Part 01

00-05-03

Love of an angel

         Part 01

Strange day

Nach einer weiteren halben Stunde tatenlosen Rumsitzens hielt ich es nicht mehr aus. Es ist schon fast zwölf Uhr mittags und der Kerl pennt tatsächlich immer noch! Genüßlich schlenderte ich ins Bad schnappte mir ein Handtuch und hielt es unter eiskaltes Wasser. Mit einem zufriedenen Grinsen wrang ich es etwas aus, bevor es sich auf dem Weg ins Gefrierfach machte. So mein Lieber, du hast jetzt noch maximal zehn Minuten Galgenfrist und wenn du dann nicht aufstehst...

Mühselig unterdrückte ich den Drang laut loszulachen. Ihn vorher schon ausversehen aufzuwecken würde mir nicht annähernd so viel Spaß machen. Mein Blick fiel auf das Skript, das seit gestern abend völlig unbeachtet auf dem Wohnzimmertisch lag und darauf wartete von mir gelesen zu werden. Da ich sowieso noch etwas Zeit totschlagen mußte führte ich mir schließlich die ersten Seiten zu Gemüte. Oh man, muß ich bei diesen Mist wirklich mitmachen? Es ist zwar meine Idee gewesen zu unserem neusten Song direkt zwei Videos zu drehen, damit jede Seite angesprochen wird, aber ich konnte doch nicht damit rechnen, daß sie diesmal alle sofort und ohne die geringsten Debatten dafür waren! Jetzt habe ich den Salat! Der ganze Krempel soll innerhalb einer Woche fertig werden, wenn nicht schon in der Hälfte der Zeit. Manchmal glaube ich echt, das Mike keinen blassen Dunst von unserem Privatleben hat. Ansonsten würde er wohl mal ein paar freie Tage springen lassen. Das nächste Mal streike ich! Soll er doch sehen, wo er mit seinem Konzept bleibt. Wir sind unserem Publikum zwar ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit schuldig, aber inzwischen ist das unsere Hauptbeschäftigung. An den letzten freien Tag kann ich mich schon fast nicht mehr erinnern. Nach diesem Videodreh mache ich erst mal für mindestens drei Wochen Urlaub und der Rest der Band kommt mit! Egal, ob es Mike nun paßt oder nicht! Irgend wann gab ich es auf mich auf den Text konzentrieren zu wollen und schmiß das Ding wieder achtlos auf den Tisch. Wenn ich nur daran denke, daß es morgens früh um sechs losgehen soll...

Meine Laune sank auf einen absoluten Tiefpunkt. Gott sei Dank fiel mir wieder das Handtuch ein und ich holte es aus dem Gefrierfach. Klasse, fast massives Eis und so schön kalt! Auf Zehenspitzen schlich ich zurück ins Schlafzimmer und spähte vorsichtig um die Ecke. Nicht das der doch schon wach ist und mir jetzt den Spaß verdirbt. Nein, er schläft noch immer tief und fest wie ein Baby. Absolut niedlich! Seine kinnlangen, weißblonden Haare verteilten sich völlig chaotisch auf den Kissen und seinem Gesicht. Er hatte sich in die Decke gekuschelt und das so intelligent, das sie ihn nur halb verbarg. Der Anblick, der sich mir bot hätte viele Frauenherzen höher schlagen lassen, aber das lag lange hinter mir. Zugegeben er sah nicht schlecht aus vor allem, da er momentan außer seiner Unterhose nichts weiter anhat...

Er sieht so friedlich aus, wie er da schläft und für einen kurzen Augenblick tut mir mein Vorhaben schon fast leid, aber es reicht noch nicht annähernd, um mir ein schlechtes Gewissen zu machen! Mit einem kurzem Ruck zog ich ihm die Decke weg, was ihn noch nie gestört hatte, er schlief trotzdem immer fröhlich weiter und ließ das Handtuch fallen.

Es folgte ein Schrei, der Tarzan alle Ehre machte (könnte sogar 'ne ernsthafte Konkurrenz werden) und zwei strahlend blaue, noch völlig verpennte Augen sahen mich entgeistert an. So schnell habe ich noch nie jemanden aus dem Schlaf hochschrecken sehen. Ich lachte mich schlapp und mußte mich am Schrank anlehnen, um nicht über den Boden zu kugeln. Das ist einfach zu gut gewesen!

"Du müßtest dein Gesicht sehen!" Vor lauter Lachen war ich kaum noch in der Lage zu sprechen. Leider vergaß ich dadurch auch das Handtuch und die Tatsache, das er vielleicht reagieren könnte. Prompt hatte ich das Ding im Gesicht kleben. Scheiße ist das kalt! Sofort schleuderte ich es zurück und verfehlte mein Ziel nur um Haaresbreite. Ein zufriedenes Lachen klang mir entgegen. Shit! Jetzt ist er wieder dran und er nutzte die Gelegenheit direkt, um mir neben dem Handtuch auch noch gleich ein halbes Dutzend Kissen entgegen zuschleudern. Da mir jegliche Deckung fehlt traf er auch dementsprechend oft. Trotzdem tat das meiner guten Laune keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, ich finde das Ganze irre witzig! Neben dem Ducken vor immer neuen Wurfgeschossen aus seiner Richtung schaffte ich es nebenher einige von ihnen zurück zu werfen. Dabei hörten wir nicht einen Augenblick lang auf zu lachen, sondern brachten die Kissenschlacht in ungeahnte Dimensionen. Keine Ahnung, wie er es dann geschafft hat, aber auf einmal packte er mich von hinten und fing an mich durchzukitzeln.

"Nein nicht! Hör auf!" Das war absolut unfair! Ich hatte nicht die geringste Chance mich zu wehren, geschweige denn aus dieser Umarmung rauszukommen oder mal ordentlich Luft zu holen. Seine Antwort konnte ich fast nicht verstehen, da er sich ebenfalls immer noch vor Lachen bog.

"Nicht bevor du aufgibst!" Das wäre ja noch schöner! So schnell gebe ich mich auf keinen Fall geschlagen. Mir gelang es einen Arm freizubekommen, doch leider nicht für lange. Sofort saß ich wieder fest.

"Gibst du jetzt endlich auf?" Ich spürte seinen Atem in meinem Nacken und versuchte immer noch zu entwischen.

"Niemals!" Lachend hob er mich hoch und ich verlor endgültig den Boden unter den Füßen. "Hey!" Das kann doch nicht wahr sein, was er da mit mir macht. Verzweifelt versuchte ich mich freizustrampeln, was aber auch nicht den gewünschten Effekt mit sich brachte.

"Gib endlich auf, oder..." Wie er droht?! Das ist neu.

"Oder was?" Es wäre ja gelacht, wenn er mich einschüchtern könnte.

"Wart's ab!" Mit einem zufrieden Lächeln trug er mich direkt ins Bad und ich kam immer noch nicht frei.

"Oh nein, das wagst du nicht!" Ich wußte nicht, ob ich lachen oder wütend werden sollte, als er die Duschkabine öffnete und das Wasser aufdrehte.

"Wollen wir wetten?" Sofort verstärkte ich mein Strampeln, es brachte absolut nichts.

"Nein! Nicht! Ich gebe auf!" Nicht schon wieder duschen und erst recht nicht in Klamotten! "Glaubst du nicht, das es dafür etwas zu spät ist?" Sein volles Lachen perlte in meine Ohren und mir war klar, das er damit wohl recht hatte. Trotzdem gebe ich nicht auf!

"Ich verspreche, ich mach's nie wieder!" Mittlerweile stand ich schon halb unter der Dusche und das Wasser war nicht gerade sonderlich warm!

"Lügner!" Schneller als mir lieb sein konnte stand ich ganz unter dem Strahl. Buäh, ist das kalt und so naß!

"Nein, ich mein es ehrlich!" Prustend versuchte ich unter dem Strahl wegzukommen, aber er hielt mich gnadenlos fest.

"Schwöre, das du so etwas gemeines nie wieder tun wirst!" Hey, Moment mal, das geht zu weit. Ein bißchen Spaß braucht man im Leben schon noch.

"Nein!" Keine zwei Sekunden später fiel die Wassertemperatur um einige Grad weiter nach unten.

"Du Mistkerl!" Er lachte immer noch, als ich es schaffte ihn irgendwie zu zwingen halb mit unter die Dusche zu kommen. Jetzt wird endlich auch mal der Richtige naß!

"Von wegen!" Er veränderte seine Position etwas und schon stand er wieder im Trocknen. Langsam begann die Sache mich zu frustrieren, (obwohl ich vor Lachen kaum noch an mich halten konnte). Es kann doch nicht sein, das ich hier als Einzige klatschnaß werde!

"Okay, ich verspreche dich nie wieder so zu wecken!" Sein Griff lockerte sich sofort und ich kam endlich frei.

"Warum denn nicht gleich so?" Als ich mich umdrehte grinste er mich breit an und war auch fast noch staubtrocken. Das schreit förmlich nach Revanche!

"Darum!" Im nächsten Moment zog ich ihn unter den Strahl, sprang aus der Dusche, schlug die Tür von eben dieser zu und machte das ich wegkam.

"Du verdammtes Biest!" Klang es hinter mir her, doch das störte mich herzlich wenig.

