Part 12

01-11-20

 

Love of an angel

         Part 12

 

Fire in the sky

 

Es kostete mich unendliche Überwindung nicht aufzuschreien als sich der Schmerz wie eine Feuersbrunst in meinem Arm ausbreitete. Ich kann einfach nicht fassen das er das gerade getan hat! Und so wie der aussieht ist er auch noch verdammt stolz darauf. Mit einem nun vollkommenen zufriedenen Gesichtsausdruck ließ er sich auf das Bett fallen und sah genüsslich zu wie ich mehr und mehr darum kämpfte auf den Beinen zu bleiben. Diesen Triumph werde ich ihm keinesfalls gönnen! Was bildet sich dieser Kerl ein?! Ihm ist noch nicht mal eingefallen mich überhaupt zu fragen was ich eigentlich von ihm will. Nein! Der schmeißt einfach so ohne Grund mit Messern nach mir! Ich faß es ja nicht! Trotzdem frage ich mich langsam wie lange ich noch so stehen bleibe. Er hat ziemlich gut gezielt und so wie sich das anfühlt hat er auch direkt noch eine größere Ader getroffen. Was auch so ziemlich den einzigen Grund darstellt warum ich den Dolch immer noch nicht aus meiner Schulter gezogen habe. Würde ich das tun müsste ich im selben Augenblick in der Lage sein die Blutung zu stoppen, aber so schnell bin selbst ich nicht sein. Die Blutung ist ja auch so nicht ohne. Shit! Ich bräuchte jetzt dringend Hilfe!

Zum Glück weiß ich im Gegensatz zu diesem Idioten da vorne, das Ezechiel und Raguel mir vorhin gefolgt sind (wohl in der festen Überzeugung ich würde sie nicht bemerken) und innerhalb der nächsten Minuten hoffentlich in diesem Zimmer aufkreuzen. Das ist wird inzwischen auch dringend nötig, denn inzwischen hat sich der Typ doch tatsächlich sein Schwert geschnappt und kommt breit grinsend auf mich zu. Oh, oh!

So weit es ging wich ich vor ihm zurück. Allerdings stoppte mich eine Wand. Lächelnd hielt er mir die Klinge unter die Kehle bevor er langsam ausholte. So ein verdammter Scheiß! Nicht das er mir endlich mal einen Grund liefert. Nein! Er holt einfach aus und grinst dabei so etwas von blöde! In mir wächst der unwiderstehliche Drang ihn einfach zu Boden zu werfen, aber selbst wenn ich ihn treffe, der Schwung dürfte ausreichen um mir trotzdem einen halbwegs tödliche Wunde zu zufügen. Nicht so ganz das was möchte. Und weit und breit keine Spur von diesen gottverdammten Engeln! Wo zum Henker bleiben die eigentlich so lange?! Die sind vorhin doch direkt hinter mir gewesen!

>Dayne de Avido was macht ihr da?! < Selten bin ich dermaßen erleichtert gewesen wie in diesem Augenblick wo Ezechiels wütende Stimme durch den Raum hallte. Fassungslos starrte Dayne de Avido ihn an und ließ (sehr zu meiner Erleichterung) gleichzeitig sein Schwert sinken. Endlich! Das war knapp. Erschöpft ließ ich mich gegen die Wand sinken. Schluß! Aus vorbei! Beim nächsten Mal schlage ich ihn direkt beim Reinkommen KO, dann bleibt mir einiges an Ärger erspart. Na gut, Quirin wird sicherlich hier und da ein paar Einwände haben, aber spätestens jetzt sollte er einsehen, das es die beste Lösung (wenigstens für mich) ist mit seinem Onkel auszukommen.

>Raguel, kümmer dich um sie!< Fast augenblicklich stand dieser neben mir und betrachte mit sichtlich wachsender Sorge die Wunde an meiner Schulter aus der immer noch der Dolch ragt. Ich folgte seinem Blick und stellte fest, das meine Schulter inzwischen alles andere als gesund aussieht. Der Stoff hat sich bereits komplett verfärbt und es wird stetig mehr Blut das aus der Wunde strömt. Nicht mehr lang und das gesamte Oberteil ist rot. Mühsam unterdrückte ich den Fluch der mir auf der Zunge lag.

>Alles in Ordnung?< Meint er das ernst?! Keine Ahnung ob er sich diese Reaktion erhofft hat, aber die Frage brachte mich nur noch zum Lachen. Ich sah noch einmal kurz auf meine Wunde (sieht immer noch nicht besser aus) und dann wieder auf ihn, bevor ich antwortete.

>Geht so. Gib mir einfach paar Minuten, dann sieht es vielleicht wieder besser aus.< Er starrte mich vollkommen fassungslos an. Was denn?! Darf man etwa keinen makarbaren Humor mehr haben nur weil man kurz davor steht den Löffel abzugeben?! Sein Gesichtsausdruck ist so herrlich fassunglos! Allen das reicht um mich wieder dauerhaft lächeln zu lassen.Raguel versteht zwar nach wie vor nicht warum ich auf einmal so gute Laune habe, aber er hat bestimmt auch noch keine Schwertklinge unterm Hals gehabt. Ich bin einfach nur heilfroh noch am Leben zu sein. Was für ein herrliches Gefühl!

>Wieso habt ihr das getan?!< Ezechiels Stimme war kaum noch ein Zischen und somit um so bedrohlicher. So das es selbst mir kalt den Rücken runterlief. Da mir Raguel im Blickfeld saß versuchte ich um ihn herum zu gucken und entdeckte das Ezechiel kurz davor stand Dayne de Avido einfach den Hals umzudrehen. (Im wahrsten Sinne des Wortes!) Wenn Raguel nicht weiterhin so beruhigend auf mich eingeredet hätte wäre ich wohl auf die völlig beschränkte Idee gekommen mich daran zu beteiligen, aber so blieb ich auch weiterhin schön brav auf dem Boden sitzen und hörte so gut ich konnte zu. Von Minute zu Minute fiel es mir allerdings schwerer mich zu konzentrieren. Schmerzen oder nicht (die kann man notfalls ignorieren), aber ich fange langsam an das Gefühl Gefühl in meinem Körper zu verlieren.

>Sie ist ein Dämon! Habt ihr das nicht bemerkt?!< Diese offensichtliche Beleidigung entlockte Ezechiel nur ein verächtliches Lachen und was immer danach noch passierte ich bekam es nicht mehr mit. Raguel hatte urplötzlich (ohne mich vorher auch nur im Geringsten vorzuwarnen) den Dolch aus meiner Schulter gezogen. Der erneut auftretende, brennende Schmerz gepaart mit dem nun zusätzlich erhöhten Blutverlust ließ mich das Bewusstsein verlieren.

Als ich wieder zu mir kam fand ich mich in meinem Bett wieder und meine Schulter war bereits fachmännisch verbunden worden. Mühsam setzte ich mich auf und sah mich kurz um. Ich bekam fast einen Herzinfarkt als ich Remiriel, der direkt neben meinem Bett saß entdeckte. Doch anstatt froh zu sein ihn endlich wieder zusehen fiel mir lediglich ein das Ezechiel und Raguel ihn auf gar keinen Fall bei mir entdecken durften. Noch bevor ich ihm das sagen konnte drückte er mich fest an sich und ich brachte keinen Ton mehr raus. Er weint? Wieso? Mir geht es doch gut. Na ja, fast. Mühsam drückte ich ihn ein kleines Stück zurück um ihm ins Gesicht sehen zu können. Diese plötzliche Nähe macht mich schon wieder ganz konfus. Wenn ich noch ordentlich mit ihm reden will muß ich mich beeilen. Lange werde ich mich nicht mehr zurück halten können.

>Remiriel, was ist los?< Er antwortete nicht sondern drückte mich lediglich wieder an sich. Völlig unbeabsichtigt gab ich einen leichten Schmerzenslaut von mir als sich die Wunde auf meiner Schulter bemerkbar machte. Augenblicklich ließ er mich los und entfernte sich etwas. Er sah mich an als würde er sich zum ersten Mal in all der Zeit die wir schon zusammen verbracht haben bewusst werden das ich irgendwann einmal sterben könnte. Sterben, so wie ein ganz gewöhnlicher Mensch, auch wenn unsere Lebensspanne die der Menschen deutlich übertrifft werden wir doch eines Tages ebenso wie sie sterben. Etwas worüber wir beide eigentlich noch nie nachgedacht haben. Wenigstens bis jetzt.

In seinen Augen kann ich nur zu deutlich erkennen was ihn bewegt. Es sieht ganz so aus als hat er Angst mich noch weiter zu verletzten. Und leider hat er damit gar nicht mal so unrecht. So wie sich das anfühlt ist die Wunde leicht aufgebrochen. Trotzdem, da ist noch mehr. Auch mir fällt die Situation nicht leicht, denn immerhin weiß ich nur zu genau, das Engel zwar eine immense Lebensspanne haben, aber keinesfalls unsterblich sind und wir uns eines Tages eventuell nie wiedersehen werden. Vorsichtig tastete ich mit meinem gesunden Arm nach seiner Hand. Nicht jetzt! Nur keine Gedanken darüber machen was alles sein könnte. Du hast schließlich gelernt in der Gegenwart zu leben und dich nicht weiter um die Zukunft zu kümmern als das sie mit jedem neuen Morgen beginnt.

>Was ist los? Sag es mir.< Wieder dieser sorgenvolle Blick in seinen Augen. Er drückte meine Hand ganz leicht. Nein, etwas stimmt hier ganz und gar nicht. Er würde niemals das Risiko eingehen von anderen Engeln entdeckt zu werden wenn es nicht wirklich wichtig wäre. Warum sagt er mir nicht was los ist?

>Du bist in großer Gefahr.< Ich wagte nicht ihm zu widersprechen. Es ist sonnenklar, das solange sich Dayne de Avido im Dorf befindet er damit mehr als nur recht hat. Von der Begegnung mit Astaroth erzähle ich ihm wohl erst mal besser nichts.

>Ich weiß, aber daran werden wir nichts ändern können. Er wird mit der Zeit schon von allein gehen.< Ich bekam ein Kopfschütteln als Antwort. Was?! Er verschweigt mir doch immer noch etwas, aber ich komm einfach nicht dahinter was es sein könnte.

>Nein, das wird er leider nicht. Er hat es sich in den Kopf gesetzt dich zur Strecke zu bringen und er wird nicht eher ruhen bis er genau das schafft. Du hast großes Glück gehabt das er heute dein Herz verfehlt hat.< Fassungslos starrte ich ihn an. Das kann er nicht ernst meinen! So gut hat der doch niemals gezielt. Das ging doch mehr als nur weit daneben. Doch ein Blick in seine sorgenvollen Augen verriet mir das er die Wahrheit sagte. Vor allem nach dem mir wieder einfiel das Dayne de Avido ja vorgehabt hatte mich um einen Kopf kürzer zu machen. Es gelang mir nicht ganz mein Unbehagen zu verbergen und er bemerkte es natürlich sofort.

>Wären Ezechiel und Raguel nicht gewesen wärst du jetzt tot.< Bei diesen Worten unterdrückte er mühselig seine Tränen. Ich wurde blass. Tod? Ich?! Oh bitte! Doch wenn ich recht darüber nachdenke…

In der letzten Zeit stand ich doch schon ziemlich häufig vor dieser letzten Schwelle. Zum Glück weiß er davon nichts.

>Remiriel, bitte. Mach dir deswegen keine Sorgen. Mir passiert schon nichts.< Wieder schüttelte er den Kopf. Verdammt! Er kennt mich einfach zu gut. Es ist sinnlos ihm etwas vormachen zu wollen. Er durchschaut meine Lügen noch ehe ich sie überhaupt ausspreche. Wir kennen uns einfach schon viel zu lange um uns noch etwas vormachen zu können.

>Nein, versuch erst gar nicht so zu tun als wäre nichts. Ich weiß das dir nicht nur von einer Seite Gefahr droht. Einer der sieben Satane, Astaroth und einige Engel die du noch nicht kennst streifen ebenfalls in dieser Gegend herum. Deshalb werde ich bleiben. Ich werde nicht zu lassen das irgendjemand meine Familie bedroht!< Entschlossen ballte er seine Hände zu Fäusten. Ich wusste nicht was ich darauf antworten sollte. Sicher, er sorgt sich zu recht, aber was ist mit ihm? Wenn er bei mir bleibt werden Ezechiel und Raguel garantiert davon erfahren und dann werde nicht nur ich in Schwierigkeiten stecken. Und was ist mit diesen anderen Engeln?! Ist ihm das vollkommen egal? Bisher haben wir uns solche Mühe gegeben uns vor ihnen zu verbergen und jetzt will er das einfach so hinschmeißen?! Alles aufgeben?! Bisher konnten wir doch sorglos leben, da kein Engel und kein Dämon von meiner Existenz wusste. In Assia sind wir immer vor allem sicher gewesen. Wenn sie es jetzt plötzlich herausfinden wäre all das höchstwahrscheinlich für immer vorbei.

Und unsere Familie? Was wird mit ihr passieren wenn unser kleines Geheimnis herauskommt?! Sie werden wie wir darunter leiden müssen und das wird hart werden. Selbst wenn nicht, er muß dann für immer in Assia bleiben um uns beschützen zu können. Wie will er das schaffen? Er kann doch nicht einfach so mir nichts dir nichts aus dem Himmel verschwinden als wäre das ein Kinderspiel. Es wird sofort auffallen das er nicht mehr da ist und es werden sich bestimmt einige Engel auf die Suche nach ihm machen. Hat er überhaupt eine Ahnung von dem was er bereit ist aufzugeben? Er hat nicht wie ich seine gesamte Jugend in Assia verbracht und es deshalb nie gelernt seine Kräfte vor den Menschen zu verbergen oder ganz ohne sie auszukommen. Ist er wirklich bereit dazu? Bereit alles aufzugeben nur um uns zu schützen?!

