Part 19

02-09-30

 

Love of an angel

       Part 19

 

Crossings

 

Stöhnend rieb ich mir den schmerzenden Kopf. Was immer ich auch getrunken hatte die Wirkung war vernichtend! Unzählige farbige Punkte tanzten vor meinen Augen und bei jeder noch so kleinen Bewegung verschwamm die gesamte Umgebung in einem merkwürdigen Mischmasch aus Grau und Rot. Die Entscheidung liegen zu bleiben bis sich dieser Zustand besserte war nicht sonderlich schwierig. Die weichen Laken waren nach wie vor angenehm warm und mal abgesehen davon das mir irgendjemand andauernd die Decke wegzog hatte ich schon weitaus Schlimmeres beim Aufwachen erlebt, zum Beispiel diesen äußerst unfreundlichen Dämon vor ein paar Tagen, der dachte ich wäre so eine Art Frühstück. Ich konnte seinen fauligen Atem immer noch riechen. Energisch schüttelte ich den Kopf als sich mein Magen dezent bemerkbar machte. Am Besten gar nicht mehr dran denken.

Die Decke war mit meinem Vorsatz einfach weiterzuschlafen anscheinend nicht ganz mit einverstanden, denn sie befand sich schon wieder auf Abwegen. Mit einem Ruck sicherte ich mir mein endgültiges Vorrecht an ihr und wickelte mich demonstrativ darin ein, was neben mir deutliche Proteste auslöste. Selbst schuld! Ich hätte ja geteilt, wenn nach dem ersten mal Decke wegziehen Schluss gewesen wäre. Jetzt gehört sie mir!

„Hey! So haben wir nicht gewettet!“ Ich ignorierte den Störenfried und kuschelte mich noch tiefer in die Decke nur um mich kurz darauf (samt Decke) auf dem Boden wieder zu finden. Grummelnd wühlte ich mich unter ihr hervor um herauszufinden wer mich da so sanft behandelt hatte und wieso ich außer der Decke kein Stückchen Stoff mehr am Körper trug. Als ich endlich die Bettkante erreichte sah ich in das verschlafene Gesicht von Astaroth, der vor mir lag, wie Gott ihn geschaffen hatte.

„Oh bitte nicht...“ Stöhnend rieb ich mir den Kopf. Bitte laß es einen Traum sein! Sag mir jetzt nicht, das ich mit diesem Kerl geschlafen habe!

„Du sahst auch schon mal besser aus. Vor allem gestern Abend.“ War sein knapper Kommentar bei dem er sich genüßlich mit der Zungenspitze über die Lippen fuhr. Bitte nicht! Mein völlig entgeisterter Gesichtsausdruck schien ihn königlich zu amüsieren.

„Schönen Dank, dasselbe gilt für dich.“ Zu viel mehr reichte meine Gemütsfassung dann auch nicht mehr. Meinetwegen, dann hab ich eben mit ihm geschlafen. Sex hat noch nie jemanden umgebracht. Oh man! Warum dreht sich bloß alles? Mühsam krabbelte ich zurück ins Bett und bedeckte meine Blöße so gut ich konnte. Was zum Geier ist eigentlich passiert? Warum in drei Teufelsnamen liege ich hier nackt in Astaroths Bett?! Ich ließ mich zurücksinken und starrte die Decke an während Astaroth sich mit einer nicht zu leugnenden Hartnäckigkeit seinen Anteil an der Decke zurück eroberte. Kaum hatte ich nachgegeben schlief er auch prompt ein. Seufzend sah ich den friedlich schlafenden Dämon neben mir an. Er macht nicht den Eindruck, als würde in der nächsten Zeit wieder aufwachen wollen. Irgendwie sah er neben bei auch noch höchst zu frieden mit sich und der Welt aus. Kein Wunder, so wie ich mich fühle, hatte es die letzte Nacht in sich. Möchte echt gern mal wissen, was mich zu diesem Schwachsinn bewegt hat. Aber der Einzige, der mir diese Frage beantworten könnte schläft tief und fest wie ein Murmeltier und ich werde mich hüten ihn zu wecken. Der Versuch ist schon bei einem Sterblichen mit einigen Risiken verbunden, aber bei einem Dämon konnte das glatt lebensgefährlich werden. Bleibt also nichts anderes übrig als abzuwarten bis er von allein aufwacht. Kann sich ja nur noch um Stunden handeln. Das gibt mir genügend Zeit um meinen eigenen Gedanken nach zu hängen. Die Frage ist, wie bin ich hier hingekommen? Und die Antwort darauf? Hmm...

 

Eigentlich hat das alles mit Setsunas irrwitzigem Entschluß nach Yetzirah zu gehen und dieser merkwürdigen  Prophezeihung der drei Drachen angefangen...

Stimmt kurz nach dem Jade die Prophezeiung ausgesprochen hatte war Kurai aufgewacht und hat sowohl mir als auch den drei Drachen eine Standpauke gehalten, die sich gewaschen hatte. Weder die Naturgeister noch ich sahen ein sie zu unterbrechen oder uns zu rechtfertigen. Schließlich gab Kurai es auf und meinte nur, das ich nicht so unvorsichtig sein sollte mich allein im Palast herumzutreiben. Was im Klartext bedeutet: sie befürchtet, das noch mehr Dämonen herausfinden könnten wer und was ich wirklich bin. Ihre Idee mir deshalb einen Bodyguard zu verpassen stieß bei mir auf solch offensichtliche Begeisterung, das sie es direkt sein ließ. Vielleicht lag das aber auch nur an meinem Vorschlag, das ich mich stattdessen an Kira-chan heften könnte. Immerhin waren wir beide so etwas wie Menschen, jedenfalls in den Augen der anderen Dämonen und zu zweit ist man schließlich immer noch sicherer als allein. Ihr merkwürdiger Gesichtsausdruck während sie mir zuhörte sprach Bände. Anscheinend hatte sie schon davon gehört, was zwischen mir und Kira vorgefallen war. Wer sollte es ihr verübeln? Jeder in diesem Palast glaubte inzwischen, das wir Paarchen wären. Warum sich die Mühe machen es jetzt zu erklären?

Nur als Kurai dieses Thema vertiefen wollte war ich heilfroh von Arakune erlöst zu werden. Immerhin hat eine Dämonenprinzessin auch noch andere Pflichten, als sich stundenlang mit mir zu unterhalten. Lächelnd sah ich zu wie Arakune unter tausend Anweisungen und Terminen die kleine Dämonin aus dem Saal führte. Den Terminplan möchte ich nicht haben. Bevor ich mich aufraffte ihnen zu folgen nahm ich den Saal noch einmal genau unter die Lupe. Die drei Drachen waren schon seit einiger Zeit verschwunden, aber man konnte ja nie wissen. Da all meine Neugier keinerlei Reaktion auslöste ließ ich es schließlich bleiben. Anscheinend ist Kurai tatsächlich als Einzige in der Lage sie zu rufen. Nun gut, für mich gibt es auch nicht mehr sonderlich viel zu tun. Ich sollte Kira suchen um herauszufinden was er bei Setsuna erreicht hat. Vielleicht kommen wir dann endlich weiter.

„Suche den anderen Weg...“ Ich drehte mich um, aber der Platz an dem bis vor kurzem die drei Drachen gesessen hatten war nach wie vor leer. Trotzdem ich bin mir sicher das war die Stimme von Jade. Einbildung? Ich weiß nicht. Noch ein kleiner Blick und dann wendete ich mich entschlossen ab. Es gibt jetzt wichtigeres als sich über irgendwelche Weissagungen den Kopf zu zerbrechen.

„Wähle einen anderen Weg und werde glücklich.“ Die Worte drangen wie ein sanfter Windhauch an mein Ohr und waren so leise gesprochen worden das sie kaum mehr ein Wispern waren. Doch es hielt mich nicht auf, ich setzte meinen Weg fort und verließ den Saal endgültig. Ich wünschte es wäre so einfach. Einen anderen Weg einschlagen... Hört sich einfach an... fragt sich nur welchen. Grübelnd durchwanderte ich die zahllosen Gänge des Palastes. Irgendwie war ich mir nicht schlüssig was ich was ich nun machen sollte und empfand eine seltsame Erleichterung darüber, das sich Anael in meinem Inneren wieder regte. Sich als Astralwesen zu zeigen traute sie sich nach dem letzten Vorfall nicht mehr. Sie hatte ihre Lektion gelernt.

*Glaubst du sie hat recht?* Die direkte Frage überraschte mich etwas. Es war nicht unbedingt ihre Art ein Gespräch auf diese Art und Weise zu eröffnen.

„Kann sein, das es stimmt, aber genauso gut kann das Gegenteil der Fall sein. Und woher soll ich wissen was sie damit meint?“ Meine Antwort machte sie nachdenklich.

*Meinst du nicht, du solltest danach suchen?* Es klang sehr ernst und sie schien damit auf etwas bestimmtes hinaus zu wollen.

„Nein. Sich gegen sein Schicksal zu stellen kann manchmal schmerzvoller sein als sich ihm zu stellen. Ich bin lange genug davongelaufen um es jetzt schon wieder zu tun.“

*Du hörst dich an, als würdest du deine Entscheidung von damals bereuen.* Ich lachte leise.

„Meinst du? Ja, kann sein...“ Solange ich konnte wollte ich dieses Thema vermeiden. Nicht schon wieder diese Erinnerungen, die ich all die Jahre vergessen hatte. Fluchend stieß ich mein Faust in die Wand neben mir. Der körperliche Schmerz half ein wenig gegen den in meiner Seele.

*Aber du hattest doch gar keine andere Wahl! Wie sonst hättest du weiterleben können?!* Die Trauer in ihrer Stimme verblüffte mich.

„Laß gut sein. Es gibt Dinge, die kann man nicht ändern, so sehr man es sich auch wünscht.“ Ich konnte spüren wie sich in meinen Augen Tränen sammelten.