"Mach dir nichts draus! Du mußt doch sowieso duschen!" Seine Antwort war ein unverständliches Gemurmel und ich machte erst mal, das ich aus meinen klitschnassen Klamotten kam. Wozu habe ich mich heute morgen eigentlich umgezogen? Gott sei Dank gibt es in dieser Wohnung genügend Handtücher. Ich schälte mich aus der naßkalten Hülle und rubbelte mich erst mal trocken. Die Frisur ist auch hinüber! Nachdem ich mir trockene Unterwäsche organisiert und eines seiner Hemden übergestreift hatte, das mir natürlich etliche Nummern zu groß war, machte ich mich daran meine Haare aus der mal vorhandenen Frisur zu lösen. Toll, also noch mal ganz von vorne. Entnervt schnappte ich mir eine Bürste und fing an sie zu kämmen, bevor ich mich wieder darin versuche sie hochzustecken. Eigentlich wollte ich sie ja schon zig mal abschneiden lassen, aber im letzten Moment kamen mir dann doch immer Zweifel, also bleiben sie so lang, wie sie sind. Das einzig Frustrierende ist nur, das sie nie so halten, wie sie es eigentlich sollten. Wie jetzt, wo sie sich einfach weigerten die Haarnadeln zu akzeptieren und immer wieder in sich zusammen fielen. Ich geb es auf! Vielleicht nachher, wenn sie wieder halbwegs trocken sind. Ein Blick in Richtung Bad zeigte mir, das er wohl noch ein ganzes Weilchen brauchen würde. Neben den Dampfschwaden, die gemächlich unter der Tür hindurch quollen hörte man auch seinen klaren Tenor. Ich glaube an dem Morgen, wo ich aufwache und er nicht singend unter meiner Dusche steht, wird etwas entscheidendes in meinem Leben fehlen. Na gut, dann eben wieder an die Arbeit. Mit etwas Schwung ließ ich mich aufs Sofa fallen, schnappte mir das Skript und laß weiter. Gähn, ist das langweilig! Im Prinzip ist die Sache ohnehin schon klar. Wir würden das Video zu unserer neuesten Single gleich in zwei Versionen drehen. Mir wird die Ehre zuteil einmal den Engel und danach den Dämon zu mimen, während Kaze das jeweilige Gegenstück darstellt. Die Anderen freuten sich schon unheimlich auf den Dreh, nur konnte ich ihre Begeisterung nicht so recht teilen. Mit diesem Song habe ich mich unbewußt ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt. Man kann nur hoffen, das keiner auf die Idee kommt, da einen tieferen Zusammenhang zu vermuten. Das Risiko ist dieses Mal leider nicht kalkulierbar. Ach, es wird schon gut gehen! All die anderen Male hat es ja auch geklappt! Think positive! Seufzend ließ ich das Skript auf mein Gesicht fallen. Warum morgens um sechs?! Das ist nun wirklich nicht meine Uhrzeit, obwohl wenn ich genau darüber nachdenke hatte ich nur einige Stunden früher, also so zwischen drei und vier Uhr morgens vor einigen Jahren eine interessante Bekanntschaft gemacht. Mit dem Ergebnis, das seitdem ein Engel bei mir wohnt. (Jede Sache hat schließlich auch was Negatives an sich.) Wie lange war das jetzt her? Zwei oder drei Jahre? Stimmt, damals hatte Mike uns mit seiner Spontan-Hochzeit völlig überrumpelt...

Man was haben wir diesen Abend gefeiert und zwar mit viel zuviel Alkohol, was ja ohnehin schon an sich ungesund ist, aber an diesem Tag hatten wir alle auch noch eine Ausnahme und mehr gemacht. Zu fahren brauchte ja ohnehin niemand, da jeder von uns mindestens einen Chauffeur oder mehr hat. Allerdings hielt ich es für äußerst unpassend noch weitere Personen an meinem Alkoholspiegel teilhaben zu lassen und so ging ich eben zu Fuß nach Hause. Gut, es blieb bei dem Vorsatz, denn erstens konnte man das schon nicht mehr als Gehen bezeichnen und zweitens sah diese Parkbank so verdammt einladend aus, das ich mich sofort auf sie setzen mußte. Daß das ein großer Fehler war fiel mir erst auf, als es schon zu spät war, ich hatte einfach nicht mehr die Kraft und Motivation wieder aufzustehen. Keine Ahnung wie lange ich dort gesessen oder gelegen hatte, aber auf einmal sprach mich jemand an.

>Entschuldigung, aber ist es nicht gefährlich so mutterseelenallein auf einer Parkbank zu schlafen? Es könnte anfangen zu regnen.< Welches neunmalkluge...

Mein Gedanken wurden jäh unterbrochen, als mein Körper begann sich für den Abend zu rächen. Mir wurde schwarz vor Augen und ich brauchte einige Zeit, bis es mir gelang den Blick wieder zu heben ohne das mir vom Neuen schwindelig wurde und eine passende Antwort hervor zu bringen.

>Das geht dich einen feuchten Kehricht an!< Aufgebracht stand ich auf und sackte sofort wieder zusammen. Scheiß Alkohol! Hinter mir klang Gelächter auf, was meinen Blutdruck nur noch weiter in die Höhe trieb und das war im Augenblick absolut das Letzte, was ich gebrauchen konnte. Meine Beine wurden zu Pudding und ich wäre auch elegant auf dem Boden gelandet, wenn nicht auf einmal zwei starke Hände zugepackt hätten um mich auf den Beinen zu halten. Ich riß mich los und sackte wieder auf die Parkbank. Schande ist mir schlecht! Aus den Augenwinkeln beobachtete ich weiterhin den Störenfried und musterte ihn so gut das unter den gegeben Umständen möglich war. Ah ha, männlich, ziemlich gut gebaut, wahrscheinlich größer als ich und ansonsten nichts weiter als ein undeutlicher Schatten, der mir auf den Keks geht. Kann der nicht einfach gehen und mich weiterschlafen lassen?

>Hast du nichts besseres zu tun?< Er schien überrascht, das ich ihn überhaupt noch zur Kenntnis nahm. Hey Alter, ich bin zwar blau, aber noch lange nicht tot.

>Wie?< Nein, einer von der ganzen schnellen Sorte, das brauche ich heute ja unbedingt noch! Mit einem tiefen Seufzer ließ ich mich wieder längs über die Parkbank fallen.

>Zieh Leine, ich will weiterschlafen.< Ohne ihn weiter zu beachten schloß ich die Augen und schlief fast augenblicklich wieder ein.

>Nein!< Somit sind wir also wieder wach. Kam das jetzt nicht ein bißchen sehr spät? Vorsichtig linste ich durch die Lider. Was will der Kerl eigentlich noch hier?

>Das werde ich nicht.< Kleiner, mein Geduldsfaden reißt gleich.

>Du wirst auf keinen Fall hier liegen bleiben, sondern mitkommen!< Sein Tonfall gefällt mir jetzt überhaupt nicht mehr. Irgend etwas merkwürdiges liegt darin. Oh nein, hoffentlich ist das jetzt nicht einer von diesen Halbstarken, die sich nachts ihre Opfer suchen oder ist das etwa ein Bulle? Mir gefallen beide Alternativen nicht sonderlich, also erst mal passiv liegen bleiben.

>Ich beobachte dich seit ungefähr einer Stunde und du hast nicht die geringste Reaktion gezeigt, als ich dir deine Kette abgenommen habe.< Schlagartig war ich komplett wach und auch halbwegs nüchtern. Sofort tastete ich nach der Kette, doch sie war weg.

>Gib sie mir zurück!< Ich wußte, das meiner Stimme die Kraft fehlte, um ernsthaft drohend zu klingen, aber ich hoffte dennoch es würde genügen.

>Nein!< Mein mit Alkohol umnebeltes Gehirn brauchte etwas länger als gewöhnlich, um diese Antwort zu verarbeiten. Was soll das denn heißen? Die Kette gehört schließlich mir!

>Wenn du sie wieder haben willst, solltest du mitkommen.< Der hat vielleicht Nerven.

>Wer sagt mir denn, das du sie wirklich hast und ich sie nicht bei Freunden vergessen habe?< Das ist zwar gelogen ohne Ende, aber mit einem wildfremden Typen mitten in der Nacht mitzugehen, noch dazu völlig betrunken übersteigt das Maß an den Dingen, die ich mir zutraue doch ganz gewaltig. Er lachte wieder.

>Das hier!< Er hielt mir eine Hand entgegen in der meine Kette lag.

>Das ist übrigens ein interessanter Anhänger. Nicht jeder besitzt solch ein altes und kostbares Kreuz.< Ich wollte danach greifen, verlor aber wieder das Gleichgewicht und wäre fast von der Bank gefallen. Wer ist der Typ? Keinesfalls ein Engel, ansonsten hätten bei mir schon sämtliche Alarmglocken angefangen zu schrillen.

>So wird das nichts!< Danke, darauf bin ich auch schon allein gekommen. Sein einziger Vorteil besteht momentan darin, das ich betrunken bin und er nicht. Irgendwie muß es mir doch gelingen den Spieß umzudrehen. Lässig schob er mich ein Stück beiseite und setzte sich neben mich. Meine Gedanken spielten gerade Querfeldeinlauf in den inneren Nervenbahnen und mein Magen machte sich ebenfalls dezent bemerkbar, so das mir nichts mehr einfiel, um ihn daran zu hindern. In dieser Verfassung bin ich außerstande überhaupt irgend etwas zu tun, um meine Kette wieder zubekommen. Um so überraschter war ich, als er sie mir plötzlich um den Hals legte. Fassungslos starrte ich erst das Kreuz, das nun wieder über meiner Brust baumelte und dann ihn an, aber außer seiner Silhouette war in dieser Dunkelheit nichts weiter zu erkennen.

>Was willst du von mir?< Lachend schüttelte er den Kopf, bevor er mich gegen die Bank preßte. Er hat helle Haare.

>Das du nach Hause gehst und dort deinen Rausch ausschläfst.< Jetzt mußte ich lachen.

>Ja klar, und dein Opa ist der Papst.< In solchen Situationen sind manche Absichten leider nicht mehr von der Hand zu weisen und ich sollte langsam zu sehen, das ich wegkomme.

