Part 16

02-05-15

 

Love of an angel

       Part 16

 

Hades and hell

 

 

Es dauerte einen Moment bis Uriel sich wieder so weit im Griff hatte, das ihn mein Anblick nicht mehr bei jeder Bewegung dich ich machte fesselte. Er räusperte sich hörbar um sich wieder in Gewalt zu bekommen. Ich musste schmunzeln als ich auf seinen Wangen einen leichten Rotton bemerkte.

„Und, wie hat es dir gefallen?“ Ich lächelte ihn gewinnend an und merkte wie er abermals rot wurde.

„Danke, es war fantastisch. Ich bin euch zu Dank verpflichtet Uriel-sama.“ Eine leichte Verbeugung andeutend (natürlich hat er gemerkt, das ich es damit nicht ganz so ernst gemeint habe, aber er sagte nichts) ging ich an ihm vorbei und genoss die Aussicht aus einem der riesigen Fenster des Raums. Der Hades breitete sich unter mir wie eine endlose grüne Ebene des Amazonas aus. Anscheinend liebt Uriel die Pflanzenwelt Assias ebenso sehr wie ich.

„Woher wusstest du, das mir lediglich eine warme Dusche gefehlt hat?“ Wieder dauerte es etwas bis er mir antwortete. Ich war mir sicher, das er immer noch mit meiner Ähnlichkeit zu meiner Mutter zu kämpfen hatte, aber sehen konnte ich es nicht. Ich stand mit dem Rücken zu ihm.

„Oh, nur so ein Gedanke...“ Wir mussten beide Lachen, aber irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, das der Satz nicht vollständig war. Es schien als wollte er noch anfügen, Alec hat es auch immer genossen.

„Erzähl mir von ihr.“ Keine Reaktion. Weiß er etwa nicht wenn ich meine oder ist es für ihn nur schwierig darüber zu sprechen? Ich wollte bei ihm keine alten Wunden aufreißen (meinen eigenen waren mir immer noch zu schmerzhaft bewusst), aber er ist der Einzige, der mir etwas über sie erzählen kann ohne das ich befürchten muß das es sich um die Verherrlichung eines Engels handelt.

„Meine Mutter, du liebst sie immer noch, oder?“ Irgendetwas fiel hinter mir polternd zu Boden, aber ich drehte mich nicht um. Weder wollte ich es ihm nicht noch schwerer machen noch, das mir seine Ähnlichkeit mit Remiriel wieder zu Kopf stieg. Wir beide hatten arg damit zu kämpfen das der jeweils Andere demjenigen ähnelte, dem wir einst unser Herz geschenkt hatten. Es dauerte sehr lange bis er meine Frage beantwortete und ich war sehr überrascht, das er es so ausführlich tat.

Er hatte meine Mutter das erste Mal zu Gesicht bekommen, als er noch Kadett war und sie im Garten Eden streng bewacht wurde. Erst als sie sich frei in den Himmeln bewegte gelang es ihm sie näher kennen zu lernen. Laut ihm war sie eine einzigartige Persönlichkeit, die sehr genau wusste, was sie wollte und bereit war dafür ziemlich viel zu riskieren. (Ein Punkt in dem wir uns ähnelten.) Viel eher ein Kriegsherr als eine Frau, doch das hinderte ihn nicht daran sein Herz an sie zu verlieren, obwohl er sehr genau wusste, das Liebe gerade unter Engeln verboten ist. Er hat ihr nie sagen können was er für sie empfindet, erst jetzt als der Messias, wie er Setsuna nannte, zu ihm gekommen war konnte er sich seinen Gefühlen stellen. Doch es war bereits viel zu spät. Sie war längst nicht mehr und Setsuna besaß keinerlei Erinnerungen daran, was Alexiels Leben betraf. Wir hatten beide unsere Chance verpasst jemanden, den wir über alles lieben Lebwohl zu sagen. Doch für mich hatte es noch eine zweite Chance gegeben, aber Uriel? Wird er sich je von ihr verabschieden können?

Je mehr er mir erzählte, desto besser konnte verstehen warum er sich in die Tiefen des Hades geflüchtet hatte. Wo sonst hätte er sich mit seinem Schmerz besser vergraben können wenn nicht hier? Kein anderer Engel ist befügt dieses Reich zu betreten. Hier konnte er allein sein und um sie trauren. Doch wie lange noch? Der Engel, den er geliebt hat gibt es nicht mehr. Es ist nur noch ihre Seele übrig, die sich nicht daran erinnert, das sie einst einer der mächtigsten Engel des Himmels war.

Was will er noch hier? Warum kehrt er nicht einfach zurück und versucht sein Urteil rückgängig zu machen? Es kann doch nicht so schwer sein ihre Seele wieder mit ihrem Körper zu vereinen. Ich fragte ihn danach und mit unsäglich trauriger Stimme erklärte er mir, das selbst wenn das möglich wäre zuerst der Messias sterben müsste um ihre Seele wieder freizugeben. Doch das war unmöglich. Der Messias wurde gebraucht um Adam Kadmon, der von den Engeln aber meist Serafita genannt wird zu befreien. Sein Gefängnis befindet sich irgendwo in Atziluth. Nur wo kann niemand sagen.

Es gab nur diesen Weg um die Welt des Materiellen, Assia zu retten. Adam Kadmon hatte die Zeit dort in dem Moment bevor Alexiel erwachte angehalten und somit die vollständige Zerstörung Assias verhindert, doch seine Kräfte werden immer schwächer je mehr Zeit vergeht und wenn man ihn nicht befreit ist letztendlich auch Assia auf ewig verloren.

Deshalb konnte und wollte Uriel Setsuna nicht töten. Für die Rettung Assias ist die Kraft des Messias, die weder der eines Engels, noch der eines Dämons gleicht notwendig. Ohne sie wird die Welt der Menschen aufhören zu existieren.

Ich stand kurz vor einem Lachanfall, als ich mir Setsuna als ruhmreichen Retter der Welt vorstellte, aber die Ernsthaftigkeit des Ganzen ließ das nicht zu. Ich zweifelte nicht im Geringsten daran, das Uriel mir die Wahrheit gesagt hatte und nachdem mir jetzt endlich die näheren Zusammenhänge klar waren begann ich einiges besser zu verstehen. Ich werde wohl nicht drum herum kommen diesem Idioten dabei zu helfen die Welt zu retten. Alleine schafft er es doch höchstens sich selbst in Schwierigkeiten zu bringen. Außerdem glaube ich nicht daran, das er loszieht seine Welt zu retten, bevor er nicht weiß, das Sara sich in Sicherheit befindet. In dieser Hinsicht ist er leider ein hoffnungsloser Romantiker. Erst der Mensch den ich liebe, dann der Rest der Welt. Punkt, aus, Ende, Schluß! Das ist Setsuna wie er leibt uns lebt.

Da ich aber ebenso wenig wie Uriel wollte ich, das Assia zerstört wurde saß schließlich zusammen mit ihm über einer holographischen Projektion aller drei Welten um herauszufinden wie schwierig es letztendlich sein würde Adam Kadmon zu befreien. Wie sich herausstellte quasi unmöglich.

Atziluth lag tief in Ethemenanki, dem höchsten aller Himmel. Dort haben einzig der Schöpfer und von ihm ausgewählte Engel Zutritt. Auf normalen Weg dort hinein zu gelangen wäre ein ähnliches Unterfangen wie der Versuch Fort Knox mit Hilfe eines Dietrichs und einer Stange Dynamit zu knacken. Und selbst das würde auf einen Versuch ankommen.

Unmöglich, was heißt das schon?! In letzter Zeit ist soviel passiert, das dieses Wort schon nicht mehr ernst zu nehmen ist. Nachdenklich glitt ich mit dem Finger über jede einzelne Ebene des Himmels. Die Himmel liegen direkt übereinander, also ist es der Versuch in ein Hochhaus zu gelangen ohne in jedem Stock gesehen zu werden. Bis Yetzirah wird es wohl keine ernst zunehmenden Probleme geben, aber Beriah macht mir Sorgen. Dort laufen so viele gut ausgebildete Engel rum, das man einen wirklich verdammt guten Plan braucht um ungesehen an ihnen vorbei zu kommen. Das wird nicht leicht. Am Besten wäre irgendein Ablenkungsmanöver...

„Nach deinem Gesichtsausdruck zu urteilen bist du entschlossen es zu versuchen.“ Erschrocken zuckte ich zusammen, als mich Uriels sanfte Stimme aus meinen Gedanken rieß. Ich lächelte ihn entschuldigend an bevor ich langsam in die Knie ging um mir die Flure der Hölle ebenfalls anzusehen. Immerhin muss ich bevor ich mich dem Himmel widme noch etwas wichtiges in Sheol besorgen.

„Stimmt, aber erst wenn ich etwas anderes erledigt habe.“ Er nahm zur Kenntnis, das ich mich nun ausgiebig den Fluren der Hölle widmete und hier und da Verwünschungen ausstieß, als mir wieder einfiel welche Abart der Dämonen mich dort erwarteten. Mein Gehirn begann auf Hochtouren zu arbeiten und nach und nach verschwand beinahe jedes Hindernis wie von selbst. Es wird zwar einfacher werden als nach Atzulith zu gelangen, aber leicht ist es nicht.