*Ja, ich weiß...* Sie verstummte und ich konnte ihre Trauer über ihren Verlust mehr als nur deutlich spüren. Warum ist mir das nicht schon vorher aufgefallen? Als ein Teil von mir spürte sie deutlicher als jeder andere, was mir fehlt und umgekehrt ist es genauso. Es wird allerhöchste Zeit sich darum zu kümmern, das sie ihren Geliebten wiederfindet. Mit einem Ruck rieß ich mich von der Wand und dem Bedürfnis in Tränen auszubrechen los. Doch Eins nach dem Anderen. Das heißt die logische Reihenfolge wäre in diesem Fall Setsuna von dem Schwachsinn abhalten den er vorhat; dann nach Sheol das Heilmittel für Catan zu holen, danach zurück nach Yetzirah um ihn zu heilen und Anael wieder mit Zaphikel vereinen, tja als allerletztes bleibt dann noch Adam Kadmon zu befreien. Da habe ich mir ja einiges vorgenommen.

„Na, träumst du?“ Erschrocken zuckte ich zusammen. Ich hatte überhaupt nicht gemerkt wie sich mir jemand näherte. Verblüfft sah ich die kleine Dämonin an, die mich wissend angrinste.

„Glaubst du ernsthaft du hättest eine Chance?“ Die eisige Kälte dieser Stimme passte so gar nicht zu dem restlichen Erscheinungsbild. Die junge Dämonin steckte in einem dunklen Seidenkleid mit einer blutroten Schärpe, die zu einer Schleife an ihrer Hüfte zusammengebunden war. Ihre lockigen, schwarzen Haare kräuselten sich wild um ihren Kopf und erinnerten irgendwie an kleine Kinder, die zur Kommunion gingen. Das sie ein Haarband trug fiel kaum auf. Irgendetwas an ihr kam mir verdammt bekannt vor und als mein Blick ein paar eisig funkelnden silbervioletten Augen traf wußte ich auch was. Aber es zu glauben war schwierig. Er sah so derart merkwürdig in dieser Gestalt aus, das ich Mühe hatte ihn mir sein ursprüngliches Aussehen in Erinnerung zu rufen.

„Abezethibou?!“ Fassungslos starrte ich mein Gegenüber an. Das soll der Dämon, der mich äh... nein, den ich fast getötet hatte? Er ist kaum wieder zuerkennen.

„Sieh mich bloß nicht so ahnungslos an, das ist immerhin deine Schuld.“ Sein zutiefst beleidigter Gesichtsausdruck sorgte bei mir für einen regelrechten Lachanfall, den er vergeblich zu unterbinden versuchte. Anael hingegen hatte sich bei seinem Anblick soweit in mein Inneres zurück gezogen, das selbst ich sie kaum noch spüren konnte. Ich konnte ihr keinen Vorwurf machen. Nach dieser Erfahrung würde ich ähnlich handeln.

„Wer hat dich denn ausstaffiert?“ Mühselig versuchte ich meine Fassung wieder zu erlangen. Immerhin ist er nicht irgendjemand, sondern die rechte Hand Belials. Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich. Das ich nun nicht mehr ernstnahm schien ihn um einiges mehr zu stören als sein niedliches Outfit.

„Diese verfluchte Oger-Prinzessin, aber das wird sie noch bereuen! Belial kümmert sich bereits darum.“ Ich wurde blaß.

„WAS?!“ Ich packte an den Schultern. Das Kurai sich völlig ungeschützt in der Nähe eines Erzdämons befinden sollte löste bei mir regelrecht Panik aus.

„Wußtest du das noch nicht? Diese kleine, ahnungslose Oger-Prinzessin wird die Braut unseres Herrschers!“ Ich brauchten einen Moment um das zu verarbeiten.

„Du meinst die Braut von Luzifer?!“ Er nickte zustimmend.

„Aber das ist doch Wahnsinn. Sie ist viel zu jung dafür.“ Das Blut in meinen Adern zog sich schmerzvoll zusammen, als mir einfiel was alles mit dieser sogenannten Ehre verbunden war.

„Meinst du, ja? Vergißt du dabei nicht die Tatsache, das sie ebenfalls ein Dämon ist und schon lange vor dem großen Krieg zwischen Engel und Dämonen geboren wurde?“ Er sah mich triumphierend an, als meine Hände kraftlos von seinen Schultern fielen. Es stimmt. Ich habe vergessen, das sie wesentlich älter ist als sie aussieht, aber trotzdem. Entschlossen kehrte ich ihm den Rücken zu und machte mich auf um die junge Dämonin zu suchen. Irgendjemand muß ihr schließlich sagen was es mit dieser Hochzeit auf sich hat.

„Gegen Belial hast du keine Chance! Du wirst verlieren!“ Meine Antwort war ein kleiner Feuerball, der dicht neben ihm in die Wand sauste.

„Abwarten Abe, abwarten!“ Die Flüche die er ausstieß hörte ich noch. Es war mehr eine Art dumpfes Grollen, da ich mich bereits in einem Tunnel zwischen den Dimensionen befand. Wenn Belial wirklich will, das Kurai eine Braut Luzifers wird muß ich mich beeilen. Er ist nicht der Typ, der sich mit so was Zeit lässt. Doch wo nach ihr suchen? Ich habe keinerlei Ahnung wo sie sich zur Zeit aufhält. Kurz entschlossen verließ ich den Tunnel und hoffte einfach auf mein Glück. Erstaunlicherweise hatte ich auch mal welches. Kurai stand keine zwei Meter von mir entfernt in einem Schwarm Schmetterlinge, der sich allmählich auflöste. Sie war über mein Auftauchen ähnlich überrascht wie ich über die Schmetterlinge.

„Oh, Shao was machst du denn hier?“ Ich sah den Schmetterlingen misstrauisch nach bis sich auch der letzte von ihnen in Nichts aufgelöste hatte. Er hat sich wirklich nicht lange bitten lassen.

„Dich suchen.“ Ihr Gesichtsausdruck sprach Bände.

„Kurai, du bist in großer Gefahr. Belial hat vor-“ Sie unterbrach mich mit einer wegwerfenden Handbewegung.

„Ich weiß, er will mich zu einer Braut der Hölle machen.“ Und das nimmt sie so gelassen hin?! Ich starrte sie an als hätte sie soeben ihren Verstand verloren.

„Was denn? Überrascht dich das etwa? Er meint keine andere wäre besser dafür geeignet als ich. Ich hätte reines, unbeflecktes Blut.“ Das hört sich so an als würde sie ernsthaft über diesen Vorschlag nachdenken. Ich konnte spüren wie das Blut aus meinem Gesicht entwich. Sie hat doch keinerlei Ahnung was das bedeutet. Eine Braut der Hölle zu sein bedeutet die Braut Luzifers zu sein und reines Blut meint die Unschuld ihrer Seele von der Luzifer sich nähren wird bis sie komplett zu einer ihm würdigen Gefährtin geworden ist. Ihr jetziges Selbst wird auf ewig zerstört werden und sie wird zu einem der grausamsten Dämonen werden, die jemals in der Hölle umherwandelten. Sofern sie Luzifers Hunger nach reinen Seelen nicht schon vorher tötete.

„Shao, was hast du? Du bist so blaß.“ Ihre großen, blauen Augen lagen sorgenvoll auf mir. Es ist zu einfach, es ist zu leicht zu verstehen warum gerade sie ausgesucht worden ist. Ihre Sorge um Andere macht sie zu einem lohnenswerten Ziel. Keine andere Wahl wäre so erfolgreich um Luzifer zufrieden zu stellen.

„Hat dir irgendjemand erklärt was es bedeuten würde zu SEINER Braut zu werden?“ Ich zwang mich zu dieser Frage. Wenn sie es bereits wußte und diesen Vorschlag immer noch ernst nahm konnte ich kaum etwas dagegen ausrichten. Sie rennt geradewegs in ihren Untergang und merkt es noch nicht einmal...

„...ja...“ Ihre Antwort kam zögernd, aber sie klang fest. Seufzend gab ich mich geschlagen. Ich habe nicht das Recht mich einzumischen, wenn sie schon bescheid weiß. Nicht hier und nicht jetzt. Die Gesetze der Dämonen scherten mich zwar genauso wenig wie die eines jeden Anderen, aber es war ihre Entscheidung. Es wäre falsch sich einzumischen und dennoch, es widerstrebte mir mein Wissen für mich behalten zu müssen.

„Hast du seinen Antrag angenommen?“ Betreten sah sie zu Boden.

„Noch nicht... ich überlege noch.“ Mein Blut gefror zu Eis. Es war ihr also ernst. Ich holte tief Luft um nicht zu schreien, was für eine grenzenlose Dummheit sie begehen würde, wenn sie diesen Antrag annahm.

„Dann überlege es dir gut. Braut der Hölle zu sein ist mehr als es auf den ersten Blick scheint.“

„Jetzt hörst du dich schon fast so an wie Mad Hatter.“ Vorwurfsvoll sah sie mich an.

„Wenn du etwas weißt, dann sag es mir!“ Die Versuchung ihr alles was ich über die Bräute Luzifers wußte zu erzählen war groß, aber wenn sie es schon wußte... warum es ihr noch einmal sagen? Ich biss mir auf die Zunge um mich nicht doch noch hinreißen zu lassen.

„Nichts was du nicht bereits schon wüsstest. Ich bitte dich lediglich es dir sehr genau zu überlegen bevor du diesen Antrag annimmst.“ Man merkte zu deutlich, das sie meinen Worten nicht allzu sehr glaubte, aber sie schien sich damit abzufinden. Zögernd griff sie nach meiner Hand.

„Wie hältst du das nur aus?“ Verwirrt sah ich sie an.

