Epilog

03-09-24

Love of an angel

         Epilog

 

 

Noch nie habe ich es so sehr bereut am Leben zu sein wie jetzt. Anfangs begriff ich noch nicht, was eigentlich passiert war und wie es zu all dem hatte kommen können. Doch mit der Zeit wurde mir immer klarer, daß ich rein gar nichts dagegen hätte tun können. Egal, wie oft ich auch darüber nachdachte. Es gab einfach keinen Punkt von dem ich hätte sagen können, aber hier wäre alles anders gelaufen, wenn ich nur eingegriffen hätte.

Die entsprechenden Selbstvorwürfe ließen ebenfalls nicht lange auf sich warten. Immer und immer wieder fragte ich mich, warum ich einfach zu zugesehen hatte obwohl ich es eigentlich hätte besser wissen müssen. Warum hatte ich nicht früh genug eingegriffen? Warum habe ich es nicht verhindert wo ich es doch gekonnt hätte? Wie konnte ich nur daneben stehen und zulassen, daß mein Schützling blindlings in sein Verderben läuft?

Am Ende gab es nur eins, was sicher war. Als Beschützer hatte ich vollkommen versagt. Ich bin dieser Bezeichnung noch nicht einmal ansatzweise gerecht geworden. Ich bin für niemanden eine Hilfe gewesen und mußte von nun mit der Schande leben das verloren zu haben, was ich eigentlich mit meinem Leben hätte verteidigen müssen.

Bisher war mir das auch immer mehr oder weniger gut gelungen aber das zählte nicht mehr. Keiner würde sich darum kümmern, daß ich stets mein Bestes getan hatte um meinen Schützling vor Schlimmeren zu bewahren. Einzig und allein das Endergebnis zählte und das war vernichtend. Ich hatte komplett versagt. Der Kampf war vorüber und ich hatte alles verloren. Dafür würde ich für den Rest meines Lebens büßen.

Ich lebte an Stelle derer, die hätten von mir beschützt werden sollen. Ironie des Schicksals, wenn man bedenkt, daß sowohl die Welt der Menschen als auch der Himmel und die Hölle vor dem sicheren Untergang bewahrt worden sind und jetzt friedlich nebeneinander existierten. Eigentlich mehr als Grund genug zu feiern, doch ein dunkler Schatten lag über den Herzen derer, die auserwählt worden waren gegen Gott zu rebellieren.

Sie hatten gesiegt. Ich selbst war dabei gewesen und hatte mit eigenen Augen gesehen wie die letzte Bedrohung für die Menschheit vernichtet wurde. Aber welchen Preis hat dieser Sieg gekostet? Wie viele Leben sind erlöschen um die Welt der Menschen vor dem sicheren Untergang zu bewahren?

Die Hölle ist in sich zusammengebrochen, die Himmel sind zerstört und es hat auf beiden Seiten unzählige Opfer gegeben. Bis heute kennt niemand genauen Zahlen und keiner versuchte es freiwillig herauszufinden. Allein die Tatsache, daß unzählige Freunde gestorben waren, die gegen ihren Willen oder freiwillig an diesem Kampf teilgenommen hatten reichten aus, um Dutzende in Tränen ausbrechen zu lassen.

Viele von jenen, die gekämpft hatten sind bereits in Vergessenheit geraten, da die Einzigen, die ihren Tod bedauert hätten bereits neben ihnen reglos in ihren Gräbern ruhten. Bei anderen hingegen wurde um so mehr getrauert. Ich kann die Beerdigungen inzwischen gar nicht mehr zählen. Es sind viel zu viele gewesen…

Jedoch war keine einzige von ihnen so gut besucht wie die meines Schützlings. Tausende waren gekommen um von ihrem Idol Abschied zu nehmen. Es waren Fans, die eigentlich gar nicht wußten warum sie gerade jetzt trauerten. Ironischerweise wurde gerade sie, die in ihrem ganzen Leben nie etwas von der Kirche oder irgendwelchen religiösen Festen wissen wollte nun mit allem nötigen Prunk zu Grabe getragen. Es wurden weder Kosten noch Mühen gescheut um ihre Beerdigung zu einem Großereignis zu machen, das die Welt so schnell nicht vergessen würde.

Von überall her strömten Politiker, Geistliche, Firmenbosse und unendlich viele andere Menschen zusammen um von einer Person Abschied zu nehmen, die ihrem Leben sowohl eine positive als auch negative Rolle gespielt hatte. Der Tod eines Weltstars hatte sie all ihre Differenzen vergessen lassen.

Sie reihten sich an ihrem Sarg wie Weintrauben an einer Rebe und es fiel nicht ein unfreundliches Wort. Fast hätte man meinen können, daß sie ein reiner Engel gewesen war. So sehr nahm ihr Tod die Menschheit mit. Dabei wußten nur wenige wie nah sie damit der Wahrheit kamen. Obwohl sie selbst es höchstwahrscheinlich bis zu ihrem letzten Atemzug bestritten hätte.

Ich mußte unwilkürlich schmunzeln als ich die nicht abreißend wollende Schlange Menschen in engen, schwarzen Kleidern und Anzügen beobachtete. Sie wanderten an der reglosen Wachsfigur in ihrem Sarg vorbei und versuchten dabei mühselig ihre Tränen zu unterdrücken. Ich bin mir sicher, sie hätte sich über diesen Anblick köstlich amüsiert. Von all ihren bisherigen Beerdigungen war diese hier bei weitem die eindrucksvollste. Und das, obwohl es eine reine Farce war. Lediglich inszeniert um der Menschheit einen Abschied zu ermöglichen.

Ihr Leichnam wurde nie gefunden. Oder vielmehr nicht genug davon. Doch welche dieser armen, trauernden Seelen sollte das ahnen? Einzig und allein die Pressemitteilungen ihrer Plattenfirma gaben einen Rückschluß darauf, was geschehen war. Ein kläglicher Versuch die Welt erneut zum Narren zu halten. Doch es gab nur eine einzige Person, die ich kannte, die dieses Spiel wirklich beherrschte. Wie kein andere verstand sie es ihren Tod und ein neues Leben in Szene zu setzen. Doch nicht dieses Mal. Dieses Mal war alles anders und niemand außer mir wußte besser, warum sie nicht wieder aufgetauchte. Warum es keine Hoffnung mehr geben konnte…

Doch genug davon. Sie blieb spurlos verschwunden und deshalb entschlossen sich ihre Freunde eine Wachsfigur in den Sarg zu legen, damit es nicht zu noch mehr Fragen kam. Ihr Verschwinden hatte sie schon mehr als genug getroffen und die Aufmerksamkeit der Weltpresse erregt. Es war besser einen Schlußstrich zu ziehen ehe doch noch eines der so gut gehüteten Geheimnisse seinen Weg in das Licht der Öffentlichkeit fand.

Würde es nicht diesen verhängnisvollen Abschiedsbrief geben, dann wären ihre Freunde wohl heute noch der Meinung, daß sie jeden Moment aus dem Nichts auftauchen würde nur um der Welt zu verkünden, das dies alles nur ein Scherz sei. Aber dieser Brief existierte. Eine unwiderlegbare Tatsache, daß es ernster war als jemals zuvor. Sie würde nicht zurückkehren…. nie wieder… und sie hatte es gewußt…

Sie hatte es gewußt und doch nie erwähnt… nicht ein einziges Mal… Selbst mich hatte sie dieses eine Mal täuschen können. Dabei war ich derjenige, der sie am Besten hätte kennen müssen. Von Anfang an hätte ich Verdacht schöpfen müssen, doch ich war blind und voller Hoffnung gewesen.

Nachdenklich sah ich in das wachsbleiche Gesicht, das ihren Zügen so täuschend ähnelte. Warum hast du das getan? Wieso mußtest du letzten Endes unbedingt allein losziehen? Um uns zu schützen? Um dein Herz vor weiterem Schmerz zu bewahren? Dummkopf! Warum hast du mich nicht gerufen? Ich wäre sofort an deiner Seite gewesen und hätte dir diesen Weg erspart.

Warum konntest du nicht denjenigen, die vom Schicksal dazu auserwählt worden waren die Rolle der Helden spielen lassen? Warum mußtest du unbedingt selbst eingreifen? Sicher, du hast uns allen mehr als einmal das Leben gerettet und niemand ahnt wahrscheinlich auch nur im Geringsten was dich das gekostet hat. Selbst ich weiß nicht einmal annährend die Hälfte über dich und dabei habe dich länger begleitet als jeder andere.

Aber egal, wie sehr du dich auch bemüht hast, du konntest mir längst nicht alles verheimlichen. Wie oft kannte ich dein Herz besser als du selbst? Ich ahnte es bereits an dem Tag, an dem ihr euch zum ersten Mal begegnet seid… er würde dein Untergang sein. Und ich würde rein gar nichts tun können um das zu verhindern.

Sieh dir doch an, was aus uns geworden ist. Du als wächserne Puppe in einem Sarg und ich lebendiger und freier als jemals zuvor. Der Schwur, der mich an dich band ist gebrochen, doch ich kann mich nicht über meine Freiheit freuen. Nicht, wenn der Preis dafür dein Untergang war.

Hast du ihn wirklich so sehr geliebt, daß du ihm in den Tod folgen mußtest? Gab es wirklich keinen anderen Weg für dich? Hättest du nicht leben können? Für die Menschen, deine Freunde… für mich?