„Meinst du nicht es wäre besser den Messias über deine Pläne zu informieren?“ Nachdenklich betrachtet ich die Nachbildung Assias die zwischen den Welten schwebte und in einem angenehmen Blauton erstrahlte. Wie lange habe ich jetzt schon in dieser Welt gelebt? Wie lange hat sie mich beschützt?

„Glaubst du ernsthaft er würde es verstehen?“ Ganz zu schweigen davon, das ich nicht will, das sich der Kleine unnötig gefährdet. Das darf ich ihm so wieso nicht sagen. Ansonsten kann ich mich auf was gefasst machen. Hmm... es sieht fast so aus als würde man Assia vom Weltraum aus betrachten. Vielleicht sollte ich mir diesen Wunsch eines Tages doch noch erfüllen. Einmal im Spaceshuttle um Assia kreisen...

„Du willst also allein gehen?“ Ich sah kurz an dem Hologramm vorbei und verdrängte meine Tagträume so gut es eben ging.

„Was denn sonst? Mich können sich nicht töten. Ihn schon.“ Er seufzte leicht als hätte er mit dieser Antwort gerechnet.

„Du bist wie Alec. Bei ihr war es ganz genauso. Wenn sie sich erst einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte dann konnte sie nichts und niemand mehr davon abbringen.“ Bin ich ihr wirklich so ähnlich? Nachdenklich stand ich auf und legte meine Hände um das flackernde Bild Assias. Diese Welt wirkt so zerbrechlich... fast wie eine gläserne Murmel, die zerspringt sobald man sie so fallen lässt...

„Versteh es bitte nicht falsch. Ich tue das nicht um Setsuna zu beschützen. Das ist bei dem Chaoten gar nicht möglich. Ich mache das weil ich nicht will, das Assia zerstört wird. Ich liebe diese Welt viel zu sehr als das ich das zu zulassen könnte.“ Wie auch? In dieser Welt bin ich aufgewachsen. Sie hat mich beschützt seit ich klein war. Da ist doch selbstverständlich, das ich jetzt meinen Teil dazu beitrage um sie zu schützen. Er lächelte mich sanft an.

„Dann wird es wohl allmählich Zeit, das ihr euch auf den Weg macht.“ Reiflich verblüfft sah ich ihn an. So schnell? Ich habe mich gerade daran gewöhnt hier zu sein, aber er hat recht. Je länger wir warten desto knapper wird die Zeit um Assia zu retten.

Gelassen folgte ich ihm, als er in den Teil des Palastes zurückkehrte in dem sich Setsuna und Katou aufhielten. Uriel verzichtete darauf ihnen zu erklären was er und ich solange miteinander zu besprechen hatten und erklärte Setsuna ziemlich schnell, das dieser sich bereits seit fünf Tagen im Hades befand und es wirklich allerhöchste Eisenbahn für ihn wird zurück zu kehren. Woraufhin dieser eine innere Krise bekam. Sein Körper wurde nämlich lediglich durch die Klinge von Nanatsusaya mitama no tsurugi, dem Schwert das einst Alexiel gehörte, am Leben erhalten, allerdings nur für eine Woche und die war jetzt fast um.

Es war herrlich mit an zusehen, wie er und Katou stritten wer nun mehr schuld an dieser Misere hatte. Ich nickte Uriel kurz zu als er mich fragend ansah. Ich hatte nicht vor die Beiden auf ihrem Weg zu begleiten. Wenn sie wirklich in Lage sein wollen Sara zu retten und Adam Kadmon zu befreien müssen sie es alleine schaffen. Ich darf ihnen nicht helfen. Den Beiden fiel das natürlich erst auf als sie bereits auf dem Rücken von Nidheg saßen. Fast wäre Setsuna von dort wieder runtergesprungen nur um mich einzusammeln, aber zum Glück hielt ihn Katou mit mehren Verwünschungen grob zurück.

„Macht euch mal keine Sorgen um mich! Wir sehen uns in der Hölle wieder!“ Zum Zeichen das er verstanden hatte machte Setsuna das Victory Zeichen während Katou sich nur an den Kopf fasste, irgendetwas unverständliches vor sich hinmurmelte und dafür schließlich eine Kopfnuss kassierte. Langsam und eindrucksvoll erhob sich Uriels Drache Nidheg in die Lüfte. Lachend sah ich ihnen nach, bis sie außer Sicht waren.

„Sind die immer so?“ Auf meine Frage verzog sich Uriels Gesicht leicht.

„Ja, leider.“ Mühselig versuchte ich bei seinem begeisterten Gesichtsausdruck nicht zu lachen, aber es klappte nicht. Wir blieben noch eine ganze Weile draußen stehen, bis Doll mit der Nachricht ankam, das Enra-Ou vor Wut kochte. Weshalb war nicht sonderlich schwer zu erraten. Bestimmt hatten Setsuna und Katou sich etwas einfallen lassen um an dem Wächter des Hades vorbeizukommen.

Uriel ließ sich davon genauso wenig stören wie ich und lud mich erst mal zu einer weiteren Tasse Tee ein. Im Gegensatz zu den beiden Chaoten hatte ich nämlich alle Zeit der Welt um mich auf den Rückweg zu machen und somit die Chance von Uriel noch mehr über meine Mutter zu erfahren und die war mehr als nur verlockend. Bei der Gelegenheit fiel ihm auch prompt ein das er vergessen hatte den beiden zu sagen, das die Zeit im Hades langsamer verstrich als auf Erden. (Bei dem Gesichtsausdruck konnte ich wirklich nicht mehr!)

Nach fast zwei Stunden hielt ich es dann doch nicht mehr aus. Es war unruhig im Hades geworden und das übertrug sich auch auf mich. Ich hatte plötzlich das dringende Bedürfnis so schnell wie möglich aufzubrechen. Zum Glück verstand Uriel mich auch ohne große Erklärungen und bot sich sogar an mir den Weg ein klein wenig zu erleichtern. Das Angebot überraschte mich zwar etwas (immerhin hinterging er damit Enra-Ou und somit einen seiner wichtigsten Verbündeten), aber sollte ich nein sagen?

So fand ich mich keine Minute später in Anagura wieder und war doch sichtlich erstaunt, das meine Reise (im Gegensatz zu vorher) doch recht  angenehm verlaufen war. Noch überraschter war ich allerdings, als plötzlich zu Boden geworfen wurde und eine raue, warme Zunge in meinem Gesicht spürte.

„Ist ja gut!“ Lachend vergrub ich meine Hände in dem weichen Fell über mir.

„Cee! Lass mich doch aufstehen.“ Natürlich ließ er das erst zu nachdem er sich mindestens zwanzig mal vergewissert hatte, das ich nicht plötzlich wieder verschwinden würde. Endlich machte er einen Satz zur Seite und gab mir somit Gelegenheit wieder auf die Beine zu kommen. Er hatte die Wolfsgestalt beibehalten und flitzte nun wie von der Tarantel gestochen um mich herum, während sein Schwanz hin und her schlug, als würde er damit jeden Moment abheben wollen. Anscheinend hat er sich ernsthafte Sorgen um mich gemacht. Lächelnd kraulte ich ihn hinter den Ohren, was ihn aber auch nicht ruhiger machte. Wenigstens hat er nicht angefangen zu bellen. Als ich endlich dazu kam mir meine Umgebung näher zu betrachten musste ich erst mal verblüfft Luft holen. Was ist denn hier los?

„Kira-chan, was zum Henker machst du da?“ Mit einer Hand hielt er einen wild um sich schlagenden Dämon fest, der sich mit diversen Beschimpfungen nicht weiter zurückhielt. Nur nutzte ihm das herzlich wenig. Kira ließ ihn auch weiterhin in der Luft zappeln.

„Oh Shao-chan.“ Er hatte seinen Kopf etwas gedreht, aber sein Opfer immer noch nicht losgelassen. Als ich den kleinen Dämon erkannte, der mich bei meiner Ankunft so freundlich begrüßt hatte musste ich schmunzeln. So wie Kira mit ihm umspringt könnte man glatt meinen er sei harmlos.

„Ich hab dich gar nicht kommen hören.“ Charmant wie immer. Kopfschüttelnd sah ich ihn an. Er hat meine Frage komplett ignoriert. Plötzlich bekam ich keine Luft mehr.

„Alexiel-sama!!!!!!!!!!!!!!!!“ Verblüfft stellte ich fest, das mich eine kleine Dämon von hinten festumklammerte. Mühselig befreite ich mich von ihr. (Hat was von einer Stahlklammer.)

„Hör mal Kleines, das ist zwar nett gemeint, aber-“ Mit einem kräftigen Ruck bekam ich meine Bewegungsfreiheit wieder.

„-ich bin nicht Alexiel.“ Als sie mein Gesicht sah wurde das anscheinend auch ihr klar. Enttäuscht ließ sie sich auf die Stufen vor Setsunas Körper fallen. Kinder!