Ein Blick in seine Augen verriet mir das es ihm mehr als nur ernst damit ist. Nichts und niemand wird ihn mehr von diesem Vorhaben abbringen. Er wird bleiben, das heißt für uns beide beginnt eine neue Zeit, die nicht leicht werden wird. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, das es für ihn weitaus schwieriger wird als für mich. Das Leben in Assia ist für mich nichts Neues. Für ihn wird es jedoch eine riesige Umstellung werden wenn er seine Kräfte nicht mehr frei nutzen zu kann. Er mag mit dem was er sagt recht haben, aber er ist sich anscheinend nicht bewusst was er damit alles aufgibt. Das Leben in Assia ist für einen Engel seines Ranges nichts. Es wird ihn nur unnötig quälen. So schwer es mir auch fällt das zu zugeben, aber er ist für das Leben hier einfach nicht geschaffen. Seufzend sah ich ihn an.

Wie bringe ihm das bloß bei ohne seine Gefühle zu verletzen? So sehr ich es mir auch wünsche das er für immer bei mir bleibt, das ist zu viel verlangt. Ich muss auf jeden Fall dafür sorgen das er nicht von den anderen Engeln entdeckt wird. Kann er das nicht verstehen? Bisher haben wir beide unser Leben gelebt wie jeder von uns es für richtig hielt und trotzdem sind wir immer zusammen gewesen und sei es auch nur für einen noch so kurzen Moment. Sicher auf Dauer zehrt es an den Nerven den Partner immer nur für ein paar Tage oder Wochen manchmal sogar nur Stunden zu sehen nur um dann wieder Monatelang voneinander getrennt zu sein. Aber es funktionierte. Warum plötzlich dieses Risiko? Ich muss ihn davon abbringen. So schwer mir das auch fällt. Es ist besser so.

>Und wenn sie dich finden? Sei vernünftig. Du kannst nicht hier bleiben, das ist viel zu gefährlich.< Doch ich konnte ihn nicht überzeugen. Eher im Gegenteil. Je mehr ich es versuchte, desto sicherer ist er vom Gegenteil überzeugt. Die Diskussion begann allmählich an meinen Kräften und Nerven zu zerren und es dauerte keine Stunde mehr, bis ich schließlich aufgab und mich in seiner leidenschaftlichen Umarmung verlor. Nicht, dass es fair von ihm gewesen wäre dieses Mittel gegen mich einzusetzen, aber wir sind ohnehin schon viel zu lange voneinander getrennt gewesen, als das wir jetzt noch Zeit und Lust hatten vernünftig und vor allem lang miteinander zu diskutieren. Dafür rissen wir uns eher gegenseitig die Kleider vom Leib. (Na ja, so gut das eben mit einer demolierten Schulter geht.) Bisher ist mir nie richtig bewusst gewesen wie sehr ich ihn vermisse wenn er uns verläßt, aber als ich überglücklich und vollkommen erschöpft in seinen Armen einschlief war mein einziger Wunsch das er mich nie wieder verlassen würde. Ein Leben ohne ihn kann ich mir nicht mehr vorstellen. Ich würde alles dafür tun. Einfach alles...

Mit einem lauten Knall öffnete sich die Tür zu unseren Schlafzimmer. Augenblicklich schreckte ich auf. Welcher Vollidiot macht mitten in der Nacht so einen Radau?!

>Suru, ich muss dring-< Der Satz wurde nicht mehr beendet. Anscheinend hat da jemand gemerkt das er stört. Schön! Trotzdem möchte ich wissen wer um diese Uhrzeit so einen Höllenlärm macht. Da Remiriel mich immer noch fest umschlungen hielt hatte ich alle Mühe mich so zu drehen, das ich auf die Tür sehen konnte. Erstaunt rieb ich mir erst einmal kurz über die Augen. Quirin?! Was zum Henker macht der hier?!

>Tut mir leid ich wollte nicht stören.< Wie es sich für einen Adligen gehörte schloss er die Tür dezent hinter sich. Allerdings konnte ich trotz der geringen Lichtverhältnisse genau erkennen, das sein Gesicht knallrot war. Stimmt ja, weder Remiriel noch ich haben etwas an. Obwohl ich nicht glaube, das Quirin soviel erkennen konnte. Merkwürdig ist sein plötzlicher Abgang aber schon.

Oh, ich Idiot! Er ist doch bisher der Meinung gewesen ich sei Witwe, da keiner von uns je über den Vater meines Sohnes spricht. Das jetzt ein wildfremder (wenigstens für ihn) Mann neben mir Bett liegt muss ihm einen mittleren Schock versetzt haben. Also dann! Ich werde wohl einiges erklären müssen. Hoffentlich versteht er es auch...

Bei Remiriel habe ich vorhin jedenfalls gänzlich versagt. Mühselig wand ich mich aus seinen Armen und hüllte mich in einen warmen Umhang. Ein schwacher Trost zu der feurigen Umarmung die ich vorher genossen habe. Sehnsüchtig sah ich auf die schlafende Gestalt in meinem Bett. Ich musste einfach noch einmal zurückgehen. Zärtlich striff ich über seine Wange. Er gab nur ein zufriedenes Brummen von sich. Anscheinend hat er nicht vor aufzuwachen. Auch gut. Vielleicht macht es das sogar einfacher.

>Du musst einen langen Weg hinter dir haben. Ruh dich aus.< Ich hauchte einen Kuss auf seine Lippen und verließ das Zimmer so leise wie möglich. Obwohl ihn vorläufig nicht mal ein Erdbeben wecken wird. Nicht nach dieser Nacht.

>Quirin? Quirin, wo seit ihr?< Suchend schlich ich mich durch die Flure des Hauses. Nicht das ich jetzt ausversehen meinen Sohn aufwecke. Seit zwei Tagen hat er kaum geschlafen und macht ständig einen völlig geistesabwesenden Eindruck nur den Grund dafür verschweigt er mir nach wie vor beharrlich. Langsam mache ich mir ernsthafte Sorgen um ihn. Vielleicht macht ihm aber auch nur der Verlust seiner Kräfte mehr zu schaffen als ich dachte. Hoffentlich muntert ihn die Anwesenheit seines Vaters wieder auf. Argh! Vor lauter Sorge um ihn habe ich jetzt doch fast den eigentlichen Grund für mein plötzliches Aufstehen vergessen. Wo zum Henker steckt denn jetzt Quirin?! Im Haus habe ich ihn nicht gesehen. Er kann sich doch unmöglich in Luft aufgelöst haben. Das ist mein Privileg! Schließlich fand ich ihn vollkommen in Gedanken versunken auf der Terrasse. Er bemerkte mich erst als ich bereits direkt neben ihm stand.

>Warum?< Er wirkte vollkommen verstört. Scheinbar ist in dieser Nacht einer seiner größten Träume zerstört worden. Ich fühlte mich schuldig.

>Warum er und nicht ich?< Seufzend ließ ich mich in einen Stuhl sinken. Das wird schwer werden. Und es ist sehr unwahrscheinlich das er es verstehen wird.

>Es tut mir leid Quirin. Es sollte ein Geheimnis bleiben, aber ich denke ich schulde dir eine Erklärung für das was passiert ist.< Er gab keinen Ton von sich. Schon klar, er ist enttäuscht von mir. Aber was kann ich dafür das er sich falsche Hoffnungen gemacht hat? Immerhin hat ihm meine Familie unmissverständlich zu verstehen gegeben das er es niemals schaffen wird mein Herz für sich zu gewinnen. Wenigstens nicht so wie er es sich am meisten wünscht. Warum hat er nicht einfach auf sie gehört? Er hat sich aus irgendeinem Grund in die Idee verbohrt, das er meine Liebe gewinnen kann und seitdem hat er mich Geschenken beinahe nur so überschüttet. Vor allem der blaue Rittersporn hatte es ihm angetan. Es verging kein Tag an dem er mir nicht einen Zweig davon mitbrachte. Natürlich habe ich ihm immer wieder gesagt, dass es nicht nötig sei, aber er ließ sich einfach nicht davon abbringen. Seitdem er festgestellt hat, das die Blüten dieser Pflanze fast dieselbe Farbe wie meine Augen besitzen umgibt er sich ständig damit (er verschwindet manchmal für einen ganzen Tag nur um sie aufzutreiben) und mich bezieht er mit ein ob ich nun will oder nicht. Mit der Zeit gingen mir auch die Argumente aus ihn höflich wissen zu lassen, das seine Annäherungsversuche zwecklos sind. Außerdem sehe ich in ihm inzwischen einen Freund. Ich will ihn nicht unnötig verletzen.

>Gilt das auch für uns?< Wieso bin ich eigentlich noch überrascht? Ich hätte doch damit rechnen müssen das Ezechiel und Raguel ebenfalls hier sind. Die Drei sind in der letzten Zeit fast unzertrennlich. Alle Drei sahen mich erwartungsvoll an und seufzend fügte ich mich in das Unausweichliche. Hoffentlich schläft Remiriel noch.

>Und wo soll ich eurer Meinung nach anfangen?< Eigentlich hatte ich gar nicht vor diesen Gedanken überhaupt laut auszusprechen, oder dabei so beleidigend zu klingen, aber es läßt sich einfach nicht vermeiden. Ich bin viel zu aufgewühlt als das ich mich noch um solche Nebensächlichkeiten kümmern kann. Quirin deutete dezent in Richtung meines Schlafzimmers und ich verstand. Gut, fangen wir eben damit an. Doch Remiriels plötzliches Auftauchen verhinderte das ich loslegen konnte. Fassungslos sahen Quirin, Ezechiel, Raguel und ebenso ich ihn an. Ich denke er schläft?! Wieso ist der wach?!

>Remiriel?! Was in drei Teufelsnamen machst du hier?!< In keinster Weise von Ezechiels Tonfall oder der Anwesenheit der Anderen beiden Männer beeindruckt setzte er sich dicht neben mich und schlang seinen Arm um meine Hüfte. Er trägt nicht sonderlich viel mehr Stoff an seinem Körper als ich. Der Umhang verdeckt seinen durchtrainierten Körper nur notdürftig und ich konnte nicht verhindern das meine Gedanken sich schon wieder in eine ganz bestimmte Richtung bewegen. Was höchst wahrscheinlich auch alle Anwesenden bemerkten, denn sie räusperten sich hörbar. Augenblicklich riss ich mich zusammen und versuchte nicht andauernd an das zu denken was sich unter diesem Umhang verbarg. Es gelang nur mäßig. Ich hatte ja keine Ahnung wie sehr sich mein Körper nach seiner Berührung verzehrt. Das er seine Hand so ruhig und gleichzeitig fordernd auf meine Hüfte gelegt hat macht die Sache nicht gerade einfacher.

>Ich besuche meine Familie, das ist alles.< Wie kann er dabei nur so verdammt ruhig bleiben?! In dem er ihnen das sagt gibt er sein Leben in ihre Hände, denn für einen Engel ist seit jeher verboten ist sich mit seinesgleichen einzulassen. Selbst wenn der Partner nur zur Hälfte ein Engel sein sollte. Dieses Gesetz ist bindet alles was auch nur im entferntesten an einen Engel erinnert. Selbst wenn das Erbgut noch so schwach ist Engel bleibt Engel, egal in wie weit er sich schon mit den anderen Kulturen vermischt hat. Es da gibt keine Ausnahmen. (Na gut, Dämonen, aber das ist was anders.) Jeder Engel ist verpflichtet eine derartige Beziehung zu melden und wenn nötig sofort die entsprechenden Schritte einzuleiten. Was das für Remiriel und mich bedeuten würde wage ich mir noch nicht einmal vorzustellen.

>Familie?!< Ezechiels Gesicht sieht aus als hätte er so eben einen Geist gesehen. Es kostet ihn sichtlich Mühe die Fassung zu bewahren. Im Gegensatz zu ihm nehmen Quirin und Raguel das Ganze ja ziemlich locker auf, auch wenn man Quirin mehr als nur deutlich seine Enttäuschung ansehen kann. Immerhin, er trägt es mit Würde.

>Ja, meine Familie.< Remiriel drückte mich enger an sich und ich kann nicht sagen das es mir missfällt ihm wieder so nah zu sein. Dieser kurze Augenblick in dem sich unsere Blicke trafen reichte ihm um mir endgültig vor Augen zu führen wie viel ich, das heißt inzwischen wir, ihm bedeuten und das er alles in seiner Macht stehende tun wird um uns zu schützen. Nicht, daß das nicht auch schon vorher so gewesen ist, aber das er sogar bereit ist gegen seinesgleichen anzutreten überrascht mich wirklich. In all der Zeit habe ich mich immer wieder gefragt ob er uns nicht eines Tages aufgeben und zu den Engeln zurück kehren wird...

Wie dumm von mir überhaupt daran zu denken. Wenn ich eines wissen sollte, dann doch wie sehr er mich liebt, oder? Aber warum habe ich dann gezweifelt? Wollte ich etwa sein Leben nicht gefährden in dem er unseres schützt?