Ich weiß, du hast dich nach dem Tod gesehnt. Seit jenem Tag ließ dich der Gedanke nicht mehr los. Selbst als du all deine Erinnerungen verloren hattest sehnte sich dein Herz ohne, das du es selbst ahntest nach nichts anderem als dem ewigen Frieden. Es war abzusehen, daß es dir irgendwann gelingen würde, dir diesen Wunsch zu erfüllen. Du hast dich nie damit begnügt dir lediglich etwas vorzustellen ohne es am Ende doch selbst in die Hand zu nehmen. Du hast dein Schicksal stets selbst in die Hand genommen. Wenigsten sofern es dir möglich war diesem zu entkommen…

Wie dumm von mir jetzt noch um dich zu trauern. Meinst du nicht auch? Würdest du mich nicht einen Dummkopf nennen, wenn du wüßtest wie sehr mich dein Tod trifft? Nach all den Jahren, die wir zusammenverbracht haben sollte ich doch eigentlich dankbar dafür sein, das du endlich Erlösung gefunden hast. Warum kann ich es dann nicht? Warum schmerzt mein Herz so unbeschreiblich, wenn ich daran denke, daß ich dich niemals wiedersehen werde?

Behutsam berührte ich mit dem Rücken meiner linken Hand ihre wächserne Wange. Obwohl sie nur aus Wachs war hatte man jeden Zoll ihres Körpers so detailgetreu wie möglich dargestellt. Die haselnußbraunen Haare rahmten das blasse Gesicht ein und hoben die dezent geschminkten Lippen nur noch deutlicher hervor. Seufzend hauchte ich einen Kuß darauf und fing mir prompt den strafenden Blick einer der zahlreichen Polizeibeamten ein, die ihren Sarg bewachten. Ich tat so als hätte ich ihn nicht bemerkt und schloß mich dem stummen Marsch in Richtung Friedhof an.

Als wir die Fläche ihres Grabes erreichten begann es in Strömen zu regnen. Es hätte nicht schlimmer kommen können. Blitzschnell stellten Dutzende Helfer Pavillons rund um das Grab auf und verteilten Schirme an die Trauernden. Kaum jemand nahm es bewußt zur Kenntnis.

Das Laub der Ahornbäume war blutrot und mischte sich mit dem Gold der Ginkoblätter. Der Regen ließ sie in einer Symphonie aus Blut und Gold zu Boden fallen. Kleine Wasserbäche trugen sie gemächlich davon. Wie eine Spur aus Blut schlängelten sie sich durch die Reihen der unzähligen Gräber in Richtung Sonnenuntergang. Die vereinzelten Sonnenstrahlen, die hier und da die Wolkendecke durchbrachen ließen das Gold der Ginkoblätter aufblitzen. Ein Funken der Hoffnung an einem trostlosen Tag…

Langsam hob ich den Blick zum Himmel in der Hoffnung irgendwo dort oben in dem immer dunkler werdenden Blau die Silhouette eines geflügelten Wesens auszumachen. Ein Wesen, das ich besser kannte als irgend jemand sonst. Es sollte vor mir landen und mir sagen, daß ich das alles nur träumte.

…daß sie nicht tot war und daß es nicht ihr Sarg war, der heute in die Tiefen der Erde versenkt wurde…

…das sie nicht spurlos verschwunden war…

…das ihre Aura für immer verblaßt war…

…sondern, daß sie zurückkehren würde…

…mit einem Lächeln auf den Lippen, das ihr gesamtes Gesicht erhellte…

…das in einem unvergleichlichen Lachen endete, wie es nur von ihren Lippen perlen konnte…

Der Regen spülte die Tränen fort, die über meine Wangen rannen und er verdeckte auch die der meisten Anderen. Selbst die Pflanzen und Bäume ließen ihre Blätter hängen. Fast so als würde die Welt selbst um sie trauern.

Wer den Wetterbericht des heutigen Tages verfolgt hatte erfuhr, daß es in keinem Land der Welt lang anhaltenden Sonnenschein gab. Überall bedeckten dichte Wolken den Himmel und es regnete. Selbst in den großen Wüsten strömte das Wasser unaufhörlich zu Boden. Es gab keinen einzigen Ort auf diesem Planeten an dem der Himmel nicht weinte. Assia, die Welt der Menschen hatte ihr geliebtes Kind verloren und sie würde mindestens ebenso lange wie die Menschheit selbst um sie trauern.

Nachdenklich schritt ich an die Öffnung ihres Grabes um noch einen letzten Blick auf den dunklen Sarg zu werfen auf dem sich unzählige weiße und rote Rosen türmten. Nur selten warf jemand eine handvoll Erde darauf. Fast so als wollten sie nicht, das es wahr wurde. Das ihr Tod endgültig war.

Ehe ich es verhindern konnte verließ ein leises Gebet meine Lippen. Das hatte ich schon seit Jahrhunderten nicht mehr getan. Und noch bevor es mir überhaupt bewußt wurde griff meine Hand in die bereit gestellte Schale. Eine handvoll Erde fiel auf die wunderschönen Rosenblüten und bedeckte sie leicht. Bald würden sie in endloser Schwärze gefangen sein und auf ewig ruhen.

Wo auch immer deine Seele jetzt sein mag ich hoffe, daß du glücklich bist. Du hast dieses Leben nie gewollt und dennoch hast du dich ihm jedes Mal aufs neue gestellt. Immer und immer wieder hast du von vorn begonnen. Mit einer Stärke, die dir kaum jemand zugetraut hätte. Sogar, wenn du manchmal kurz davor gestanden hast dem Wahnsinn zu verfallen… Stets hast du einen Weg gefunden dein Leben zu leben. Ist es zuviel verlangt, wenn ich mir jetzt etwas von dieser Kraft wünsche um deinen Verlust zu verkraften?

Ein lautes Räuspern in meinem Rücken ließ mich meinen Platz räumen. Anscheinend war ich zu lange in Gedanken versunken gewesen. Langsam löste ich mich von den restlichen Trauernden und verließ das Gelände bis ich eine Stelle gefunden hatte von der ich das Geschehen unbemerkt weiter verfolgen konnte. Sicher, ich hätte gehen können, aber irgend etwas ließ mich zögern. Zu lange hatte ich diese Art Beerdigungen erlebt und ich hoffte nach wie vor, daß sich ihre Hand plötzlich auf meine Schulter legen würde. Vielleicht stand sie ja irgendwo tief verborgen im Schatten der hohen Bäume und wartete nur darauf, daß ich sie entdeckte…

Doch je länger ich wartete, desto mehr schwand meine Hoffnung. Was bin ich doch für ein Idiot! Wärst du hier, dann hätte ich deine Aura schon längst gespürt. Doch sie ist ebenso wie du selbst verschwunden. Als der große Krieg vorbei war gab es nicht mehr den geringsten Hinweis auf deine Existenz. Wie so viele andere bist du verschwunden und du wirst niemals zurückkehren… nicht dieses Mal…

Mit zitternden Fingern zündete ich eine Zigarette an und genoß das warme Prickeln im Hals. In diesem Leben hatte sie nur selten geraucht, doch wenn sie es getan hatte, dann war es stets diese Marke gewesen, die ihre Lippen berührte. Jetzt verstand ich endlich warum. Das warme Tabakaroma auf meiner Zunge erinnerte mich an eine Zeit, die lange zurücklag, aber die sehr glücklich war.

Achtlos ließ ich den übriggebliebenen Filter zu Boden fallen und trat den glimmenden Stummel aus. Abwesenheit zündete ich mir dabei die nächste Zigarette an. Erst als meine Finger ins Leere tasteten bemerkte ich, daß die Packung bereits leer war. Die traurigen Überreste lagen zertreten neben den Spitzen meiner Stiefel. Fluchend zerknüllte ich die leere Packung und warf sie mit der linken Hand in einen der unzähligen Papierkörbe.

Inzwischen war ich vollkommen durchnäßt und sollte besser bald in eine wärmere Umgebung zurückkehren wenn ich keine Erkältung riskieren wollte. Aber ich konnte nicht. Die Erinnerungen an sie hielten mich fest und je länger ich dort stand desto mehr wunderte ich mich darüber, wie viele Menschen ihr Tod doch anzog. Und nicht nur Menschen. Nein, wenn man genau hinsah konnte man ebenso hochdekorierte Persönlichkeiten aus den oberen Sphären des Himmels und den unteren Ebenen der Hölle entdecken.

Lächelnd lehnte ich mich gegen den Stamm eines Ahornbaums und zog eine neue Packung aus der Innentasche meiner Jacke. Für einen kurzen Moment erhellte der Schein des Feuerzeugs mein Gesicht und ich sog den warmen Rauch erneut in meine Lungen während um mich herum ein Vorhang aus blutroten Blättern zu Boden fiel. Wasser tropfte in regelmäßigen Abständen auf meinen Hals, doch das störte mich nicht weiter.

Wortlos beobachtete ich wie zwischen einem Kirschbaum im schönsten Herbstlaub und einer Trauerweide die junge Ogerprinzessin und inzwischen Vizeregentin der Hölle mit ihren Begleitern zum Stehen kam.

Ah, sie sind entdeckt worden. Einer der Engel der Elemente, Uriel näherte sich ihr und legte tröstend den Arm um ihre zitternden Schultern. Sofort begann sie hemmungslos zu schluchzen. Die Ärmste es nimmt sie ziemlich mit. Dabei hatte kannte sie meinen Schützling kaum…

Mein Blick streifte weiter bis er eine Gruppe dunkel gekleideter Gestalten ausmachte, die sich hinter der Kirche im Schatten der Kreuze verbarg. Sie hegten wohl die stille Hoffnung dort nicht allzusehr aufzufallen. In Anbetracht der Anzahl der Trauergäste kein allzu schweres Unterfangen. Niemand würde unter ihnen einige der mächtigsten Dämonen der Hölle vermuten. Es denn, man hätte bereits einmal mit ihnen zu tun gehabt. So wie der Engel des Feuers, Michael der die Gruppe von einem Platz weit oberhalb der Kirchenmauern kritisch beobachtete. Jederzeit bereit einzugreifen, wenn einer von ihnen auf dumme Gedanken kommen sollte.

