Part 04

99-11-19

 

Love of an angel

         Part 04

 

Secret Watergarden

 

Wir waren schon eine ganze Weile unterwegs, als mein Begleiter seine Sprache wiederfand. "Wieso hast du das getan?" Ich antwortete ihm nicht sondern zuckte nur mit den Schultern. Diesmal ließ er allerdings nicht so leicht locker.

"Verdammt noch mal antworte mir endlich!" Mit einem heftigen Ruck zog er mich zurück und zwang mich ihn anzusehen. Ich erwiderte seinen Blick ohne auch nur einen Ton von mir zu geben. Der Druck seiner Hände verstärkte sich und meine Arme begannen zu schmerzen.

"Laß mich los!" Langsam verliere ich die Geduld!

"Nein! Nicht, ehe du mir geantwortet hast!" Oh man, muß der so hartnäckig sein? Mir steht der Sinn nach allem nur nicht nach einer weiteren Diskussion mit einem Engel. Allem Anschein nach werde ich wohl nachgeben müssen. Mit einem Seufzen gab ich ihm zu verstehen, das ich mich geschlagen gab. Vorerst! Sein Griff lockerte sich und sofort meldete sich ein leichtes Kribbeln und Stechen an den Stellen, wo seine Hände mich festgehalten hatten. Abwesend begann ich mir die schmerzenden Punkte zu reiben. Fast schon entschuldigend sah er mich dabei an. Wieder mußte ich lächeln er scheint sich wirklich ernsthafte Sorgen um mich zu machen. Betreten schaute er zu Boden während ich mich gegen eine Wand lehnte.

"Also, was genau willst du wissen?" Huch, der kann ja richtig böse gucken. Scheinbar reizen ihn meine kleinen Ausweichmanöver etwas. Wieso nur?

"Das habe ich doch schon gesagt! Ich möchte wissen, warum du das getan hast!" Sein Tonfall läßt darauf schließen, das ich ihn diesmal wohl nicht einfach so mit einer simplen Antwort abspeisen konnte. Nun ja, es gibt schließlich schlimmeres. Mein Blick richtete sich gegen die Decke, wo man erfreulicherweise mal nichts engelhaftes sah. Wenigstens etwas Positives. Noch mehr von dem Zeug würde ich auch kaum noch ertragen können.

"Hör zu, ich wäre dir äußerst dankbar, wenn du warum-hast-du-das-getan genauer definieren könntest. Schließlich gibt es da mehrere Möglichkeiten." Zum Beispiel Whitie oder Rociel ärgern. Er holte tief Luft meine Gleichgültigkeit scheint ihn doch stark zu stören. Geht scheinbar fast allen Engeln so, aber was soll man machen?

"Ja, es gibt mehrere Punkte, aber ich möchte wissen, warum du um mein Leben zu retten dich Rociel ausgeliefert hast!" Na bitte, das ist doch gar nicht so schwer. Warum denn nicht gleich so?

"Hey, wer hat behauptet ich hätte mich ihm ausgeliefert?! Soweit ich mich entsinne haben wir nur einen Deal. Solange ich in Yetzirah bleibe wird dir keiner auch nur eine Feder krümmen. Es ist nicht die Rede davon gewesen, daß ich das auch wirklich tue." Es haute ihn schlichtweg um. Sein Gesicht verlor sämtliche Farbe. Von mir aus kann er denken, was er will Hauptsache diese Diskussion hat bald ein Ende.

"Ja, aber-" begann er. Mürrisch unterbrach ich ihn.

"Was aber?! Du hast dein Leben riskiert, um meinen Hals zu retten, obwohl das nicht nötig war und dafür habe ich mich vorhin revanchiert. Somit sind wir quitt und alles Andere steht auf einem neuen Blatt!" Wenn der wüßte, daß ich das hier nur mache um ihn zu ärgern, oje. Scheinbar nimmt er mich für voll, denn er schüttelte verständnislos den Kopf. Um ehrlich zu sein habe ich auch nicht vor ihn ans Messer zu liefern, mit Rociel werde ich mich bestimmt auch anderes einigen. Sobald ich Katan gefunden habe, sollte es da keine Probleme mehr geben, hoffe ich zumindest. Wobei mir gerade auffällt, daß ich schon wieder keine Ahnung habe, wo wir sind. Anscheinend sind meine Gedanken dies bezüglich offensichtlich, denn mein Begleiter konnte sich ein Grinsen nicht mehr verkneifen. Na ganz toll und wie komme ich jetzt zurück? Entschlossen wendete ich mich einer Richtung zu, die meiner Meinung nach die Richtige sein könnte und ging los. Schließlich führen ja alle Wege nach Rom oder zum Ziel. Es kommt nur darauf an wie lange man für den jeweiligen Weg braucht.

"Halt, warte doch mal!" Sehr hartnäckig der Typ. Trotzdem blieb ich stehen.

"Was ist denn noch?" Ich mußte mir noch nicht einmal Mühe geben um genervt zu klingen, denn ich bin es. Er holte auf und stand wieder neben mir. Habe ich jetzt etwa einen neuen Bodyguard?

"Du mußt nicht so unhöflich sein! Ich möchte dir nur helfen. Du hast doch garantiert keine Ahnung, wo du jetzt hin willst, oder?" Das ist ja wohl die Höhe! Ich bin nicht unhöflich nur leicht gereizt, was ja auch irgend wie nachvollziehbar ist.

"Tss, da liegst du aber völlig falsch. Ich weiß genau, wohin ich will." Ihm lag schon eine passende Antwort auf den Lippen doch ich war schneller.

"Nein, nicht nach Assia. Das hat noch Zeit. Momentan versuche ich den Raum zu finden, in dem ich aufgewacht bin. Nur scheint es, daß ich die Orientierung verloren habe." Als ich dazu noch eine Unschuldsmiene aufsetzte mußten wir beide lachen.

"Okay, ich hatte also fast recht." Achselzuckend stimmte ich ihm zu und ein Lächeln legte sich auf sein Gesicht.

"Paß auf, du hast mir vorhin geholfen und deshalb werde ich dir den Weg zeigen. Auch wenn du es eigentlich nicht verdient hast." Vorsichtig Freundchen, ganz vorsichtig! Ich bin heute nicht sonderlich zu Scherzen aufgelegt.

"Nach allem, was passiert ist tippe ich einfach mal darauf, das du in Rociel's Gemächern aufgewacht bist." Tja, was soll man dazu noch sagen? Ein kurzes Nicken genügte ihm als Antwort und er ging los. Was bleibt anderes übrig, als ihm zu folgen? Einfacher geht es nun wirklich nicht mehr. Ziemlich schnell holte ich auf und als ich neben ihm herging fiel mir auf, das er mich unentwegt beobachtete.

"Is' was?" Meine Stimme klang ziemlich mürrisch aber er ließ sich dadurch nicht weiter stören.

"Ich frage mich nur die ganze Zeit, wieso Rociel ausgerechnet dich hierher gebracht hat. Soweit ich mich entsinne hat er Menschen früher ohne zu zögern getötet oder sonst etwas in dieser Richtung getan, aber er scheint dich zu beschützen." Beinahe hätte ich einen Lachanfall bekommen. Rociel? Beschützen? Mich?! Das ist wirklich gut! Doch bevor das passiert gefriert eher die Hölle. Allerdings kann ich ihm auch schlecht die Wahrheit sagen, also schwieg ich. Mit einem Seufzen deutete ich an, das auch mir Rociel's Beweggründe nicht klar sind, was nebenbei auch der Wahrheit entspricht.

"Wer bist du eigentlich wirklich?" Der Satz war zwar kaum zu hören gewesen, da er anscheinend nur laut gedacht hatte, aber sofort zuckte ich zusammen. Leider merkte er es und sah mich nun erwartungsvoll an. Okay, ganz ruhig bleiben. Er ist schließlich ein ganz normaler Engel, der keine absolut Ahnung hat. Jetzt bloß nicht durch unüberlegtes Handeln verraten! Mein Puls beruhigte sich langsam wieder und ich war in der Lage zu antworten.

"Nur ein ganz normaler Mensch, der sich verirrt hat." Puh, wenn ich noch länger gebraucht hätte, wäre er bestimmt mißtrauisch geworden. In dieser Umgebung muß ich noch viel vorsichtiger werden. Ich versuchte so ruhig wie möglich zu wirken, was hier gar nicht so einfach ist. Ständig fühle ich mich beobachtet, verfolgt und bedroht. Er schüttelte amüsiert den Kopf.

"Also ein ganz normaler Mensch kannst du unmöglich sein." Sofort schrillten bei mir sämtlich Alarmglocken.

"Wenn ich mich richtig erinnere, bist du doch die Sängerin von White Demon Feather. Ich war mal auf einem eurer Konzerte." Erleichtert atmete ich auf, das meint er. Er ist wirklich völlig ahnungslos. Was mich allerdings noch mehr erstaunt ist, daß er auf einem unserer Konzerte gewesen sein soll. Engel die sich Rockkonzerte anhören? Das klingt doch sehr unwahrscheinlich.

"Ja, ja that's me und was ist daran so verwunderlich?" Er hat meine Neugier geweckt.

"Och, ich habe nur nicht damit gerechnet dir mal Auge in Auge gegenüber zu stehen und dazu noch hier. So wie manche euerer Songs klingen bist du nicht gerade begeistert von Engeln und doch scheinst du Rociel recht gut zu kennen." Ach ne, ist dir das auch schon aufgefallen? Was meint er wohl, warum ich nicht scharf darauf war hierher zu kommen? Geschweige denn meine angeblichen Sympathien für Rociel! Es darf doch wohl hoffentlich so ziemlich jedem aufgefallen sein, das ich nicht zu denjenigen gehöre, die seine Freunde sind. Apropos, dabei fällt mir ein, das diese Uniform (verschweigen wir mal lieber, was ich davon halte) oben rum einfach viel zu eng ist. Mit ein paar offenen Knöpfen ist das ganze doch direkt viel angenehmer. Inzwischen waren wir im Freien angekommen und ich wunderte mich nur über den strahlend blauen Himmel und die angenehme Temperatur. Nur die hohen Mauern trüben das Idyll.

