Part 21

05-05-03

 

Love of an angel

         Part 21

 

 

Return to Assia

 

Völlig außer Atem ließen wir uns schließlich in ein Meer aus Silber fallen und ich fragte mich immer noch warum ich mich in Astaroths Nähe plötzlich so verdammt wohl fühlte. Meine Nervosität was die bevorstehende Begegnung mit Luzifer anging war so gut wie weggeblasen und wenn ich mir mein Gegenüber ansehe ist seine Trauer ebenfalls nur noch ein dünner Schatten, der sich allmählich auflöst. Er bemerkte meine Blick und lächelte mich wissend an.

"Das kommt von den Pflanzen hier. Ihre Blüte und ihr Duft lassen einen alle Sorgen vergessen und so ganz nebenbei..." Er richtete sich schwungvoll auf.

"... sind sie auch das einzige Mittel, das einem Ghoul seine ursprüngliche Gestalt wieder zurück geben kann." Genüßlich streckte ich mich noch ein wenig ohne darauf zu achten, das sich auf meinem Kleid verräterische, kleine Flecken bildete. Daher also dieses plötzliches Wohlbefinden. Gar nicht mal schlecht.

"Ich sehe schon, wenn ich nicht aufpasse bewegst du dich hier heute nicht mehr weg." Mit einem leichten Seufzer griff er nach meinen rechten Handgelenk und zog mich in die Höhe. Mürrisch gab ich nach und stand auf. Ich war nicht im Geringsten motiviert mich jetzt mit einer Horde Dämonen auf Luzifers Hochzeit auseinanderzusetzen, aber habe ich eine andere Wahl? Nein!

"Paß auf." Lässig streifte er mir den Silberreif vom Arm und sorgte mit einem leichten Windstoß dafür, das sich unzählige der kleinen, silbernen Blüten in die Luft erhoben. Vorsichtig ließ er den Armreif los und ich war vollkommen fasziniert davon wie sich die kleinen Blüten nach und nach zu einem Kranz flochten, der dann mit dem Armreif verschmolz.

"Hier, damit kannst ihm helfen." Sichtlich zufrieden gab er ihn mir wieder.

"Danke." Seine Hilfsbereitschaft überraschte mich ebenso sehr wie dieses plötzliche Wohlbehagen in meinem Innern. Nachdem der Armreif wieder dort war wo er hingehörte (an meinem linken Handgelenk) hatte ich das Gefühl, das mir an diesem Tag rein gar nichts mehr passieren konnte. Mal ausgenommen von der Tatsache, das Luzifer höchstwahrscheinlich merken wird, das ich kein Dämon bin, aber warum sich deshalb schon jetzt Sorgen machen?

"Ach so, bevor ich es vergesse. Verlier ihn bloß nicht! Noch mal helfe ich dir bestimmt nicht." Mister Charming wie er leibt und lebt.

"Keine Sorge, ich verzichte."

"Dacht ich mir." Grinsend bot er mir seinen Arm an und gemeinsam machten wir uns auf den Weg zu Luzifers Hochzeit. Natürlich waren wir viel zu spät dran und als wir den Saal betraten ruhten die Blicke aller Anwesender auf uns. In Astaroths Gesicht stahl sich ein selbstzufriedenes Grinsen. Kein Wunder, wagte er es doch so ganz nebenbei ohne Geschenk aufzutauchen. Seine Ruhe möchte ich haben. Die Blicke und Sticheleien der andern Dämonen sorgten dafür das ich mich schon bald reiflich unwohl in meiner Haut fühlte. Es war ein reiner Spießrutenlauf und hätte Astaroth mich nicht weiterhin so unbeirrt durch den Saal geführt hätte ich so manchem von ihnen mehr als nur einmal meinen Fächer um die Ohren gezogen. Astaroth hingegen genoß es sichtlich derart im Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit zu stehen während ich mich immer wieder verzweifelt bemühte mich so unauffällig wie möglich zu verhalten. Was in Anbetracht der Situation etwas beinahe unmögliches darstellte. Wäre der Fächer nicht, dann hätte ich unter Garantie irgendwann ziemlich alt ausgesehen. Immerhin verbarg das Ding nicht nur mein Gesicht vor allzu neugierigen Blicken, sondern war nebenbei auch äußerst hilfreich wenn es darum ging ein paar allzu forsche Hände abzuwehren. Als wir endlich Astaroths Loge erreichten fühlte ich mich als hätte ich einen Meisterschaftskampf hinter mir. Ich hatte vollkommen vergessen wie es ist, wenn man sich unter Dämonen bewegt. Es war als würde man durch die Hölle gehen, was seltsamerweise ja auch den Tatsachen entsprach. Wenigsten schlossen die dicken, roten Samtvorhänge die anderen Dämonen aus. Irgendwie erleichtert mich das.

Mit einem anerkennenden Nicken ließ Astaroth mich allein, da er unbedingt ein paar Getränke holen mußte. Na ja, eher geht er wohl noch mal in seinem Ruhm baden, aber das kann mir egal sein. Hauptsache ich muß da heute nicht mehr raus. Ruhig rumsitzen und einfach auf ihn warten konnte ich allerdings genauso wenig. Dafür bin ich viel zu neugierig und angespannt. Letztendlich durchschritt ich nach und nach die Loge und ließ meinen Blick durch den unter mir liegenden Saal streifen. Es war wirklich ein grandioser Anblick. Alles was in der Hölle Rang und Namen hat hatte sich hier versammelt und keiner von ihnen konnte genug protzen, wenn es darum ging Luzifer ein Geschenk zu überreichen und seine Loyalität zu bekunden. Der ganze Prunk konnte einem schon fast Angst machen. Kopfschüttelnd wandte ich den Blick wieder ab. Wenn es darum geht zu protzen nehmen sich Engel und Dämonen wirklich nicht sonderlich viel. Hauptsache der Andere sieht wie mächtig und wohlhabend man selber ist.

Da Astaroth auch nach weiteren zehn Minuten nicht wieder auftauchte trat ich schließlich aus der Loge um nach ihm zu suchen. Was ein Fehler war, den ich so schnell bestimmt nicht noch einmal machen werde. Kaum hatte ich einen Fuß auf den Gang gesetzt stand bereits Asmodeus hinter mir.

"Ah, hier hatte er dich also versteckt." Im letzten Augenblick gelang es mir den Fächer vor mein Gesicht zu ziehen um damit meinen absolut begeisterten Gesichtsausdruck zu verbergen.

"Tss, er hat doch nicht wirklich angenommen, das es ihm gelingen würde eine solche Schönheit vor uns zu verbergen." Da ich damit beschäftigt war seinen Arm abzuwehren, der sich immer wieder um meine Hüfte schlängelte, schaffte ich es nicht ihm zu antworten. Das ihm dieses Kleid mit seinem Ausschnitt nebenbei auch noch eine riesen Gefallen tat was diverse tätliche Eingriffe anging, machte die Sache auch nicht gerade leichter. Ach, was soll's? Ich habe doch eh nicht vorgehabt länger als nötig auf Astaroth zu hören. Lächelnd gab ich meine Versuche ihn abzuwehren auf und nutzte den Moment seiner Verblüffung über diese Tatsache um ihn mit einem gekonnten Schulterwurf an die nächstbeste Wand zu befördern. Zufrieden über seinen völlig entgeisterten Gesichtsausdruck drehte ich mich um und stapfte davon. Weit kam ich allerdings nicht, da Astaroth mir bereits breit grinsend entgegenkam. Seufzend gab ich meinen Erkundungsgang auf und folgte ihm zurück in die Loge. Es ist vielleicht auch besser, wenn mir vorerst kein weiterer Erzdämon begegnet.

"Und? Hast du dich ohne mich auch gut amüsiert?" Ich segnete ihn mit einem Blick der Vernichtung. Er hat ja wohl selbst deutlich genug gesehen was passiert ist. Wie immer ignorierte er die Tatsache, das ich sauer auf ihn war und schleppte mich trotz aller Proteste zu einer Art Sektempfang der oberen Dämonen. Wo man gleichzeitig auch alle Geschenke für Luzifer und seine junge Braut bewundern konnte. Meine Begeisterung läßt sich kaum noch steigern.

Irgendwann hatte ich es geschafft mit einem Sektglas in der Hand vollkommen allein auf einem Balkon zu landen, der schon wie zu vor Astaroths Loge einen atemberaubenden Blick über den gesamten Festsaal bot. Noch war dort allerdings herzlich wenig los. Erst wenn sich die Tore öffnen um auch die niederen Dämonen einzulassen, damit sie der Hochzeit ebenfalls beiwohnen können würde der Saal aus allen Nähten platzen. Doch bis dahin war zum Glück noch etwas Zeit. Vorsichtig nippte ich an meinem Sekt. Es ist nicht so, das ich damit rechnete gerade auf Luzifers Hochzeit vergiftet zu werden, aber man kann nie vorsichtig genug sein. Nachdem feststand das in dem Sekt nichts weiter war trank ich ihn in kleinen Schlücken während ich mir das Treiben der Diener im Festsaal ansah. Jeder schien seine Aufgabe genau zu kennen und obwohl es auf den ersten Blick wie ein heilloses Durcheinander aussah war es in Wahrheit gut organisiert. Keiner trat dem Anderen auf die Füße und nie würde auch nur ein Teil doppelt erledigt. Erinnert mich irgendwie stark an das Innere eines Bienenstocks. Und über all dem thronte die Statue Luzifers wie ein dunkles Mahnmal, die wahrscheinlich unter den Bewohnern der Hölle fast noch mehr Furcht als der Herrscher selbst verbreitete. Von ihr ging eine solch immense Kraft aus, das es einfach unfaßbar war, das Luzifer nicht in der Nähe sein sollte. Es juckte mich in den Fingern herauszufinden ob das wirklich so war, oder ob der Herrscher der Hölle sich einen Scherz mit uns erlaubte. Gut zugegeben, es nicht sonderlich intelligent eine Person suchen zu wollen, der man lieber nicht begegnen würde, aber vielleicht schaffe ich es ja ihm die Sache mit Kurai auszureden.