Auch er trauerte aber auf seine Weise und man ließ ihn in Ruhe, da niemand wußte wie sein Gemütszustand war. Ein falsches Wort würde ausreichen um sich selbst zur ewigen Ruhe betten zu können. Die einzige Person, die sich ihm ungestraft hätte nähern können lag in einer Art Dornröschenschlaf und es war fraglich ob er jemals wieder daraus erwachen würde.

Die Aufmerksamkeit aller schwenkte um, als sich zwei eng aneinander geschmiegte Gestalten dem offenen Grab näherten. Der Messias und seine Braut. Auch sie waren Freunde meines Schützlings. Ihre Tränen konnte man selbst im Dämmerlicht noch deutlich erkennen. Wie kleine Diamanten saßen sie auf ihren Wangen ehe sie lautlos zu Boden fielen. Keiner wagte es sich den Beiden zu nähern. Jeder wußte, daß der Tod ihrer Freundin sie tief getroffen hatte.

Oh ja, sie hätte wirklich Spaß an dieser Beerdigung gehabt. Doch leider würde dieses Begräbnis, das letzte sein, das für sie abgehalten wurde. Wir hatten sie für immer verloren. Ich nahm einen letzten Zug aus der bereits verglimmenden Zigarette und schnippte sie zu Boden. Es wäre besser wenn ich mich langsam zurück ziehe. Sollte man mich entdecken würde es nur zu Fragen kommen, die ich nicht beantworten konnte oder wollte. Langsam verließ ich den Friedhof und ging dabei so elegant in der Menge unter, das ohne Probleme die Gesichter der Menschen sehen konnte, die weitaus mehr verloren hatten als nur eine Sängerin oder Kollegin.

In ihrem Leben hatte sie eine so entscheidende Rolle gespielt, das ihr Verlust sie härter traf als jeden anderen. Auch, wenn ihre Mienen nach außen hin gefaßt wirkten so konnte man doch deutlich die Tränen in ihren Augen sehen.

Wie oft sind sie vor diesem Augenblick gewarnt worden? Und wie oft haben sie diese Warnungen nicht ernstgenommen? Jetzt wußten sie es. Diese Warnungen waren stets ernst gemeint. Sie hatte versucht ihnen von Anfang an klar zu machen, daß sie nicht für immer bei ihnen bleiben konnte um ihnen etwas von diesem Schmerz zu ersparen. Aber im Endeffekt ist es dadurch nur noch schlimmer geworden. Sie würden Jahre brauchen um sich davon zu erholen.

Nachdem die letzte Messe verlesen worden war und auch der letzte ihrer Freunde seine Dankesworte gesprochen hatte löste sich die Trauergemeinschaft nach und nach auf. Die meisten Menschen blieben und legten vor der Kirche Blumen nieder oder sprachen leise Gebete zum Himmel auf deren Erfüllung sie vergebens hoffen würden. Es gab keinen Gott mehr. Es hatte ihn schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr gegeben. Es würde sie niemand hören. Jetzt nicht mehr...

Selbst dieser junge Engel dort drüben, der aussah als hätte man ihm einen Teil seiner Seele geraubt, wußte das es niemanden mehr gab der sein Flehen hören würde. Wie wir alle war er mit seinem Schmerz allein. Seine aquamarinblauen Augen spiegelten seine Trauer deutlich wieder. Ihn und meinen Schützling hatte ein ganz besonderer Bann verbunden, der ihn auch jetzt noch schützte. Aber das war längst nicht alles.

Sie war die letzte gewesen, die um das Geheimnis seiner Eltern wußte und er hatte Seiten ihrer Seele gesehen, die sie sonst geschickt zu verbergen wußte. Beide kannten sie den Schmerz das zu verlieren, was ihnen am Meisten bedeutete und dennoch weiterzukämpfen. Als sie sich kennenlernten hatten sich die Fäden ihres Schicksals eng miteinander verknüpft. Er hatte sie an ihren Sohn erinnert und sie schwor sich ihn zu beschützen. Im Gegenzug hatte sie ihm Hoffnung gegeben und er fand einen Teil von sich in ihr wieder. Ihr Tod hatte ihn innerlich zerrissen. Er würde nie wieder derselbe sein.

Ich beobachte ihn noch eine Weile ehe er den Kragen seines dunklen Mantels nach oben schlug und mit dem Schatten der Kirche verschmolz. Als Anführer der Rebellen und derzeitiger Hauptregent der Himmel war es ihm nicht vergönnt noch länger in der Welt der Menschen zu verweilen. Es kam schon einem Wunder gleich, das er überhaupt erschienen war.

Seufzend wandte ich mich um und folgte dem kleinen Kreis ihrer wahren Freunde im Schutz der einsetzenden Dunkelheit. Inzwischen war ich bis auf die Knochen durchnäßt. Die immer größer werdenden Schatten nutzend verbarg ich mich vor ihren Blicken. Keiner von ihnen kannte mich. Sie würden nicht verstehen warum ich ihnen folgte oder was ich mir davon erhoffte. Ich verstand es ja selbst nicht. Was ich tat war vollkommen gegen meine Natur und dennoch konnte ich nicht anders.

Vor einem ihrer Lieblingsrestaurants blieben sie stehen. Unschlüssig sahen sie einander an bis sie beinahe zeitgleich stumm nickten und eintraten. Behutsam half der Rotschopf unter ihnen einer alten Dame aus ihrem regennassen Mantel. Die ansonsten so lebensfrohen Augen in dem von Alter gezeichneten Gesicht wirkten stumpf und leer. Wortlos setzte sie sich neben eine junge Frau, deren Frisur sich bereits halb gelöst hatte. Sanft drückte sie die Hand der alten Frau während auf ihrem anderen Arm ein Baby schlief.

Ihr Blick hob sich als sie ihren Mann, gekleidet in pechschwarzem Armani begrüßte. Hinter ihm standen eine junge Frau mit sonnengelben Haaren, deren Gesicht aussah als hätte sie schon seit Tagen nicht mehr geschlafen und ein braunhaariger, junger Mann der nicht sonderlich viel besser aussah.

Sie alle hielten sich einzig und allein durch ihren Willen aufrecht. Noch durften sie nicht zusammenbrechen. Die Augen der Weltöffentlichkeit lagen auf ihnen und gönnten ihnen kaum einen Moment Ruhe.

Nachdem sie alle Platz genommen hatten kam der Besitzer des Restaurants und sprach ihnen sein aufrichtiges Beileid aus. Mit steinernen Mienen dankten sie ihm und bestellten das, was sie sonst immer nur gemeinsam mit meinem Schützling gegessen hatten. Ein letztes Mal wollten sie sich ihr nah fühlen. Sie alle kämpften sichtbar um Fassung. Keiner von ihnen begriff was passiert war, nur das sich ihr Leben von Grund auf änderte und das sie es nicht verhindern konnten. Nichts würde in Zukunft mehr so sein, wie es einmal gewesen war.

Nachdem ich sie knapp zehn Minuten durch das Schaufenster des Restaurants beobachtet hatte drehte ich mich um und ging. Ich überließ es meinen Füßen ihren Weg selbst zu wählen und hing meinen Gedanken nach. Der Mond strahlte hell und voll über der in Trauer versunkenen Millionenstadt. Ebenso wie die Menschen hatte auch der Regen sich ein wenig zur Ruhe begeben. Das stetige Dauerprasseln war einem leichten Nieseln gewichen.

Jegliches Zeitgefühl verlierend fand ich mich schließlich vor dem Haus wieder in dem sie die letzten Jahre ihres Lebens verbracht hatte. Kopfschüttelnd trat ich in die Eingangshalle, die vor Blumenkränzen und Gestecken überquoll. Man kam sich beinahe vor wie in einer Gärtnerei.

Eine dunkle Wasserspur über den weichen Teppich hinter mir herziehend bahnte ich mir einen Weg bis hin zu dem abgesperrten Aufzug, der hinauf in ihr Apartment führte. Ein kurzes Fingerschnippen genügte um ihn in Betrieb zu setzen. Bedächtig trat ich aus der hell erleuchteten Kabine in das kalte Dunkel ihrer Wohnung.

Beinahe nichts war verändert worden. Alles stand noch an genau am selben Platz wie früher. Nur die Wände und die Tische quollen über mit Blumen und ihren Bildern. Irgend jemand hatte sie aufgestellt um ihren Geist in diesen Räumen zu erhalten. Abwesend knipste ich das Dämmerlicht an und versank in der Betrachtung eines Lebens.

Die unzähligen Fotos zeigten die ersten Erfolge ihrer Band, die gemeinsamen Reisen und vieles, vieles mehr. Sie waren beinahe überall auf der Welt gewesen und hatten die Herzen der Menschen im Sturm erobert. Ihr Sound und ihre Stimme waren einzigartig…

Vorsichtig hob ich eines der gerahmten Bilder an, das glücklich lächelnd zeigte. Ich erinnerte mich gut an diesen Tag. Es war die Geburtstagsfeier einer ihrer ältesten Freundinnen gewesen und der Tag an dem sie sich entschlossen hatte in das Licht der Öffentlichkeit zur treten. Ihr erstes Konzert und ein wahnsinniger Erfolg. Sie hatte zwar nicht selbst gesungen, aber ich hatte sie schon lange nicht mehr so befreit lachen sehen.

