Part 18

02-09-15

 

Love of an angel

       Part 18

 

Ezechiel

 

Wir irrten schon seit Stunden in diesem Wald umher und langsam aber sicher begann ich den Tag zu verfluchen an dem ich eingewilligt hatte einen meiner Schüler mit nach Assia zu nehmen. Wäre er nicht gewesen, dann würde ich jetzt gemütlich in irgendeinem Gasthof sitzen und den neusten Gerüchten der Menschen lauschen. Stattdessen sitze ich jetzt seit geschlagenen drei Tagen im Sattel auf der Suche nach etwas, das entweder nicht existiert oder ganz und gar nicht ungefährlich ist. Wütend warf ich einen Blick über die Schulter um den Verantwortlichen für meine Misere wissen zu lassen wie dankbar ich ihm dafür war. Das alles ist einzig und allein seine Schuld! Wenn er wie angeordnet seinen Mund gehalten hätte, dann könnten wir diese Untersuchung jetzt allein und unauffällig durchführen. Aber nein, er musste ja unbedingt beweisen wie gut er im Unterricht aufgepasst hat und einem Menschen unsere Hilfe anbieten. Zugegeben die Geschichte von diesem Dayne de Avido hatte selbst mich fasziniert, aber irgendetwas sagte mir, das er uns noch längst nicht alles erzählte was er wusste.

Allein schon die Vorstellung, das es irgendwo ein Tal geben soll in dem sich seit Jahren ein Dämon verborgen hält ohne das er von uns bemerkt worden wäre ist lächerlich. Assia ist so gut durch unsere Bannkreise gesichert, das ein gewöhnlicher Dämon sofort auffällt. Na gut, nicht mehr zu ändern jetzt stecken wir eben in dem Schlamassel, aber er soll sich mal nicht einbilden, das ich das so schnell vergesse. Mir wird schon noch was einfallen wie ich mich am Besten bei ihm revanchiere.

Mit einem Ruck brachte ich mein Pferd neben das unseres menschlichen Begleiters und erkundigte mich nach dem weiteren Weg. Immerhin sollte man annehmen, das zumindest er weiß wann wir unser Ziel endlich erreichen. Seine Antwort fiel allerdings anders aus als erhofft. Sein Onkel hatte ihm nur eine ungefähre Wegbeschreibung geben können und so hatte er wie wir keine Ahnung, wie lange wir noch auf diesen Pferden sitzen würden. Selbstverständlich entschuldigte er sich drei Dutzend mal dafür, das er zwei Engeln eine solch unbequeme Art der Fortbewegung zumuten musste, aber er hielt es wie sein Onkel für sinnvoller nicht allzu sehr aufzufallen.

Sein Onkel war auch noch so ein Thema für sich. Dayne de Avido galt bei den Menschen als genialer Feldheer, aber ebenso auch als blutdurstig und goldgierig. Mein erster Eindruck von ihm war auch nicht sonderlich viel besser. In die Augen dieses Menschen hatte sich schon lange der Wahnsinn geschlichen. Es wunderte mich, das es noch von niemanden bemerkt worden war. So war ich auch ziemlich erleichtert, das nicht er selbst uns begleitete, da er immer noch unter eine rätselhaften Krankheit litt, sondern uns stattdessen seinen Neffen, Quirin mitgab, damit dieser uns den Weg wies. Der das glatte Gegenteil zu seinem Onkel war. Immer höflich, charmant und äußerst zuvorkommend. Man musste ihn einfach mögen.

Doch nichts davon konnte mich wieder aufbauen. Dayne de Avido hin oder her, es war klar, das wir mindestens noch zwei weitere Tage im Sattel sitzen würden. Warum? Warum habe ich mich überhaupt dazu breitschlagen lassen? Wäre ich an jenem Tag bei meiner Rückkehr aus Assia nur misstrauischer gewesen, aber der Tag damals hatte so gut angefangen, das ich nicht den geringsten Verdacht schöpfte.

Endlich konnte ich mal wieder so richtig ausschlafen und das obwohl ich eine ziemlich lange Zeit in Assia zugebracht hatte, niemand stellte irgendwelche Fragen über meine lange Abwesenheit, aber ich hätte ja zu mindest ahnen können, dass das nur die Ruhe vor dem Sturm war.

Bis zum Mittagessen herrschte eine absolut friedliche Stimmung, aber ich Vollidiot musste mich ja unbedingt in die Diskussion zweier Grünschnabel einmischen. Na gut, das allein reicht nicht aus um einen den Tag so richtig zu vermiesen, aber bei einem hitzigen Wortgefecht wird meist mehr als nur eine Person auf einen aufmerksam und in diesem Fall war es zu meinem größten Leidwesen nicht irgendjemand sondern ausgerechnet Barbiel, die Stellvertreterin Raphaels. Ich kann mich kaum noch daran erinnern über was wir eigentlich gesprochen hatten, aber irgendwie hatte sie es geschafft mich in einen Vortrag über was-weiß-ich-für-ein-Thema zu schleifen und danach spurlos zu verschwinden.

Inzwischen war der Vortrag zwar zum Glück beendet, aber ich stand immer noch in dem riesigen Saal, da Saraquel mich leider genau in dem Moment entdeckt hatte, als ich mich klammheimlich verdrücken wollte. Soeben wurde mir eröffnet für welchen Job ich mich Dank Barbiels Hilfe >freiwillig< gemeldet hatte. Das Wort freiwillig fand ich bei der Sache besonders charmant, da ich mich in keinster Weise daran erinnern konnte überhaupt von jemanden gefragt worden zu sein. Na ja, was sollte ich machen? Bei einer Weigerung hätte ich direkt das hohe Konzil am Hals gehabt und müsste zusätzlich Barbiels miese Laune ertragen. Es ist wirklich leichter direkt in den sauren Apfel zu beißen. Seufzend fügte ich mich also in das Unausweichliche und wartete einfach ab was für einen Job Saraquel da in petto hatte.

Nachdem er mir eine halbe Stunde lang alles mögliche erzählt hatte, was in einer entfernten Beziehung mit dem eigentlichen Job zu tun hatte (mir reichten eigentlich schon die ersten fünf Minuten) war klar, dass dies wohl ein Job auf Lebenszeit sein würde. Es sei denn mir würde ganz schnell eine gute Idee kommen, wie ich mich nach einer Woche oder so elegant aus der Affäre ziehen konnte. Jetzt musste ich allerdings notgedrungen erst mal mit der Tatsache abfinden, dass ich von nun an für die Ausbildung der neuen Kadetten zuständig war. Meine Begeisterung darüber konnte ich wahrlich nicht in Worte fassen. So ließ ich Saraquel einfach hinter mir im Gang stehen und schloß lautlos die Tür zu meinen Gemächern. Ich hatte genau eine Minute um mich an die angenehme Stille zu gewöhnen. Danach sprang mit einem ohrenbetäubenden Lärm der Kommunikationsbildschirm an und ich konnte direkt in das missmutige Gesicht meines jüngeren Bruders sehen.

„Was ist es jetzt wieder Remiriel?“ Warum kann er mich denn nicht ein einziges Mal meine Rückkehr genießen lassen? Er stieß ein verächtliches Schnauben aus und ließ sich dann eine Stunde lang über alles aus, was während meiner Abwesenheit passiert war. Vor allem aber über einen weiblichen Engel, der ihm immer wieder den Rang des Klassenbesten ablief. Das war sein absolutes Lieblingsthema und weder mein unterdrücktes Gähnen noch die absolute Begeisterung mit der ich ihm zuhörte, schienen ihn dabei zu interessieren. Irgendwann werde ich ihm wohl beibringen müssen, das man bei weiblichen Engeln mit Komplimenten wesentlich weiter kommt, als mit ständigem Konkurrenzkampf. Nach knappen anderthalb Stunden (was für seine Verhältnisse ziemlich kurz war) lag auch das endlich hinter mir und ich konnte meine Rückkehr zum ersten Mal an diesem Tag gebührend genießen. Als aller erstes stand damit ein heißes Bad auf dem Programm, gefolgt von einem taktischen Rückzug in die Eden-Bibliothek um meine Berichte in Ruhe zu vervollständigen. Es wurde zwar nicht verlangt dies zu tun, aber ich wollte nicht, das all die Ereignisse in Assia in Vergessenheit gerieten. Nach meiner Meinung ist es gerade für uns Engel wichtig, was die Menschen über uns und unseren Herrn denken. Auch wenn ich mit dieser Meinung ziemlich allein dastehe. Deshalb freute es mich besonders, als ich entdeckte, das sämtliche meiner Bücher während meiner Abwesenheit wiederholt ausgeliehen worden waren. Als ich mir die Registerkarte allerdings genauer ansah stutzte ich. Es war immer dieselbe Person gewesen. Interessant.

Zufrieden schloss ich mein Notizbuch, nachdem ich auch den allerletzten Eintrag vervollständigt hatte und machte einen Spaziergang im Wassergarten, wo mir wie erwartet Jibrill über den Weg lief. Wie immer war sie die Erste, die mich über meine Erlebnisse in Assia ausfragte und gar nicht genug davon hören konnte. Kein Wunder, als Engel der Verkündung ist sie noch häufiger dort als ich, allerdings immer nur für einen kurzen Moment, damit sie Gottes Wort unter die Menschen bringen konnte. Es war ihr nicht erlaubt, dort länger zu verweilen. Immerhin war es ihr gelungen, mich davon zu überzeugen, ihr immer wieder neue Pflanzen oder Samen aus Assia mitzubringen, die sie mit großer Sorgfalt im Wassergarten oder der Eden-Bibliothek anpflanzte. Nicht alle Engel verstanden dieses Hobby oder tolerierten es, aber die Pflanzen erfreuten sich dennoch allgemeinen Beliebtheit. Man musste sich also gar keine Sorgen machen, dass sie verdursten oder eingehen würden. Irgendjemand kümmerte sich immer darum und wenn ich es selbst war.