Ein kurzer Blick nach rechts, ein kurzer Blick nach links reichten um herauszufinden, das mich gerade niemand weiter beachtete. Mehr brauchte ich nicht um zu verschwinden. Vorsichtig ließ ich die riesigen Flügeltüren des Festsaals hinter mir und war verblüfft einen leichten Chorus zu vernehmen, der Luzifer pries. Von oben hatte ich ihn nicht gehört, aber sollten die Lobgesänge nicht erst viel später stattfinden? Oder sie singen sich schon mal ein? Wer weiß?

Von hier unten wirkte der Saal noch einmal so imposant. Ich schritt über einen roten Teppich, der direkt von den Flügeltüren hinunter zu Luzifers Thron führte neben dem inzwischen ein weiterer Thron für seine Braut stand. Die Bänke links und rechts neben mir ähnelten in ihrem Aufbau unheimlich einem Kirchenschiff. Auch das schwarze Ebenholz und die roten Bezüge sahen so aus als wären sie direkt aus der römisch katholischen Kirche importiert worden. Die Wände des Saals waren über und über mit Stuck und Gold verziert, die statt der üblichen Engelsmotive, die man sonst in Kirchen fand, die dämonische Variante davon beinhalteten. Auch die unzähligen Symbole der schwarzen Magie durften selbstverständlich nicht fehlen. Um das gesamt Kunstwerk abzurunden spannte sich über den gesamten Saal eine riesige Glaskuppel, die je nach Lichteinfall unzählige Lichts- und Farbmuster auf die Wände zauberte.

Keiner der Diener schenkte mir sonderlich viel Beachtung als ich staunend den Saal durchschritt und so stand ich schließlich mutterseelenallein vor der Statue Luzifers. Das Ding raubte mir fast den Atem. Sicher, ich hatte gewußt, das sie eindrucksvoll war, aber so sehr? Die Statue stellte Luzifer in Lebensgröße dar, wie er auf seinem Thron saß. Die Utensilien seiner Macht waren bis auf das letzte Detail haargenau nachgebildet worden. Außerdem besaß das Ding eine derart kräftige Aura, das es mich nicht weiter gewundert hätte, wenn Luzifer sich plötzlich erheben würde oder hinter der nächsten Ecke auftauchte um mir zu meiner Blödheit mich freiwillig in seine Hände zu begeben zu gratulieren. Doch wenn es etwas gab, was ich mit Sicherheit wußte, dann das Luzifer nicht hier war. Alle Dämonen sprachen davon, das sich der Herrscher der Hölle schon lange nicht mehr seinem Volk gezeigt hatte und wo auch immer er stecken mochte, seine Laune war nicht die Beste. Das war eines der Geheimnisse dieser Statue. Sie spiegelte Luzifers Gefühle wieder solange er nicht selbst in Erscheinung trat und da es bis heute niemand gelernt hatte eine Statue zu besänftigen standen die Dämonen meist ziemlich hilflos seinem Zorn gegenüber. Im Moment schien es jedoch als hätte er halbwegs gute Laune. Falls man sich da bei Rumoren und Tosen jemals wirklich sicher sein konnte. Gerade wollte ich wieder kehrt machen, damit Astaroth meine Abwesenheit nicht doch noch auffiel, als sich der Chorus erneut erhob. Lächelnd blickte ich über den fast leeren Saal hinauf zu den Logen. Es sieht fast so aus wie in einem alten Theater, das kurz vor seiner Premiere steht...

Ein leichtes Aufblitzen in den Logen rechts neben mir ließ mich aufmerksam werden. Dort oben stand Arakune mit einem Sektglas in der Hand und wirkte fast ebenso gelangweilt wie ich vor einer kurzen Weile. Lachend schwenkte ich meinen Fächer um seine Aufmerksamkeit zu erregen und wurde mit einem erstaunten Lächeln belohnt als er mich erkannte.

"Madame, bitte entschuldigen sie, aber sie dürfen sich hier nicht aufhalten." Verblüfft ließ ich den Fächer sinken und sah auf einen kleine Diener herunter, dessen Gestalt mich stark an einen Kobold aus den nordischen Sagen erinnerte. Anscheinend sah ich nicht so aus als hätte ich begriffen was er von mir wollte, denn er sprach hastig weiter.

"Bitte Madame, hier dürfen sich nur die Personen aufhalten, die Luzifer ein Geschenk überreichen wollen." Er duckte sich etwas als ich nicht sofort reagierte sondern statt dessen nachdenklich mit dem zusammengeklappten Fächer an mein Kinn tippte. Ich hatte nicht vor mich so schnell wieder zurück zu begeben, aber ein Geschenk für Luzifer? Zweifelnd sah ich zu der Statue hinauf und besann mich dann, das ich eigentlich die Rolle eines ranghohen Dämons zu spielen hatte.

"Was fällt dir ein mir zu unterstellen ich würde es an einem solchen Festtag wagen vor unseren Herrscher zu treten ohne ihm ein Geschenk mitzubringen?!" Mein Tonfall war schärfer als beabsichtigt und er kauerte sich noch mehr zusammen. Er tat mir leid, aber ich konnte nicht riskieren schon jetzt aufzufliegen. Für einen ranghohen Dämon hatte dieses Fußvolk nicht viel mehr Bedeutung als ein paar lästige Insekten, die man notfalls mir Leichtigkeit zerquetschen konnte.

"Nun denn, hinfort mit dir elende Kreatur! Ich werde unserem Herrscher mein Geschenk ohne deine Gegenwart überreichen." Für einen kleinen Moment sah er so aus als würde er protestieren wollen, doch dann besann er sich eines besseren. Mit einer Verbeugung humpelte er davon und ließ mich allein. Ein Geschenk für Luzifer?! Ich muß vollkommen wahnsinnig sein! Ohne aus meiner Rolle zu fallen striff mein Blick kurz über den Saal und zeigte mir, das sämtliche Diener mich nun beobachteten. Nur ein noch so kleiner Fehler und sie werden mich zerfleischen. Im Moment rettet mich nur die Tatsache, das sie mich für einen mächtigen Dämon halten, der Luzifer seiner Ehrerbietung zollt. Doch für wie lange? Wenn ich nicht bald ein Geschenk parat habe zerfällt die Maskerade.

Zweifelnd linste ich über meinen Fächer hinauf zu der Loge in der Arakune stand, der mich nun mit sichtlichem Interesse musterte. Kein Zweifel, er weiß in was für Schwierigkeiten ich stecke, aber sein ratloses Schulterzucken verrät mehr als deutlich, das er mir auch nicht helfen konnte. Im Prinzip gab es nur noch eines was ich tun konnte und als sich der Chorus erneut erhob war ich mir sicher. Mit einem Zwinkern in Arakunes Richtung klappte ich den Fächer zusammen und begann nachdem der letzte Ton des Chorus noch im Saal verklang meine Stimme zu erheben. Die Melodie perlte wie Wassertropfen von den Wänden wieder und ich hoffte inständig, das Luzifer Mozart mochte.


Oh zittre nicht mein lieber Sohn.
Du bist unschuldig, weise, fromm.

Ein Jüngling, so wie du, vermag am besten
dies tief betrübte Mut-terherz zu trösten.

 

 

Zum Lei-den bin ich auserkor-en,
denn meine Toch-ter feh-let mir.
Durch sie ging all mein Glück ver-lor~ ~  en,
durch sie ging all mein Glück ver-lor~ ~ en.

Ein Bösewicht,

 

 

ein Bö~ ~sewicht entfloh mit ihr

Noch während ich sang spürte ich so etwas wie eine sanfte Umarmung. Dieses Gefühl reichte um mich völlig fallen zu lassen. Ich nahm keine Rücksicht mehr darauf ob mich meine Stimme eventuell verraten würde oder nicht. Es interessierte mich nicht länger was für Folgen das alles nach sich ziehen würde. Mir war alles egal.

Noch seh'~ ~ ~ ich Ihr Zittern
Mit ban-gern Erschüttern,
ihr ängst-lich-es Be-ben,
ihr schüch-ter-nes Stre-ben. 

Ich musste sie mir rauben se~ ~hen.
Ach~ ~  helft!
Ach~ ~ helft!

War alles was sie sprach,
allein ver-ge-bens war ihr Fle-hen,
denn meine Hül~ ~fe war zu schwach,
denn mei-ne Hül~ ~fe,
mei-ne Hülfe war zu schwach.

Du,
du,
du~
wirst sie zu be-frei-en ge~ ~hen,
du wirst der Tochter Retter sein,
ja, du~ wirst der Tochter Ret- ter sein.

 

 

Und werd' ich dich als Sieger se-hen
So sei sie dann auf ewig dein,
so sei sie da~ ~ ~ ~ ~ ~ ~nn auf e~ ~wi g dein,
auf e~ wi~ g dein.
Auf e~wi-g dein.


Mit einem leichten Zittern lauschte ich in meinem Inneren dem letzten Ton nach und als dieser schon fast nicht mehr nicht vorhanden war löste sich die Umarmung und hinterließ eine seltsame Leere in mir. Erstaunt drehte ich mich um herauszufinden warum man mich so einfach losließ, aber da war niemand. Niemand, nur die Statue Luzifers. Enttäuscht wendete ich mich ab. Was oder wer ist das nur gewesen? Noch ehe ich mir darüber weiter Gedanken machen konnte schoß ein Strom glühend, heißen Verlangens durch meine Adern. Selbst wenn ich gewollt hätte, dagegen konnte ich mich nicht wehren. Es war als würde es auf der ganzen Welt plötzlich nichts wichtigeres mehr geben, als hier an diesem Ort zu singen und seinen Ohren zu schmeicheln. Und so sehr es mir auch widerstrebte ich gab nach. Hatte ich vorher meine wahre Stimme nur langsam enthüllt, so tat ich es dieses Mal von Anfang an.