"Hmm, fast so schön wie Frühling." Genießerisch schloß ich die Augen und genoß die Sonne. "Traumhaft." Meine Laune hob sich sichtlich. So kann ich es hier garantiert eine Weile aushalten. Kein nervender Engel weit und breit!

"Oja, einfach herrlich!" Perplex öffnete ich die Augen. Mir ist doch glatt entfallen, das ich noch einen Begleiter habe. Allerdings lag sein Blick nicht auf dem Himmel, sondern wesentlich tiefer.

"Hey, ich meine den Himmel, aber du scheinst etwas anderes scheinbar viel interessanter zu finden." Sofort änderte er die Blickrichtung und lief rot an. Ich begann zu kichern, es ist einfach zu komisch. Ein schüchterner Engel! Energisch ging er weiter.

"Los komm, wir müssen uns beeilen!" Verständnislos sah ich ihm nach. Was hat er nur?

*Wer...* Ich wirbelte herum. Dort war niemand. Fange ich jetzt an durchzudrehen? Ich habe doch ganz deutlich eine Stimme gehört.

*Wer ist da?* Schon wieder! Instinktiv suchte ich die Umgebung ab. Nichts zu sehen und außer meinem Begleiter spüre ich auch keinen anderen Engel, der hier sein könnte. Er hatte inzwischen gemerkt, das ich ihm nicht mehr folgte und kehrte um.

*Kann mich jemand hören?* Verdammt wer beziehungsweise was ist das nur? Nochmals sah ich mich um. Nichts, nur das Grün einer Baumkrone, das über die rechte Mauer ragt. Halt, da ist noch etwas anderes, ein Geräusch, aber welches?

"Geht es dir nicht gut? Du siehst verdammt blaß aus." Das hilft mir jetzt auch nicht sonderlich viel weiter. Möchte mal wissen, wie er aussehen würde, wenn er erst eine Stimme aus dem Nichts hört und dann so überraschend von hinten angequatscht wird.

"Nein, es ist nichts. Ich dachte nur, ich hätte ein Geräusch gehört." Es ist einfacher so zu tun, als sei nichts gewesen. Unangenehmen Fragen kann man so auf Anhieb entgehen. Allerdings mache ich mir inzwischen doch so meine Gedanken. Warum ausgerechnet ich?

"Ein Geräusch?! Woher denn?" Er sah sich suchend um. Aus meinem Kopf du Trottel! Allerdings verkniff ich es mir ihn darauf hinzuweisen. Stattdessen deutete ich auf die Wand. Ich bin mir ziemlich sicher, das die Stimme von dort gekommen ist.

"Ach so von dort. Das ist ganz normal, dahinter liegt der Wassergarten. Du wirst das Rauschen des Wassers gehört haben." Wäre ja echt schön, wenn es das gewesen wäre, aber inzwischen hat sich auch noch ein ziemlich penetrantes Summen in meinem Kopf eingestellt und das klingt keinesfalls nach Wasserrauschen! Viel mehr, als würde sich jemand in großer Trauer befinden und weinen.

"Was ist eigentlich der Wassergarten?" Irgend wie muß ich mich ja von diesem Summen ablenken.

"Das weiß keiner so genau, außer den engsten Vertrauten von Sevothtarte. Allen anderen Engeln wurde der Zutritt untersagt." So ist das also. Sein Gesichtsausdruck läßt darauf schließen, daß es ihn auch nicht sonderlich reizt herauszufinden, was sich in diesem Garten befindet. Im Gegensatz zu mir! Erstens geht mir dieses Summen auf den Keks und zweitens hat das Wort Verboten schon immer dafür gesorgt, das meine Neugier erst recht geweckt wird. Was liegt also näher, als sich dort einmal umzusehen? Noch ehe er sich versah holte ich Schwung und kletterte an der Mauer hoch.

"Halt! Warte!! Was machst du da?!" Nach was sieht das denn aus? Aerobic? Ah, endlich oben! Zufrieden setzte ich mich auf die Mauer und sah ihn von oben belustigt an. Er schob inzwischen richtig Panik.

"Bitte komm da runter, wenn das rauskommt!" Ich schüttelte den Kopf, das kann er sich abschminken. Nicht umsonst mache ich mir die Mühe hier rauf zu klettern.

"Reg dich ab! Mir passiert schon nichts." Ungläubig sah er zu mir hoch und schüttelte den Kopf.

"Hast du eigentlich eine Ahnung davon, was Sevothtarte mit denjenigen macht, die sich über seine Anweisungen hinwegsetzen?! Verdammt komm da runter!" Mittlerweile klang er fast flehend. Täusche ich mich oder ist der wirklich um mich besorgt? Egal, ich werde mir den Garten auf jeden Fall ansehen und was Sevothtarte betrifft, der soll die Sache mit Rociel klären. Langsam erweist es sich doch als recht praktisch, das Rociel mich hierhaben will. Entschlossen wendete ich den Blick. Der Anblick, der sich mir bot, war der absolute Wahnsinn. Eine richtige kleine, grüne Oase. Wunderschön!

"Hey, komm hoch, das mußt du dir unbedingt ansehen!" Der Anblick ließ ein Gefühl der Vertrautheit in mir aufkommen doch es verschwand fast augenblicklich wieder. Was ist bloß los mit mir?

"Ich soll was?!" Seine Stimme überschlug sich beinahe. Entnervt sah ich zu ihm runter. In seinem Blick stand deutlich Furcht geschrieben. Wo liegt eigentlich das Problem? Wir brauchen uns ja schließlich nicht erwischen zu lassen und außerdem stehen wir unter Rociel's Schutz. Das sagte ich ihm auch, doch leider fruchteten die Argumente nicht. Er bestand weiterhin darauf, das ich wieder runter kam. Ihn zu überzeugen hat also keinen Sinn. Dann wechseln wir halt die Taktik.

"Erklär mir doch bitte noch mal wer den Wassergarten betreten darf." Irgend wie muß ich ihn ja ablenken. Erleichtert atmete er auf. Scheinbar glaubt er wirklich, daß ich aufgebe. Es ist auch besser so.

"Allen Engeln, außer Sevothtarte und seinen engsten Vertrauten!" Zufrieden lächelte ich in mich hinein. Wenn das wirklich so ist, dann sollte es keinerlei Probleme geben.

"Komm endlich da runter!!!" Es scheint ihm echt viel daran zu liegen. Nur warum kommt er dann nicht rauf und holt mich? Wahrscheinlich kann er sich denken, das ich sobald er das versucht schon längst auf der anderen Seite bin. Endlich scheint er aufzugeben.

"Wieso tust du das eigentlich?" Augenblicklich mußte ich lachen.

"Weiß nicht so genau. Das ist eine dumme Angewohnheit und außerdem, wenn ich noch lange diese Heiligenbildchen betrachten muß wird mir schlecht! Also, mach dir keine Sorgen! Ich bin kein Engel und verstoße deshalb auch nicht gegen eines von Sevothtartes Verboten." Mit diesen Worten schwang ich die Beine auf die andere Seite und sprang.

"Halt! Warte doch!!!!" Zu spät, ich bin schon unten! Zwar nicht besonders elegant aber dafür weich. Mit einem Ruck war ich wieder auf den Beinen und schüttelte die Blätter ab, die sich überall in meinen Klamotten festgesetzt hatten. Meine Mütze fand ich auch sofort wieder und setzte sie auf. Um mich herum sah es einfach phantastisch aus, ein Meer von verschiedenfarbigen Pflanzen in zig Größen und Variationen, das sich vor mir ausbreitete. Zwischen ihnen schlängelten sich Bäche und Wege entlang, die ab und zu von Bäumen eingesäumt würden. Es gab aber auch viele Bäume, die allein standen. Genüßlich folgte ich einem Bachlauf, dessen Plätschern mich zu sehens beruhigte. Das Wasser ist erstaunlich klar und man kann den Grund ohne Probleme erkennen. Eines muß ich Sevothtarte lassen Geschmack hat er ja. Das Summen in meinem Kopf hat sich inzwischen auch verflüchtigt und ich begann mich zu fragen, wo dieser Bach wohl enden würde. Nach einer weiteren Biegung fiel mein Blick auf einen See in dem sich riesige Teppiche aus Seerosen ausbreiteten. Das Licht brach sich im klaren Wasser und ließ tausende, tanzende Sterne entstehen. Die Ufer waren an allen Seiten üppig bewachsen und doch gibt es genügend Möglichkeiten um ans Wasser zu gelangen. Eine Brücke zum Überqueren des Sees war ebenfalls vorhanden. Ich setzte mich gerade wieder in Bewegung, als ich diverse Gestalten auf der Brücke ausmachte. Im ersten Augenblick sah ich fast gar nichts, da mich die Sonne blendete, doch als ich die Hand vor die Augen hob, erkannte ich zumindest einen von ihnen. Sofort ließ ich mich hinter den nächstbesten Busch fallen und hoffte nur, das er mich nicht doch noch gesehen hatte. Auf eine erneute Begegnung mit Sevothtarte bin ich nicht sonderlich scharf. Das würde quasi das Ende meiner Entdeckungstour bedeuten. Nach einer Weile pirschte ich mich auf Hörweite heran und schielte vorsichtig durch meine Deckung. Das üppige Grün erwies sich dabei als äußerst hilfreich. Ich bekam gerade noch mit, wie ein leicht genervt wirkender Sevothtarte einen Plüschhasen in den See schmiß und ging. Na toll, was denken sich Engel eigentlich bei so was? Vorsichtshalber ging ich wieder in Deckung, bis seine Schritte völlig verklungen waren. Wenigstens habe ich jetzt meine Ruhe wieder! Zu meinem Leidwesen begann auf einmal ein fürchterliches Gebrüll.

"Mr. Rabbit!!!!!" Bitte bring einer dieses Kind zum Schweigen!

"Ich will ihn wiederhaben!!" Und ich hasse so etwas! Warum muß das Gör so plärren?! Sich einfach die Ohren zu zuhalten bringt auch nicht mehr den gewünschten Effekt mit sich.

