wie Feuer.

„Nein…!! Meine Gestalt habe ich der Erschaffung der Menschheit zu verdanken! Weil Gott die Bürde ihrer Erbsünde auf meine Schultern lud!“ Was?! Er trägt die Sünde Assias?! Wie kann das sein? Wie kann ein Engel allein so viel Schmerz erdulden? Rosiel, was hat er dir angetan? Was hat er getan?!

„Ich hasse sie…! Die Menschen… die ganze Welt…! Sie sollen alle sterben!“ Nein! Hör auf! Hör bitte auf! Ich weiß, daß du die Menschen verabscheust. Aber du hast würdest niemals versuchen ihre gesamte Welt auszulöschen. Dazu wärst du nicht fähig! Sieh es doch endlich ein! Du liebst Assia ebenso sehr wie ich! Nur dort konntest du frei sein…

Warum bist du nicht mit mir dorthin zurückgekehrt? Warum haben wir beide den Himmeln nicht einfach den Rücken gekehrt als wir noch die Gelegenheit dazu hatten? Warum sind wir nicht einfach geflohen ehe alles zu spät war?

„Rosiel-sama…!! Ihr irrt euch…!!“ Nicht! Catan bist du wahnsinnig?! Bleib stehen!

„Nicht! Hör auf damit!“ Doch Setsuna gelang es nicht ihn aufzuhalten. Verzweifelt hämmerte ich mit den Händen auf die unsichtbare Wand, die mich daran hinderte einzugreifen. Für ihre Augen war ich unsichtbar. Ich konnte nichts weiter tun als hilflos mit ansehen, was als Nächstes geschah.

„Und ihr alle mit ihr…!“ Ich schrie auf als Rosiels Attacke Catans rechte Seite aufriß. In seinen Augen schimmerte pure Mordlust. Er war nicht mehr länger er selbst… wie ein verwundetes Tier versuchte er sich verzweifelt vor weiteren Verletzungen zu schützen.

„Trotz allem…“ Stöhnend preßte Catan seine Hände auf die Wunde zu, um nicht zu verbluten.

„…seid ihr immer noch schön… Rosiel-sama.“ Laß mich raus! Laß mich endlich hier raus! Doch das Echo meiner verzweifelten Schreie und Schläge auf die unsichtbare Barriere waren die einzigen Geräusche die, die Dunkelheit durchdrangen.

„Auch jetzt noch ist das wundersame Licht, das euch bei unserer ersten Begegnung umgab, in meiner Erinnerung festgebrannt.“ Sie bringen sich noch gegenseitig um! Laß mich raus!

„Noch bevor ich mir, einem leiblosen Grigori, einen eigenen Körper schenktet… stahl mir die Schönheit eurer astralen Erscheinung das Herz.“ Immer fester schlug ich auf das ein, was zwischen mir und meinen Freunden stand. Catan! Halt durch! Bitte halt durch!

„Mein Herz hielt euch nie eures Körpers wegen für schön. Selbst dann nicht, als ich euch mit meinen fleischlichen Augen erblickte.“ Sein Atem ging nur noch stockend. Lange würde er sich nicht mehr auf den Beinen halten können. Verdammt! Ich muß hier endlich raus! Sonst ist alles zu spät!

Die Überreste meiner Astralkräfte sammelnd wünschte ich Gott zum xten Mal zum Teufel ehe ich eine Energiewelle auf die Wände meines Gefängnisses schleuderte. Es gab nicht einmal eine Reaktion. Der Angriff war vollkommen wirkungslos verpufft.

„Jedes Mal, wenn ich euch >schön< nannte… sah ich die strahlende Gestalt von damals vor mir.“ Geschockt sank ich in die Knie und starrte auf meine Hände. Sie waren über und über mit Blut bedeckt. Wie kann das sein? Wie kann ein solcher Angriff wirkungslos sein? Selbst mit diesem Minimum an Kraft hätte ich mich aus jedem Bannkreis der Hölle oder des Himmels befreien können. Wie kann er wirkungslos sein?!

„Es ist wahr. Ihr seid wunderschön, Rosiel-sama! Seit eurer Geburt.“ Er näherte sich Rosiel immer weiter und niemand griff ein oder hielt ihn auf. Er läuft geradewegs in seinen Untergang.

„Dieser Glanz, den ich sah, ER war eure wahre Gestalt!“ Kehr um du verdammter Narr! Kehr endlich um! Du läufst in dein Verderben! Er ist nicht er selbst! Er wird dich nicht erkennen!

„Ich war euer Diener. Ich war Zeuge… wie der Rosiel-sama von einst, edelmütig und heilig, von Weisheit uns sanfter Liebe erfüllt…“ Ich stieß ein bitteres Lachen aus. Wie lange ist das her, Catan? Wann hast du ihn zum letzten Mal so gesehen? Es muß eine halbe Ewigkeit sein…

„…ab und an zu grausamen Taten fähig wurde, einem unschuldig lachenden Kind gleich, das einem Insekt die Flügel ausreißt…“ Behutsam entfernte er die Verbände um seinen Kopf. Seine Wunden waren bei Weitem nicht so verheilt wie sie es hätten sein sollen. Seine Zeit lief ab. Diese Erkenntnis fraß sich wie Eiswasser durch meinen Körper. Es gab nichts mehr, was ihn noch retten könnte.

„Ich ahnte... daß es mit der Verjüngung eures Körpers einherging… es wurde immer offensichtlicher… je labiler eure geistige Verfassung wurde. Bis schließlich… der Rosiel-sama von einst vollends verschwunden war.“ Und du warst die ganze Zeit bei ihm? Du hast versucht ihn vor dem, was mit ihm geschah zu beschützen obwohl du wußtest, daß es am Ende sinnlos sein würde? Ich spürte wie sich Tränen den Weg in meine Augen bahnten. Man hatte mich dazu verdammt tatenlos mitanzusehen wie all meine Freunde und meine beiden geliebten Engel in ihr sicheres Verderben liefen. ER ließ nicht zu, das ich länger eingriff. Mit einer Macht, die nur von IHM selbst stammen konnte hatte ER mich in die Dunkelheit verbannt.

„Doch dies war mir gleich. Ich würde immer an euch glauben! Täte ich es nicht, hätte ich nie das Verbot gebrochen und euch aus eurem Siegel befreit!“ Verzeih mir! Verzeih mir Catan! Verzeih mir all die harten Worte, wenn es um die Befreiung deines Vaters ging. Bis jetzt hatte ich es niemals richtig verstanden… mein Haß auf sämtliche Engel hat mich blind gemacht für das, was euch verbindet… ich hätte es viel früher sehen müßen…

„Doch so sehr ich… mich auch bemühte euch gut zu dienen… euer Herz blieb einsam. Ihr vertrautet weder euch noch Anderen… ihre machtet mich zu eurer Marionette…!“ Warum hast du mir das nie erzählt? Die ganze Zeit über hast du dieses Geheimnis tief in deinem Herzen verschlossen. Warum hast du mir nicht vertraut? Es hätte sovieles geändert…

„Euch ging es nur um eure andere Hälfte… um Alexiel!“ Sein Atem ging immer schwerer doch er würde sein Ziel bald erreicht haben. Nur noch wenige Stufen trennten ihn von Rosiel.

„…aber ihr braucht keinen Verrat mehr zu fürchten. Es gibt nichts mehr wovor ihr euch fürchten müßt!“

„Was… was redest du da…?“ Verwirrt und ängstlich wich Rosiel vor ihm zurück.

„Was weißt du denn schon…!“ Seine Hände fuhren zu seinen Schläfen und krallten sich darin fest. Catans Worte hatten ihn aufgewühlt doch noch reichte es nicht, um seinen Verstand zurück zubringen.