 

Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen,
To-d
und Verzweiflung,
Tod und Verzweiflung fla-mmet um mich her! 

Fühlt nicht durch dich
Sa-ras-tro Todesschmerzen,
Sa-ras-tro Todesschmerzen,
so bist du mei-ne To-chter nim-mermehr,
so du mein'
mei-ne To-chter nim-mermehr.
~ ~ ~ ~ ~ ~
meine To-chter nim-mermehr,
~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~
so bist du meine To-chter nim-mermehr!

Meine Stimme erreichte wieder die Ebenen nach denen ich mich jahrelang gesehnt hatte und ich genoß es.

Verstossen sei auf ewig,
verlassen sei auf ewig,
zertrümmert sei'n auf ewig
alle Bande der Natur,
verstossen,
verlassen,
und zertrümmert,
alle Bande der Natur,
alle Ba~ ~ ~ ~ ~nde
alle Bande der Natur
wenn nicht
durch dich
Sa-ras-tro wird erbla-ssen!
 

Je länger ich sang, desto fester und zärtlicher wurde die Umarmung. Fast so als würde sie mir zeigen wollen, das ich keine Angst haben müßte wenn ich mich verriet. Es gab jemanden der mich beschützen würde.

Hört,
hört,
hö-rt
Rachegötter,

hö-rt
der Mutterschwur!

Das Gefühl, das ich nun verspürte hatte ich schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr gehabt. Ich fühlte mich absolut geborgen. Ich hielt die Augen geschlossen und genoß auch weiterhin die warme Umarmung. Es war egal, das ich nicht wußte wer mir diese Geborgenheit vermittelt. Hauptsache dieses Gefühl hält noch eine Weile an. Ein leises Wispern an meinem Ohr versicherte mir, das man mich niemals wieder loslassen würde und auch meine allerletzten Zweifel verschwanden. Ich ließ mich fallen und vertraute darauf, das man mich auffangen würde.

"Verdammt noch mal spinnst du?!" Ein Ruck an meinen Schultern brachte mich dazu langsam die Augen zu öffnen. Alles um mich herum war irgendwie ziemlich verschwommen, aber den Umriß vor mir erkannte ich wage.

"Astaroth?" Ich konnte nicht glauben, das er es gewesen sein sollte, der mir dieses Gefühl der Geborgenheit vermittelt hatte. Dafür ist er einfach nicht der Typ.

"Hey!" Ein Klatschen an meiner Wange verhinderte, das ich mich erneut in der warmen Umarmung verlor. Was will er nur von mir? Ich fühle mich doch eigentlich ganz gut.

"Wag es ja nicht wieder ohnmächtig zu werden!" Irritiert blickte ich auf. Inzwischen war die Umgebung zum Glück wieder etwas schärfer und ich konnte mir einen Überblick über die momentane Situation verschaffen. Also, ich liege mal wieder halb in Astaroths Arm auf dem Boden, höchstwahrscheinlich weil ich aus irgendwelchen dubiosen Gründen ohnmächtig geworden bin, um uns herum standen diverse Diener und andere Dämonen die ihrer Neugier kaum noch zügeln konnten und über mir befand sich nach wie vor die Statue Luzifers, die jetzt eine merkwürdige Ruhe verströmte. Ein leichtes Lachen löste sich aus meiner Kehle.

"Es hat ihm gefallen. Es hat ihm wirklich gefallen." Danach gingen bei mir sämtliche Lichter aus. Als ich wieder zu mir kam lag ich auf einer Art Sofa mit einem Tuch über den Augen. Im Hintergrund konnte ich Astaroth fluchen hören.

"Da sagt man ihr noch extra, sie soll sich unauffällig verhalten und dann so was! Es reicht ja noch nicht, das Belial über sie Bescheid weiß. Nein, es müssen ja unbedingt alle Dämonen erfahren das die alten Legenden wahr sind. Warum konnte sie sich nicht irgendeinen anderen Zeitpunkt aussuchen?! Warum mußte es ausgerechnet Luzifers Hochzeit sein?! Jetzt kann ich mir irgendeine sinnvolle Erklärung ausdenken, warum ich sie solange der Öffentlichkeit vorenthalten habe. Na ja, wenigstens ist sie ohnmächtig, damit dürfte mir weiterer Ärger hoffentlich erstmal erspart bleiben." Murrend rollte ich mich ein Stückchen zur Seite und zog das Tuch von meinen Augen. Ah ha, ich bin also wieder in Astaroths Loge.

"Irrtum, ich bin wach." Blitzschnell wurde ich an den Schultern gepackt und kräftig durchgeschüttelt.

"Hast du Wahnsinnige eine Vorstellung von dem was du getan hast?! Du solltest dich unauffällig verhalten und Luzifer nicht noch helfen dir zu schaden!"

"Wieso schaden? Es ging mir doch prima." Mit einem Seufzer ließ er mich los und ich landete äußerst unangenehm neben der Couch.

"Dir ist also vollkommen entgangen, das er sich deiner Astralkräfte bemächtigt hat? Bist du lebensmüde?! Du kannst dich doch nicht einfach vor das Abbild Luzifers stellen und alle deine Hüllen fallen lassen. Du warst vollkommen ungeschützt! Jeder hätte dich angreifen können." Mir brummte von seiner Brüllerei der Schädel, aber ich sagte nichts. Es war besser ihn brüllen zu lassen statt sich hinterher mit ihm prügeln zu müssen.

"Verdammt noch mal! Das war purer Leichtsinn! Was wolltest du damit bloß beweisen? Das du zu den obersten Dämonen gehörst?! Noch nie hat es irgend jemand gewagt sich vor Luzifer zu stellen und einfach nur zu singen!" Und es nebenbei auch noch überlebt. Den Nachsatz hatte er zwar halbverschluckt, aber ich hatte ihn trotzdem gehört. Es wollte mir nicht in den Schädel, das ich plötzlich derart leichtsinnig war. Es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre enttarnt worden. Was hat mich da geritten?! Warum ist mir das alles plötzlich so egal gewesen?

"Hast du eigentlich auch nur die geringste Vorstellung davon was passiert wäre wenn ich nicht zufällig gemerkt hätte was los ist?! Verdammt noch mal! Du warst so was von leichtsinnig!" Vorsichtig stand ich auf. Bin doch noch ziemlich wackelig auf den Beinen. Hey, aber wenn er noch länger so weitermacht hört er sich fast an wie mein Vater.

"Luzifer ist nicht irgendein Dämon, den du einfach so hinters Licht führen kannst. Er ist der Herrscher der Hölle! Er würde alles merken! Na ja, das hat er wohl auch, wenn er deine Kräfte derart anzapft." Ich sparte mir dem Versuch ihm erklären zu wollen, das es eigentlich ganz anders war. Sicher, irgend etwas hat mich gestreift, aber es hatte mir nicht geschadet. Eher im Gegenteil. Mittlerweile fühlte ich mich vollkommen erholt und zufrieden. Fast so als wäre ein Teil meines alten Selbst endlich wieder an seine ursprüngliche Stelle zurückgekehrt. Da er merkte, das mich seine Triaden nicht weiter interessierten gab er es schließlich auf. Demonstrativ rückte er eine Stuhl zurecht.

"Hier komm. Es fängt bald an." Gehorsam folgte ich seiner Aufforderung und ließ mich gegen das angenehm weiche Polster sinken. Wenn man es genau nimmt ähneln dieser Stühle schon mehr Sesseln, aber was hält ein echter Erzdämon ist.

"Nimm, du wirst es brauchen." Die Geste mit der er mir das Opernglas reichte ließ darauf schließen, das er mir immer noch mißtraute.

"Du bist ganz schön nachtragend." Aufgebracht funkelte er mich an.

"Das könnte vielleicht daran liegen, das ich meinen Kopf verliere sobald dir etwas passiert." Ich gab jede weitere Diskussion mit ihm auf. Sicher, er hatte recht. Ich war verdammt leichtsinnig, als ich mich einfach so vor Luzifers Ebenbild stellte und alle meine Hüllen fallen ließ, aber warum machte er deshalb so einen Aufstand? Den Job als Babysitter hatte er doch mehr unfreiwillig übernommen und konnte ihn gar nicht schnell genug loswerden. Mal abgesehen davon, das ich immer noch nicht glauben kann, das er mich in all den Jahren wirklich beschützt haben soll. Irgend etwas an dieser Sache stört mich gewaltig, aber ich kann nicht sagen was genau.

Prüfend sah ich mir sein Profil an, er wirkt ernster als sonst, aber das ist kein Wunder. Der Tod seiner Schwester hat ihn schwer getroffen. Insgeheim bewundere ich ihn das er sich nach außen hin so wenig von seiner Trauer anmerken läßt. Sein Gesicht ist nach wie vor eine undurchdringliche Maske. Keine Chance zu sehen was wirklich in ihm vorgeht. Ich frage mich ob er damals, als er nach Assia kam um mich zu beschützen vielleicht das erste Mal in seinem Leben wirklich glücklich gewesen ist...

"Da, es fängt an." Das warme Lächeln das in dem Moment als sich unsere Blicke trafen über sein Gesicht huschte verwirrte mich. Zögernd hob ich das Opernglas vor meine Augen und folgte mit dem Blick seiner ausgestreckten Hand. Die Flügeltüren des Saals hatten sich beinahe lautlos geöffnet und die Braut trat ein. Kurai sah einfach umwerfend aus. Sie trug ein seidenes Kleid, das hier und da kunstvoll mit Schleifen verziert war. Ihre Haare waren ordentlich gekämmt und zu einer kunstvollen Frisur hochgesteckt auf der eine Perlenkrone thronte, die einen halbdurchsichtigen Schleier festhielt. Wie eine kleine Prinzessin. Ist das wirklich noch dasselbe kleine Oger-Mädchen, das ich kennengelernt habe? Ihr Blick wirkt so abwesend. Fast so als würde sie gar nicht merken was um sie herum vorgeht. Als ich ihren Brautführer erkannte wurde mir klar warum. Mad Hatter führte sie wie eine willenlose Marionette zum Thron und ich war mir sicher, das diese Hochzeit nicht ganz so auf dem freien Willen der Braut berührte wie es eigentlich hätte sein sollen. Ich stieß einen leisen Fluch aus. Verdammt! Ich hätte sie unbedingt daran hindern müssen. Ohne das er den Blick von der Szenerie abgewendet hätte legte Astaroth seine Hand beruhigend auf meine Schulter.