Zwischen Remiriel und Ezechiel begann die Luft allmählich zu vibrieren. Sie maßen sich mit eisernen Blicken die mich unruhig werden ließen. Zitternd wartet ich darauf, das sich die Spannung zwischen den beiden entlud. Dabei habe ich mit fast allem gerechnet, aber nicht das Ezechiels plötzlich einen Lachanfall bekommt und sich dabei kaum noch auf den Beinen halten kann. Er sieht ja regelrecht erleichtert aus. Jetzt versteh ich gar nichts mehr. Fragend sah ich Remiriel an, doch der zuckte nur ahnungslos mit den Schultern.

>Dem Himmel sei Dank, ich dachte schon du würdest niemals Gefühle entwickeln.< Jetzt bin ich verwirrt. Kennen die sich etwa? Mühselig kämpfte Ezechiel wieder um seine ansonsten ruhige Fassung. Nur jedes mal wenn sein Blick auf Remiriel und mich fiel brach er erneut in schallendes Gelächter aus. Bis er sich schließlich sogar ein paar Tränen aus den Augen wischen musste. Als Raguel die ganze Sache dann ebenfalls zu bunt wurde (sein Mentor verliert dermaßen die Fassung, shocking) stellte er die Frage die mir eigentlich schon die ganze Zeit über auf der Zunge gelegen hat, ich sie aber aus Furcht vor dem was eventuell darauf folgen könnte nicht ausgesprach.

>Ezechiel, ihr kennt euch?!< Das und sein sehnsüchtiger Blick über Ezechiels gesamten Körper reichten aus um diesen augenblicklich dazu zu bringen sich zusammen zu reißen. Noch ein kurzes Husten in die Faust und schon ist er wieder der Alte. Hey, das war ja einfach! Täusche ich mich oder ist Ezechiel unter Raguels Blick vorhin kurz rot geworden? Die beiden sind doch nicht etwa von Quirin gestört worden?

>Das kann man wohl sagen. Remiriel ist mein jüngerer Bruder.< Fassungslos starrte ich die beiden abwechselnd an. Bruder?! Remiriel hat mir nie etwas davon erzählt, das er einen Bruder hat und so wie Raguel aussieht gilt für Ezechiel dasselbe. Nicht zu fassen!

>Wo wir gerade dabei sind, mein-ehrenwerter-großer-Bruder.< Oh man, oh man so wie Remiriel sich anhört sind sie garantiert miteinander verwandt. Diese Anrede sucht ihresgleichen.

>Welches Ereignis hat eigentlich zwei so hochdekorierte Engel wie dich und deinen Begleiter nach Assia verschlagen?< Die Frage ist von ihm  so beiläufig formuliert das ich, wenn ich ihn nicht so gut kennen würde bestimmt nicht bemerkt hätte das er damit auf etwas völlig anderes abzielt. Allerdings ließ sich Ezechiel nicht das Geringste anmerken. Ganz im Gegensatz zu Raguel und Quirin, die beide knallrot anliefen. Ich verpasste Remiriel einen leichten Stoß in die Rippen. Es ist nicht notwendig, das er darauf herumreitet. Aber anscheinend ist es bei Brüdern so üblich, ansonsten hätte sich Ezechiel auch kaum zu einer Antwort herabgelassen.

>Reine Neugierde. Wir hörten das Gerücht das sich in Assia ein mächtiger Dämon versteckt hält, aber bis jetzt haben wir noch nichts entdeckt. Ist wahrscheinlich wieder eines von diesen wilden Menschengerüchten.< Scheiße! Gleich krieg ich ’nen Herzinfarkt! Wo zum Teufel kommt denn jetzt bitte schön Astaroth so plötzlich her. Das er im Rücken unserer Gäste steht ist wohl kaum ein Zufall. Mit einem wissenden Lächeln löste er sich wieder in Luft auf. Ohne es selbst zu merken klammerte ich mich fester an Remiriel. Er weiß es! Oh mein Gott! Er weiß es! Er weiß wer und was ich wirklich bin!

>Ihr braucht keine Angst zu haben Suru, wir werden euch und euere Familie vor diesem Dämon beschützen.< Zum Glück hat Ezechiel meine plötzliche Bläße falsch interpretiert. Dankbar nickte ich kurz in seine Richtung, bevor ich mich zurücksinken ließ. Erstaunt bemerkte ich das Remiriel mich stärker festhielt als ich erwartet habe. Ein kurzer Blick sagte mir, das auch er Astaroth bemerkt hat, aber er hütete sich mich jetzt danach zu fragen. Grübelnd starrte ich in den Garten (was will Astaroth hier?) als mir einfiel das unser Sohn sich allein und noch dazu vollkommen wehrlos, da seine Kräfte immer noch gebannt sind, im Haus befand. Dieser Gedanke machte mich keineswegs ruhiger. Solange sich Astaroth hier aufhält sind wir alle in Gefahr. Nebenbei bin ich mir ziemlich sicher, das er sich noch ganz in der Nähe befindet. Es ist nicht sein Stil einfach so auftauchen und dann sang und klanglos wieder zu verschwinden nur damit er mir einen Schreck einjagen kann. Das widerspricht seiner Natur. Nein, dahinter muß mehr stecken und ich werde herausfinden was. Entschlossen löste ich mich aus Remiriels Umarmung und stand auf.

>Entschuldigt mich bitte für einen Augenblick.< Ohne weiter auf die erstaunten Gesichter zu achten ging ich zurück ins Haus. Kaum außer Sichtweite begann ich zu rennen. Ich kann Astaroths Anwesenheit beinahe körperlich spüren. Er ist also immer noch hier. Fast ohne es zu merken glitt ich durch die Wände unseres Hauses und stand schließlich im Zimmer unseres Sohnes. Puh! Zum Glück! Er schläft immer noch tief und fest. Vorsichtig näherte ich mich dem Bett und beobachtete ihn eine zeitlang. Sein Atmen ging vollkommen gleichmäßig. Anscheinend habe ich mir umsonst Sorgen gemacht. Trotzdem möchte ich ihn jetzt lieber nicht allein lassen. Ich zog einen Stuhl neben das Bett und ließ mich darauf sinken. Mein kleiner Engel schläft tief und fest. Hoffentlich wecke ich ihn nicht ausversehen auf. Er ahnt wahrscheinlich nicht einmal das sich ein äußerst mächtiger Dämon in seiner unmittelbaren Nähe aufhält.

>Ganz schön unvorsichtig ihn in dieser Situation allein zu lassen meinst du nicht?<

>Oh ja, damit hast du vollkommen recht.< Ich bekam ein leises Lachen als Antwort und erstarrte.

>Nein!< Schützend stellte ich mich vor das Bett. Immer noch im Schatten verborgen konnte ich dennoch Astaroths Silhouette erkennen. Langsam kam er auf mich zu. Eine Falle! Das ist eine Falle!

>Du weißt doch genau, das man mich nicht so leicht los wird.< Obwohl ich inzwischen am ganzen Körper zitterte wich ich keinen Schritt zurück. Ich werde nicht zu lassen, das er sich an meinem Sohn vergreift. Er überraschte mich als er in einem gebührenden Abstand zu mir stehen blieb und mich eindringlich musterte bevor sein Blick über das Bett glitt.

>Mach dir keine Sorgen um ihn. Du bist das Einzige was mich interessiert.< Scheiße! Ich kann mich nicht mehr bewegen. Jede weitere Bewegung wird das Zittern nur noch weiter verstärken. Dadurch wird meine Schwäche ihm gegenüber viel zu deutlich. Mist! Ich habe die Zeit die ich in seinem Labyrinth umhergeirrt bin nie vergessen können und vor allem nicht die Tatsache das ich dort fast gestorben wäre. Und jetzt kommt das alles wieder hoch. Verdammt! Krieg dich in den Griff! Dein Vater hat dir nicht umsonst eingebläut, das man Dämonen gegenüber keinerlei Schwächen zeigen darf. Denk einfach nicht mehr dran!

>Was willst du hier?< Es gelang mir diese Frage so zu formulieren das er merken muß wie sehr ich seine Gesellschaft momentan schätze. Er machte sich nicht einmal die Mühe zu antworten. Ruhig bleiben! Ganz ruhig bleiben! Du weißt genau, das er stärker ist als du. In meinem Innern tauchte unwillkürlich wieder das Bild auf wie er mich in Fesseln legte. Schützend schlang ich die Arme um meinen Körper und versuchte verzweifelt an etwas anderes zu denken.

>Mama? Mama, bist du das?< So, jetzt hab ich richtig Panik! Wenn ich mich nicht umdrehe wird mein Sohn garantiert misstrauisch werden und wenn ich Astaroth auch nur für eine Sekunde den Rücken zu wende wird er wahrscheinlich über mich herfallen. Die perfekte Zwickmühle! Nur ist mein Mutterinstinkt nach wie vor stärker als meine Angst.

>Ja, ich bin’s. Ich wollte nur kurz nachsehen wie es dir geht. Du kannst ruhig weiterschlafen.< Zu meinen Leidwesen weiß ich allerdings, das er genau das nicht tun wird. Selbst er muß bemerkt haben das ich gelogen habe und das meine Stimme zitterte. Schläfrig krabbelte er unter seiner Decke hervor und entdeckte natürlich prompt Astaroth, der ihn anlächelte. Mir liefen augenblicklich kalte Schauer über den Rücken.

>Mama, wer ist das?< Seine Stimme schwankte unsicher und es sieht ganz so aus als weiß er genau, das Astaroth alles andere als ein alter Freund von mir ist. Es wird allmählich höchste Zeit etwas zu unternehmen.

>Nur ein alter Bekannter, der gleich wieder gehen wird.< Das meine Worte nicht gerade freundlich klingen ist wohl nicht weiter verwunderlich. Allerdings ließ sich Astaroth davon in keinster Weise beeindrucken.

>Da wäre ich mir an deiner Stelle nicht so sicher.< Das reichte um mich erstarren zu lassen. Sicher, drei hochdekurierte Engel befinden sich direkt in unserer Nähe, aber so wie Astaroth sich verhält stellen sie für ihn wohl keine ernsthafte Bedrohung dar. Schützend nahm ich meinen Sohn in den Arm und drückte ihn fest an mich. Ich werde auf gar keinen Fall zu lassen, das ihm auch nur das kleinste Härchen gekrümmt wird. Er klammerte sich fest an mich und begann zu zittern. Das gab mir den Mut den ich brauchte.

>Verschwinde endlich!< Auch wenn ich schwächer bin ich werde nicht zu lassen das er meine Familie bedroht. Seltsamerweise hielt Astaroth seinen Abstand zu mir und er machte auch nicht länger den Eindruck als wollte er mich angreifen.

>Du machst es einem wirklich nicht leicht. Anstatt mir dankbar zu sein das ich mir extra die Mühe gemacht habe die Flure der Hölle zu verlassen und HIERHER zu kommen um dich zu warnen fauchst du mich an wie ein Wildkatze.< Dieser plötzliche Stimmungswechsel ließ mich fast all meine Vorsicht vergessen. Es klingt ehrlich was er sagt und das wundert mich. Ist das wirklich derselbe Astaroth dem ich damals in der Hölle begegnet bin? Momentan macht er eher den Eindruck eines beleidigten Verehrers als den eines furchteinflößenden Dämons. Was auch immer er vorhat jetzt bin ich zu neugierig um nicht auf dieses Spielchen einzugehen. Doch vorher sollte ich meinen Sohn besser verschwinden lassen. Es reicht wenn sich einer von uns freiwillig in Gefahr begibt. Bei Shion und Saeko ist er momentan wesentlich besser aufgehoben. Astaroth machte zu meiner Überraschung keinerlei Anstalten mich daran zu hindern.

Etwas an ihm ist anders als damals, aber was? Nun gut, er wird bestimmt nicht von allein mit der Sprache rausrücken vor allem wenn er genau weiß das er alle Trümpfe in der Hand hält. Trotzdem ließ ich auch weiterhin Vorsicht walten.

>Verrätst du mir was du hier willst oder soll ich dir die Schärfe meiner Krallen demonstrieren?< Moment mal! Nennt man das neuerdings vorsichtig?! Das ist wohl eher Selbstmord! Oder ein guter Versuch in diese Richtung. Woher kommt plötzlich dieses sichere Gefühl, das er mir nicht das Geringste entgegen zu setzen hat? Ich bin ihm gegenüber so gelassen wie noch niemals zuvor. Er schenkte dem allerdings herzlich wenig Beachtung als er die kurze Entfernung zwischen uns überbrückte und nach meinem Handgelenk griff. Ich entzog mich ihm und brachte wieder Abstand zwischen uns. Sein Verhalten ist verdammt merkwürdig! Es ist rein gar nichts von dieser gefährlichen Aura zu spüren die ich damals immerzu wahrgenommen habe.

>Um deine Frage zu beantworten. Ich möchte weder deine Krallen noch irgendetwas anderes von dir spüren. Wenigstens nicht im Moment.< Die letzte Bemerkung unterstrich er mit einem sarkastischen Lächeln. Mein Gesicht blieb seltsamerweise vollkommen unbewegt. Es scheint sich wie von selbst in eine undurchdringliche Maske verwandelt zu haben. Wenn das so weitergeht weiß ich nicht mehr vor wem ich eigentlich mehr Angst haben soll. Vor Astaroth oder mir selbst? Dieses Verhalten passt nicht zu mir, aber seltsamerweise nehme ich das Ganze mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit hin. Ganz so als sei es das normalste auf der Welt. Fast als wäre dieser Teil von mir schon viel zu lange in meinem Inneren verschüttet gewesen...

>Ich bin nur hier um dich zu warnen.< Dabei zuckte er resigniert mit den Schultern. Ah ha! Er hat diesen Job also alles andere als freiwillig übernommen. Innerlich frohlockte ich. Es gibt somit jemanden der ihn in die Schranken weisen kann und ich kann mir nur zu gut denken wer das ist.