*Humbug! Achte nicht auf sein Geschwätz! Ich, dein Vater, bin der einzige der dich liebt! Ist es nicht so Rosiel?* Oh ja! Das bist DU! Und was für einer! Welcher Vater, der seine Kinder liebt nimmt ihnen schließlich sämtliche Erinnerung an diejenigen, die sie lieben?! Wie soll er noch jemandem vertrauen, wenn er sich nicht einmal daran erinnern kann, wie sehr er geliebt wird?

„Rosiel-sama…!“ Bitte Rosiel! Wenn du dich schon nicht mehr an mich erinnerst, dann erinnere dich an ihn! Erinnere dich an die Zeit, als ihr beide glücklich wart. Bitte!

„Komm nicht näher…“ In seiner Verzweiflung tat er das Einzige was ihm einfiel. Als Catan nur noch zwei Schritte von ihm entfernt war riß Rosiels Macht seine rechte Schulter auf. Ich preßte die Hände auf den Mund um nicht laut zu schreien.

„Hör auf!! Du läufst in deinen Tod!“ Bitter lachend schlug ich erneut gegen die Wand meines Gefängnisses. Glaubst du wirklich das wüßte er nicht, Setsuna? Er will ihn retten um jeden Preis.

„Körperlicher Schmerz ist bedeutungslos… verglichen mit dem Schmerz in meiner Brust, weil ihr euch vor mir verschließt…!!“ Nein! Bitte! Bitte bleib liegen. Steh nicht auf! Tu mir das nicht an! Geh nicht weiter!

„Laßt uns nach Hause gehen…“ Er kniete vor Rosiel und bot ihm sanft lächelnd seine Hand an. In seinen Blick lag nichts außer bedingungslose Liebe und Vertrauen. Es zerriß mich ihn so lächeln zu sehen. Mit beinahe derselben Geste hatte er mich gebeten ihm zu verzeihen… ihm zu verzeihen, das er mir verschwiegen hatte, das er ein Engel war…

„Zurück in die Zeit, nach der ihr euch so zurücksehnt…“ Rosiel war wie erstarrt. Catan hatte ihn vollkommen in seinen Bann geschlagen. Er ließ es sogar zu das er seine Wange berührte. Rosiel-chan, besteht noch Hoffnung? Schafft er es wirklich dich zurückzubringen?

*…hast du schon vergessen, was die Schwestern riefen, als sie dich sahen? Rosiel!* Ein Ruck fuhr durch Rosiels Körper. NEIN!

*Sie nannten dich >Monster<…!* Rosiels Astralkräfte explodierten und Catans Kopf wurde brutal von seinen Schultern gerießen. Er flog ihm hohen Bogen die Stufen, die er so mühsam erklommen hatte hinunter. Das Blut, das aus seinem Körper strömte verteilte sich über Rosiel. Mein Aufschrei verklang ungehört in der Finsternis. Verzweifelt schlug ich gegen die unsichtbaren Wände, die mich gefangenhielten hielten. Ich spürte nicht einmal mehr den Schmerz, der daraus hätte entstehen müssen.

Es ist meine Schuld! Einzig und allein meine Schuld! Hätte ich nicht solange gezögert könnte er noch leben. Ich hätte mir niemals solange Zeit lassen dürfen! Warum habe ich nicht eher gehandelt?!

Tränenüberstromt sackte ich in mich zusammen und verbarg mein Gesicht in den Händen. Das Salz brannte in den offenen Wunden wie Feuer. Mein gesamter Körper war jedoch seltsam taub und nahm den Schmerz nur am Rande wahr. Mein Geist hingegen war wacher als jemals zuvor. Noch ehe Catans Existenz endgültig verlöschte spürte ich, wie Rosiel immer mehr von sich selbst verlor. Bis fast nichts mehr von ihm übrig war. Mit jeder Faser meines Selbst versuchte ich ihn zu erreichen, doch es zeigte keinerlei Wirkung.

Das Band, das uns verbunden hatte war für immer zerstört. Das Einzige, was zurückgeblieben war, war endlose Dunkelheit und eine Einsamkeit wie ich sie nie wieder spüren wollte. Es war wie Gott gesagt hatte… Wenn ich freikam würde die Welt, die ich kannte nicht mehr länger existieren. Er würde alles und jeden darin vernichten ehe die Türen meines Gefängnisses öffnete. Dann wäre ich allein in einer Welt, in der es niemanden mehr gab, der mir etwas bedeutete. Das einzige lebende Wesen in einer Wüste aus Sand…

Die Verzweiflung trug mich davon. Die Schatten, die mich umgaben, wurde immer größer bis sie mich ganz umschlossen. Die Szenen vor meinen Augen verschwanden in der Dunkelheit während mein Körper immer mehr von der Finsternis verschlungen wurde. Ich wollte es nicht mehr sehen. Nichts mehr davon! Nichts von dem Leid, das ich nicht länger verhindern konnte…

Um mein Leben zu retten hatte Rosiel seines aufgeben. Und egal, was von nun an auch geschehen würde, ich dazu verdammt ewig zu leben. Das Wort des Schöpfers war unwiderruflich. Sollte die Welt der Menschen untergehen wäre ich dazu verdammt für alle Zeiten durch zerstörte Welten zu wandeln. Als einzige Überlebende eines grausamen Kampfes… allein… mit niemanden an meiner Seite… erneut… ohne Hoffnung auf Erlösung… verdammt in alle Ewigkeit…

„Du wirst keinen Finger mehr an unsere Welt legen, dafür sorge ich! Ab jetzt bestimmen wir unser eigenes Schicksal!“ Setsunas Stimme drang wie ein klarer Lichtstrahl in mein Gefängnis. Ich versuchte mich dagegen zu wehren. Ich wollte nicht aus der Finsternis auftauchen, die mich wie ein schützender Mantel umgab. Doch irgendwo tief in meinem Inneren regte sich Widerstand. Solange meine Freunde kämpften sollte ich es ebenfalls tun! Ich hatte Rosiel versprochen ihn von seinem Schicksal zu erlösen. Bisher ist es mir nicht gelungen, aber vielleicht gibt es ja doch noch einen Weg. Jedes Gefängnis, sei es noch so sicher hat schließlich eine Schwachstelle. Ich muß sie nur finden…

*Wie töricht von dir… den nicht zu ehren, der euch geboren hat. Laß mich dir zeigen, was es für ein Ende all die erwartet, die ihren Platz nicht kennen! Luzifer!* Ich zuckte zusammen. Mein Vater ist hier?! Ich habe seine Anwesenheit gar nicht gespürt… sind meine Kräfte etwa schon derartig geschwächt, das ich nicht einmal mehr ihn spüren kann? Oder liegt das an diesem Ort an den ER mich gesperrt hat?

*Töte ihn! Es ist an der Zeit für Alexiels Wiedergeburt!* Nein! Nein! Ich wehrte mich erneut gegen die dunkle Umklammerung, die meinen Körper gefangenhielt. Die zähflüssige Masse setzte alles daran mich erneut in die Dunkelheit zu ziehen.

*…Was…?* Ohrenbetäubender Lärm durchdrang mein Gefängnis. Schützend preßte ich die Hände über die Ohren. Was um alles in der Welt geht dort draußen vor sich?!

*…wie ist das möglich…?* Die Schwärze, die mich umgab bekam nach und nach Risse. Immer mehr Licht drang zu mir. Bis sie schließlich begleitet von einem lauten Knirschen verschwand.

„Der echte Blutkristall zersprang in Anagura. In ihm steckt keine Macht mehr. Diese Imitation war nur ein Beweis, den Rosiel jedem vor die Nase halten konnte, um zu zeigen, daß er mich gefahrlos kontrollieren konnte.“ Zitternd spürte ich festen Boden unter mir. Glatter Stein. Doch mit dem Verschwinden der Dunkelheit kehrte der Schmerz zurück. Es gelang mir weder mich zu bewegen noch die Augen zu öffnen. Zu sehr schmerzte das Licht, das durch die geschlossenen Lider drang.