"Glaub mir, du hättest es niemals geschafft das zu verhindern." Ich wußte, das er recht hatte aber trotzdem. Ich hätte es wenigstens versuchen müssen. Jetzt war es zu spät. Der Klang der 13 Glocken hallte durch den Saal und der schwarzer Chor erhob sich. Die Hochzeit ist nicht mehr zu verhindern. Verdammt! Ich biß die Zähne zusammen und zwang mich dazu mir die Hochzeit auch weiterhin anzusehen.

Die Geschenke der Erzdämomen wurden Luzifer präsentiert. Den Anfang machte riesiges Etwas aus purem Gold dessen Verwendungszweck mir dringend mal irgend jemand erklären mußte. Das Ding ist einfach nur groß und klobig. Danach folgte eine riesiges Paket mit einer bombastischen roten Schleife, das gerade mal so eben durch den Mittelgang paßte. Interessiert musterte ich die anderen Logen um herauszufinden von wem dieses protzige Etwas stammte. Ah, nach dem selbstzufriedenen Gesichtsausdruck ist es von Asmodeus. Er bemerkte meinen Blick und zwinkerte mir über sein Opernglas hinweg zu. Augenblicklich wandte ich mich wieder ab. Alles, nur nicht noch einmal diesem Möchtegern Casanova begegnen. Mit einer höchst dramatischen Rede von einem Harlekin wurde das Paket mit viel Tamtam enthüllt und zum Vorschein kam ein riesiger Vogelkäfig. Der Harlekin fuhr in seiner Rede vor als man langsam das Innere des Käfigs erkannte.

"Der ausgestopfte Körper des organischen Engels Alexiel!" Ich sprang auf und krallte meine Hände in die Brüstung. Das kann doch nur ein Scherz sein!

"Meinem Herrn gelang erst gestern sie durch eine List für euch zu fangen als sie zu ihm kam, um eure Braut zu entführen!" Jedes dieser Worte wirkte wie ein Steinschlag auf mich. Ich spürte wie meine Knie allmählich unter mir nachgaben. Das kann nicht sein, das kann einfach nicht wahr sein!

"Eine billige Fälschung, das ist es. Nicht mehr." Astaroths spöttische Stimme drang nur langsam zu mir durch. Erst als Kurais verzweifelter Aufschrei durch den Saal hallte und die Glaskuppel zerbrach wurde mir klar, was er mir da eigentlich sagte. Es ist nicht echt. Dieser Körper war eine Fälschung! Ich wußte nicht ob ich lachen oder weinen sollte, aber ich war unendlich erleichtert. Inzwischen war im Saal allerdings die Hölle los. Keine Ahnung wie und warum, aber irgendwie war es Prinz Abaddon, einem der verbannten Söhne Luzifers dessen Anblick alleine ausreicht um jemanden zu töten, sich zu befreien und er wütete durch den Saal. Es war das reinste Chaos.

"So ein Affentheater. Ich gehe." Verblüfft sah ich Astaroth an. Er geht ohne einzugreifen? Ist das nicht Verrat gegen Luzifer?

"Ach ja, dich hätte ich fast vergessen." Unter seinem eisigen Blick wurde mir verdammt mulmig. Jetzt war er wieder der Astaroth, den ich kennen und fürchten gelernt hatte. Mit einer leichten Handbewegung setzte er mich in einem Bannkreis fest.

"Was hast du vor?"

"Mir ein Problem vom Hals schaffen. Was denn sonst?" Er lächelte mich kalt an und wenn ich gekonnt hätte wäre ich augenblicklich eine Schritt zurück gewichen, doch der Bann verhinderte jede noch so kleine Bewegung.

"Bye, bye." Ich hatte keine Chance. Über mir brachen die Kräfte der Hölle herein und ich fand mich in einem Strudel wieder aus dem ich aus eigener Kraft nicht mehr herauskam. Es kam mir wie eine halbe Ewigkeit vor, obwohl es mit Sicherheit nur Minuten waren bevor ich äußerst unsanft auf meinem Hosenboden landete. Vollkommen perplex starrte ich das Gebäude an vor dem ich saß. Unglaublich! In dem Hochhaus befindet sich mein Apartment! Heißt das er hat mich nach Assia zurück geschickt? Warum? Warum, sollte er das tun? Was soll ich hier? Stöhnend stand ich auf und rieb mir das schmerzende Hinterteil. Es hat keinen Sinn sich über Astaroths Beweggründe Gedanken zu machen. Der Typ ist so undurchschaubar wie Milchglas. Also, was nun? Da ich immer noch in dem tiefausgeschnittenen Federkleid steckte wäre das Sinnvollste sich erst einmal umzuziehen. Immerhin stehe ich ja quasi vor meiner Haustür.

Zögernd betrat ich die Lobby. Es stimmte was die Engel erzählt hatten, hier steht die Zeit still. Keiner der Anwesenden bewegte sich und wenn man sie berührte hatte man das Gefühl eine Schaufensterpuppe anzufassen. So sehr es mich auch schmerzte die Menschen, die in meinem Leben eine Rolle spielten in diesem Zustand zu sehen, es war besser so für sie. Kein Mensch sollte miterleben müssen zu was ein Krieg zwischen Engel und Dämonen hervor rufen kann. Adam Kadmon hat sehr weise gehandelt als er die Zeit auf Assia anhielt. Die Menschen waren somit vor allen Übergriffen geschützt. Es bleibt nur zu hoffen, das diese Mühe nicht vergeblich war. Zögernd striff mein Blick noch ein letztes Mal über die Lobby, bevor sich die Aufzugstüren schlossen. Irgendwie ist es schon komisch das einzige lebende Wesen zu sein, das sich in dieser Stadt bewegt.

Mit einem leisen Ping öffneten sich die Fahrstuhltüren wieder und ich betrat mein Apartment. Es hatte sich nichts verändert. Alles lag noch genau da wo ich es zurückgelassen hatte als dieser Wahnsinn begann. Wenn ich es nicht besser wüßte könnte man meinen, das sich in meinem Leben rein gar nichts verändert hat. Doch das war ein Irrtum. In dieses Leben würde ich niemals wieder zurückkehren können. Es war für immer vorbei. Shao Deshon ist in dem Moment gestorben in dem mein wahres Ich erwacht ist. Langsam schälte ich mich aus dem Kleid und legte es behutsam aufs Bett. Das wird die einzige Veränderung sein, die sichtbar bleibt.

Im Bad löste ich die Hochsteckfrisur und entledigte mich nach und nach aller Schmuckstücke. Lediglich den Silberreif behielt ich am Handgelenk. Zärtlich sah ich ihn an. Das Heilmittel für Catan. Ich kann immer noch nicht glauben, das es so einfach war. Fragend sah ich mein Spiegelbild an und zuckte erschrocken zurück als sich ein anderes Bild darüber schob. Es war das Gesicht einer wunderschönen Frau mit blonden Haaren und aquamarinblauen Augen.

"Anael?" Lächelnd legte sie einen Finger auf den Mund und das Bild verschwand ebenso schnell wie es gekommen war. Ich verstand. Astaroths Bann war verschwunden, aber sie würde sich dennoch nicht mehr zeigen. Es war ihre Art mit der Gefahr umzugehen, das wir vielleicht entdeckt werden konnten. Auf diese Weise würde ich mir keine Sorgen mehr darum machen müssen, das ihr etwas passierte.

"Danke." In meiner Brust erwärmte sich kurz etwas und bevor es wieder verschwand legte ich sanft meine Hand darüber.

"Mach dir keine Sorgen Anael, ich werde dich zu ihm bringen." Doch es kam keine Reaktion mehr von ihr. Sie hatte sich so sehr zurück gezogen, das selbst ich sie nur noch am Rande wahrnahm. Damit hing es einzig und allein von mir ab wann und wie wir die Himmel betreten würden. Etwas das mir ehrlich gesagt reiflich Kopfschmerzen bereitete, denn daraus erfolgten zwangsläufig einige Begegnungen, die ich lieber nicht haben würde. Nachdenklich drehte ich die Dusche auf und ließ mich von den warmen Strahlen verwöhnen. Das Schlimmste wird die Konfrontation mit Rosiel. Dieser Engel wird nicht eher Ruhe geben bis er all meine Geheimnisse kennt, aber das ist nicht das eigentliche Problem. Viel schlimmer ist, das ich nicht weiß wie ich ihm gegenüber treten soll. Ein Blick aus diesen klaren, goldenen Augen würde ausreichen um mich für eine ganze Weile von meinem eigentlichen Vorhaben abzubringen. Warum mußte ich mich auch in diesen Idioten verlieben?! Hätte es nicht gereicht ihn einfach nicht zu mögen oder nur seine Anwesenheit zu tolerieren? Warum muß es unbedingt direkt dieses Gefühl sein? Ach, verdammt! Aufgebracht drehte ich das Wasser ab und hüllte mich in ein Handtuch ein.