„Sie kannten sie gut, nicht wahr?“ Erschrocken zuckte ich zusammen als die rauhe Stimme dicht hinter mir aufklang.

„Sonst wären sie nicht hier.“ Furchtlos schob sich eine von harter Arbeit und Alter gezeichnete Hand über meine und stellte das Foto zurück an seinen Platz. Ich hatte nicht einmal bemerkt wie sie den Raum betreten hatte.

„Kommen sie, ich bin mir sicher, daß sie eine Decke und eine Tasse warmen Tee vertragen können. Sie sind ja vollkommen durchnäßt.“ Lächelnd bot mir die alte Frau ihre Hand an. Sie kannte mich nicht, aber sie spürte instinktiv, daß uns etwas miteinander verband. Ich nickte zögernd, immer noch überrascht von ihrer Furchtlosigkeit und folgte ihr schweigend in ihre Wohnung. Sie zitterte nicht einmal als meine Augen kurz im Dunkeln aufleuchteten.

Vielleicht lag es daran, das sie bereits zwei- nein, mit heute waren es dreimal, erlebt hatte wie man meinen Schützling zu Grabe trug. Einmal in ihrer Kindheit kurz nach ihrem fünfzehnten Geburtstag und ein weiters Mal in der Blüte ihres Lebens.

Jedes Mal ist mein Schützling kurz darauf erneut in ihr Leben getreten. Sich an einen Schwur haltend, den sie vor langer Zeit geleistet hatte. Und stets waren zu ihrem Begräbnis immer wieder Personen aufgetaucht, die eng mit dem Schicksal meines Schützlings verbunden gewesen waren. Wahrscheinlich hielt sie mich ebenfalls dafür. Für jemanden, der Abschied von einer Person nehmen wollte, die sein Leben von Grund auf verändert hatte. So falsch lag sie damit gar nicht… auch, wenn es nicht ganz genau den Tatsachen entsprach.

„Hier bitte.“ Sie reichte mir einen dampfenden Becher, aus dem ein köstliches Aroma strömte. Kurz zuvor hatte sie mich trotz meines Protestes in eine dicke Wolldecke gehüllt.

„Danke.“ Vorsichtig griff ich an den Rand des Bechers und zog meine Hand mit einem leisen Fluch zurück. Er glühte.

„Woher stammt diese Narbe?“ Interessiert betrachtete sie meinen Handrücken über den sich die Überbleibsel einer alten Verletzung spannten.

„Das ist eine lange Geschichte.“ Versuchte ich auszuweichen.

„Wissen sie…“ Sie lehnte sich entspannt in ihrem weichen Lehnstuhl zurück.

„…wenn man etwas in meinem Alter hat, dann ist es Zeit. Erzählen sie. Notfalls bis zum Morgengrauen.“ Ich unterdrückte den Impuls laut loszulachen. Sie hatte sich kein bißchen verändert und ich fand auch keinen triftigen Grund ihr diese Bitte abzuschlagen. Also begann ich und obwohl ich ihr, wie mein Schützling längst nicht alles erzählte, dämmerte es tatsächlich bereits als ich schließlich endete. Den Rest würde ich ihr irgendwann erzählen… vielleicht…

„Sie sollten hierbleiben.“ Ich schüttelte amüsiert den Kopf und stand auf.

„Danke, aber ich denke es ist besser, wenn ich gehe. Sie kennen nicht einmal meinen Namen.“

„Ist das so wichtig? Wir haben beide etwas verloren, das uns sehr wichtig war. Sie bleiben. Sonst schmeißen sie sich vielleicht noch vor den nächsten Zug.“ Es gelang mir nicht länger mein Lachen zurückzuhalten. Trotz des Verlustes ihrer Freundin hatte sie nicht das Geringste von ihrem bissigen Humor eingebüßt. Sie war hartnäckig wie eh und je. Wer sollte dagegen ankommen? Bis über beide Ohren grinsend gab ich mich geschlagen und ließ mir von dieser so zerbrechlich wirkenden Person das Gästezimmer zeigen. Es hatte mich stets beeindruckt wieviel Energie in diesem verwelkenden Körper steckte. Man sah es ihr wirklich nicht an, aber wenn sie wollte konnte allein ihr Wille Berge versetzen.

„Ruhen sie sich aus. Ich wecke sie zum Essen und dann werde ich ihnen erzählen, wie ich sie kennenlernte.“ Mit einem traurigen Lächeln verschwand sie und ließ mich allein zurück. Nachdenklich schälte ich mich aus meiner inzwischen eiskalt gewordenen Kleidung und war dankbar für die kleine Dusche, die direkt an das Zimmer grenzte. Aufgewärmt, aber todmüde fiel ich auf das weiche Bett und schlief beinahe sofort ein. Daran, das ich nackt war dachte ich nicht mehr.

Die alte Frau hielt ihr Wort. Sie weckte mich als die Dämmerung hereinbrach und überraschte mich mit einem Essen, das so manchem fünf Sterne Koch imponiert hätte. Wie schon am Vortag trug sie einen schwarzen Kimono versehen mit kostbaren Stickereien. Für mich hatte sie, nach einer kurzen Schrecksekunde beim Anblick meines unverhüllten Körpers, ebenfalls frische Kleidung besorgt. Eingehüllt in einem dicken Rollkragenpullover und eine bequeme Hose saß ich ihr gegenüber und lauschte ihrer rauhen, aber warmen Stimme.

Sie war einer der letzten Menschen, die meinen Schützling wirklich nahe gestanden hatten. Bis auf den Messias und seine Geliebte wußte niemand mehr über sie, als diese alte Dame. Seufzend lehnte sie sich am Ende ihrer Erzählung zurück und sah mich nachdenklich an.

„Wenn ich sie bäte zu bleiben, würden sie es tun?“

„Das tat ich bereits gestern abend.“

„Nein, ich meine ich möchte sie bitten hierzubleiben und mit mir gemeinsam zu warten.“

„Warten worauf?“

„Auf ein Wunder?“ Sie lächelte spitzbübisch.

„Wie lange?“ Mein Entschluß stand bereits fest noch ehe ich diese Worte ausgesprochen hatte. Außerdem hätte sie sicher ebenfalls gewollt, daß ich bleibe.

„Für ein Jahr und einen Tag.“

„Ein Jahr und einen Tag?“ Irgendwo hatte ich diese Worte bereits einmal vernommen. Doch ich konnte mich nicht mehr daran erinnern bei welcher Gelegenheit.

„Ja, ein Jahr und einen Tag… danach brauchen wir nicht mehr zu warten.“ Fragend sah ich sie an.

„Sie hat es mir vor langer Zeit gesagt… Sollte ich einmal verschwinden ohne mich von dir zu verabschieden, dann warte ein Jahr und einen Tag auf mich. Bin ich bis dahin nicht zurückgekehrt weißt du, das ich es niemals mehr tue.“ Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Das kleine, in Tränen aufgelöste elfjährige Mädchen, das sich von seiner geliebten Tante verabschiedete, die für unbestimmte Zeit fort mußte. Kazuhiros Enkelin, die meinen Schützling kennengelernt hatte als sie gerade sieben Jahre alt wurde. Die beiden hatten sich beinahe ein ganzes Menschenleben lang gekannt.

„Bisher ist sie jedes Mal zurückgekehrt.“ Ich unterdrückte das freudlose Lachen in meiner Kehle als ich den Hoffnungsschimmer in ihren Augen sah, an den sie sich so verzweifelt klammerte. Für sie wäre es unerträglich zu wissen, das die Person, die sie für unsterblich gehalten hatte plötzlich für immer gegangen war. Ich brachte es nicht über mich ihr die Wahrheit zu sagen.

„Gut, ich werde bleiben und gemeinsam mit ihnen warten. Aber ich werde nicht umsonst hier wohnen.“ Und ich teile nicht ihre Hoffnung. Es tut mir leid.

„Selbstverständlich werden sie das nicht.“ Entgegnete sie entrüstet.

„Die Miete beträgt eine Millionen Yen pro Monat.“ Fast wäre ich an meinem Kaffee erstickt.

„WAS?!“

„Nur ein Scherz.“ Sie grinste mich zufrieden an.

„Sie können hier solange wohnen wie sie möchten. Allerdings werden sie die Hausarbeit für mich übernehmen. Ich habe vor im nächsten halben Jahr eine neue Ausstellung zu eröffnen.“ Und noch ehe ich gegen ihr freundliches Angebot protestieren konnte schleifte sie mich in ihr Atelier. Sie hatte die ersten Bilder bereits vollendet und mit Dutzenden weiteren begonnen. Staunend betrachtete ich die halbfertigen Werke und fragte mich, wie es ihr gelungen war sie vor den Augen meines Schützlings zu verbergen.

„Sie sind wunderschön.“ War alles, was ich zustande brachte. Ihre Bilder zeigten meinen Schützling mit den Augen eines Menschen, der wesentlich tiefer sehen konnte als nur an das Offensichtliche. Sie hatte ihr wahres Wesen eingefangen ohne es selbst zu ahnen. Diese Bilder würden der Welt ebenso wie ihre Stimme auf ewig erhalten bleiben.