>Was würdest du tun, wenn ich zu denen gehöre, die Nachts wehrlose Mädchen oder Frauen in Parks überfallen?< Was wird das hier? Panik verbreiten? Turnt ihn so was an? Ihm muß vollkommen klar sein, das jeder einzelne Vorteil auf seiner Seite liegt, bis auf einen. Der glaubt doch wohl nicht ernsthaft, das ich hier nicht wegkomme. Er kniet zwar breitbeinig über mir und hat seine Hände neben meinen Kopf gestemmt, um mich einzuengen, was mir allerdings die Gelegenheit verschafft zwischen seinen Beinen hindurch zu schlüpfen und abzuhauen. Nach knapp zwanzig Metern war mir allerdings so schwindelig, das ich es nicht mehr schaffte weiter zu rennen. Nach Luft schnappend sah ich mich nach einem möglich Versteck um, als sich mein Magen brutal zusammenkrampfte. Das war’s dann wohl. Mir wurde schwarz vor Augen, doch kurz, bevor ich endgültig zusammensackte sah ich noch sein besorgtes Gesicht, danach wurde alles dunkel.

Höllische Kopfschmerzen brachten mich schließlich dazu widerwillig die Augen zu öffnen. Oh man, was für ein absolut bekloppter Traum.

>Auh!< Mein Schädel brummte, als würde eine Herde Büffel darin Tango tanzen. Ein gleisender Lichtstrahl fuhr in meine Augen. Ich wandte mich ab, um sie zu schützen und vergrub meinen Kopf in den Kissen. Hey! Moment mal! Kissen?! Auf einer Parkbank?! Hier ist doch was faul. Meinen Schläfen pochten allerdings so sehr, daß ich mir darüber nicht allzu lange Gedanken machen konnte. Dann doch lieber weiterschlafen.

>Einen wunderschönen GUTEN MORGEN!< Das trieb mir die Tränen in die Augen. Welcher Vollidiot macht früh morgens einen solchen Krach? Es muß einfach ein Kerl sein, so wie sich das anhört.

>Sieh an, die Dame ist aufgewacht.< Hundertprozentig! Was ich morgens noch weniger haben kann als einen Kater ist jemand mit einer solch guten Laune. Wer ist das überhaupt? Seit wann lache ich mir Kerle an, die Frühaufsteher sind? Weicht mein Hirn langsam auf? Leider gehorchte mir meine Stimme nicht und so schaffte ich es gerade mal ein paar Brummlaute von mir zu geben. Ich will doch nur meine Ruhe!

>So ein Kater ist doch was Schönes!< Gleich werde ich zum Mörder! Mißmutig drehte ich den Kopf zur Seite und hielt die Augen geschlossen.

>Gesprächig bist du nicht gerade.< Ich spürte wie er sich neben mich auf die Matratze fallen ließ und versuchte mich krampfhaft daran zu erinnern, wo ich hier war beziehungsweise, wie ich überhaupt hierhin gekommen bin und vor allem, wer dieser Knilch neben mir war.

>Hier, versuch das.< Davon träumst du! Mir fällt überhaupt nicht ein meine bequeme Position auch nur im Ansatz zu verändern. Mein Schädel rumorte immer noch vor sich hin. Schlafen, nur noch schlafen...

Zwei starke Hände packten mich äußerst unsanft an den Schultern und drehten mich um. Danach zwangen sie mich in eine aufrechte Sitzposition, aus der ich nicht mehr heraus kam. Verdammt ich will schlafen! Ein Arm hielt mich wie eine Stahlklaue umklammert und ich nahm wage eine Bewegung an der Seite wahr. Kurz darauf stieg mir der Duft von frischen Kaffee in die Nase. Ich spürte die Tasse an meinen Lippen und nahm einen Schluck. Prompt hatte ich mich verbrüht. Das Zeug war kochend heiß!

>Langsam, langsam du solltest vorher wenigstens einmal Pusten.< Wieso habe ich den Eindruck er hält mich für ein tattriges, altes Mütterchen? Mißmutig verzog ich die Mundwinkel und ignorierte die Tasse bis auf weiteres. Der Kerl erwies sich als äußerst hartnäckig und flößte mir das Zeug nun zwangsweise ein. Nicht, das der Kaffee nicht gut schmeckte, ganz im Gegenteil, er war hervorragend. Doch nach den ersten Schlücken begann sich mein Magen zusammen zukrampfen. Mühsam versuchte ich den Drang zu würgen zu unterdrücken. Merkte aber schnell, daß es nichts nützten würde.

>Bevor ich dich jetzt verziere, wo ist das Bad?< Verblüfft ließ er mich los.

>Da wo es immer ist. Wir sind in deinem Apartment.< Die Zeit mir darüber Gedanken zu machen hatte ich nicht mehr. So schnell ich konnte rannte ich ins Bad und entleerte meinen Magen über der Kloschüssel. Ist mir schlecht! Mein Kopf fühlte sich an wie eine Bongotrommel in Hochform. Ich brachte einfach nicht mehr die Kraft auf um wieder aufzustehen und so blieb ich vor der Kloschüssel liegen. Mir war alles egal sogar das Schritte hinter mir aufklangen.

>Reiß dich zusammen!< Verdammter Klugscheißer! Krieg du erst mal einen Kater! Wieder packte er mich und zog mich auf die Beine. Ich hing in seinem Griff wie ein schlaffer Mehlsack.

>Du kannst dich wirklich bei deinem Schutzengel bedanken. Wäre ich nicht zu fällig vorbeigekommen, dann hättest du die Nacht auf der Parkbank mitten in einem Gewitter verbracht.< Sofort mußte ich lachen.

>Der wäre vor lauter Streß schon längst gestorben und außerdem habe ich nichts gegen etwas Regen.< Eine weitere Reaktion von ihm blieb aus, dafür ergoß sich ein wahrer Eisregen über meinen Kopf. Ich schrie auf und versuchte meinen Kopf zu schützen, mit dem Ergebnis, das sich die Kälte nun auch auf meine Arme ausbreitete. Es wurde immer kälter, aber langsam hörte das Klopfen in meinem Schädel auf. Endlich! Endlich schlafen, schlafen, schlafen, schlafen, schlafen...

 

Ein weit entferntes, nerviges Piepen brachte mich dazu die Augen zu öffnen. Shit, wo ist dieses gottverdammte Telefon?! Suchend tastete ich über den Nachttisch, bis ich das Ding endlich zwischen meinen Fingern spürte.

>Deshon!< Man was sind wir heute gut gelaunt. Wer auch immer am anderen Ende der Leitung saß ließ sich dadurch jedoch in keinster Weise beeindrucken.

>Hi! Shao, wie geht es dir?< Im ersten Augenblick war ich so perplex, das ich nicht die geringste Ahnung hatte, wer das sein könnte, aber es fiel mir wieder ein.

>Maria?!< Zu mehr war mein maltretiertes Hirn nicht in der Lage und ich gähnte herzhaft in den Hörer.

>JA-HA!!!< Perfekt in drei Dur. Darauf kann ich momentan allerdings auch gut und gerne verzichten. In meinem Kopf begann es wieder zu pochen.

>Hör mal, Mike macht sich ernsthaft Sorgen. Wieso meldest du dich seit Tagen bei niemanden?< Schlagartig war ich völlig wach. Tage?! Das konnte unmöglich sein!

>Was für einen Tag haben wir denn heute?< Das Kichern am anderen Ende der Leitung ließ mich mißtrauisch werden.

>Mittwoch! Du hast zwei Tage durchgeschlafen!< Wie bitte?! Fassungslos starrte ich aus dem Fenster. Es war taghell, aber kein konkreter Hinweis auf ein Datum des heutigen Tages. Schließlich raffte ich mich zu einer Antwort auf.

>Maria, ich hab 'nen völligen Blackout. Wer hat dir bescheid gegeben?< Shit! Wie bin ich eigentlich ins Bett gekommen?

>Als wenn DU das nicht ganz genau wüßtest!< Hallo, was soll ich wissen?

>Na gut, ich erzähle es dir sobald ich da bin und wehe dieser gutaussehende Traumtyp ist nicht mehr da. Den will ich unbedingt sehen!< Völlig durchgeknallt und wahrscheinlich auch noch nicht wieder ganz klar in der Rübe. Eine andere Erklärung konnte es für diese Reaktion einfach nicht geben. Wovon redete sie da überhaupt? Welcher Traumtyp?

>Du bist verheiratet und hier ist kein Kerl! Daran würde ich mich erinnern.< Wieder klang ihr Lachen durch die Leitung.

>Das Erste ist egal und zum Zweiten kann ich nur sagen du irrst dich. Ich meine den Typen, der dich in dein Apartment geschleppt hat. Nach dem Pförtner zu urteilen hat er dieses bis jetzt noch nicht verlassen und er muß wahnsinnig gut aussehen.< Toll, soviel also zum Thema Privatssphäre! Wieso kann ich mich dann auf patu nicht mehr daran erinnern einen Kerl aufgerissen zu haben? Das ist doch sonst nicht meine Art.

>Also mach's gut, bis nachher.< Klick macht's und weg is se. Super, jetzt sitze ich in meiner Wohnung mit einem Haufen Fragen und zu allem Überfluß schleicht hier höchstwahrscheinlich auch noch ein wildfremder Kerl rum. Langsam ließ ich das Telefon auf die Bettdecke sinken und überlegte, ob es nicht besser wäre eben mal Mike anzurufen, damit er sich nicht noch länger Sorgen machte. Schließlich gab ich es auf. Maria hatte ihn bestimmt schon informiert und ich sah mich suchend um. Es gab nicht das geringste Anzeichen dafür, das außer mir noch jemand in der Wohnung war. Ein leises Geräusch ließ mich herumfahren. Vor lauter Überraschung bekam ich erst mal keinen Ton raus. Da stand der Kerl aus dem Park und lächelte mich an.

>Schön, das du wieder wach bist. Langsam habe ich angefangen mir Sorgen zu machen.< Meine Sprache war immer noch nicht wiedergekehrt und so blieb ich perplex sitzen, als er in Richtung Küche verschwand und sagte:

”Hey, was wird das denn? Ich denke du arbeitest.” Nein, das hatte er definitiv nicht gesagt.

Ohne meine Liegeposition zu verändern antwortete ich.

”Tue ich ja! Oder siehst du nicht, wie angestrengt ich nachdenke?” Na ja, über unsere erste Begegnung, aber das muß er ja jetzt nicht wissen. Statt eine Antwort zu geben entwendete er mir das Skript und blätterte darin herum.