"Bitte beruhigt euch wieder. Das ist doch kein Unglück, es ist nur ein Stofftier." Wer auch immer diesen Spruch gesagt hat, er wurde sofort eines besseren belehrt. Das Geschrei wurde nur noch lauter. Was ist so schwer daran dem Gör sein Plüschvieh einfach wiederzuholen?! Scheinbar alles! Nach weiteren fünf Minuten wurde es mir zu endgültig zu bunt. Schnurstracks spazierte ich auf die Lärmursache zu. Vor mir stand ein Kindchen, das mir noch nicht mal bis an die Knie reichte, aber Krach schlagen konnte wie ein ganz Großer. Um ihn (nehme das jedenfalls mal stark an) herum standen drei Mädels in einem absolut peinlichen Outfit, (eine Kreuzung zwischen Nonnentracht und Hausmädchengewand) die mit immer weniger Erfolg versuchten ihn zu beruhigen. Sie wirkten inzwischen reiflich verzweifelt und keine machte Anstalten das Vieh einfach aus dem Wasser zu fischen. Durch das plärrende Gör entdeckten sie mich erst, als ich mich bemerkbar machte.

"Hör mal Kleiner, tu mir bitte einen Gefallen und hör mit dem Geflenne auf!" Na endlich! Der ist so überrascht, das er vorerst keinen Ton mehr rausbringt und mich fassungslos anstarrt, genau wie die drei Mädels. Sie fingen sich allerdings schnell wieder und stellten sich schützend vor ihn. Hallo, sehe ich etwa aus, als würde ich kleine Kinder fressen?!

"Hey, nur keine Panik ich tue ihm schon nichts." Genauso gut könnte ich auch gegen eine Wand reden, da bewegte sich nichts.

"Sicher?" Na nu, der kann ja auch reden. Vorsichtig schielte er hinter den Röcken hervor. Lächelnd nickte ich ihm zu. Sofort wurde er mutiger und kam auf mich zu. Die Versuche der drei Mädels ihn daran zu hindern ignorierte er. Wirklich noch nicht mal Kniehöhe! Ich ging in die Hocke, um nicht dauernd nach unten sprechen zu müssen. Ängstlich wich er einen Schritt zurück, fragte mich aber dennoch, was ich hier wollte.

"Das klingt jetzt vielleicht unwahrscheinlich, aber ich habe mich verlaufen." Der Junge war total perplex. Scheinbar kann er meine Antwort nicht einschätzen.

"Aber du gehörst doch zu Rociel's Garde. Wie kannst du dich dann verlaufen?" Er war wieder etwas näher gekommen und deutete auf die Abzeichen an der Uniform. Belustigt schüttelte ich den Kopf.

"Keine von Rociel's Leuten?!" Er ist ja richtig erstaunt.

"Yeap und jetzt verrat du mir doch mal, warum du hier so einen Lärm veranstaltest." Langsam ging er auf das Geländer zu und deutete auf die Wasseroberfläche.

"Mr. Rabbit! Er kann nicht schwimmen und ich auch nicht." Oje, gleich geht's wieder los. Ich stellte mich hinter ihn und entdeckte nun ebenfalls das Vieh. Ist ja ganz schön weit abgetrieben. Um da ran zu kommen muß ich wohl oder übel ins Wasser springen. Inzwischen waren zwei der Mädels verschwunden und so richtete ich meine Frage an die Übriggebliebene.

"Ist das Wasser sehr tief oder kann man stehen?" Fassungslos starrte sie mich an.

"Tief..." Ihre Stimme zitterte und sie sah sich ängstlich um.

"Na dann Kleiner, starten wir mal eine Rettungsaktion!" Er schien überglücklich und erwiderte mein Lächeln. Natürlich hatte ich nicht vor in voller Montur ins Wasser zu springen, also zog ich den Mantel und diverses anderes Zeug aus, bis nur noch mein BH übrig blieb. Die Hose und die Stiefel ließ ich vorsichtshalber an und setzte ihm lachend die Mütze auf den Kopf, die ihm natürlich etliche Nummern zu groß war. Bevor ich mich jedoch über die Brüstung schwingen konnte wurde ich am Arm festgehalten.

"Hey, was soll das?!" Langsam reizt sie mich.

"Bitte ihr dürft das nicht tun! Es ist gefährlich!" Erschrocken schlug sie die Hände über ihrem Mund zusammen. Prima, damit ist mein Arm frei!

"Nur keine Panik, es ist nur Wasser. Es wird mich schon nicht beißen." Lachend tätschelte ich dem Kleinen kurz über den Kopf und sprang. Das Wasser war angenehm kühl und erfrischend. Ich kam einfach nicht drum herum erst einmal just for fun ein paar Züge zu machen. Leider war beim Tauchen kein Grund auszumachen, obwohl das Wasser eigentlich kristallklar war, zu schade. Oh shit, die Seerosen! Fast hätte ich mich in den Dingern verheddert! Eine kräftige Beinbewegung brachte mich aus der Gefahrenzone. Ich tauchte wieder auf und suchte den Hasen. Wo ist das Vieh nur abgeblieben? Ah, es schwimmt nur ein paar Meter von mir entfernt, das sollte kein Problem sein. Seltsamerweise trieb es aber jedesmal weiter ab, sobald ich mich ihm näherte. Da ist doch was faul! Dieses Mal legte ich die halbe Strecke unter Wasser zurück und bekam gerade noch mit, wie das Vieh wegschwamm! Anscheinend habe ich doch erheblich mehr abbekommen, als ich zuerst dachte. Stofftiere können bekanntlich nicht schwimmen. Na gut, neuer Versuch. Ich tauchte die gesamte Strecke und bekam das Vieh endlich zu fassen. Erleichtert holte ich Luft, es ist also doch nur Einbildung gewesen. Ich drehte das Vieh um und bekam im nächsten Moment einen Schwall Wasser ins Gesicht. Nachdem meine Sicht wieder klar war starrte ich in das breit grinsende Gesicht eines Hasens. Wer denkt sich nur so was merkwürdiges aus? Mürrisch klemmte ich mir das Vieh unter den Arm und machte, das ich wieder zurück zum Ufer kam. Komisch ist das schon. Plötzlich strich etwas an meinen Beinen entlang. Ah ha, Fische gibt es hier also auch. Nur ist es dafür nicht zu groß gewesen? Im Prinzip kann es mir egal sein. Seltsamerweise berührten meine Füße noch immer keinen Grund, obwohl ich nicht mal mehr einen Meter vom Ufer entfernt war. Das blieb auch noch so, als ich den Uferrand bereits erreicht hatte. Als ich mich hochdrückte striff noch mals etwas an meinen Beinen vorbei, sofort war ich aus dem Wasser raus und ließ mich erleichtert ins Gras fallen. Seltsam...

Bald darauf ertönte ein fröhliches

"Mr. Rabbit! Mr. Rabbit!" durch die Büsche und schon stand ich wieder. Das Vieh trieft nur so vor Nässe! Vorsichtig drückte ich einen Teil davon heraus und trotzdem ist es noch immer klatschnaß. Es wäre besser es erst mal trocken zu fönen. Nur, als ein kleiner Wirbelwind mit freudestrahlendem Gesicht um die Ecke schoß konnte man das getrost vergessen. Bei diesem Betteln hätte selbst ein Felsklotz nachgegeben. Freudig drückte er das Vieh an sich und wurde ebenfalls patschnaß. Lachend ließ ich mich wieder ins Gras fallen. Er kniete sich neben mich und so bekam mein Gesicht etwas Schatten ab. Fragend sah er mich mit großen, unschuldigen Augen an.

"Na los, sag schon, was du wissen möchtest." Mein Blick richtete sich wieder auf den strahlend blauen Himmel und ich streckte mich genüßlich in den warmen Sonnenstrahlen aus.

"Da... Dankeschön. Du hast Mr. Rabbit das Leben gerettet." Jetzt bin ich diejenige, die verwundert ist. Wieder drückte er das Vieh an sich und setzte sich neben mich. Ich bezweifele allerdings sehr, das es möglich ist einem Stofftier das Leben zu retten.

"Keine Ursache. Aber du solltest ihn trocknen lassen, sonst bekommt er am Ende noch eine Erkältung und du auch." Ich hatte mich auf die Seite gedreht und stupste ihn am Bauch an. Es folgte ein zustimmendes Nicken und er plazierte das Vieh vorsichtig im Gras.

"Du bist sehr lieb. Ganz anders als die sonstigen Engel, die hierher kommen." Mein Lächeln war die einzige Antwort, die er bekam. Vorerst braucht er nicht zu erfahren, das ich ein Mensch bin.

"Kommst du mit? Ich möchte dir etwas zeigen. Ähh, wie..."

"Shao, mein Name ist Shao." Jedenfalls nehme ich mal stark an, das er mich danach fragen wollte. Ihm scheinen wirklich Freunde zu fehlen oder mache ich so einen vertrauensseligen Eindruck?

"Sag mal Kleiner, hast du eigentlich gar keine Freunde?" Er schüttelte den Kopf.

"Ich habe viele Freunde, doch am liebsten habe ich Mr. Rabbit, Sevi und..." Er sprang auf und griff nach meiner Hand. Na gut, dann mal los! Ich rappelte mich auf und er zog mich hinter sich her. Bin echt mal gespannt, wohin er mich führt. Auf einmal ließ er meine Hand los und stürmte auf einen Pavillon zu.

"Beeil dich Shao-san!" Er winkte mir zu und bog um eine Ecke.