„Ihre Nähe zu spüren und doch zu wissen, das sie es nicht ist.“ Ihre Stimme zitterte leicht. Setsunas Aufwachen in Alexiels Körper schien sie mehr mitzunehmen als ich zuerst dachte. Zögernd legte ich ihr eine Hand auf die Schulter und ließ die Frage unbeantwortet. Sie drückte sich fest an mich und begann zu schluchzen. Ihre Tränen flossen auf die türkisfarbene Bluse, die ich trug und färbten sie dunkler. Erst als sie sich etwas beruhigt hatte ließ sie mich wieder los.

„Entschuldige. Es kam einfach über mich.“ Ich lächelte sie sanft an. Ich konnte sie nur zu gut verstehen.

„Mach dir keine Gedanken. Manchmal hilft es wenn man weint.“ Ich wünschte nur, das wäre immer so...

*FAST MICH NICHT AN!!* Die enorme Kraft der plötzlich auftretenden Aura warf uns fast um.

„Was war das?!“ Suchend sah sich Kurai um.

„Das war Kiras Stimme! Irgendetwas stimmt nicht!“ Ehe sie reagieren konnte hatte ich ihre Hand fest umschlossen und zog sie in einen Dimensionstunnel. Mein Blut raste.

*WAGT ES NICHT MICH IM LEICHTEN SPIEL ZU BERÜHREN!* Die Kräfte um uns herum begannen verrückt zu spielen und ich hatte alle Mühe uns in dem Tunnel zu halten. Was war hier los? Woher stammt diese ungeheure Kraft?

„Das soll Kira sein?!“ Kurai schrie gegen die Gewalten, die um uns tobten an. Sie bekam keine Antwort. Nur eine Sekunde Ablenkung würde ausreichen um ins mitten ins Nirgendwo zu schleudern.

*NUR DIE, DIE ICH ALS MEISTER ERWÄHLE KÖNNEN MICH BEHERRSCHEN!* Wo zum Henker steckt er?! Wo ist die Quelle? Suchend sah ich mich in dem Tunnel um. Es muß doch einen Grund für diesen plötzlichen Ausbruch seiner Kräfte geben. Kurais Hand klammerte sich fester um meine. Sie spürte ebenfalls, das etwas ganz und gar nicht stimmte.

„Keine Sorge Kurai, uns passiert nichts.“ Zwar glaubte ich selbst nicht daran, aber es half ihr etwas von ihrer Nervosität zu verlieren.

*ALEXIEL DU ALLEIN BIST MEIN MEISTER!* Das ist es! Alexiel! Mit einem Ruck öffnete ich den Tunnel und landete äußerst unsanft auf dem Boden. Kurai fiel auf mich, da sie meine Hand nicht einen Augenblick lang losgelassen hatte. Die Luft um uns herum vibrierte förmlich vor Kampfesdurst und Blutrausch. Entsetzt sah ich Kurai an. Wir befanden uns direkt vor den Raum in dem Setsunas Körper aufbewahrt wurde. Soll das heißen, das Setsuna ist, der diese Kräfte freisetzt?

*JA. ES HAT ALL MEINE MEISTER VOR ALEXIEL VERSCHLUNGEN UND SIE ZU MORDENDEN BESTIEN GEMACHT.* Kurai war schneller als ich. Sie stürmte ohne zu Zögern in den Raum während mein linkes Bein brannte als hätte dort jemand eine Fackel entzündet. Vergeblich kämpfte ich dagegen an. Meine Waffe ließ sich nicht aufhalten. Sie forderte mich auf zu handeln. Noch konnte ich verhindern, das sich die Klinge materielasierte, aber wie lange noch? Mir graute davor wieder diesen unbeschreiblichen Blutdurst dieser Klinge zu spüren und ihn kontrollieren zu müssen. Seit damals weiß ich nur zu gut was passiert wenn mein Geist zu schwach ist um diese Waffe im Zaum zu halten. Aber ebenso gut wußte ich, das ich es allein meinem Schwert zu verdanken hatte, das ich immer noch lebte. Entschlossen wandte ich mich dem Raum zu aus dem dumpfe Stimmen aufklangen. Es wird allmählich Zeit, doch Cee hielt mich plötzlich auf. Er tauchte förmlich aus dem Nichts auf und versperrte mir knurrend den Weg. Für einen kurzen Moment sah ich ihn zweifelnd an und gab mich schließlich geschlagen. Ich überließ es ihm mich zu führen. Anstatt also Kurai zu folgen stürmten wir durch den Palast in Richtung der Räume in denen Alexiel beziehungsweise Setsuna untergebracht war. Das Brennen in meinem Bein verstärkte sich je näher wir diesen Räumen kamen. In der Tür erstarrte ich.

Es gab nur eine Person im Raum. Kira, der vor einem Spiegel stand, doch das war nicht sein Spiegelbild. Das im Spiegel war Belial! Keine zwei Sekunden später spürte ich mein Schwert in der Hand. Es fühlte sich an wie kalter Bergkristall. Doch noch ehe ich die Chance bekam mich bemerkbar zu machen zerstörte Kira den Spiegel. Die letzten Worte Belials trafen mich wie Sperrspitzen.

„Du hattest noch nie ein Herz! Weder damals... ...noch heute...“ Ich wußte nicht ob er mich bemerkt hatte oder nur Kira meinte. Doch es war egal. Egal wen von uns er meinte es traf mich hart. Zögernd betrat ich das Zimmer.

„Kira-chan alles in Ordnung?“ Er wirbelte herum und es hätte nicht allzu viel gefehlt und sein Katana hätte mir die Kehle zerfetzt. Im letzten Augenblick stoppte er die Klinge. Seine Hand begann zu zittern als er mich erkannte.

„Shao-chan?“ Ich schaffte ein vorsichtiges Nicken. Sein Katana sank langsam nach unten, bevor er es angewidert zu Boden warf.

„Kira-chan, geht es dir gut? Kira-chan?“ Er schüttelte kaum merklich den Kopf bevor er mich eng an sich drückte und weinte. Zögernd erwiderte ich seine Umarmung und ließ mein Schwert ebenfalls verschwinden. Es ist nicht nötig, das ich einen Freund mit einer Waffe in der Hand umarme. Es dauerte eine Weile bis er sich wieder beruhigt hatte, aber ich würde ihn nicht fragen was diesen Ausbruch verursacht hatte. Egal, welche alte Wunde Belial bei ihm aufgerissen hatte, es war klar, das sie wesentlich tiefer war als es auf den ersten Blick den Anschein hatte und welche Schmerzen solche Erinnerung in einem auslösen können weiß ich besser als irgendjemand sonst.

„Warum stellst du keine Fragen?“ Etwas erstaunt sah ich ihn an. Mir wäre nie in den Sinn gekommen ihn nach etwas zu fragen von dem ich weiß, das er es lieber verschweigen würde.

„Wieso fragst du mich nicht was mit mir los ist? Du nimmst das alles hin, als würde es dich nicht im Geringsten berühren. Warum? Warum ähnelst du ihr so?“ Während er diese Worte zwischen seinen Lippen hervorpresste sammelten sich in seinen Augen bereits die nächsten Tränen. Es war das erste Mal, das ich ihn in einem solchen Zustand sah und doch trafen mich seine Worte tiefer als ich bereit war zuzugeben.

„Kira-chan ich...“ Ich brachte es nicht fertig ihm zu sagen, wie wenig ich bisher über meine Mutter wußte. Sie bedeutet ihm so viel und jetzt mußte er mit ansehen wie ihr Körper wiederbelebt wurde von einem Geist der nicht der ihre ist. Sicher, sie fehlt mir auch, aber in all der Zeit hatte ich gelernt ohne meine Eltern zu leben. Ich bin es gewöhnt sie nur einmal in einer halben Ewigkeit zu sehen, aber was bedeutet das schon? Niemand wird es verstehen. Alle die in das Geheimnis meiner Herkunft eingeweiht sind scheinen von mir zu erwarten, das ich mich auf Anhieb an alles was meine Mutter oder meinen Vater betrifft erinnere. Sicher, einiges ist inzwischen klarer als sonst, aber der große, inorganische Engel Alexiel wird mir immer ein Rätsel bleiben. Ich kann mich nur an eine liebende Mutter erinnern, die so ziemlich alle Wiederstände auf sich genommen hat um ihrem Kind ein glückliches und sorgenfreies Leben zu ermöglichen. Leider ist es nicht ganz so glücklich verlaufen, wie sie es geplant hatte. Wie hätte sie damals auch ahnen können was im Laufe der Zeit noch alles passiert?

„Shao-chan?“ Der betroffene Gesichtsaudruck mit dem Kira mich ansah machte mir bewusst, das ich für kurze Zeit vergessen hatte, das ich nicht allein war. Er litt unter all dem wahrscheinlich ebenso sehr wie ich. Besonders nachdem ich ihn gebeten hatte mich zu töten...

„Ist alles mit dir in Ordnung?“ Ich konnte nicht anders als ihn anlächeln. Von all meinen Freunden ist er wahrscheinlich der Einzige der mich wirklich versteht. Wie lange werde ich ihm wohl noch etwas vormachen können? Die Versuchung einfach in seine Arme zu sinken und meinem Schmerz freien Lauf zu lassen ist so groß. Doch dann würde er es nie fertig bringen mir meine Bitte zu erfühlen. Ich wünschte es gäbe einen anderen Weg. Einen Weg in dem ich meinen Freunden all das Leid, das ihnen bisher wiederfahren ist und noch wiederfahren wird ersparen könnte...

„Shao-chan alles in Ordnung?“

„Ja, keine Sorge. Ich war nur etwas in Gedanken.“ Wann wird er merken, das der Schmerz den ich unterdrücke jedes Mal wenn er mich das fragt stärker wird? Wie lange wird er brauchen um herauszufinden wie es in meinem Inneren wirklich aussieht? Ein Fingerschnipsen rieß mich aus meinen Gedanken.

„Hey! Für jemanden mit dem alles in Ordnung ist bist du verdammt abwesend.“ Er sah mich vorwurfsvoll an.