Das Bad war voller Dunstschwaden und ich ertappte mich dabei wie ich versuchte hinter einem von ihnen Rosiels Kontur auszumachen. Ach hör schon auf mit dem Schwachsinn! Er ist nicht hier. Du hast selber dafür gesorgt das er dich für tot hält. Dennoch ich wurde das Gefühl nicht los, das man mich beobachtete. Ach was, Unsinn! Du leidest an Wahnvorstellungen! Demonstrativ rubbelte ich mir die Haare trocken um diese absolut dämlichen Gedanken aus meinem Kopf zu vertreiben. Es klappte mäßig, aber wenigstens lenkte mich die allgemeine Haarpflege etwas ab. Es dauerte etwas bis der Fön auch die letzte Strähne getrocknet hatte und endlich alles wieder halbwegs ordentlich in Form war. Da ich mich ablenken wollte hatte ich mich entschieden etwa die Hälfte meiner Haare zu einem Zopf zu flechten und den Rest offen über meine Schultern fallen zu lassen. Bis es endlich soweit war, das man es annehmbar nennen konnte verging fast eine halbe Stunde. Kein Wunder ich hatte allein fünf Anläufe gebraucht bis der Anfang des Zopfes stimmte. (Von dem Rest erwähnen wir jetzt mal lieber nichts.) Sorgsam legte ich die Bürste zurück an ihren angestammten Platz und auch der Rest des Bades wurde wieder gründlich aufgeräumt. Es ist schon ein komisches Gefühl zu wissen, das man nie wieder hierher zurück kehren wird, aber es ist besser so. Sie wären alle in Gefahr wenn ich nach diesen Ereignissen wieder in mein altes Leben zurück kehren würde. Shao Deshon mußte verschwinden um alle anderen zu schützen.

Lediglich mit Unterwäsche bekleidet ging ich ins Schlafzimmer und öffnete den begehbaren Kleiderschrank. Ich wußte genau wonach ich suchte. Das erste was ich fand war der schwarzer Lederoverall. Er landete schwungvoll auf dem Bett. Danach schob ich alle von Marias bisherigen Kleidern zu Seite und öffnete eine der dahinter liegenden Schubladen. Mit einem kleinen Trick brachte ich die verborgenen Scharniere zum Klicken. Mit einem leisen Surren öffnete sich über der Schublade ein kleines Fach in dem ein kleiner, brauner Umschlag lag. Vorsichtig zog ich ihn heraus und schloß das Fach wieder. Es war ewig her, das ich ihn in der Hand gehabt hatte und sein Anblick verursachte mir leichtes Unbehagen. Nachdenklich ließ ich mich auf das Bett sinken und zog die engbeschriebenen Seiten heraus. Diesen Brief hatte ich vor Jahren geschrieben, lange bevor White demon feather erfolgreich wurde.

Er war in den Anfängen der Band entstanden, eigentlich noch in derselben Woche wo Granny mich das erste Mal mit in dieses Live House geschleppt hatte wo diese Amateurband Illusion spielte deren Bandname genau das widerspiegelte was die Mitglieder hatten. Sie alle waren der Illusion erlegen, das ihre Band die Beste sei und das es reichen würde wenn sie lediglich in einem Live House spielen würden. Sie hatten den Traum eines Tages so mir nichts dir nichts von einem Agenten entdeckt zuwerden. Tagträumer alle drei, aber gerade deswegen hatte ich sie ins Herz geschlossen und Grannys Drängen nachgeben. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber wir freundeten uns nach und nach an, bis schließlich der große Durchbruch für White Demon Feather erfolgte. Ich werde niemals diesen Tag vergessen als der Anruf vom Studio kam und man uns mitteilte das unsere Debütsingel alle bisher dagewesenen Rekorde brach.

Nachdenklich ließ ich die Blätter in meinen Schoß sinken. Dieser Brief zog einen Schlußstrich unter alles was ich bisher erreicht hatte. Es fehlt nur eine einzige Sache.

Mit einer Hand griff ich nach dem Kuli, der zusammen mit einem Block immer auf meinem Nachttisch lag (man weiß ja nie wann einem mal wieder eine Idee zu einem neuen Song kommt) und fügte noch einen letzten Satz hinzu.

Es tut mir leid.

Shao

Sorgsam verschloß ich den Umschlag und legte ihn auf den Nachttisch während ich mich umzog. Der Overall war wie eine zweite Haut für mich und ohnehin das Praktischste wenn man vor hatte Tokyo mit einem Motorrad zu erkunden. Seufzend nahm ich den Umschlag in die Hand und verstaute die Schlüssel der Harley in der Seitentasche des Overalls. Im Wohnzimmer öffnete ich den Sekretär und zog einen weiteren kleinen Umschlag, dieses Mal rot, aus einem der verborgenen Fächer. Dieser hier war gefüttert und enthielt sozusagen mein Abschiedsgeschenk für die Band. Es war ein Demotape mit einem Song, den ich aufgenommen hatte ohne das die Anderen etwas davon ahnten. Ich hoffe nur sie werden es verstehen. Bevor ich Tür des Apartments hinter mir schloß warf ich noch einen letzten Blick zurück.

"Sayonara, Shao Deshon." Mit einem leisen Klicken fiel die Tür ins Schloß und ich machte mich auf den Weg zu Granny. Wie nicht anders zu erwarten saß sie selbst jetzt auf dem Balkon eingehüllt in ihren Lieblingskimono. Es tat weh, das ich mich von ihr nicht würde verabschieden können, aber es war wahrscheinlich besser so. Sie hatte mich viel zu sehr in ihr Herz geschlossen als das dieser Abschied ohne Spuren an ihr vorbeigehen würde. Vorsichtig legte ich die beiden Umschläge in ihren Schoß und haucht ihr einen Kuß auf die Stirn.

"Leb wohl, alte Freundin." Ein sanfter Windhauch umspielte die schlafende Gestalt und zauberte die Illusion eines Lächelns auf ihre Lippen. Doch das war nur eine Täuschung. Sie würde ebenso wenig reagieren wie all die anderen Bewohner Assias. So leise wie ich ihre Wohnung betreten hatte verließ ich sie wieder und suchte in der Garage nach meiner zweiten Harley. Die Andere steht wahrscheinlich immer noch vor dem Café wo Sara und Setsuna das letzte Mal lebend zusammengesessen hatten.

Toshi hatte die Harley aus reiner Vorsicht nach dem Erdbeben in eine andere Ecke gestellt und es dauerte etwas bis ich sie dort entdeckte. Gelassen zog ich den Helm unter dem Sitz hervor und ließ den Motor an. Kaum hatte ich die Tiefgarage verlassen spürte ich wieder das merkwürdige Gefühl beobachtet zu werden und nachdem ich drei Straßenzüge hinter mir gelassen hatte wußte ich auch warum. Ein halbes Dutzend Engel mit voll ausgebreiteten Schwingen auf deren Uniformen deutlich das Abzeichen der Hunter aufblitzte versperrte mir den Weg. Mit einem Ruck riß ich die Maschine herum und brachte sie zum Stehen. Zwischen mir und den Huntern befanden sich gerade noch zwei Meter Distanz. Entnervt setzte ich den Helm ab und stützte mich auf den Lenker.

"Was wollt ihr von mir?" Ihre Gesichter zeigten ein satanisches Grinsen als sie antworteten.

"Was schon?" OK, warum habe ich überhaupt gefragt? Entnervt stieg ich von der Harley und verstaute den Helm wieder unter dem Sitz. Allerdings war ich ziemlich überrascht hinter einer Häuserecke ein mir wohlbekanntes Knurren zu vernehmen. Hatte ich ihm nicht gesagt er soll auf Kira uns Setsuna aufpassen?

"Euch ist schon klar, das ihr keine Chance habt oder?" Sie ließen sich keineswegs davon beeindrucken, das mich ihre Gegenwart so wenig kümmerte.

"Das bleibt abzuwarten." Moment! Diese aufgeblasene Stimme kenne ich doch. Tja, und wie nicht anders zu erwarten schwebte in diesem Moment Silberköpfchen vor seine Untergebenen und mit ihm noch mal gut zwanzig von der Sorte. Dieses Mal meinen sie es also wirklich ernst. Na schön. Bringen wir es also zu ende.

"Ihr habt keine Chance." Wissend grinste er mich an und lud mich an seiner Handbewegung zu folgen. Wo auch immer sie sich bisher versteckt hatten urplötzlich tauchte aus jeder noch so kleinen Versenkung ein Engel auf.

"Wie du siehst neige ich nicht dazu dich zu unterschätzen." Lässig lehnte ich mich gegen die Harley. Egal wie viele es auch sind, sie habe keine Chance. Nicht jetzt wo meine Kräfte voll erwacht sind.

"Nett. Sind das alles Hunter?" Meine Ruhe irritierte ihn nicht im Geringsten.

"Ja, fühl dich geehrt. Nur für dich haben sich alle Hunter, die jemals existiert haben hier versammelt." Das ist wirklich beeindruckend. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, das sich hier noch wesentlich mehr Engel verbargen als es auf den ersten Blick den Anschein hatte.

"Du fühlst dich ziemlich sicher, was?" Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich.

"Es ist doch fast dieselbe Situation wie vor kurzem in Yetzirah, oder? Du versteckst dich hinter deinen Leuten weil du einen Kampf mit mir fürchtest."

"Mach mich besser nicht wütend!" Als wenn ich das jemals tun würde.

"Sonst was?" Ich konnte sehen wir er damit kämpfte seine Wut nicht allzu deutlich zu zeigen.

"Fordere es lieber nicht heraus!" Sein mühsamer Kampf um Beherrschung brachte mich zum Lachen.

"Dasselbe gilt für dich." Mit einem Fingerschnippen sorgte ich dafür das sich mein Verbündeter aus seinem Versteck wagte. Allein der Anblick reichte aus um bei einigen Engeln erste Panik auszulösen. Cees wahre Gestalt ist aber auch eindrucksvoll. Eine riesige schwarze Bestie mit rubinroten Augen. Sanft schob sich seine Schnauze an meine Schulter und ich legte behutsam eine Hand darauf.

"Nur ruhig Blut, du bekommst deine Chance." Sämtliche der Engel sahen mich an als würde ihnen zum ersten Mal in ihrem Leben klar werden mit welchen Mächten sie sich hier eigentlich anlegten.