"Alles klar!" Ich wollte ihn nicht enttäuschen und so legte ich die letzten Meter mit einem kurzen Sprint zurück. Der Anblick ließ mich erstarren. Das ist vollkommen unmöglich! Doch die Ähnlichkeit ist verblüffend! Ich könnte schwören, das es Sara ist, die dort sitzt! Ein Schlag in die rechte Hüfte warf mich zurück. Trotzdem schaffte ich es auf den Beinen zu bleiben. Ein erneuter Schlag, diesmal an der linken Schulter, brachte mich dennoch zu Fall. Das Gefühl in meinen Beinen wurde ständig weniger und auch meinem Arm erging es nicht besser. Verdammt, was hat mich da getroffen?! Ich versuchte wieder auf die Beine zu kommen, was gar nicht mehr so einfach war. Ich schaffte es gerade mal mit Müh Not in eine aufrechte Sitzposition und stellte fest, das sowohl in meinem Arm als auch in meiner Hüfte jeweils eine Nadel steckte. Mit zusammengebissen Zähnen zog ich sie beide heraus und sofort kehrte das Gefühl mitsamt dem einsetzenden Schmerz wieder. Mal abgesehen von dem ganzen Blut, das zusätzlich aus den Wunden strömt!

"Shao-san!!" Das ist doch der Kleine. Besorgt rannte er auf mich zu, doch bevor er mich erreichte wurde er unsanft zurück gezogen. Schmerz hin oder her, so behandelt man kein Kind! Fluchend stand ich auf. Meine schmerzende Schulter hielt ich dabei vorsichtshalber fest. Wer immer das auch ist, dem werde ich jetzt mal gehörig meine Meinung sagen. Mir kommt da auch schon ein ganz bestimmter Verdacht, was die Herkunft dieser Nadeln angeht. Leider kam ich nicht sonderlich weit, denn auf einmal umzingelten mich zig Engel in weißer Uniform.

"Oh bitte Jungs nicht schon wieder! Die Sache nervt langsam wirklich." Meine Güte gucken die alle grimmig, dabei habe ich doch nichts schlimmes getan.

"Sei ruhig!" Oh ha, diese kalte Stimme kenne ich doch irgend woher. Meine Vermutung bestätigte sich, als Sevothtarte durch die Soldaten hindurch auf mich zutrat und an seiner Hand hing der Kleine.

"Bitte Sevi tu ihr nichts!" Der Ärmste ist völlig verzweifelt. Hey, Moment mal Sevothtarte wird Sevi abgekürzt?! Mit meiner Beherrschung ist es gleich vorbei!

"Sie hat Mr. Rabbit gerettet!" Gleich wird er wieder in Tränen ausbrechen. Bitte alles nur nicht das!

"Was!?" Sein Blick ruhte auf mir, als könnte er nicht fassen, was er da gerade gehört hat. Mein Achselzucken mißlang kläglich, da sich dadurch die Schmerzen sofort verstärkten.

"Ihr da Sisters! Bringt Metatron zurück in sein Zimmer und paßt dieses Mal besser auf ihn auf!" Noch bevor der Kleine sich wehren konnte wurde er hochgehoben und einem der Mädels in die Hand gedrückt. Sofort machte sie sich auf den Weg durch den Garten dicht gefolgt von den anderen zwei Sisters, von denen eine den Hasen trug. Mich nervt dieser Kerl! Sogar noch mehr als Rociel und das will was heißen!

"Sevi! Bitte tu ihr nicht weh! Es war doch meine Schuld!" Ich bezweifele sehr stark, das mir der Einsatz des Kleinen hilft, aber er tut mir furchtbar leid. Es muß grausam sein, als Kind allein unter Engeln zu leben.

"Was hast du hier zu suchen?" Sevothtartes eiskalte Stimme ließ mich zusammen zucken. Der Typ macht mir allmählich Angst.

"Nichts besonderes. Ich habe mich nur verlaufen." Puh, hoffentlich merkt der nicht, wie sehr mir inzwischen die Knie zittern. Trotz der Sonne begann ich zu frieren. Die Sache kann böse enden!

"Dir sollte bewußt sein, das du hier nichts zu suchen hast! Dennoch würde es mich interessieren, wie es dir gelungen ist den Hasen aus dem Wasser zu holen." Wieso hinterfragen Engel eigentlich immer offensichtliche Tatsachen? Eine echt dumme Angewohnheit.

"Sehe ich etwa so aus, als hätte ich auf einer Sonnenbank gelegen?! Wie man deutlich erkennt bin ich klatschnaß und das liegt wohl hauptsächlich daran, daß ich ins Wasser gesprungen bin! Oder hast du eine andere Erklärung Sevi-chan?" Zu spät registrierte ich, das ich mir die letzte Bemerkung doch besser verkniffen hätte. Ein mörderischer Schlag traf mich in der Magengegend und ich wurde ins Wasser geschleudert. Zu meinem Glück lag ich nur zur Hälfte drin sonst wäre ich abgesoffen. Mein Blut floß ins Wasser und verfärbte es dunkelrot. Ich versuchte wieder hoch zukommen, was sich als äußerst schwierig erwies. Der Blutverlust schwächte mich zusehends. Endlich war ich wieder draußen und zog auch direkt die Nadel aus meinen Bauch.

"Lüge niemals einen Engel an!" Seine Stimme klingt ja ziemlich drohend, doch ich bin mittlerweile schon zu wütend, um weiterhin vorsichtig zu sein. Dieses Mal nicht! Entschlossen hob ich den Blick und sah ihm direkt in die Augen.

"Was soll der Mist!? Ich habe nichts weiter getan, als einem Kind sein Plüschtier wiederzuholen!" Sein lautes Lachen scholl mir entgegen und mir lief es eiskalt den Rücken runter. Noch schlimmer als das von Rociel!

"Hast du wirklich vor gar nichts Angst!? Warum glaubst du wohl, hat keine der Sisters den Hasen aus dem Wasser geholt?!" Jetzt wird es mir endgültig zu bunt! Wenn meine Wunden nicht bald versorgt werden, ist die Kraft des Kreuzes beziehungsweise meine eigene bald für jeden hier sichtbar und das ist jetzt das Allerletzte, was ich will!

"Ich dachte, das sie wohl nicht schwimmen können und was die Angst angeht, ich hatte schon vor Rociel-chan keine, also warum sollte ich dann vor dir welche haben?" Zufrieden nickte er, das scheint genau die Antwort zu sein, die er haben wollte. Unter den Umstehenden begann Gemurmel, sie schienen etwas zu wissen, das ich noch nicht wußte und ich bin auch nicht scharf darauf zu erfahren, um was es da geht, da es mir garantiert nicht gefallen wird.

"Genug jetzt!" Sein Blick ruhte erneut auf mir. Dieses verräterische Glitzern in seinen Augen gefällt mir ganz und gar nicht.

"Du hast etwas entdeckt, das niemand hätte sehen sollen und da du zudem noch freiwillig in den See der Stille gesprungen bist, wird sich niemand wundern, wenn wir nur noch deine Leiche finden konnten." Das ist eindeutig kein Scherz! Er will mich töten und niemand wird versuchen ihn jetzt noch daran zu hindern. Verdammt noch mal! Ohne Hilfe werde ich hier wohl nicht mehr lebend rauskommen. Shit, dann ist alles vorbei. Warum? Warum nur hat Rociel mich hierher gebracht? Verdammt noch mal! Meine Argumente, warum ich niemals in den Himmel wollte sind doch wohl ziemlich eindeutig gewesen! Die Uniformierten machen auch nicht gerade den Eindruck, als würden sie versuchen Sevi an seinem Vorhaben zu hindern. Allerdings haben sie einen Blick drauf, der darauf schließen läßt, das sie mit mir lieber noch anderes machen würden. Sieh mal einer an und ich dachte so etwas sei im Himmel verboten.

"Vergißt du da nicht etwas?" Irgendwie muß ich ihn ja hinhalten, bis mir eine Idee kommt wie ich es doch noch schaffe hier lebend zu verschwinden. Shit, er hat wirklich gut vorgesorgt! Selbst der Weg zum Wasser ist abgeschnitten. In mir krabbelte Nervosität hoch. Das gefällt mir ganz und gar nicht!

"Du meinst Rociel? Nur keine Sorge, er weiß ebenfalls, daß es bis jetzt noch niemand überlebt hat im See der Stille zu schwimmen. Er wird also garantiert keine Fragen stellen. Allerdings solltest du dir langsam wirklich Gedanken um deine Gesundheit machen, du siehst blaß aus. Glaube mir, ich für meinen Teil werde es auf jeden Fall genießen!" Mit seinen letzten Worten traf mich eine Energiewelle, die mich quer durch etliche Büsche schleuderte, bis ein Baumstamm die Kugelei abprubt beendete. Die Zweige rissen mehrere Wunden in meine Beine. Ein paar Rippen sind garantiert auch noch gebrochen! Es gelang mir nicht mehr einen Schmerzensschrei zu unterdrücken. Ich schmeckte Blut in meinen Mund und das langsam an meinen Mundwinkeln entlang floß. Jeder Atemzug und jede Bewegung brachte höllische Schmerzen mit sich und so blieb mir nichts anderes übrig als bewegungslos liegen zu bleiben. Durch die entstandene Schneise näherte sich mir Sevothtarte. Nichts liegt mir ferner, als jetzt hilflos am Boden zu liegen, doch es gelingt mir einfach nicht aufzustehen. Shit! Sichtlich triumphierend blieb er ein paar Meter vor mir stehen. Inzwischen ist es mir wenigstens gelungen mich hin zu knien, doch als ich versuchte mich hochdrücken breitete sich sofort ein stechender Schmerz in meinen Beinen aus und es gelang mir gerade noch den Sturz mit den Händen abzufangen. Zur Hölle damit! Meine Schulter bringt mich fast um! Nach Luft ringend ließ ich mich gegen den Baumstamm sinken. Ein Blick auf meinen linken Arm zeigte mir deutlich, das die Wunde nicht mehr ohne war. Aus ihr floß ein Blutstrom am Arm herunter, der langsam im Gras versickerte. Mit meiner anderen Hand versuchte ich die Blutung zu stoppen und merkte, das ich inzwischen auch eine klaffende Wunde am Bauch hatte. Scheiße! Das muß bei der Kugelei durchs Gebüsch passiert sein! Meine Beine sehen auch nicht viel besser aus. Fast so, als wäre ich durch drei Rollen Stacheldraht gerannt. Haßerfüllt sah ich ihn an. Sollte er mich wirklich töten, dann steht ihm die größte Überraschung seines Lebens bevor. Wenigstens diese Hoffnung habe ich noch. Nur kann man es nie wieder rückgängig machen. Irgendwie schaffte ich es doch noch zu einem Lächeln, bevor mich der nächste Schlag ins Gesicht traf. Geistesgegenwärtig riß ich die Arme hoch, doch es milderte ihn kaum ab. Erneut wurde ich durch die Luft geschleudert und landete äußerst unsanft auf dem Rasen. Eigentlich habe ich noch mal Glück gehabt. Ein paar Meter weiter und ich wäre wieder im Wasser gelandet und ertrunken. Dieses Mal schaffte ich es beim allerbesten Willen nicht mehr hochzukommen. Bei dem Sturz muß ich mir die Knöchel verstaucht oder gebrochen haben. Erschöpft blieb ich im Gras liegen. Der nächste Schlag wird mich erledigen. Ich werde ihm aber nicht den Gefallen tun und um Hilfe rufen, obwohl jede Faser meines Körpers danach schreit. Der Geruch des Grases mischte sich mit dem meines Blutes, während sich seine Schritte unaufhörlich näherten. Verdammt, ich habe ihn unterschätzt! Sich so offensichtlich gegen Rociel's Befehl zu stellen habe ich ihm nicht zugetraut und dafür zahle ich jetzt den Preis. Es ist wirklich schon zu lange her, das ich mich gegen Engel verteidigen mußte.