Nachdem ich ihr das Paket mit den sehnsüchtig erwarteten Samen gegeben hatte, beschloss sie, mich zu begleiten. Immerhin war sie neugierig, warum gerade ich mich freiwillig gemeldet hatte, mich um eine neue Klasse neuer Rekruten zu kümmern, denn eigentlich hätte Barbiel diesen Job übernehmen sollen. Das steckte also hinter. Hätte ich mir ja gleich denken können. Sie hat mich wieder einmal reingelegt. Mein Gesichtsausdruck sprach wohl Bände. Viel anders konnte man sich Jibrills plötzliches Lachen auch nicht erklären. Inzwischen war es bereits früher Abend, und in knapp einer halben Stunde würde ich zum ersten Mal all diejenigen sehen, die ich für die nächsten zwei Jahre nicht mehr loswerden würde.

Junge, ehrgeizige Engel, die darauf brannten als Erzengel anerkannt zu werden. Zwei Jahre lang Grünschnäbel ausbilden...

Womit habe ich das verdient?! Ich will doch eigentlich nur in Ruhe Assia erforschen!

Ich rechnete zwar schon mit dem Schlimmsten, aber was ich letztendlich vorfand übertraf all meine Erwartungen. Diese sogenannten Kadetten waren ein derart unkoordinierter Haufen, dass ich mich ernsthaft fragte, wie ich es jemals schaffen sollte, in nur zwei Jahren Ordnung und Disziplin dorthinein zu bringen. Jibrill stand still lächelnd neben mir.

„Du machst das schon.“ Ein leichtes Schulterklopfen und schon stand ich mutterseelenallein circa dreißig jungen Engeln gegenüber, die in ihrem ganzen Leben noch nie das Wort Disziplin gehört hatten. Es dauerte fast zehn Minuten bis sie es endlich schafften eine Formation anzunehmen, die man nur mit viel Toleranz als Reihe bezeichnen konnte und selbst jetzt murmelten sich noch! Mit ein paar scharfen Befehlen sorgte ich für Ruhe und setzte erst mal einen Trainingslauf für den nächsten Morgen an. Zehn Meilen zu Fuß und das um sechs Uhr morgens! Wenn ich will kann ich richtig gemein sein.

Das allgemeine Murren war nicht zu überhören, also machte ich kurzerhand aus den zehn Meilen fünfzehn. Zu Fuß, ohne Flügel oder sonstiger magischer Tricks. Damit machte ich mir selbstverständlich mein Leben auch nicht leichter, aber im Gegensatz zu meinen Rekruten gehörte ich zu den Frühaufstehern und war es gewöhnt mich wie ein Sterblicher voran zu bewegen. Es dauerte nicht allzu lange bis die Ersten von ihnen schlapp machten und nach zwölf Meilen stand nicht ein einziger von ihnen mehr auf seinen Füßen. Es blieb mir also nichts anderes übrig als das Training abzubrechen und ihnen vorläufig etwas Ruhe zu gönnen., bevor es Nachmittags an die Theorie ging. Es war die Hölle!

Nach knapp einer Woche hatte meine Laune ihren absoluten Tiefpunkt erreicht. Meine Klasse war widerspenstig wie nichts anderes was mir je untergekommen war (nicht mal Menschen konnten einem derart den Nerv rauben), alle anderen Engel erwarteten von mir ein mittleres Wunder (angeblich war ich der Einzige, der es solange mit dieser Klasse aushielt und würde sie alle sicher durch die Prüfung bringen) und zu allem Überfluss trudelte mit reiflicher Verspätung noch eine handvoll Rekruten ein, die nicht besser waren als der Rest von diesem Haufen. Unter ihnen auch der letzte Nagel zu meinem Sarg. Jung, gutaussehend und mit einem Ego ausgestattet, das einen zur Weißglut treiben konnte. Die Probleme waren vorprogrammiert.

Zugegeben, er war gut, sogar verdammt gut in allem was er tat. Er hatte das Basisprogramm in noch nicht mal einer Woche absolviert. (Normal waren drei oder vier!) Und leider Gottes war er sich seines guten Aussehens nur zu gut bewusst. Wo immer es ging setzte er seinen Charme ein um sich sein Leben zu erleichtern. Sein Pech, das er bei mir dabei auf Granit biss. Ehrliche, harte Arbeit ist das Einzige das ich anerkenne und das bringe ich all meinen Schülern früher oder später bei. Ob sie wollen oder nicht.

Das Remiriel und sein Hauptproblem, wie er diesen Störfaktor seiner Karriere inzwischen nannte wegen einer Prügelei mit einigen von Michaels Schülern unter Arrest standen half mir auch nicht gerade weiter. Meine Klasse drehte mir einen Strick nach dem anderen aus dieser Sache. Was macht es denn bitte schön für einen Eindruck wenn der kleine Bruder seines Ausbilders in der Arrestzelle steckt? Das ging solange so, bis mir nichts anderes mehr übrig blieb als das hohe Konzil um Nachsicht zu bitten. Leider dankten es mir die Beiden nicht sonderlich. Für sie war das ganze anscheinend eher eine Art Joke gewesen. Sie nahmen es derart gelassen hin, das man sie eingesperrt hatte, das es schon fast an Ignoranz grenzte. Von da an gab es fast täglich Ärger mit den Beiden. Ich gab es schließlich auf mich auch noch darum kümmern zu wollen. Soll Remiriel doch selbst sehen wie er aus seinen Schwierigkeiten wieder herauskommt. Er ist alt genug.

Nichts desto trotz blieb das Problem mit meiner Klasse bestehen. Vor allem unser Schönling Raguel tanzte mir immer wieder auf der Nase herum. Er färbte sich trotz des ausdrücklichen Verbots die Haare, schwänzte den Unterricht, weigerte sich mit den Anderen zusammen zu arbeiten und legte jede seiner Prüfungen mit Auszeichnung hin. Er machte mich schlichtweg fertig und was noch wesentlich schlimmer war, jeder andere Engel gratulierte mir zu solch einer Begabung unter meinen Schülern. Ich sah mich bereits eigenes Grab schaufeln. Vor allem seit dem sich mein jüngerer Bruder und sein Problem ebenfalls unter meinen Rekruten befanden. (Seltsamerweise hatte sein letzter Lehrer einen kleinen Unfall erlitten und würde auf unbestimmte Zeit sein Amt nicht mehr ausüben.) Mein Urlaubsantrag war also wirklich nur noch eine Frage der Zeit. Zwei Wochen stille Zurückgezogenheit in Assia sollten eigentlich reichen, um das alles weit hinter sich zu lassen. Dachte ich zumindest.

Das bei meiner Rückkehr alles nur noch schlimmer war als vorher hätte ich ja zumindest ahnen können. Nur leider war ich der leisen Hoffnung erlegen, das ich auf eine voll disziplinierte Klasse treffen würde und nicht auf einen vollkommen chaotischen Haufen, der wie ein Stall aufgeregte Hühner vor mir hin und her rannte. Barbiel hatte die Vertretung also nicht sonderlich ernst genommen. (Wie sollte es auch anders sein?)

Nach einem mittleren Erdbeben saßen sie schließlich alle wieder kerzengerade auf ihren Plätzen und sahen mich vollkommen überrascht an. Als wenn es so verwunderlich ist, das ein Engel seine Kräfte benutzt um sich Gehör zu verschaffen. (Vor allem in dieser Klasse.) Natürlich fehlte beim Durchzählen mal wieder jemand und ich müsste eigentlich schon gar nicht mehr fragen um wen es sich dabei handelte. Oh man, ich hab keinen Bock mehr!

„Also, wo ist sie?“ Ratloses Schulterzucken und hier und da ein vielsagender Blick auf meinen Bruder waren die einzigen Antworten, die ich erhielt. Seufzend erhob er sich schließlich und verließ wortlos den Raum.

„Hab ich was verpasst?“ Stille. Gut, dann eben nicht. Wenn ihr nicht wollt. Ich kann auch anders. Weiter im Unterricht! Diverse Zwischenkommentare, die anscheinend nicht für meine Ohren bestimmt waren und trotz mehrmaliger Ermahnung nicht verstummen wollten erregten meine Aufmerksamkeit. Anscheinend hatten sich mein Bruder und sein Karriereproblem inzwischen angefreundet beziehungsweise versuchten nicht mehr andauernd sich gegenseitig umzubringen. Wenigstens etwas.

Nur als die Beiden schließlich zusammen die Klasse betraten war dieser Eindruck sofort Null und Nichtig. Ihr Gesichtsausdruck hatte irgendetwas von einem Biß in eine Zitrone und mein Bruder sah auch nicht viel besser aus. Sein linkes Auge zierte ein Veilchen. Wobei ich allerdings ein verräterisches Lächeln um seine Mundwinkel herum entdecken konnte. Ich werde wohl nie verstehen was er so toll daran findet Prügel zu beziehen. Sicher meistens gewinnt er diese Art von Konflikten, aber danach kann man wochenlang die verschiedensten Blautöne an seinem ganzem Körper bewundern. Aber wenn ich mir diese unterdrückte Lachen so ansehe bin ich mir fast sicher, das er sie mit Absicht provoziert hat. Mit einer enormen Lautstärke nahmen die beiden Platz und ich konnte endlich mit dem Unterricht anfangen. Man soll es nicht für möglich halten, aber die darauffolgenden Wochen verliefen relativ friedlich. Es gab keine unerwünschten Verspätungen oder Prügeleien und fast wäre ich dem Glauben erlegen, das ich meine Klasse endlich im Griff hatte. Aber selbstverständlich mussten sie sich genau an dem Tag, an dem Uriel zu seiner üblichen Stippvisite kam eine mittlere Katastrophe auslösen.

Wenn man es genau nimmt war die Ursache für dieses Desaster mein Zuspätkommen an diesem Tag. Wäre ich pünktlich gewesen und hätte mich nicht von Barbiel aufhalten lassen, dann wäre meine Klasse niemals ihren ärgsten Konkurrenten, den Schülern von Michael begegnet. Leider trafen sie so aufeinander und das konnte nur böse enden. Vor allem weil sei sich schon von Natur aus nicht besonders gut riechen konnten und weil es sich sämtliche männliche Schüler Michaels in den Kopf gesetzt hatten jedes weibliche Wesen unter den Schülern (höhere Engel sahen sie nicht einmal an) in ihrer unmittelbaren Umgebung so gut es geht unter Druck zu setzen. Was im Klartext heißt, sie zwangen sie zu Dingen, die ich besser nicht wiederhole.