„Er brauchte mich, um die Psyche des Messias zu zermürben. Also spielte ich mit, um durch ihn in deine Nähe zu gelangen.“ Die Stimme meines Vaters drang nur undeutlich an meine Ohren. Wo bin ich? Vorsichtig versuchte ich eine Hand zu bewegen. Es gelang nur leidlich. Lediglich die Finger bewegten sich einige Millimeter. Der Rest des Armes blieb taub. Vom Regen in die Traufe…

„Was Rosiel angeht… ob es ihm nur darum ging, seine frühere Gestalt wiederzuerlangen… Wer kann das jetzt noch wissen?“ Tränen rannen aus meinen Augen. Begleitet von Zorn und Trauer. Rosiel, was um alles in der Welt hast du getan? Du hast Catan getötet! Wie konntest du nur? Er hat dir soviel bedeutet…

„Fest stand, daß du ihn bis hierhin verfolgen würdest. Solange unklar war, daß der Kristall nur eine Attrappe ist.“ Heftiger Schmerz durchfuhr mich, als ich mich auf den Rücken drehte. Stimmt. Meine Flügel… sind gebrochen…

„>Vatermord< eine passende Sünde für jemand, der als >verfluchter Sohn< das Licht der Welt erblickte. Denkst du nicht auch?“ Die warme Aura meines Vaters kam immer näher. Ich versuchte ihn zu rufen, doch kein Laut drang aus meiner Kehle. Die Verzweiflung hatte meine Stimme gelähmt.

„Für diesen Moment in deiner Nähe habe ich mich zu Rosiels Bedienstetem herabgelassen. >Vater!<“

„Jahrtausende habe ich einzig und allein dafür gelebt, dich zu töten.“ Er ist tot? Wie kann das sein? Die Macht, die mich gebannt hat ist zwar zum Großteil verschwunden doch einen Teil davon spüre ich immer noch. Bist du dir sicher Vater? Hast du ihn wirklich vernichtet? Oder täuscht er uns alle? Rosiels verzweifelter Aufschrei brachte mich dazu gegen die Fesseln meines Körpers zu kämpfen. Unzählige Wunden brachen auf , doch es gelang mir mich immer mehr bewegen.

„LASS DAS, ROSIEL!“ Setsuna? Verdammt! Wo seid ihr? Warum kann ich nichts sehen? Obwohl ich die Augen geöffnet hatte verschwamm die Welt in Grau- und Schwarztönen. Blind tastete ich mich über den Boden.

„Nach all den Grausamkeiten, die du begangen hast, ist es zu spät dazu! Du hast auf die Menschen herabgesehen! Mir alles genommen, was mir lieb war!“ Verzweifelt rief ich Rosiels Namen, doch meine Stimme blieb stumm. Niemand hörte mich…

„Für dich war es ein Spiel andere zu töten! Du hast dabei gelacht!“ Endlich, endlich lichtete sich die Dunkelheit doch nach wie vor lag alles unter einem dichten Nebelschleier verborgen. Ich nahm nur undeutliche Schemen wahr.

„Und wenn er dich in den Wahnsinn getrieben hat! Was er dir angetan hat, ist mir egal!“ Das glaubst du doch selbst nicht. Setsuna, so wie sich deine Stimme anhört weißt du nicht mehr ob du ihn hassen oder bemitleiden sollst…

„Wozu habe ich sonst diesen langen Kampf durchgestanden?! Wozu bin ich hier? Um dich zu töten!“ Ächzend richtete ich mich auf und sammelte den letzten Rest der mir zur Verfügung stehenden Heilkräfte. Ich fühlte mich, als wäre ein Düsenjet auf meinem Rücken notgelandet.

„…bitte hör auf!“ Oh, meine Stimme… sie gehorcht mir wieder… das hier… Ungläubig starrte ich die glatte Marmorwand an. Das hier ist die Rückseite von Gottes Thron?!

„Laß mich dich wenigstens bis zuletzt hassen, Rosiel!!“ Wo ist mein Schwert? Ach so… es ist in der Dunkelheit verschwunden… Zeit es zurückzuholen…

*…tut das nicht…* Ein Licht so sanft die Strahlen der aufgehenden Sonne hüllte mich ein.

*Meine geliebten Kinder…* Adam Kadmon! Bedeutet das, wir haben es geschafft? Lächelnd spürte ich wie sich der Griff meines Schwertes in meine Hand schmiegte.

*Meine geliebten… Geschöpfe…* Das Schwert als Stütze nutzend umrundete ich die Überreste des gigantischen Steinsessels. Mein Blickfeld wurde allmählich immer klarer. Auch, wenn es hier und da bedrohlich schwankte oder verschwamm.

*Ich gratuliere dir. Du hast es bis hierher geschafft Messias. Und auch ihr meine Kinder.* Die letzten Reste meiner Fesseln fielen von mir ab. Erleichtert atmete ich auf als die Selbstheilung endlich einsetzte.

*Ihr habt mich aus der Herrschaft des Schöpfers befreit.* Reiflich wackelig auf den Beinen schaffte ich es beinahe unerkannt an die Seite meines Vaters zu gelangen. Adam Kadmons Licht war dabei äußerst hilfreich. Alles erstrahlte in reinstem Weiß. Es gab keinen Anfang und kein Ende. Nur reines Licht.

„T… Träume ich?! Bist du es wirklich?“ Gebannt starrte Setsuna die Lichtgestalt an. Glaub es ruhig. Er ist es. Vorsichtig stieß ich meinen Vater an und ließ mich von ihm auffangen als meine Beine unter mir nachzugeben.

„Was tust du hier?“ Zischte er in mein Ohr. Doch es gelang ihm nicht die Sorge aus seiner Stimme zu verbannen.

„Die Welt retten, was sonst?“ Sein Gesichtsausdruck sprach Bände. Übersetzung:

Gründlich schiefgegangen, wie?

*Ja, ich bin es, Setsuna Mudou…* Erleichtert schmiegte ich mich an meinen Vater und genoß es nach langer Zeit endlich wieder seine Nähe spüren zu können. Es sieht tatsächlich so aus, als hätten wir es geschafft.

„War es das?“ Fragte ich ihn.

„Du hast Gott getötet… ist es vorbei? Muß ich Rosiel nicht mehr töten?“ Er antwortete nicht sondern ließ lediglich einen Teil seiner Kraft in mich fließen. Dankbar lehnte ich den Kopf gegen seine Schulter während sich meine Wunden allmählich schlossen.

*Was ihr Schöpfer nennt, ist eine gigantische Ansammlung von Energie, die seit Anbeginn der Zeit in den Weiten des Alls existiert… als er schließlich einen eigenen Willen manifestierte erschuf er sich einen Stern, um darauf ein eigenes Königreich mit ihm an der Spitze zu kreieren. Viele Versuche waren nötig… bis ihm schließlich eine intelligente Spezies namens >Mensch< gelang. Gott wies die >Engel< an, sie nach seinen Vorstellungen zu leiten.* Ist das wirklich wahr? Sind wir all die Jahre einer grausamen Existenz ausgesetzt gewesen, die uns nur erschaffen hatte um das eigene Ego zu befriedigen? Fragend sah ich meinen Vater an. Er nickte bestätigend.

*Alles nur, um sich einen Miniaturgarten zu schaffen, der seinen eigenen Herrlichkeit huldigte.* Ein Abbild Assias flammte über uns auf. Eine Laune Gottes? Ist das alles, was wir sein sollen? Existieren wir nur zu seinem Vergnügen?