„Entschuldige, es geht mir zur Zeit ziemlich viel im Kopf rum.“ Misstrauisch beäugte er mich. Es brauchte fast meine gesamte Schauspielkunst um ihn nicht merken zu lassen wie dicht ich davor stand in Tränen auszubrechen. So sehr ich mich in letzter Zeit auch anstrengte die Erinnerung an meine Vergangenheit zu verdrängen, sie war einfach zu stark. Ich konnte nicht ewig dagegen ankämpfen und in Momenten wie diesem fiel es mir nur noch schwerer mir nicht anmerken zu lassen wie dicht ich vor einem Zusammenbruch stand. Wenn ich nicht bald etwas unternehme wird es bis zum Nächsten auch nicht mehr allzu lange dauern.

„KIRA! SHAO! Ah, endlich! Hier seid ihr!“ Völlig außer Atem stürmte Arakune in den Raum.

„Verdammt ich suche euch seit über einer halben Stunde. Dieser selten dämliche Idiot ist nach Assia geflohen und Kurai hat ihm dabei auch noch geholfen!“ Mehr brauchte es nicht um zu verstehen warum sich die Dämonin so aufregte.

„Ich weiß.“ Erstaunt sah ich Kira an. Er hielt mich immer noch fest und es sah nicht so aus als würde sich das in naher Zukunft ändern.

„Wie du weißt es?!“ Arakune schüttelte über meine Frage nur ungeduldig den Kopf.

„Ist doch simpel, sein Körper begleitet Setsuna. Daher. Eigentlich solltest du das wissen.“ Sollte ich das? Ich verkniff mir jeglichen Kommentar und überließ das Reden Kira während ich die Wärme seines Körpers genoß. Irgendwie erinnerte es mich das an Rosiel und wie er mich massiert hatte. Seltsam... warum denke ich gerade jetzt wieder an ihn?

„Was ist mit Kurai?“ Ein leichter Ruck an den Schultern verhinderte, das ich weiterhin meinen Gedanken nachhing.

„Ich wünschte das wüsste ich. Das letzte Mal als ich sie gesehen habe war sie von Dämonen umzingelt um den Messias zu helfen.“ Ein leichter Fluch löste sich von Kiras Lippen und ich konnte ihm nur beipflichten. Oger-Prinzessin oder nicht sie steckte unter Garantie in Schwierigkeiten. Ein Blick auf Kira verriet mir, das er ähnlich dachte.

„Worauf warten wir dann noch?“ Das Fragezeichen über Arakunes Kopf war nicht zu übersehen. Lachend sah ich sie (oder doch ihn?) an.

„Prinzessinnen retten gehört doch schon fast zum Alltag, oder?“ Der Blick sprach Bände. Sie hielt mich für völlig Gaga.

„SHAO!“ Der angedrohten Kopfnuss von Kira entkam ich nur knapp und das auch nur, weil er mich endlich losgelassen hatte.

„Was denn?“ Er stieß einen Seufzer aus und wandte sich dann an Arakune.

„Also dann Homo-chan, laß uns die Prinzessin retten.“ Der plötzliche Wechsel von Arakunes Gesichtsfarbe von sonnenbraun zu purpurrot verriet nur zu deutlich, das Kira da eine sehr, sehr wunde Stelle getroffen haben mußte. Ich biß mir auf die Zunge um nicht nachzufragen. Aber zum Glück wurde es mir auch so erklärt. Arakune war tatsächlich ein Mann, um genau zu sein Kurais älterer Cousin. Damit waren dann auch meine allerletzten Zweifel beseitigt. Obwohl ich nach wie vor auf Beweise bestand, die man mir unter lautem Protest vorenthielt. Immerhin sollte ich mich doch auf das Wort eines Freundes verlassen können, oder? Mein Argument, das Vertrauen zwar gut sei, aber Kontrolle doch immer besser stieß auf taube Ohren. Viel zu schnell war der Spaß vorbei. Aber Kurai steckte nach wie vor in der Klemme. Hinterher würde uns noch genügend Zeit bleiben um uns mit andern Dingen zu befassen.

„Wo steckt eigentlich dein Hund?“ Die Frage von Arakune überraschte mich etwas. Ich habe mir gar keine Gedanken mehr um Cee gemacht. Für ihn war es wie für mich das erste Mal seit langer Zeit, das er sich wieder in der Hölle bewegen konnte. Da er selbst ein Höllenwesen ist macht ihm das wahrscheinlich auch wesentlich mehr Spaß als mir im Moment. Im Gegensatz zu mir musste er sich ja auch nicht mit Erzdämonen herumschlagen und seine Herkunft verbergen. Ich möchte gar nicht wissen was passiert wenn Belial herausbekommt wer mein Vater ist. Vor allem dann nicht, wenn er es vor mir erfährt. Zum ersten Mal verfluchte ich Tatsache, das ich allen verboten hatte mir irgendetwas über ihn zu erzählen. Jetzt musste ich mich darauf verlassen, das ich mich schneller an ihn erinnerte als Belial.

„Vermisst du ihn?“ Ich wartete keine Antwort ab sondern stieß einen leisen Pfiff aus. Keine zwei Sekunden später konnte ich das Tapsen schwerer Wolfspfoten hinter mir hören. Da wir ein ganz schönes Tempo drauf hatten waren sie noch weit entfernt, aber sie kamen stetig näher.

„Wartet! Da vorne ist es. Besser wir sind vorsichtig.” Arakunes Warnung war nicht unberechtigt und wie um dieser Worte zu bekräftigen zog Kira sein Katana aus der Scheide.

„Wir dürften den Überraschungsmoment auf unserer Seite haben, das erleichtert einiges.“ Mit einem Nicken zog Arakune einen dünnen Draht aus dem Ring an seiner rechten Hand. Da ich keinerlei Anstalten mich ebenfalls mit einer Waffe auszurüsten sah Arakune mich besorgt an. Ich drückte mich neben ihn an die Wand und lächelte siegesbewusst. Kira sah mich tadelnd an.

„Wann lässt du es endlich sein dich wie ein Kind zu benehmen?“ Unschlüssig zuckte ich mit den Schultern und vergewisserte mich noch einmal, das Cee rechtzeitig genug da sein würde um im Notfall eingreifen zu können.

„Bereit?“ Arakune sah immer noch zweifelnd auf meine waffenlosen Hände, aber er nickte Kira zu, das er in dieser Hinsicht aus ihn vertraute. Ich fasse es immer noch nicht, dass das ein Kerl sein soll!

„Dann los!“ Zwei Sekunden später standen wir im Raum und waren von Dämonen umzingelt.

„Soviel also zum Thema Überraschungsmoment.“ Vorwurfsvoll sah ich Arakune an, der gerade dabei war Angesichts dieser Übermacht resigniert seine Waffe sinken zu lassen. Auch Kira hatte sein Katana ein Stück gesenkt, aber noch lange nicht soweit, das die Waffe als harmlos angesehen werden konnte.

„Wo ist Kurai?“ Die Gesichter um uns herum blieben ausdruckslos.

„Nicht hier! Diese Falle ist nur für euch gedacht.“ Der Fluch der mir über die Lippen kam, war nicht sonderlich jugendfrei, aber etwas besseres fiel mir nicht ein, als unter den Dämonen Abezethibou, diesmal in voller Statur und fast ausschließlich in schwarz gekleidet auftauchte und uns mit einer spöttischen Verbeugung begrüßte.

„Als Cousin ihrer königlichen Hoheit steht es euch frei zu gehen. Die Anderen bleiben hier.“ Der eisige Blick mit dem Arakune auf dieses Angebot antwortete ließ keinerlei Fragen offen. Er würde bleiben.

„Gut, wie du willst.“ Gelassen zog Abezethibou sich etwas zurück.

„Tötet sie!“ Unschlüssig sahen sich die Dämonen an. So blutrünstig sie auch waren, aber ein Mitglied ihrer Königsfamilie zu töten, war etwas das ihnen dennoch Kopfschmerzen bereite. Das gab uns einen kleinen Aufschub.

„Wie wäre es wenn du das selber erledigen würdest. Oder hast du Angst?“ Die Blicke die mich trafen zeigten deutlich, das keiner glauben konnte was ich da eben gesagt hatte und ich auch nicht. Schon gar nicht bei so vielen Zeugen.

„Shao-chan! Was tust du da?!“ Kiras Stimme war nur ein leises Flüstern.

„Wir brauchen Zeit.“ Er wirkte nicht sonderlich überzeugt, aber er wußte, das wir jeden Aufschub brauchten, den wir kriegen konnten. Jedenfalls solange bis jemanden einfällt wie wir hier rauskommen ohne in unsere Einzelteile zerlegt zu werden. Mein linker Oberschenkel begann verdächtig zu brennen und ich hoffte inständig, das ich meine Waffe lange genug unter Kontrolle halten konnte um mich nicht frühzeitig zu verraten. Diese Dämonen sahen nicht so aus als hätten sie schon irgendetwas über meine Herkunft erfahren. Meiner Meinung nach gab es auch keinen Grund das zu  ändern.

„DU willst es mit mir aufnehmen?“ Seine Stimme hatte einen höhnischen Unterton und das obwohl ich ihm vor kurzem fast das Lebenslicht ausgepustet hatte. Ziemlich von sich überzeugt, das muß man ihm lassen. Er kam einen Schritt auf mich zu und im selben Moment wurde mein Blickfeld durch Kiras und Arakunes Rücken eingeschränkt. Beide hatten sich anscheinend in den Kopf gesetzt mich zu beschützen. Die Dämonen um uns herum begannen unruhig zu werden. Man konnte ihnen ansehen, das ihnen die Situation immer weniger behagte, schon allein deshalb weil sich in der Luft allmählich der Geruch von Schwefel ausbreitete. Belial war also nicht auch weit. DAS erklärt Abes Gelassenheit.