”Sieh mal einer an. Ich hätte nicht gedacht, das ihr die Ausdauer habt direkt zwei Videos zu drehen.” Er warf mir ein herausforderndes Grinsen zu. Die Mühe darauf zu reagieren sparte ich mir und musterte ihn aufmerksam. Seine weißblonden Haare waren immer noch naß und verteilten in kurzen Abständen Wassertropfen auf seinen Schultern, über die er ein Handtuch geworfen hatte. Er trug wieder eine schwarze, eng anliegende Jeans, die ihm übrigens sehr gut steht und seinen muskulösen Oberkörper hervorhebt.

"Warum hast du eigentlich kein Hemd an?" Er hob kurz den Blick aus dem Skript und fixierte mich eindringlich.

"Das liegt daran, das eine gewisse Dame die Finger nicht von meinen Sachen lassen kann." Huh, meint er mich? Ich setzte einen das-kann-unmöglich-dein-Ernst-sein-Blick auf und zog einen Schmollmund.

"Du tust gerade so, als hättest du nichts Anderes." Seine Mundwinkel begannen verräterisch zu zucken und im nächsten Augenblick brachen wir beide in schallendes Gelächter aus. Das Schrillen des Telefons unterbrach uns und sofort langten wir nach dem Hörer. Er war schneller als ich. Mist!

"Ja?... Oh hallo." Er zwinkerte mir zu, bevor er sich wieder dem Gespräch widmete und mir das Skript zuwarf.

"Tatsächlich?... Nein, sie hat nichts gesagt." Verdammt, um was geht es? Entnervt drehte ich das Skript zu einer Rolle und ließ es dann wieder auf den Tisch fallen.

"Ist gut... Verstanden in zwei Stunden. Ja, ja ich sag's ihr." Mit einem Lächeln legte er auf.

"Was?" Ich hasse es, wenn er mich so zappeln läßt.

"Du bist gar nicht neugierig, wie?" Das ist ja wohl die Höhe! Er soll mir schließlich etwas ausrichten!

"Das war Maria, sie kommt gleich rüber um dich auszustaffieren. Ihr habt in zwei Stunden eine Pressekonferenz im Studio." Moment, wieso das denn jetzt?! Es ist doch gar nichts geplant. Jedenfalls nicht, das ich wüßte. Mit Unschuldsmiene fuhr er fort.

"Ach ja und heute abend findet noch ein Galadinner statt, an dem ihr teilnehmen müßt." Wie bitte?! Gleich fall ich vom Glauben ab! Was ist bloß schon wieder los?! Ausgerechnet ein Galadinner, wo mir doch dieses ganze vornehme Getue zum Hals raushängt!

"Verrätst du mir auch den Grund?" Er amüsierte sich prima und ließ mich noch ein bißchen zappeln, bevor er antwortete.

"Klar, euere neuste Platte hat so eben Platin erhalten!" Sofort sprang ich auf. Das ist der absolute Wahnsinn, sie ist erst seit zwei Wochen draußen und jetzt das! Wir hatten noch nicht mal damit gerechnet, das sie es überhaupt zu Gold bringt und jetzt kommt schon Platin! Das ist Spitze! Immer noch grinsend schnappte er sich meine Hände und ohne lange zu zögern vollführten wir einen Freudentanz quer durch das halbe Apartment.

"Mir scheint, ich komme ungelegen." Sofort drehte ich mich um und sah Maria belustigt im Türrahmen stehen. Das ist der Nachteil, wenn man in einem Apartment lebt, das zwar über eigenes Schloß verfügt, aber auch einen eigenen Aufzug hat. Man braucht nur dem Portier bescheid zu geben und schon kann man hinein spazieren. Auf ihrem Arm stapelten sich diverse Kleidersäcke und zig anderes Zeug, was die Vermutung nahe legt, das sie nicht ganz so zum Spaß hier war. Sie bemerkte meinen mißtrauischen Blick und begann zu kichern.

"Das sind deine Kostüme fürs Video. Du mußt sie unbedingt noch anprobieren. Ach ja, und die Sachen fürs Interview und Galadinner!" Oh bitte, nicht alles auf einmal! Sie ist unsere Kostümbildnerin und enorm fleißig, obwohl sie gerade in anderen Umständen ist. Dabei fällt mir ein, das ein gewisser Herr hier garantiert innerhalb der nächsten halben Stunde anrufen wird um zu hören, ob es ihr auch wirklich gut geht. Es ist bald soweit maximal noch dreieinhalb Wochen und er ist jetzt schon ein Nervenbündel. Wie wird das dann erst aussehen, wenn der kleine Schreihals da ist? Allerdings ist es selbst für Maria so gut wie unmöglich so schnell mit den Kostümen fertig zu werden. Immerhin ist die Sache mit dem Video noch keine zwei Tage alt und das andere Zeug hat selbst mich überrascht. Wie konnte sie also die ganzen Klamotten so schnell fertigstellen? Fragen ist da immer noch die beste und einfachste Methode.

"Äh Maria, wie hast du das geschafft?" Sie machte eine wegwerfende Handbewegung.

"Och, das war gar nicht so schwer. Schon als ihr die Singel aufgenommen habt stand für mich fest, das ihr hundertprozentig ein Video drehen würdet. Die einzige Frage war nur, ob du den Engel oder Dämon spielst. Deshalb habe ich beide Kostüme gemacht und die brauchst du jetzt ja auch. Na ja, die anderen Sachen, hatte ich schon vorher fertig. Ich habe nur noch auf eine Gelegenheit gewartet, um sie euch verpassen zu können. Clever was?" Mit diesen Worten warf sie die Kleidersäcke und all das andere Zeugs über die nächstbeste Stuhllehne und setzte sich vorsichtig in den Schaukelstuhl, den ich mir irgendwann mal angeschafft hatte und der bis jetzt eigentlich nur nutzlos in der Gegend herumgestanden hatte. Einer der Nachteile, wenn man sehr viel Geld verdient ist, das man sich alles kaufen kann was einem gefällt ohne zu überlegen, ob man es wirklich braucht oder nicht. Jetzt hat er wenigstens eine nützliche Funktion. Seit ihrer Schwangerschaft, das heißt eigentlich erst seitdem ihr Bauch gewaltig an Umfang gewonnen hat, ist er Marias auserkorener Lieblingssitzplatz und keiner macht ihr dieses Recht streitig. Was bei Schwangeren ohnehin ein sehr gefährliches Unterfangen wäre. Seufzend wandte sie sich an mich.

"Sei mir nicht böse Shao-san, aber hättest du wohl etwas zu trinken für mich?" Sofort verschwand ich in der Küche und kam mit einem Glas Wasser für sie wieder. Normalerweise wäre es ja Kaffee gewesen, aber sie fand, das zuviel Koffein schädlich für das Baby sei und so ist ihr momentanes Standartgetränk eben Mineralwasser oder irgend ein anderer Ökosaft. Brrr, da bleib ich doch lieber bei all dem anderen ungesunden Zeug. Von Alkohol laß ich momentan aber auch lieber die Finger. Das letzte Mal sturzbetrunken hat gereicht um mich das Zeug nur noch in Maßen genießen zu lassen. Nicht, das ich noch mal einen Engel in meine Wohnung mitnehme ohne es zu merken.

"Oh danke, du bist ein Schatz und Katan ist auch so zuvorkommend." Bei mir löste das nur ein Fragezeichen aus, aber als er von seinem Sitzplatz aus dezent auf einen Teller mit Schokokeksen wies, der auf dem Tisch stand und halb leer war wußte ich, was sie meinte. Merke: unbedingt neue Schokokekse besorgen! Dieser Heißhunger von Schwangeren kann manchmal echt beängstigend sein. Seufzend ließ ich mich neben ihm aufs Sofa fallen.

"Du hast ein Glück! Wäre ich nicht schon verheiratet würde ich ihn mir angeln. Ihr seid zu beneiden. Das perfekte Paar." Bitte laß es wieder die Hormone sein! Katan unterdrückte neben mir mühselig das Lachen und als ich wieder zu Maria sah wußte ich das sie mich beide auf den Arm genommen hatten. Warum eigentlich immer ich? Seufzend ließ ich mich gegen die Lehne sinken und schlug die Beine übereinander.

"Sonst noch etwas, das ich wissen sollte?" Mißtrauisch beäugte ich Maria. Die Beiden sind, wenn es darum geht mich im Unklaren zu lassen echte Meister. Das beste Beispiel ist die Überraschungsparty letztes Jahr gewesen, bei der ich fast 'nen Herzinfarkt bekommen hätte. Wer rechnet denn schon bei der Inspektion einer Konzerthalle mit einem Empfangskomitee von mehren hundert Leuten, die alle auf einmal HAPPY BIRTHDAY schreien?

"Du hast ihr nichts gesagt?" Ein Blick zur Seite zeigte mir, das er den Kopf schüttelte. Bitte, jetzt informier mich doch endlich jemand! Um was geht es hier überhaupt? Man sollte doch meinen, das es hier um meine Zeit geht, die sie verplanen. Hab ich denn überhaupt nichts mehr zu melden?

"Also gut, dann muß ich es wohl machen." Ihr Blick heftete sich auf die Kleidersäcke. Schon klar, das wußte ich schon, als sie mit dem Zeug reinkam. Stundenlanges Anprobieren das gehört zum Job, seufz.

"Paß auf Shao, was du noch nicht weißt ist, das ihr morgen mit dem Videodreh anfangen werdet."

"WAS?!" Ich sprang auf. Das ist ja wohl die Höhe! Morgen früh um sechs?! Es hieß doch immer erst innerhalb der nächsten Woche! Katan packte mich von hinten und zwang mich wieder Platz zu nehmen.

"Reg dich ab! So schlimm ist das nicht." Er hat gut reden. Schließlich muß er nicht zu diesem Dinner, danach morgens um sechs aufstehen und dann auch noch den ganzen Tag vor der Kamera stehen! Äußerst belustigt fuhr Maria fort.