*Doch bald gedachte Gott, auch die Menschen zu vernichten, wie er es schon mit unzähligen Lebewesen vor ihnen getan hatte. Als ich ihm davon abriet… begann er mir, dem die Engel vertrauen, und meiner Macht zu mißtrauen und hub an, mich zu versiegeln.* Ein Siegel? Hat er dasselbe getan, um mich in der Dunkelheit zu bannen?

*Mit der letzten mir verbliebenen Kraft teilte ich meine Macht in Positiv und Negativ und schuf somit durch Monogese ein Zwillingspaar. Sie waren der Schlüssel, der Etemenanki öffnen sollte!*

„Rosiel und Alexiel…!!“ Suchend striff mein Blick umher und verharrte schließlich auf Rosiels wimmernder Gestalt. Er kniete vor Gottes Thron den letzten Rest der einstmals mächtigsten Macht des Universums verzweifelt in seinen Händen haltend. Du dummer Engel. Wie kannst du um ihn trauern? Nach allem, was er dir angetan hat…

*Danach wurde ich in Etemenanki eingesperrt… und da Gott Rosiels und Alexiels vereinte Kräfte fürchtete, zog er sie isoliert voneinander auf. So kam es, daß beide sowohl ihr Schicksal... als auch einander hassen lernten.* Nein, Mutter hat Rosiel nie gehaßt. Sie hat ihn geliebt. Sie hätte alles getan um ihren Bruder zu schützen. Fürsorglich schlang mein Vater einen Arm um meine zitternden Schultern. Dankbar sah ich ihn an.

*Aber nun ist der Schöpfer, der mich einschloß verschwunden. Nun werde ich meine Kraft nutzen, um die Erde und das Mädchen, das du liebst, in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen.*

„W… Wirklich?!“

*Aber sicher…! Du mußt dir um nichts mehr Sorgen machen. Ich werde auf ewig all deine Leiden von dir nehmen.* Obwohl diese Worte all unsere Mühen belohnten schrillten in meinem Inneren plötzlich sämtliche Alarmglocken. Statt erleichtert zu sein, daß endlich alles vorbei war sah ich mich wachsam um. Auch mein Vater verstärkte den Griff um meine Schultern. Er spürte es ebenfalls.

*Und nun zu dir… komm zu mir Rosiel…!* Sanft lächelnd sah Adam Kadmon auf kniende Gestalt hinab. Ein seltsames Kribbeln durchfuhr meinen Nacken und die feinen Haärchen richteten sich auf. Fast wie bei einer Katze, die den Hund bereits wittert noch ehe er seine sichere Deckung aufgegeben hat.

*Laß mich dich erlösen…* Hoffnungsvoll sah Rosiel die lichtumflorte Gestalt an. Etwas stimmt nicht! Ich stieß meinen Vater zur Seite und machte einen Schritt nach vorn. Rosiel lauf weg! Lauf weg!

*…von deinen… unendlichen Leiden…!* Ein lauter Knall ließ mich herumwirbeln. Die tödliche Klinge in meiner Hand bereit zum Schlag.

„MESSIAS!!! Bist du hier?!“ Erleichtert senkte ich mein Schwert. Dicht gefolgt von Uriel stürmte Michael die Treppe zu Gottes Thron hinauf.

„Nimm dich vor Adam Kadmon in Acht! Er ist… WAHNSINNIG!!“ Die Warnung kam zu spät. Aus Rosiels Brust schoß ein dunkelroter Kristall. Sein Blut tropfte über mich während sein Körper dicht an mir vorbei zu Boden fiel. NEIN!

„Was tust du da??! Adam Kadmon!!!“ Unfähig mich zu bewegen starrte ich meine Hand an. Sie war über und über mit Rosiels Blut bedeckt.

*Rosiel war nichts als ein Klumpen Fleisch und Macht! Der Schöpfer gab ihm nicht nur Alexiels Ersatzteile… sondern auch diesen Kristall, der ihm als Herz diente!* Sein Herz?! Mein Blick glitt von dem, was Adam Kadmon in seinen Händen hielt zu der Gestalt, die leblos am Boden lag. Das dunkle Blut bildete einen makaberen Kontrast zu dem weißen Marmor, dem hellen Haar, der makellosen Haut und dem Stoff, den er noch im Augenblick des Todes um sich geschlungen hatte. Jedes noch so kleine Detail fraß sich brutal in mein Gedächtnis. Ich würde diesen Anblick nie wieder vergessen können.

*Ich werde dich retten, wie ich es versprochen habe… und dir deine alte Gestalt… zurückgeben!* Zitternd schritt ich die Stufen hinab bis ich neben Rosiels Überresten stand. Sein Blut färbte die Spitzen meiner Flügel schwarz.

„Messias!! Shao!!“ Michael stürmte mit gezogenem Schwert auf uns. Kraftlos sank ich neben Rosiel in die Knie. Verzeih mir! Bitte verzeih mir!

„Uriel! Michael! Shao?!“ Überrascht sah Setsuna mich an. Abwesend hob ich den Blick. Doch kein Laut drang über meine zitternden Lippen.

„Verdammt! Was macht ihr hier?!“

„Du muß Sara retten!!“ Michael war jetzt fast bei ihm.

„Sie wird immer noch von Sandalphons Restgedanken gesteuert! Sie ging in einen seltsamen Raum... da stürzte ein riesiges etwas von oben herab und verschlang sie!“ Er hat recht. Was mache ich hier? Warum ist das geschehen? Warum konnte ich sie nicht beschützen? Ich hatte doch geschworen, daß ich ihm seinen Wunsch erfülle… was ist geschehen?

*Hn hn… ‚Sara’ sagt ihr? Dieses winzige, insektengleiche Ding von einem Lebewesen?* Ein kurzes Aufflackern genügte um ihren Körper in Adam Kadmons Händen erscheinen zu lassen. Rosiels Blut drang immer weiter durch meine Kleidung.

*Mit nur ein wenig mehr Kraft könnte ich sie zerquetschen…*

„SARA!!!“ Das hier ist nicht länger mein Kampf… nicht wahr Rosiel… Sie werden es auch ohne mich schaffen… nur du… du brauchst mich jetzt… nicht wahr? Meine Tränen fielen auf seine gebrandmarkte Haut während mein Rücken wie Feuer brannte. Es würde eine halbe Ewigkeit dauern bis meine Flügel geheilt waren.

„Rosiel…!“ Sanft strich ich durch sein Haar während mich die Verzweiflung immer mehr zu übermannen drohte. Er nahm mich nicht einmal mehr wahr. Sein Geist war wie leergefegt.

„…siel…“ Mach endlich die Augen auf du dummer Engel! Laß mich nicht allein zurück! Wie Tropfen reinsten Kristalls verfingen sich meine Tränen in seinem Haar. Laß mich nicht allein!

*Catan… bist du das?* Erschrocken zuckte ich zusammen als ich seine wispernde Stimme in meinem Geist vernahm.

*Ich hatte einen furchtbaren Traum…!* Bitte! Bitte tu mir das nicht an! Halt mich nicht für ihn. Bitte!

*In meinem Traum war ich wahnsinnig… und tötete alle, selbst dich…* Hör auf so zu reden. Kling nicht so, als würdest du gleich sterben! Wir haben gesiegt! Sieh doch! Der Kampf ist vorbei. Es ist nicht mehr nötig dich aufzuhalten… du kannst leben.

*Aber das kann nicht sein… käme es so weit hätte ich dich weit weg geschickt! Um dich zu schützen…* Es tut mir so leid! So unendlich Rosiel-chan! Ich konnte ihn nicht aufhalten! Er hat uns alle reingelegt. Ich konnte ihn nicht retten…

*Weil ich weiß… täte ich es nicht, würdest du nie von meiner Seite weichen…* Mit einem leisen Seufzer öffnete er langsam die Augen. Er sah nichts außer Catans Kopf, der abgetrennt vor ihm auf dem Boden stand.