>Wovor? Hier gibt es weit und breit niemanden der in der Lage wäre es mit mir aufzunehmen.< Erschrocken stellte ich fest, das ich damit auch ihn und die anwesenden Engel meinte, aber was noch schlimmer war ist, das sich diese Worte wie eine Selbstverständlichkeit von meinen Lippen gelöst haben. Bin ich wirklich so stark wie ich vorgebe zu sein oder ist das nur eine Farce um ihn auf Abstand zu halten? Wann hat das überhaupt angefangen? Ich erkenne mich kaum wieder.

>Vielleicht...< Was?! Er räumt ein, das ich evetuell recht habe?! Anscheinend überraschte ihn mein verblüffter Gesichtsausdruck, aber er fing sich sofort wieder. Ich bin mir allerdings sicher das er vorhin leicht gelächelt hat.

>Du solltest dennoch wissen, das sich Dayne de Avidos Heer unaufhörlich dieser Ebene nähert und sie sind nicht allein. Unter ihnen befinden sich etwa dreißig hochrangige Engel. Sie alle sind hier um herauszufinden ob Dayne de Avido nun endgültig dem Wahnsinn verfallen ist oder ob recht mit seinen wirren Behauptungen hat.< Mir lagen unendlich viele Fragen auf der Zunge. Wie zum Beispiel was hat dieser Typ nur erzählt, warum schenken ihm die Engel überhaupt Gehör oder wann werden sie hier eintreffen, aber ich brachte kein Wort heraus. Meine Kehle erschien mir wie eine trockene Wüstenlandschaft. Selbst das Atmen verursachte auf einmal ein unangenehme Kratzen in meinem Hals. Fast so als hätte ich Sand verschluckt. Wieder griff Astaroth nach meinem Handgelenk und dieses Mal gelang es ihm es festzuhalten. Beschwörend sah er mich an.

>Deshalb habe ich ihn angegriffen als er sich eurem Dorf näherte. Verstehst du?! Er ist eine Bedrohung für euch alle. Ich weiß inzwischen das du stärker bist als du selbst weißt oder auch nur ahnst. Langsam beginne ich zu verstehen warum er den Boden anbetet auf dem gehst, aber nimm diese Warnung ernst!< Fast hätte gelacht. Er schafft es vollkommen respektlos von meinem Vater zu reden und mir gleichzeitig Komplimente zu zuwerfen und das so geschickt das ich ihm noch nicht einmal böse sein kann. Außerdem machte er mit seinem Tonfall deutlich, das er sich den Anweisungen meines Vaters beugen wird, egal wie diese auch aussehen. Das beweißt allein schon seine Anwesenheit hier. Er zog kurz an meinem Handgelenk als er merkte das ich seinen Worten nicht mehr so folgte wie er es für angebracht hielt.

>Ein entschlossenes Heer noch dazu begleitet von dieser Anzahl Engel ist eine weitaus größere Gefahr als du dir vorstellen kannst.< Er sah mich dabei so ernst an, das ich fast der Meinung bin er will mich tatsächlich warnen, aber meine Erinnerungen lassen sich nicht so einfach abschütteln. Die Narben die er mir verpasst hat sind noch nicht verheilt. Trotzdem, irgendetwas ist anders mit ihm.

>Deshalb hat er mich auch damit beauftragt für deinen Schutz zu Sorgen und unsere Meinung ist ihm dabei völlig egal.< Die letzten Worte erstickten meine trotzige Erwiderung im Keim. Fast kommt es mir so vor als hätte der ältere Bruder die unliebsame Aufgabe übernommen auf seine Schwester aufzupassen. Weder mir noch Astaroth liegt  eine dieser Rollen und doch besteht mein Vater anscheinend darauf das wir sie spielen. Seufzend fügte ich mich. Es ist sinnlos weiter darüber zu diskutieren. Wie Astaroth bereits so richtig festgestellt hat, die Entscheidungen meines Vaters werden gefällt ohne die Betroffenen vorher zu fragen und sie werden zu dem niemals angefechtet. Da jeder der Beteiligten genau weiß das es besser für ihn ist wenn er stillschweigend akzeptiert, als wenn aufbegehrt. Langsam löste sich Astaroth von mir nachdem er sich überzeugt hatte, das ich ihn verstand. Und plötzlich durchfuhr es mich wie ein Blitz. Das ist es was mich schon die ganze Zeit irritiert hatte. Die Frage kam wie von selbst von meinen Lippen.

>Warum? Warum du? Warum hat er ausgerechnet dich für diese Aufgabe gewählt und nicht irgendeinen anderen Dämon?< Seinem ratloser Blick zeigte deutlich, das auch er die Antwort darauf nicht kannte. Ich sah ihn forschend an und bemerkte erstaunt das er leicht vor mir zurück wich. Erschrocken zuckte ich zusammen. Was ist das nur für ein merkwürdiges Gefühl der Überlegenheit?

>Du ähnelst ihm viel mehr als du denkst.< Erstaunt sah ich ihn an. Sein Blick ruht in einer Ehrfurcht auf mir die mir Unbehagen verursacht. Fast wäre mir sein verachtender Blick von damals lieber.

>Deine Augen sind genauso furchtlos und entschlossen wie seine. Hätte ich damals schon gewusst wer du bist-< Er verstummte als hinter ihm ein bedrohliches Knurren aufklang. Vollkommen unbemerkt hatte Cerberus sich in Raum geschlichen. Immer noch in seiner Wolfsgestalt funkelten seine Augen in der Dunkelheit wie zwei brennende Rubine. Ihre Farbe erinnert mich jedes Mal an Blut, das frisch aus einer Wunde quillt. So seltsam die Situation auch ist, es hilft mir meinen Gedanken zu ordnen. Astaroth ist nicht ohne Grund hier und seine Argumente sind durchaus schlüssig. Also befindet sich unser Tal in höchster Gefahr von der außer mir noch niemand etwas weiß. Na super!

Ich stellte ein paar Überlegungen an, wog das für und wieder jeder einzelnen Möglichkeit ab die sich uns bot und fasste dann einen Entschluss. Seltsam wie einfach es auf einmal erscheint. Um gegen dieses Heer zu bestehen werden wir alle Bewohner unseres Tal mobil machen müssen und es darf unter ihnen keinerlei Rivalität oder anderes mehr geben. Wir müssen eine Einheit darstellen und es gibt nur einen Weg der uns genau das sichert.

Fast im selben Augenblick stand ich auch schon am Fußende von Shions Bett. Da ich nicht wollte das Saeko ebenfalls aufwachte belegte ich sie mit einem leichten Bann der sie weiterschlafen ließ. Dasselbe tat ich bei meinem Sohn, der friedlich in ihren Armen schlummerte. Das jetzt zwei mächtige Wesen der Hölle und drei Engel allein in meinem Haus befinden und sich jeder Zeit gegenseitig über den Weg laufen können beunruhigt mich seltsamerweise überhaupt nicht mehr. Viel mehr Sorgen mache ich mir da über Astaroths Warnung vor Dayne de Avidos Heer. Mürrisch schüttelte ich den Kopf als sich mir unwillkürlich die grausamen Kriegszenarien (von denen wir zum Glück bisher immer verschont geblieben sind) aufdrängten. Nichts davon haben wir wirklich mit erlebt, aber der Schrecken des Krieges läßt sich nicht so leicht aufhalten. Von Reisenden erfuhren wir jedes Mal mehr Einzelheiten als uns lieb war. Ich überdachte meine Entscheidung noch einmal kurz bevor ich Shion weckte. Mit wenigen Worten erklärte ich ihm was inzwischen passiert war und ignorierte jedes seiner Gegenargumente. Letztendlich gab er sich geschlagen und streifte sich einen Umhang über. Beinahe beiläufig bemerkte ich das er immer noch dieselben Muskeln besaß wie in seiner Jugend. Mochte sein Haar inzwischen auch von zahlreichen silbernen Strähnen durchzogen sein. In ihm steckt immer noch die Kraft eines jungen Mannes. Langsam schritten wir durch die Flure des Hauses bis wir im Garten ankamen. In der Dunkelheit ist kaum etwas von dessen Pracht zu erkennen aber das Licht reichte aus um uns zu unserem Ziel zu führen. Aus dem Mund eines Wasserspeiers zog Shion eine riesige Muschel, die wie ein Horn geformt ist. In der Dunkelheit schimmert sie abwechselnd elfenbeinfarben und blau.

Sie symbolisiert quasi den Status eines Dorfoberhauptes und wird nur benutzt wenn eine so große Gefahr droht das sich der große Rat versammeln muß. Der Rat besteht aus allen Dorfoberhäuptern unseres Tals und jeder Einzelne von ihnen kann und darf Entscheidungen für alle Bewohner seines Dorfes treffen. Diese Entscheidungen sind dann bindend für alle. Deshalb dauert es meist auch sehr lange bis ein neues Dorfoberhaupt gewählt wird, wenn der Vorgänger aus irgendeinem Grund nicht mehr in der Lage ist sein Amt auszuführen. Aber das ist schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr vorgekommen. Shions Räuspern schreckte mich wieder aus meinen Gedanken auf. Zögernd legte er die Muschel in meine Hände. Was fast einem Sakrileg gleichkommt. Damit gibt er mir gegenüber seinen Status als Dorfoberhaupt auf und überträgt ihn auf mich. Doch das hier hat eher eine symbolische Wirkung. Er weiß genau das ich seinen Status niemals anfechten werde. Viel mehr gesteht er mir so das Recht zu meine Entscheidung selbst zu verkünden.

Erstaunt stellte ich fest, daß das riesige Gehäuse kaum mehr als eine Feder wiegt. Behutsam führte ich es an meine Lippen und blies hinein. Nachdenklich lauschte ich wie sich der klare Ton langsam in der Nacht verteilte und schließlich darin verschwand. Wer auch immer diesen Ton vernimmt wird wissen was er bedeutet und die Nachricht unverzüglich weiterleiten. Ich wiederholte diesen Vorgang wie es die Tradition verlangte dreimal und schon nach der ersten Wiederholung konnte ich eine Antwort vernehmen. Aus allen Richtungen erklingen jetzt diese klaren Töne aus den verschiedensten Muschelhörnern, die sich im sternenübersäten Himmel zu einer Melodie verflochten und gemeinsam die Nacht erhellten. Sie würden kommen. Alle würden kommen und dann-

Doch darüber will ich jetzt noch nicht nachdenken. Ich habe den notwendigen Schritt getan. Jetzt heißt es abwarten und sehen was passiert. Entweder bin ich in der Lage diese Hürde zu meistern oder ich werde an ihr zu Grunde gehen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht mehr. Damit Shion nichts von meiner Sorge bemerkte verschwand ich ebenso plötzlich aus seinem Haus wie ich gekommen war. Die Muschel hatte ich auf einen Stein gelegt, der nicht mal eine Handbreit von ihm entfernt war. Er hat es noch nicht mal bemerkt.

Kaum war ich wieder zu Hause wurde ich fast von Cee über den Haufen gerannt, der sich anscheinend auf der Flucht vor Ezechiel und Quirin befand. Resigniert stieß ich einen Seufzer aus. Sie haben ihn also gefunden. Das heißt Astaroth haben sie ebenfalls entdeckt. Als wenn es nicht auch schon so genügend Probleme gibt, aber ich hätte ja damit rechnen können als ich einfach so aus dem Haus verschwunden bin. Nun gut, einige Dinge werde ich wohl direkt erledigen müssen. Ich holte noch einmal tief Luft und stellte mich dann zwischen Cee und seine Verfolger was mir einen dankbaren Blick von ihm einbrachte. Allerdings ließ er es sich nicht nehmen seine Verfolger drohend anknurren wobei seine Augen tiefrot glühten. Beruhigend tätschelte ich ihm über den Kopf und fast sofort legten sich seine aufgerichteten Nackenhaare wieder. Es überrascht mich das er so einsichtig ist. Normalerweise hätte er sich ohne zu Zögern auf seine Verfolger gestürzt und sie in Stücke gerissen. Das habe ich schon zu oft gesehen und es ihm nur sehr mühselig abgewöhnen können. Aber mit der Zeit hat sich viel verändert und seitdem er bei mir lebt hat er viel von seinem alten Selbst abgelegt. Manchmal frage ich mich ob er das nicht bereut. Jemand der seine Geschichte nicht kennt sieht in ihm immer nur eine Art Schoßhund und nicht das gefährliche Höllenwesen das er wirklich ist.

Ich zwang mich mit meinen Gedanken wieder zum eigentlichen Geschehen zurück zu kehren. Wenn ich jetzt nicht aufpasse kann es das Ende für uns alle bedeuten. Keine Ahnung was Ezechiel und Quirin davon abhielt mich direkt mit unzähligen Fragen zu bombardieren oder sich auch nur einen weiteren Schritt zu nähern, aber das ist jetzt eh nebensächlich. Ich muss anfangen sie in meine Pläne einzuweihen wenn ich will das sie funktionieren und dasselbe gilt für Remiriel und Raguel. Ich brauche die Hilfe von ihnen allen. Selbst die von Astaroth. Obwohl mir bei dem Gedanken alles andere als wohl ist.