"Keine Sorge es geht erst Mittags los, da ja heute abend noch das Dinner ist." Oh, bitte mehr davon! Ich liebe es keine freie Minute Zeit mehr übrig zu haben. Anerkennend klopfte er mir auf die Schulter und erhob sich.

"Das schaffst du schon und ich lasse euch zwei jetzt allein, damit ihr die Details klären könnt" Sehr geschickt gemacht, du hast nur Panik, das ich meinen Frust zwischenzeitlich an dir auslassen könnte. (Was ich garantiert auch noch tun werde!)

"Katan warte bitte einen Moment." Mühselig erhob sich Maria aus dem Stuhl und stapelte die Kleidersäcke wieder über ihrem Arm.

"Du mußt mir unbedingt sagen, was du von den Kostümen hältst." Jetzt bin ich also dran. Gut, dann wollen wir mal. Ich stand auf und nahm ihr einen Teil der Kleidersäcke ab, während sie sich den restlichen Krempel schnappte.

"Schätze mal, das ich die jetzt anprobieren muß." Ein zufriedenes Nicken ihrer seit's blieb die einzige Antwort. Derweil machte Katan es sich auf dem Sofa gemütlich und wartete ab, als wir beide im Schlafzimmer verschwanden. Kaum war die Tür hinter uns zu gefallen fing Maria wie so oft mit ihrem absoluten Lieblingsthema an.

"Ich kann es einfach nicht fassen, das ihr beide kein Paar seit!" Ich versuchte sie zu ignorieren, schließlich hatten wir dieses Thema schon oft genug durchgekaut, doch wie immer vergeblich. In der Beziehung ist sie unglaublich hartnäckig und jedesmal wenn wir nur fünf Minuten allein sind fängt sie von vorne damit an.

"Da lebst du mit so einem gutaussehenden Typen zusammen und das einzige, was zwischen euch läuft ist Freundschaft! Einfach nicht zu fassen, wo du doch sonst nichts anbrennen läßt!"

"MARIA!!" Sie tut gerade so, als wäre es meine Hauptbeschäftigung gutaussehende Typen abzuschleppen nur um ein paar vergnügte Stunden zu haben. Dabei hätte ich seit Jahren keine ernstzunehmende Affäre mehr, geschweige denn eine Beziehung. Probiert hatten wir es ja mit der Beziehungskiste, aber der Schuß ist nach hinten losgegangen. Ist auch besser so, bei meinem Job ist jede freie Minute kostbar und seitdem er bei mir lebt hat es auch niemand mehr versucht mich anzugraben. Schließlich glaubt irgend wie jeder, das wir ein Paar sind und ich werde mich hüten irgend etwas anderes in Umlauf zu bringen. So hat man wenigstens halbwegs seine Ruhe! Nur die Band und unsere engsten Freunde wissen bescheid, wie es denn nun wirklich ist.

"Ist ja schon gut, war nur Spaß. Los, zieh endlich das Hemd aus, dieses Outfit ist ja furchtbar!" Entnervt ließ ich es zu Boden fallen und stand nur noch in Unterwäsche da. Ein Glück, das es hier nicht kalt ist. Sie öffnete den ersten Kleidersack, aus dem sie etwas in Lack und Leder zog und es mir grinsend in die Hand drückte.

"Laß mich raten, das ist fürs Galadinner?" Sie brach in schallendes Gelächter aus.

"Du bist unmöglich! Nein, daß ist das Kostüm für den Dämon." Mir kommt da gerade so ein Gedanke..

"Ist das für Kaze nicht etwas zu eng?" Ihre Beherrschung war dahin. Die Vorstellung von Kaze in diesem Outfit ist auch einfach zu gut. Lachend ließ sie sich auf einen der Hocker sinken, die vor dem Kleiderschrank standen.

"Los mach schon! Zieh es einfach an!" Grinsend quetschte ich mich in das Lederzeug. Meine Güte ist das eng! Vielleicht sollte ich 'ne Diät machen.

"Hier, das sind die passenden Stiefel." Wah, kleinere Absätze hat sie nicht mehr auftreiben können?! Wenn ich damit umknicke brech ich mir garantiert was! Gar nicht so einfach in die Dinger reinzukommen. Puh, geschafft! Die Diät ist wirklich gar keine so schlechte Idee.

"So und jetzt bind deine Haare hiermit zur Seite. Fürs Make-up fehlt uns jetzt die Zeit, aber es geht auch so." Sie hat gut reden sitzt gemütlich auf'm Hocker und ich darf mich hier abrackern. Nach fast fünf Minuten hatte ich dann endlich das Lederband so in den Haaren ,das sich der Zopf nicht mehr bei jeder Bewegung auflöste.

"Perfekt! Es fehlen zwar noch ein paar kleine Details, aber für den Anfang reicht es." Zufrieden wies sie mich an in den Spiegel zu sehen. Ein Glück, das sie mich mal überredet hatte so ein Monstrum, das knapp zwei Meter hoch und einen halben Meter breit ist zu kaufen. Damit kannst du genau sehen, ob auch wirklich alles sitzt, hatte sie gesagt. War eigentlich gar keine so schlechte Idee gewesen. Ansonsten hätten wir jetzt nämlich ein ernsthaftes Problem.

"Na, was meinst du?" Prüfend begutachtete ich mich im Spiegel. Ich sah wirklich fast aus, wie ein Dämon, allerdings eher aus der Sparte Verführung mit leichtem Domina Touch. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie sehr Klamotten einen Menschen verändern können.

"Sitzt alles?" Vorsichtig machte ich ein paar Streckbewegungen, bevor ich mutiger wurde und einige Kicks in die Luft wagte.

"Die Stiefel und die Hose sind okay, damit habe ich keine Probleme. Auch der lange Umhang ist in Ordnung. Aber das Oberteil? Bist du dir sicher, das da nichts rausfällt, wenn ich mich mal schneller bewege? Du weißt, wir veranstalten da eine kleine Verfolgungsjagd mit Schwertkampf." Ohne ihre Antwort abzuwarten, setzte ich meine Worte in die Tat um und siehe da, es fiel wirklich etwas raus. Sie bekam einen Lachanfall.

"Schon gut! Verstanden! Ich werde einfach etwas Netzstoff zu Verstärkung einnähen, dann passiert das nicht mehr und jetzt zieh es noch mal ordentlich an, damit auch Katan seine Meinung abgeben kann." Grinsend zog ich wieder alles zu recht und rief ihn. Keine zwei Sekunden später ging die Tür auf.

"Wow, hast du etwa einen heimlichen Nebenjob?" Ich konnte einfach nicht mehr, als er sich vor mir auf den Fußboden fallen ließ und mich mit einem ich-tue-was-immer-ihr-auch-befehlt-Blick segnete und fiel lachend aufs Bett. Seufzend stand er wieder auf.

"Weißt du genau solche Dinge sind es, die verhindern, das dir jemand ernsthaft den Dämon oder anderes in dieser Richtung abkauft. " Kopfschüttelnd bückte er sich, hob sein Hemd vom Boden auf und streifte es sich über den Kopf, bevor er wieder ging.

"Sagt mir bescheid, wenn ihr mich braucht. In der Zwischenzeit mache ich was zu Essen." Die Tür fiel ins Schloß und ich sah Maria an, die immer noch sprachlos auf dem Hocker saß, doch sie fing sich wieder.

"Ihr seit zwei totale Spinner!" Bevor ich darauf reagieren konnte bombardierte sie mich kopfschüttelnd mit den nächsten Anweisungen.

"Los jetzt, umziehen! Hier, das ist das nächste! Wir haben nicht mehr viel Zeit." In einer affenartigen Geschwindigkeit war ich aus dem Zeug raus und schon im nächsten Outfit. Dieses Mal Wallestoffe und alle extrem hell.

"Laß mich raten, Engel?" Sie nickte kurz und ich ging wieder zum Spiegel. Sieht ganz schön merkwürdig aus. Paßt nicht mit der Frisur zusammen.

"Du mußt die Haare aufmachen!" Ist ja schon gut! Mit einem Ruck hielt ich das Lederband in der Hand und jetzt sieht das Ganze doch direkt viel besser aus. Obwohl ich mich ernsthaft frage, wie ich es schaffen soll nicht über dieses ganze Zeug zu stolpern. Na ja, bei der Verfolgungsszene wird die Hälfte davon eh zerfetzt, also sollte es keine Probleme geben. Selbst diese komischen Sandalen sind super bequem.

"Perfekt! Ich kann mich astrein bewegen!" Zufrieden nickte sie und rief nach Katan.

"Einen Moment noch!" Kam es zurück und ich probierte noch ein paar Kicks aus.

"Hey! Das soll einen Engel darstellen und keinen Söldner! Außerdem werde ich dir noch etwas Haarschmuck verpassen und wehe du bist damit nicht vorsichtig." Schuldbewußt zuckte ich mit den Schultern und ließ es bleiben. Kritisch beäugte ich mich noch einmal im Spiegel. Ich sah wirklich fast so aus, wie man Engel von diversen Heiligenbildchen kennt. Was für 'nen Haarschmuck meint sie denn? Bitte keinen Heiligenschein!

"Der Schmuck und das Make up mache ich morgen vor Ort." Wie Make up zu diesem Outfit?! Aber wenn sie meint. Da laß ich mich mal überraschen. Bis jetzt sind Ideen immer spitze gewesen. Die Tür ging auf, Katan steckte kurz den Kopf herein und pfiff anerkennend durch die Zähne.

"Man könnte meinen, sie sei die personifizierte Unschuld. Bist du sicher, das damit nicht ein völlig falsches Bild entsteht?" Ehe er sich versah hatte ich ein Kissen in der Hand und schmiß es ihm ins Gesicht.

"Hey, das war nicht ernst gemeint! Ach so, beeilt euch ein bißchen das Essen ist in knapp zehn Minuten fertig." Weg war er und Maria bekämpfte mühselig einen weiteren Lachanfall.