*…Gott sei Dank… es war nur ein Traum…* Quälend langsam hob er eine Hand um Catan zu erreichen. Ich brachte es nicht fertig ihn daran zu hindern. Er hat ihn so sehr geliebt…

*Nur ein Traum…* Doch der grausamen Wahrheit konnte er nicht entgehen. Hilflos sah ich mit an, wie er begriff, was er getan hatte. Getan haben mußte.

*Ja… ich liebte dich… mehr als alles andere…* Mit dem letzten Rest der ihm verliebenden Kraft stemmte er sich in die Höhe.

*Doch so sehr ich dich auch liebte, ich habe dich endgültig verloren…* Behutsam, als würde kostbares Kristall halten hob er den Kopf vom Boden auf.

*Gleich, wie oft ich dich auch wiederbelebe… du wirst nie mehr derselbe sein.* Das ist wahr Rosiel-chan. Es wird nie wieder so sein wie es einst war… niemand kann ihn zurückbringen… er ist fort… für immer…

*Ich liebte dich so sehr… daß ich es dir nicht sagen konnte.* Ich preßte die Hände vor den Mund um nicht laut zu schluchzen. Es gibt nur noch eins, was ich für ihn tun kann. Ein letztes Mal muß ich dem Namen, den man mir gegeben hat gerecht werden. Azrael, der Engel des Todes…

*Ich… ich habe dich… mit…* Schützend preßte er Catans Kopf an sich. Ich zwang mich aufzustehen und das Schwert zu heben. Ein einziger Schlag würde genügen. Er wird es noch nicht einmal spüren…

*…mit meinem eigenen Händen…* Ich spürte das Aufwallen seiner Macht noch ehe es sich gepaart mit einem furchtbaren Schrei entlud. Doch es fehlte mir an Kraft und an Willen um einen Schutzschild zu schaffen, der mich hätte standzuhalten lassen. Entschuldigend lächelte ich meinen Vater an als mich die Wucht der ungebändigten Astralkraft von den Füßen riß und mich beinahe all meiner verbliebenen Astralkräfte beraubte. Sein Blick war von Entsetzen und Begreifen gezeichnet während mein Schwert in einem See aus Blut versank.

Verzeih mir Vater, aber so ist es besser. So ist niemand von uns allein… Wir drei werden an einen Ort gehen, der… der… friedlicher ist… an dem es keine Rolle spielt wer wir sind…

Während die Zerstörung um uns herum tobte merkte ich, wie mein Körper immer schwächer wurde. Benommen nahm ich Rosiels schneeweiße Schwingen direkt vor meinen Augen wahr. Seine Verzweiflung entlud sich in einem astralen Sturm, der erst mit seinem Tod enden würde. Bald… schon bald würde er all seine Kräfte aufgebraucht haben… und dann… und dann wäre es endlich vorbei. Für immer vorbei… Lautlos bat ich ihn um Verzeihung. Es tut mir Leid Rosiel-chan… ich konnte euch nicht beschützen…

„Es ist nicht deine Schuld.“ Sanft wie ein Windhauch drang die Stimme meiner Mutter durch den Kreis der Zerstörung.

„Mutter?“

„Es ist meine Sünde.“ Stöhnend drehte ich mich auf die Seite und entdeckte ihren Körper bei vollem Bewußtsein vor Rosiel liegend. Ihre Hände umfaßten sanft sein Gesicht.

„Es tut mir leid. Ich habe zulange gewartet.“

„Nein, es ist… kümmere dich um ihn…“ Sie lächelte leicht in meine Richtung ehe sie sich wieder Rosiel zu wandte.

„Meine Geburt stahl dir… deine gesamte Lebenskraft. Du warst nur ein Knäuel Fleisch… am Leben gehalten von einer Unmenge von Kabeln und Maschinen.“ Mühsam versuchte ich bei Bewußtsein zu bleiben. Doch es war alles andere als leicht. Jede Faser meines Körpers sehnte sich nach Ruhe. Ewiger Ruhe…

„Also bot mir Gott einen Handel an.“ Wird sie mir dieses mal vergönnt sein? Kann ich sie begleiten?

*Willst du sein Leben retten, mußt du diese Bedingungen befolgen. Du darfst weder Kontakt zu ihm aufnehmen noch ihm gegenüber Gefühle zeigen.*

„Ich ging den Handel ein und flüchtete mich in den Garten Eden. Meine akribische Bewachung… machte es mir unmöglich, dein Flehen zu erwidern. Die Schwestern wiederum waren von den Früchten des Baums der Erkenntnis vergiftet, der aus Adam Kadmons linkem Auge gespeist wurde. Das Sicherheitssystem war wie geschaffen, dich abzustoßen.“ So sehr liebst du ihn also, Mutter? So sehr, das du dieses Schicksal freiwillig gewählt hast? So sehr…

„Gott gab mir den Körper meiner Mutter, Adam Kadmon zu Essen und sicherte sich so durch mein Bewußtsein der Sünde seine Herrschaft über mich.“ Bilder von einem wesentlich älteren Rosiel durchschossen mein Bewußtsein. Er bat sie darum ihn zu töten ehe er vollkommen wahnsinnig werden würde. Doch sie saß nur wie eine leblose Puppe in ihrem Stuhl. Sich eisern an den Schwur haltend, den Gott ihr abverlangt hatte.

„Kurz darauf… erschien Luzifer zum zweiten Mal in >Eden<. Du fragst dich, wieso ich mit ihm ging… wo ich freiwillig das Leben eines Käfigvogels gewählt hatte? Vielleicht, weil ich nie zuvor einem Mann wie ihm begegnet war.“ Ihre Stimme war durchtränkt von den Gefühlen für meinen Vater. Ich lächelte leicht als ich mich an ihre lächelnden Gesichter erinnerte. Innige Liebe hatte ihre Blicke stets miteinander verbunden. Man mußte sie nur ansehen um zu verstehen warum sie sowohl die Himmel als auch die Hölle verraten hatten um zusammen zu sein.

„Als ich erfuhr, daß Luzifer sich von Gott hatte fangen lassen, um mir die Flucht zu ermöglichen… und in Nanatsusaya versiegelt war, begab ich mich auf die Suche nach ihm… und kämpfte an seiner Seite.“ Die Bilder, die sie in unseren Geist sandte zeigten mehr sie in Worte fassen konnte. Sie war bereits mit Luzifer geflohen lange bevor Gott ihn stellen konnte. Kurz darauf wurde sie schwanger…

„Ich floh nach Anagura… die Wesen, die ich dort traf, klammerten sich mit aller Kraft an ihr Leben… zum ersten Mal erlebte ich, wie es war, jemand zu lieben… und beschützen zu wollen… und mein zu Eis erstarrtes Herz… lernte, nur ein klein wenig zu fühlen.“ Ich schmunzelte leichte. Wie alle Engel hat auch sie ein seltsames Zeitgefühl. Sie war erst lange nach meiner Geburt nach Anagura geflohen. Kurz nachdem die Engel meine Heimat zerstört hatten und es Gott gelungen war Luzifers Seele zu bannen. Es war der einzige Weg für sie gewesen die anderen Engel von meiner Existenz abzulenken. Ohne meine Erinnerungen an meine Herkunft hätten sie leichtes Spiel mit mir gehabt. Ihr angeblicher Verrat verschuf mir Zeit…

„Doch aufgrund dessen brachte ich es nicht über mich dich zu töten, als wir uns gegenüberstanden.“ Das Wissen um das, was Rosiel getan hatte um mich zu schützen und seine Gefühle für mich hatten ihre Schwerthand erlahmen lassen. Sie brachte es nicht fertig ihren Zwilling zu töten solange die Hoffnung bestand, daß es einen anderen Weg gab seinen Leidensweg zu beenden. Doch dieser würde viel Zeit und Schmerz kosten… und wir mußten uns erneut begegnen…

„Und da ich Gott nicht besiegen konnte, blieb mir keine andere Wahl… als meinen Vertrag mit ihm fortzusetzen. Denn er hielt Rosiels Herzkristall in seiner Hand.“ Ihr Blick ruhte sanft auf mir.