„Prinzessin!“ Die Stimme des kleinen Dämons klang sichtlich besorgt. Langsam frage ich mich warum Kira ihn immer noch festhält. Er stellt doch nun wirklich keine ernsthafte Bedrohung dar. Die kleine Dämonin hingegen saß zu tiefst deprimiert auf der Treppe. Irgendwie war ich mir unschlüssig was ich nun tun sollte. Einerseits empfand ich Mitleid mit dem kleinen Dämon, der da so verloren an Kiras Arm hing, doch andererseits konnte ich mir sehr genau denken, das Kira einen verdammt guten Grund dafür hatte. Also gab ich Cee einen Wink, damit er sich um die Kleine Dämonin kümmerte, die von Minute zu Minute verlorener wirkte. Wenn es darum ging einen auf absolut kuschelbedürftigen Hund zu machen war er ein echter Meister. Es gab eigentlich nichts was ihm mehr Spaß machte. Na ja, außer vielleicht Engel anknabbern, aber die gibt es hier ja weit und breit nicht. Er konnte sich somit voll und ganz damit beschäftigen einen auf armer, verlassener Hund zu machen, den keiner lieb hat. Und wie immer reichte ein Blick aus seinen treuen, braunen Hunde- äh in diesem Fall Wolfsaugen um augenblicklich mit Streicheleinheiten nur so überschüttet zu werden. Wenn er sich jemals als gefährliches Höllenwesen entpuppen sollte freß ich einen Besen.

Kiras Gesichtsausdruck sprach in diesem Augenblick ebenfalls Bände und ich zuckte entschuldigend mit den Schultern. Durch Zufall entdeckte ich das der kleine Dämon, der übrigens immer noch von Kira festgehalten wurde (manchmal kann er ein echter Sadist sein) einen Doppelgänger hatte. Oder besser so etwas wie eine Zwillingsschwester. Sie stand genau wie ich ziemlich unschlüssig in der Gegend herum und fragte sich wohl auch gerade was sie am Besten machen sollte. Wenigstens schien sie erleichtert zu sein, das Cee die kleine Dämonin so erfolgreich aufmunterte.

Nachdem Kiras Bündel in eine ganze zeitlang durch die Bank beleidigt hatte folgte er schließlich dessen Wunsch und ließ ihn los. Wobei loslassen das falsche Wort ist. Wegwerfen triffst eher. Der Kleine landete genau auf Setsuna und hatte sich wohl mehr aus Reflex als aus Absicht an dem Dolch, der aus dessen Brust ragte festgehalten mit dem Ergebnis das er diesen nun in der Hand hielt. Klasse, ist das nicht genau das Ding das Setsunas Körper am Leben erhält? Tja, damit dürfte er jetzt wohl endgültig tot sein.

Ich sah Kira an, der den kleinen Dämon und dieser abwechselnd den Dolch, Setsunas Körper und Kiras reglosen Gesichtsausdruck. Verzweifelt versuchte er so etwas wie eine Erklärung zusammen zu bekommen, das heißt bevor die kleine Dämonin einen Wutanfall bekam, der seinesgleichen suchte. Innerhalb von wenigen Minuten hatte sie die Umgebung so weit in Schutt und Asche gelegt, das ich mir allmählich doch langsam Sorgen um meinen Gesundheitszustand machte. Zum Glück richtete sich ihr Zorn zum Großteil gegen armen Voice (bei der Brüllerei war es nicht sonderlich schwer den Namen zu verstehen), der kaum wusste wie ihm geschah, als ihn plötzlich von hinten ein paar kräftige Dämonen packten und in eine Zelle beförderten. Soviel war wenigstens den Anweisungen der kleinen Dämonin zu entnehmen. Aber an Ruhe war danach beim Weitem nicht zu denken. Jeder Versuch die Kleine zu beruhigen scheiterte im Ansatz. Es wurde sogar so schlimm, das Cee sich wieder auf seine Beschützerrolle besann und sich vor mich stellte. Seine Augen hatten schon seit geraumer Zeit wieder einen roten Farbton angenommen.

Da mir etwas an meinem Wohlbefinden lag zog ich es wie Kira vor erst einmal einen gewissen Sicherheitsabstand zu wahren, bis sie sich wieder beruhigt hatte und folgte ihm durch die Flure des Palastes von Gehenna. Man schenkte uns kaum Beachtung, da alles und jeder versuchte die Prinzessin zu beruhigen, was dem Versuch gleichkam einen Vulkan zum erlöschen zu bringen. Einer nach dem Anderen kam mehr oder weniger ramponiert wieder zurück. Wenigstens gab mir dieser Zwischenfall die Chance von Kira zu erfahren, was inzwischen alles so passiert war.

Es stellte sich heraus, das Uriel mich doch ganz gut informiert hatte. Nur was Setsunas Körper in der Hölle suchte hatte er ausgelassen. Laut Kira war die kleine Dämonin der letzte Drachenmeister in Anagura und außerdem die Thronerbin von Gehenna. Kurai, vierzehntes Kind der Gehenna Blutlinie und damit der derzeitige und gleichzeitig auch der letzte Drachenmeister wenn man nach dem genauen Titel ging. (Wie auch immer.) Sie hatte Alexiel im großen Krieg der Engel kennengelernt (das muss in der Zeit gewesen sein, als ich ohne Gedächtnis durch die Gegend gelaufen bin) und ihr Treue geschworen, da sie beide das selbe Ziel verfolgten. Eine Welt in der es weder Engel noch Dämonen gibt und jeder gleichberechtigt ist. Die Vorstellung gefällt mir, aber laut Kira endete der Krieg abrupt, als Alexiel gefangen genommen wurde. Die Dämonen, vor allem die Oger wurden niedergemacht und nur wenige von ihnen überlebten. Durch die Umweltverschmutzung der Menschen waren sie zu schwach geworden um sich allein verteidigen zu können. Doch bevor er mich oder ich ihn nach dem fragen konnte was noch alles so passiert war landete der nächste Kandidat, der versucht hatte die Prinzessin zu beruhigen vor unseren Füßen. Alle Achtung die Kleine weiß wie man jemanden Feuer unter dem Hintern macht. Der hier qualmt sogar noch.

„Ganz schön gereizt die Kleine.“ Wahrscheinlich war der plötzlich vom Boden hochgezogene Dämon überraschter als wir über Arakunes Auftauchen. Ganz schön kräftig.

„Arakune-sama!“ Sie begrüßte mich mit einem Zwinkern, bevor sie ein paar Dämonen den Befehlt erteilte Wache zu halten und ihr sofort bescheid zu geben, wenn sich die Prinzessin wieder beruhigt hatte.

„Argh! Das so was passieren musste! Und jetzt?“ Sie fasste sich mit einer theatralischen Geste an den Kopf, was mich zu einem Lächeln verleitete. Ganz die große Schwester. Kira hatte mein Lächeln bemerkt und machte eine Geste, die mir wohl sagen sollte, das diese Dämonin nicht ganz so sehr Frau war wie ich vermutete. DAS soll ein Kerl sein?! Ungläubig starrte ich abwechselnd sie und Kira an. Natürlich merkte sie es und wirbelte prompt herum.

„Entschuldige!? Was war das!?“ Vorsichtshalber wich ich einen Schritt zurück. Doch bevor sie sich einen von uns schnappen konnte rettete Kira uns.

„Riecht ihr das auch?“ Verwundert über diese Frage stoppte sie mitten in der Bewegung und sah sich prüfend um. Auch ich versuchte herauszubekommen was er meinte. Es dauerte nicht lange, bis ein scharfer Geruch in meine Nase fuhr. Schwefel!

Ich sah Kira an, der lediglich ein Nicken andeutete. Das plötzliche Auftreten dieses Geruches konnte nur eines bedeuten. Ein Erzdämon hält sich in unserer unmittelbaren Nähe auf. Arakune schien das ebenfalls zu wissen und stürmte dicht gefolgt von einigen Wachen in den Raum in dem sich die Prinzessin befand. Was sucht ein Erzdämon in Anagura?

„Warum bist du ihnen nicht gefolgt?“ Kiras Blick lag forschend auf mir.

„Ehrlich?“ Er nickte kurz.

„Ich habe nicht das Bedürfnis einem Erzdämon zu begegnen.“ Diese Antwort schien ihm vorerst zu genügen, denn er lehnte sich entspannt gegen die Wand. Wann habe ich eigentlich aufgehört mich zu wundern, das er alles was hier geschieht so gelassen nimmt? Habe ich mich überhaupt gewundert ihn hier zu treffen?

„Und das du hältst du für klug?“ Ich ließ mich neben ihn sinken.

„Ja. Erzdämonen sind so eine Sache für sich. Ich muss ihnen nicht unbedingt begegnen.“ Auch wenn es mich brennend interessiert was einer von ihnen hier sucht. Normalerweise halten die sich doch nur in Sheol auf. Merkwürdig...

„Hier, nimm das.“ Erstaunt sah ich seine Hand an, die mir eine silberne Spange vor die Nase hielt. Was soll das denn jetzt? Er lächelte mich gewinnend an.

„Für deine Haare. Du hast sie dir schon mindestens fünfzehnmal aus dem Gesicht gewischt.“ Wirklich? Ist mir gar nicht aufgefallen.

„Danke.“ Mit wenigen Griffen hatte ich meine Haare zusammengebunden und er wirkte äußerst zu frieden mit sich und der Welt. Schön zu wissen, das er mir keine Fragen stellen wird ehe ich ihn darum bitte. Als sich uns jedoch ein immer wieder hinter sich blickender Cee näherte wurde er doch unruhig.

„Ich glaube es ist besser wenn ich mir das mal ansehe.“ Nach seinem Gesichtsausdruck zu urteilen sollte das eine Aufforderung sein.