"Okay, was jetzt noch?" Sie wies auf einen Kleidersack und schon als ich öffnete war klar, daß dies das Kleid für das Dinner sein mußte. Wenigstens nicht das kleine Schwarze. Ich war noch nicht mal halb drin, als das Telefon klingelte.

"Wollen wir wetten, daß es deine bessere Hälfte ist?" Sie schüttelte den Kopf und warf mir die passenden Schuhe zu. Endlich hatte ich das Zeug richtig an und wieder mal überzeugte mich der Blick in den Spiegel. Sie hatte sich wirklich selbst übertroffen. Das gesamte Kleid bestand aus mitternachtsblauer Seide und war sehr einfach gehalten. Der Rücken tief ausgeschnitten und das Dekolleté konnte sich auch sehen lassen. Es hob die Kette mit dem Kreuz aufreizend hervor. Von der Hüfte abwärts verlief es in fließenden Stoffbahnen, die hochgeschlitzt waren. Auch die Idee die Ärmel lang zu lassen und mit einem Ring am Mittelfinger zu befestigen finde ich klasse. Hey, dieses Mal gar keine Federboa?

"Du siehst jetzt schon umwerfend aus, aber warte mal, bis ich dir deine Haare hochgesteckt habe, das Make up sitzt und der ganze Schmuck verteilt ist!" Ja, damit hat sie garantiert mal wieder recht. Wenn es um solche Sachen geht hat sie eine fast magische Begabung. Hey, das Telefon klingelt ja immer noch. Ich schnappte mir den Hörer. Schließlich haben wir gerade deswegen fast in jedem Zimmer eins.

"Deshon."

"Shao-san ist Maria noch bei euch?" Wette gewonnen, es ist die zweite Hälfte unserer M&M's.

"Ja Mike. Soll ich ihr etwas ausrichten?" Erleichtertes Aufatmen am anderen Ende.

"Nein, nein ist schon in Ordnung. Ich wollte nur sicher gehen, das es ihr gut geht." Er übertreibt es mit seiner Fürsorge maßlos, aber es ist ja auch ihr erstes Kind. Das macht es erheblich leichter Nachsicht gegenüber seiner übertriebenen Sorge zu zeigen.

"Okay, wir sehen uns dann nachher im Studio. Ich bring Maria mit." Ohne seine Antwort abzuwarten legte ich auf und grinste sie an.

"Er ist einfach unverbesserlich." Seufzend lehnte sie sich gegen die Schrankwand. Da mußte ich ihr voll und ganz zu stimmen.

"Aber süß ist es ja." Ich wandte mich wieder dem Spiegel zu und probierte ein paar Posen aus mit denen ich heute abend die Reporter beeindrucken würde. Schließlich soll die Presse auch was davon haben. Andere Schlagzeilen kriegen sie von mir ja nicht. Man, diese Schuhe fühlen sich merkwürdig an, aber sie sehen verdammt gut aus.

"Essen ist fertig!" Na dann, werde ich dich mal überraschen.

"Einen Moment noch! Wir sind gleich fertig! Los sie dir das an!" Maria war schneller gewesen als ich und schon stand er wieder im Zimmer.

"Das wäre eine Sünde wert." Sein Blick streifte prüfend über meine Konturen. Bei einem anderen Kerl wäre ich mir jetzt nackt vorgekommen.

"Hör schon auf du Spinner!" Abwehrend hob er die Hände, als ich schon wieder ein Kissen in der Hand hielt.

"Na los jetzt, zieh endlich das letzte Outfit an! Wir müssen ohnehin bald ins Studio!" Maria ist heute ja richtig in Fahrt. Ich schälte mich also wieder aus dem Kleid und schnappte mir den letzten Kleidersack.

"Das gefällt mir! Kann sie nicht so zum Interview gehen?" Das ist ja wohl!

Ohne überhaupt hinzusehen schmiß ich ein weiteres Kissen in seine Richtung und Maria tat dasselbe.

"Ist ja gut! Ich gehe wieder!" Lachend verließ er das Zimmer und man hörte ihn wieder in der Küche rumoren.

"Wirklich ihr seid beide total verrückt!" Da bin ich allerdings ganz anderer Meinung, aber ich verkniff es mir sie darauf hinzuweisen. Stattdessen öffnete ich den letzten Kleidersack. Hey, das ist eine Überraschung. Leicht zerfetzte Jeans und ein luftiges Top mit dazu passender Jeansjacke.

"Woher wußtest du das?" Sie lachte kurz.

"Na ja, das andere Zeug ist schon so extra vagant, da dachte ich mir, das wäre doch mal 'ne Abwechslung." So schnell war ich noch nie umgezogen und in dem Zeug fühle ich mich einfach nur noch wohl!

"Laß uns das Make up nach dem Essen machen. Ich sterbe fast vor Hunger!" Wie?! Sie hat doch vorhin erst einen Teller Schokokekse ganz allein verputzt. Aber sie hat recht, auch mein Magen fängt langsam an zu knurren.

"Okay, laß uns gehen." Ich half ihr hoch und wir machten uns auf den Weg in die Küche, wo es schon unheimlich gut duftete. Maria ließ sich auf ihren Stammplatz rechts neben dem Fenster fallen und ich nahm ihr gegenüber Platz. Sehr praktisch, das ich diese Woche nicht mit Küchendienst dran bin. Ich schnappte mit eine Flasche Cola und füllte die Gläser. Für Maria natürlich Mineralwasser.

"Vorsichtig! Heiß und fettig!" Behutsam balancierte er eine Auflaufform, die er schließlich auf dem Tisch abstellte. Neugierig rückte ich etwas näher an die Sache ran.

"Was ist das denn?" Ich stand kurz davor den Deckel hoch zu heben, als er mir mit einem Topflappen auf die Finger haute.

"Finger weg! Das ist eine Überraschung. Maria, wieviel möchtest du?" Ein perfekter Gentleman, der mich wieder mal völlig ignoriert. Sie lächelte ihn an und als ihr Teller schon ziemlich gut gefüllt war machte sie deutlich, das es ihr nun reichte.

"So, jetzt bist du dran!" Ich war immer noch beleidigt und sah ihn grimmig an. Als ich aber in etwa die halbe Portion, die sich schon auf Marias Teller befand reichte es mir auch.

"Danke!" Hey, das ist doch...

"So, dann wünsche ich den Damen einen guten Appetit!" Er setzte sich neben mich und füllte sich seinen Teller ebenfalls.

"Lasange Bolognese nach einem neu entdeckten Rezept. Laßt es euch schmecken!" Kaum gesagt und schon war er auch schon am Futtern. Na dann. Ich grinste kurz zu Maria rüber, die auch schon fleißig dabei war die Lasange zu vertilgen, bevor ich mich ebenfalls über meinen Teller hermachte. Er ist wirklich ein phantastischer Koch. Keine Ahnung, wie er das immer wieder schafft. Sein Essen schmeckt jedesmal besser. Nachdem wir unsere Teller alle geleert hatten und auch noch einen Nachschlag verdrückten versetzte Maria uns in Aufbruchsstimmung.

"Shao-san, wir müssen uns beeilen! Es ist nur noch eine dreiviertel Stunde Zeit bis zum Interview! Tut mir leid Katan, aber ich muß noch ihr Make-up machen." Lachend winkte er ab.

"Schon gut, den Abwasch schaffe schon ich allein. Ihr solltet die Presse nicht warten lassen." Er erhob sich und begann das ganze Zeug in die Spülmaschine zu räumen, während Maria mich ins Bad dirigierte. Soviel also zur erwarteten Ruhe. Keine Ahnung wie, aber innerhalb von zehn Minuten hatte sie mir das komplette Make-up verpaßt und wir machten uns, nachdem ich meine Haare wieder zusammen gebunden hatte (was weitere fünf Minuten in Anspruch nahm, da Maria immer der Meinung war, es würde nicht gut genug aussehen und es letztendlich doch selber machte) auf den Weg ins Studio. Bevor ich allerdings die Wohnung endgültig verließ ging ich noch einmal in die Küche. Maria war unterdessen schon zum Wagen vorgegangen. Er hob kurz den Blick.

"Hast du was vergessen?" Seufzend lehnte ich mich gegen den Türrahmen. Ich hatte versprochen nicht wieder damit anzufangen, aber ich konnte einfach nicht anders.

"Tu es nicht."

"Was?" Ich schüttelte den Kopf.

"Du meinst, ich soll ihn nicht befreien." Seine Stimme zitterte kaum merklich. Seit Wochen umgingen wir dieses Thema, aber ich wußte, das es bald soweit sein würde, auch wenn er mir nichts konkretes darüber sagte.

"Tut mir leid, du weißt das kann ich nicht." Wie oft haben wir dieses Thema schon durchgekaut? Immer wieder mit demselben Ergebnis. Doch ich hoffte immer noch ihn davon abbringen zu können. Dabei sollte mir doch klar sein, das es keinen Zweck hat.

"Ist schon gut, es war nur ein Versuch. Dein Vater kann sich glücklich schätzen einen Sohn wie dich zu haben." Er schenkte mir ein dankbares Lächeln.

"Ich weiß, das es dir nicht gefällt, aber er ist der Einzige, der die Ordnung wiederherstellen kann." Ich behielt meine Meinung diesbezüglich für mich, da ich ihn nicht verletzten wollte.

"Wann ist es so weit?" Meine Stimme schwankte bei dem Gedanken, das bald einer der mächtigsten Engel, denn es je gegeben hatte vielleicht in meiner Wohnung auftauchen würde. Er hatte mir zwar versichert, das mir keinerlei Gefahr drohen würde, aber wohl war mir bei dem Gedanken nicht.

"Ich weiß es nicht so genau. Vielleicht heute oder erst in ein paar Tagen." So schnell also. Ich hatte ihn nie danach gefragt, wie er es schaffen wollte seinen Vater zu befreien und er hat es mir nie gesagt. Es blieb ein unausgesprochenes Geheimnis, doch er gab sich größe Mühe alles, was Engel betraf soweit wie möglich von mir fernzuhalten, da er weiß, wie empfindlich ich darauf reagiere.