„Deshalb leistete ich einen Meineid vor dem himmlischen Gericht. Um euch die Chance zu geben euch erneut zu finden.“

„Du… liebst…mich?“ Rosiels Stimme schwankte bedrohlich. Sein Geist stand kurz davor endgültig in sich zusammen zubrechen.

„Ich hatte Angst. Stürbest du, wäre ich die Einzige unserer Art auf dieser Welt. Darum fügte ich mich Gottes Befehl und ließ mich in Eden einsperren. Solange du nur lebtest war mir alles recht.“ Erst jetzt merkte ich, wie ähnlich sich die beiden doch waren. Auch Rosiel hätte mich zu einem Leben in Einsamkeit verbannt, wenn es nur dazu diente mich vor dem sicheren Tod zu retten. Er hätte niemals zugelassen, daß mich irgend jemand außer ihm tötete…

„Ich sah zu, wie der Hass und der Wahn des Karmas dieser Welt, das dir implantiert wurde, um dich zu retten, dir deine Vernunft raubte. Ich verschloß mein Herz und entsagte meinen Gefühlen, um dein Leid nicht länger mit anzusehen…“ Behutsam veränderte sie ihre Position und kniete nun vor ihrem Bruder.

„Auch jetzt… wäre ich fast fortgelaufen und hätte alles Setsuna überlassen. Aber ich werde nicht mehr länger vor meinen Sünden davonlaufen. Das hat Setsuna… mich gelehrt.“ Sie preßte ihn fest an sich während sich in ihren Augen deutlich ein Entschluß abzeichnete. Seufzend schloß ich die Augen. Es ist richtig so. Du mußt es tun. Anders kannst du ihn nicht mehr retten. Erlöse ihn… bitte…

„…Schwester…!“ Beinahe geräuschlos glitt ihr Schwert durch Rosiels geschundenen Körper.

„Meine… Schwester…“ Gefangen in einer innigen Umarmung sanken sie gemeinsam zu Boden.

„Ich wußte nicht, daß mich solch glühende Liebe umgab.“ Du bist eben nach wie vor ein dummer Engel! Du warst schon immer etwas von Begriff. Schallt ich ihn lächelnd.

„Darf Catan… auch mit uns kommen?“

„Natürlich.“

„Halt mich fest. So fest, daß ich kaum mehr atmen kann.“ Die Federn seiner weißen Schwingen lösten sich wie feinster Regen auf.

„Gib das hier… Setsuna.“ Seine Existenz verblaßte. Tränen der Erleichterung rollten über meine Wangen. Endlich ist er frei.

„Danke Mutter.“

„Mein geliebtes Kind…“ Langsam öffnete ich die Augen und sah in ihr sanft lächelndes Gesicht.

„Du hast solange gekämpft…“ Ihre Hand fuhr meine Wange entlang. Ihr Blick war voller Verständnis. Zitternd griff ich nach ihrer Hand.

„Kann ich nun gehen?“ Fragte ich sie zweifelnd.

„Hälst du dein Versprechen von damals?“ Tiefer Schmerz spiegelte sich in ihren Augen doch sie nickte.

„Ja, es ist genug. Den Rest schaffen wir allein. Ruh dich aus.“ Erleichtert schloß ich die Augen. Sie würde ihr Wort halten…

„Und die Anderen?“

„Es ist gut…“ Sanft strich sie durch mein Haar und summte dabei ein Lied an, das ich zum letzten Mal in meiner Kindheit gehört hatte. Ein altes Wiegenlied, das noch nie seine Wirkung verfehlt hatte. Wenigstens bei mir.

„Schlaf… du hast genug gekämpft. Meine geliebte Tochter… ruh dich aus.“ Gehorsam lauschte ich dem beruhigenden Klang ihrer Stimme und dem regelmäßigem Schlag ihres Herzens. Von nun an würden sie wieder für mich da sein… sie und mein Vater…

„…Rosiel…“ Ihre Wärme umfing mich während ich sein Namen noch immer auf meinen Lippen lag. Bald… schon bald würden wir wieder alle zusammen sein…

Ich glitt hinüber in eine angenehme Dunkelheit, die nach Tannengrün und Flieder roch. Irgendwo in der Ferne stieß das Wasser eines Sees ans Ufer. Eine nie gekannte Ruhe ergriff nach und nach Besitz von mir. Was auch immer jetzt noch geschehen würde… es war nicht länger wichtig… Meine Mutter würde ihr Wort niemals  brechen… ich würde endlich Frieden finden…

 

 

 

*KANNST DU… MICH HÖREN?*

 

Nur allmählich tauchte mein Bewußtsein aus dem angenehmen Schlummer auf, in den es sich zurückgezogen hatte. Gleißendes Licht erfüllte die Welt um mich herum. Irgendwo darin erkannte ich meine Eltern, die sich endlich nach all den Jahrtausenden wiedergefunden hatten. In dem Augenblick in dem sich ihre Augen trafen gab es keinen Zweifel mehr an ihren Gefühlen füreinander. Egal, wieviel Zeit auch verstrichen sein oder was auch immer sich gegen sie gestellt haben mochte… sie hatten nie aufgehört sich zu lieben. Ich lächelte ihnen zu, als sie sich langsam in Dunst auflösten. Von nun an würden sie glücklich sein. Sie waren für immer zusammen und nur das zählte.

 

*WENN IHR DIES HÖRT, WERDE ICH DEN SCHÖPFER VERSCHLUNGEN HABEN. ABER MIR IST AUCH BEWUSST, DASS ICH NICHT MEHR LANGE ZU LEBEN HABE. DESHALB MÖCHTE ICH EUCH EINE LETZTE BOTSCHAFT HINTERLASSEN.*

 

Adam Kadmons Stimme drang bis in den letzten Winkel meines Bewußtseins. Trotz all meiner Bedenken fühlte ich mich seltsam leicht und befreit. Die Schmerzen waren ebenso wie meine Wunden verschwunden. Es gab nicht mehr die geringsten Anzeichen einer Verletzung. Bei der Betrachtung meiner linken Hand entfuhr mir ein leises Lachen. Sie war halbdurchsichtig und durchdrungen von purem Licht.

Ist es das? Das Zeichen nach dem ich solange gesucht habe? Hat dieses ewige Leben ein Ende gefunden? Kann ich nun endlich gehen? Hält mich niemand mehr zurück?

Eine warme Hand legte sanft auf meine Schulter. Verwundert drehte ich mich um und sah in Rosiels lächelndes Gesicht. Auch er wirkte seltsam befreit und schien von innen heraus zu leuchten. Zum ersten Mal in all der Zeit in der wir uns kannten gewann ich den Eindruck, daß er ein kleines Stückchen größer war als ich.

*Geh nur. Verabschiede dich.* Ich begriff nicht sofort was er meinte und sein Lächeln wurde noch breiter. Ich spürte wie mein Herz dahinschmolz.

*Sie warten.* Er hauchte einen Kuß auf meine Stirn und gab mir einen leichten Schubs. Blitzschnell brachte ich einen Teil seiner weiten, wallenden Kleidung in meinen Besitz und stahl mir einen langen Kuß von seinen Lippen.

*Geh nicht ohne mich.* Auch meine Kleidung sah ähnlich aus. Reines weiß, das in breiten Bahnen an meinem Körper hinabglitt.