„Tu was du nicht lassen kannst. Ich bleibe hier.“ Er nahm es zur Kenntnis und machte sich auf den Weg. Mir hingegen hatte schon Cees Auftauchen und Verhalten verraten, das mit diesem Erzdämon nicht zu spaßen war. Da ich aber auch nicht einsah einfach tatenlos in der Gegend herum zu sitzen machte ich eine Erkundungstour durch den Palast. Immerhin wollte ich wissen was mich in dieser Umgebung erwartete. Cee folgte mir wie immer als mein Schatten. Das ich ihn einfach so zurück gelassen hatte schien er mir doch übel zu nehmen. In den nächsten Tagen wird er wohl nicht mehr von meiner Seite weichen.

Der Palast war riesig, aber leider auch zum Großteil bereits zerstört. Viele der Gänge waren durch schier unüberwindliche Geröllberge verschüttet oder es fehlten gar ganze Flügel, dann endete der jeweilige Gang einfach vor einem Abgrund. Man hatte sehr gründlich dafür gesorgt, das sich dieses Volk nicht mehr erholen würde.

Als ich in den Kellergewölben ankam begegnete ich auch Voice wieder, der erst nachdem er eine halbe Stunde lang Kira und sämtliche Menschen verflucht hatte mal auf die Idee kam mich zu fragen was ich eigentlich von ihm wollte. Das ich mich lediglich auf einem Erkundigungsgang befand schien ihn nur noch mehr zu reizen. (Hat er etwa wirklich erwartet, das ich ihn aus seiner Zelle hole?) Nur im Gegensatz zu ihm war ich in der Lage unsere Unterhaltung zu beenden. Ich ging einfach und ließ ihn hinter mir weiter Zeter und Mordio schreien. Soll er doch sehen wie er alleine damit fertig wird.

Zum Abschluss meiner Tour beschloss ich mir noch einmal den Engelskristall anzusehen. Dank Cee musste ich auch nicht erst lange nach diesem Raum suchen. Er führte mich auf direktem Weg dorthin wobei ich bemerkte, das seine Augen immer noch rot leuchteten. Anscheinend hat er beschlossen deutlich zu machen, das er in diese Welt gehört. Kaum hatte ich den Raum betreten entdeckte ich auch schon Kira, der den Kristall mit einem merkwürdig verlorenen Blick ansah. Er also auch. Leise schlich ich mich näher an ihn heran, bis ich fast neben ihm stand.

„Sie ist wunderschön nicht?“ Er zuckte zusammen als ich ihn ansprach. Er hat mich also wirklich nicht bemerkt.

„Ja, das ist sie.“ Er hatte seinen Blick nicht von dem Kristall abgewendet um mir zu antworten und ich folgte seinen Augen. Die ebenmäßigen Züge des Gesichtes waren durch den Kristall leicht verschwommenen, aber man erkannte trotzdem deutlich genug wer dieser Engel war. Ich lehnte mich gegen die Wand. Uriel hat recht. Sie ist meine Mutter, auch wenn mir das erst jetzt auffällt und bewusst ist. Die Tatsache, wie der Kristall ihre Züge verändert liefert den besten Beweis dafür. So verschwommen...

„Sie sieht aus wie in meiner Erinnerung.“

„Du kennst sie?!“ Er sah mich an, als hätte ich gerade das Ende der Welt verkündet. Was soll’s? Früher oder später wird er es sowieso erfahren. Warum nicht jetzt?

„Sicher, sie meine Mutter.“ Im entgleisten sämtliche Gesichtszüge, als er mich sprachlos anstarrte. Nach dem er seinen anfänglichen Schock (ich hätte es ihm vielleicht nicht ganz so direkt sagen sollen) überwunden hatte ging natürlich die Fragerei los. Irgendwie schaffte ich es seinen Redefluss (und das kommt selten vor) zu bremsen.

„Komm schon Kira-chan. Lass uns damit warten bis Setsuna ebenfalls hier ist.“ Damit hatte ich natürlich den Grundstein für die nächsten drei Dutzend Fragen gelegt und für seine Behauptung, das ich ihm ausweichen würde. Was vielleicht auch zutrifft.

Es dauerte ziemlich lange bis ich alle seine Fragen so weit beantwortet hatte, das er zufrieden war. Das Setsuna sich bereits auf dem Rückweg aus dem Hades befunden hatte als dieser kleine (?) Unfall passierte schien ihn doch reiflich zu erleichtern. Nur bleibt die Frage wie Setsunas Seele es schaffen soll in seinen Körper zurück zukehren wenn sie keine Bindung mehr daran hat. Schließlich kam Kira die rettende Idee. Er würde die Klinge des Dolches benutzen um seinen Geist mit dem von Setsuna zu verbinden und diesem so den Weg zu weisen. Ich bezweifele zwar, dass das klappt aber einen Versuch ist es alle mal Wert.

Er brauchte auch nicht sonderlich lange um diese Idee in die Tat umzusetzen. Weder Kurais noch Arakunes Proteste konnten ihn daran hindern und es schien zu klappen. Selbst mir fiel Setsunas Anwesenheit auf, nachdem Kira gut und gerne drei Stunden über dem leblosen Köper gehockt hatte. (Dieses Durchhaltevermögen ist und bleibt einzigartig.) Nur konzentrierte sich diese Anwesenheit nicht in diesem Raum sondern...

Wie von der Tarantel gestochen sprang Kira auf und rannte in die Richtung aus der Setsunas Anwesenheit am deutlichsten zu spüren war. Ich wusste schon jetzt wohin ihn das führen würde. Der Raum mit dem Engelskristall!

Kaum hatten wir erreicht begann der Kristall auch schon zu zerbrechen, bis er schließlich Alexiels Körper freigab, der zärtlich von Kira aufgefangen wurde. Bei diesem Anblick würde mir ziemlich mulmig so wie Kira Alexiels Körper ansieht...

Oh man, meine Knie werden ganz weich. Kann es sein?

„Sempai...? Siehst... du? Wie… versprochen… …ich bin… zurück!” Ich blieb versteinert stehen als ich das hörte. Meine Gedanken waren plötzlich wie leergefegt.

„Se... SETSUNA!?“ Die beiden Dämoninen hatten den Nagel auf den Kopf getroffen. Setsunas Seele hat sich in Alexiels Körper verirrt, da sein eigener nicht mehr lebt. Zurück zum Ursprung wenn man es so will. Oh man, zum Glück ist er ohnmächtig. Kira schien genau dasselbe zu denken wie ich. Sein Blick sprach Bände und auch ich schickte ein Stoßgebet zum Himmel. Bitte laß ihn nicht aufwachen!

Nur leider würde er früher oder später würde sein Bewusstsein wiedererlangen und merken was los ist. Es wird uns also nicht erspart bleiben ihm DAS zu erklären. Was bleibt uns also übrig?

Wir verfrachteten ihn in ein Bett und begannen auf das Unvermeidliche zu warten. In diesem Fall war es das sprichwörtliche Abwarten und Tee trinken. Aber wenigstens bekam ich so die Gelegenheit endlich in Erfahrung zu bringen was meine beiden Freunde überhaupt in die Hölle verschlagen hatte und was ihnen alles wiederfahren war während ich mich mit Rosiel herumärgern musste. Nur erwähnte ich das nicht.

So wie es aussieht sind Rosiel und Catan nicht die einzigen Engel gewesen, die sich damals und Assia herumgetrieben haben um Alexiel zu suchen und die beiden Dämoninen, die immer wieder versuchten mich mit ihren Fragen zu löchern (Kira unterband es schließlich mit einem seiner berühmten Eisblicke) hatten dasselbe Ziel verfolgt. Sie wollten Alexiel wieder zu sich zurück holen um endlich den vernichtenden Schlag gegen die Engel ausführen zu können, die ihr Land einst zerstört hatten. Ich verkniff es mir darauf zu antworten.

Viel interessanter fand ich es herauszufinden warum Kira sich so ungefährdet unter den Dämonen bewegen konnte. Immerhin lebten in diesem Teil der Hölle zum Großteil Oger oder besser, der klägliche Rest dieses einst so zahlreichen Volkes, und die ernähren sich normalerweise von Menschenfleisch. Mit einer wegwerfenden Handbewegung, die Kurai fast dazu veranlasste ihm an den Hals zu springen erklärte er mir, das er die Seele von Nanatsusaya mitama no tsurugi, dem Schwert das einst Alexiel gehörte sei und durch Rosiels Blut, das im letzten Kampf zwischen diesen ungleichen Geschwistern auf ihn gefallen war, von seinem ursprünglichen Körper, dem Schwert, getrennt wurde. Von diesem Tag an hat er sein Dasein als Geist gefristet und immer wieder Körper von Sterbenden in der Umgebung von Alexiels Wiedergeburten übernommen um sie vor Gottes Programm, das ihr grausames Schicksal besiegelte zu schützen. Oder (laut Arakune) um wieder mir ihr vereint zu sein. Er war sogar so weit gegangen sie in einem dieser Leben zu töten, um ihr einen noch grausameren Tod zu ersparen. Nachdenklich schwenkte ich meine Teetasse hin und her. Das er ebenfalls kein Mensch ist scheint das Band, das uns verbindet nur verstärkt zu haben, aber...