„Süß! Ein blutrünstiges Schwert und ein Oger beschützen einen Menschen.“ Mein Blut begann zu kochen als sich Abes Schmähreden und Belials Aura noch weiter verstärkten. Fast wie von selbst hielt ich schließlich meine Waffe in der Hand. Wenn er einen Kampf will, dann kann er einen haben.

„Laßt mich durch.“ Die überraschten Blicke von Kira und Arakune trafen sich für eine Sekunde bevor sie auf mich fielen. Als sie das Schwert in meiner Hand erkannten weiteten sich ihre Augen.

„Woher hast du das?“ Langsam hob ich die Klinge an Arakune vorbei und deutete auf Abezethibou.

„Warum fragst du nicht ihn? Ich bin mir sicher er weiß es.“ Doch das Grauen, das sich in den Augen des Dämons spiegelte bewies das Gegenteil. Er hatte keinerlei Ahnung. Wer weiß was er erlitten hat, als ich seinen Körper mit dieser Klinge bearbeitet habe. Diese Waffe war geschaffen worden um Engeln und Dämonen gleichermaßen zu schaden. Sie absorbierte einen Teil ihrer Astralkräfte, bevor sie diese gegen ihre ursprünglichen Besitzer wandte und die Kristallklinge durchteilte jede noch so stärke Verteidigung, als bestünde diese aus Butter. Wer immer von ihr auch getroffen wurde behielt sehr lange, sehr unangenehme Wunden davon zurück.

„Zieht euch zurück!“ Die dunkle Stimme Belials duldete keinerlei Widerspruch und augenblicklich verschwanden die Dämonen in der Dunkelheit. Ihre Gesichter zeigten deutlich wie erleichtert sie über diese Tatsache waren. Sie hatten nicht begriffen was um sie herum geschah und vielleicht war es auch besser so. Der Raum war plötzlich wie leergefegt. Selbst Belials Aura war verschwunden. Außer uns befand sich niemand mehr in ihm.

„Das war knapp.“ Erleichtert atmete ich auf. Mir war gar nicht aufgefallen, das ich die Luft angehalten hatte. Meine Begleiter nickten zustimmend und ließen sich erleichtert auf den Boden sinken. Ich tat es ihnen gleich und nach und nach verschwanden unsere Waffen wieder. Wobei Arakunes Blick sich nicht eine Sekunde lang von meiner Klinge löste. Auch nicht, als diese sich längst schon wieder in Nichts aufgelöst hatte.

„Wenn du es unbedingt wissen willst, ich habe das Schwert von Astaroth. Na ja, eigentlich bin ich eher drüber gestolpert, als ich vor ihm geflohen bin.“ Meine Erklärung schien nichts gebracht zu haben. Sein Gesichtsausdruck war immer noch derselbe und auch Kira legte inzwischen einen ganz ähnlichen an den Tag. Ein leichter Stupser an meinem Hinterkopf signalisierte mir die Anwesenheit von Cee. Fast automatisch hob ich einen Arm und sofort schob er seinen Kopf darunter um sich von mir hinter den Ohren kraulen zu lassen. Er stieß ein zufriedenes Brummen aus und legte sich schließlich neben mich. Seine Augen waren immer noch blutrot, aber sie leuchteten längst nicht mehr so intensiv wie bei Belials erstem Auftauchen.

„Na mein Kleiner, hast du mich vermisst?“ Er schloß genüßlich die Augen und genoß seine Streicheleinheiten. Meine Knuddelei mit Cee schien Arakune noch mehr zu verwirren, als mein Schwert also ließ ich es nach circa fünf Minuten bleiben und erklärte dem verblüfften Dämon wie ich an mein Schwert und Cee gekommen war. Kira hörte mit ausdruckloser Miene zu und nickte hier und da zustimmend. Zu meiner größten Überraschung wussten sie alle beide mehr über meine Waffe als ich selbst. Es hieß das Luzifer sie als Gegenstück zu Nanatsusaya geschaffen um zu vermeiden, das die Engel eine Waffe in Händen hielten gegen die er nichts ausrichten konnte. Das Material aus dem die Klingen der beiden Schwerter geschmiedet worden waren war das fünfte Element, das man in Assia nicht finden konnte, da es nur im Himmel oder der Hölle vorkam. Das besondere an diesem Material ist, das es eine Art Eigenleben führt wenn es darum geht sein Verlangen zu stillen. Aus diesem Grund ist es auch für Engel und Dämonen gleichermaßen gefährlich. Nur wenige waren oder sind in der Lage eine solche Klinge zu führen. Alexiel war eine solche Ausnahme und ich als ihre Tochter bin es ebenfalls. Ich verschwieg ihnen vorsichtshalber, das die von Luzifer geschaffene Klinge lediglich von jemanden geführt werden kann, der das Blut eines Erzdämons in sich trägt. Meine Abstammung von Alexiel ist dabei zweitrangig sie alleine würde niemals ausreichen um diese Klinge in Zaum zu halten.

Nachdem Arakune sich lange genug über dieses Thema ausgelassen hatte konnten wir uns endlich mit den wirklichen Problemen beschäftigen. Allen voran Setsunas megaintelligente Entscheidung nach Assia zu fliehen, noch dazu mit lediglich Voice als Begleiter. Ich zweifelte stark daran, das ein Vampirdämon ausreichen würde um Setsuna und sich selber ausreichend zu schützen. Kiras Idee den beiden Idioten einfach schnellst möglich zu folgen wäre die Lösung gewesen, aber leider verhinderte eine reiflich aufgebrachte Oger Prinzessin, das wir sie in die Tat um setzen konnten. Stattdessen durften wir uns einen ellenlangen Vortrag darüber anhören wie gefährlich ein Aufenthalt in Assia für einen von ist. Wir wurden also von ihr zum Abwarten verdonnert. Vor allem seitdem sie wußte, das sich Michael dort herumtreibt. Der Name allein sagte schon alles. Michael, einer der höchsten Engel, Anführer eines der Elemente und ein Hitzkopf der seines gleichen sucht. Am Besten ging man ihm weiträumig aus dem Weg. Ich hoffte inständig, das Setsuna das früh genug merken würde. Keine zwei Tage später wußte ich es besser. Setsuna kehrte mit einem schwerverletzten Voice zurück, der bereits mehr tot als lebendig war. Michael hatte dem Kleinen einen Arm abgetrennt und auch sonst ziemlich über zugerichtet. Zwar hatte Noise ihm inzwischen etwas von ihrem Blut gegeben und den Heilungsprozeß damit um etliches beschleunigt, aber es würde bei weitem nicht reichen. Sicher, er hatte heute Vormittag keinerlei Anzeichen von Schwäche mehr gezeigt, aber sein jetziger Zustand war das glatte Gegenteil. Sein Körper hatte begonnen die Prothese abzustoßen und sollte nicht ein mittleres Wunder geschehen, dann würde er diese Nacht nicht überleben.

„Na, wie geht es dem Patienten?“ Gelassen zog ich einen Stuhl neben sein Bett und ließ mich darauf sinken.

„Besser. Noch besser würde es mir gehen, wenn mir nicht andauernd jeder diese dämliche Frage stellen würde.“ Sein Versuch sich zur Seite zu drehen wurde von einem schmerzhaften Stöhnen begleitet. Er hatte mehr Schmerzen als er bereit war zu zugeben und sein Pech ist, das ich das weiß.

„Dein Körper stößt die Prothese ab. Wenn dagegen nichts unternommen wird, dann bist du morgen früh tot.“ Meine Offenheit schien ihn nicht im Geringsten zu erschüttern. Anscheinend hatte man ihm das bereits gesagt.

„Und wenn schon! Was kümmert es dich?“ Trotzig wie ein Kleinkind. Ich konzentrierte mich auf das was die Anderen im Raum sehen mussten, bevor ich einen Bannkreis über uns legte, der die Blicke der Anderen so verschleierte, das sie lediglich ein Bild von mir an seinem Bett wahrnahmen.

„Wenn man es genau nimmt? Nichts.“ Er sah mich perplex an.

„Was heißt hier nichts?! Immerhin ist dieser Möchtegern Messias schuld daran!“ Ich schenkte ihm ein sarkastisches Grinsen. Er hat also nichts bemerkt. Gut.

„Und was genau habe ich damit zu tun?“

„Verschwinde endlich!“ Knurrte er unter mühseliger Beherrschung.

„Wenn du unbedingt sterben willst, gern.“ Misstrauisch beäugte er mich.

„Was meinst du?“ Der Hoffnungsschimmer in seinen Augen war nicht zu übersehen. Machen wir also Nägel mit Köpfen. Lächelnd sah ich ihn an.

„Du hast eine Chance, wenn du mir vertraust.“ Sein Mund öffnete sich um mich unter einer Lawine von Protesten zu begraben, aber er schloß sich ebenso schnell wieder.

„Wo ist der Haken?“

„Außer das du mir vertraust?“ Er nickte zögernd.

„Keiner.“ Damit war er vollkommen überfordert. Hilfe ohne eine Gegenleistung zu verlangen ist in der Hölle etwas, was so gut wie nie vorkommt.  Ich ließ ihm einen kleinen Moment um sich wieder zu fangen und setze dann meine Kräfte frei. Nach und nach wandelte ich seine Prothese und seinen Kreislauf so um, das sie für seinen Körper akzeptabel wurde. Es war nicht ohne einen Dämon ohne Vorwarnung mit einem Hauch Engelsmagie zu streifen, aber es war seine einzige Chance. Ich war mir dem Risiko dem ich ihm aussetzte voll bewusst. Egal, was ich auch machte ich würde es niemals schaffen jemanden zu heilen ohne auf meine Engelskräfte zurück zu greifen. In der Menschenwelt war das auch niemals ein Problem, nur bei einem Dämon sieht die ganze Sache etwas anders aus. Sie reagieren seit jeher allergisch auf Engelsmagie.