>Also, wo ist er?< Es ist unnötig ihnen zu sagen wenn ich meine sie wissen es garantiert auch so. Bingo! Sie nickten kurz und führten mich dann ohne weitere Kommentare auf die Terrasse wo uns bereits die Anderen erwarteten. Anscheinend sind sie gerade ziemlich zu frieden mit sich und der Welt. Sowohl Remiriel als auch Raguel lehnten genüsslich in zwei großen Korbsesseln und grinsten gegenseitig um die Wette. Nur das ihnen Gegenüber Astaroth gefesselt (und selbstverständlich nicht besonders angetan davon ist) sitzt trübt das ansonsten friedliche Bild. Eigentlich kann man diese kleine Zusammenkunft fast als ein Treffen alter Freunde sehen, aber das ist es bei Weitem nicht. Da so wieso alle darauf zu warten schienen das ich anfange die Situation aufzuklären kann ich mir damit auch noch ein bisschen Zeit lassen um mir die momentane Situation noch einmal genau vor Augen zu führen.

Remiriel starrt Astaroth feindselig an (nach dem er bemerkt hat wie dieser mir zu zwinkert) und Astaroth erwidert diesen Blick ohne davon überhaupt beeindruckt zu sein. Keine Ahnung über was die Beiden sich bis kurz vor unseren Eintreffen unterhalten haben, aber es ist mehr als deutlich zu spüren das sie in dem Anderen einen Rivalen sehen und irgendwie habe ich das unbestimmte Gefühl der Grund zu sein.

Raguel hingegen sieht immer noch äußerst zufrieden aus. Anscheinend gefällt es ihm Astaroth hilflos zu sehen. Kein Wunder wenn man daran denkt was wir beide vor einigen Tagen erlebt haben. Obwohl ich immer noch bezweifele das Astaroth so hilflos ist wie er gerade tut.

Bei Ezechiel bin ich mir nicht so sicher was er von der ganzen Sache hält. Er hat sein Gesicht in eine starre Maske verwandelt und sich in einen Stuhl fallen lassen aus dem er mich erwartungsvoll ansah.

Genauso Quirin obwohl man ihm deutlich genug ansieht, das er sehr genau weiß wie wenig seine Stimme in dieser Runde zum Tragen kommen wird. Als Mensch hat er in diesen Dingen kein wirkliches Mitspracherecht. Sie gehen nur Engel und in diesem Fall auch Dämonen etwas an. Trotzdem seine Neugier ist nicht zu übersehen. Anscheinend hat er sich bereits damit abgefunden, das er mein Herz nicht für sich gewinnen kann. Er verkraftet es besser als ich dachte. Nachdem ich mir ebenfalls einen Stuhl gesichert hatte und Cee sich wie gewohnt neben mir zusammenrollte begann ich.

>Wie habt ihr es geschafft ihn zu überwältigen?< Mit dem Kopf deutete ich leicht auf Astaroth der beleidigt die Mundwinkel verzog. Anscheinend will er damit andeuten, das sie ihn alles andere als überwältigt haben. Seltsamerweise bestätigt das nur meine Vermutung. Aber wieso sollte er sich einfach so von ein paar Engeln gefangen nehmen lassen? Das passt doch gar nicht zu ihm.

>Gar nicht! Sie haben gar nichts geschafft!< Hui, ist der sauer! Ich sollte wohl besser etwas vorsichtiger mit meine Fragen sein?

>Ich habe mich ergeben damit ich sie nicht verletze und du ihre Einzelteile aufsammeln musst.< Fast wäre Remiriel ihm an den Hals gesprungen, wenn Ezechiel nicht ebenso schnell wie er aufgesprungen wäre und ihn festgehalten hätte wäre ihm das auch locker gelungen. Triumphierend sah Astaroth ihn an.

>Reg dich nur nicht so auf Engelchen. Sie weiß ganz genau zu was ich unter normalen Umständen fähig bin.< Und wie ich das weiß! Aber ich werde mich hüten und das jetzt in diese Runde preiszugeben. Es reicht das Astaroth sich hier aufspielt als könnte ihm nichts und niemand etwas anhaben. Eins ist ohnehin sonnenklar, er provoziert uns mit voller Absicht und dem werde ich jetzt erst mal eine Riegel vorschieben bevor noch etwas schlimmeres passiert als nur Astaroth anzugreifen. (Der wehrt sich garantiert auch noch.) Gelassen stand ich auf und ging auf ihn zu, während sich in meiner Hand ein Dolch matrealisierte. Wenn Astaroths Blick in diesem Moment überrascht war, dann ist er es nun noch mehr. Immerhin habe ich gerade seine Fesseln durchgeschnitten. Fassungslos starrte er mich, ebenso wie alle Anderen an.

>Suru! Was zum Henker hast du getan?!< Astaroths zufriedenes Grinsen macht mir die Sache keineswegs leichter. Egal was ich jetzt sage, es kann nur schlimmer werden. Remiriels Gefühle sind ohnehin schon verletzt, aber ich kann jetzt keinen Rückzieher mehr machen. Bitte verzeih mir!

>Das einzig Richtige!. Es hat keinen Zweck ihn gefangen zu halten. Wenn er es darauf anlegt hätte, wäre er so wieso bei der erst besten Gelegenheit geflüchtet. So gebe ich ihm die Chance aus freiem Willen zu bleiben und sich an diesem Gespräch zu beteiligen oder direkt zu gehen.< Es folgte ein sehr langes Schweigen. Jeder Einzelne von ihnen hat sich tief in seine Gedanken zurück gezogen und überdenkt wahrscheinlich gerade die Situation. Ich habe sie also alle überrascht. Selbst Cee hat vorhin verwundert den Kopf gehoben. Er legte sich aber schnell wieder hin als ich mich setzte. Da sich immer noch keiner von ihnen regte griff ich den Faden wieder auf. Jetzt wird es ernst. Kein zurück mehr.

>Folgendes solltet ihr ebenfalls wissen; Dayne de Avidos Herr nähert sich unaufhörlich diesem Tal. Höchstwahrscheinlich um ihren Anführer zu befreien und unter ihnen befinden sich etwa dreißig bis vierzig Engel. Den Grund dafür kenne ich zwar nicht, aber er dürfte alles andere als erfreulich sein.< Ich überlegte kurz wie viel ich ihnen noch sagen konnte oder vielmehr musste, damit sie meinen Plan verstehen. Ezechiel nutzte diese Pause um mich zu unterbrechen.

>Aber woher willst du das wissen? Diese Nachricht ist mir vollkommen unbekannt.< Anscheinend ist er entsetzt, das ihn niemand über dieses Vorhaben informiert hat. Er hat tatsächlich vergessen mich wie sonst auch förmlich anzureden (das ist so eine Macke von ihm, von wegen Frauen freundlich behandeln und so) und das auch noch vor allen Anderen. (Er erwartet nämlich, das es jeder so macht wie er.) Was soll’s? Jetzt gibt es wichtigeres als sich um solche Banalitäten zu kümmern.

>Von mir! Das ist einer der Gründe warum ich mich überhaupt in Assia aufhalte.< Wenn Blicke töten könnten wäre Astaroth spätestens jetzt umgefallen. Die Wut in Remiriels Augen ist einfach nicht mehr zu übersehen. Es fehlt nicht mehr viel und er wird versuchen Astaroth zu rösten. Egal, ob hilflos oder nicht! Ich kann es ihm noch nicht mal verübeln. Allerdings bewies er auch dieses Mal das er sich sehr wohl noch im Griff hat. Er wirkte vollkommen ruhig als er Astaroth ansprach.

>Und wieso? Sag mir nicht das du einem Engel einfach so helfen würdest.< Bei den letzten Worten hatte ich das Gefühl das er eine Klinge durch die Luft schwang. Wenn das so weitergeht gibt es hier noch ein Blutbad.

>Nein, das nun ganz bestimmt nicht!< Astaroth biß kurz die Zähne zusammen bevor er weitersprach.

>Ich schulde ihr noch was.< Es ist zwar mehr ein Knurren als alles andere gewesen und man kann ihm ansehen, das es ihm nicht gerade leicht fällt das zu zugeben, aber es überraschte uns alle das zu hören. Mich eingeschloßen, da ich mich auf patu nicht daran erinnern kann, was er meint. Immerhin hat er mich in der Hölle doch nach Strich und Faden fertig gemacht und nicht umgekehrt. Noch bevor ich wieder das Wort ergreifen konnte sah er mich eindringlich an und ich konnte plötzlich seine Stimme in meinen Gedanken vernehmen.

* Wage es nicht! Hörst du?! Es reicht schon das ich das hier über mich ergehen lassen muss. Also wage es ja nicht ihnen die Wahrheit zu sagen! * Der eisige Blick seiner Augen sorgte für den Rest. Ich habe verstanden. Er ist nicht einfach nur so hierher geschickt worden, sondern auch weil er anscheinend der Einzige ist dem es gelingen könnte die Wahrheit über mich auch weiterhin zu verschleiern. Ich bewundere die Weitsicht meines Vaters immer mehr. Das größte Problem ist damit bereits gelöst. Aber warum ausgerechnet Astaroth?! Er wird sich ja wohl kaum um den Job gerissen haben.

>So, so du schuldest ihr also etwas? Und warum hast du uns dann im Wald angegriffen?!< Raguels Stimme tropf vor Hohn und selbst Astaroths eisiger Blick kann ihn nicht davon abbringen auf eine Antwort zu beharren. Immerhin glaubt er sich im Vorteil und diese Illusion würde ich ihm nur ungern nehmen.

>Ich wollte lediglich sehen welche Rolle du in diesem Spiel hast. Mehr nicht.< Das selbstzufriedene Grinsen in Astaroths Gesicht ist merkwürdig und sicherlich genauso gefährlich wie das Glitzern seiner Augen. Anscheinend weiß er erheblich mehr als er bereit ist zu zugeben. Das kann noch heiter werden. Warum eigentlich ich?

>Schluss jetzt ihr alle! Ich habe genug davon das ihr euch benehmt als wärt ihr kleine Kinder!< Wütend funkelte ich in die Runde.

>Es gibt wichtigeres um das wir uns kümmern müssen!< Ich kann es kaum fassen das ich diese Worte überhaupt ausgesprochen habe, aber zurück nehmen kann ich sie nicht mehr. Zum Glück sind sie viel zu überrascht als das sie mich jetzt noch unterbrechen würden.

>Hört mir gut zu. Es ist mir ziemlich egal was jeder Einzelne von euch denkt. Für mich ist im Moment nur eins entscheidend und das ist die Sicherheit des Dorfes. Ich werde auf gar keinen Fall dulden das hier ein Heer reinspaziert und sich einfach nimmt was es möchte, ob sie nun von Engeln begleitet werden oder nicht, es sind zum Großteil Menschen und die haben nun einmal von Natur aus die dumme Angewohnheit sich nicht an getroffene Abmachungen zu halten. Das heißt selbst wenn wir ihnen erlauben würden sich ihren Anführer zurück zu holen kann es dennoch zu einem Blutbad kommen.

Dayne de Avido befindet sich ohnehin nur aus einem einzigen Grund hier und dieser Grund bin wie ihr bereits sicher wisst, ich. Also werde ich auch die Verantwortung übernehmen, was diese Sache angeht. Der Rat ist bereits zusammengerufen und noch haben wir genügend Zeit um einen sinnvollen Plan zu entwickeln, den wir dem Rat vorlegen können. Doch bevor wir das tun muss ich dem Rat noch einmal in Erinnerung rufen wer und was ich bin und ich verlange, das sich keiner, KEINER von euch da einmischt! Habt ihr mich verstanden? Das ist allein meine Sache und die des Dorfes! Ihr werdet euch aus allem so weit wie möglich raushalten und nur reagieren wenn der Rat dem zu stimmt. Ist das klar? Ich werde nicht zulassen das man aus dieser Ebene ein Schlachtfeld macht!< Eisern blickte ich in die Runde und machte mich darauf gefasst jetzt mit unzähligen Widerworten konfrontiert zu werden. Doch keiner von ihnen rührte sich. Einzig ihre Blicke lagen in einer Art und Weise auf mir, die ich noch nie zu vor bemerkt hatte. Erst beim zweiten Hinsehen begriff ich das es Bewunderung war. Erleichtert ließ ich mich zurück sinken. Das ist also auch geschafft. Klasse, so kann es weitergehen. Klappt ja besser als ich dachte.

>Und mein Onkel? Was habt ihr mit ihm vor?< Quirins Gesichtsausdruck läßt nur allzu deutlich auf das schließen was er dabei denkt. Also wirklich! Kopfschüttelnd antwortete ich ihm.

>Traust du mir wirklich so wenig? Quirin, du solltest langsam aber sicher wissen, das ich Andere nur äußerst ungern verletze. Ansonsten hätte ich mich schon beim letzten Angriff deines Onkels zur Wehr gesetzt und das-< Achtung, dramatische Pause.

> -hätte er wohl kaum überlebt.< Schockiert sah er mich an. Was? Meint er tatsächlich, das es so schwer ist seinen Onkel unter die Erde zu befördern?! Mehr als ein kleines Loch, das plötzlich unter seinen Füßen entsteht ist da wirklich nicht nötig. Okay, bauen wir ihn also wieder etwas auf.Von dem Quälgeist den ich seinem Onkel auf den Hals geschickt habe und der immer noch existiert erwähne ich besser mal nichts.

>Du musst dir um ihn wirklich keine Sorgen machen. Ihm passiert schon nichts.< Da er mich immer noch völlig fassungslos anstarrte griff ich zu einem etwas drastischerem Mittel. Mit einem Ruck löste ich den Verband von meiner Schulter. Er sog hörbar die Luft ein.