Was passieren würde, wenn diese Möchtegern Machos auf einen bestimmten weiblichen Engel und meinen Bruder treffen konnte man sich nur zu leicht ausrechnen. Und da die weiblichen Engel in meiner Klasse eh zu den Minderheiten zählten hielten sie felsenfest zusammen, was den Jungs sowohl auf die Nerven ging, als auch imponierte. Im Endeffekt konnte sich hinterher niemand mehr genau an den Grund des Streits erinnern, aber es hatte ausgereicht um den gesamten Jahrgang in eine Prügelei zu verwickeln die, wenn Uriel nicht eingegriffen hätte mit ziemlicher Sicherheit zugunsten meiner Schüler ausgegangen wäre und zum ersten Mal war ich richtig stolz auf sie. Keiner von ihnen versuchte sich herauszureden. Sie hielten zusammen als würde auch nur ein falsches Wort eines einzigen ihr aller Leben gefährden. Nur nützte es nichts. Sie wurden für zwei Wochen suspendiert. In diesem Fall kannten weder Uriel noch ich Gnade.

„Alle Achtung! Du hast verdammt gute Arbeit geleistet.“ Uriels Lob kam so überraschend, das mir erst einmal der Mund offen stehen blieb. Zum Glück waren meine Schüler nicht mehr anwesend. Hätten sie es gehört wären sie nie wieder zu bremsen gewesen.

„Ich hätte nicht gedacht, das du es schaffst diesen Haufen zu bändigen.“ Damit ließ er mich stehen um seinen Pflichten nachzukommen. Ich begriff immer noch nicht was da eigentlich passiert war, aber ich war fest entschlossen es herauszufinden. Zu meiner größten Überraschung stieß ich auf dieselbe Wand ablehnendes Schweigen wie schon zuvor Uriel. Keiner von meinen Schülern hielt es für nötig das, was geschehen war zu erklären.

Erst als ich nach dem Unterricht zum Luftschnappen an den äußersten Plattformen Assias entlang spazierte dämmerte es mir, das sie jemanden decken mussten. Sicher, dieser Streit war vorprogrammiert gewesen, aber warum hatten sich die anderen Klassen ebenfalls eingemischt? Es muss etwas gewesen sein, das sie alle betraf, aber was? Die Antwort auf diese Frage gab mir schließlich mein kleiner Bruder, der die Prügelei seltsamerweise ohne einen einzigen Kratzer überstanden hatte.

Er erklärte mir, das einer von Michaels Schülern, dessen Name ihm nicht geläufig war (er umschrieb ihn aber trotzdem sehr blumenreich) damit angefangen hatte ihre Mitschülerinnen zu belästigen. Wobei diese sich natürlich verteidigt hatten. Erst als das nichts mehr nützte griffen die Jungs ebenfalls ein und die Sache war innerhalb von Minuten geklärt. Nur konnte es ein Engel nicht lassen auch weiterhin Grenzen zu überschreiten. Er behauptete stocksteif, das eines der Mädchen aus meiner Klasse ein I-children sei, das sich unerkannt durch die Prüfungen gemogelt hatte. Damit hatte er urplötzlich sich mehr Feinde geschaffen, als er ahnte.

I-children waren Kinder, die aus der Beziehung zweier Engel entstanden, was von Gott deutlich genug verboten worden war. Jedes dieser Kinder war schon vom Tag seiner Geburt an als gefallen gebrandmarkt und auch seine Eltern wurden schwer bestraft. Für Diejenigen, die das überlebten gab es nur einen einzigen Zufluchtsort, die Slums von Yetzirah und von dort aus war es unmöglich wieder in die Gesellschaft zurück zugelangen. Wer einmal dorthin verbannt wurde kam nie wieder zurück. Manche Engel machten sich einen Spaß daraus diese armen Kreaturen zu jagen als wären sie Freiwild, aber ich konnte sie nur noch bedauern. Als Engel, derart bestraft zu werden nur weil man auf sein Herz hörte...

Das war eines der Dinge, die ich in Gottes Plan nicht verstand und ich war sicher nicht der Einzige, der so dacht. Nur wurde über so etwas nicht laut gesprochen.

„Du ahnst bestimmt schon wen er damit meinte, oder?“ Die Frage war überflüssig. Ich wusste nur zu gut, das es in meiner Klasse nur einen einzigen weiblichen Engel gab, der sich durch nichts und niemanden einschüchtern ließ. Sie als I-children anzuprangern war eine riskante Methode es auf einen neuen Versuch in dieser Richtung ankommen zu lassen.

„Und? Was meinst du ist dann passiert?“ Ich ersparte mir eine Antwort, da ich nur zu genau wusste, das er mir innerhalb der nächsten Minuten eine detailgetreue Beschreibung genau davon geben würde und ich hatte recht. Sehr schnell erfuhr ich, das sie auf diese Beschuldigung hin diese einfach auf die betreffende Person zurückwarf, die ihr diesen Vorwurf gemacht hatte und diesem direkt auch noch seine miserablen Leistungen in den letzten Prüfungen unter die Nase rieb. Leider übersah sie dabei (Oder auch nicht. Ich hatte da so meine Zweifel.), das sie damit auch direkt seine halbe Klasse und Michael beleidigte und so jagte ein Wortgefecht das nächste bis es schließlich in körperliche Gewalt umschlug.

„Da gibst du dir wochenlang Mühe uns Manieren und Anstand beizubringen und was machen wir? Bei deinem ersten wichtigen Auftritt vertrimmen wir den halben Jahrgang. Ganz schön enttäuschend was?“ Ich schüttelte den Kopf.

„Nein, ich kann es sogar gut verstehen. Aber was mir immer noch nicht klar ist... Warum hast du eigentlich keinerlei Blessuren?“ Er senkte betroffen den Kopf und ließ meine Frage unbeantwortet.

„Ezechiel!“ Die scharfe Stimme hinter mir riss mich aus meinen Gedanken. Gelassen zügelte ich mein Pferd und blieb stehen.

„Seht euch das an.“ Ich folgte der ausgestreckten Hand meines Schülers, der sich wieder einmal (trotz meines ausdrücklichen Verbots) die Haare gefärbt hatte. Momentan erstrahlten sie in einem freundlichen grüntürkis mit einem dunklen Zopf, den er im Nacken zusammengefasst hatte. Der Anblick, der sich uns bot verschlug mir fast den Atem. Unter uns breitete sich eine grüne Ebene aus, wie ich sie noch nirgends in Assia gesehen hatte. Jedes Feld stand voller Korn, das nur darauf zu warten schien endlich geschnitten zu werden. Die Wiesen waren so saftig grün, das man meinen könnte den Tau auf ihren Blätter noch immer zu sehen und überall in ihnen leuchteten die verschiedensten Blumen auf. Das sich in diesem Tal menschliche Siedlungen befanden schien fast zu einer Nebensächlichkeit zu verkommen. Einen solchen Ort würden die Menschen sicherlich als ein Paradies auf Erden bezeichnen.

„Das ist atemberaubend.“ Quirins Augen leuchteten bei diesem Anblick fast ebenso so sehr wie die Blumen in den Wiesen unter uns. Es war nicht schwierig zu erraten, das wir uns dem Ziel unserer Reise näherten. Laut der Wegbeschreibung Dayne de Avidos mussten wir nun lediglich den Berg hinter uns lassen und einen kleinen Wald durchqueren, dann würden wir das Dorf erreichen in dem sich angeblich ein Dämon versteckt hielt. Wir genossen noch eine Weile den Anblick der sich uns bot bevor wir gemächlich den Bergweg hinunter ritten. Quirin hatte wie von selbst die Führung übernommen und ritt voran, was mir Zeit gab in Ruhe ein paar Worte mit meinem Schüler zu wechseln.

„Merkst du es?“ Er nickte zögernd.

„Ein Bannkreis, oder?“ Mit einer Handbewegung wies ich ihn an leiser zu sprechen. Es war nicht nötig, das Quirin diese Unterhaltung mitbekam.

„Ja, aber er ist nicht gefährlich. Anscheinend eine Art Schutz.“ Prüfend tastete er ebenfalls nach den magischen Schwingungen, die wir soeben durchquerten und kam zu demselben Schluss.

„Aber wer würde einen solchen Bann sprechen? Noch dazu um ein ganzes Tal?“ Erfreut stellte ich fest, das sich seine Fähigkeiten bereits weitaus besser entwickelten hatten als erwartet. Den wahren Umfang eines Banns zu erkennen schafften meistens nur die Engel, die sich schon mindestens zwei Jahre mit dieser Art von Magie befassten. Er hatte gerade einmal das erste davon hinter sich.

„Tja, ich schätze es ist an uns das herauszufinden.“ Seine kobaltblauen Augen sahen mich überrascht an.

„Wie meint ihr das?“ Es wird wohl allmählich Zeit ihn in einige Dinge einzuweihen. Nicht umsonst hatte man darauf bestanden, das ich diese Reise nicht allein unternahm.

„Das hohe Konzil hat vor einiger Zeit von einer Abweichung im Zeitraumgefüge Assias erfahren und bat mich nach der Quelle zu suchen. Ich schätze wir haben sie gerade gefunden.“ Er starrte mich nach wie vor ungläubig an.