"Verschieb es noch ein bißchen. Mir zu liebe. Wenigstens solange, bis dieses elende Galadinner vorbei ist. Tu es nicht heute Abend! Ich brauche dich!" Er umarmte mich und drückte mich fest an sich.

"Ne-chan du weißt doch, daß ich dich niemals gefährden würde. Wann es soweit sein wird kann ich dir einfach nicht genau sagen, aber ich verspreche dir, das ich dich heute Abend da rausholen werde. Ganz egal, was auch passiert!" Ich weiß, das ich mich auf sein Wort verlassen kann und hauchte ihm einen Kuß auf die Wange.

"Gib mir eine halbe Stunde und dann spiel den Retter in der Not." Ich löste mich aus der Umarmung und machte, das ich aus der Wohnung kam. Ich spürte seinen Blick auf meinem Rücken und drehte mich noch einmal um.

"Denk dran eine halbe Stunde und dann mußt du mich spätestens rausboxen! Diese Dinner sind furchtbar!" Er nickte kurz und ich ließ die Tür hinter mir ins Schloß fallen. Wieso habe ich nur das Gefühl in zu verlieren? Es ist doch alles in Ordnung. Warum mache ich mir also Sorgen? Ich wurde dieses Gefühl nicht los, aber als ich in der Tiefgarage angekommen war schob ich es in die hinterste Ecke meines Bewußtseins. Ab jetzt ist völlige Konzentration angesagt! Maria ging schon unruhig vor der Limousine hin und her. Als sie mich entdeckte wies sie mit hektischen Bewegungen auf ihre Armbanduhr und setzte sich schon mal auf den Beifahrersitz. Ich würde zwar viel lieber mit der Harley ins Studio fahren, nur wäre das mit einer schwangeren Frau praktisch Selbstmord. Also wieder Limousine. Lächelnd ließ ich mich auf die Rückbank fallen.

"Es kann losgehen! Toshi!" Er brauchte keine zweite Aufforderung und schon machten wir uns in einem Affentempo mitten durch den stärksten Stadtverkehr auf den Weg ins Studio. Ich wunderte mich immer wieder, wie er es schaffte dieses riesen Ding so sicher zu manövrieren. Am Studio angekommen bat ich ihn noch um einen kleinen Gefallen.

"Toshi, sei so lieb und hol bitte Cee für mich ab. Er ist noch bei Granny. Danach kannst du dir den Rest des Tages freinehmen. Ich fahre mit den Anderen zurück." Lachend ließ er sich in seinem Sitz zurückfallen.

"Vielen Dank Deshon-san! Es gibt echt keine bessere Chefin als sie!" Er übertreibt mal wieder, aber ich lächelte ihm noch kurz zu, bevor er wendete und in den Straßenschluchten verschwand. Er ist wirklich ein lieber Kerl.

"Shao? Kommst du?!" Marias Stimme ging mir durch Mark und Bein. Man sollte doch annehmen, das Schwangeren irgendwann mal die Puste ausgeht, aber bei ihr ist das absolute Gegenteil der Fall. Sie sprüht über vor Energie.

"Ja!" Ich setzte mich in Bewegung und so machten wir uns auf den Weg ins Gebäude. Drinnen war es wie immer angenehm kühl und erstaunlicherweise auch relativ ruhig. Was ich mir nur so erklären konnte, das man die Presseheinis schon in den Saal für Interviews jeglicher Art geführt hatten. Maria ging schnurstracks auf unsere Garderobe zu, wo sie überschwenglich von Mike begrüßt wurde.

"Na, Herr Manager, das wirft jetzt aber ein ganzes schlechtes Bild auf uns. Man könnte ja den Eindruck gewinnen du vertraust mir nicht." Völlig perplex sah er mich an und hinter ihm klang schallendes Gelächter auf.

"Shao, du bist und bleibst unmöglich! Du weißt doch wie nervös unser werdender Vater ist." Das ist wieder typisch für Kaze, unseren zweiten Bandleader und Sänger. Der auch sofort in der Tür aufkreuzte und mich in die Garderobe schob.

"Wir sollten die Beiden allein lassen!"

"KAZE!!!" Noch bevor Mike weiterreden konnte warf Sue die Tür von innen zu.

"So, die sind wir los! Wie geht's jetzt weiter?" Fragend sah sie mich an.

"Hey, was geht hier überhaupt vor?" Abwehrend hob ich die Hände, als Shion mir mit einem Kissen drohte.

"Sag nicht, du hast es schon wieder vergessen! Wir planen doch schon seit Wochen eine Babyparty für die Beiden." Ach darum geht es. Ich dachte schon, sie meinen die Platin Geschichte.

"Sieh an unser Bandleader weiß es also doch noch!" Ehe ich mich versah hatte ich Kazes Ellbogen zwischen den Rippen.

"Also, was machen wir?" Ich sah fragend in die Runde und rieb mir die schmerzenden Rippen. Er hat wirklich einen ordentlich Treffer gelandet, das gibt bestimmt wieder ein paar blaue Flecken. Seltsamerweise wichen alle meinem Blick aus. Sue spielte gelangweilt mit den Sticks, Kaze überprüfte die Seiten einer Gitarre und Shion striff über die Tasten des Keyboards. Da ist doch wieder was ihm Busch.

"Weißt du..." Sue druckste etwas herum, bevor sie weitersprach.

"Wir hatten vor dich zu fragen, ob wir nicht deine Wohnung nehmen könnten, um-"

"WAS?! Auf gar keinen Fall! Schon die letzten drei Feten haben bei mir stattgefunden und hinterher habt ihr mich jedesmal alleine mit dem Müll sitzen lassen!"

"Nein, nein wir wollten nur die Geschenke bei dir einlagern, bis wir sie überreichen." Shion versuchte mich wieder zu beruhigen, was ihm auch jedes Mal gelang.

"Okay. Was noch?" Kaze beantwortete meine Frage.

"Wir haben den Saal bei Luigi's und dort ist auch schon alles soweit in Vorbereitung. Voraussichtlicher Termin so schätzungsweise in drei Tagen gegen 13.00 Uhr." Damit konnte ich leben und nickte anerkennend. Diese Planung gefällt mir.

"Seit ihr bald mal fertig?" Mikes Stimme drang durch die geschlossene Tür. Seufzend sahen wir uns an und ließen von der jeweiligen Beschäftigung ab.

"Stellen wir uns also dem Presserummel!" Die Drei nickten und Kaze öffnete schließlich wieder die Tür.

"Mal ganz ehrlich Mike, wenn ich gewußt hätte, wie viel Streß dieser Job mit sich bringt, dann wäre ich doch lieber bei meiner Ausbildung als Buchhalter geblieben."

"Shion!" Lachend schoben wir uns zwischen die Beiden und drängten sie in Richtung Pressesaal. Kaum waren wir durch die Tür standen wir schon in einem regelrechten Blitzlichtgewitter. Nach etwa zweieinhalb Stunden Frage und Antwort Spielchen war es dann endlich vorbei. Die Presseheinis sind dies Mal aber auch hartnäckig gewesen. Warum müssen die eigentlich immer alles ganz genau wissen? Können die sich nicht einfach mal mit den Antworten begnügen, die wir ihnen geben ohne uns gleich das Wort im Mund umzudrehen? Völlig geschafft ließen wir uns auf die verschieden Sitzgelegenheiten in der Garderobe fallen.

"Oh man, wie die Aasgeier!" Sue angelte sich eine der Wasserflaschen aus dem Kühlschrank, die immer im Überfluß vorhanden sind. Möchte echt gern mal wissen, wer das Ding immer wieder auffüllt.

"Da hast du recht. Heute waren sie echt schlimm. Gib mir mal 'nen Schluck ab." Sie reichte die Flasche weiter zu Mike und dann machte das Teil wie üblich die Runde, bis sie wieder bei ihr landete.

"Wieviel Zeit bleibt uns eigentlich noch?" Shion sah fragend in die Runde, als Maria in den Raum stürmte.

"Was sitzt ihr hier noch rum? Los umziehen wir werden in einer halben Stunde erwartet!" Ein völlig entnervtes Stöhnen von sämtlichen Anwesenden war die einzige Antwort, die sie erhielt. Bevor sich jeder mit einem Kleidersack in eine Nische zurückzog. Was für ein Tag, hoffentlich denkt Katan an sein Versprechen. Das Galadinner werde ich auf keinen Fall länger als eine Stunde durchhalten können. Endlich umgezogen trat ich wieder aus der Nische heraus und würde von den Anderen mißtrauisch beäugt.

"Maria mußte das sein? Sie stiehlt uns allen die Show." Das sagt der Richtige! Kaze sieht in seinem Smoking zum Anbeißen aus. Es hebt deutlich seinen durchtrainierten Körper hervor und das sanfte schwarz paßt hervorragend zu seinen hellbraunen Haaren. Ich warf ihm einen vielsagenden Blick zu.

"Oh nein, vergiß es! Das kommt überhaupt nicht in Frage! Dein Freund würde mir den Hals umdrehen!" Die Anderen unterdrückten mühselig das Lachen. Sie wußten ganz genau, das wir nur Spaß machten. Er ist schon seit einer halben Ewigkeit mit Shion zusammen, auch wenn das außer uns niemand weiß. Solche Sachen werden von der Presse einfach zu gerne breit getreten und als sie es uns endlich sagten (wir wußten es natürlich schon vorher, aber wir gaben ihnen die Zeit, die sie brauchten) war unser Schweigen selbstverständlich. Zwischenzeitlich haben Sue und ich sogar eine Affäre mit den Beiden vorgetäuscht, damit es auch wirklich der letzte Trottel glaubt, das die Beiden zwar unzertrennlich Freunde sind, aber nicht mehr. Die Sache hat verdammt viel Spaß gemacht. Hmm vielleicht sollten wir das bei Gelegenheit mal wiederholen...