"Das ist ein Trick! Sie will euch reinlegen!" Silberköpfchen ist ja richtig niedlich wenn er sich aufregt.

"Hörst du? Er meint du wärst ein Trick." Als Antwort gab er ein leises Knurren von sich. Lange werde ich ihn nicht mehr zurückhalten können, aber das will ich auch gar nicht.

"Hört mal Jungs.Ich finde es ja wirklich klasse das ihr euren Job so ernst nehmt, aber mal so ganz unter uns, habt ihr eigentlich eine Vorstellung davon mit was ihr euch hier anlegt?" Keiner von ihnen reagierte.

"Sicher, ihr wißt das ich etwas bin was ihr Hunter schon seit Jahrhunderten jagt, aber hat euch irgend jemand auch nur ein einziges Mal erklärt warum?" Wieder kam keinerlei Reaktion nur Silberköpfchen sah ganz danach aus als wüßte er wovon ich sprach.

"Um es kurz zu machen ich habe ohne Probleme ein ganzes Heer Engel vernichtet und so als nette Zugabe ein Tal, das komplett besiedelt war dem Erdboden gleichgemacht." Das ich weder stolz auf diese Leistung war noch was dazu geführt hatte ging sie herzlich wenig an. Wie erwartet wurden sie unsicher. Nur wenige von ihnen schienen unbeeindruckt. Zeit die Sache zu beenden.

"Aber ich will fair sein. Da man euch nichts davon erzählt hat gebe ich euch eine allerletzte Chance euer Leben zu retten. Zieht euch zurück wenn euch euer Leben lieb ist. Cerberus wird sich nicht mehr allzu lange zurückhalten lassen." Nutzt diese Chance. Ich bitte euch, nutzt sie!

"Nein, wir werden uns nicht zurück ziehen! Du bist unsere Beute." Im Gegensatz zu allen Anderen wirkte Silberköpfchen so als wüßte er das dies die letzte Chance war die er jemals bekommen würde um mich zu erwischen. Allerdings schien der Rest von ihnen sich ernsthafte Gedanken um das Gesagte zu machen. Leider kamen sie zu dem Schluß, das sie nicht auf mich zu hören brauchten. Es ist eine Schande das sie ihr Leben so leichtfertig wegwerfen, aber sie haben ihre Chance gehabt. Heute endet die Jagd.

"Ihr laßt mir also keine andere Wahl." Statt einer Antwort bezogen sie Angriffsposition. Ich flüsterte Cee kurz ins Ohr, das Silberköpfchen mir gehörte und wendete mich dann erneut an meine Gegner.

"Ich hatte euch gewarnt. Cerberus sie gehören dir. Dieses Mal halte ich dich nicht zurück" Mit einem lauten Knurren machte er einen Schritt vorwärts, während sich in diversen Gesichtern das nackte Entsetzen spiegelte.

"Jag sie! Jag sie solange wie es dir Spaß macht und dann töte sie!" Er ließ sich nicht zweimal bitten. Wie ein schwarzer Blitz sprang er zwischen seine Beute und zerstreute sie in alle Winde. Ich konnte mir sicher sein, das nicht einer dieser Engel diese Begegnung überleben würde. Warum? Warum haben sie nicht auf mich gehört? Vollkommen gelähmt vor Entsetzen starrte Silberköpfchen mich an.

"Was denn? Hast du etwa wirklich vergessen zu was ich fähig bin?" Sein Gesicht verwandelte sich zu einer haßerfüllten Maske als er mich angriff. Also los, beenden wir es ein für alle Mal! Noch ehe er mich erreichte entfaltete ich meine Schwingen und stob in die Wolken davon. Ich wollte ihn soweit wie möglich von Cee weglocken und zur Rede stellen. Er ist wahrscheinlich der Einzige, der mir mehr darüber erzählen konnte was damals passiert war und warum sich die Hunter eingemischt hatten. Außerdem interessierte es mich wie er es geschafft hatte so lange zu überleben. Sein Haß auf mich muß überwältigend sein und ich bin gespannt zu erfahren was der Grund dafür ist.

"Verdammt! Hör endlich auf vor mir wegzulaufen!" Ich wendete kurz den Blick um die Entfernung zwischen uns abschätzen zu können. Noch war er keine Gefahr.

"Warum sollte ich? Es ist doch klar, wer diesen Kampf gewinnt."

"Du wirst niemals eine Chance haben!" Oh, er klingt ja wirklich überzeugt von dem was er sagt. Schade nur, das er sich irrt. Er kann mich nicht besiegen.

"Du wirst für das was du uns angetan hast büßen!" Ich bremste meinen Flug ab und musterte ihn eisig.

"Was ich euch angetan habe?! Warum fragst du dich nicht was mir angetan wurde?! Meinst du ich wäre freiwillig zu dem geworden was ich bin? Ich wollte doch nur in Frieden leben."

"Du hättest niemals geboren werden dürfen!" Er forderte mich mit seinem Schwert heraus und ich nahm an. Das silberne Klirren des Metalls halte durch den Himmel. Ich spürte in jedem Schlag wie sich meine angestaute Wut nach und nach ihren Weg bahnte.

"Wer gibt dir das Recht darüber zu entscheiden?! In meinem ganzen Leben habe ich nichts anderes getan als mich um die zu kümmern die ich liebe! Ich habe niemals auch nur eine Fliege ein Haar gekrümmt und dann kommt ihr plötzlich nach Assia und zerstört alles was mir je lieb und teuer gewesen ist!" Er war voll und ganz damit beschäftigt meine Attacke abzuwehren und schaffte es nicht mehr zu antworten. Allerdings zeigten seine Augen deutlich, das er mir nicht ein einziges Wort glaubte. Verdammt noch mal! Was ist so falsch daran einfach in Ruhe und Frieden leben zu wollen?! Was ist so falsch daran, wenn man glücklich ist?

"Wirklich ihr Hunter seid das Letzte! Weißt du eigentlich wieviele meiner Freunde nur wegen euch gestorben sind?! Wer gibt euch das Recht über Leben und Tod zu entscheiden?" Wieder klirrten unsere Schwerter gegeneinander und dieses Mal mußte ich ihm nach oben ausweichen. Leider war ich dabei nicht halb so vorsichtig wie ich es hätte sein müssen und so erwischte er mich schließlich mit einer Energiesalve im Rücken. Ich konnte den Sturz nicht mehr verhindern und war heilfroh das er darüber ebenso überrascht war wie ich. Mit einem dumpfen Knall landete ich auf dem Boden und schaffte es gerade noch rechtzeitig mein Schwert hochzureißen um einen erneuten Angriff abzuwehren. Es hätte nicht viel gefehlt und er hätte mir die Kehle zerteilt. Puh, wenigstens ist jetzt wieder Abstand zwischen uns. Silberköpfchen ist besser als ich dachte. Mühsam rappelte ich wieder auf und parierte seinen Angriff.

"Gib doch endlich auf. Du hast keine Chance." Er reagierte nicht sondern griff weiter an. Langsam wird die Sache brenzlig. Ich floh nach oben um ihm nicht noch mehr Raum für seine Angriffe zu liefern.

"Shao-san?" Was?! Habe ich mich gerade verhört. Während ich Silberköpfchens Angriff abwehrte gelang es mir einen Blick hinter mich zu werfen. Das kann doch einfach nicht wahr sein! Dort unten standen sowohl Sara als auch Raphael und ein weiterer Engel. Moment mal! Dieses flammenrote Haar kenne ich doch. Oh man, das ist Michael! Was wollen die denn hier?

"Sara-chan?! Was zum Geier machst du hier?" Die Antwort bekam ich nicht mit, da mich mein Gegner voll und ganz in Anspruch nahm.

"Freunde von dir?" Mit einem Konter brachte ich zwischen uns etwas Abstand.

"Wüßte nicht was dich das angeht!"

"Wenn das so ist." Er grinste mich selbstzufrieden an bevor er eine Energiesalve in Saras Richtung schleuderte. Ich schaffte es gerade so eben sie abzublocken. Leider konnte ich dadurch seinen nächsten Angriff nicht abwehren und sein Schwert bohrte sich tief durch meine rechte Schulter. Mit einem Aufschrei ließ ich mein Schwert fallen.

"Ich sagte dir doch, das du verlieren wirst." Mit einer verächtlichen Bewegung zog er das Schwert aus meiner Schulter und schleuderte mich zu Boden. Die Knochen in meinem rechten Arm konnten den Sturz nicht abfangen und zumindest einer davon brach. Mühsam versuchte ich mich aufzurichten, aber mit nur einem Arm erwies sich das mehr als schwierig. Ich hatte wesentlich mehr abbekommen als vermutet und den gesamten rechten Arm konnte ich vergessen. Es würde Stunden dauern bis er wieder so weit geheilt war, das ich ihn zumindest wieder bewegen konnte. Triumphierend landete mein Gegner vor mir und setzte einen Fuß auf mein Schwert.

"Schade, ich dachte du würdest länger durchhalten." Mit einem gehässigen Grinsen schleuderte er sein Schwert in meine Richtung, dem ich gerade so ausweichen konnte und hob dann meine Waffe vom Boden auf.

"Sieh es positiv, wenigstens wirst du durch dein eigenes Schwert sterben." Oh ja, bitte versuch es. Du wirst dein blaues Wunder erleben. Mit einem leichten Fußtritt beförderte er mich auf den Rücken.

"Einfach lächerlich wie leicht es schließlich war mit dir fertig zu werden. Man muß nur deine Freunde bedrohen und schon wirst du nachlässig."

"Idiot!" Sein Gesicht bot einen so herrlich komischen Anblick das ich unwillkürlich Lachen mußte. Das heißt bis mir plötzlich einfiel wo ich diesen Gesichtsausdruck schon mal gesehen hatte.

"Stirb endlich!" Er hob das Schwert an und wollte es mit viel Schwung in meine Brust rammen.