„Das hohe Konzil? Warum habt ihr das nie erwähnt?“ Weil dich das nicht das Geringste angeht! Aber da ich wusste was diese Antwort zur Folge haben würde verkniff ich sie mir. Es war schon schwierig genug mit dem Wissen zu leben, das sich dieser junge Engel in mich alten Knacker verliebt hatte. Wie er auf diesen Schwachsinn gekommen ist weiß der Geier. Ich bin nie sonderlich freundlich zu ihm gewesen und habe ihm das Leben zur Hölle gemacht, aber aus irgendeinem Grund hat er einen unglaublichen Narren an mir gefressen. Das er sich ernsthaft verliebt hatte war mir schon vor einiger Zeit aufgefallen, da er in unbeobachteten Momenten immer geistesabwesend wirkte und Löcher in die Luft starrte. Das Wissen wer der Auslöser für dieses merkwürdigen Verhalten war verdankte ich Barbiel. Sie hatte mit dem Kleinen (wie sie ihn liebvoll nannte) mal ein ernsthaftes Gespräch von Mutter (allein das Wort brachte mich bei ihr zum Lachen) zu Engel geführt und dank ihrer Einfühlsamkeit (wer’s glaubt) alles erfahren was sie wissen wollte. Als ihr erkorenes Lieblingsopfer müsste sie es mir natürlich direkt brühwarm unter die Nase reiben und mir mit diversen Beziehungstipps unter die Arme greifen. Ich kann mich nicht erinnern jemals in meinem Leben derart rot geworden zu sein wie in diesem Moment.

„Oh shit!“ Wütend riss Raguel an den Zügeln seiner Stute. Verwundert sah ich mich um und stellte fest, das wir im Kreis geritten waren. Der Weg durch den Wald führte zwar schnurstracks geradeaus, aber aus irgendeinem Grund waren wir gerade wieder an genau dem Punkt angelangt wo wir den Wald betreten hatten. Ratlos sah ich die Anderen an. Mir war nicht das Geringste aufgefallen und Raguel ging es genauso was bedeutete, das hier keine Magie im Spiel war, aber was dann? Irgendetwas versuchte doch uns an der Durchquerung des Waldes zu hindern, aber was?

Da die Sonne bereits unterging schlugen wir unser Lager nicht weit entfernt vom Weg auf und legten uns nach einem ausgiebigen Essen schlafen. Allerdings fand keiner von uns in dieser Nacht viel Ruhe. Ein Wolf schlich in nicht allzu weit entfernt um unser Lager herum und obwohl ich mir sicher war, das er nicht angreifen würde solange das Feuer brannte machte er mich dennoch nervös. Doch das war bei Weitem nicht das Schlimmste was uns passierte.

Viel härter traf es mich, das wir nach einer Woche immer noch in diesem verfluchten Wald umherirrten und obwohl wir inzwischen so gut wie jeden Weg ob nun von Menschenhand geschaffen oder einfacher Wildpfad erkundet hatten kamen wir immer wieder an der Stelle aus an der wir den Wald betreten hatten. Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich meinen, das dieser Wald mit Absicht verhinderte, das wir ihn verließen. Doch das war völliger Quatsch. Sicher, die Natur Assias führt ein gewisses Eigenleben, aber solche Fähigkeiten würde sie niemals entwickeln. Dafür war ihre magische Veranlagung einfach nicht stark genug. Trotzdem war es seltsam, das uns irgendetwas in diesem Wald festzuhalten schien. Raguel meinte zwar, das es vielleicht an dem Bannkreis um das Tal herum liegen würde, aber dafür war dieser Kreis nicht geschaffen worden. Er diente vielmehr zum Schutz. Doch von was? Wer würde sich die Mühe machen einen solch aufwendigen Bann zu schaffen? Und zu welchem Zweck?

„Ezechiel wartet!“ Zögernd brachte ich mein Pferd zum Stehen. Mir war gar nicht aufgefallen wie weit ich mich inzwischen von den Anderen entfernt hatte. Was verbirgt sich in diesem Tal?

„Quirin ist verschwunden.“ Schon wieder? Dieser Mensch machte nichts als Schwierigkeiten. Seit wir uns in diesem Wald befanden benahm er sich äußerst merkwürdig. Fast so als würde er etwas bestimmtes suchen. Sicher, er hatte und bereits mehr als einmal erzählt, das er in seiner Jugend in dieser Gegend öfter Jagdausflüge unternommen hatte, aber selbst das half uns nicht wirklich weiter. Wir saßen nach wie vor in diesem Wald fest und auch er konnte sich keinen Reim darauf machen warum.

„Hast du gesehen wohin?“ Er rümpfte verächtlich die Nase und wies dann auf einen kleinen Wildpfad hinter sich. Nicht schon wieder! Das er immer öfter auf eigene Faust loszog war genauso nervig wie dieses ewige Umherirren.

„Er faselte irgendetwas von einem See und das es von da ziemlich einfach wäre das nächste Dorf zu finden.“ Der Missmut in seiner Stimme war nicht mehr zu überhören. Immerhin erzählte er uns das inzwischen seit vier Tagen.

„Tja, da wir versprochen haben auf ihn aufzupassen bleibt uns wohl nichts anderes übrig als ihm zu folgen.“ Mein Tonfall ließ deutlich durchblicken, das ich immer noch ihn dafür verantwortlich machte, das wir einen Menschen begleiten mussten, aber er ließ sich davon leider nicht wie erhofft beeindrucken. Stattdessen hob er seinen Kopf und versuchte sich einen Überblick zu verschaffen.

„Hmm... sieht aus, als würde dieser Weg ziemlich tief ins Unterholz führen. Wir sollten besser aufpassen, das wir uns nicht verirren.“ Mit einem leichten Schnalzen der Zügel setzte ich meine Stute in Bewegung und steuerte den Wildpfad an. Komisch, ich bin mir sicher, das er gestern noch nicht da war.

„Es sollte mich sehr wundern, wenn es sich mit diesem Weg viel anders verhält als mit den restlichen. Sobald wir ihn gefunden haben werden wir wieder am Ausgangspunkt sein.“ Raguel wirkte nicht sonderlich überzeugt, aber er folgte mir dennoch ohne ein weiteres Wort darüber zu verlieren. Der Wald um uns herum wurde von Minute zu Minute dunkler und nur ab und zu wurde er von ein paar vereinzelten Sonnenstrahlen erhellt, die durch die Baumkronen fielen, aber schon längst verblasst waren ehe sie den Boden erreichten. Dieser Teil des Waldes war vollkommen unberührt. Hier hatte noch nie ein Mensch seinen Fuß hineingesetzt. Erstaunlich, das es so etwas in der Nähe einer Siedlung noch gibt. Vollkommen unberührte Natur, die nur von den Tieren des Waldes betreten wird, das muß Assia sein wie es unser Herr einst geschaffen und geliebt hat. Eine friedliche Welt in der Not ein Fremdwort ist...

Leider störten wir mit unseren Pferden diesen Frieden erheblich und ich war kurz davor einfach um zukehren, als meine Stute plötzlich scheute. Es gelang mir zwar sie zu beruhigen, aber sie weigerte sich standhaft auch nur einen weiteren Schritt zu machen. Beruhigend tätschelte ich ihren Hals.

„Was ist denn? Wovor hast du Angst?“ Meine Versuche sie sanft vorwärts zu bewegen dankte sie mir mit einem schrillen Wiehern und Aufbäumen. Ich hatte alle Mühe mich danach noch im Sattel zu halten.

„Ezechiel! Passt auf, ein Wolf!“ Raguels Warnung kam nicht einen Moment zu spät. Die dunkle Gestalt schoss aus dem Dickicht genau auf meine Kehle zu. So schnell es ging ließ ich mich aus dem Sattel fallen und zog mein Schwert. Knurrend umkreiste mich der Wolf. Er hatte mich zwar verfehlt, aber er war anscheinend nicht gewillt so schnell aufzugeben. Ich ließ ihn nicht aus den Augen. Nur ein Moment der Unaufmerksamkeit könnte meinen sicheren Tod bedeuten. Keine Ahnung wie lange wir uns anstarrten oder was Raguel tat, aber plötzlich wandte er sich ab und verschwand im Unterholz. Für einen Wolf ein vollkommen unnatürliches Verhalten. Aber was ist in diesem Wald schon normal?

„Alles in Ordnung mit euch?“ Meine Haltung entspannte sich etwas und ich verfluchte meine Hand dafür, das sie zitterte. Verdammt! Es war doch nur ein Wolf.

„Ja, es geht schon wieder. Seltsames Tier meinst du nicht?“ Er ließ meine Frage unbeantwortet und sah mich durchdringend an. Ich konnte nicht verhindern, das mir unter diesem Blick mulmig wurde und beeilte mich mit dem Aufzusteigen. Das wäre ja noch schöner, wenn ich wegen einer solchen Lappalie vor meinem Schüler die Fassung verliere.

„Komm! Laß uns Quirin suchen.” Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich, aber er sprach nicht aus was ihn bewegte. Im Stillen dankte ich dem Herrn dafür, das dem so war. Wenn er mir jetzt seine Liebe gestand würde ich nicht wissen ob ich in der Lage wäre mich selbst lange genug zurück halten könnte um ihn nicht einfach in meine Arme zu reißen. Bei all den Streitereien die wir hinter uns gebracht hatten und all seinen Provokationen hatte ich doch nach und nach immer mehr gemerkt wie verletzlich er in Wirklichkeit war. All das machte er nur um zu verhindern, das ihm irgendjemand zu nahe kam und ihn dann schließlich doch noch verletzte. Sein Vertrauen muss vor langer Zeit schändlich missbraucht worden sein und ich frage mich von wem. Doch auf diese Frage werde ich wohl nie eine Antwort erhalten.

Verdammt! Warum musste ich all das überhaupt herausfinden? Ohne dieses Wissen wäre es viel einfacher seine Gefühle zu ignorieren, doch so? Das Bedürfnis ihn einfach zu umarmen und ihn vor allem Leid dieser Welt zu beschützen würde von Tag zu Tag größer. Was mach ich nur? Barbiel hatte recht ich habe mich ihn verliebt. Eigentlich hätte mir das vom ersten Moment an klar sein müssen, als ich zum ersten Mal in seine klaren, kobaltblauen Augen sah. Ich gehöre normalerweise nicht zu den Personen, die jemanden mit Absicht drangsalieren oder ihm das Leben besonders schwer machen. Aber bei ihm war das von Anfang an der Fall gewesen. Wenn ich doch nur früher auf die Warnzeichen geachtet hätte...