„Danke. Aber nun machen sie, daß sie rauskommen. Ich möchte dieses hier heute noch fertigstellen.“ Sie wies auf eine dunkle Leinwand auf der sich eine helle Mondsichel befand. Auf ihr saß in wallende Gewänder gehüllt mein Schützling, der mit Sternen spielte. Es war noch nicht fertig, doch ich war mir bereits jetzt sicher, daß es ein Meisterwerk werden würde.

„Lesen sie etwas, die Bibliothek befindet sich den Gang hinunter auf der rechten Seite. Zweite Tür. Oder besser. Kochen sie was Schönes. Ich werde hungrig sein, wenn ich hier fertig bin.“

„Wie sie wünschen Sensei.“ Ich verbeugte mich tief.

„Ich werde sie rufen sobald das Frühstück fertig ist.“ Lachend band sie sich eine über und über mit Farbklecksen versehen Schürze um und warf einen kleinen Schwamm nach mir. Ich wich ihm aus und nickte ihr zu ehe ich den hell erleuchteten Raum verließ. Sie würde die ganze Nacht daran arbeiten soviel war sicher. Suchend sah ich mich in den Küchenschränken um damit sie später wenigstens etwas vernünftiges Essen konnte. Wie mein Schützling so vergaß auch sie Zeit und Raum um sich sobald sie sich in eines ihrer Werke vertiefte. Nachdem ich beinahe zehn Stunden hatte verstreichen lassen nahm ich ihr mit sanfter Gewalt den Pinsel aus der Hand und zwang (äh… überredete) sie sich endlich eine Pause zu gönnen. Widerstrebend gab sie nach und schlang ihr Essen hinunter als stünde sie kurz vor dem Verhungern. Sie schlief lediglich ein paar Stunden und begann von vorn. Wobei sie es sich nicht nehmen ließ mir zu drohen, das ich es ja nicht noch einmal wagen sollte sie bei ihrer Arbeit zu stören. Essen könnte sie schließlich auch nebenbei. Von da an brachte ich ihr alle zwei Stunden einen Imbiß, damit ihr Körper unter dem Willen ihres Geistes nicht doch noch zusammenbrach. So begann unser gemeinsames Leben.

Die alte Frau, die ich abwechselnd Sensei oder Granny nannte, stellte mich allen die fragten als weit entfernten (sehr weit entfernten) Enkel vor und benutzte mich nebenbei geschickt als Schutzschild vor neugierigen Fragen. Sie arbeitete wie eine Besessene und man merkte ihr immer weniger an, daß sie in wenigen Monaten ihren neunzigsten Geburtstag feiern sollte.

Pünktlich zur ersten Kirschblüte des neuen Jahres wurde ihre Ausstellung eröffnet. Beinahe mit Absicht fiel der Premierenabend mit ihrem Geburtstag zusammen. Die Presse wurde unter dem rosafarbenen Dach unzähliger Kirschbäume empfangen. Und nahezu jeder Fotograf verwünschte an jenem Abend die herunterfallenden Blütenblätter, die ihm seine Bilder verdarben. Nur ganz wenigen von ihnen gelang es einzigartige Bilder zu schießen.

Zur Feier des Tages waren sämtliche Freunde der alten Dame gekommen und die Band meines Schützlings gab ihr erstes Konzert seit dem Tod ihrer unvergleichlichen Sängerin. Es war ein Medley ihrer bekanntesten Songs. Eine Hommage an jemanden, den nie ersetzt werden konnte, doch sie gaben nicht auf.

Dasselbe galt für die Ausstellung. Sowohl in der Broschüre als auch am Eingang der Galerie konnte man sehen und lesen für wen diese Bilder geschaffen worden waren. In sanft geschwungenen Lettern stand dort:

 

Gewidmet einem Menschen,

der niemals ein Engel sein wollte

und für die Menschen in seiner Nähe

doch nie etwas anderes war.

 

Sie hätte sicherlich lauthals darüber gelacht und uns sentimentale Idioten oder schlimmeres geschimpft. Doch ihre Stimme erklang lediglich noch von Tonbändern oder Videoaufnahmen. Ein müder Abklatsch ihres wahren Wesens mehr nicht.

Mit einem Sektglas bewaffnet betrat ich das Innere des Gebäudes. Zwar kannte ich die meisten der Bilder bereits, aber ihr noch einmal derartig nah zu sein ließ mein Herz schmerzen. Ein merkwürdiges Gefühl, wenn man bedenkt, das ich mich anfangs mit allen mir möglichen Mitteln dagegen gewehrt hatte zu ihrem Beschützer zu werden. Dabei hätte ich eigentlich wissen müssen, daß er mir keine Chance lassen würde.

Nachdenklich schritt ich an den beeindruckenden Werken entlang und nippte hier und da an der perlenden Flüssigkeit in meinem Glas. Im Hintergrund rieselten leise die bekanntesten Melodien ihrer Songs durch die weiten Gänge. Auch ihr letztes Werk war dabei.

Sie hatte ihn lange vor ihrem Verschwinden geschrieben und ohne das Wissen der anderen Bandmitglieder aufgenommen. Am Tag ihrer Beerdigung präsentierte ihre Band ihn unter Tränen der Welt; mit der Bitte sie niemals zu vergessen. Dieses Lied war ein Aufruf an die Welt und die Menschen, die auf ihr lebten. Sie alle sollten ihren Traum verfolgen und dabei niemals aufgeben. Egal, was auch geschah oder welchen Schmerz es manchmal verursachte. Man sollte sein Leben so leben, wie man es selbst für richtig hielt und dabei glücklich werden. Daran sollten sie sich alle erinnern, wenn sie ihrer Stimme lauschten und sie taten es.

Es war, als wäre ein Ruck durch die gesamte Menschheit gegangen. Plötzlich begannen sie wieder an sich selbst und ihre Fähigkeiten zu glauben. Und auch, wenn viele von ihnen auf die Nase fielen, sie standen immer wieder auf und jagten ihren Traum solange bis sie ihn endlich erreicht hatten. Es war als hätten sie endlich wieder gelernt glücklich zu sein ohne, daß es dabei um Geld oder Macht ging. Manchmal reichte dafür sogar schon das einfache Lachen eines Kindes.

Die Ausstellung wurde ein voller Erfolg und bis auf wenige Ausnahmen wurden sämtliche Bilder beinahe am ersten Tag verkauft. Einige Exemplare waren von Anfang an für ihre Freunde vorgesehen. Mit einem unglaublichen Gespür hatte die alte Dame genau gewußt wem sie welches Bild schenken würde. Beinahe so als hätte eine unsichtbare Hand ihren Pinsel geführt.

Auch mir hatte sie eines vermacht. Es zeigte meinen Schützling wie sie einen kleinen, schwarzen Hund mit zotteligem Fell lachend an ihre Wange drückte. Es war Herbst und die beiden hatten kurz zuvor noch im Park herumgetollt. Dieses Bild hatte den Augenblick festgehalten in denen ihre Liebe zu einander am stärksten war. Ein Augenblick, wie es ihn nie wieder geben würde…

Je mehr Zeit verging desto schwächer wurde die alte Frau. Die Frist von einem Jahr und einem Tag war nun beinahe vorüber und noch immer gab es nicht die geringste Spur von ihr. Mit jedem Tag, der verstrich sah man der alten Frau ihr Alter immer stärker an. Stück um Stück verlor sie ihre Hoffnung bis sie schließlich kaum noch ohne Hilfe aufstehen konnte. Ich saß an ihrem Bett als der letzte Abend hereinbrach. Nun war es fast vorbei… sollte sie sich in dieser Nacht nicht zeigen würde sie es nie wieder tun…

„…es dämmert bereits… sie wird nicht mehr kommen…“ Zitternd streckte sie ihre Hand nach mir aus.

„Du hast es gewußt, nicht wahr?“ Behutsam bedeckte ich ihre Hand mit meiner.

„Ja.“

„…Von Anfang an?“ Ihre Stimme klang wie Sandpapier und das Atmen fiel ihr immer schwerer. Es würde nicht mehr lange dauern.

„Ja.“

„…warum hast du… warum hast du es mir nicht gesagt?“ Sanft strich ich über ihr schlohweißes Haar.

„Was hätte es geändert?“

„…du klingst genau wie sie…“ Seufzend schloß sie die Augen.

„…sie hat immer versucht mich zu schützen…“ Ich hauchte einen Kuß auf ihren rauhen Handrücken und verwickelte sie in ein Gespräch über meinen Schützling und die Malerei um sie von ihren Schmerzen abzulenken.

„Sie nur, die Sonne geht auf…“ Ich folgte ihrem Blick und sah zu wie die helle Scheibe immer höher den Horizont hinaufstieg.

„…sie kehrt nicht… zurück… nicht dieses Mal… sie ist fort…“ Ihre Hand erschlaffte ebenso wie ihr restlicher Körper.

„…für immer…“ Mit einem leisen Seufzer löste sich ihre Seele von den Überresten ihres zerfallenden Körpers und wurde von purem Licht umfangen ehe sie allmählich verblaßte. Obwohl ich gewußt hatte, was geschehen würde stahlen sich Tränen in meine Augen. Ich hatte diese alte Frau geliebt.

Noch am selben Morgen verließ ich ihr Apartment um meinen Schmerz in den Bergen freien Lauf zu lassen. Ich ging auf die Jagd und hatte dem Förster wahrscheinlich die Arbeit für das gesamte nächste Jahr abgenommen, aber selbst das half nicht Sturm, der in meinem Innern tobte zu bezwingen.