So war es kein Wunder, das er nach meiner rabiaten Behandlung dem Tode wesentlich näher war als noch kurz zuvor. Da ich mich darauf eingelassen hatte musste ich es jetzt auch bis zum bitteren Ende durchziehen. Gelassen ließ ich ein Messer in meiner Hand entstehen und führte es einmal quer über die Pulsader meines linken Handgelenks. Von dem Blutgeruch kam Voice wieder zu sich und griff wie ein Ertrinkender danach. Ich ließ ihn gewähren. Sollte er trinken soviel er braucht um wieder zu Kräften zu kommen. Das Schlimmste hat er jetzt hinter sich. Es wird keinerlei Probleme mit der Heilung mehr geben. Vor meinen Augen begann die Umgebung langsam zu verschwimmen. Ich merkte, wie ich immer schwächer wurde und auch die Barriere begann inzwischen zu flackern. Trotzdem hielt ich Voice nicht davon ab seinen Durst zu stillen. Bis schließlich schwarze Punkte vor meinen Augen tanzten und ich das Bewusstsein verlor.

Nur mühsam gelang es mir mich aus dieser Ohnmacht zu befreien. Ich habe es mal wieder übertrieben. Der Blutverlust war so hoch, das ich mindestens noch einen Tag brauchen würde um mich vollständig davon zu erholen.

„Kannst du mir bitte mal erklären was dieser Schwachsinn sollte?!“

„Ich freue mich auch dich zu sehen Kira-chan.“ Er sah mich vernichtend an bevor er ein Handtuch auswrang und es mir auf die Stirn legte. Es war angenehm die Kühle zu spüren.

„Verdammt noch mal! Shao, das war leichtsinnig!“ Er ließ mir keinerlei Chance ihm zu erklären warum er mich bewusstlos neben Voice gefunden hatte oder was der Schnitt an meinem Handgelenk zu bedeuten hatte. Stattdessen hielt er mir eine Predigt, die sich gewaschen hatte. Er war wütend auf mich und das so sehr, das er schließlich ohne noch ein weiteres Wort an mich zu richten den Raum verließ. Super, da habe ich ja mal wieder ganze Arbeit geleistet. Es reicht ja noch nicht, das ich ihn gebeten habe mich zu töten nein, jetzt auch noch das. Anstatt Rücksicht auf meine Freunde zu nehmen musste ich ja unbedingt in Eigenregie handeln. Möchte gar nicht wissen, was sie jetzt von mir denken. Kira-chan wird mir das bestimmt nicht allzu schnell verzeihen und Setsuna? Ich hoffe nur, das er noch nichts davon weiß.

„Bist du wach?“ Gähnend hob ich eine Hand, da ich keine Lust verspürte mich anderweitig bemerkbar zu machen. Die Tür lag zu ungünstig, als das ich auf Anhieb hätte erkennen können wer nun den Raum betrat, aber der Stimme nach zu urteilen war es Noise, die Zwillingsschwester von Voice. Als sie in mein Blickfeld kam bestand daran keinerlei Zweifel mehr. Vorsichtig zog sie einen Stuhl an mein beziehungsweise Kiras Bett und ließ sich darauf sinken.

„Wie fühlst du dich?“

„Geht so, ein bisschen blutarm.“

„Ein bisschen?! Nach dem was mir Voice erzählt hat dürftest du kaum noch ein paar Tropfen übrig haben!“ Mein Lächeln misslang kläglich als mir plötzlich schwindelig wurde und das obwohl ich mich noch nicht einmal großartig bewegt hatte.

„Shao-san alles in Ordnung?“ Zu einer Antwort kam ich nicht mehr, alles um mich herum verdunkelt sich plötzlich und ich hatte das Gefühl in eine unendliche Leere zu fallen. Wie tief meine Bewusstlosigkeit sein musste merkte ich als ich auf Anael stieß die sich nach wie vor tief in meinem Bewusstsein verborgen hielt. Auch sie machte sich ziemliche Sorgen um meine Gesundheit wenn auch nicht ganz so sehr wie Kira. Da sie schon geraume Zeit sehr eng mit mir verbunden war gab es kaum noch etwas von mir was sie nicht wußte. Umgekehrt war es genauso, allerdings mit einem kleinen Unterschied. Es machte mir keinerlei Mühe einige ihrer Erinnerungslücken zu füllen, wenn auch nicht alles. Wir schlugen die Zeit tot indem wir uns ausführlich unterhielten. Allmählich bekam ich ein Bild von dem was im Himmel passiert war während ich in Assia lebt. Man, was bin ich froh, das ich nicht dort war. Nach allem was sie mir erzählte muß es dort nach einigen unglücklichen Befehlen ziemlich den Bach runtergegangen sein. Allein die Tatsache, das die Jagd auf die I-children offiziell erlaubt worden war entsetzte mich zu tiefst. Es war kaum zu fassen wie sehr sich die Himmel in verhältnismäßig kurzer Zeit verändert hatten und ich fragte mich ernsthaft was der Grund dafür sein konnte. An dem Krieg zwischen Engel und Dämonen konnte es wohl kaum liegen, dafür dauerte dieser schon viel zu lange und war viel zu allgegenwärtig. Es musste einen anderen Grund haben, doch welchen? Auf diese Frage wußte Anael ebenfalls keine Antwort, aber sie vermutete, das es daran lag, das immer mehr Extremisten Mitglieder des hohen Konzils wurden. Dadurch gerieten viele der ursprünglichen Ideale der Engel in Vergessenheit wie zum Beispiel, die Menschheit auch weiterhin zu beobachten. Stattdessen wurde ein Verbot für sämtliche Engel ausgesprochen je wieder einen Fuß auf Assia zu setzen, dafür hatten sie sogar einen Bannkreis um diese Welt errichtet. Das Ganze war mehr als merkwürdig und als ich ihr dann noch von der Sache mit Adam Kadmon erzählte war auch sie überzeugt davon, das irgendetwas in den Himmeln vor sich ging, das man nicht erklären konnte. Es fiel ihr schwer zu glauben das man den Engel Serafita, wie sie Adam Kadmon nannte eingesperrt haben soll. Es war ein weiterer Grund für sie nach Yetzirah zurück zu kehren. Die Wissenschaftlerin in ihr verlangte nach einer Antworten für all diese Fragen und ich konnte mich dem nur anschließen. Ich war schon viel zu lange weg. Catans Zustand würde sich bestimmt nicht verbessern wenn ich noch länger brauche. Es wird Zeit sich auf den Weg zu machen. Der eigentliche Grund für meine Reise in die Hölle hat schon viel zulange im Hintergrund gestanden.

Als ich wieder zu mir kam war es bereits Nacht. Alles um mich herum befand sich in einem angenehmen Halbdunkel. Vorsichtig richtete ich mich auf und wartete ab ob mein Kreislauf auch weiterhin mitspielte. Da sich nichts Gegenteiliges tat stand ich auf und war überrascht Kira schlafend auf einem Stuhl ganz in der Nähe des Bettes zu finden. Auf seine Füßen lag die zusammengerollte Gestalt von Cee, der sich ebenfalls nicht regte.

„Ihr beiden ändert euch wohl nie, was? Macht euch nicht immer so viel Sorgen um mich.“ Ich hauchte Kira einen Kuß auf die Stirn und verließ den Raum so leise es eben ging. Lediglich mit einem Nachthemd begleitet durchwanderte ich die Gänge des Palastes. Erst an der umgestürzten Mauer, die hinunter in die Gärten führte blieb ich stehen und ließ mich in eine Fensternische sinken. Seltsam, selbst hier kann man die Sternbilder Assias erkennen. Grübelnd beobachtete ich die funkelnden Juwelen am Nachthimmel. Ich musste einen Weg finden mich unauffällig nach Sheol zu begeben und bis in dessen Mitte vordringen, dem Sitz von Luzifers Macht und beliebtestes Aufenthaltsziel sämtlicher Erzdämonen. Normalerweise also ein ort, den ich um keinen Preis der Welt betreten würde, aber was bleibt mir anderes übrig? Es gibt keinen anderen Weg um Catan zu heilen. Nicht, das ich mich darum reißen würde Luzifer höchstpersönlich zu begegnen, aber ich verdanke Catan bereits viel zu viel, als das ich ihn jemals im Stich lassen könnte oder würde. Wenn ich daran denke, das so vieles anders verlaufen wäre, wenn er nicht gewesen wäre...

„Shao?“ Aha, er hat als gemerkt, das ich mich davongeschlichen habe.

„Was machst du hier?“ Er ließ sich neben mich sinken.

„Kira-chan, hast du dich jemals gefragt, ob das was du tust das Richtige ist?“ Ich konnte hören wie er sich an die Brüstung lehnte.

„Was soll die Frage?“ Seufzend ließ ich meinen Kopf auf die Arme sinken.

„Weißt du ich frage mich ob es irgendjemanden stören würde wenn ich plötzlich verschwinde.“

„Was hast du vor?“ Seine Stimme klang besorgt.

„Ich würde sehr gerne ein Versprechen einlösen.“ Er stieß einen leisen Fluch aus.

„Du hast dich doch sowieso schon entschieden, warum fragst du noch?“

„Kira-chan!“

„Jetzt sieh mich nicht so strafend an! Ich habe doch recht. Du würdest es ohnehin tun, also warum fragst du?“ Seufzend wandte ich mich wieder von ihm ab und betrachtete nachdenklich die Sterne. Er hatte recht, aber warum machte ich mir dann so viele Gedanken darum was mein Verschwinden für ihn und die anderen bedeutet? Als es darum ging Rosiel zu verlassen hatte ich diese Probleme nicht. Es war ganz leicht...

„Shao-chan?“

„Entschuldige, ich war etwas in Gedanken.“ Er sah mich mit einem schmerzvollen Lächeln an.

„Das habe ich gemerkt. Was ist nur los mit dir?“

„Viel zu viel um es in Worte fassen zu können. Kira-chan, bitte kümmere dich um Setsuna und Cee. Sie werden einen Beschützer brauchen.“ Sofort hob er abwehrend die Hände.