*Ich werde auf dich warten.* Er grinste mich verwegen an.

*Eine Ewigkeit, wenn es sein muß.* Das Blut schoß in meine Wangen und ich wandte mich kurz ab, damit er es nicht sah. Doch sein unterdrücktes Kichern bewies, das es dafür bereits zu spät gewesen war. Als ich mich noch einmal nach ihm umdrehte stand Catan in seinem Rücken. Auch seine Wunden waren alle geheilt. Er lächelte uns sanft an. Letztendlich sind wir also doch zusammen… und wenn das hier der Tod ist… dann kann es mir egal sein… Erleichtert drückte ich ihn kurz an mich und winkte den beiden zum Abschied zu.

*Es wird nicht lange dauern. Das verspreche ich.* Lächelnd entfaltete ich meine Schwingen und ließ mich vom Wind davontragen. Ich wußte ich würde die Beiden überall auf der Welt wiederfinden. Rosiels und mein Herz waren für die Ewigkeit verbunden. Es würde nur einen Lidschlag dauern zu ihm zurückzukehren.

 

*VIELLEICHT GAB ES NIE EINE ANTWORT. WIR WISSEN ES NICHT. DESHALB FÜRCHTETEN WIR DIE WAHRHEIT, WEIL WIR SIE NICHT SEHEN KONNTEN… UND VERLOREN SIE SO AUS DEN AUGEN.*

 

Die Zerstörung, die mich erwartete als ich aus dem Licht schoß sollte mich eigentlich mit Entsetzen erfüllen, doch ich spürte nichts weiter als innige Zufriedenheit. Ein langer Kampf war zu Ende und von nun an würde sich alles ändern. Jede der drei Welten befand sich im Wandel und am Ende würden alle davon profitieren.

Da Gott nicht länger existierte lag es nun an seinen Geschöpfen die Ordnung wieder herzustellen. Engel und Dämonen, die Hand in Hand arbeiteten um das Gleichgewicht der drei Welten wieder sichern. Ein Bild, das sich keiner von uns jemals hätte vorstellen können. Es war zu utopisch gewesen überhaupt daran zu denken. An Frieden sicherlich, aber nicht an eine vollständige Kooperation.

Langsam glitt ich über die Trümmer des einstigen Himmelspalastes hinweg bis hinunter zu meinen Freunden, die sich mühsam einen Weg durch die zerstörten Gebäude bahnten. Sanft fuhr ich über Uriels Wange der einen Moment lang inne hielt und Remiriels Bewußtsein platz machte. Er begriff sofort, was geschehen war und schwor mir zufolgen sobald Uriel sich in Sicherheit befand. Dankbar hauchte ich einen Kuß auf seine warmen Lippen ehe ich mich Michael zuwandte.

Der Feuerengel verstummte als ich ihm plötzlich durch das vollkommen zerzauste Haar fuhr. Er sah mich nicht, aber er spürte instinktiv meine Anwesenheit. Auch Kurais Augen blickten sich suchend um, als ich ihr einen leichten Kuß auf die Wange gab.

„Shao?“ Statt einer Antwort ließ ich mich hinunter in die unteren Sphären des Himmels gleiten. Paßt gut auf euch auf meine Freunde! Von nun an seit ihr es, die über die Menschen wachen werdet.

Überall waren die Kämpfe zum Stillstand gekommen und der Wiederaufbau begann bereits. Dabei arbeiteten die Rebellen der Anima Mundi Hand in Hand mit den Dämonen und einstmals hochdekorierten Engeln. Im Gegensatz zu vielen Anderen bemerkte Astaroth meine Anwesenheit sofort. Er wirbelte herum kaum, daß ich in seinem Rücken stand war. Seine Hand griff ins Leere, aber gleichzeitig berührte sie auch fast meine Wange.

„Ich hoffe du wirst glücklich.“ Ich nickte stumm und schoß davon. Der Schmerz in seinen Augen war mehr als ich ertragen konnte. Egal, was zwischen uns vorgefallen war. Er hatte mich immer geliebt.

 

* ES GIBT KEINE KLARE GRENZE ZWISCHEN GUT UND BÖSE. WEDER HIMMEL NOCH HÖLLE. ES LIEGT AN EUCH, AUF EIGENE FAUST DIE ANTWORT ZU FINDEN… UND WEITER NACH DANACH ZU SUCHEN, TROTZ EURER SCHMERZEN UND ZWEIFEL…*

 

Ohne es selbst zu merken zog Belial seinen Hut als ich an ihm vorbeiglitt. Ein Beweis seiner Loyalität und Wertschätzung, auch wenn er es wahrscheinlich bis an den Rest seines Lebens leugnen würde…

 

*ES GIBT NUR EINS, WAS ICH TUN KANN. FORTFAHREN ZU BETEN, DASS EUCH NIE ETWAS TRAURIGES WIDERFAHREN MAG…*

 

*FOLGT EUREN HERZEN, FINDET DEN, BEI DEM IHR SEIN WOLLT, STREBT WEITER NACH DER WAHRHEIT UND SEID GLÜCKLICH UND VERGESST EINS NIE, DASS IHR IN LIEBE GEBOREN SEID. WIR WERDEN UNS WIEDER SEHEN, IN EINEM ANDEREN RAUM, IN EINER ANDEREN ZEIT, SO DIE ZEIT ES WILL IRGENDWANN… BESTIMMT…*

 

Raziel war der Einzige, der mich wirklich sah. Seine Kräfte waren mit meinen in Einklang. Es war ihm möglich meine gesamte Gestalt auszumachen noch ehe ich ihn überhaupt erreicht hatte. Flehend streckte er eine Hand nach mir aus und bat mich zu bleiben. Doch ich konnte nicht. Rosiel und Catan warteten auf meine Rückkehr und ich muß mich noch von so vielen verabschieden…

Sein tränenersticktes Rufen ignorierend setzte ich meine Reise fort. An Noice vorbei, die nach einem kurzen Händedruck plötzlich vollkommen still wurde bis hin zu Moon-Lil, die gemeinsam mit Michael und Barbiel über Raphaels leblosen Körper wachte.

Ich glitt unbemerkt an ihnen vorbei und verharrte eine zeitlang schwebend über dem gläsernen Kanister in dem der Engel des Windes ruhte. Sie hatten ihn in Kälteschlaf versetzt damit seine Kräfte sich erholen und seine Wunden heilen konnten. Er hatte sein Leben riskiert um Barbiel zu retten…

Es wird Jahrzehnte dauern bis er das Bewußtsein wiedererlangen wird. Allerdings… vielleicht auch nicht. Lächelnd durchdrang ich mit einer Hand den gläsernen Deckel. Das Heben und Senken seines Brustkorbs war kaum zu spüren.

*Nimm es als kleines Dankeschön.* Lächelnd ließ ich einen Teil meiner Kraft in seinen Körper strömen. Ein Jahr vielleicht zwei… Michael… dann könnt ihr euren Streit fortsetzen.

 

*ALLMÄHLICH SETZT DIE ZEIT SICH IN BEWEGUNG… DOCH TROTZ DER MÜHEN DES ALLTAGS WÜNSCHE ICH MIR… DASS IHR NIE VERGESST, WELCH TRAURIGEN, UNSICHTBAREN OPFERN… IHR EUER LEBEN VERDANKT.*

 

*MEIN GEBET WIRD EIN JUWEL SEIN, DAS ZERBRICHT… UND HERNIEDERTANZT… JEDES IHRER TAUSEND EIN SPLITTER MEINER LIEBE.*

 

Die Welt der Menschen befand sich in Bewegung. Die Zeit floß weiter und niemand hatte etwas von den Kämpfen, die in Hölle und Himmel getobt hatten, bemerkt. Für die Menschen war es, als wäre nie etwas geschehen. Als hätte ihre Welt nicht kurz vor der Vernichtung gestanden… und dennoch lauschten sie alle andächtig Adam Kadmons letzten Worten während ein Meer von Federn wie Schnee zu Boden sank.