"Raguel! Nein! Laß es fallen!" Aber es war bereits zu spät. Die Klinge hatte meine Brust fast erreicht und in diesem Moment erfuhr mein Gegner was es bedeutet mich mit meiner eigenen Waffe anzugreifen. Die Waffe wendete sich komplett gegen ihn. Seine Astralkräfte wurden absorbiert und dann mit der doppelten Dosierung auf ihn zurückgeschleudert. Sein Aufschrei war ebenso überrascht wie schmerzvoll. Ohne Rücksicht auf meine Verletzungen zu nehmen richtete ich mich auf und versuchte ihm die Waffe zu entwinden. Er schleuderte mich weg noch ehe ich ihn überhaupt berührt hatte.

"Verdammt Raguel laß das Schwert los!" Mit einem qualvollen Wimmern sank er schließlich in sich zusammen und ließ endlich die Waffe los. Aber es war bereits zu spät. Er würde nicht überleben, dafür war er nicht mehr stark genug.

"Du bist ein solcher Idiot! Weißt du das?" Ich kroch zu ihm und zog seinen Kopf auf meinen Schoß.

"Suru?" Die Schwäche seiner Stimme trieb mir die Tränen in die Augen. Warum ist er nur ein Hunter geworden? Warum?

"Wer denn sonst du Dümmerchen?"

"Wieso hast du ihn getötet?" Er sah mich gequält an.

"Suru, warum mußtest du ausgerechnet ihn töten?"

"Wen? Raguel, wen soll ich getötet haben?" Es muß ihm wirklich viel bedeuten wenn er dafür zu den Huntern übergelaufen ist.

"Ezechiel." Entsetzt sah ich ihn an.

"Glaubst du das wirklich? Glaubst du wirklich ich hätte einen meiner Freunde getötet?"

"Aber ich habe es doch selber gesehen. Du hast ihr Lager zerstört und dann.... und dann..." Sein Körper zuckte unter einem Hustenanfall zusammen. Ich erinnerte mich. Er ist dieser junge Engel gewesen, den ich damals habe entkommen lassen um ihn später zu töten. Der Schock den er in diesem Augenblick erlitten hatte muß unvorstellbar gewesen sein.

"Sie haben mir seine Leiche gezeigt und sagten du wärst es gewesen." Behutsam strich ich ihm die Tränen aus den Augen. Deshalb ist sein Haar also weiß. Das Grauen das er an diesem Tag miterlebt hatte war mehr gewesen als er verkraften konnte.

"Du bist so ein kleiner dummer Engel. Weißt du das?" Mit stockender Stimme erzählte ich ihm was damals wirklich passiert war und ich konnte sehen wie dieses Wissen ihn nach und nach mit Entsetzten erfüllte.

"Oh mein Gott, was habe ich getan? Suru was habe ich nur getan?"

"Schon gut. Du mußt dir deswegen keine Vorwürfe machen." Er klammerte sich an meinen Arm.

"Nein, ich hätte ihnen nicht glauben dürfen. Ich hätte ihnen niemals glauben dürfen. Ich hätte wissen müssen das du uns niemals verraten würdest. Sie hätten niemals erfahren dürfen wo er sich versteckt. Ich hätte es ihnen nicht sagen dürfen...." Er stand kurz davor das Bewußtsein zu verlieren, aber ich ahnte furchtbares.

"Raguel, was? Was hättest du ihnen nicht sagen dürfen." Mühsam öffnete er seine Augen.

"Sein Versteck. Ich hätte Remiriel nicht verraten dürfen." Fassungslos starrte ich ihn an. Er hat es getan? Wegen ihm hatten sie es geschafft Remiriel zu fangen? Meine gesamte Kraft wich aus mir, als mir klar wurde was das bedeutete.

"Suru? Suru!" Aber es ist egal! So sehr es auch schmerzt. Es ist egal! Nichts kann mehr irgend etwas daran ändern, das alle diejenigen gestorben sind, die du liebst. Er kann nichts dafür! Er ist ebenso ein Opfer wie du!

"Bitte verzeih mir, ich war so dumm... so unendlich dumm..." Alles in mir krampfte sich zusammen wenn ich daran dachte was die Hunter mir angetan hatten, aber ich verstand ihn. Ich verstand ihn wahrscheinlich besser als er auch nur ahnte. Es tut mir so leid! Raguel-chan das tut mir alles so unendlich leid. Ich hätte dir all das so gerne erspart. Wäre ich nicht gewesen... dann hättet ihr vielleicht glücklich werden können.

"Keine Angst Raguel, ich bin bei dir." Sein Kopf drückte sich enger an meinen Bauch. Seine Tränen perlten an dem dunklen Leder ab und hinterließen kleine Sterne, die im Sonnenlicht funkelten.

"Es tut mir alles so leid." Er krümmte sich zusammen wie ein kleines Kind und begann hemmungslos zu schluchzen. Zärtlich strich ich über sein Haar und versuchte ihn zu beruhigen. Es schmerzte mich zu sehen, das seine langen Haare auf die er immer so stolz gewesen ist nicht mehr da waren. Warum habe ich ihn nicht direkt erkannt als wir uns das erste Mal gegenüber standen? Warum erst jetzt?

"Ist schon gut mein Kleiner. Ist schon gut." Sein Körper entspannte sich etwas und er begann langsam sich aufzulösen. Zögernd griff er nach meiner Hand.

"Suru ich habe Angst."

"Das mußt du nicht. Alles wird gut werden." Sanft führte ich seine Hand zu meinen Lippen und hauchte einen Kuß darauf. Ein Lächeln legte sich über sein Gesicht als er für immer die Augen schloß und sein Körper sich in einer Säule aus Lichtpunkten verlor.

"Alles wird gut werden Raguel-chan, ganz sicher." Ich sah seiner Seele hinterher wie sie das Tor zum Hades erreichte und dahinter verschwand. Seine Seele würde ihren Weg zu den anderen finden und vielleicht war es ihm dann endlich vergönnt glücklich zu sein. Warum nur? Warum tut es dann so weh? Ein warmer, dunkler Mantel legte sich um meine Schultern. Ein letzter Rest Wärme von seinem vorherigen Träger sorgte für ein unbeschreibliches Gefühl der Geborgenheit.

*Shao-san?* Die sanfte dunkle Stimme würde ich unter Tausenden erkennen. Sie klang direkt in meinem Kopf wieder und auch wenn ich nicht wußte was der Hellsgate Guardian hier zu suchen hatte, so war doch dankbar für seine Anwesenheit. Schluchzend drehte ich mich um und ließ meinen Tränen an seiner Brust freien Lauf. Sanft fuhr er durch meine Haare und hielt mich solange fest bis ich mich wieder beruhigt hatte. Ich war ihm unendlich dankbar dafür.

Erst als ich mir sicher war, das meine Fassung wieder hatte löste ich mich von ihm und versank für einen kurzen Moment in dem tiefen Grün seiner Augen.

"Danke." Er lächelte leicht als er mir aufhalf. Mit einen unmutigen Knurren stellte ich fest, das ich meinen rechten Arm immer noch nicht gebrauchen konnte.

*Bist du dir sicher, das es dir wieder gut geht?* Sein besorgter Blick war mehr als ich im Moment ertragen konnte. Zu sehr erinnerte er mich an Remiriel.

"Nein. Uriel, es wird mir nie gut gehen, aber für den Augenblick ist alles in Ordnung." Diese Antwort schien im zu genügen.

"Kümmerst du dich um seine Seele? Er wird einen Freund brauchen." Verständnisvoll sah er mich an, bevor er einen Arm um meine Schulter legte.

*Du machst dir immer noch mehr Sorgen um deine Freunde als um dich selbst. Du solltest wirklich auf dich aufpassen.* Bei ihm hieß das soviel wie ja.

*Komm, ich denke du brauchst eine Pause.* Resigniert schüttelte ich den Kopf.

"Tut mir leid, aber ich muß weiter." Vorsichtig löste ich mich aus seiner Umarmung und hob mein Schwert auf. Wie viel Leid hat diese Klinge schon verursacht und wie oft hat sie mich schon beschützt? Auf diese Frage werde ich wohl niemals eine Antwort erhalten.

"Was ist hier eigentlich los?!" Noch ehe mich der aufgebrachte Michael erreichen konnte stellte sich Uriel schützend vor mich.

*Bitte Michael.* Es sah nicht so aus als wäre dieser bereit auf ihn zu hören.

"MIKA-CHAN!" Das reichte. Augenblicklich erstarrte der allseits gefürchtete Engel des Feuers in mitten seiner Bewegung.

"Raphael!" Sein Zorn schien sich nun auf einen ziemlich gelangweilten Raphael zu richten. Mühsam verbiß ich mir das Lachen. Es war einfach zu komisch wie sich Michael in einem Streitgespräch mit ihm versuchte.

"Shao-san bist du in Ordnung?" Irritiert sah ich Sara an.

"Ja sicher." Zögernd streckte sie eine Hand aus um nach mir zu greifen. Erst jetzt merkte ich, das sich mich nicht sehen konnte. Ihr Blick war genauso leer wie der von Zaphikel. Sie war blind. Ich ließ mein Schwert fallen und griff mit meiner linken Hand nach ihr.

"Sara-chan, was zur Hölle haben sie dir angetan?!" Überrascht über meine Reaktion wich sie einen kleinen Schritt zurück.

"Bitte Sara-chan, wer hat dir das angetan?" Ein fester Griff löste meinen Hand von ihrem Arm und im nächsten Augenblick schrie ich auf. Irgend jemand fand es anscheinend tierisch witzig mir meinen rechten Arm noch einmal brechen zu wollen. Mit einer Seitwärtsdrehung befreite ich mich davon und hob mein Schwert wieder auf.

*Das wird glaube ich nicht nötig sein, oder Raphael?* Ein verächtliches Schnauben gepaart mit einem, das hat man nun davon wenn man helfen will war die einzige Antwort die Uriel erhielt. Zögernd senkte ich mein Schwert wieder. Da Uriels Blick immer noch tadelnd auf mir lag ließ ich es schließlich ganz verschwinden.