>Siehst du? Die Wunde ist fast komplett verheilt. Warum soll ich deinen Onkel fürchten? Er ist keine Bedrohung für mich.< Urplötzlich stand Ezechiel neben mir und griff nach meinem Arm. Er starrte vollkommen fassungslos auf meine Schulter. Anscheinend sucht er etwas, aber viel ist ohnehin nicht mehr zu sehen. Der einzige Hinweis auf eine Verletzung ist ohnehin nur noch ein dünner roter Strich, der langsam aber sicher verblasst. Ich spüre schon fast nichts mehr davon.

>Das ist vollkommen unmöglich! Wie kann eure Wunde so schnell geheilt sein? Kein Engel verfügt über solche Kräfte und ihr seit zur Hälfte ein Mensch! Das ist absurd.< Astaroths Lächeln verhinderte das ich antworten konnte. Er genießt es sichtlich das keiner außer ihm bescheid weiß und er hat bestimmt nicht vor dieses Wissen zu teilen. Was bedeutet das er auch mir nicht erlauben wird mein Geheimnis zu verraten. Vielleicht hat er ja dann auch eine Idee was ich Ezechiel jetzt erzählen soll.

>Ich glaube du hast vergessen das es sehr wohl einen Engel mit solchen Kräften gibt.< Das löste den Griff um meinen Arm.

>Raphael, den Anführer der Virtues.< Immer noch reiflich aus der Fassung sah Ezechiel Raguel an.

>Das kann nicht dein Ernst sein! Raphael würde sich doch niemals mit einem Menschen einlassen! Er ist zwar hinter jedem Rock her, aber das?! Das würde selbst ich ihm nicht zu trauen.< Hinter Ezechiel räusperte sich Remiriel hörbar und deutete dabei leicht auf Quirin und mich. Immerhin ist die Beleidigung nur schwer zu überhören. Wie so viele andere Engel auch hält Ezechiel nicht besonders viel von Menschen. Auch wenn es ihm bisher gelungen ist dies geschickt zu verbergen. (Anscheinend bin ich da eine große Ausnahme.)

>Entschuldige, du hast recht. Dieses Thema sollten wir auf sich beruhen lassen. Es würde zu weit vom eigentlichen Problem wegführen.< Übersetzt heißt das: Es geht Menschen nichts an. Das macht mich wütend. Immerhin bin ich nur zur Hälfte ein Engel und Ezechiels Reaktion beweißt zu deutlich das er mir diesen Status nicht zu gesteht.

>Da wäre noch etwas, Suru was meint ihr mit ihr müsst dem Rat in Erinnerung rufen wer ihr seid?< Seine violetten Augen lagen durchdringend auf mir und obwohl ich immer noch wütend auf ihn war schaffte ich es ruhig zu antworten.

>Ganz einfach ich werde ihnen zeigen, das ich alles andere als ein gewöhnlicher Mensch bin.< Er hat den Wink verstanden und senkte beschämt den Blick. Trotzdem hat er seine Entschuldigung nicht laut geäußert und das bringt mein Blut erst recht zum Kochen. Ich lasse mir von nichts und niemanden sagen was ich bin und was nicht. Das weiß ich selbst immer noch am Allerbesten!

>Ihr meint das vollkommen ernst, oder?< Was sonst?! Hat er vielleicht eine bessere Idee? Es muss sein. Ich bin mir nämlich ziemlich sicher das viele diese Tatsache bereits vergessen haben. Er fasste mein Schweigen als Zustimmung auf.

>Das ist Wahnsinn! Wenn ihr euch all diesen Menschen offenbart werden sie euch verraten.< Das reicht! So schlecht wie gerade tut sind die Menschen nun auch wieder nicht.

>Das glaubt auch nur ihr!< Mit viel Schwung stand ich auf und machte mich auf den Weg zurück ins Haus. Es hat einfach keinen Sinn diese Unterhaltung noch länger fortzusetzen. Wir werden uns nur die Köpfe heiß reden und Dinge äußern, die besser ungesagt bleiben.

>Aber es bedeutet auch das ihr für den Bannkreis der über diesem Tal liegt verantwortlich seit.< Ich wirbelte herum. Ezechiel sah gedankenversunken in den nächtlichen Himmel hinauf.

>WAS?!< Mit dieser Aussage hatte er es geschafft die Aufmerksamkeit aller wieder zu erlagen. Dennoch sah er mich nach wie vor verwundert an.

>Ihr meint ihr wisst das nicht? Ihr habt es unbewusst getan?< Da ich immer noch keinen Schimmer habe von was er da redet wartete ich ab.

>Das ist unglaublich! Ihr keinerlei Ahnung?!< Gähnend streckte sich Astaroth in seinem Stuhl aus und fing sich damit einen äußerst feindlichen Blick von Raguel ein.

>Verdammt noch mal, das ihr Engel auch immer alles so kompliziert machen müsst! Warum sagst du ihr nicht einfach das die Menschen in diesem Tal langsamer altern als der Rest der Menschheit, das es hier kaum Krankheiten oder schlechtes Wetter gibt und das es allein ihr Bannkreis ist der das bewirkt?!< Ich war vollkommen geschockt. Mein Bannkreis?! Ich verfüge über solche Kräfte, das ich es schaffe die Lebensspanne der Menschen zu verlängern?! Kann mich bitte mal jemand kneifen!

>Ah seht sie euch an doch nur an. Sie hat nicht die geringste Ahnung von was wir reden.< Astaroth grinste spöttisch in die Runde, was nicht gerade seinen Beliebtheitsgrad steigerte. Trotzdem ließ er sich dadurch in keinster Weise entmutigen.

>Na Engelchen, geht euch jetzt endlich die Muffe? Sie ist lange nicht so wehrlos wie ihr meint.< Triumphierend schwenkte sein Blick wieder zu mir.

>Wie sonst hätte sie es wohl geschafft das gleich zwei Höllenbewohner zu ihrem Schutz erscheinen?< Er verrät ihnen zwar nicht was die andere Hälfte meines Ichs ausmacht, aber seine Sätze haben sie auch so schockiert. Bisher sind sie der Ansicht gewesen das ich wenigstens halbwegs schutzlos bin wenn es um Engel oder Dämonen geht, aber er hat ihnen so eben äußerst erfolgreich das Gegenteil aufgezeigt.

>Und wenn sie endlich damit aufhören würde ihre Kräfte mit diesem sinnlosen Bannkreis zu verschwenden, dann wäre das Problem Dayne de Avido nebst Heer und Engeln schon längst gelöst!< Ich weiß nicht was schlimmer ist, die fassungslosen Gesichter der restlichen Anwesenden oder das Astaroth mit dem was er sagt vollkommen recht hat. Trotzdem sehe ich es nicht ein ihm diesen Triumph zu gönnen.

>Oder du sagst das nur um uns zu verwirren?< Er erwiderte meinen eisigen Blick ohne mit der Wimper zu zucken. So viel zum Thema ich schaffe es ihm Angst einzujagen.

>Vielleicht, vielleicht auch nicht. Immerhin bin ich ein Dämon.< Damit war das Gespräch für ihn beendet und er erhob sich langsam.

>Ich weiß zwar nicht wie es euch geht aber ich bin hundemüde und werde mich jetzt aufs Ohr hauen.< Er streckte sich noch einmal genüsslich und kam dann ohne jegliche Skrupel auf mich zu.

>Du hast doch garantiert ein Gästezimmer für die, oder?< Mir blieb fast die Luft weg bei dieser offensichtlichen Respektlosigkeit.

>Was fällt dir ein?!< Wütend hatte Remiriel ihn am Kragen gepackt. Oh nein! Nicht auch noch das. Ich habe keine Lust mehr!

>Engelchen ich geb dir einen guten Rat. Laß mich los oder du bereust es!< Ich habs gewußt, das ist genau das was ich die ganze Zeit über vermeiden wollte. Warum? Warum ausgerechnet ich?!

>Hört sofort auf damit!< Energisch trennte ich die Beiden. Es gibt nur einen Weg diese Sache ein für alle mal zu erledigen und es wird nur funktionieren wenn Astaroth mitspielt.

>Ich sagte bereits, das wir andere Probleme haben als diese Kinderspielchen.< Damit verletzte ich Remiriels Stolz ein weiteres Mal und das schmerzt mich wahrscheinlich mehr als ihn, aber was bleibt mir anderes übrig? Ich muss sie zur Vernunft bringen bevor es zu spät ist.

>Wir haben genügend Gästezimmer um euch alle unterzubringen. Folgt mir einfach.< Damit beendete ich alle weiteren Gespräche. Es dauerte keine fünf Minuten bis sie so verteilt waren das ich mir sicher sein konnte, das es in dieser Nacht keine weiteren Zwischenfälle oder Toten mehr gibt. Und es stellte sich als eine sehr weise Entscheidung heraus Astaroth als letztem ein Zimmer zu zuweisen. Er ließ es sich nämlich nicht nehmen Remiriel ein weiteres Mal zu provozieren in dem er mich fest umarmte und seinen Kopf in meinem Haar vergrub.

>Dein Vater wäre sehr stolz auf dich.< Völlig verdutzt durch diese geflüsterte Botschaft vergaß ich das ich mich eigentlich aus dieser Umarmung hätte befreien müssen. Astaroth hingegen wusste das nur zu genau und stieß mich äußerst unsanft gegen Remiriel.

>Du solltest besser auf sie aufpassen. Sie ist sehr eine sehr begehrtes kleinod und so mancher Sammler würde dafür töten.< Ist das nun eine Warnung oder eine Herausforderung? Ich habe es aufgegeben aus Astaroth schlau werden zu wollen, aber scheinbar sprechen er und Remiriel dieselbe Sprache. Er verlor wenigstens kein einziges Wort mehr über Astaroth, dafür aber über genügend andere Dinge. Bis zum Morgengrauen diskutierten wir miteinander und das Schlimmste an der Sache war, das keiner von uns beiden bereit war nachzugeben. (Wie immer!) Wenn uns nicht plötzlich der Schlaf übermannt hätte wäre diese Debatte wohl endlos weitergegangen.

So waren wir beide am nächsten Morgen vollkommen gerädert und ziemlich ungenießbar. Selbst Astaroth machte einen riesen Bogen um uns. Erst gegen Abend konnte man unsere Stimmung wieder als normal bezeichnen, auch wenn die Luft zwischen uns immer noch reiflich gespannt war. Zur allgemeinen Überraschung war es Astaroth der uns alle wieder etwas lockerer werden ließ. Auf eine ziemlich charmante Art uns Weise (er sagte uns direkt ins Gesicht wie kindisch wir uns seiner Meinung nach Verhalten) sorgte er dafür das wir uns wieder den aktuellen Problemen bewusst wurden. Auch wenn es ihm nach wie vor nicht passte das Cee mehr zu melden hat als er. Sein offensichtliches Missfallen über die Situation sorgte allerdings bei allen Anderen für einen riesen Erheiterungseffekt. Von dem furchteinflößenden Astaroth von damals ist fast nichts mehr zu spüren und ich frage mich ernsthaft was mein Vater mit ihm angestellt hat. Von allein würde sich Astaroth garantiert niemals so friedfertig in unserer Gegenwart benehmen. Selbst mein Sohn hat sämtliche Scheu vor ihm verloren und behandelt ihn, wie schon zu vor Raguel und Ezechiel, als eine Art großen Bruder, der ihm selbstverständlich auch allerlei Blödsinn bebringt. Zum Glück für Remiriel und mich hält der Bann über die Kräfte unseres Sohnes noch an und er stellt nur so viel an wie andere Kinder auch. Nicht auszudenken was Astaroth ihm zeigen würde, wenn er etwas  davon ahnen würde.

Alles in allem hatten wir ein paar ziemlich vergnügte Tage und nach mehreren Versöhnungen mit Remiriel lief ich (laut Ezechiel, Ouirin, Raguel, Astaroth und einigen Anderen) mit einem Lächeln durch die Gegend das nur zu deutlich zeigte wie glücklich ich im Moment war. Ganz zu schweigen davon, das man meist mehrere Anläufe braucht wenn man mich anspricht und auf eine Reaktion hofft. Natürlich nutzte man die Gelegenheit um Remiriel, der einen ähnlichen Gesichtsausdruck an den Tag legte, und mich bei jeder Gelegenheit damit aufzuziehen. Sollen sie doch! Mir kann es egal sein. Seitdem feststeht das Remiriel hierbleiben wird (alle Überredungsversuche waren vergeblich. Hach ist das Leben schön!) schwebe ich nur noch auf Wolken. Um ehrlich zu sein habe ich nach unseren ersten Gespräch über dieses Thema nie wieder damit angefangen. Dafür liebe ich ihn viel zu sehr. Nie wieder voneinander getrennt sein! Juchuh!!!!!!!!!!!!!

>Ähm, Suru entschuldige bitte, aber meinst du nicht, das du besser wie jeder Mensch mit den Füßen auf dem Boden laufen solltest?< Verwundert sah ich Raguel an und bemerkte gerade noch den Ast, der sich meinem Kopf gefährlich näherte. Lächelnd schwebte ich neben ihn.

>Du bist eifersüchtig!< Ich schaffe es einfach nicht mir diese kleinen Sticheleien zu verkneifen. Seitdem er und Ezechiel so etwas wie ein festes Paar sind wird er immer so leicht rot, wenn man das Thema in eine bestimmte Richtung lenkt und nebenbei macht es noch einen Heidenspaß die Beiden zu ärgern.

>Bin ich nicht!< Aber sicher doch! Deshalb ist das jetzt auch eine ruhige und beherrschte Antwort gewesen und sie klingt überhaupt nicht patzig.

>SURU!!!! Hör endlich mit diesem dämlichen Gegrinse auf! Das ist langsam peinlich!< Und wenn schon! Wenn stört das? Kichernd setzte ich meine Füße im weichen Gras ab und tänzelde ein paar Schritte vor ihm her, während ich die Melodie von Remiriels Lieblingslied summte. Ich liebe das Leben ja so!!!!!!!!!