Jetzt ist es zu spät. Jede Faser meines Körpers verzerrt sich nach ihm und wenn ich ihn auch nie berühren kann so bin ich doch froh ihn in meiner Nähe zu wissen.

„Was ist nur los mit euch? Seit Wochen verhaltet ihr euch merkwürdig.“ Erschrocken zuckte ich zusammen. Ahnt er etwas?

„Macht ihr euch etwa immer noch Sorgen um euren Bruder?“ Erleichtert Atmete ich auf. Er weiß es also nicht. Danke Herr!

„Ja.“ Schon wieder gab er dieses verächtliche Schnauben von sich.

„Keine Sorge, er ist alt genug um auf sich selbst aufzupassen und außerdem finde ich es reiflich peinlich für einen Engel mit seinem Stand sich so gehen zu lassen.“ Ich antwortet ihm nicht. Das mein Bruder sich seit geraumer Zeit sehr seltsam benahm müßte selbst einem Blinden auffallen, aber den Grund dafür kannte zum Glück nur ich allein. Eigentlich hatte das alles an dem Tag angefangen an dem seine größte Konkurrentin so mir nichts dir nichts den Himmel verließ und das obwohl sie sämtliche ihrer Prüfungen mit Auszeichnung bestanden hatte. Sie hatte ihm nie gesagt wohin sie ging oder warum und das hatte ihm beinahe das Herz gebrochen, denn obwohl ich ihm immer wieder prophezeit hatte wohin es führen würde, wenn er nicht auf mich hörte und sich so sehr mit einem weiblichen Engel beschäftigte. Das Ende vom Lied war, das er sich unsterblich in diesen Engel verliebte.

Ihm war egal, das er damit gegen die Verbote des Himmels verstieß oder was Andere davon halten würden. Niemand würde ihn jemals davon abbringen können auch weiterhin nach ihr suchen. Um nicht aufzufallen stürzte er sich mit Feuereifer in seine Arbeit und schaffte es nebenbei sämtliche Berichte einzusehen, die von den Engeln geschrieben wurden, die außerhalb des Himmels ihren Aufgaben nachkamen. Doch nicht ein einziger stammte von ihr und so arbeitete er noch härter und richtete sich damit fast selbst zugrunde. Er schlief kaum noch und von essen konnte man bei ihm auch nicht gerade sprechen. All meine Versuche ihn wieder aufzumuntern oder ihn von diesem Wahnwitz scheiterten. Allein meinen Vorschlag, er sollte sich lieber wichtigerem widmen, als einem Paar schöner Beine unter einem Rock fasste er als persönliche Beleidigung auf. Er hatte sich so sehr daran verbissen sie wiederzufinden, das er nach außen kaum noch Gefühle zeigte. Von da an war auch unser Verhältnis zueinander mehr als kühl.

So war es eigentlich bis Alexiel ihn eines Tages bat sie nach Assia zu begleiten um dort einige Dinge zu erledigen. Selbst wenn er gewollt hätte eine Bitte des inorganischen Engels Alexiels konnte er beim besten Willen nicht ablehnen, also begleitete er sie und noch nie in meinem Leben hatte ich so sehr um das Leben meines Bruders gebangt wie in diesem Augenblick. Das ein mächtiger Engel wie Alexiel jemanden wie meinen Bruder bat sie zu begleiten konnte eigentlich nur eines bedeuten. Er sollte unauffällig beseitigt werden. Um so überraschter war ich als er unbeschadet mit ihr zurück gekehrte und eine Wandlung durch gemacht hatte, die ich mir beim besten Willen nicht erklären konnte. Seine Augen strahlten wieder und er strotzte nur so vor Energie. Was auch immer sie ihm in Assia gezeigt haben mochte von diesem Augenblick erkannte ich meinen Bruder nicht wieder. Er war wie verwandelt. Seine Arbeit hielt ihn zwar nach wie vor auf Trab, aber er hatte dabei nicht mehr diesen merkwürdigen Gesichtsausdruck, als wäre er dabei sein eigenes Grab zu schaufeln und endlich zeigte er auch wieder einen Ansatz von Gefühlen, wenn auch sehr sparsam. Was mich jedoch noch mehr erstaunte war, das er immer wieder nach Assia verschwand um nur noch strahlender zurück zu kehren. Anscheinend hatte Alexiel für ihn eine Aufgabe gefunden, die ihn all seine Sorgen vergessen ließ und dafür werde ich ihr den Rest meines Lebens dankbar sein.

„Da vorne! Ich glaube das ist der See.“ Aufgeregt deutete Raguel durch einige Bäume. Ich brachte mein Pferd dicht neben ihm zum Stehen und folgte seiner ausgestreckten Hand. Zwischen den eng stehenden Bäumen konnte man es fast nicht erkennen, aber tatsächlich, dort befand sich die silbrige Oberfläche eines Waldsees. Einfach unglaublich dieser Anblick.

„Sieht aus als hättest du Recht. Also dann!“ Mit einem kräftigen Schenkeldruck setzte ich meine Stute in Bewegung und erreichte relativ schnell einen kleinen ausgetretenen Pfad, der sich einmal quer um das Ufer des Sees wand.

„Merkwürdig... dieser Weg sieht aus als würde er häufig benutzt werden.“

„Aber Ezechiel ihr habt doch vorhin selbst gesagt, das hier noch nie ein Mensch gewesen ist. Wie soll das gehen?“

„Ich weiß es nicht, aber sieh mal, das hier sind eindeutig Hufspuren.“ Ich deutete auf die Vertiefungen im Boden unter uns und erntete ein zustimmendes Nicken.

„Quirin ist also nicht mehr sonderlich weit entfernt.“ Statt ihm antworten stieg ich ab und führte mein Pferd am Zügel den Pfad entlang, da ich verhindern wollte, das es noch einmal scheute. Zum Reiten war es durch die tiefhängenden Baumkronen ohnehin viel zu eng. Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, das Raguel meinem Beispiel folgte, wenn auch mit einem äußerst begeisterten Gesichtsausdruck. Es dauerte nicht allzu lange bis wir eine Reihe unterschiedlicher Pfiffe hörten, die das vereinbarte Zeichen zwischen uns und Quirin waren. Er befand sich also am Ufer des Sees. Na warte, der kann sich auf was gefasst machen!

Nachdem wir ihn endlich gefunden hatten hielt ich ihm eine Standpauke, die sich gewaschen hatte. Nur hin und wieder unterbrach mich Raguel um etwas einzuwerfen oder meine Worte abzumildern. Beides dankte ich ihm nicht sonderlich, da er sich meiner Meinung nach aus solchen Sachen rauszuhalten hatte bis man ihn aufforderte sich zu äußern. Erst als ich meine Triade beendet hatte gelang es Quirin von dem Mädchen zu erzählen, das er an dem Ufer des Sees getroffen hatte und das uns mit Sicherheit aus dem Wald führen könnte, nur leider war sie inzwischen verschwunden. Fast hätte ich ihm vorgehalten, das er eine zu lebhafte Fantasie besaß, aber dann bemerkte ich die sorgsam zusammengeschnürten Sandalen im Gras hinter ihm. Anscheinend hat er doch jemanden getroffen. Nun gut, sie zu finden sollte nicht allzu schwierig sein. Vorsichtig tastete ich die Umgebung nach der Aura eines Menschen ab und fand auch eine gar nicht mal so weit von uns entfernt.

„Sie ist da lang.“ Ich wies auf das Unterholz schräg neben Quirin und konnte sein ungläubiges Kopfschütteln nur zu gut verstehen. Kein normaler Mensch würde sich freiwillig durch dieses Dickicht quälen, aber was hatten wir für eine Wahl? Wenn sie wirklich die Chance war diesen Wald zu verlassen, dann würde ich sie mir auf keinen Fall nehmen lassen. Quirin schien genauso zu denken, denn noch ehe wir unsere Pferde angebunden hatten war er auch schon im Unterholz verschwunden. Menschen, es kann ihnen gar nicht schnell genug gehen. Sorgfältig achtete ich darauf das sich die Zügel unserer Pferde nicht von selbst lösen würden und war erstaunt, das Raguel es fast so gut wie ich verstand die Tiere zu beruhigen. Ein Pfiff aus dem Unterholz verhinderte allerdings das ich ihm das sagen konnte. Stattdessen beeilten wir uns Quirin einzuholen, wobei wir mehr als nur einmal diversen Ästen und Flechten hängen blieben. Als wir uns endlich aus dem Dickicht befreit hatten traute ich meinen Augen nicht. Das Mädchen, das vor Quirin stand hatte eine unglaubliche Ähnlichkeit mit einem ganz bestimmten Engel, den ich kannte. Auch der missmutiger Gesichtsausdruck war unverkennbar. Aber was würde ein Engel hier wollen? Außerdem ist ihre Aura die eines Menschen. Ich muss mich irren.

„Hier, das habt ihr vorhin vergessen.“ Quirin drückte ihr mit einem absolut charmanten Lächeln die Sandalen in die Hand, die wir vor kurzem gefunden hatten. Ihr Gesichtsausdruck blieb unverändert obwohl sie ein leises Danke von sich gab. Als ihr Blick allerdings auf uns fiel flackerten ihre klaren blauen Augen plötzlich, als würde sie etwas erkennen, das sie schon seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Ob sie ahnt, das wir keine Menschen sind? Vorsichtig trat ich etwas vor um ihr unsere Situation zu erläutern. Sie hörte mir mit völlig unbewegten Gesicht zu, doch ich konnte deutlich das leichte Zittern ihres Körpers spüren. Kein Wunder, ihr Haare und ihr Kleid waren immer noch vollkommen durchnässt. Was dazu führte, das ihr Kleid eng an ihrem Körper lag und nebenbei auch noch halbdurchsichtig war. Das sie sich mit drei wildfremden Männern allein im Wald befand schien ihr auch nicht sonderlich zu gefallen. Kein Wunder, wenn man daran denkt was manche Menschen mit schutzlosen Frauen anstellen. Trotzdem kam ich nicht um hin sie zu bitten uns aus dem Wald herauszuführen.