 

*ICH WÜNSCHTE ICH KÖNNTE EUCH UMARMEN. UND EUCH WIE EINST EIN LIED SINGEN.*

 

Behutsam striff ich über den Nacken von Kiras Vaters. Suchend wandte er sich um doch er sah nichts außer einigen schwarzen Federn, die über ihn fielen. Ich lächelte als mir klar wurde wer vor kurzem noch hiergewesen sein mußte.

Der Geist des kleinen Sakuyas winkte mir zum Abschied ehe sich seinen Arme schützend um die Schultern seines Vaters schlossen. Beide Söhne waren, wenn auch für seine Augen unsichtbar, zu ihrem Vater zurückgekehrt. Auch wenn er sie nicht sah, von nun an würden sie über sein Leben wachen. Er würde niemals mehr ohne sie sein.

 

* DOCH MEINE ARME… KÖNNEN EUCH NICHT MEHR UMFANGEN.*

 

*TRAGE MEIN GEBET ZU IHNEN.*

 

*MEINE LIEBEN, UNVOLLKOMMENEN KINDER!*

 

Lautlos betrat ich das Studio meiner Band. Es hatte sich rein gar nichts verändert. Noch ahnte niemand etwas von dem Schock, der ihnen in wenigen Stunden bevorstehen würde. Mein Verschwinden würde in ihren Herzen tiefe Wunden hinterlassen, doch ich hatte ihnen nie etwas vorgemacht. Ich hatte sie stets davor gewarnt, daß dieser Moment eines Tages kommen würde…

Es war von vorneherein unmöglich gewesen länger als ein Jahrzehnt oder zwei bei ihnen zu bleiben. Irgendwann wäre zu deutlich geworden, das ich nicht alterte. Das ich kein Mensch war… das ich fliehen mußte ehe man mich fand…

Energisch schüttelte ich den Kopf. Genug davon! Du mußt bald zurück. Sie warten auf dich. Ich hoffe nur, sie werden nicht mit der Musik aufhören. Auch ohne mich sind sie stark genug um sich an der Spitze zu halten. White demon feather kann weiterexistieren. Sie werden es mit Sicherheit schaffen.

 

*JETZT NOCH SCHICKT EUCH... EURE UNVOLLKOMMENE, KÜNSTLICHE SONNE… IHRE UNAUFHÖRLICHE LIEBE…*

 

Hoch über mir bemerkte ich die Umrisse eines Höllendrachen der Setsuna und Kurai auf seinem Rücken trug. Die kleine Dämonin, die ich in Anagura kennengelernt hatte war inzwischen erwachsen geworden. Sie gab Setsuna frei. Sie wußte, daß er und Sara zusammen gehörten. Ihre Gefühle würden ihn nie wirklich erreichen.

Stolz sah ich zu wie sie sich aus der Welt der Menschen zurückzog während sich Setsuna und Sara in einem Meer aus Federn in die Arme fielen. Von nun an würde sie keine Macht der Welt sie mehr trennen können.

 

*…UND BETET WIE VERRÜCKT… AUF DASS IHRE KINDER GLÜCKLICH WERDEN. ICH SCHICKE EUCH DIES EWIG WÄHRENDE GEBET! IHR GEFLÜGELTEN, HIMMLISCHEN WESEN… STRECKT EURE SCHWINGEN AUS UND TRAGT AUF IHNEN LIEBE UND GLÜCK AUF DIE WELT…*

 

Ich schwang mich hinauf in die Wolken bis hin zu Grannys Appartement. Sie stand bereits auf dem Balkon. Aus ihren ansonsten so klaren Augen rannen unaufhörlich Tränen während ihr Blick auf der Unendlichkeit des Himmels ruhte.

„Warum hast du dich nicht verabschiedet?" Der Brief in ihrer Hand war vollkommen zerknüllt.

„Warum konntest du nicht warten?“ Sie bemerkte mich nicht obwohl ich genau vor ihr schwebte. Zögernd nahm ich ihr Gesicht in meine Hände und strich sanft über ihre Tränen.

*Verzeih mir Granny.* Ihre Augen weiteten sich vor Unglauben. Zitternd streckte sie eine Hand aus. Behutsam ergriff ich sie und schüttelte den Kopf. Ein lautes Schluchzen entrang sich ihrer Kehle, doch sie verstand. Mein Leben in dieser Welt war vorbei… ich gehörte nicht länger hierher. Langsam löste ich mich von ihr und tauchte unter im Licht der Sonne, die den Horizont in pures Gold tauchte. Dieselbe Farbe wie Rosiels Augen…

 

*BIS ZU DEM AUGENBLICK AN DEM WIR UNS WIEDER SEHEN. DIES IST KEIN ABSCHIED FÜR IMMER. DAS SAGT MIR EIN SICHERES GEFÜHL. UNSERE WEGE WERDEN SICH WIEDER KREUZEN. IHR SEID MEINE GELIEBTEN GESCHÖPFE, ZUSAMMENGETRAGEN UNTER DEM NAMEN DES SCHICKSALS.*

 

Suchend durchstreifte ich noch einmal alle drei Welten um mich von meinem treuen Begleiter zu verabschieden, doch von Cee fehlte jegliche Spur. Weder nahm ich seine Aura wahr noch spürte ich durch jemand anderen seine Anwesenheit. Er war wie vom Erdboden verschwunden. Wo konnte er nur sein? Ich war mir sicher, das er die Kämpfe überlebt hatte, doch warum fand ich ihn dann nicht?

Ehe sich die Verzweiflung ihren Weg in mein Innerstes bahnen konnte umfingen mich Rosiels Arme. Er flüsterte in mein Ohr, das es an der Zeit sei zu gehen.

 

*WEDER GÖTTER NOCH MENSCHEN… DOCH GEBOREN, UMFANGEN VON STRAHLEND HELLER LIEBE…*

 

Behutsam löste er sich von mir und schob mich in Catans warme Umarmung. Solange wir zusammen waren gab es nichts Wichtigeres auf der Welt. Es tut mir leid Cee. Es ist an der Zeit dieses Leben endgültig loszulassen. Ich kann dich nicht länger suchen, doch ich hoffe vom ganzen Herzen, das glücklich wirst. Wo immer du auch bist…

 

Ich schloß die Augen während sich Rosiels und Catans Hände um meine schlossen. Während uns Adam Kadmons letzte Worte wie das Wispern des Windes begleiteten tauchten wir ein in eine Welt aus purem Licht.

Dort würden wir Frieden finden… dort würde es egal sein, woher wir kamen… wer wir waren… niemand würde danach fragen und wir konnten bis in alle Ewigkeit glücklich sein…

 

*EUER NAME IST ENGEL.*

 

… und dieser Name bedeutet Hoffnung…

 

 

* * * * * *

 

Shao Deshon kehrte nie wieder nach Hause zurück. Das Innere ihres Apartments war vollkommen unberührt. Es fehlten keinerlei Wertgegenstände und es gab keinen Hinweis auf ein Gewaltverbrechen. Der von der Polizei anfangs verdächtigte mysteriöse Mitbewohner blieb ebenfalls spurlos verschwunden.

Nach knapp einem Monat fand ein Bausanierungstrupp ihre sterblichen Überreste unter den Trümmern eines zerstörten Hochhauses. Bis heute ist ungeklärt wie die erfolgreiche Sängerin dorthin gekommen war oder was sie dort gewollt haben könnte.

 

Ihre Beerdigung fand am 22. Oktober in der Church of Liberty statt.

 

  

06-08-19

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