"Das war es dann Mensch!" Ich ahnte den Schlag mehr, als das ich wahrnahm. Auf einmal gab es ein fürchterliches Getöse und Unmengen von Wasser ergossen sich über mich. Keiner der Anwesenden schien trocken zu bleiben, doch ich nahm es nur noch am Rande wahr. Super, jetzt saufe ich also doch noch ab. Der Blutverlust ist inzwischen zu hoch und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ich endgültig das Bewußtsein verliere. Ein dunkler Ring legte sich um mich und hinderte Sevothtarte daran mich weiter anzugreifen. Erleichtert atmete ich auf. Scheinbar bin ich für den Augenblick gerettet. Etwas stupste mich an und ich hob langsam den Blick. Es ist zwar alles verschleiert, doch mich sah eindeutig der Kopf einer Schlange oder eines Drachen an. Riesige, braune Augen in denen deutlich Sorge und Kummer zu sehen sind. Sie kommen mir so vertraut vor...

"Ich danke dir... Remiriel." Keine Ahnung, wie ich gerade auf diesen Namen komme, doch ich weiß, das es der Richtige ist. Danach gingen bei mir sämtliche Lichter aus.

Langsam kam ich zu mir und wieder hatte ich keine Ahnung, wo ich mich eigentlich befand. Was ist eigentlich passiert? Remiriel, dieser Name kommt mir so gottverdammt vertraut vor...

Das wird ja immer besser! Ich darf nicht versuchen mich zu erinnern! Die Folgen sind nicht auszudenken! Hmm, meine Wunden schmerzen nicht mehr, also hat die Selbstheilung schon begonnen. Zufrieden setzte ich mich auf und stellte fest, das alle meine Wunden versorgt worden waren. Sogar um meinen Kopf legt sich ein Verband. Tja, nur habe ich jetzt bis auf meinen Slip nichts weiter mehr an. Das ist zwar das kleinste Übel, aber ich hüllte mich dennoch in eine Decke, da mir alles andere als warm war. Scheinbar genau im richtigen Moment, denn es klangen Schritte auf. Ein Priester näherte sich mir. Dieses Mal machte ich mich direkt bemerkbar und ging auf ihn zu.

"Ah, du bist wach! Allerdings solltest du noch liegen bleiben." Entschieden schüttelt ich den Kopf.

"Das ist wirklich nicht nötig. Es geht mir wieder ganz gut." Schmerzende Knöchel und ein protestierender Brustkorb belehrten mich zwar eines Besseren, aber was solls?

"Das glaube ich dir zwar nicht, aber du mußt wissen, was du tust. Hier, ich habe dir etwas zum Überziehen mitgebracht." Er drückte mir einen Bademantel in die Hand und ich bemerkte, das er blind war. Seine Pupillen waren völlig leer! Trotzdem drehte ich ihm den Rücken zu, als ich den Bademantel überstreifte. Das Ding ist mir zwar ein paar Nummern zu groß, aber unheimlich kuschelig.

"Wie bin ich eigentlich hierher gekommen?" Er antwortete nicht sofort sondern führte mich in eine Art Wohnzimmer und ich nahm auf einem Stuhl schräg neben ihm Platz. Momentan kann mich nichts mehr wirklich überraschen oder beunruhigen, auch nicht sein geheimnisvoller Gesichtsausdruck, den ein Lächeln ziert.

"Wie wäre es mit einem Tee?" Mir wäre eine Antwort auf meine Frage zwar lieber, aber das hört sich auch gut an. Nach all dem kalten Wasser ist das bestimmt genau das Richtige und ich stimmte zu. Sofort war er verschwunden und kam sehr schnell wieder, allerdings ohne Tee. Als ich ihn danach fragte begann er zu lachen.

"Keine Sorge, ich habe ihn nicht vergessen. Es dauert zwar noch etwas, aber er kommt." Na dann laß ich mich mal überraschen. Wir gerieten ins Gespräch und ich erfuhr, daß mich irgend ein seltsames Wesen beschützt hatte, so das er Gelegenheit bekam Sevothtarte an einer riesen Dummheit zu hindern. So drückte er sich wenigstens aus und ich konnte dem nur zustimmen. Leise öffnete sich die Tür. Jemand trat ein und murmelte irgend etwas unverständliches vor sich hin. Klang in etwa wie 'ich bin doch kein Dienstbote', aber ich kann mich auch irren.

"Ah, Raziel-kun!" Verwundert betrachtete ich den blonden Jungen, der gerade hereingekommen war und vorsichtig ein Tablett mit Tee balancierte.

"Nenn mich nicht dauernd Raziel-kun! Was hast du dir eigentlich dabei gedacht, Zaphikel?! Sevothtarte kocht vor Wut!" Der Priester heißt also Zaphikel und er wirkt kein bißchen betroffen. Ich glaube dem Kleinen sofort, das Sevi vor Wut kocht, schließlich lebe ich noch. Er stellte das Tablett auf den Tisch und schenkte jedem von uns einen Tee ein. Er schien sich immer noch über sein Gegenüber aufzuregen doch sagte nichts weiter und nippte an seinem Tee. Ich tat es ihm gleich und war sichtlich überrascht. Der Tee schmeckt phantastisch!

"Wahnsinn! Raziel-chan, das ist der beste Tee, den ich jemals getrunken habe!" Er lief rot an und stotterte ein Danke, worauf hin Zaphikel in schallendes Gelächter ausbrach. Genüßlich widmete ich mich wieder dem Tee und konnte mir ein Lächeln mehr nicht verkneifen. Das Zeug schmeckt einfach zu gut!

"Shao-san, du schaffst es wirklich jeden auch noch so besonnenen Engel aus der Fassung zu bringen." Vorlauter Schreck hätte ich mich fast an dem Tee verschluckt und den Rest auf dem Tisch verteilt. Soweit ich mich entsinnen kann habe ich meinen Namen bis jetzt mit keiner Silbe erwähnt. Woher kennt er ihn dann?

"Oh sag bloß, du weißt nicht, daß es sich wie ein Lauffeuer verbreitet, das du in Yetzirah bist. Es gibt hier viele Fans von White Demon Feather. Raziel ist übrigens auch einer davon. Er hat alle eure Platten und hört sie andauernd, nur leider immer viel zu laut. Meine Ohren sind da ziemlich empfindlich, auch wenn mir eure Musik ansonsten gefällt. Ein Lob von dir bedeutet ihm wirklich viel."

"Zaphikel!!" Raziel war hochrot angelaufen und aufgesprungen. Scheinbar ist es ihm peinlich. Verwundert sah ich ihn an.

"Ein Fan von mir!?" Ich kann es immer noch nicht glauben, das Engel zu unseren Fans gehören sollen und unsere Songs mögen.

"Ja nun ich... also... äh..." Langsam glitt er zurück auf seinen Stuhl und suchte nach den passenden Worten. Jetzt konnte ich das Lachen wirklich nicht mehr länger zurückhalten. Meine Rippen schmerzen dabei zwar immer noch, aber ertragbar. Zaphikel ergriff wieder das Wort.

"Stimmt es eigentlich, das Rociel dich zwingt hierzubleiben?" Sofort wurde ich wieder ernst.

"Ja." Daran erinnert zu werden dämpft meine Stimmung ganz gewaltig. Raziel hingegen strahlte nur so vor Freude und schenkte mir noch etwas Tee nach. Gedankenverloren beobachtete ich Dampfwolken, die aufstiegen und immer blasser wurden, je höher sie kamen.

"Ich hatte leider eine wichtige Konferenz und konnte deshalb nicht selbst anwesend sein. Man munkelt, du hattest einem Engel das Leben gerettet." Mein Gott selbst hier verbreiten sich Gerüchte schneller, als einem lieb sein kann.

"So in etwa, das ist auch der Grund, warum ich noch eine Weile hierbleiben werde." Zufrieden nickte Zaphikel und ich trank wieder etwas von meinem Tee. Die ganze Situation kommt mir suspekt vor. Ich habe absolut keine Ahnung, in wie weit ich den Beiden trauen kann. Ach was solls, so schlimm ist es hier ja auch wieder nicht. (Kein Rociel weit und breit.)

"Du weißt doch, das er ein Attentäter ist, oder?" Ich setzte die Tasse ab und sah ihn direkt an. "Nein, das glaube ich nicht! So wie die Sache aussah ist er viel eher ein Mitglied der Anima Mundi. Bei einem gewöhnlichen Attentäter hätten sie niemals so eine Hetzjagd veranstaltet, sondern einfach kurzen Prozeß gemacht und ihn erschossen. Die Gelegenheit dazu hatten sie alle Mal." Mit einem lauten Klirren fiel Raziels Tasse auf den Boden. Schade um den Tee.