„STOP! Was heißt hier Setsuna und Cee?! Willst du etwa auch deinen ständigen Begleiter zurücklassen?!“ Schwungvoll stand ich auf und wechselte mit einer kleinen Formel auf den Lippen meine Kleidung. Schwarzes Leder ist in Sheol wesentlich unauffälliger als ein Nachthemd.

„Ja, er wäre bei mir nicht mehr sicher. Ich muß allein gehen.“

„Aber wohin?! Welcher Ort kann so gefährlich sein, das du ein Höllenwesen nicht mitnehmen kannst?“ Einen Moment lang überlegte ich ob es nicht besser wäre wenigstens ihm zu sagen wohin ich gehen würde, aber es war besser wenn er es nicht wußte.

„Mach dir darüber keine Gedanken. Ich komme bald wieder zurück.“ Er sah mich ungläubig an und ich könnte schwören, das seine Lippen das Wort Sheol formten, aber ich konnte mich genauso gut irren.

„Bye, bye Kira-chan.“ Ich ließ mich in einen Dimensionstunnel fallen und fragte mich zum wiederholten Male ob ich wirklich das Richtige tat oder nicht. Catan zu retten war das eine, aber was ist mit Kira und Setsuna? Werden sie allein zurechtkommen? Ach was, worüber mache ich mir eigentlich Gedanken? Nicht umsonst hatte ich Cee bei ihnen zurückgelassen, er wird schon auf sie aufpassen. Ein ganz anderes Problem wird es sein Sheol zu verlassen und zurück nach Yetzirah zu kommen. Ich würde Hilfe brauchen, aber von wem? Im Prinzip fällt mir da nur ein einziger ein, Astaroth. Aber mein Bedürfnis ihm wieder zu begegnen war nicht sonderlich stark. Vielleicht sollte ich es erst mal im Alleingang versuchen und wenn das fehlschlägt kann ich ihn ja immer noch um Hilfe bitte. Einen Erzdämon um Hilfe bitten? Allein bei dem Gedanken sträubte sich mir jedes einzelne Nackenhaar. Von der Gegenleistung die er für seine Hilfe verlangen wird mal ganz zu schweigen.

Der Tunnel in dem ich mich befand würde urplötzlich von einer unglaublichen Macht zerreißen und ich landete äußerst unsanft auf einem Haufen Steine. Mühsam stand ich auf und stellte fest, das mein Hintern mir diese Bruchlandung äußerst übel nahm. Es gab keine Stelle an der er nicht weh tat. Was zum Geier war das?! Suchend sah ich mich um, aber ich konnte nichts außergewöhnliches feststellen, das heißt bis auf die Tatsache, das ich mich an den Ufern des Flusses Lethe befand. Ich bin also in Sheol, aber wo dort? Meiner Erinnerungen an die Hölle waren in dieser Hinsicht ziemlich lückenhaft. Auch Anael konnte nur geringfügig mit ihrem Wissen dienen, aber es war besser als gar nichts. Wir mussten also weiter nach Norden. Kein Problem, nur dafür muß man irgendwie den Fluss überqueren...

Das Problem an der Sache ist nur, das es sich dabei um den Fluss Lethe handelt. Wenn ich auf die völlig schwachsinnige Idee verfalle da durch zu schwimmen kann ich mein Hirn auch direkt zum Sperrmüll geben. Dieser Fluss raubt einem sämtliche Erinnerungen und macht alle die in sein Wasser fallen zu willen- und seelenlosen Werkzeugen der Hölle. Sicher, die Versuchung ist groß all seine Erinnerungen loszuwerden und nie wieder diesen Schmerz zu spüren, der einem jeden Atemzug zur Qual macht. Kritisch beäugte ich mein Spiegelbild auf dem Wasser. Es wäre so einfach diesen Schritt zu tun, aber dennoch es gibt noch zu vieles das ich erledigen muß. Dieses Mal werde ich erst dann verschwinden wenn ich wirklich alles erledigt habe. Es gibt zu viele Menschen die mir etwas bedeuten, ich möchte sie nicht schon wieder im Stich lassen. Nicht noch einmal...

Zögernd brachte ich zwischen mich und den Fluss Abstand. Es ist besser wenn ich ihm nicht zu nah komme. Seine Oberfläche spiegelt sonst irgendwann Erinnerungen und Schatten wieder an dich jetzt lieber nicht denken möchte. Jede einzelne dieser Visionen würde wahrscheinlich ausreichen um meinen Entschluß ins Wanken zu bringen.

Doch die Versuchung war groß. Ich konnte nicht verhindern, das mein Blick sich immer wieder zu der silbrigen Oberfläche wandte und die Sehnsucht in meinem Herzen sich einfach in das Vergessen zu stürzen von Minute zu Minute größer wurde. Das Einzige was verhinderte, das ich meine Schritte wieder dem Ufer zu wandte war mein Versprechen gegenüber Catan. Ich habe ihm versprochen ihm zu helfen und dafür muß ich bis an den Grund von Sheol, direkt zu Luzifer.

„Hab ich dich!“ Ich konnte niemanden entdecken und tat ich das Ganze als Einbildung ab und setzte meinen Weg fort. Es war bestimmt nur eine dieser Visionen die sich im Fluss spiegeln, aber seit wann können die sprechen? Schon komisch, ob Anael was gemerkt hat? Doch die Anwesenheit des Engels war verschwunden. So sehr ich mich auch bemühte, ich konnte sie nicht mehr spüren. Was bedeutet das? Ist sie etwa schon in das Vergessen gefallen?

„Sieh genau hin.“ Noch ehe ich wußte wie mir geschah fand ich mich in dem schlimmsten Alptraum meines Lebens wieder. Es war der Tag an dem die Engel unser Dorf vernichtet hatten und der Dämon in mir erwachte. Aber was mich am Meisten traf war die Tatsache, das ich ein hilfloser Beobachter war und rein gar nichts tun konnte. Ein Gefühl, das ich hoffte nie wieder spüren zu müssen. Es machte mich fast wahnsinnig mit ansehen zu müssen wie ein halbes Dutzend Soldaten unter den Kindern ein Blutbad anrichtete. Die verzweifelten Schreie der Eltern, das sirrende Geräusch der Schwerter, die kurz darauf Arme und Hälse durch trennten...All das habe ich damals nicht gehört...

Wie konnte ich nur?! Wie konnte ich all diese Schreie nicht hören? Sie sind so laut, das es mich fast betäubt. Meine Knie gaben unter mir nach als die Soldaten die sich sowohl aus Menschen als auch als Engeln zusammensetzten, zielstrebig eine Schneise durch die völlig verzweifelten Kinder schlugen und eines von ihnen brutal unter den Verletzten und Toten hervorzogen. Um meine Brust legte sich ein eiserner Ring. Diese kleine, zerbrechliche Gestalt kannte ich besser als irgendjemand sonst. Es war mein Sohn, der hilflos wie eine Marionette in den Armen eines Soldaten hing. Ich versuchte vom Fleck zu kommen und ihn dem Soldaten zu entreißen, aber ich glitt durch sie hindurch, als wäre ich ein Gespenst. Die Erkenntnis, das es genauso war, traf mich wie ein Hammerschlag. Das hier waren alles nur Geister der Vergangenheit gegen die ich nichts ausrichten konnte.

„Diesen hier?“ Er hob seine vermeintlich Beute noch höher, damit sie eine dunkle Gestalt am anderen Ende des Platzes besser sehen konnte. Flehend streckte ich meine Hände nach der bewusstlosen Gestalt aus, aber er würde ihn mir nicht zurück geben. Keiner würde ihn mir je wieder zurück bringen.

„Ja.“ Entschloßen warf sich der Soldat den bewusstlosen Körper über die Schulter und stapfte mit schweren Schritten zurück auf den ebenen Boden, auf dem sich allmählich das Blut unschuldiger Kinder ausbreitete.

„Ich hoffe ihr wisst was ihr da tut.“ Seine Zweifel wurden mit einem verächtlichen Lachen beantwortet. Bitte, hört auf!

„Verlaß dich darauf. Noch nie war ich mir so sicher.“ Die Grausamkeit dieser Stimme veranlasste mich dazu mich nur noch zusammen zu kauern. Ich will das nicht! Ich will all das nicht sehen! Nichts davon kann real sein und doch es reißt Wunden auf von denen ich dachte sie wären inzwischen verblasst. Die Tränen, die über meine Wangen strömten bewiesen, das genaue Gegenteil. Keine von ihnen würde das hier ungeschehen machen können, aber mehr konnte ich nicht tun. Was bleibt mir noch außer Trauer und Schmerz?

„Sehr gut! Uns jetzt zieht die Seile fest!“ NEIN!

„Paßt auf, das sich die Schlingen nicht lockern können.“ Nein! Nicht noch einmal! Nicht das! „Wir wären dann soweit.“ Fast wie unter Zwang hob ich den Blick und sah wieder den Hügel lebloser Kinderkörper auf dem gefesselt mein Sohn lag, der langsam sein Bewusstsein wieder erlangte. Die Stricke an seinen Gelenken leuchteten unnatürlich weiß auf dem blutverschmierten Körper, während die Pferde unruhig mit ihren Hufen scharrten. Der immense Geruch nach Blut machte sie nervös. Immer wieder tänzelten sie hin und her.

„Sehr schön, das wird genügen.“ Ein grausames Lächeln kam unter einer Kapuze zum Vorschein und ich wünschte mir nichts sehnlicher als demjenigen, der sich darunter befand für immer zu vernichten, aber ich war hilflos. Es war nur eine schemenhafte Erinnerung oder eine Vision in der ich nichts ausrichten konnte. Warum nur? Warum kann ich diejenigen, die ich liebe nicht beschützen? Warum bin ich genauso hilflos wie damals? Wieso kann keine Macht der Welt etwas gegen eine Erinnerung unternehmen? Warum befindet sie sich unauslöschlich in einem Bewusstsein bis sie befreit wird? Bitte, holt mich hier raus! Ich will das alles nicht! Ich will diese Erinnerung nicht! Befreit mich davon! BITTE!