>Oh man, habt ihr überhaupt eine Ahnung wie ihr euch verhaltet? Ihr tut gerade so als würde es keine Probleme mehr geben.< Als wenn das bei ihm anders wäre. Ezechiel kümmert sich inzwischen regelmäßig um das Wohlergehen seines Schützlings und man kann es beiden mehr als nur deutlich ansehen.

>Stimmt! Der Rat steht auf unserer Seite, die Unterhändler verhalten sich friedlich und es ist Frü-hü-hü-hü-ling!< Noch ehe er sich versah hatte ich ihm einen der Blumenkränze, die wir vorhin auf dem Marktplatz gekauft hatten auf die Haare gelegt. Völlig verdutzt sah er mich an und ich konnte nicht anderes als im einen Kuß auf die Stirn geben. Er sieht mit einfach zu niedlich damit aus.

>SURU!!!!!!!!!!< Zu spät! Bin weg! Lachend stürmte ich durch den Garten unseres Hauses und rannte dabei prombt Ezechiel über den Haufen. Als Entschuldigung verpasste ich ihm ebenfalls einen Blumekranz und fand auch schon meine nächsten Opfer. Weder Quirin noch Astaroth wussten wie ihnen geschah als sie plötzlichen einen ähnlichen Kranz im Haar hatten. Immer noch lachend tanzte ich ausgelassen durch den Garten während ein sanfter Windhauch dafür sorgte, das sich der Fliederduft langsam ausbreitete.

>Jetzt geht das schon wieder los! Oh nein, da kommt der zweite Irre.< Wieso muß ich eigentlich immer Lachen wenn Astaroth versucht mich zu ärgern? Kann es sein, das ich mich daran gewöhnt habe das er hier ist? Viel Zeit um mir darüber Gedanken zu machen hatte ich ohnehin nicht mehr, da Remiriel mich packte und durch den halben Garten wirbelte, bis wir schließlich damit anfingen uns gegenseitig durch die Wolken zu jagen.

Seitdem ich vor dem Rat gesprochen habe ist es nicht mehr nötig, das sich einer von uns (mit Ausnahme von Astaroth) verstecken muß. Wir können frei zeigen was wir sind und das genossen wir alle natürlich in vollen Zügen. Tja, und Dayne de Avido habe ich auch schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr gesehen. Nachdem der Rat sich davon überzeugt hatte, das er eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellt (immerhin hat er es sich nicht nehmen lassen erneut einen Anschlag auf mich zu verüben und das vor den komplett versammelten Ratsmitgliedern!) ist er unter Arrest gestellt worden und seine Untergeben haben mehr als genug damit zu tun ihn wieder freizubekommen. Es gibt noch etwas sehr Positves an der ganzen Sache die Engel, die das Heer begleiten haben sich bisher noch nicht blicken lassen und es scheint sie auch nicht weiter zu kümmern, das mein Haus inzwischen von drei Engeln und einem Dämon bevölkert wird. Okay, das mit dem Dämon weiß außer uns keiner, da wir im gegenseitigen Einverständnis dafür gesorgt haben, das Astaroth als Mensch durchgeht. Nur ist er alles andere als begeistert davon. Vor allem da wir ihn nicht wirklich gefragt haben, ob es für ihn in Ordnung sei. Jetzt ist er noch brummeliger als es ohnehin schon der Fall war, aber das stört eigentlich niemanden wirklich. Quirin kann sich das merkwürdige Verhalten seines Onkels immer noch nicht erklären, aber er hat sich damit abgefunden, das sein Onkel in meiner Gegenwart jedes Mal leicht (glattte Untertreibung!) austickt. Letztendlich ist Quirin auch bei uns eingezogen und damit ist das Haus endgütlig voll. Shion hat nur den Kopf über so viel Unvernunft (wie er es nennt) geschüttelt und war auch schon wieder zum nächsten Rattreffen verschwunden.

Als Oberhaupt des Dorfes gehört das zu seinen Verpflichtungen und die Tatsache, das er mich großgezogen hat tut ein Übriges. Einer aus unserer Familie muß zwangsläufig an den Sitzungen teilnehmen und Shion besteht darauf, das er das ist. Bisher hat sich ohnehin nicht viel getan. Feststeht nur, das ich mich der Entscheidung des Rates beugen werde und das alles getan werden muß um einen Krieg zu verhindern.

>Mama? Papa? Wo seit ihr?< Nachdem ich Remiriel direkt in eine Wolke gelotst hatte ließ ich mich zu Boden fallen, schnappte mir unseren Sohn und stieg wieder ins Blau des Himmels hinauf. Er strahlte mich an wie schon lange nicht mehr. Keine zwei Sekunden später gesellte sich auch Remiriel zu uns und wir durchstreiften zusammen die schier unendliche Weite von Assias Himmels, auch wenn unser Sohn dabei nicht das Geringste von seinen Schwingen ahnte. Der Bann über seinen Kräften ist nach wie vor voll intakt. Wieso ist das bei mir eigentlich nicht mehr der Fall? Irgendwie muß ich zu tief in Gedanken gewesen sein, denn gerade als mir Remiriel eine Warnung zurief prallte ich auch schon gegen etwas ziemlich Hartes und fiel rasend schnell in Richtung Boden. Zu meinem Glück sind uns Ezechiel und Raguel aus irgendeinem Grund gefolgt und konnten mich somit gerade noch auffangen bevor ich auf den Boden prallte. Reiflich blaß und mit mäßig zitternden Knieen stand ich nun im weichen Gras und atmete erst einmal tief durch. Das ist mir ja noch nie passiert! Ein Sturz einfach so? Seit wann hat Luft Balken? Ich kann von Glück reden das ich die Hand unseres Sohnes bereits losgelassen hatte. Ansonsten wären wir beide gestürzt und ich weiß nicht ob wir es geschafft hätten heil runterzukommen.

>Suru! Suru ist alles in Ordnung mit dir?< Immer noch reiflich aus der Fassung schaffte ich es nicht Ezechiel zu antworten. Allein die Vorstellung das mein Sohn diesem Sturz nur knapp entkommen ist läßt es mir eiskalt den Rücken herunterlaufen.

>Verdammt Suru! Reiß dich zusammen! Du siehtst aus wie ein Leiche!< Ein kräftiges Schütteln an meinen Schultern brachte mich wieder halbwegs zur Vernunft. Ezechiel hat ja recht. Ich sollte lieber froh sein das alles glatt gegangen ist. Irgendwie schaffte ich es zu einem Lächeln bevor Remiriel und mein Sohn zu uns stießen. Ich weißt allerdings immer noch nicht was mich da eigentlich getroffen hat. Keiner hat etwas gesehen. Merkwürdig...

>Mama! Mama! Ich hatte solche Angst um dich!< Unser Sohn war leichenblaß als er auf mich zu stürmte und plötzlich ist mir alles egal. Ich schloß ihn in meine Arme und drückte ihn fest an mich.

>Ist schon gut mein kleiner Schatz. Mama geht es gut. Sie hat sich nur ein klein wenig erschrocken.< Natürlich glaubt er mir kein einziges Wort wie auch der Rest der Anwesenden und es kostete mich reiflich Mühe sie davon zu überzeugen, das sie im Unrecht sind was das angeht. Um genau zu sein den gesamten Weg zurück zu unserem Haus. Da sie sich aus irgendwelchen Gründen weigerten diese Strecke fliegend zurück zu legen brauchten wir dafür dann auch fast drei Stunden. Meine Begeisterung über diesen Fußmarsch hält sich dabei extrem in Grenzen und daran können auch die Versuche der Anderen mich aufzuheitern nichts ändern. Allerdings scheint es unseren Sohn ziemlich gut zu gefallen, das wir uns jetzt am Boden fortbewegen. Kein Wunder! Diese Gegend kannte er bisher nur aus der Vogelperspektive und eigentlich ist die Landschaft ja auch wunderschön, aber im Moment nervt es mich einfach nur, das wir so lange brauchen. Ich habe Hunger! Und natürlich hat mal wieder keiner was zu Essen dabei. Deshalb war ich auch heilfroh als sich die Umrisse unseres Hauses am Horizont abzeichneten. Höchstwahrscheinlich hat sich inzwischen jemand erbarmt und was gekocht. Reiflich staubbedeckt, entnervt und mit unzählingen Blumengirlanden im Haar stolperte ich durch die Tür und freute mich eigentlich nur noch auf ein heißes Bad und anschließend auf eine warme Mahlzeit, nur wurde daraus nichts. Erst hielten mich unser Sohn, Ezechiel, Raguel und selbstverständlich auch Remiriel auf (immer noch zu tiefst besorgt wegen des Sturzes), dann stürmte ein stinkwütender Astaroth auf mich zu der sich über irgend etwas unwichtiges aufregte und nachdem ich das alles hinter mir hatte empfing mich als nächstes ein ernst blickender Shion. In Gedanken strich ich bereits das Bad und mein Essen. Daraus wird bei Shions Gesichtsausdruck garantiert nichts. Wenn er einen so ernst ansieht, dann tritt er in Funktion des Vorsitzenden des Dorfes beziehungsweise Ratsmitglied auf und das gilt für alle einschließlich der Familie. Das heißt ich werde mich jetzt sofort um ihn kümmern müssen und kann ihn nicht wie gewohnt darum bitten einfach ein paar Minuten zu warten bis ich mich umgezogen habe.

Kaum hatte Shion uns gesehen stellte er uns vor vollendete Tatsachen. Die Engel, die Dayne de Avidos Heer begleiteten haben heute vor dem Rat gesprochen und ausdrücklich gefordert, das eine Unterredung mit mir und all meinen Mitbewohnern stattfindet. Über die Gründe haben sie nur so viel verlauten lassen, das diese äußerst wichtig seien und das sie Menschen nicht weiter zu interessieren hätten. Diese Worte hatten sie allerdings so verpackt, das der Rat sich immer noch geschmeichelt fühlte, das sich die Engel überhaupt bei ihnen blicken ließen . Deshalb hat man Shion losgeschickt um uns zu holen, der sich natürlich ernsthaft Sorgen um uns alle machte und vorsorglich darauf bestand meine Sohn in seiner Obhut zu behalten. Was im Klartext hieß das wir bevor wir zum Rat gingen noch einen kleinen Abstecher zu Saeko machten, die hocherfreut war über so viele Gäste und trotz des Protestes, das wir uns nur verspäteten würden erst einmal jeden mit etwas Essbarem versorgte. Wofür ich ihr sehr dankbar bin. Dennoch drängte uns Shion zum Aufbruch und so kamen wir schließlich alle immer noch reiflich staubbedeckt und noch auf den Resten unseres Imbisses kauend in der Ratshalle an.

Was uns da erwartete hätten wir uns niemals träumen lassen. Der Rat war komplett versammelt. Nur Shions Stuhl ist noch leer, aber das änderte sich bald. Mit einer nicht zu leugnenden Würde nahm er wieder Platz und blickte sorgsam in die Runde der anderen Ratsmitglieder. Fast als wäre das ein Zeichen gewesen öffneten sich plötzlich die Türen an den Seiten und langsam traten an die zwanzig Engel ein. Alle in diesselben eindrucksvollen Gewänder gekleidet, die sie als Elitte des Himmels auszeichneten. Mir blieb bei diesem Anblick fast die Luft weg. Bisher habe ich es noch nie erlebt das sich so viele Engel in diesem Aufzug bewegen, noch dazu in Assia. Diese Gewänder werden ausschließlich von jenen getragen die vom Himmel beauftragt wurden Recht zu sprechen. Neben mir murmelte Astaroth irgendetwas in Richtung hinterhältige Falle, doch so ganz kann ich das nicht glauben. Dafür hätten sie sich nicht diese Arbeit machen müssen. Nein, sie müssen etwas anderes vorhaben. Nur was?

>Remiriel, paß bloß auf mit dem was du ab jetzt sagst. Ich habe das dumpfe Gefühl, das sie wegen dir hier sind Bruderherz.< Geschockt sah ich die Beiden an. Remiriel gab mit einem leichten Nicken zu verstehen das er die Warnung ernst nahm. Kurz darauf bemerkte ich das er seine Gedanken abschottet und einen so starken Wall um sich errichtet, das es selbst mir schwer fiel noch zu ihm durch zudringen.

>Wenn du klug bist schließt du dich ihnen an.< Keine Ahnung wie Astaroth etwas von diesen unsichtbaren Mauern gemerkt hat (vor allem da er seine Kräfte zur Zeit nicht nutzen kann), aber im Moment ist das wohl mehr als nebensächlich. Trotzdem hat er Recht und ehe einer der Engel uns so nah kam das er etwas hätte merken können hatte ich um meine Gedanken ebenfalls einen festen Wall gelegt.

Um so überraschter waren wir als wir den eigentlichen Grund erfuhren warum sie uns sprechen wollten. Sie hatten von Dayne de Avido zwar von einem angeblichen Dämon gehört, aber das interessierte sie längst nicht so sehr (insgeheim hielten sie diesen so wieso für einen armen Irren, der den letzten Rest seines Verstandes schon vor langer Zeit eingebüßt hat) wie die anderen Gerüchte die aus Assia in die Himmel drangen. Es wird von einem Engel in Assia berichtet, der eine solch eindrucksvolle Stimme besitzt, das man in dem Moment wo man diese vernimmt alles andere vergißt. Kein Mensch der sie bisher vernohmen hat hatte sie je wieder vergessen. Deshalb sind sie ausgeschickt worden um genau diesen Engel zurück in den Himmel zu geleiten, wo er Gottes Glorie besingen sollte. Zu letzt soll sich dieser angeblich Engel in diesem Tal aufgehalten haben und da Dayne de Avidos Heer rein zu fällig dasselbe Ziel hatte haben sie sich diesem angeschlossen. Wir hatten diese Erklärung mit einem so gleichgültigen Gesichtsausdruck wie nur eben möglich über uns ergehen lassen und noch ließ sich keiner von uns anmerken das wir bereits wussten wenn sie suchten. (Besonders scharf bin ich auf den Job ohnehin nicht gerade.)