"Woher weißt du etwas von der Anima Mundi?!" Sein Gesicht war leichenblaß und er sah mich entsetzt an. Habe ich was Falsches gesagt? Ein Blick auf Zaphikel zeigte mir, das auch er reiflich überrascht zu sein schien. Nur zeigte er es nicht ganz so deutlich.

"Mir hat ein guter Freund einmal etwas über eine geheime Organisation mit diesem Namen erzählt, die vorhat sich gegen Sevothtartes Herrschaft aufzulehnen. Daher weiß ich es." Zufrieden trank ich wieder meinen Tee. Bin ja mal gespannt, was als Nächstes passiert.

"Dafür, daß du keine besonders hohe Meinung von Engeln hast, bist du erstaunlich gut informiert."

"Ja, scheint so. Übrigens Zaphikel, woher wußtest du eigentlich, wo ich war?" Es ist mir erst jetzt richtig bewußt geworden, das es niemand wissen konnte, bis auf einen und nebenbei ist es auch noch ein guter Themawechsel.

"Jemand hat mir eine Nachricht zukommen lassen, das etwas äußerst wichtiges im Wassergarten vor sich ginge. Ach so, ich soll dir noch etwas geben." Er begann in seinen Taschen zu wühlen und reichte mir einen zusammengefalteten Zettel. Allem Anschein nach eine Nachricht von Rociel wegen meines Verhaltens. Seufzend faltete ich ihn auseinander und sofort begann ich zu lächeln. Dort stand nur ein einziger mit Computer geschriebener Satz.

 

JETZT SIND WIR WIRKLICH QUITT

"Wer hat dir das gegeben?" Ich deutete auf den Zettel.

"Ich weiß es nicht. Er lag bei der Nachricht, mit der Bitte ihn dir zu geben. Angeblich wüßtest du, was gemeint ist." Oh ja und ob ich das weiß. Mein Engel gibt mir die Chance ohne Gewissensbisse zurück nach Assia zu kommen. Denkt er wirklich, das wäre so einfach?

"Spinner!" Genauso gut kann er sich selbst umbringen.

"Du meinst doch wohl hoffentlich nicht mich." Erstaunt sah ich Zaphikel an. Was meint er bloß? "Ah, ich merke schon, du hast nur laut gedacht!" Sofort begann er zu lachen. Was ist daran denn jetzt so lustig?!

"Äh, Deshon-san stimmt es, das du für Rociel gesungen hast, wie noch nie ein Mensch jemals zuvor?" Raziel hatte mittlerweile seine Sprache wiedergefunden und sah mich erwartungsvoll an.

"Ja, aber nur, weil mir keine andere Wahl blieb. Hey und nenn mich nicht Deshon-san. Ich heiße Shao." Erstaunlich, er wird schon wieder rot. Täusche ich mich oder liegt das an mir.

"Du mußt wissen, daß er sehr enttäuscht ist, daß er das verpaßt hat." Zaphikels Kommentar vertiefte den Rotton nur noch mehr. Betreten schaute Raziel zu Boden. Jetzt reicht es mir langsam, das ist ja nicht mehr zum Aushalten! Entschieden stand ich auf und zwang ihn mich anzusehen.

"Wenn das so ist, dann sollte ich dir vielleicht auch eine Kostprobe von dem geben, was ich jahrelang versteckt habe." Er sah mich irritiert an und wendete den Blick sofort wieder ab. Der Farbton wurde noch intensiver. So schüchtern kann auch nur ein Engel sein! Genervt pustete ich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und ließ ihn los.

"Rück mit der Sprache raus! Wo liegt das Problem? Es kann unmöglich normal sein, daß du jedesmal, wenn ich mit dir rede aussiehst wie eine überreife Tomate." Scheinbar habe ich den Nagel auf den Kopf getroffen, denn er funkelte mich an. Leider ist es auch schnell wieder vorbei. Ratlos hob ich die Hände. Dem Knaben ist einfach nicht zu helfen. Inzwischen war auch Zaphikel aufgestanden und hatte sich neben uns gestellt. Meine Knöchel begannen zu schmerzen und so setzte ich mich vorerst auf den Tisch.

"Vielleicht kann ich dir das erklären." Puh, es scheint ein echtes Glück zu sein, das ich sitze. Solche Dinge dauern bekanntlich immer etwas länger.

"Hier im Himmel sind weibliche Engel in der Minderheit und auch ihr Ansehen genießt nicht gerade den besten äh, wie drücke ich es am Besten aus... Ruf?"

"Warte mal einen Moment." Hier mußte ich ihn einfach unterbrechen.

"Willst du damit etwa sagen, das sein merkwürdiges Verhalten einzig und allein an der Tatsache liegt, das ich eine Frau bin?!" Er nickte kurz und fuhr fort.

"Und eine ziemlich ungewöhnliche dazu." Na super, da kommt also noch einiges auf mich zu.

"Das ist es nicht!" Nanu, der Kleine kann ja richtig energisch werden.

"Es liegt daran, das... äh..." Drei Jahre später!

"Der Bademantel ist offen!" Sofort würde er wieder knallrot und ich stellte fest, daß er recht hatte. Wann ist das Ding bloß aufgegangen? Sorgsam schloß ich ihn wieder und verbiß mir mühselig das Lachen, ganz im Gegensatz zu Zaphikel.

"Das muß dir nicht peinlich sein! Du kennst doch bestimmt auch unsere Videos und da laufen wir ab und zu mit noch weniger rum. Hey, Zaphikel in wie weit weiß man eigentlich, wo ich bin?"

"Wie? Ach so, nun ja wir beide, Rociel und Sevothtarte. Mach dir also keine Sorgen." Mir wird auf einmal ganz flau im Magen. Ich mache mir nämlich welche. Sevothtarte weiß also, wo ich bin, da kann man ja nur schlimmes ahnen. Scheinbar sah man mir an, woran ich dachte, denn Raziel meldete sich wieder zu Wort.

"Du brauchst dir wirklich keine zu machen. Hier bist du sicher." Er scheint ziemlich überzeugt zu sein von dem, was er sagt. Nur beruhigt mich das keineswegs. Yetzirah ist einfach nicht der geeignete Ort, wo ich mich jemals wohl fühlen werde. Nun gut, daran läßt sich momentan nichts ändern, aber ich fühle mich wieder richtig erfrischt. Mit etwas Schwung glitt ich vom Tisch und machte mich auf den Weg zu einer Tür, durch die Zweige hindurch schimmerten. Gelassen schob ich sie beiseite und setzte mich auf den Boden des überdachten Durchgangs. Die Luft hat sich zwar etwas abgekühlt, aber sie ist dennoch angenehm warm und vereinzelt blitzen die Strahlen der Sonne durch die Zweige der Bäume hindurch. Nach meiner Schätzung wird sie wohl in etwa zwei Stunden völlig verschwunden sein. Ich lehnte mich zurück und zog die Beine etwas an. Dieser Garten gefällt mir, es ist so friedlich und ruhig. Mit geschlossenen Augen lauschte ich dem Rauschen der Blätter, die sich in einem kaum merklichen Windhauch hin und her bewegten. Von irgend woher hörte man das Plätschern eines Wasserlaufs oder Springbrunnens. Seltsam nur, das keine Vögel zu hören sind, wo sie doch solche Orte ebenso sehr lieben wie ich. Schritte näherten sich mir und ich schob diesen Gedanken vorerst beiseite. Langsam hob ich den Kopf und öffnete meine Augen wieder. Es war Raziel der vor mir stand und krampfhaft eine Decke mit beiden Händen festhielt. Ich frage mich nur warum? Die Antwort folgte sehr schnell. Ohne viel Aufhebens legte er sie mir um die Schultern und ließ sich neben mich sinken, den Blick ebenfalls auf in Garten gerichtet.

"Zaphikel mußte plötzlich zu einer dringenden Konferenz und hat mich gebeten solange auf dich aufzupassen." Jetzt bin ich echt baff. Seit wann sehe ich aus wie jemand, der sich nicht wehren kann? Nun gut, Zaphikel hat ihn bestimmt nicht ohne Grund darum gebeten und solange ein Zeuge anwesend ist, wird Sevothtarte es wohl nicht wagen wieder Hand an mich zu legen.

"Danke, das ist lieb von dir." Ich lächelte ihn an und als er den Blick wendete schoß ihm schon wieder das Blut in die Wangen. Was mich endgültig zum Lachen brachte.

"Du machst dich lustig über mich! Hör schon auf damit." Seine anfängliche Empörung wich einem Lächeln, als ich es mal so eben schaffte für zwei Sekunden nicht zu lachen, sondern ihm zu antworten.

"Sorry, aber ich bin es einfach nicht gewöhnt, das ein Engel in meiner Nähe dauernd rot wird. Siehst du, schon wieder!" Ihm lag scheinbar schon eine Antwort auf den Lippen, doch in diesem Moment merkte er selbst, das er rot wurde und ließ sich von meinem Lachen anstecken.

"Ich muß mich für mein Verhalten entschuldigen. Es liegt wohl daran, daß ich bis jetzt einen völlig anderen Eindruck von dir hatte. Nicht so fröhlich und lebhaft. Bei euren Auftritten verhältst du dich so anders, eher kalt und unnahbar fast so, als wärst du ein völlig anderer Mensch." Oh ja, ich weiß nur zu gut, was er meint. Die Bühne war immer der sicherste Ort für mich gewesen, um einen Teil meiner Gefühle und meines wahren Selbst freien Lauf zu lassen und doch ist es doch nur ein müder Schatten dessen, was ich einst war und wohl nie wieder sein werde. Deshalb wirkt es auf viele wohl so, als könnte man sich mir nicht nähern, da ich nie jemanden wirklich an mich heranließ. Mir Ausnahme von Katan, der als Einziger mehr weiß als alle Anderen. Die Gefahr, das ansonsten jemand etwas bemerken würde ist einfach zu hoch. Er bemerkte, das ich über seine Worte nachdachte und fuhr fort.

"Es gab einmal ein interessantes Interview mit deiner Band. Jedes Mitglied wurde von dem Reporter einzelnd befragt und alle gaben sie auf eine Frage dieselbe Antwort.