„Gefällt dir etwa nicht was du siehst?“ Ich ließ die Frage unbeantwortet. Es ist sinnlos sich mit den Geistern der Vergangenheit zu unterhalten. Sie sind wie alles hier... nur Schatten...

Mein Blick lag auf meinen Sohn und für einen kurzen Moment trafen sich unsere Blicke. Es war wie schon zuvor in der von Uriel erschaffen Welt, seine Lippen formten das Wort Mama und ich verging fast vor Schmerz, als sie eine halb bewusstlose Frau aus einem Zelt schleiften und sie beim Anblick der Szene, die sich vor ihr erhob erstarrte. Ich wußte, was jetzt kommen würde, es war unausweichlich, aber irgendwie keimte in mir die Hoffnung auf, das es dieses Mal anders sein könnte, wenn es mir nur gelingen würde einzugreifen. Egal, wie irgendwie muß es doch klappen.

„Glaubst du wirklich nur weil du es dir wünscht wird es sich ändern?“ Vielleicht... vielleicht war es das was mich veranlasste mich doch mit diesem Schatten befassen. Für eine flüchtige Erinnerung ist entschieden zu aufdringlich.

„Was willst du von mir?“ Sein Gesicht wurde nach wie vor von einer Kapuze verdeckt.

„Tja, das ist eine verdammt gute Frage. Vielleicht möchte ich einfach dafür sorgen, das du endlich ein paar Dinge klarer siehst.“ Die Szene vor uns veränderte sich. Die Frau war zusammengebrochen und hatte eingewilligt ihre Peiniger zu begleiten. Doch was nützte das schon? Ihr Sohn würde sterben. So oder so, jeder Versuch das Unvermeidliche zu verhindern würde sie nur noch mehr leiden lassen. Warum gibst du nicht einfach auf? Warum hast du nicht direkt aufgegeben als man dich gefangen nahm? Was hat dich aufrecht erhalten? Was hat verhindert, das du zusammengebrochen bist?

All diese Fragen waren so sinnlos wie ihre Antworten. Ich wußte selbst am Besten was damals vorgefallen war und wie es zu all dem gekommen ist. Nichts würde sich ändern nur weil ich jetzt anfange mir Gedanken darüber zu machen wie ich all das hätte verhindern können. Ich senkte meinen Kopf zu Boden um nicht noch länger mitansehen zu müssen wie sehr man mich damals gedemütigt hatte. Die Spuren der körperlichen Misshandlung konnte man einfach nicht übersehen.

„Sehr gut, du begreifst schnell.“ Auf dieses Kompliment konnte ich gut und gerne verzichten. Man hatte das Signal gegeben die Pferde in Bewegung zu setzen und alles in mir verkrampfte sich. Ich zwang mich den Blick zu heben. Es würde das letzte Mal sein, das ich meinen Sohn sah...

„Aber, du hast noch längst nicht alles begriffen.“ Mit einem Ruck glitt seine Kapuze herunter und ich konnte sein Gesicht sehen. Es war mein eigenes.

„NEIN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“ Mein Schrei und der meines ehemaligen Ichs vermischten sich zu einem Ausbruch absoluter Verzweiflung. Gehässig sah sie auf mich herunter.

„Überrascht? Was hast du denn geglaubt? Das ich die Ganze Zeit über zu sehe wie sie mich benutzen und demütigen?“ Der eisige Blick dieses Gesicht und die Härte der Stimme, die eigentlich meine war versetzte mich in einen völligen Schockzustand.

„Nein, im Gegensatz zu dir zog ich es vor zu handeln. Ich war es so leid mich all diesen Menschen und ihren Regeln zu beugen. Es wurde Zeit, das du dein wahres Ich erkennst und annimmst. Die Engeln gaben nur den letzten Ausschlag. Es konnte gar keine bessere Chance mehr geben mich endlich von dir, meinem schwächlichen Ich zu befreien.“ Triumphierend sahen zwei eiskalte Augen auf mich herunter.

„Soll ich dir noch etwas verraten? Ich habe es genossen wie sie all dieses unschuldige Blut vergossen haben. Es gab nichts besseres um deinen Willen zu brechen, als deinen Sohn vor deinen Augen zu töten.“ Keuchend versuchte ich Luft in meine Lungen zu pumpen, aber meine Atemwege waren vollkommen zugeschnürt. Ich konnte nicht mehr atmen.

„Es war herrlich. All das Blut, die Flammen und die Schreie der Menschen! Ich habe mich noch niemals so frei gefühlt wie damals!“ Ihr Blick lag träumerisch auf dem blutüberströmten Schlachtfeld und meinem damaligen Selbst, dessen Schwert ein Opfer nach dem anderen fand.

„Wie lange wolltest du mich dieses Mal einsperren? Hast du wirklich geglaubt, das würde noch einmal funktionieren? Finde dich damit ab, das ich ein Teil von dir bin. Du kannst dich nicht von mir trennen.!“ NEIN! Nein, so bin ich nicht! So war ich noch nie! Dieser Durst nach Blut und Elend... Mir wurde langsam aber sicher schwarz vor Augen. Irgendetwas stimmt hier nicht...

„Keine Sorge, ich werde nicht viel Unheil stiften, während du schläfst. Vielleicht lasse ich sogar ein paar von deinen Freunden am Leben.“ Mühsam kämpfte ich mich auf die Beine. Alles um mich herum verschwimmt...

„Das wirst du nicht tun!“ Sie sah mich kalt lächelnd an.

„Wie willst du das wissen? Ich habe jetzt die Oberhand. Du bist nur noch ein unbedeutender Schatten meines Bewusstseins, den ich verdränge wenn er mir lästig wird.“ Meine Knie gaben nach und ich sackte wie ein Büßer vor ihr zusammen. Meine Hände hatten sich in den Stoff ihres Umhangs gekrallt. Sie hob sanft mein Kinn an und ich konnte die Kälte in ihren blauen Augen beinahe körperlich spüren.

„Sieh es ein, du warst schon immer die Schwächere von uns beiden. Ach ja, wo wir gerade dabei sind. Du wolltest doch verhindern, das sich die Vergangenheit wiederholt. Nun, was hältst du davon wenn ich dir dabei helfe?“ Über ihr Gesicht legte sich ein hinterhältiges Lächeln. Mein Magen gefror zu Eis.

„Deshalb werde ich als aller erstes diesen arroganten Engel töten, der dein Herz gestohlen hat.“ Sie will Rosiel töten?! Mein entsetzter Gesichtsausdruck löste bei ihr einen hysterischen Lachanfall aus.

„Hast du wirklich geglaubt, ich würde mir das noch einmal gefallen lassen? Die Berührung eines Engels auf meiner Haut widert mich an.“ Ich konnte spüren wie ich leichenblass wurde. Niemals hätte ich so etwas gesagt. Niemals wäre ich dazu fähig gewesen Remiriel derart zu verleumden oder Rosiel zu gefährden. Beide gaben mir ein gewisses Gefühl der Geborgenheit, gut bei Rosiel ist das nicht ganz der Fall. Aber irgendwie habe ich diesen völlig durchgedrehten Engel liebgewonnen. Weiß der Geier warum.

„Wenn ich gekonnt hätte, dann hätte ich es schon beim ersten Mal verhindert.“ Sie drehte sich um und ging. NEIN! Es gelang mir gerade noch einen Stück ihres Mantels zu erwischen, bevor sie sich zu weit von mir entfernen konnte.

„Das lasse ich nicht zu!“ Ärgerlich trat sie nach mir, aber ich hielt mich eisern an ihrem Umhang fest und wenn es das Letzte ist was ich tue. Ich werde nicht zulassen, das sie unter meinen Freunden wütet.

„Oh doch und du hältst mich nicht auf!“ Mit einem Fußtritt befreite sie sich von mir, jedenfalls glaubte sie das. Mit dem letzten Rest der mir an Willenskraft klammerte ich mich auch weiterhin an ihr fest und schon bald darauf konnte ich dieselbe Hitze in meinem Inneren verspüren wie damals, als ich Leciel vernichtet hatte. Es dauerte nicht allzu lange bis sich die Flammen um mich herum ausbreiteten und ich mich in einem Strudel wirrer Erinnerungen und Schmerzensschreie wieder fand. Ich konnte noch nicht einmal sagen ob ich selber schrie oder es nur die Schatten in meinem Bewusstsein waren. Ich presste die Hände auf meine Ohren um sie zu ersticken, aber sie klangen in meiner Seele wieder und nicht nur dort allein. Es war als würden sie von unzähligen Wänden immer und immer wieder reflektiert werden. Zwischendurch lediglich von einem Aufblitzen einzelner Bildfetzen durchbrochen, die einen Teil meiner Erinnerungen darstellen.

Bitte, irgendjemand, egal wer, befreit mich aus diesem Alptraum! Bitte, ich kann nicht mehr! Meine Kraft reicht nicht aus um all das noch einmal zu durchleben. Vielleicht hat sie recht, vielleicht bin ich wirklich zu schwach...

„Was für eine Kraft... ...einfach unglaublich dieser Wille... dabei war ich so sicher...“ Viel mehr als eine dunkle Silhouette, die bewegungslos neben mir lag konnte ich nicht erkennen. Alles war verschwommen und dieser Zustand besserte sich auch nicht mehr. Die Dunkelheit um mich herum nahm zu und schließlich versank ich in ihr.

 

 

02-12-11

 

 

Next: Part 20 – Dancing with a demon

 

 



 

Tja, und was Astaroth letztendlich für eine Rolle spielt erfährt ihr dann ihm nächsten Kapitel *schadenfroh grins*

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