Eingehüllt in den Schatten der Nacht kehrte ich in ihr Apartment zurück und kümmerte mich darum ihren letzten Wunsch zu erfüllen. Ich verbarg ihre letzten Bilder, einen Teil ihres Schmucks und einige äußerst kostbare Kimonos im Safe einer Bank und versteckte die Schlüssel an den dafür vorgesehenen Orten. Ihr Testament würde ihrer Familie erklären was mit diesen Dingen geschehen war und wofür sie verwendet werden sollten.

Schwer seufzend ließ ich mich auf mein Bett fallen. Ihre Angehörigen hatten bereits erfahren, was geschehen war und der Anrufbeantworter brach unter der Last der Beileidsbekundungen fast zusammen. Ich kümmerte mich nicht darum. Noch nicht. Erst als der Morgen anbrach hörte ich das Band ab und erfuhr so die Einzelheiten über ihre Beisetzung.

Die Beerdigung war weitaus weniger prunkvoll als die meines Schützlings vor einem Jahr, aber sie hinterließ eine ebenso große Lücke in meinem Herzen. Der letzte Mensch, der mich an Assia band war gegangen. Von nun an mußte ich mich nur noch um mich selbst kümmern. Etwas, das schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr vorgekommen war. Ich würde mich daran gewöhnen müssen.

„Warum bist du geblieben?“ Die kühle Stimme in meinem Rücken war lediglich ein Wispern.

„Du hättest deinen Platz unter uns wieder einnehmen können.“ Langsam drehte ich mich um und sah in das ausdruckslose Gesicht Astaroths. Er hatte sich in all der Zeit kein bißchen verändert. Seine Züge waren so regungslos wie eh und je.

„Es war ihr Wunsch.“

„Verstehe.“ Schweigend traten wir an die unter Blumen und rotgoldenen Blättern verborgenen Gräber. Die alte Dame ruhte direkt neben meinem Schützling.

„Deine Mutter möchte dich sehen.“ Ich schüttelte den Kopf. Meine Mutter war die letzte Person, die ich sehen wollte. Ich würde ihr niemals verzeihen, daß sie eingegriffen hatte um mich vor den Augen der Welt zu verbergen. Sie hatte ihr selbst gewähltes Exil aufgegeben und mich aus dem Hinterhalt in ihr Versteck gezerrt. Wer auch immer sich an diesem Ort befand konnte in allen drei Welten nicht mehr wahrgenommen werden. Seine Aura verschwand spurlos bis er einen Fuß hinter ihren sorgfältig gewebten Bann setzte.

„Sag Lilith, das sie meinen Platz einnehmen kann. Ich habe daran kein Interesse.“ Sie hatte mich über einen Monat festgehalten und für mich war es eine halbe Ewigkeit gewesen. Als ich zurück kehrte gab es von meinem Schützling nicht mehr die geringste Spur. Ihre Aura war verloschen und als ich den Gesprächen der anderen Wesen lauschte begriff ich, was mit ihr geschehen war und das meine Mutter mich um etwas unendlich Kostbares gebracht hatte. Ich hätte ihr folgen können…

„Du machst es mir nicht gerade einfach.“

„Warum sollte ich?“ Nach allem, was zwischen uns vorgefallen war, ist es ohnehin ein Wunder, das ich ihn nicht sofort angriff. Vielleicht ist das ihr Einfluß…

„Schon gut, laß uns nicht streiten. Nicht hier.“ Er deutete auf die Gräber. Ja, es sieht ganz so aus als hätte sie uns beide mehr verändert als wir selbst wahrhaben wollen. Normalerweise gingn wir uns bereits nach dem dritten Wort gegenseitig an die Kehle.

„Sie würde uns sicher die Köpfe zu Recht rücken, wenn sie wüßte, daß wir immer noch streiten.“ Ein leichtes Lächeln stahl sich bei seinen Worten auf meine Lippen. Er hat sich wirklich verändert. Aber er hat recht. Sie würde uns mit Sicherheit wie zwei ungezogene Schuljungen behandeln, die man einfach übers Knie legt statt ihnen großartig Aufmerksamkeit zu schenken. Und wenn ich ehrlich bin, wir haben uns auch nur selten anders verhalten. Selbst nach all den Jahren, die inzwischen verstrichen sind… es hat sich kaum etwas geändert.

„Denk zumindest darüber nach. Ich suche dich in einer Woche erneut auf.“ Er klopfte mir kurz auf die Schulter und verschwand ein einem Sturm blutroter Ahornblätter.

„Eine Woche, hmm…“ Mehr als genug Zeit um zu Verschwinden. Assia ist groß und er kann mich schließlich nicht überall suchen. Ein breites Lächeln spielte über meine Züge. Fast wie in alten Zeiten. Wir spielen Katz und Maus und der Sieger darf sich die Trophäe aussuchen.

Aus den Augenwinkeln bemerkte ich eine Bewegung. Ohne mir etwas anmerken zu lassen sprach ich ein leises Gebet (wenn ich irgendwann noch einmal die Hölle aufsuchen will muß das dringend aufhören) und schlenderte hinüber zur Kirche. Wer auch immer hinter mir gestanden hatte, er gab sich verdammt große Mühe, damit ich ihn nicht bemerkte.

Als ich einen Punkt erreichte von dem aus mich niemand mehr beobachten konnte änderte ich zum ersten Mal seit über einem Jahr meine Gestalt. Unauffällig schlich ich mich zurück zu ihrem Grab und glaubte plötzlich mein Herz würde jeden Moment aufhören zu schlagen.

In einen langen dunklen Mantel gehüllt stand dort ein junger Mann, der einen Strauß frisch erblühte Kirschzweige auf seinem Arm trug. Er sank vor dem Grab der alten Frau in die Knie und legte die zarten Blüten behutsam darauf ab. Seine kinnlangen, platinblonden Haare fielen ihm leicht ins Gesicht als er den Kopf beugte. Ich hätte ihn überall erkannt. Er war ein Engel und bis vor wenigen Minuten hatte ich ihn für tot gehalten.

Als er den Friedhof verließ heftete ich mich an seine Fersen und verließ mich dabei voll und ganz auf meine Fähigkeiten. Es war unmöglich seine Aura zu verlieren. Viel zulange hatte er in meiner Nähe gelebt. Es gelang mir ihm zu folgen, ohne von ihm bemerkt zu werden. Dabei mußte ich meine Gestalt jedoch erneut ändern um in der Masse der Menschen untergehen zu können.

Sein Weg führte ihn weit hinaus aus der Stadt. Mitten in die Berge und die dort liegenden unberührten Bambuswälder. Irgendwo in dem tiefen Grün verlor ich ihn schließlich doch aus den Augen. Doch da ich seine Aura nach wie vor deutlich wahrnehmen konnte machte ich mir darüber keinerlei Gedanken. Weit konnte er noch nicht gekommen sein.

„Warum verfolgst du mich.“ Die Klinge eines Schwertes befand sich dicht unter meiner Kehle. Er hat mich reingelegt. Erstaunlich, daß das einem Engel überhaupt gelingt. Er hat mehr von ihr mehr gelernt als ich dachte.

„Wie kommst du darauf?“ Er stand genau hinter mir. Mochte der Himmel wissen wie er es geschafft hatte so sehr mit der Umgebung zu verschmelzen, das ich nicht bemerkt hatte. Kann er in nur einem Jahr soviel dazu gelernt haben? Oder hatte er dieses Talent etwa schon immer?

„Du verfolgst mich seitdem ich den Friedhof verlassen habe. Warum?“ Seine Stimme war vollkommen ruhig. Anscheinend sah er in mir keine Bedrohung. Nun ja, so wie ich im Moment aussehe würde ich mich wahrscheinlich selbst für einen Menschen halten. Einen ziemlich heruntergekommenen Menschen.

„Neugier?“

„Wohl kaum.“ Leise lachte ich auf. Er unterschätzt mich gewaltig. Nur, weil ich zur Zeit keinen sonderlichen Wert auf mein Äußeres lege bin ich bei weitem nicht so hilf- und wehrlos, wie er annimmt. Schön, spielen wir also ein klein wenig miteinander bevor ich dich zum Mittagessen verspeise.

„Da hast du recht.“ Ehe er sich versah startete ich einen Angriff, dem er geschickt auswich. Schwungvoll beförderte er mich zu Boden und kniete sich auf meinen Rücken. Es gab nur eine einzige Person, die ihm dieses Manöver beigebracht haben konnte.

„Noch einmal. Warum folgst du mir.“ Ich knirschte mit dem Zähnen. Warum in drei Teufelsnamen hat sie ihm nur soviel beigebracht. Für jemanden, der Engel so sehr verabscheute wie sie ist sie bei ihm verdammt nachlässig gewesen. Er hat verdammt viel gelernt.

„Weil ich wissen will…“ Knurrend bäumte ich mich auf und schüttelte ihn ab wie ein lästiges Insekt.

„…warum du noch lebst.“ Drohend funkelte ich ihn an als er nach seinem Schwert greifen wollte. Er ließ es liegen und starrte mich an wie einen Geist.

„Das ist unmöglich!“ Sein Blick bohrte sich in meine Augen und Begreifen zeichnete sich seinen Zügen ab.

„Kann das sein?“ Ungläubig starrte er auf den Mantel und die halbzerrissene Kleidung, die ich trug.

„Ich weiß nicht, was du meinst.“ Am Liebsten hätte ich ihn auf der Stelle zerfleischt. Doch zuerst brauchte ich eine Antwort. Zögernd räumte ich ihm nach und nach mehr Spielraum ein bis ich ihn schließlich ganz freigab. Es würde mir dennoch leichtfallen ihn jederzeit zu töten. Warum lebt er noch? Wie kann das möglich sein? Als ich ihn zum letzten Mal gesehen habe war er dem Tod näher als dem Leben. Wieso ist er geheilt? Sein Körper weist nicht mehr die geringste Spur einer Vergiftung auf.