„Habe ich denn eine andere Wahl?“ Nicht die geringste Spur von Furcht in ihrer Stimme. Bewundernswert. Sie ist ihr wirklich viel zu ähnlich. Leise musste ich Lachen, als mir wieder einfiel was mir ein bestimmter Engel in einem solchen Augenblick erzählt hätte. Nein, sie konnte es nicht sein. Wäre sie es, dann hätte sie mir inzwischen schon ziemlich deutlich zu verstehen gegeben für was für einen Perversen sie mich hielt, der es nötig hatte Frauen beim Baden zu beobachten.

„Ihr seid kühn. Aber ihr habt die Wahl. Wir werden euch zu nichts zwingen.“ Das sie mir kein einziges Wort davon glaubt war ihr mehr als nur deutlich anzusehen. Ihr durchdringender Blick lag forschend auf mir, bis sie einen leisen Seufzer von sich gab.

„Wie ihr meint. Ich führe euch.“ Erleichtert atmete ich auf. Das war einfacher als ich erhofft hatte. Quirin bedankte sich bei ihr ganz Gentlemenlike mit einem Handkuß, was ihm fast eine Ohrfeige eingebracht hätte. Anscheinend hielt sie sich nur zurück weil er nicht allein war. Ein wirklich interessantes Mädchen wenn man mich fragt.

„Ihr solltet lieber eure Pferde holen. Sie würden eine Nacht in diesem Wald nicht überleben. Wir haben viele Wölfe hier.“ Meine kürzliche Begegnung mit einem von diesen Geschöpfen veranlasste mich ihr Warnung sehr ernst zu nehmen, also beauftragte ich Quirin und Raguel damit unsere Pferde zu holen. Wobei ich mich ernsthaft fragte wie sie es mit den Tieren durch das dichte Unterholz schaffen sollten, aber das war nicht mein Problem. Jetzt wo ich allein mit ihr war hatte ich die Chance herauszufinden ob es nur eine zufällige Ähnlichkeit war oder ob sie wirklich der Engel war für den ich sie hielt. Leider bewies ihr Gesichtsausdruck nachdem ich ihr meinen Namen genannt hatte deutlich genug, das sie noch nie in ihrem Leben mit Engeln zu tun hatte. Dabei war ich mir so sicher.

Unsere Unterhaltung wurde abrupt unterbrochen als Raguel und Quirin mit den Pferden wieder kamen. So schnell es ging saß ich ebenfalls auf. Freiwillig würde ich keine Minute länger als nötig in diesem Wald zubringen. Gelassen versicherte sie sich, das die Sandalen fest an ihrem Gürtel befestigt waren und schnappte sich dann die Zügel meines Pferdes um uns zielsicher aus dem Unterholz zu führen. Erstaunlich auf wie wenig Hindernisse wir plötzlich stießen und manchmal sah es fast so aus als würde sich das Dickicht automatisch lichten sobald wir in seine Nähe kamen. Ach was! Völliger Quatsch!

Nach einer knappen Stunde fanden wir uns auf einer Art Handelsstraße wieder und sie ließ meine Zügel los. Vorsichtig streckte sie sich ein klein wenig bevor ihr Blick sich auf das südliche Ende der Straße fiel. Dort geht es also weiter und plötzlich hatte ich eine Idee. Vorsichtig trieb ich mein Pferd näher an sie heran, hob sie vor mir auf den Sattel und gab dem Tier die Sporen. Sofort befanden wir uns in einem gestreckten Galopp in die Richtung in die sie zu letzt gesehen hatte.

„Was soll das?! Lasst mich auf der Stelle wieder runter!“ Lachend sah ich in ihre wütenden Augen. Sie mochte kein Engel sein, aber diese Ähnlichkeit war verblüffend. Es würde reichen um meinem Bruder eine Freude zu machen. Erst als wir den Marktplatz eines Dorfes erreichten stoppte ich mein Pferd und ließ mich gelassen zu Boden gleiten. Allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, wie wütend sie auf mich war. Sie verpasste mir eine schallende Ohrfeige und zu meinem größten Leidwesen konnte ich immer noch nichts außer zu lachen. So viel Selbstbewusstsein in einem Menschen war erstaunlich. Fast hätte ich mir dafür eine weiter Ohrfeige eingehandelt, wenn Raguel ihre Hand nicht im letzten Augenblick festgehalten hätte.

„Wage es nie wieder ihn zu schlagen.“ Sie segnete ihn mit einem Blick, der nicht sonderlich viel gutes verhieß und auch ich hielt es für unnötig sie so zu behandeln. Immerhin hatte sie jeden Grund sauer zu sein. Er reagierte entschieden zu empfindlich.

„Lass sie sofort los!“ Die Schärfe meines Tonfalls überraschte mich selbst. Warum bin ich so wütend auf ihn?

„Aber Ezechiel sie-“ Ich schnitt ihm das Wort ab.

„Hatte allen Grund dazu, also lass sie los!“ Sein Gesicht hatte sich purpurrot verfärbt, aber gehorchte. Sein Blick zeigte allerdings sehr deutlich was er am Liebsten mit diesem Menschen machen würde. Sieht ganz so aus als müsste ich nachher ein paar ernste Worte mit ihm wechseln. Wir können es uns nicht leisten aufzufallen.

„Wo ist denn euer Begleiter abgeblieben?“ Erst jetzt, wo sie es sagte bemerkte ich, das Quirin immer noch fehlte. Nun ja, wir hatten ein ziemliches Tempo an den Tag gelegt und er war ein vorsichtiger Reiter. Er würde schon noch nachkommen. Raguels verächtliches Schnauben, das mir inzwischen reiflich auf den Geist ging quittierte ich mit einem vernichtenden Blick. Heute Abend kann er sich auf was gefasst machen, soviel ist sicher.

Es dauerte nicht allzu lang bis Quirin zu uns stieß und sich direkt wieder auf das Mädchen stürzte. Das sie davon nicht sonderlich begeistert war schien ihn nicht im Geringsten zu stören. Anscheinend hat sich da jemand schwer verliebt. Es amüsierte mich zu sehen wie er versuchte ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und wie sie die erste sich bietende Gelegenheit nutzte um ihm zu entwischen. Das wird eine Lebensaufgabe werden.

„Mama! MAMA!!!!!“ Sie wurde leichenblass als ein Kind über den Marktplatz direkt auf sie zu stürmte. Aber Mutter sie?! Dafür ist sie doch noch viel zu jung. Sie wirkt nicht älter als siebzehn. Doch anscheinend hatte ich mich geirrt, der Junge konnte niemand anderen als sie meinen. Außer ihr gab es keine anderen Frauen auf dem Marktplatz. Kaum war er in Sichtweite stockte mir der Atem. Was ich sah war vollkommen unmöglich! Sah man einmal von den haselnussbraunen Haaren ab, dann war diese Kind das perfekte Ebenbild meines Bruders. Aber wie kann das sein? Remiriel würde doch nie...

Doch ich kam nicht dazu ihr meine Frage zu stellen. Zu schnell zog ihr Sohn sie davon, damit sie jemanden half. Ich konnte nicht anders, ich musste ihr folgen und sicher gehen, das mein Bruder nicht der Vollidiot war für den ich ihn im Moment hielt. Das Raguel und Quirin mir folgten war schon fast selbstverständlich, die Neugier trieb uns alle an. Es war nicht sonderlich schwer ihr zu folgen und als wir unser Ziel erreichten waren wir überrascht fast das ganze Dorf dort versammelt zu sehen. Was mag bloß vorgefallen sein, das sich hier so viele Menschen sammeln? Betroffen durch das tiefe Schweigen und den stillen Schmerz in den Gesichtern aller Anwesender blieb ich in der Eingangshalle des Hauses stehen um abzuwarten. Sie war bereits in einem angrenzenden Zimmer verschwunden aus dem nach ein paar Minuten eine kleine Menschengruppen strömte. Was auch immer vorgefallen war, es musste etwas sehr ernstes sein. Suchend sah ich mich um ob vielleicht irgendjemand bereit wäre uns eine Erklärung zu liefern, aber sie alle starrten nur hoffnungsvoll auf die geschlossene Tür.

„Ezechiel-“ Mit einer Handbewegung brachte ich Raguel zum Schweigen. Ich spürte etwas, das nicht möglich sein konnte. Die Luft um uns herum erfüllte sich mit Engelsmagie. Wie kann das sein?! Welcher Engel würde freiwillig einem Menschen helfen?

Staunend beobachtete ich wie ein alternder Mann die Tür erneut öffnete und mit einer in sich zusammengesunkenen Gestalt zurück kehrte, die sich kaum noch selbst auf den Beinen halten konnte. Alle Blicke lagen auf dem ungleichem Paar das nun den Raum betrat und als ich erkannte was dieses helle Leuchten hinter ihnen zu bedeuten hatte traute ich meinen Augen nicht. Auf dem Rücken des Mädchens befand sich ein paar schneeweiße Engelsschwingen, die schlaff herunterhingen und über den Boden schleiften. Aber das war vollkommen unmöglich! Niemals würde ein Engel sich derart geschwächt vor Menschen zeigen.

„Es geht ihr wieder gut. Kein Grund zur Sorge.“ Ihre Stimme war unglaublich dünn geworden und ihre gesamte Gestalt fing an zu zittern während sie das sagte. Diese Symptome kannte ich nur zu gut. Sie hatte ihre Kräfte überanstrengt und ihr Begleiter schien das ebenfalls zu wissen. Er sorgte dafür, das alle anderen beschäftigt waren um sie dann vorsichtig aus dem Haus zu führen. Keiner nahm zur Kenntnis, das ich ihm folgte, aber ich wollte wissen ob es ihr auch wirklich gut ging. An den Pferdeställen des Hauses hatte ich sie dann endlich eingeholt und musste feststellen, das dieser Mensch keinerlei Ahnung davon hatte wie man einem Engel auf ein Pferd half. Vor allem nicht mit voll ausgebreiteten Flügeln. Man konnte ihr deutlich ansehen, das sie nicht viel länger bei Bewusstsein bleiben würde, also übernahm ich die Initiative.