Wie viel von dem was ich bis jetzt erlebt habe werde ich ihm erzählen können? Wie viel davon wird er verstehen? Wieviel verkraften können? Was werde ich ihm sagen wenn er mich fragt wo ich in der Zwischenzeit gewesen bin? Wird er verstehen warum ich ihm nie etwas von Catan oder Rosiel erzählt habe? Sicher, er weiß das ich einen Mitbewohner habe, der umwerfend aussehen muß, aber er hat ihn nie zu Gesicht bekommen. Geschweige denn, das ich ihm gegenüber erwähnt hätte, das dieser jemand ein Engel ist. Als ich seinen nachdenklichen Blick der auf mich gerichtet war bemerkte nippte ich kurz an dem Tee und beschloß mir vorerst keine Gedanken mehr um das was-wäre-wenn zu machen. Wenigstens solange, bis Setsuna aufwacht, dann werde ich um einige Antworten nicht mehr herumkommen...

Mit ein paar geschickt eingefädelten Fragen lenkte ich wieder zum eigentlichen Thema zurück und erfuhr, warum man an Kiras Aura kaum noch spüren konnte, das er kein Mensch ist. Vor elf Jahren hatte er einen Pakt mit dem sterbenden Sakuya Kira geschlossen und dann dessen Körper übernommen. Seit diesem Tag lebte er ständig in Setsunas Nähe und erfüllte gleichzeitig den Wunsch des kleinen Sakuyas nach Wissen und Büchern. Einzig was seinen Vater betraf verhielt er sich wie das Letzte. Er hatte Sakuya versprechen müssen alles zu tun um nicht von seinem Vater geliebt zu werden, damit dieser nicht noch einmal den Verlust seines Sohnes überwinden müsste. Aus eigener Erfahrung konnte ich das nur bestätigen. Er hat wirklich alles getan um das zu schaffen. Drogen, Alkohol, Frauen, Schlägereien und diverse kleinere Verbrechen standen quasi auf seiner Tagesordnung. Unmöglich einen Tag zu nennen an dem das mal nicht so gewesen ist. Und ich habe nie gemerkt, das er kein Mensch ist. Unglaublich!

Als ich ihm das sagte schüttelte er lachend den Kopf. Er meinte es hätte ihn auch sehr verwundert, wenn es gerade mir aufgefallen wäre wenn selbst Engel es nicht auf Anhieb merken. Er roch jetzt nach Mensch und war damit voll und ganz zu frieden. Vielleicht sollte ich mich damit abfinden, aber irgendetwas verschweigt er mir nach wie vor...

Ich verzichtete darauf ihn zu fragen was. Früher oder später werde ich es ohnehin erfahren. Er hat schon immer gewusst wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist um jemanden ein Geheimnis oder zwei anzuvertrauen. Ich wünschte nur ich würde dieses Talent ebenfalls besitzen...

Unsere Vereinbarung, die wir vor dem Engelskristall geschlossen hatten hielt mich nach wie vor davon ab schon jetzt ein Wort über Dinge zu verlieren, die hier schwer wiegen würden. Ich frage mich wo ich überhaupt anfangen soll ihnen alles zu erklären....

Auch Kira erwähnte nicht das Geringste davon und fast machte es mir ein schlechtes Gewissen ihm überhaupt etwas gesagt zu haben. Aber es schien nicht weiter zu stören. Er versuchte nicht mich zu bedrängen und wechselte als die beiden Dämoninen wieder einmal darauf kamen wie ich es denn geschafft hätte heil aus dem Hades zurück zu kehren, elegant das Thema in dem er mir erst einmal ausführlich erklärte wie er und Setsuna die Beiden überhaupt kennen gelernt hatten und wie sie Setsunas Körper unbeschadet nach Gehenna gebracht hatten. Ich warf ihm einen flüchtigen Blick mit einem leisen Danke zu, das außer uns beiden niemand hörte.

Als der gellende Schrei einer Frau durch die Gänge des Palastes halte wurde unser Gespräch abprupt unterbrochen. Er ist also wach. Gelassen stellte ich meine Tasse Tee ab und reichte Arakune ein Taschentuch. Sie hatte es im Gegensatz zu mir geschafft ihren Tee einmal quer über den Tisch und sich selbst zu verteilen.

„Danke.“ Ich winkte ab und sah Kira fragend an. Nach meiner Meinung war er derjenige von uns Beiden der Setsuna beibringen sollte was mit ihm passiert war. Immerhin kennt er ihn schon eine ganze Weile länger als ich. Er nickte kurz und machte sich dann auf den Weg nach nebenan. Nachdem sich Setsuna erst einmal eine ganze Weile darüber aufgeregt hatte wie er nun aussah schaffte es Kira endlich ihm zu sagen, das sein eigentlicher Körper tot war. Der Schock saß. Setsuna wurde kreidebleich. Hilfesuchend sah er abwechselnd mich, Arakune, Kira und Kurai an.

„Hey ihr! Was ist...! Habt ihr mir sonst nichts zu sagen?!“ Ich konnte lediglich unentschlossen mit den Schultern zucken, während Kira ihm breit grinsend ein >Welcome back< entgegnete.

„Das ist doch nicht euer Ernst, oder?!“ Sehen wir so aus als hätten wir die Patentlösung für das Problem im Ärmel versteckt?

„Immerhin besser als tot zu sein. Meinst du nicht?“ Der Blick mit dem er mich daraufhin segnete zeigt deutlich was er davon hielt und für einen kurzen Moment sah ich das Bild meiner Mutter vor mir, wie sie mich wegen irgendeiner Dummheit genauso angesehen hatte. Ich schüttelte den Kopf um die Vision zu vertreiben, aber es klappte nicht. Immer wieder schoben sich Erinnerungsfetzen über die Gegenwart. Wenn ich nicht aufpasse werde ich zu Setsuna bald Mutter sagen. Eine völlig absurde Vorstellung!

„Hey, Shao was ist los mit dir?“ Das Alexiels Gesicht plötzlich nur noch eine Handbreit von meinem entfernt war verpasste mir fast einen Herzinfarkt. Zum ersten mal seit Jahren sah ich wieder in das Gesicht meiner Mutter und in ihrem Körper steckte jemand anders. Vorsichtig streckte ich eine Hand aus und fuhr leicht über ihre Wange. Warum kann es nicht sie sein?

„Ähhh. Shao?“ Erschrocken zuckte ich zusammen als ich den Gesichtsausdruck bemerkte, der so gar nicht zu diesem Antlitz passen wollte. Ich hatte mich hinreißen lassen. Mist!

„Tut mir leid, aber du siehst ihr einfach zu ähnlich. Entschuldige“ Kira warf mir einen warnenden Blick zu. Ich verstand. Er wollte ebenfalls nicht, das es schon jetzt jemand erfuhr. Wahrscheinlich ist es sowieso das Beste wenn es so wenig wie möglich wissen. Die Tochter eines solchen Engels in der Hölle, da wird bestimmt nicht nur ein Dämon auf dumme Gedanken kommen.

„Ich?! Wem?“ Ich biß mir auf die Lippen. Soll ich es ihm nicht doch jetzt schon sagen? Es ist so schwer wenn er in diesem Körper steckt. Ich sehe laufend ihr Bild vor mir. Im letzten Moment schaffte es Kira mich zu retten. Er schnappte sich einfach Setsunas, das heißt eigentlich in diesem Fall Alexiels Arm und zog ihn mit sich in den Raum wo Setsunas eigentlicher Körper aufgebahrt war. Erleichtert schloß ich mich ihnen an. Ich war für jede Gnadenfrist dankbar, denn es würde ohnehin schwer genug werden ihnen das alles zu erklären. Ich hoffe nur, das sie es auch verstehen...

„Arschkalt...! Ich bin wohl wirklich tot.“ Setsunas ruhige Stimme während er das sagte irritierte mich zutiefst. Zweifelnd sah ich Kira an, der sich neben Setsunas leblosen Körper gesetzt hatte. Auch ihm schien die ganze Sache merkwürdig vorzukommen. So wie es aussieht wird das nachher ein verdammt langes Gespräch.

„Aua! Laßt los ihr Dummbratzen!“ Resigniert ließ ich den Kopf sinken als ich sah wenn sie da in den Saal führten. Muß das jetzt sein? Anfangs schien Setsuna nichts mit dem kleinen Dämon anfangen zu können, erst nachdem Kurai ihm sagte, das es Voice war, der Nanatsusaya aus seinem Körper gezogen hatte änderte sich sein Verhalten schlagartig. Er wurde sogar richtig wütend als der Kleine (clever wie man eben als Dämon ist) auch noch begann ihn zu provozieren. Ein Blick in die unmittelbare Umgebung verriet mir, das ich nicht die Einzige war, die Voice schon das Zeitliche segnen sah. Kurai stand kurz davor einzugreifen, als sich Setsunas Verhalten urplötzlich änderte. Auf einmal hatte er seinen alten Humor wieder und nichts konnte diese Laune mehr ändern. Ich stieß einen Seufzer der Erleichterung aus, als er sich Voice schnappte und ihn durchknuddelte. Er ist also immer noch der Alte.

*Diese Art, blitzschnell umzuschlagen...* Ist das Kira? Aber er sagt doch gar nichts, oder? Verwundert sah ich ihn an, aber er schien es gar nicht zu bemerken.

*...erinnert mich an irgendwenn...* Sein Blick fiel nachdenklich auf mich.