„Ich denke doch.“ Gemächlich stand er auf und klopfte die Erde von seiner Kleidung. Dabei ließ er mich nicht aus den Augen. Die erste Regel, wenn man es mit einem stärkeren und unbekannten Gegner zu tun hat. Beobachte ihn und finde seine Schwächen. Sie hat ihm eindeutig zu viel beigebracht.

„Nebenbei bemerkt war deine Aura komplett von dieser Welt verschwunden. Es gab keinen einzigen Hinweis über deinen Verbleib. Wir suchten eine Nadel in einem Heuhafen.“ Es klang beinahe wie ein Vorwurf und zum x-ten Mal wünschte ich meine Mutter für ihr Eingreifen zum Teufel.

„Das klingt fast so als hätte mich jemand gesucht.“ Für eine Sekunde flammte Zorn in seinen ansonsten so sanften Augen auf. Doch dann lächelte er über das ganze Gesicht als wäre nie etwas dergleichen geschehen.

„Begleite mich.“ Verblüfft starrte ich an. Das Schwert, das auf dem Boden gelegen hatte war verschwunden. Er würde also nicht weiter gegen mich kämpfen. Gut. Das macht es einfacher.

„Wohin?“ Lächelnd öffnete einen Dimensionstunnel und wies mitten in den hellen Wirbel. Der Sog war stärker als ich erwartet hatte. Für einen Moment verwandte ich meine gesamte Aufmerksamkeit darauf nicht von ihm erfaßt zu werden und verlor ihn so den Engel aus den Augen. Er nutzte seine Chance und gab mir einen kräftigen Stoß. Ohne, das ich es verhindern könnte taumelte ich in den Dimensionstunnel.

„Verfluchter Engel!“

„Du wärst mir ohnehin gefolgt.“ Seine Stimme verlor sich im Wirbel der Dimensionen. Fluchend stellte ich fest, daß es unmöglich war herauszufinden wohin dieser Tunnel führte. Er bohrte sich durch jede bekannte Sphäre und wurde dadurch beinahe unsichtbar. Ich konnte lediglich hoffen, daß es keine Falle war. Wenigstens keine der üblichen.

Fluchend landete ich mit einer Rolle vorwärts auf samtweichem Moos. Der Tunnel hatte sich so plötzlich geöffnet, daß mir keine Zeit mehr geblieben war meine Landung elegant aussehen zu lassen. Ich befand mich inmitten eines gigantischen Waldes. Um mich herum dominierten die verschiedensten Braun- und Grüntöne. Als ich die Luft einsog in die sich der Geschmack von Wald und dem Leben darin mischte überrollte mich eine Welle des inneren Friedens.

Das hier war nicht länger Assia. Dieser Ort lag irgendwo versteckt zwischen allen drei Welten und er war wunderschön. Beinahe unberührte Natur, das Zwitschern der Vögel und das leise Plätschern eines Baches ganz in der Nähe ließen mein Herz beinahe all seine Sorgen vergessen. Durch das Dach der hohen Baumriesen zauberten die Strahlen der Sonne ein unvergleichliches Muster auf den Boden. Es war, als wäre ich endlich zu Hause angekommen.

„Dort drüben ist eine Lichtung.“ Er war verschwunden noch ehe ich mich umgedreht hatte. Mürrisch machte ich mich auf den Weg. Es gab ohnehin nicht viel anderes zu tun als die Umgebung zu erforschen. Warum als nicht damit anfangen? Auch, wenn es mir nicht paßt, das hier gerade ein Engel seine Spielchen mit mir spielt. Ich bin inzwischen einfach viel zu neugierig. Und wenn es eine Falle sein sollte… nun ja, meine Klauen haben schon weitaus mächtigere Engel in Fetzen gerissen…

Der Waldboden dämpfte meine Schritte trotzdem dennoch ich mich nur mit größter Vorsicht. Man konnte nie wissen. Friedensvertrag hin oder her. Sowohl Engel als auch Dämonen kochten nach wie vor jeder ihr eigenes Süppchen. Doch in dem Moment in dem ich den Rand der Lichtung erreichte vergaß beinahe meine Deckung. Der Anblick, der sich mir bot konnte unmöglich der Wahrheit entsprechen.

Auf einem umgestürzten Baumstamm saß mein Schützling vertieft in ein Gespräch mit den beiden Engeln, mit denen der ganze Ärger überhaupt angefangen hatte. Ihr Haar glänzte im Licht der Sonne. Es war kürzer als sonst und reichte ihr nur noch bis knapp zur Hüfte. Ihr Körper wurde umhüllt von einem Hauch wasserblauer Seide, die mit silbernen Fäden durchwirkt war. Auf ihrer Schulter blitzte eine halbmondförmige Schnalle auf. So etwas hatte sie seit einer halben Ewigkeit nicht mehr getragen und ihr Gesicht leuchtete wie ich es schon seit Jahrhunderten nicht mehr gesehen hatte. Um so mehr störte es mich die Verantwortlichen dafür zu sehen.

Dicht neben ihr standen Remiriel, jener Engel der als erster ihr Herz gestohlen hatte. Zum Glück nach wie vor lediglich als Astralgestalt. Seine Seele hatte sie also immer noch nicht verlassen. Nun ja, ihn konnte ich gerade noch in ihrer Nähe ertragen. Die beiden verband viel zu viel als das ich mir erlaubt hätte sie zu trennen. Aber das galt nicht für ihn.

Aus meiner Deckung heraus funkelte ich Rosiel an und versuchte ihn mit meinen Blicken zu töten. Dieser größenwahnsinnige Engel ist schuld an allem was in letzter Zeit geschah. Erst hat er andauernd mit ihr gestritten, ihr das Leben zur Hölle gemacht und sich dann auch noch in sie verliebt. Es ist mir nach wie vor ein Rätsel wie es überhaupt möglich war, das mein Schützling seine Gefühle überhaupt erwidern konnte, aber ihre Augen haben mich noch nie belügen können.

So sehr ich es auch verfluche sie und Rosiel gehörten ebenso zusammen wie es einst bei ihr und Remiriel der Fall gewesen war. Alle beide sind ein Teil von ihr ohne den sie nicht vollständig ist und in jedem dieser Fällen wünschte ich mir nichts sehnlicher, als das sie ihnen niemals begegnet wäre. Es hätte ihr so unendlich viel Leid erspart…

Doch wenn ich an das Leuchten in ihren Augen zurückdachte als sie ihren Sohn in den Armen gehalten hatte und den warmen Blick, der einzig und allein für Remiriel bestimmt gewesen war konnte ich nicht länger an meinem Zorn festhalten. Ich hatte kein Recht ihr dieses Glück zu nehmen. Wäre sie nicht gewesen würde ich noch heute mein Dasein in Ketten fristen und hätte niemals gelernt was es bedeutet Teil einer Familie zu sein und diese zu verlieren.

Warum mußte sie mich damals unbedingt befreien? Sie hätte mich dort lassen können. Dann hätte ich niemals erfahren, was es bedeutet an einem Tag alles zu verlieren was einem wichtig war. Auch wäre ich nicht wie sie jahrhundertelang vor meinen Verfolgern geflohen sondern hätte sie einem nach dem anderen niedergestreckt. Egal, wie viel Zeit und Kraft das auch gekostet hätte.

Sie hingegen hatte das Vergessen gewählt. All ihre Erinnerungen an jenen Tag und ihr Leben davor gingen binnen eines Augenblicks verloren. Ich konnte nur zusehen wie sie diesen Weg beschritt. Es war grausam, daß sie selbst mich nicht länger erkannte. Es dauerte ein halbes Menschenleben bis sie wieder soviel Vertrauen zu mir gefaßt hatte, das ich mich ihr nähern konnte ohne, das sie bei meinem Anblick am gesamten Körper zitterte.

Vielleicht hätte sie sogar die Chance auf ein neues Leben gehabt wären die Hunter nicht gewesen. Wie keine andere Engelsgruppe jagten sie meinen Schützling quer durch die Welt der Menschen. Sie ahnte in den ersten Jahren noch nicht einmal in welcher Gefahr sie geschwebte. Die meisten Hunter starben in meinen Klauen noch ehe sie überhaupt einen Blick auf sie erhaschen oder einen Report über ihren Aufenthaltsort abgeben konnten.

Doch es gelang mir nicht immer sie zu schützen. Viel zu oft wurde ich von den Huntern überlistet und mein Schützling fand sich erneut in der Zerstörung eines kompletten Lebens wieder. Anfangs hatte sie nicht die geringste Ahnung warum man gerade ihr derartig Grausames antat doch je mehr Zeit verging desto schwächer wurde das Siegel, das ihre Erinnerungen und ihre Kräfte verbarg.

Ich werde niemals den Tag vergessen an dem ihr zum ersten Mal seit langer Zeit bewußt wurde wer und was sie war und in welcher Gefahr sie sich allein aufgrund ihrer Existenz befand. Auch ihre panikerfüllten Schreie wenn sie erneut von ihren Alpträumen heimgesucht wurde, die nur einen Schatten dessen darstellten was ihr und ihrer Familie widerfahren war, hatten sich tief in mein Innerstes gegraben. Egal, was ich auch versucht hatte es war mir nie gelungen sie von dieser Last zu befreien oder sie ihr zu ersparen. Ich konnte nur reglos daneben sitzen und warten bis sie aufwachte und meinen Schutz suchte.