Es gibt da nur ein Problem Dayne de Avido hat ihnen bereits gesagt wie der Engel aussieht den sie suchen und da ich das einzig weibliche Wesen unter meinen Begleitern bin. Nun ja, sagen wir einfach ich hatte keine Chance mehr ihrer Bitte zu entkommen. Nach dem ich den Rat gefragt hatte was er davon hält (immerhin lebe ich jetzt schon sehr lange hier und es gibt da gewisse einzuhaltene Regeln) und erfuhr, das sie bereits beschlossen hatten diese Entscheidung allein mir zu überlassen hätte ich eigentlich aufatmen können, aber wie erklärt man bitte schön Engeln, das man lieber in Assia lebt als im Himmel? Mein Versuch es ihnen schonend beizubringen und darauf hinzuweisen, das ich zur Hälfte ein Mensch bin gelang nur kläglich. Immerhin gaben sie ihre Überredungsversuche nach einer guten halben Stunden auf und wir einigten uns darauf, das ich ihnen am nächsten Abend zu mindest einen Beweis dafür liefern würde, das die Gerüchte der Wahrheit entsprachen. Eigentlich ist das Thema für mich damit erledigt, aber einer der Engel drehte sich kurz bevor er den Saal verließ noch einmal um.

>Ich bin mir sicher, das wenn ihr noch eine Nacht darüber schlaft eure Antwort morgen anders aussieht.< Lächelnd schüttelte ich den Kopf als er die Tür hinter sich schloß. Da muß schon einiges mehr passieren um mich von hier wegzubringen.

>Das war Leciel. Er hat bestimmt noch etwas vor.< Anerkennend klopfte ich Remiriel auf die Schulter. Woher weiß er nur immer was ich im nächsten Augenblick fragen will?

>Mach dir darüber mal keine Sorgen. Das werden wir alles spätestens morgen sehen, also laß gut sein. Und jetzt laßt uns endlich Essen! Ich bin am Verhungern!< Da es den Anderen ebenso ging verabschiedeten wir uns höflich vom Rat und fielen wie hungrige Wölfe im nächsten Gasthaus ein. Nach einem ausgiebigen Essen gingen (besser rollten) wir dann gemählich wieder nach Hause und fielen totmüde in die Betten. Eigentlich habe ich ja fest vorgehabt Remiriel an diesem Abend noch zu sagen, das ich schon seit einigen Wochen schwanger bin, aber irgend wie scheiterte es daran, das wir kaum im Bett lagen auch schon einschliefen.

Der nächste Tag begann zwar relativ ruhig, das heißt für mich eigentlich nur bis ich wach wurde und nur mal kurz etwas zu trinken aus der Küche holen wollte. Dort erwarteten mich bereits voller Tatendrang fast alle Frauen unseres Dorfes und ehe ich mich versah hatten sich mich auch schon in ein öffentliches Bad geschleppt und begannen mich auf meinen Auftritt vorzubereiten. Wäre Cee nicht plötzlich aufgetaucht und hätte sie abgelenkt wäre ich ihnen wohl kaum entkommen. Inzwischen ist es fast Mittag und in einer knappen Stunde werden sich wohl die ersten Zuschauer auf dem Marktplatz versammeln, also hat es keinen Zweck mehr sich noch weiter verstecken zu wollen. Ich stecke ohnehin schon im richtigen Kleid und bin geschminkt. Seufzend machte ich mich auf Weg zum Marktplatz wo sich zu meinem größten Erstaunen schon eine riesige Menschenmenge versammelt hatte. Allerdings nicht wegen mir sondern eher wegen einiger Engel die es sich nicht hatten nehmen lassen schon jetzt einmal das Dorf zu erkunden. Noch ehe mich jemand bemerken konnte ging ich hinter einem Marktstand in Deckung und missbrauchte eine dunkle Decke als Umhang um nicht sofort aufzufallen. Es gelang mir einen freien Platz auf den Tempelstufen zu ergattern und so konnte ich ihn Ruhe das Treiben auf dem Marktplatz beobachten. Erst als ein paar von den Frauen ankamen und wild in der Gegend herumgestikulierten begann man mich zu beachten. Dezent zog ich mich in den Tempel zurück und tat so als hätte ich dort etwas äußerst wichtiges vergessen.

Oh man, ich hoffe nur mich hat keiner von ihnen erkannt. Immerhin trage ich dasselbe Kleid wie beim Sternenfest. Im Tempel herrschte eine angenehme Kühle und ich genoß es langsam über den weißen Marmor zu schreiten ohne das mich jemand dabei störte. Es tut ganz gut mal wieder für sich zu sein. Bald wird das gar nicht mehr so einfach. Liebvoll strich ich kurz über meinen Bauch. Ich muß es ihm unbedingt heute noch sagen. Am besten nachdem das hier alles vorbei ist. Gelassen ging ich zurück zum Eingang des Tempels und sah schon vom Weitem das sich bereits alle versammelt hatten. Nur weiß keiner von ihnen wo ich eigentlich stecke, deshalb haben die Musiker auch noch nicht angefangen zu spielen sondern sahen sich nur ratlos in der Gegend um. Dann man los!

Langsam erhob ich meine Stimme zu einem Lied das die Schönheit Assias pries und schritt durch die Tore des Tempels hinaus in die warme Frühlingssonne. Sämtliches Gemurmel verstummte als man mich entdeckte. Immer noch im ruhigen Part des Liedes ließ ich meinen Umhang zu Boden sinken und ließ meine Stimme die Melodie steigern, bis sie das Finale erreichte und langsam wieder absackte. Ich ließ meine Zuhörer an allen Jahreszeiten Assias teilhaben und schloß die Melodie mit dem Anfang von allem, dem ewigen Kreis der Natur, der in jedem Jahr wieder von vorn beginnt, wenn der Frühling die ersten Knospen hervorbringt. Dieses Lied ist eine Art Geschenk an meine Familie, meine Liebe zu Assia und an meine Entscheidung diese Welt in der aufgewachsen bin niemals zu verlassen.

Der losbrechende Jubel war so stark, das er mich taumeln ließ. Ich werde mich niemals daran gewöhnen, das sie so auf meinen Gesang reagieren. Die Gefühle, die sie für ihren Engel des Lichts (wie sie mich schon seit geraumer Zeit nennen) empfinden treffen mich wie fast jedes Mal wie Keulenschlag. Ich kann mich einfach nicht davor abschotten. Sie sind zu stark. Unendlich stolz schritt Shion die Stufen zu mir herauf und griff nach meiner Hand. Der Jubel wurde noch lauter. Alle wissen das er mein Vater ist. Mir wurde schwindelig, aber es gelang mir davon nichts nach außen dringen zu lassen. Die Menge feierte uns weiter und sämtliche Engel fielen in diesen Jubel mit ein. Überglücklich ging ich gemeinsam mit Shion die Stufen des Tempels hinunter.

>Paß auf!< Die Warnung kam viel zu spät. Der dünne Holzpfeil steckte bereits in meinem Bein noch ehe ich überhaupt registriert hatte, das man mich meinte. Mit einem lauten Schrei ging ich zu Boden. Mein Aufschrei setzte sich in der Menge fort, doch keiner von ihnen scheint gesehen zu haben woher dieser Pfeil gekommen ist. Mit zusammengebissenen Zähnen zeriß ich den Stopf meines Kleides und legte die Wunde frei. Okay, es ist nichts ernstes. Man muß das Ding lediglich wieder rausziehen. Aber wenn ich den Idioten, der hierfür verantwortlich ist in die Finger kriege kann der was erleben!

Noch ehe mich Shion davon abhalten konnte hatte ich den Pfeil in der Hand. Scheiße! Brennt das! Mit einem fast tödlichen Blick hielt ich sie alle davon ab mir helfen zu wollen und riß ein weiteres Stück Stoff von meinem Kleid, das ich zum Verband umfunkionierte. Erst jetzt nahm ich Shions Hand, die sich mir helfend entgegenstreckte an und ließ mich von ihm stützen, da mein linkes Bein nicht mehr weiter belastbar ist. Am liebsten hätte ich mir diesen hirnverbrannten Vollidioten geschnappt, der mit diesem Schwachsinn meinen ganzen Auftritt versaut hat, aber daraus wurde dank des Pulks, der sich mittlerweile um uns geschart hatte nichts. Jeder scheint plötzlich das Bedürfnis zu haben sich um mich zu kümmern. Es reicht! Ich habe absolut keinen Nerv darauf schon wieder drei Stunden zu brauchen nur um nach Hause zu kommen.

>Shion, laß uns verschwinden.< Kaum hatte er genickt standen wir auch schon am Rande des Marktplatzes und machten uns unauffälig auf den Weg zurück nach Hause. Fragend sah er mich an, doch ich war viel zu sehr damit beschäftigt herauszufinden wer so dämlich sein könnte einen Anschlag auf mich in einer solchen Menschenmenge zu verüben (noch dazu wenn auch Engel anwesend sind)! Eigentlich fällt mir da so wieso nur einer ein, doch der hockt meines Wissens nach gerade in einer Zelle. Nur wer war es dann? Shion räusperte sich kurz um mein Tempo zu verlangsamen, aber sagte immer noch nichts. Inzwischen hat er sich abgewöhnt sich allzu viele Sorgen um meinen Gesundheit zu machen, da meine Wunden ohnehin fast von allein verheilen und mir allzu viele Fragen zu stellen was ich vorhaben könnte. Genauso ist es anders herum. Wenn er sich verletzt gerate ich nicht wie früher sofort in Panik sondern kümmere mich direkt um seine Wunden. Meist ist es sowieso nichts ernstes und heilt schnell. Nur Saeko bekommt nach wie vor fast jedes Mal einen Schlag wenn so etwas passiert. Nun ja, das kann man nicht ändern, so ist sie eben.

Wir waren noch nicht einmal halb aus der Stadt raus, als uns plötzlich Cee den Weg versperrte und drohend zu knurren anfing. Entnervt sah ich erst Shion und dann wieder Cee an.

>Habe ich dir nicht klar und deutlich gesagt, das du zu Hause bleiben sollst?< Als Antwort sträubte sich sein Fell nur noch mehr und er begann langsam die Zähne zu fletschen. Das sieht aber gar nicht gut aus! Ihm ist doch wohl hoffentlich nicht ausgerechnet heute eingefallen, das er eine Höllenbestie ist die mich nicht leiden kann?

>Suru, ich glaube wir stecken in Schwierigkeiten.< Mit einer kaum wahrnehmbaren Kopfbewegung deutet Shion kurz hinter sich. Das erklärt Cees merkwürdiges Verhalten. Hinter uns haben sich etwa zwanzig bis an die Zähne bewaffnete Männer versammelt und sie machen nicht gerade den Eindruck als würden sie uns zum Essen einladen wollen. Unsere Chancen sind so wie es aussieht mehr als mies vor allem da ich gerade leicht angeschlagen bin und Shion nicht mehr der Jüngste ist, aber deshalb direkt klein beigeben? Wir doch nicht!

>Hey ihr zwei da unten! Braucht ihr vielleicht Hilfe?< Mit einem elleganten Satz landete Astaroth genau zwischen uns und unseren Verfolgern. Angeber!

>Haut schon ab, das regeln der Köter und ich.< Dieser Kerl ist unmöglich! Allerdings scheint Cee sich nicht weiter daran zu stören. Nun gut, dann eben nicht. Langsam ließ ich mich von Shion weiter führen. Dabei hätte mir ein bisschen Training bestimmt gut getan! Ich hoffe nur das Astaroth daran denkt, das er als Mensch durchgehen soll, aber die Druckwelle einer Explosion hinter uns beweißt gerade, das er es vergessen hat.

>Ich wußte doch das es hier Dämonen gibt!< Noch ehe ich herausfinden konnte wo Dayne de Avido sich versteckt hielt zischte ein Pfeil durch die Luft und bohrte sich tief in Shions Schulter. Augenblicklich zuckte er zusammen und ließ gerade noch rechtzeitig los, bevor er zu Boden fiel. Ich verlor meinen bisherigen Halt und somit auch mein Gleichgewicht. Keine zwei Sekunden später stand der Himmel über uns bereits in Flammen.

 

 

02-01-20

 

 

Next: Part 13 – Last moments of peace

 



Ähm, ja also wie erkläre ich das jetzt am Besten? Na ja, ich meine ihr habt doch sicherlich nicht erwartet, das es dies mal klappt mit dem einen Kapitel oder?

Sorry, aber das Zeug ist so umfangreich geworden, das es einfach nicht mehr anders geht.

Und natürlich ist es mehr als nur mies euch jetzt mit diesem Ende allein zu lassen, aber auch das geht nicht anders. (Nebenbei so schlecht ist es doch gar nicht) ^-^

Aber freut euch das nächste Kapitel ist definitiv der Abschluß zu Shaos Vergangenheit!

Woher ich das weiß? Ganz einfach die ersten Seiten sind schon fertig ^.^

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