„Vergiß es!“ So verhalte ich mich ganz bestimmt nicht! Perplex sah er mich an. Er hat also wirklich nichts gesagt, aber wie? Weiter kam ich nicht. Entschlossen schnappte er sich meine Hand und zog mich aus dem Saal. Erst als wir schon in einem anderen Teil des Palastes waren ließ er mich wieder Luft holen.

„Shao was war das gerade?!“ Ich versuchte abzuwinken und ihm zu sagen, dass da gar nichts war, aber er ließ sich nicht so einfach abspeisen.

„Verdammt noch mal Shao! Sag mir endlich was mit dir los ist.“ Ich lehnte mich gegen die Wand und sah ihn fest an. Sein Gesichtsausdruck sprach Bände, er machte sich ernsthafte Sorgen um mich und das bestimmt nicht nur weil ich mich seit meiner Rückkehr aus dem Hades so merkwürdig benahm.

„Ich wünschte das könnte ich, aber ich verstehe es ja selbst kaum.“ Er wurde nachdenklich und begann unruhig hin und her zu laufen.

„Du hast doch vorhin meine Gedanken gelesen, oder?“ Ich zuckte mit den Schultern.

„Kann sein, aber ich war mir sicher, das du klar und deutlich mit mir gesprochen hast. Sonst hätte ich wohl kaum darauf geantwortet.“ Er murmelte irgendetwas unverständliches vor sich hin und keilte mich dann an der Wand ein. Seine dunklen Augen lagen forschend auf meinem Gesicht und plötzlich wurde er mir unheimlich.

„Du kein Mensch. Mit allem was du bisher getan hast kannst du kein Mensch sein.“ Ich schluckte. Er hat es verdammt schnell erkannt, aber kann ich ihm die Wahrheit sagen? Verdammt noch mal! Warum bin ich nur so unsicher? Er ist einer meiner besten Freund und früher oder später muß ich es ihm doch sagen. Warum zögere ich dann noch?

„Hey Shao! Kira-sempai! Wo seid ihr?!“ Der Klang dieser fröhlichen Stimme ließ mich zusammen zucken. Sicher, ich weiß das es Setsuna ist der in ihrem Körper steckt, aber warum erinnert mich dann so viel an sie? Kira gab mir meine Bewegungsfreiheit wieder, allerdings nicht ohne mich vorher mit einem Blick zu segnen, der sehr deutlich machte, das wir dieses Gespräch bald fortsetzen würden. Er machte sich für uns beide bemerkbar. Keine Minute später bog Setsuna dicht gefolgt von Cee um die Ecke und strahlte uns an.

„Ich werde nach Yetzirah gehen!“ Kira erklärte ihn erst einmal für völlig großenwahnsinnig während ich einen Lachanfall bekam.

„Na endlich! Ich dachte schon du brauchst noch länger dafür.“ Fragend sahen mich die Beiden an.

„Na komm schon Setsuna, ich habe dir doch bereits im Hades verraten, das sich Saras Seele in Yetzirah befindet. Warum hast du solange gewartet? Du willst sie doch suchen oder nicht?“ Sein Gesicht begann zu strahlen, als ihm bewusst wurde, das er Sara so unter Garantie wiedersehen würde und wir konnte uns einen blumenreichen Report darüber anhören was er alles vorhatte wenn er erst einmal im Himmel war. Kira gab mit einem kurzen Augendrehen zu verstehen, das er seinen Freund nun für komplett durchgeknallt und größenwahnsinnig hielt, während ich vor lauter Lachen kaum noch Luft bekam. Setsuna und Engel! In diesem Körper?! Das kann nur in einer Katastrophe enden, aber in einer höchst amüsanten.

Natürlich war er zu tiefst beleidigt, das wir nicht sofort Feuer und Flamme für seinen Plan waren und es kostete uns einige Mühe ihn davon zu überzeugen, das wir ihm dennoch helfen würden. Eigentlich ist das gar keine so schlechte Idee, er wird im Himmel für genügend Unruhe sorgen und ich kann Catan unbemerkt das Heilmittel bringen. Ärgerlich schob ich diesen Gedanken zur Seite. Er ist mein Freund! Ich kann ihn nicht ausnutzen!

*Och doch, du kannst.* Im selben Moment spürte ich wie mir jemand ein Messer in den Rücken drückte und dieser jemand besaß die Aura eines Erzdämons.

„Sei so gut und verhalte dich ruhig.“ Diese kalte Stimme ließ mich fast noch mehr zusammen zucken als es schon die Aura und das Messer getan hatten. Die Klinge war bereits leicht in meinen Körper eingedrungen und bei jeder unnötigen Bewegung, die ich machte grub sie sich ein Stückchen weiter hinein. Wer auch immer hinter mir steht, er hat Ahnung wie man jemanden bewegungsunfähig macht. Ich konnte sein leises Lachen vernehmen als Setsuna und Kira merkten, das etwas nicht stimmte. Wie von selbst erschien ein Arm aus der Wand hinter mir und legte sich um meinen Oberkörper. Cee begann drohend zu knurren, aber bewegte sich nicht weiter. Er wußte nur zu genau wann es besser war abzuwarten.

„Hast du ihnen wirklich nicht gesagt was du bist?“ Ich wurde langsam nach vorn gedrückt, als er seinen Körper aus der Wand schob und sich die Klinge an meinen Hals legte. Die Stelle wo sie meinen Rücken verwundet hatte begann zu brennen, aber sie heilte bereits wieder.

„Was willst du schon wieder hier?!“ Die Stimme von Setsuna überschlug sich fast. Anscheinend kennt er diesen Dämon schon.

„Aber, aber wer wird denn so unhöflich sein?“ Das er es wagte ihn so zurechtweisen schien Setsuna ganz und gar nicht zu passen. Wahrscheinlich hindert ihn lediglich die Tatsache, das ich genau zwischen ihnen stehe daran loszustürmen und meinem Hintermann den Hals um zudrehen.

„Wer bist du?“ Noch während ich das sagte versuchte ich meinen Kopf zu drehen wurde aber daran gehindert. Ich gab einen leisen Schmerzenslaut von mir als mein Kopf zurückgedreht wurde.

„Weißt du es wirklich nicht?“ Er pustete leicht gegen mein Ohr, was mich zu einer Gegenwehr verleitete. Leider war das keine sonderlich gute Idee. Augenblicklich wurde sein Griff zu einer Stahlklammer und die Klinge schob langsam den Rollkragen meines Oberteils nach unten, bevor sie sich leicht gegen meine Hauptschlagader drückte. Scheiße! Das ist deutlich! Eine weitere Bewegung egal von wem und ich werde ein Loch im Hals haben.

„Laß sie los!“ Kira sah aus als würde er im nächsten Moment los stürmen. Seine Augen funkelten gefährlich. Sollte er die Chance kriegen würde er ernst machen.

„Warum sollte ich?“ Das Messer drückte sich noch stärker gegen meinen Hals.

„Ich habe doch die perfekte Geisel. Keiner von euch beiden wäre bereit ihr Leben zu gefährden. Habe ich recht?“ Augenblicklich entspannte sich Kira etwas. Er wußte so gut wie ich, das wir im Moment keine Chance gegen diesen Dämon haben würden. Nicht so lange dieses verfluchte Messer an meiner Kehle klebte.

„Um auf deine Frage zurück zu kommen.“ Er zog leicht an meinen Haaren um meine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

„Wäre es nicht viel interessanter erst einmal herauszufinden wer du bist?“ Ich musste mich zusammenreißen um nicht schon wieder zu versuchen aus seinem Griff zu entkommen.

„Ich weißt wer ich bin!“ Er stieß einen überraschten Pfiff aus und lockerte seinen Griff etwas.

„Wirklich?“ Endlich schaffte ich es meinen Kopf zu drehen. Das breit grinsende Gesicht hinter mir kannte ich nur zu gut. So stark schminkt sich nur ein einziger Höllenbewohner. Die rechte Hand Luzifers!

„Belial!“ Seine Hand schloß sich schmerzhaft um meinen Arm.

„Mad Hatter! Merk dir das! Keiner außer unserem Herrn darf mich bei meinem wahren Namen nennen.“

„Ist gut, Mad Hatter.“ Das war zwar mehr ein Stöhnen als alles andere, aber er war zufrieden. Sein Griff lockerte etwas.

„Richtig! Aber jetzt zu dir.“ Für einen kurzen Moment verschwand die Klinge von meiner Kehle und beschrieb einen Halbkreis über die restlichen Anwesenden bevor sie wieder dorthin zurückkehrte.

„All die Jahre, die du in Assia gelebt hast und sie hatten keine Ahnung von deinem wahren ich?“ Seine Stimme tropf vor Hohn. Er hat wirklich den für ihn am günstigsten Zeitpunkt abgewartet um uns zu überraschen. Wäre nicht dieses verfluchte Messer an meiner Kehle, dann hätte ich ihn schon längst zum Schweigen gebracht, aber so musste ich mehr oder weniger hilflos mit ansehen wie er mit seinen Aussagen meine Freunde nur noch mehr verwirrte und mir mit einer unglaublichen Raffinese alle Chancen nahm ihnen die Sache doch noch irgendwie schonend beizubringen. Ich hing in seinem Griff fest während das Messer mal mehr oder weniger stark gegen meine Hauptschlagader drückte. Ich stieß einen Fluch zwischen den Zähnen hervor, das es ihm gelungen war mich so zu überrumpeln. Sein Lachen machte deutlich, das ihn selbst das nicht beeindrucken konnte. Ich habe mich wie ein blutiger Anfänger benommen und nicht darauf geachtet, ob sich jemand mit starker Aura in meiner Nähe befindet. Das habe ich jetzt davon!