„Wenn ihr erlaubt.“ Ehe er sich versah hatte ich meinen Arm um ihre Hüfte geschlungen und stieg trotz seiner wilden Proteste mit ihr gemeinsam auf das Pferd. Keine Minute zu früh wie ich feststellte. Sie hatte bereits das Bewusstsein verloren und so erwies es sich als besonders schwierig sie zurück zu ihren Haus zu bringen. Erstaunlich war, das ihre Engelsschwingen nach wie vor nicht verschwanden, aber das zeigte nur wie viel von ihrer Kraft sie verbraucht hatte. Kaum hatten wir das Haus ihrer Familie erreicht wurde sie mir auch schon fast aus den Armen geriessen.

„Verdammt! Seit nicht leichtsinnig! Ihr Schwingen dürfen nicht beschädigt werden!” Erschrocken zuckten sie zurück und überließen es mir sie ins Bett zu bringen. Erst danach gelang es mir mich vorzustellen und ihnen zu erklären, das ich ihrer Tochter nichts böses wollte. Es stellte sich heraus, das der Mann von vorhin ihr Vater war und sich überhaupt nicht erklären konnte was passiert war. Ich versuchte ihn und seine Frau zu beruhigen, was mäßig gelang, aber nach und nach erfuhr ich was in dem anderen Haus vorgefallen war. Sie hatte eine hochschwangere Frau vor dem sicheren Tod bewahrt und dabei ihre Kräfte derart überanstrengt, das es bestimmt einen Tag dauern würde sie zu regenerieren. Ihre Eltern atmeten erleichtert auf das es nichts ernstes war. Keiner von ihnen hatte erwartet, das die Heilung solche Konsequenzen haben würde. Immerhin war ihre Tochter bisher noch nie ernstlich krank gewesen. Was angesichts der Engelsgene die sie in sich trug auch nicht weiter verwunderlich war. Engel sind von Natur aus gegen sämtliche Krankheiten Assias resistent.

Da ihre Eltern anscheinend Vertrauen zu mir gefasst hatten fragte ich sie schließlich nach dem Vater ihres Enkelkindes. Betroffen senkten sie ihr Köpfe zu Boden und meinten, das dieser sie schon vor langer Zeit verlassen hätte und das sein Fortgang ihrer Tochter fast das Herz gebrochen hatte. Nur ihr Kind hatte sie am Leben erhalten. Meine These, das es sich bei diesem Mann eventuell um Remiriel handeln könnte war damit hinfällig. So sprach man nur von einem Toten und mein Bruder lebte nach wie vor.

Leider konnte nicht ganz so lange bei dieser Familie bleiben wie ich es gern getan hätte. Raguel hatte mich viel zu schnell gefunden und an meine Pflichten erinnert. Dennoch beschäftigte mich den ganzen Abend nichts anderes als dieses Mädchen und auch für Quirin gab es kaum noch ein anderes Gesprächsthema. Der einzige, der nach wie vor aussah als hätte er in eine Zitrone gebissen war Raguel und ich wusste auch genau weshalb das so war. Er war eifersüchtig auf sie und das machte ihn nur noch attraktiver. Es kostete mich an diesem Abend verdammt viel Mühe ihm nicht zu sagen was ich für ihn empfand. Aber einen so jungen Engeln zu beschmutzen wiederstrebte mir zu tiefst. Ich hoffte inständig, das er irgendwann von allein einsehen würde, das seine Gefühle für mich nur vorübergehend waren. Er würde sicher jemanden finden dessen Liebe ihn glücklich macht und den er ohne Gefahr wieder lieben konnte. Warum müssen die Regeln für uns Engel auch so streng sein? Warum kann man nicht einfach diejenigen lieben, die man liebt? Es kann doch nicht richtig sein, das man seine Gefühle unterdrücken muss nur um nicht gegen die Gebote Gottes zu verstoßen. Doch ich wusste genau, das ich mich diesen Regeln nicht wiedersetzen konnte. Ich war als Engel geboren worden und würde bis zu meinen Tod an keiner dieser Regeln vorbeikommen, dafür hatte man sie mir viel zu gut beigebracht.

Was das Mädchen anging, so hatte ich mich geirrt. Sie lag fast zwei Wochen lang in einem komaähnlichem Zustand und mit jedem Tag der verging wurden ihre Eltern verzweifelter. Mit der Zeit gingen selbst mir die Worte des Trostes aus, denn so wie alle Andern konnte auch ich mir keinen Reim darauf machen, was diesen Zustand verursacht hatte. Es war nicht normal das ein Engel so sehr unter der Anwendung seiner Kräfte litt, es sei denn sein Blut war nicht hundertprozentig rein. Diese Alternative war die einzig plausibel Erklärung und nachdem ich ein sehr, sehr langes Gespräch mit ihren Eltern führte wurde diese Vermutung bestätigt.

So wie es aussah hatte ihr Vater, Shion vor langer Zeit eine flüchtige Affäre mit einem weiblichen Engel gehabt ohne zu wissen, das seine Geliebte ein solcher war und fand eines Tages ein Baby vor seiner Tür zusammen mit einer kurzen Nachricht, das dieses Kind seine Tochter sei und er sich von nun an um sie zu kümmern hatte. Seine Frau hörte uns während der gesamten Unterhaltung mit ausdruckslosem Gesicht zu. Auf meine Frage wie sie mit dieser Tatsache klargekommen war antwortete sie zurückhaltend, das sie ihren Mann schon immer geliebt hatte und das es für sie keine Rolle spielte ob er eine uneheliche Tochter hatte oder nicht. Sie liebte dieses Kind als wäre es ihr eigenes und das ihre Tochter seit geraumer Zeit nicht mehr alterte machte ihr auch keine allzu großen Sorgen. Das einzige wovor sie wirklich Angst hatte war, das eines Tages Engel in ihr Dorf kommen würden um ihr Kind mitzunehmen. Das würde ihr für immer das Herz brechen und an dem Gesichtsausdruck ihres Mannes konnte ich erkennen, das es ihm ebenso ging. Da sie beide inzwischen wussten das ich ein Engel bin war es nicht schwer zu erraten, das sie jetzt genau das befürchteten. Doch da konnte ich sie beruhigen.

Meine Anwesenheit in ihrem Dorf hatte einen ganz anderen Grund. Ich würde ihnen ihre Tochter nicht nehmen. Wusste ich doch zu genau wie Mischlinge von den anderen Engeln behandelt wurden. Vielleicht war das auch der Grund warum sie damals so plötzlich verschwunden war. Sie hatte geahnt, das irgendjemand irgendwann hinter ihr Geheimnis kommen würde und um dem vorzubeugen hatte sie sich einem hochrangigen Engel anvertraut, der sie dann unauffällig zurück zu ihrer Familie gebracht hatte. Hier war sie vor allen Zugriffen sicher und konnte ein ungestörtes Leben führen. Das erklärte dann auch den Bannkreis um das Tal. Nur war ich mir inzwischen sicher, das sie ihn selbst errichtet hatte und niemand anderes. Doch wieso? Und warum? Woher nimmt sie die Kraft?

Erst als sie wieder bei Bewusstsein war erhielt ich Antworten auf meine Fragen (jedenfalls auf ein paar) und konnte zum ersten Mal feststellen, das sich ihr Temperament seit ihrer Ausbildung nicht im Geringsten geändert hatte. Sie war nach wie vor ein riesen Dickschädel und unheimlich direkt. Noch nie hatte mir jemand so offen ins Gesicht gesagt, das Raguel in mich verliebt war und noch nie hatte jemand die Regeln der Engel so zurecht gebogen, das diese Liebe möglich sein würde. Immerhin betraf das Verbot der Liebe zwischen Engel nur die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau, da keine Kinder unter ihnen gezeugt werden durften. Da es sich bei mir und Raguel um zwei Männer handelte band es uns nicht. Es war verblüffend wie einfach sie die Sache sah und ich musste mich mühselig zusammenreißen um mich nicht einfach von meinem Gefühlen hinreißen zu lassen.

Raguel hatte eine vielversprechende Karriere vor sich. Wenn ich zu meinen Gefühlen stand würde ich ihm all das nehmen. Wir würden unsere Liebe vor allen anderen verstecken müssen sobald wir in die Himmel zurück kehrten und wenn es nur ein einziger Engel herausfand was ich für ihn empfand wäre eine willkommene Beute für all diejenigen die mir meinen Status schon seit jeher neideten. Allen voran Leciel, der mich seit dem Tag unserer Abschlussprüfung nicht leiden konnte, da ich ihm die begehrte Trophäe als Jahrgangsbester direkt vor der Nase weggeschnappt hatte. Wir waren so etwas wie eingeschworene Feinde und immer auf der Hut vor einander. Nein, so sehr es auch schmerzt ich kann Raguel nicht sagen was ich für ihn empfinde. Es würde ihn zerstören.

Ich versuchte ihr all das zu erklären, aber sie tat es mit einer wegwerfenden Handbewegung ab und meinte nur, das ich zu feige sei um zu meinen Gefühlen zu stehen. Sie wollte nichts von Regeln und Problemen hören. Das Einzige, das für sie zählte war das ich Raguel liebte und er mich ebenfalls. Er tat ihr leid und sie machte mich dafür verantwortlich, das er litt. Was sie aber nicht daran hinderte ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu piesacken. Selbstverständlich hatte sie auch dafür eine einfache und einleuchtende Erklärung. Wer immer so mitleiderregend aussah wie mein Begleiter verdiente ein klein wenig Abwechslung von seinem Kummer. Meine Bedenken was ihre Methode dabei anging tat sie mit einem Lachen ab. Aber mit einem hatte sie recht wann auch immer sie auf Raguel traf vergaß er alles um sich herum und war nur noch darauf fixiert sie zu ärgern. Wobei ich sagen muss, das er leider jedes Mal den Kürzeren zog. Sie hatte eine dermaßen charmante Art ihn zu beleidigen, das er manchmal nicht mehr wusste ob sie nun ernstnahm oder nicht. Selbst mir fiel es manchmal schwer sie nicht einfach übers Knie zu legen wenn sie wieder einmal ihren Dickschädel durchsetzen musste. Allerdings war es niemals so schlimm wie an den Abend wo sie nicht eher Ruhe gab bis ich ihr versprach Raguel zu sagen was ich für ihn empfand. Leider hatte ich auch keine Chance mehr mich irgendwie elegant aus der Affäre zu ziehen. Würde ich es ihm nicht heute Abend sagen, dann würde sie es für mich tun und ich hatte keinerlei Zweifel daran, das sie Wort halten würde.