"Guck mal, er wird rot."

"Shion!" Lachend begannen die beiden sich gegenseitig mit Puffen zu übersähen. Wie die kleinen Kinder...

Seufzend ließ ich mich neben Sue vor den Spiegel sinken und schon wuselte Maria um uns herum. Keine Ahnung, wie lange wir da saßen, aber die Herren waren anschließend sprachlos. Sue sieht auch einfach umwerfend aus! Obwohl sie das kleine Schwarze trägt, doch mit der beigen Boa und ihren hochgesteckten, blonden Haaren ist das absolut nebensächlich und Marias Make-up vollendet das Ganze zu einem absolut perfekten Kunstwerk. Man könnte sie für eine Prinzessin halten, wenn man es nicht besser wüßte.

"Darf ich bitten Mylady. Für heute Abend werde ich ihr Begleiter sein." Mit einer eleganten Verbeugung bot mir Shion seinen Arm an. Sue kann sich echt glücklich schätzen einen solch galanten Bruder zu haben. Lächelnd hakte ich mich bei ihm ein. Er sieht ebenfalls umwerfend gut aus. Sein Smoking besteht aus einem so dunkeln Blau, das man es auf den ersten Blick für schwarz halten könnte. Erst bei näherem Hinsehen fällt der Unterschied auf und es harmoniert wunderbar mit seinen rotbraunen Haaren und den scheinbar immer sanften, grünen Augen. Sue hakte sich bei Kaze ein und zusammen mit unseren M&M's machten wir uns auf den Weg ins Restaurant. Erstaunlich, wie gut Maria selbst in Umstandsmode aussieht. Na ja, sie hat sie schließlich selbst entworfen. Wen wunderst also? Wir nahmen die größte Limousine, die wir immer nur zu solchen Anlässen benutzen. Es war superbequem und wir genossen die letzten Minuten, bevor wir uns nach den Regeln der oberen Zehntausend benehmen mußten. Über das Autotelefon rief ich noch einmal Toshi an, um ganz sicher zu gehen, das Cee sich wieder in meiner Wohnung befand.

"Du hast Cee bei Granny gelassen und jetzt ist er allein in deiner Wohnung?!" Sue hätte fast ihren Drink ausgekippt.

"Ja, Granny freut sich immer, wenn er eine Weile bei ihr bleibt und sie kümmert sich wirklich rührend um ihn. Ich wollte ihn ja mitnehmen, aber dann hätte mir Mike was anderes erzählt."

"Sehr richtig dieses Fellbündel kommt mir nicht mit in ein fünf Sterne Restaurant!" Empört sah Maria ihn an.

"Wie kannst du so nur etwas nur sagen?! Er ist unser Maskottchen und doch so süß!" Shion bekam fast einen Lachanfall.

"Wenn man bedenkt, das er eigentlich nur ein Fellbündel ist, bei dem man nur dann feststellen kann wo vorne und hinten ist, wenn es bellt. Ist es doch erstaunlich, wie frech diese kleine Töle ist. Das liegt bestimmt..."

Ich schaltete auf Durchzug. Diese Debatten laufen doch jedesmal auf dasselbe hinaus. Keiner von ihnen wird je verstehen, wieviel mir Cee wirklich bedeutet. Sicher, sie wissen, das ich vernarrt in diese kleine Promenadenmischung bin und das ich jeden, der ihn auch nur im Ansatz bedroht ohne zu Zögern unangespitzt in den Boden ramme. Doch den wahren Grund kennen sie nicht. Seit ich klein war ist er mein ständiger Begleiter und das ist schon eine halbe Ewigkeit. Damals, ganz zu Anfang hatte er noch die Gestalt eines Wolfes, doch im Laufe der Jahre paßte er sein Äußeres immer mehr der Umgebung an. Ein Wolf würde im heutigen Tokyo auch zuviel Aufmerksamkeit erregen. Wer würde schon auf die Idee kommen, das sich hinter diesem kleinen Fellknäuel Cerberus der Höllenhund verbirgt? Nicht einmal die Engel wissen, das er mein ständiger Begleiter und Beschützer ist. Wieder eines dieser Geheimnisse, das außer mir niemand mehr kennt. Ich frage mich, ob er es nicht bereut seine ursprüngliche Gestalt meinetwegen aufgegeben zu haben...

Vielleicht können wir beide eines Tages wieder in unserer wahren Gestalt durch die Wälder streifen, so wie damals, als ich noch glücklich und sorglos war.

"Hey, seht mal! Das sieht ja nach einem gigantischem Empfangskomitee aus!" Aufgedreht deutete Kaze aus dem Fenster. Auh backe, was ist denn hier alles angerollt? Promis über Promis. Das wird ein verdammt länger Abend. Seufzend ließ ich mich wieder zurückfallen. Ein Glück ,das mich Katan hier bald raushaut. Wir hielten genau vor dem Eingang und von außen wurde langsam die Tür geöffnet, wodurch wir schon eine Kostprobe darauf erhielten, was uns noch erwartete, wenn wir ausstiegen. Na dann, los und immer Lächeln! Schließlich standen wir alle auf dem rotem Teppich und schon wieder sahen wir nicht da geringste von der Umgebung, da überall Blitzlichter aufleuchteten. Keine Chance nicht geblendet zu werden. Irgendwie schafften wir es durch den Pressepulk ins Restaurant. Verdammt und ich bin halbblind! Den Anderen erging es kaum besser und in diesem Schummerlicht erkennt man dadurch auch so unheimlich viel! Ein extrem freundlicher Kellner brachte uns zu einem Tisch, auf dem breit ein Schild mit unseren Namen stand und wo wir den Rest des Abends Glückwünschreden und Lobeshymnen ertragen dürften. Ein Blick in die Gesichter der Anderen zeigt, das sie derselben Ansicht sind wie ich. Völlig unnötig, absolut langweilig und nicht die geringste Chance dem zu entgehen! Mein Trumpf ist Katan, das wird mir eine Menge ersparen. Lächelnd blickte ich in die Runde und ließ alles über mich ergehen. Ein Blick auf die Uhr hob meine Laune. Noch fünf Minuten und ich bin hier raus! Leider kreuzte er nicht auf. Verdammt, wo bleibst du? Du hast es mir doch versprochen. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen, doch nach einer weiteren halben Stunde begann ich unruhig auf meinen Stuhl hin und her zu rutschen. Mike strafte mich mit seinen Blicken und ich versuchte ruhig zu bleiben. Allerdings fing ich an mir Sorgen um Katan zu machen. Warum braucht er solange? Was ist passiert? Ein Puff in die Seite ließ mich wieder aufmerksam werden. Sieh an, jetzt also die feierliche Überreichung der Platinplatte, die dieses Mal von Maria in Empfang genommen wurde. Wir anderen hatten schon alle eine in der Wohnung hängen und da sie als Einzige noch keine hatte, ließen wir ihr heute diese Ehre zuteil werden. Die Presse meint zwar, es wäre völlig absurd, das eine Kostümbildnerin eine Platinplatte erhält (das hatten wir schon bei der letzten Überreichung angekündigt), aber so etwas scherte uns herzlich wenig. Maria hat sie alle mal verdient. Ich versuchte krampfhaft mir meine Langeweile nicht allzu deutlich anmerken zu lassen, was nicht ganz klappte. Mühsam unterdrückte ich ein Gähnen. Man, was bin ich müde! Ein leichtes Zittern des Tisches verhinderte allerdings, das ich doch noch losgähnte. Was ist das? Bevor ich mir darüber noch weiter Gedanken machen konnte erzitterte auf einmal der ganze Saal und von draußen klangen Donner ähnliche Geräusche herein. Ein Erdbeben schoß es mir durch den Kopf. Im Saal brach auch schon Panik aus. Alles rannte Durcheinander, während der Putz und einige der Kronleuchter zu Boden fielen. Die Securities packten uns und schleppten uns in Richtung Ausgang, da wir uns nicht von allein bewegten. Der Anblick, der sich einem draußen bot war kaum besser, als der im Inneren. Jedes Gebäude schien in seinen Grundfesten erschüttert zu werden und schwankte bedrohlich, während sich die Panik allmählich auf den Straßen verbreitete. Es donnerte unterbrochen und Blitze erhellten den nächtlichen Himmel. Von einer plötzlichen, explosionsartigen Lichtkugel wurde ich fast blind. Keiner von uns war mehr in der Lage klar nach zu denken und so verfrachteten und die Securities in verschiedene Limousinen und wiesen die Fahrer an uns wegzubringen. Erst, als ich schon eine Weile unterwegs war würde mir klar, was das vorhin gewesen sein mußte. Er hat es getan! Er hat seinen Vater befreit und dadurch diese Katastrophe ausgelöst! Mein Magen schnürte sich zusammen. Wieso ist es mir nicht schon von Anfang an klar gewesen, als er nicht auftauchte? Was mich aber noch viel mehr schockiert ist, das er scheinbar ohne jegliche Gewissensbisse das Leben von Millionen und Abermillionen Menschen aufs Spiel setzt, nur um einen einzigen Engel zu befreien. Ich hoffe nur, das Granny nichts passiert ist und das zu Hause alles in Ordnung ist. Wie kann er nur so viele Unschuldige gefährden? In mir mischten sich Enttäuschung und Wut über sein Verhalten. Ich habe ihm vertraut und jetzt das! Ist das die Sache wert? Fragend beobachtete ich die Sterne, doch sie gaben mir schon wie so oft nicht die erhofften Antworten.

00-06-19

 

 

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Dokomi
30.04. - 01.05.2016
in Düsseldorf
eigener Stand
UPDATE Fanfiction
 
Moon Shadows
Chapter 14
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Secrets
wird fortgesetzt
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Love of an angel
abgeschlossen
UPDATE Gallery
 
Kaze to ki no uta

Cover, Farbbilder und
Animescreenshots sind online
UPDATE Modelkits
 

Photobucket

 
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