„Aber, aber Fräulein Deshon wo sind denn ihre Manieren? Was soll denn unser Messias von ihnen denken?“ Dabei fixierte er Setsuna, der unter diesem Blick merklich zusammen zuckte. Wenn er es auf ihn abgesehen hat, dann haben wir wirklich verdammt schlechte Karten. Gegen ihn wird er nicht die geringste Chance haben.

„Laß ihn in Ruhe!“ Sofort verstärkte sich der Druck an meiner Kehle wieder.

„Wenn du das hier überleben willst mach mich besser nicht wütend.“ Seine Stimme war gefährlich leise geworden und ich konnte mir nur zu gut vorstellen was mir blühte wenn ich so weiter machte. Ich ließ meinen Kopf leicht nach unten sinken um zu verstehen zu geben, das ich ihn verstanden hatte. Dabei fiel mir allerdings auf, wie Kira mit einer kaum wahrnehmbaren Bewegung sein Katana langsam aus der Scheide löste. Sofort umspielte ein leichtes Lächeln meine Lippen. Wenn wir es richtig anpacken dann hat dieser Dämon bald all seine Trümpfe verspielt. Wir tauschten einen kurzen Blick aus, der deutlich machte, was der Andere vorhatte, aber leider war Belial schneller als wir.

„Ich warne dich Nanatsusaya! Beweg dich noch einen Milimeter und ich durchtrenne unserem Singvögelchen die Kehle!“ Um seine Aussage zu unterstreichen fuhr er mit der Klinge einmal quer über meinen Hals woraufhin sich dort ein feiner roter Strich bildete. Sehen konnte ich das zwar nicht, aber dafür um so besser spüren. Es fühlte sich an wie ein Ring aus Feuer, der meine Haut striff und diese dabei verbrannte. Ich stand kurz davor ihm für diese freundliche Geste einfach mal meinen Ellebogen in die Rippen zu rammen, aber dabei hätte ich mir erstens meinen Arm gebrochen (den er bestimmt nicht losgelassen hätte wenn ich das probierte) und zweitens würde er mir bei dieser Gelegenheit auch direkt und ohne mit der Wimper zu zucken die Hauptschlagader durchtrennen. Also blieb mir nicht Anderes übrig, wie alle Anderen musste ich bewegungslos stehen bleiben und abwarten was als nächstes passierte. Und das war scheinbar genau der Moment auf den Belial gewartet hatte. Noch ehe ich überhaupt reagieren konnte grub sich das Messer tief in meinen Hals und durchtrennte mir die Kehle. Die entsetzten Gesichter von Setsuna und Kira sprachen Bände. Mit einem Ruck stieß er mich von sich in Richtung Boden. Ich wußte nicht mehr was ich zuerst tun sollte. Mit den Händen die Blutung stoppen oder meinen Sturz abfangen?

Ich entschied mich für letzteres, was leider auch nicht sonderlich viel brachte. Ich sackte trotzdem auf dem Boden zusammen und konnte zu sehen wie sich unter mir allmählich ein See aus Blut bildete. Augenblicklich kam Bewegung in Cee, er baute sich drohend zwischen mir und Belial auf und begann zu knurren. Jedem normalen Menschen würde bei dem Anblick eines angriffsbereiten Wolfes, der zu dem noch blutrote Augen hat, in Panik verfallen, aber für einen Erzdämon braucht es mehr als nur das und das wußte auch Cee. Von einem Moment zum nächsten hatte er seine wahre Gestalt zurück und zwang Belial somit ein Stück zurück. Doch Belial brauchte nicht allzu lange um sich zu fangen.

„Geh mir aus dem Weg! Du bist einer von uns! Warum willst du sie dann schützen?“ Cee ließ sich dadurch in keinster Weise beeindrucken und verhinderte auch weiterhin erfolgreich, das er sich meiner Position weiter nähern konnte. Mühsam kämpfte ich mich wieder auf die Beine und war dankbar Kiras Arme zu spüren, die verhinderten das ich fiel.

„Das ist doch Wahnsinn! Shao, du solltest liegen bleiben.“ Dankbar lächelte ich Setstuna an und ließ zu das er mich auf den Boden setzte um meinen Hals zu verbinden. Bei seinem Gesichtsausdruck muß die Wunde ja furchtbar aussehen. Er beeilte sich mit dem Verbinden. Da er keinen Verband zur Hand hatte (wer hat das schon wenn man mal wirklich einen braucht?) riß er einfach ein Stück Stoff aus seiner Kleidung. Ich hoffte nur, das es die Blutung stoppen würde. Heilkräfte hin oder her, mit Blutverlust ist nicht zu spaßen. Es wird lange dauern bis ich danach wieder einigermaßen fit bin.

„Geht es? Kannst du sprechen?“ Ich brachte mühselig ein keuchendes >denke schon< zu stande, bevor mich eine Energiewelle von Kira weg einmal quer über den Boden beförderte. Dabei riß ich auch direkt Setsuna mit, der inzwischen irgendetwas schwertähnliches in der Hand gehabt haben muß. Jedenfalls nach dem zu urteilen was mich da eben am Arm gestreift hat. Ich hatte kaum Zeit mich zu konzentrieren als mich schon der nächste Angriff von Belial traf.

„Du wagst es dich von einem der Unseren beschützen zu lassen?!“ Der nächstes Stoß traf mich an der Hüfte und schleuderte mich gegen eine Säule, die in meinem Rücken zu bröckeln begann, das ganze wurde von einem leisen Knacken begleitet. Klasse, das waren mindestens drei Rippen! Keuchend sackte ich auf den Boden und versuchte krampfhaft nach Luft zu ringen. Wenigstens hat Cee begriffen, das er sich nicht um mich kümmern muß, sondern um Kira und Setsuna. Er hatte einen Bannkreis um die Beiden errichtet in den weder Belial eindringen noch sie raus konnten. Weshalb dieser jetzt sein Hauptangriffsziel in mir sah. Er sah herablassen auf mich herunter.

„Ihr Engel seid so armselige Kreaturen. Schwach, hilflos und in jeder Hinsicht unterlegen!“ Allein der Blutverlust hätte mich eigentlich schon längst ohnmächtig werden lassen müssen, aber ich inzwischen war ich so wütend, das mich das kaum noch störte. Und das ließ ich ihn auch spüren, als er versuchte seine Waffe in meinen Rücken sausen zu lassen. Mit einer Wucht die selbst mich überraschte fand er sich an der nächsten Wand wieder.

„Wie kommst du darauf das ich ein Engel in?!“ Das schien ihn zu irritierend und gleichzeitig noch wütender zu machen.

„Du wagst es!? Noch nie hat es jemand gewagt sich gegen mich behaupten zu wollen!“ Na dann wird es ja mal allerhöchste Zeit. Ich konzentrierte mich kurz darauf die Wunde an meinem Hals wieder zu schließen und er nutzte diese Gelegenheit um sich von der Wand zu befreien und triumphierend auf mich zu zukommen.

„Das ist dein Untergang Engel!“ Mit dieser Feststellung ließ er mich direkt etwas von seiner Macht spüren. Im letzten Moment gelang es mir ein Schutzschild zu errichten. Eine Sekunde später und ich wäre geröstet worden. Mit einem kurzen Blick versicherte ich mich das meinen Freunden nichts passiert war und beschloß diese Sache zu beenden. Erzdämon hin oder her, wenn ich ernst mache hat er keine Chance. Wo hat der nur den Schwachsinn her, ich sei Engel?! Ich habe meine Aura doch bisher unterdrückt. Es kann gar nichts nach außen gedrungen sein!

„Das habe ich schon öfters gehört.“ Er ignorierte meine Warnung und griff erneut an. Gut, wenn er es so haben will, bitte. Mit einer leichten Handbewegung wehrte ich seinen Angriff ab und rief mein Schwert. Es wieder in der Hand zu halten gab mir ein unglaubliches Gefühl der Sicherheit, denn bisher hat es noch kein Wesen, egal welcher Abstammung geschafft gegen diese Klinge zu bestehen. Entsetzt sah er auf die Waffe in meiner Hand.

„Aber das ist unmöglich!“ Kalt lächelte ich ihn an.

„Was?“ Statt mir zu antworten begann er mit einer erneuten Angriffswelle die mich zwang immer weiter nach hinten auszuweichen. Wenn ich nicht bald etwas unternehme legt er noch den gesamten Palast in Schutt und Asche. Ich beschloß das Einzige zu tun was mir jetzt noch blieb. Ich griff an und hatte zu meiner größten Überraschung auch noch Erfolg damit. Nach noch nicht einmal zehn Minuten hatte ich ihn am Boden festgenagelt und legte ihm die Klinge meines Schwertes über den Hals.

„Richte deinem Herrn und all seinen Gefolgsleuten aus, das es äußerst unklug ist sich mit mir anzulegen. Verstanden?“ Bevor er antworten konnte hatte ich unter ihm ein Tor in Richtung Sheol geöffnete und ließ ihn los. Er verschwand in der Dunkelheit und das Tor schloß sich über ihm. Damit hätten wir ein Problem weniger, aber was ist mit den Anderen? Jetzt werde ich nicht mehr drum herum kommen ihnen zu erzählen was ich bin...