>Da bin ich überfragt. Sie ist so vielschichtig, das niemand mit Sicherheit behaupten kann sie wirklich zu kennen. Allerdings finde ich, das jeder das Recht auf sein persönliches, kleines Geheimnis hat. Doch wenn sie eine Antwort haben möchten, dann sollten sie Shao selber fragen.<

Die Frage war sehr interessant und ich habe sie mir auch noch sehr oft gestellt, um herauszufinden, wie eine mögliche Antwort darauf aussehen könnte. Warte mal, die Frage war:

>Was ist eigentlich das Geheimnis von Shao, was ist es, das so viele Menschen zu begeistert?<

Diese Frage hat eine Menge Staub aufgewirbelt und es gab enorm viele Vermutungen über die möglichen Antworten, doch du hast dich nie dazu geäußert, was nun der Wahrheit entsprach und was frei erfunden wurde. Warum eigentlich?" Oh, ich erinnere mich nur zu gut an dieses Interview. Wir hatten es gegeben, kurz bevor Katan mir erklärte, das er ein Engel sei und danach stand mir der Sinn wirklich nicht mehr nach Aufklärung und Wahrheit. Schließlich hatten sich dadurch schon genügend andere Probleme ergeben!

"Möchtest du denn eine Antwort auf diese Frage?" Er sah mich perplex an. Damit hat er scheinbar nicht gerechnet und um ehrlich zu sein ich bin selber überrascht, das ich überhaupt auf die Idee komme ihm davon zu erzählen.

"Ja schon, aber ich dachte immer, du wolltest sie nicht beantworten." Lächelnd schüttelte ich den Kopf.

"Das glauben viele, aber ich hätte sie beantwortet, nur haben sie mich nie gefragt." Das Fragezeichen über seinem Kopf ist nicht mehr zu übersehen, doch er sagte keinen Ton. Inzwischen hatte ich meine Beine umschlungen und mein Kinn auf meine Knie gestützt, den Blick wieder in den Garten gerichtet.

"Niemand kennt mich wirklich. Nicht einmal ich selbst. Die Einzigen, die es vielleicht wußten verschwanden vor langer Zeit aus meinem Leben und seit diesem Tag ging jegliche Erinnerung an alles was vorher gewesen war allmählich verloren. Wofür ich sehr dankbar bin. Meine größte Befürchtung ist, das ich mich eines Tages wieder an alles erinnern werde und daran endgültig zerbreche. Nichts wird mir jemals diese Angst nehmen können, denn ohne Grund kann ich nicht alles vergessen haben und so begann ich damit jeden Tag so zu leben, als wäre es mein letzter." Es ist haargenau dieselbe Antwort, die ich mir damals zurechtgelegt hatte und dem Reporter im Interview gegeben hätte. Er wäre wohl genauso erstaunt gewesen, wie es Raziel jetzt ist. Ein Blick auf Raziel verriet mir, das er tief in Gedanken versunken war, denn er betrachtete grübelnd den Garten.

"Diese Antwort... sie hat etwas mit deinen Eltern zu tun, oder?" Sofort legte sich ein Schatten auf meine Seele. Es tut jedesmal aufs neue weh an sie zu denken.

"Wie kommst du darauf?" Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen, doch meine Stimme wurde seltsam kühl. Sein Blick wendete sich und haftete nun wieder auf mir.

"Es ist nur... du hast noch nie über sie gesprochen. Nirgendwo gibt es auch nur den geringsten Hinweis darauf, ob sie leben oder schon gestorben sind. Das ist eines deiner größten Geheimnisse und dabei sind sie doch bestimmt stolz auf dich. "Er ist wirklich ein Fan und so erstaunlich gut informiert. Um all das zu wissen muß er fast alles gelesen haben, was je über uns geschrieben würde.

"Nein." Ich schüttelte den Kopf und lehnte mich wieder zurück, den Blick zu ihm wendend.

"Sie können nicht stolz auf mich sein." In seinen Augen spiegelte sich purer Unglauben und er wollte etwas erwidern, doch ich hinderte ihn daran.

"Nicht, laß mich ausreden. Ich weiß nicht, warum ich ausgerechnet jetzt und an diesem Ort darüber sprechen möchte, aber ich denke, das du die Wahrheit verdient hast." Mein Blick hob sich zur Decke und ein bitteres Lachen löste sich von meinen Lippen.

"Schon wieder... weshalb nur? Schon wieder ein Engel, dem ich meine Sünden beichte..." Es ist so völlig absurd gerade einem Engel davon erzählen zu wollen und doch habe ich es schon einmal getan. Nur ist und bleibt Katan eine Ausnahme. Wir bedeuten uns zuviel. Warum flößt mir dieser junge, blauäugige Engel, dann fast dasselbe Vertrauen ein? Ich wendete den Blick wieder. Man konnte ihm ansehen, das er kein Wort von dem begriff, was ich gerade gesagt hatte.

"Deine Augen, daran liegt es wohl. Sie sind aufrichtig und spiegeln das Innerste deiner Seele wieder. In ihnen erkenne ich, daß du ehrlich bist und ich dir deshalb davon erzählen kann, ohne es hinterher zu bereuen." Ich machte eine Pause und dachte darüber nach, wie er wohl reagieren würde, wenn ich ihm alles erzähle. Nein, die ganze Wahrheit soll ein Geheimnis bleiben, das tief in meinem Inneren schlummert und niemals mehr erwachen wird.

"Wie kannst du so etwas in meinen Augen sehen?" Er riß mich aus meinen Gedanken. Eigentlich hatte ich nicht vor ihm darauf zu antworten, doch sein verwirrtes Gesicht sorgte dafür, das ich es trotzdem tat.

"Das ist sehr einfach. In unserer Branche muß man ein sehr guter Menschenkenner sein, um nicht unterzugehen. Wenn man nicht sicher weiß, wem man trauen kann, dann ist man verloren und hier gilt quasi dasselbe Prinzip. Weißt du man sagt, das sich in den Augen der Menschen das innerste ihrer Seele widerspiegelt und wenn man das weiß, dann kann man sehr leicht herausfinden wem man trauen kann und wem nicht. Es braucht zwar etwas Übung, bis man es völlig beherrscht, aber eigentlich kann jeder es lernen." Seine Augen weiteten sich vor Staunen.

"Soll das heißen, du vertraust mir?!" Ich nickte kurz und er sprach sofort weiter.

"Aber ich denke, du magst keine Engel und würdest ihnen niemals Vertrauen schenken! Trotzdem war es Rociel, der dich hierher gebracht hat und mit Zaphikel scheinst du dich auch gut zu verstehen. Erkennst du in ihren Augen auch etwas, das dein Vertrauen weckt?" Seine Naivität und Logik sind bewundernswert. Kopfschüttelnd stand ich auf und ging ein paar Schritte. Die Decke hing immer noch lose über meinen Schultern. Entspannt lehnte ich mich an einen der Dachträgerpfosten und zog die Decke enger um mich. Die Wärme ist angenehm.

"Was ich in ihren Augen sehe... hmm..." Er soll seine Antwort bekommen.

"Zaphikel scheint früher ganz anders gewesen zu sein. Ich bin mir sicher, das er nicht sein ganzes Leben lang blind war. Es kann sein, das gerade, weil er sein Augenlicht verlor, sich seine gesamte Persönlichkeit änderte. Ansonsten glaube ich, kannst du ihm vertrauen, doch ob das auch für mich gilt ist fraglich. Bei Rociel ist das etwas ganz anderes. Seine Augen... klare, goldene Augen, die keinerlei Gefühle zeigen. Scary eyes..." Mich fröstelt bei diesem Gedanken ich schlang die Arme um meinen Körper und führte die Textzeile zuende.

"Scary eyes, where is no feeling left... sorry, aber anders kann ich es nicht beschreiben. Seine Kälte macht mir keine Angst, aber seine Gleichgültigkeit allem Lebenden gegenüber. Nichts scheint ihn mehr zu interessieren, als er selbst, außer vielleicht..." In meinem Innern tauchte ein Bild auf, wie er schmerzvoll zum Himmel hinauf blickte und nichts um sich herum zu bemerken schien. Ich verdrängte es wieder. Es ist zu absurd, denn kaum zwei Minuten später hatte er mich fast über die Brüstung des Dachs befördert.

"Nein, vergiß es! Da ist nichts." Im selben Augenblick wurde mir klar, das ich gelogen habe. Ich weiß sehr wohl, was ihm fast ebensoviel bedeutet. Es ist Katan, auch wenn er das nicht zeigt. Weshalb ist der eigentlich noch nicht in meiner Nähe aufgekreuzt? Er müßte doch ebenfalls wissen, das ich hier bin. Na, wahrscheinlich kann er sich nur zu gut ausrechnen, das ich alles andere als begeistert davon bin hier zu sein und läßt sich deshalb nicht sehen. Dieses Mal wird er mir nicht so einfach davon kommen und Rociel ebenfalls nicht! Nur bin ich vorher Raziel noch eine Antwort schuldig.

"Nein! Vertrauen kann man es keinesfalls nennen. Rociel läßt mich nur am Leben, das ist schon alles. Wir sind eigentlich eher so etwas wie Feinde. Was meine Eltern angeht... es gibt tatsächlich einen Grund, warum ich nicht über sie spreche... als ich noch sehr jung war, wurden sie vor meinen Augen ermordet." Ich hörte, wie er aufsprang und auf mich zukam. Als ich den Blick wendete konnte ich die Tränen in seinen Augen sehen, die er mühsam zurückhielt.

"Es tut mir leid, ich hätte nicht fragen sollen. Der Grund hätte mir eigentlich klar sein müssen." Seinen Lippen bebten und er senkte den Blick zu Boden.

"Mach dir darüber keine Gedanken. Niemand wußte es. Was würde das schon ändern? Die Wunden sind zwar mit der Zeit geheilt, aber sie haben tiefe Narben zurück gelassen, die immer schmerzen werden und daran wird auch der beste Arzt nichts mehr ändern können. Warum also Andere damit belasten und in Gefahr bringen?" Er hob den Blick wieder und sah mich fassungslos an. Die Tränen in seinen Augen hatten sich inzwischen ihren Weg gebahnt und liefen über seine Wangen.