Sie mochte zwar noch nicht in der Lage sein allein zu stehen, aber es ging ihr inzwischen wieder so gut, das sie ohne Probleme fünf bis zehn Leute auf Trab halten konnte. Vor allem weil sie es sich in den Kopf gesetzt hatte beim bevorstehenden Sternenfest zu singen. Etwas von dem ihr alle abrieten, da sie immer noch zu schwach war, aber was hieß das schon? Sie würde auch hier nicht eher Ruhe geben, bis sie ihren Willen bekommen hatte. Es war erstaunlich zu sehen das eine so geschwächte Person einen dermaßen starken Willen hatte. Trotzdem, im Augenblick wünschte ich mir nichts sehnlicher, als das sie wenigstens dieses eine Mal klein beigegeben hätte.

Seit geschlagenen fünf Minuten stand ich vor der geschlossen Tür zu Raguels Zimmer und überlegte immer wieder wie ich es am besten anfangen sollte. Nach all den Jahren in dem ich ihm deutlich genug hatte spüren lassen das ich ihn niemals als ebenbürtig ansehen würde sollte ich ihm nun plötzlich meine wahren Gefühle gestehen? Es war so wiedersinnig! Sicher ich weiß, das er mich liebt, aber wie wird er mit der Tatsache fertig werden, das ich mein Begehren jahrelang verleugnet habe? Wie wird er wohl reagieren? Um ehrlich zu sein ich hatte eine Heidenangst, das seine Liebe in Hass umschlagen würde wenn er davon erfuhr- Ich würde es nicht ertragen können, wenn diese klaren kobaltblauen Augen mich auf einmal voller Abscheu ansehen würden. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich mir nicht mehr sicher ob mein Handeln richtig oder falsch war. Wahrscheinlich hätte ich die halbe Nacht vor seiner Tür zugebracht, wenn er sie nicht plötzlich schwungvoll aufgerissen hätte um einen völlig betrunkenen Quirin hinauszubefördern.

„Das nächste mal wenn ihr jemanden sucht um mit eurem Kummer fertig zu werden lasst gefälligst die Weinflasche zu Hause!“ Torkelnd schlich sich Quirin an mir vorbei in sein Zimmer. Ich konnte hören, das er es nicht mehr bis zu seinem Bett schaffte. Irgendwo kurz davor brach er zusammen und begann laut zu schnarchen.

„Also wirklich! Seinen Liebeskummer einfach zu ertränken! Diese Menschen sind wirklich armselig!“ Ich schaffte keine Erwiderung. Wusste ich doch selbst wie einfach es war bei einer guten Flasche Wein Zuflucht zu suchen, wenn alles um einen herum gegen einen zu verschwören schien. Aber selbst das vermochte einem keinen wirklichen Trost zu spenden. Die Wirkung, die einem den Geist vernebelte hielt nicht lange genug an um einen wirklich zu befreien.

„Raguel, ich muss mit dir reden.“ Ehe er antworten konnte hatte ich ihn schon zurück in sein Zimmer geschoben und die Tür geschlossen. Er sah mich misstrauisch an.

„Sagt mir jetzt nicht, das ihr wegen diesem Menschen ebenfalls Liebeskummer habt.“ Anscheinend war er heute ganz besonders gut gelaunt.

„Nein, deshalb bin ich nicht hier.“ Erleichtert ließ er sich auf das Bett fallen und bot mir einen Stuhl an, den ich geflissentlich ignorierte. Mir war wohler dabei stehen zu bleiben. Langsam durchschritt ich das Zimmer und blieb vor einem Fenster stehen. Draußen herrschte bereits finsterste Nacht. Zum Glück waren unsere Zimmer immer mit genügend Kerzen versehen so dass wir uns keine Sorgen darum machen mussten, das wir ebenfalls in völliger Dunkelheit saßen.

„Warum dann?“ Es war nicht schwierig aus seiner Stimme herauszuhören, was er davon hielt. Er war nicht sonderlich erpicht darauf wieder eine Nacht damit zu zubringen sich meine neusten Erkenntnisse über die menschliche Rasse anzuhören und schon gar nicht wenn es dabei eventuell um sie gehen könnte. Ich holte noch einmal tief Luft und sammelte allen Mut den ich noch finden konnte. Warum musste sie auch so verdammt hartnäckig sein?!

„Raguel weißt du noch was ich zu dir gesagt habe als wir uns zum ersten Mal begegnet sind?“

„Sicher, ihr meintet wenn ich es noch einmal wagen würde in euerer Gegenwart mit gefärbten Haaren auftauchen würde, dann wäre meine Karriere keinen Pfifferling mehr wert.“

„Und warum hast du dich mir bis heute widersetzt und deine Haare immer wieder gefärbt?“ Es kam keine Antwort und als ich mich umdrehte konnte ich sehen, das er verlegen zu Boden starrte.

„Nun?“ Zögernd hob sich sein Blick.

„Weil ich mir so sicher sein konnte immer eure Aufmerksamkeit zu erregen.“ Kaum hatte er das ausgesprochen verfärbten sich seine Wangen dunkelrot. Das war es also. Eigentlich hätte ich es mir ja denken können. Schon komisch, dass das vorüber ich mich jahrelang aufgeregt hatte einzig und allein dazu diente mich meine Beachtung zu gewinnen.

„Und warum?“ Er biss sich auf die Lippen um nicht antworten zu müssen.

„Soll ich es dir sagen?“ Er sah mich flehend an. Seine Augen baten förmlich darum es nicht zu tun. Ein einziges Wort von mir würde reichen um seinen Traum zu zerstören um ihn allein ein einem Meer von Schmerzen zurück zu lassen. Wie konnte er auch ahnen was ich ihm eigentlich sagen wollte?

„Du hast es getan, weil du in mich verliebt bist.“ Er sprang auf.

„Nein! Ihr irrt euch! So ist es nicht!” Zweifelnd hob ich eine Augenbraue leicht an.

„Ach wirklich und wenn ich dich jetzt küssen würde?“ Er starrte mich völlig ungläubig an.

„Nein, das würdet ihr nie tun. Ich bedeute euch nichts.“ Ein verräterisches Glitzern in seinen Augen bewies mir, das ich dieses grausame Spiel nun lange genug gespielt hatte. Es wird Zeit ihm die Wahrheit zusagen. Doch die drei kleinen Worte, die alles erklären würden wollte einfach nicht über meine Lippen. Verdammt! Wie ich sie dafür hasse!

„Sei dir da nicht zu sicher.“ Noch ehe er antworten konnte hatte ich ihn eng an mich gezogen und küsste ihn. Es gab nur noch diesen einen Weg ihn wissen zu lassen was ich für ihn empfand. Er war so überrascht, das er selbst als ich ihn bereits wieder losgelassen keinen einzigen Ton mehr rausbrachte. Ich wartete geduldig ab bis er sich wieder gefangen hatte und war überrascht, das er plötzlich in Tränen ausbrach.

„Das ist nicht fair! Ihr spielt mit mir!“ Vorsichtig drängte ich ihn zurück in Richtung Bett.

„Vertraust du mir so wenig?“ Er stolperte als er die Bettkante erreichte. Sanft hob ich sein Kinn an.

„Raguel, schätzt du meinen Charakter so niedrig ein.“ Er wich meinem Blick aus als er mir antwortete.

„Nein, das ist es nicht...“

„Was dann?“ Inzwischen hatte ich ihn soweit zurückgedrängt, das ich ebenfalls auf dem Bett platz fand. Würde er mir nicht einen guten Grund nennen, warum ich das nicht tun sollte, dann würde dieser Engel seine Unschuld verlieren.

„Ezechiel ihr... ...ihr dürft das nicht tun.“ Sanft liebkoste ich seinen Hals.

„Warum nicht?“ Es war klar, das er sich nicht mehr lange gegen mich behaupten konnte und ich wollte ihm noch eine letzte Chance geben mich zurück zu stoßen. Ein einziges Wort von ihm würde genügen und ich würde ihn nie wieder berühren. Warum quäle ich mich so? Warum tue ich uns das an?

„Die Regeln...“ Er stöhnte auf als meine Hand die Innenseite seiner Beine erreichte.

„Sind dazu da um gebrochen zu werden.“ Er gab auf. Sein Körper gab sich voll und ganz seinem Verlangen hin und ich hatte keinerlei Mühe ihm dieses zu bereiten.

Mein ganzes Leben lang werde ich diese Nacht nicht vergessen. Es war der schönste Augenblick in meinem Leben als ich erkannte, das dieser eine Engel einzig und allein mir gehörte. Seine Liebe war so rein und unschuldig...

Gegen dieses Gefühl verblasste sogar der Glanz unseres Herrn in meinem Herzen.

Ich würde ihn niemals wieder loslassen. Egal, was andere dachten oder welche Gefahren uns drohen...

Wir werden für immer zusammen bleiben. Nichts kann uns jetzt noch trennen, denn die Liebe eines Engels überdauert die Ewigkeit.

 

 

02-12-25

 

 

Next: Part 19 – Crossings

 

 



So, und dieses Mal wasche ich meine Hände in Unschuld! Dieses Kapitel hat sich Nex von mir gewünscht, als ich eröffnet habe, das Ezechiel getötet wird. (Das sie mir dafür fast den Hals umgedreht hat verschweigen wir an dieser Stelle lieber ^^)

Leider habe ich ziemlich lange gebraucht um es zu schreiben und eigentlich bin ich immer noch nicht so ganz zufrieden mit dem Ergebnis, aber nach fünfmal Umschreiben verließ mich einfach der Nerv.

Hoffentlich gefällt es euch trotzdem.

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