Erst als dieser Engel bei ihr einzog änderte sich etwas daran. Ihre Träume waren längst nicht mehr so furchtbar wie einst und sie kamen nur noch zu einer bestimmten Zeit im Jahr. Zumindest dafür hätte ich ihm dankbar sein müssen doch ich konnte ihm nicht verzeihen, daß er sie solange belogen hatte. Nur zu gerne hätte ich ihr von Anfang an die Wahrheit über ihn offenbart, doch das hätte bedeutet ihr Leben erneut aus seinen Angeln zu heben. Zum ersten Mal seit einer halben Ewigkeit schien sie die Furcht vor ihren Verfolgern verloren zu haben und genoß ihr Leben soweit es ihr möglich war. Ich brachte es einfach nicht über mich ihr das zu nehmen.

Wie sehr ich diesen Entschluß inzwischen bereute wurde mir klar als betreffender Engel zu der kleinen Gruppe auf die Lichtung trat. Hinter ihm schwebte undeutlich die Seele eines kleinen Mädchens, das immer wieder interessiert in meine Richtung blickte. Mit einem wissenden Lächeln auf den Lippen sah er ebenfalls kurz zu mir hinüber bevor er sich zu meinem Schützling hinunterbeugte. Ihre Augen weiteten sich in schierem Unglauben als sein Arm genau auf die Stelle wies an der ich stand. Erst da fiel mir auf, daß ich meine Deckung komplett aufgegeben hatte. Fluchend duckte ich mich auf den Waldboden.

Doch es war bereits zu spät. Sie hatte mich gesehen. Glücklicherweise hatte ich meine Gestalt geändert noch ehe ich zu meinem Erkundungsgang aufgebrochen war. Mit einem Jubelschrei sprang sie auf und stürmte auf mich zu. Mit einem leisen Knurren das einzig und allein diesem hinterhältigen Engel galt verließ ich den schützenden Wald und hetzte in ihre weitausgebreiteten Arme. Selbst wenn das hier eine Falle ist, es ist es mir egal. Ich will sie noch ein einziges Mal sehen, ihre Stimme hören und ihren einzigartigen Duft wahrnehmen.

„CEE!!!“ Ihre Arme schlossen sich um meinen Hals und sie drückte mich fest an sich. All meine Sorgen lösten sich jenem Moment in Wohlgefallen auf. Es gab nicht den geringsten Zweifel. Sie war es und sie lebte! Das Leben pulsierte durch ihren Körper und es gab nicht die geringsten Anzeichen einer Verwundung. Am Liebsten hätte ich meine Freude laut hinausgeschrieen.

„Ich hab dich so sehr vermißt!“ Meine Luft reichte jedoch kaum noch zum Atmen. So sehr klammerte sie sich an mich und ich versuchte gar nicht erst mich von ihr zu befreien. Das hier war mehr als ich mir jemals zu hoffen gewagt hätte.

„Du solltest ihn lieber loslassen. Sonst erstickt er noch.“ Die spöttische Stimme war mir noch viel zu gut in Erinnerung. Ich stieß ein leises Knurren aus. Eine kleine Warnung, daß er ja nicht zu weit gehen sollte. Um ihretwillen duldete ich seine Anwesenheit, doch er sollte sich nicht einbilden, daß das ewig so bleiben würde. Sollte er sie auch nur noch ein einziges Mal verletzen würden meine Zähne ihren Weg in seine Kehle finden.

„Habe ich dir nicht gesagt, das du ihn nicht dauernd ärgern sollst?“ Lachend sah sie erst ihn und dann mich an. Ihr gesamter Körper strahlte das Glück aus, das sie empfand.

„Ich bin so froh, daß du wieder da bist!“ Sie drückte mich erneut an sich und plötzlich spürte ich etwas, das vorher nicht dagewesen war. Mit einem lauten Fiepen befreite ich mich aus ihrer Umarmung und schob die Stoffbahnen über ihrem Bauch auseinander. Darunter kam ihr lediglich von einer dünnen Seidenschicht bedeckter Bauch zum Vorschein, der sich wie eine überreife Melone wölbte. Ungläubig starrte ich darauf als sich eine leichte Delle auf der Oberfläche abzeichnete. Prüfend stieß ich kurz dagegen um sicher zu gehen, das ich keinem Irrtum aufsaß. Beinahe sofort wurde ich mit einer protestierenden Bewegung unter meinen Klauen belohnt. Das ist unmöglich!

„Überrascht?“ Grinsend sah mich Remiriels Seele an. Er war noch immer an sie gebunden.

„Das einzig und allein mein Werk.“ Der ganze Stolz eines werdenden Vaters sprach aus ihm.

„Verzeiht mir verehrter Rosiel-sama, aber ich denke dazu gehören immer noch zwei.“ Warf Remiriel lachend ein und schien sich nicht im Geringsten daran zu stören, das ein anderer seinen Platz eingenommen hatte. Mein Schützling brach in schallendes Gelächter aus.

„Ihr beiden solltet euch einmal hören. Aber es ist wahr…“ Sanft lächelnd strich sie über ihrem Bauch.

„Cee, es ist wirklich wahr.“ Diesen Ausdruck in ihren Augen sah ich zum ersten Mal seit einer halben Ewigkeit. Seit dem Tod ihres Sohnes hatte sie mich nie mehr so angesehen.

„Es ist bestimmt ein Schock für ihn.“ Eine rauhe Hand fuhr über meinen Rücken und kraulte mich kurz hinter den Ohren. Es war der Engel, der mich hergeführt hatte. Er hatte recht, aber es ist der schönste Schock, den jemals erlitten habe. Erleichtert und aus tiefster Seele dankbar, daß man uns allen diesen Neuanfang ermöglichte, legte ich ein Ohr auf ihren Bauch. Der Schlag von zwei kleinen Herzen lag darin verborgen.

„So wie es aussieht ist er ist hin und weg.“ Bemerkte Rosiel spitz und strich dabei leicht über meinen Rücken. Pech für ihn. Er wird sich erneut daran gewöhnen müssen sie mit mir zu teilen.

„Und das wundert euch? Hättet ihr denn geglaubt, das all dies möglich wäre?“ Fragte ihn Remiriel. Sie alle schüttelten den Kopf. Keiner von ihnen hatte damit gerechnet noch einmal das Licht der Sonne zu sehen oder einen Fuß in diese Welt zu setzen.

„Was mich direkt auf meine Frage von vorhin bringt. Solltest du und diese Nervensäge…“ Er deutete mit einer Hand auf die Seele des rothaarigen Mädchens das sich halb hinter seinem Sohn verborgen hatte. Ihr Blick sprach Bände. Sie konnte Rosiel ebenso gut leiden wie ich.

„…nicht schon längst irgendwo wiedergeboren sein?“ Anscheinend paßte es ihm ganz und gar nicht meinen Schützling mit ihrem alten Liebhaber teilen zu müssen. Und mit mir hatten er nun zwei ernstzunehmende Konkurreten um ihre Gunst. Mühsam unterdrückte ich ein amüsiertes Lachen.

„Oh, keine Sorge, das werden wir auch.“ Sichtlich erleichtert atmete Rosiel auf.

„Sehr bald sogar.“ Er zwinkerte mir und dem kleinen Mädchen verschwörerisch zu und ich begriff, was Rosiel mit aller Gewalt zu verdrängen versuchte. Jetzt gelang es mir wirklich nicht mehr meine Heiterkeit zu verbergen.

„Ihr benehmt euch wie zwei kleine Kinder, die um einen Topf Süßigkeiten streiten.“ Ihre Hand kraulte leicht meinen Nacken während sie lachte. Genießerisch schloß ich die Augen. Irgendwo über den Baumkronen klang das Rauschen von Flügeln auf. Doch es waren weder Engel noch Dämonen, die dort oben ihre Bahnen zogen. Die Vögel des Waldes suchten sich ihren Weg hinauf in den Himmel.

Während ihre Stimme mich leise immer weiter in den Schlaf sang überfiel mich die Erschöpfung, die ich über ein Jahr lang verdrängt hatte. Der Wind striff sanft über das Gras und die Baumkronen. Das Rauschen der Blätter begleitete ihre Stimme und trug mich immer weiter davon. Dies war der Ort, den ich solange gesucht hatte und von dem Niemand etwas ahnte… tief verborgen zwischen den Dimensionen…

Niemand würde ihn je finden, es sei denn er verbrachte eine halbe Ewigkeit damit ihn zu suchen. Und genau hier gehöre ich hin. An ihre Seite, um sie bis ans Ende ihres Lebens beschützen. Vielleicht wird sie eines Tages zurückkehren… wenn die Welt sie erneut braucht… doch vorerst soll sie glücklich werden… hier an diesem Ort, der nur uns allein gehört.

 

06-08-30


UPDATE Kurenai no Tenshi
 

ab sofort erhältlich

Volume 13

Photobucket

Werbung
 
UPDATE Convention
 
Teilnahme an folgenden
CONVENTIONS:

Dokomi
30.04. - 01.05.2016
in Düsseldorf
eigener Stand
UPDATE Fanfiction
 
Moon Shadows
Chapter 14
___________________

Secrets
wird fortgesetzt
___________________

Love of an angel
abgeschlossen
UPDATE Gallery
 
Kaze to ki no uta

Cover, Farbbilder und
Animescreenshots sind online
UPDATE Modelkits
 

Photobucket

 
Heute waren schon 114210 Besucher (280847 Hits) hier!
=> Willst du auch eine kostenlose Homepage? Dann klicke hier! <=