"Nicht einmal deine Familie?" Ich schüttelte kurz den Kopf und wendete den Blick wieder ab. Es ist wesentlich leichter in den Garten zu blicken, als in seine traurigen Augen. Meine eigenen Gefühle überschwammen mich und ich kämpfte mit mir selbst. Bin ich schon zu weit gegangen?

"Wieso nur? Sie hatten doch ein Recht darauf zu erfahren, was passiert ist. Warum hast du ihnen nichts gesagt?" Er kommt einfach nicht darauf. Ein schmerzliches Lächeln legte sich auf meine Lippen, bevor ich ihm antwortete.

"Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als das ich es könnte, aber sie erfuhren es noch am gleichen Tag. Es nutzte ihnen nur nichts, denn sie verloren im selben Augenblick ihr Leben. Ich war und bin die Einzige, die überlebt hat." Dieses Mal mußte ich meine Tränen und Wut bekämpfen, um nicht laut aufzuschreien, als die verschwommen Bilder von einst wieder aufkeimten. Selbst die Jüngsten, die noch in den Wiegen gelegen hatten starben einen grausamen Tod. Meine Hände verkrampften sich in der Decke und ich begann zu zittern.

"Wer tut so etwas?" Seine Stimme war voll von Entsetzen. Ein trockenes Lachen drang aus meiner Kehle.

"Wenn ich es dir sage, dann würdest du es niemals glauben." Ein kurzer Blick zur Seite verriet mir, das er blaß geworden war. Scheinbar ahnt er, wen ich meine. Ein kurzes Aufblitzen in den Bäumen ließ mich handeln. Noch bevor Raziel überhaupt reagieren konnte, hatte ich ihn zu Boden geworfen und lag über ihm. Keine Sekunde zu früh, denn kaum einen Lidschlag später zischte etwas über unsere Köpfe hinweg und bohrte sich in die Wand. Puh, das ist knapp gewesen. Keine Ahnung, wer getroffen werden sollte, aber ich bin mir ziemlich sicher, das es der Schütze noch einmal probieren wird.

"Hey!!" Vorwurfsvoll sah er mich an.

"Psst!" Um ganz sicher zu gehen legte ich eine Hand über seinen Mund und flüsterte direkt in sein Ohr.

"Egal, was passiert, bleib auf alle Fälle unten liegen! Aus einem der Bäume wurde auf uns geschossen und die warten sicherlich nur auf eine zweite Chance." Ein Blick in seine Augen verriet mir, das er verstanden hatte. Vorsichtig nahm ich die Hand wieder von seinem Mund. Fast gleichzeitig hörten wir hastige Schritte, die sich uns näherten. Nach meiner Schätzung sind es keinesfalls mehr als zwei Personen. Raziel versuchte unter mir wegzukommen, doch mein Gewicht hinderte ihn daran und so ruhte nur sein flehender Blick auf mir. In seinen Augen konnte ich deutlich erkennen, wieviel Angst er hatte. Beruhigend legte ich eine Hand auf seine Schulter und wandte den Blick entschlossen in die Richtung, aus der die Schritte aufklangen. Er entspannte sich etwas. Scheinbar beruhigte ihn meine Bereitschaft zu Kämpfen, obwohl wir angesichts der Situation wohl kaum eine Überlebenschance haben dürften. Nun gut, ihn sollten sie vorerst nicht bemerken, da er so unter mir lag, das man ihn von oben nur schwer erkennen konnte. Mich beruhigt dieser Gedanke. Er ist zwar ein Engel, aber auch noch ein halbes Kind. Ich will ihn nicht mit in meine Probleme hereinziehen. Je näher die Schritte kamen, desto größer wurde meine Anspannung. Noch zwei Meter, ein Meter, ein halber Meter...

Schon standen sie hinter uns. Mit einem Seufzen entspannte ich mich wieder. Noch nie bin ich so froh gewesen Rociel zusehen. Erleichtert lächelte ich ihn an. Die Situation verwirrte ihn scheinbar, denn er gab keinen Ton von sich. Kurz darauf erschien auch Zaphikel und auch er sah ziemlich perplex aus.

"Ist alles in Ordnung?" Shit, fast hätte ich vergessen, das er blind ist und wie gewohnt mit einem Nicken geantwortet.

"Alles in Ordnung!" Langsam richtet ich mich wieder auf und half danach Raziel auf die Beine.

"Ihr habt uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt. Raziels Knie zittern immer noch." Den Vorwurf in meiner Stimme kann selbst Rociel nicht überhören.

"Ich habe keine Ahnung, wovon du redest." Wütend fuhr ich ihn an.

"Was denkst du dir?! Das wir hier nur so zum Spaß auf dem Boden lagen?" Sein Lächeln verriet deutlich, woran er dachte. Entnervt verdrehte ich die Augen und noch bevor er antworten konnte sprach ich weiter.

"Ah ha, und der Schütze im Baum ist dir also auch völlig unbekannt." Sein Blick verfinsterte sich und verriet gar nichts mehr. Na schön, wenn er meint, dann...

Ein Aufschrei ließ mich herumfahren. Mit schreckgeweiteten Augen starrte Raziel auf die Wand, aus der ein silberner Pfeilschaft ragte.

"Was ist passiert?" Zaphikels Stimme klang äußerst besorgt. Raziel war immer noch starr vor Entsetzen und so antwortete ich an seiner Stelle.

"Nichts weiter. Nur ein Pfeil in der Wand." Gelassen ging ich an Raziel vorbei und zog ihn aus der Wand. Lächelnd hielt ich ihm das Teil unter die Nase und begann es zu drehen.

"Siehst du, es ist nur ein gewöhnlicher Pfeil. Kein Grund zur Besorgnis." Auf keinen Fall dürfen sie merken, das ich diese Art von Pfeilen nur zu gut kenne. Mein Verdacht bestätigt sich also. Sie existieren immer noch. Ich verdrängte die aufkeimenden Bilder, sie dürfen es nicht merken! Raziel war immer noch leichenblaß und gab auch weiterhin keinen Ton von sich. Sein Blick fixierte allerdings den Pfeil und flackerte unaufhörlich. Er weiß, was er bedeutet! Im selben Augenblick wurde mein Handgelenk nach hinten gebogen. Wütend wandte ich den Blick ebenfalls um und sah, wie Rociel den Pfeil genau studierte.

"Ein Hunterpfeil." Seine Feststellung ließ nun auch Zaphikel blaß werden.

"WAS?! Raziel!" Besorgt schritt er auf ihn zu, aber er erhielt keine Antwort, stattdessen senkte Raziel den Blick. Mit einem Ruck befreite ich mich aus Rociel's Griff. Was glaubt er, wer er ist?! Okay, dumme Frage.

"Es ist nur eine Warnung, aber das nächste Mal machen sie ernst." Seine Stimme blieb völlig ohne jede Regung und ich frage mich, was wohl in ihm vorgeht.

"Raziel! Was hast du getan?!" Zaphikel hatte ihn an den Schultern gepackt und schüttelte ihn hin und her, aber er bekam keine Antwort. Jetzt werde ich wohl oder übel ein paar Karten offen auf den Tisch legen müssen. Obgleich es mir sehr mißfällt, das Rociel dabei anwesend ist. Vorsichtig legte ich meine Hand auf Zaphikels Schulter.

"Hör auf! Laß gut sein." Sofort fielen seine Hände kraftlos herunter. Dankbar hob Raziel den Blick und versuchte zu lächeln, es ging in einem Schluchzen unter. Meine freie Hand legte sich auf sein Schulter und ich holte tief Luft. Jetzt oder nie, irgendwann werden sie es ohnehin erfahren. Vor allem wenn ich noch länger in Yetzirah bleibe.

"Ich sagte doch, es ist nur ein Pfeil. Wirklich kein Grund zur Besorgnis." Lächelnd versuchte ich ihn aufzubauen, doch seine blauen Augen schwammen nur so in Tränen, als er den Kopf schüttelte. Was haben sie sich dabei gedacht?!

"Wirklich das ist kein Grund." Scheinbar glaubte er mir, denn sein Blick hellte sich etwas auf. Noch ehe ich mich versah hatte er mich umarmt, vergrub sein Gesicht an meiner Brust und begann wieder zu weinen, wobei er sich immer fester an mich drückte. Beruhigend strich ich ihm über die Haare. Das hätten sie sich echt sparen können! Sind es nicht schon genug Opfer gewesen? Ich spürte, wie sich meine Hand um den Pfeil verkrampfte. Dieses Mal werde ich nicht mehr weglaufen! Raziel hatte aufgehört zu weinen, aber er hielt sich immer noch an mir fest.

"Warum? Warum ich? Ich habe doch nichts getan." Seine Stimme war kaum zu hören, da er immer noch mit den Tränen kämpfte. Erneut vergrub er sein Gesicht an meinem Körper und weinte.

"Sst... ganz ruhig. Das hast du auch nicht. Der Pfeil galt mir." Augenblicklich zuckte er zusammen und sah verblüfft mich an.

"Er galt dir?!" Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen.

"Ja." Somit ist es also raus.

"WAS?!" Ah ha, das sind drei Engel im Chor gewesen. Ich habe allerdings nicht vor mich noch einmal zu wiederholen.

"Aber wie? Du?! Hunter jagen keine Menschen, es sei denn..." Ungläubig sah er mich an und löste sich von mir. Toll, der Bademantel ist klatschnaß.

"Es sei denn was?" Lächelnd sah ich ihn an. Die Antwort wird ihm garantiert nicht gefallen.

"Shao-san, hast du jemals einen Engel getötet?" Seine Stimme hatte wieder etwas an Stärke gewonnen, aber er war immer noch sehr blaß. Auch Zaphikel und Rociel hatten ihre gesunde Gesichtsfarbe eingebüßt. Drei abwartende Blicke richteten sich auf mich.

"Nein." Ich konnte ihnen ihre Erleichterung ansehen und lächelte kurz.

"Es waren mehr."

 

00-03-09

 

 

Next Part 05 - Coffin in the dark

 


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