Schweren Herzens ließ ich mein Schwert wieder verschwinden. Kaum zu glauben aber ich habe es genossen diese Klinge, die das Blut soviel Unschuldiger vergossen hat wieder in meiner Hand zu spüren. Mit diesem Schwert war ich praktisch unbesiegbar. Diese Klinge wendet sich gegen jeden der ihren Besitzer bedroht, denn hat sie diesen erst einmal gewählt, dann wird sie ein Teil von ihm. Sie verschmilzt mit dessen Körper und erst nach seinem Tod sucht sie sich einen neuen Meister. Oder besser einen Körper den sie einnehmen kann. Denn selbst mir gelingt es nur schwer diese Klinge unter Kontrolle zu halten. Komisch, diesmal war es doch eigentlich ganz leicht...

Im nächsten Moment hatte ich den Eindruck mein Innerste würde verbrennen. Nur mit Mühe gelang es mir auf den Beinen zu bleiben. Was zur Hölle ist das?! So gut es ging kämpfte ich dagegen an und war überrascht plötzlich einen kläglichen Aufschrei aus meinem Innern zu vernehmen. Anael?! Fast hätte ich vergessen, das sich in mir noch die Seele eines Engels befindet. Das erklärt auch warum Belial mich für einen Engel hält. Es muß ihre Aura sein die nach außen dringt nicht meine.

Augenblicklich stoppte ich meinen Versuch den Störenfried loszuwerden und tastete in meinem Inneren nach ihrer Präsenz. Gerade noch rechtzeitig, denn ihre Anwesenheit verblasste zusehends. Ich fand sie schließlich tief zurück gezogen in einer der dunkelsten Ecken meines Bewußtsseins wo sie sich verzweifelt an etwas klammerte, das ich nicht deuten konnte. Ihr Gesichtsausdruck war vollkommen panisch und ich verstand nur zu gut weshalb. Selbst wenn sie nur die Seele eines Engels ist die Anwesenheit so vieler Dämonen um sie herum muß sie schockiert haben. Die Präsenz ist ja auch mehr als deutlich zu spüren.

Leider scheiterten meine Versuche sie zu beruhigen schon im Ansatz, da sie mir vorwarf ihr nie gesagt zu haben welche Kräfte in mir schlummerten. Sie hatte Angst vor mir und wäre sogar soweit gegangen sich aus meinem Körper zu befreien, wenn ich ihr nicht einen kleinen Blick in meine Erinnerungen gewährt hätte. Mehr war nicht nötig um sie verstehen zu lassen, das ich ihr nichts tun würde. Allerdings verlangte sie von mir, das ich sie nie wieder ungestraft in Schlaf versetzen würde. Sie meinte wenn sie sich schon einmal frei in der Hölle bewegen konnte, dann wollte sie es auch genießen. Seufzend gab ich mich geschlagen und ließ meinen Blick über die nähere Umgebung streifen. Die Wand hinter mir war weggebrochen und gab den Blick auf einen üppig bewachsenen Garten frei, der sich allerdings gut und gerne dreißig Meter unter uns befand. Mit einem leichten Lachen sprang ich hinunter und entfaltete erst kurz vor dem Boden meine Schwingen. Sofort gewannen wir wieder an Höhe. Anael kreischte immer noch als wie uns bereits schon weit über dem Palast befanden. Erst als ich nicht mehr mit dem Lachen aufhören konnte merkte sie, das wir schon seit geraumer Zeit über dem Palast kreisten. Sie beruhigte sich wieder und ich konnte es mir nicht verkneifen zu dem ein oder anderem Lopping oder Sturzflug anzusetzen, was sie zu weiteren Aufschreien anregte.

Lachend ließ ich mich vom Wind auffangen und wieder hinauf treiben. Der Luftzug unter meinen Schwingen, der jede einzelne Feder sanft streichelte kam mir vor wie ein alter Freund, der mich nach langer Zeit wieder in die Arme schloß. Ich genoß es mich von ihm treiben zu lassen und Anael stellte spitz fest, das ich wohl das flugverrücktetes Wesen sei das ihr je unterkommen ist. Als Revanche ließ ich mich einfach wieder fallen und erst nachdem die sie mir zum dritten Mal versichert hatte, das sie es nicht so gemeint hätte (und der Boden schon bedrohlich nah war) fing ich den Sturz lachend ab.

Wenn ich in all den Jahren überhaupt etwas vermisst habe, dann ist es das Fliegen. Es jetzt wieder zu können ohne mit den schmerzhaften Folgen leben zu müssen erfüllte mich in diesem Augenblick mehr als alles andere. Sicher, ich habe meine Schwingen schon vorher benutzt, aber dieses Mal nahm ich es zum ersten Mal bewusst war, das es keine Grenzen mehr gab, die mich daran hindern würden zu fliegen wohin ich wollte. Ich musste meiner Freude einfach Ausdruck verleihen und ließ meine Stimme über den Himmel erschallen. Dabei war es mir egal was ich sang, es musste nur zu meiner Stimmung passen und die war im Moment höchst ausgelassen. Selbst Anael fiel (nachdem sie sich von meinen immer wiederkehrenden Flugkapriolen erholt hatte) mit ein. Nur war ich die einzige die ihre Stimme vernahm, aber das störte nicht weiter.

Erst als sich ersten Ermüdungerscheinungen an meinen Schwingen bemerkbar machten landete ich auf einer kleinen Graswiese. Ich war zu lange nicht mehr geflogen um sie jetzt wie gewohnt nutzen zu können. Die Muskeln mussten sich erst wieder daran gewöhnen gebraucht zu werden. Seufzend ließ ich sie verschwinden und war überrascht Anael bester Laune neben mir zu sehen.

*Ich habs gewusst! Du bist flugverrückt.* Ich zuckte entschuldigend mit den Schultern.

„Stimmt, aber das ist nicht zu ändern.“ Lachend ging sie an mir vorbei und winkte damit ich ihr in das Grün das uns umgab folgte. Das ist also der Palastgarten.

Wie schon im Hades grünte und blühte hier alles quer durcheinander und ich ließ es mir nicht nehmen diesen Garten zu erkunden. Vor allem da Anael daran auch noch einen Heidenspaß zu haben schien. Als sie noch ein Engel war wäre ihr im Traum nicht eingefallen so etwas eines Tages machen zu können. Für die meisten Engel war es verboten sich Assia oder der Hölle zu nähern. Anscheinend hat sie als Engel nicht gewusst was es heißt Spaß zu haben, wenn man mal die ein oder andere Regel etwas hin und her biegt.

Wir durchstriffen den Garten fast zwei Stunden lang, nicht weil er so groß war sondern viel mehr weil Anael immer wieder an den verschiedensten Pflanzen stehen blieb und von mir genaueres darüber wissen wollte. Nach dem fünften Mal konnte ich es mir nicht mehr verkneifen sie zu fragen ob sie denn in all ihrer Zeit als Engel nicht ein einziges Mal einmal in Assia gewesen sei. Ihre Antwort kam zögernd, aber sie sagte mir, das hätte ihre Arbeit nicht zu gelassen. Ich nahm es zur Kenntnis und wir setzten unseren Erkundungsgang fort. Wobei ihr plötzlich einfiel, das wir Setsuna und Kira ja ganz allein mit Cee zurückgelassen hatten, aber ich erklärte ihr lachend das sie sich darüber keine Sorgen machen müsste. Cee würde schon wissen wann er seinen Bannkreis ohne Gefahr wieder aufheben konnte und finden würde er mich sowieso. Sie machte sich zwar immer noch Sorgen um die Drei aber ließ sich von meinem Optimismus anstecken.

Leider wurden wir durch unsere Unterhaltung derart abgelenkt, das ich nach dem Durchqueren einer Hecke fast in einem Abgrund gelandet wäre. Zum Glück hatte ich ihn gerade noch wahrgenommen bevor ich den verhängnisvollen Schritt machen konnte.

„Puh, ganz schön knapp gewesen.“ Keine Antwort. Ich versuchte es noch mal, aber wieder nichts. Suchend sah ich mich nach Anael um und entdeckte ihre leicht flirrende Gestalt (als Astralwesen flirrt man immer etwas) schließlich auf der anderen Seite des Abgrunds. Fast lautlos landete ich neben ihr und folgte ihrem entsetzten Blick.

Der Anblick der sich uns bot war schrecklich. Die gesamte Landschaft sah aus als wären hier ein Hurricane und ein Vulkanausbruch zusammengetroffen. Der Boden war pechschwarz und die Steine sahen aus als hätte man sie wie Federn durch die Luft geschleudert und dabei zerbrochen und weit und breit gab es nicht den geringsten Hinweis darauf, das hier je wieder so etwas wie Leben existieren könnte. Wenn man genau hinsah konnte man gerade noch so eben die Umrisse der Palastmauer erkennen, die diese Ebene als Teil des Gartens oder ähnlichem auswies.

*Das ist schrecklich. Wer könnte so etwas nur getan haben?* Ich schwieg, denn etwas an diesem Anblick kam mir merkwürdig vertraut vor.

 

02-06-16

Next: Part 17 – Fairytale and truth



Ja, ja ich weiß. Ich habe mal wieder länger gebraucht als erwartet, aber dafür hat sich das Warten hoffentlich gelohnt...^^

 

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