"Shao-san geht es dir wirklich gut?" Sara-chan wirkte vollkommen verwirrt. Kein Wunder sie konnte ja nicht sehen was um sie herum vorging.

"Mach dir um mich mal keine Sorgen Sara-chan. Erzähl mir lieber was mit dir passiert ist." Doch dazu kam es nicht mehr. Mit einem lauten Räuspern machte Uriel sich bemerkbar und erinnerte Raphael an eine Abmachung. Erst als Raphael bereits neben dem leblosen Körper von Setsuna kniete dämmerte es mir was hier vor sich ging. Uriel sorgte dafür das Raphael ihn ins Leben zurückholte. Aber wieso? Warum ist Raphael bereit dazu? Und wie kommt Setsuna überhaupt hierher? Ich denke der liegt in der Hölle. Ein Blick über die nähere Umgebung zeigte mir den Grund. Das gesamte Gebiet war von einem Bannkreis umschlossen den einzig und allein Uriel wieder aufheben konnte. Hineinzukommen war leicht, aber hinaus würde man nur mit der ausdrücklichen Genehmigung des Engels der Erde kommen. Gar nicht mal schlecht, er hat sie reingelegt. Erstaunlich, er wirkt gar nicht so. Niemand würde bei ihm solche Hinterlist vermuten. Anerkennend sah ich meinen alten Lehrmeister an. Er fing meinen Blick auf und lächelte leicht bevor er mich mit einer Handbewegung einlud mich neben ihn zu stellen. Dankbar nahm ich an. Hatte ich so doch Gelegenheit mich unauffällig an seine Schulter zu lehnen und meine momentane Schwäche zu kaschieren. Leider schlug Raphaels erster Wiederbelebungsversuch fehl, da in der isolierten Dimension seine Kräfte nicht ganz so funktionierten wie sie sollten. Erst als Sara eingriff und unbewußt einen Teil ihrer Kräfte aktivierte gelang es. Uriel erklärte mir noch während ich fasziniert dem Schauspiel folgte, das Sara die Wiedergeburt von Jibril dem Wasserengel war. Leider ignorierte sie diese Tatsache und einzig aus diesem Grund konnte sie nicht sehen. Sobald sie sich ihre wahre Identität akzeptierte würde sich dieses Problem von allein lösen. Das Problem an dieser Stelle war, das Sara nach Setsunas Behandlung ohnmächtig wurde und fast im selben Augenblick irgend etwas in den Bannkreis eindrang. Noch dazu etwas verdammt Mächtiges und Michael stand genau in dessen Weg.

"Kleiner! Paß auf!" Ehe er Zeit hat sich darüber aufzuregen, das ich ihn Kleiner nannte hatte ich ihn schon zu Boden gestoßen und zog einen Bannkreis um uns herum. Das würde uns wenigstens für den Augenblick retten. Lange werde ich ihn allerdings nicht aufrecht erhalten können.

*Was für ein Wesen hat solche Macht?* Die Antwort darauf kannte ich auch nicht, aber ich war überrascht eine weitere Stimme zu vernehmen, die ich kannte.

"Die Dimension hält nicht mehr lange! Rückzug, sofort!" Was macht Katou hier?! Ich denke der ist tot.

"WAAAAS?!" Oh ha, Michael klingt ja richtig begeistert.

"Du hast mich nur benutzt, um deinen Arsch zu retten?! Das Merk ich mir, Uriel!" Bei dem zusätzlichen Ansturm durch seine Kräfte geriet mein Bannkreis ganz schön ins Wanken. Lange wird der nicht mehr halten.

"Er hat recht, Uriel! Das wird kein kleiner Gefallen!" Gut, Raphael kümmert sich um Sara und Katou um Setsuna. Wenn ich den Bann jetzt langsam löse dürfte eigentlich nichts passieren.

*Darauf kannst du Gift nehmen!* Ich weiß nicht ob Uriel wußte was ich vorhatte, aber er half mir unbewußt als ich den Kreis löste in dem er seinen eigenen noch einmal kurz verstärkte. Keuchend machte ich einen Schritt rückwärts. Ich bin stärker angeschlagen als ich dachte. Wird Zeit sich um die Wunden zu kümmern.

"Hey! Wieso pennt er immer noch?! Sein Herz schlägt doch wieder!" Was?! Setsuna ist immer noch nicht wach?! Kein Wunder, das Katou so besorgt klingt.

*Er hätte längst aufwachen sollen. Seine Seele muß sich in seinem Unterbewußtsein verkrochen haben. Wenn er nicht bald aufwacht ist alles aus.* Fassungslos starrte ich Uriel an. Ist das sein Ernst?! Der Kleine hat all das vielleicht umsonst erlitten?! Kann man ihm nicht irgendwie einen Tritt oder etwas ähnliches verpassen? Es war vielleicht kein Tritt, aber Saras flehende Stimme reichte aus um ihn von den Toten zu erwecken. Typisch Setsuna immer braucht er eine extra Einladung. Allerdings ist er keine Minute zu spät wach geworden. Es gelang ihm gerade so den Angriff auf Uriels Bannkreis abzuwehren. Damit hat er uns allen die Haut gerettet. Na ja, von Raphael und Michael einmal abgesehen, die zusammen mit Sara bereits kunstvoll den Rückzug angetreten hatten. Wäre Raphael nicht gewesen hätte sich Sara ohne zu Zögern aus ihrer sicheren Zuflucht in das Chaos um uns herum gestürzt.

"Bleib wo du bist! Die Blase ist instabil! Wer weiß, wo du hingeschleudert wirst!" Hör sich den einer an. Unser kleiner Jungspund lernt langsam aber sicher Verantwortung zu übernehmen.

"SARA!! Ich komme bald nach! Versprochen!" Der hat gut reden er hat doch keine Ahnung was sie in den Himmeln erwartet.

"Vertrau mir! Und warte auf mich!" Als wenn das so einfach wäre wenn sie Sevothtarte in die Quere kommt kann er froh sein wenn sie überlebt. Verdammt! Er kann sie doch nicht einfach so sich selbst überlassen!

"Hörst du?! Und fang mir ja nichts mit einem anderen Typen an!" Du verfluchter Idiot! Hast du denn keine Ahnung welchen Gefahren du sie damit aussetzt.

"OK...!" Saras Antwort war tränenerstickt und auch wenn es ein nicht zu verzeihender Fehler ist ich kann sie nicht allein gehen lassen. Uriel bemerkte meinen Blick und nickte leicht. Noch ehe die Dimensionen um uns ganz zusammenbrachen schoß ich nach oben und durchbrach Raphaels Bannkreis.

"Was zum Henker willst du denn hier?!" Ich segnete Michael mit einem vernichtenden Blick ehe ich noch einmal nach unten sah. Uriel winkte mir zu während sich hinter ihm eine dunkle Gestalt materialisierte. Sein Fell war über und über mit Blut verschmiert, aber es war deutlich genug zu sehen, das es nicht sein eigenes war.

"Cee! Was immer auch passiert paß mir auf diese zwei Vollidioten auf!" Danach schlugen die Dimensionen über uns zusammen und ich mußte mich darauf verlassen das Raphael wußte wie man einen Dimensionstunnel richtig benutzte. Während wir unterwegs waren hatte er natürlich genügend Gelegenheit mich mit unzähligen Fragen zu bombardieren. Wäre Sara-chan nicht gewesen hätte er wohl stundenlang so weitergemacht, aber sie bestand darauf das er mich in Ruhe ließ und sich erst einmal um meinen Wunden kümmerte. Erstaunlicherweise hörte er sogar auf sie. Fragend sah ich Michael an, der mit den Schultern zuckte. Scheinbar wird er aus diesem Verhalten ebenso wenig schlau wie ich. Selbstverständlich durfte ich mir dafür von Raphael eine Triade anhören was meinen Leichtsinn in Bezug auf Verletzungen und der Behauptung es würde mir gut gehen, anging. Nur war mir das wesentlich angenehmer als seine Fragerei. Während er sich meinen rechten Arm vornahm hatte Sara-chan genügend Zeit mir zu erzählen wie sie in die Begleitung dieser beiden Engel gekommen war und ich mußte nicht mehr als einmal lachen. Als ich mir vorstellte wie sie einen auf verruchter Vamp machte nur um Raphael zu verführen. Noch besser war allerdings die Tatsache, das er fast drauf reingefallen wäre. Michael kommentierte das ganze dann noch derart bissig, das ich einfach nicht mehr konnte.

"Hey, halt gefälligst still!" Eine Entschuldigung glucksend rang ich um meine Beherrschung. Es gelang mir wenigstens so halbwegs wieder Fassung zu gewinnen.

"So, das wär's dann erstmal. Ich denke der Rest dürfte von allein heilen." Vorsichtig zog Raphael seine Hand zurück.

"Danke." Prüfend beugte und streckte ich den Arm etwas, während ich meine Hand dabei schloß und öffnete. Es zog zwar hier und da noch ein bißchen, aber ansonsten war er wieder ganz in Ordnung. Auch meine Schulter war wieder topfit.

"Sag mal Schwester, wieso bist du uns eigentlich nach?" Der drohende Unterton in Michaels Stimme jagte mir einen kalten Schauer über den Rücken. Es war nur viel zu gut bekannt über was für ein Temperament der Feuerengel verfügte und ich hatte nicht vor es kennenzulernen.

"Meinst du ernsthaft ich würde Sara-chan mit euch beiden alleine lassen?" Sein Blick striff vielsagend über Raphael bevor er anerkennend nickte. Puh, noch mal Glück gehabt.

"Aber irgendwo habe ich dich schon mal gesehen." Ich war gerade dabei den Ärmel meines Overalls wieder herunter zurollen und hoffte inständig, das er nicht gemerkt hatte wie ich kurz zusammenzuckte. Wenn ihm jetzt einfällt wer ich bin können wir diesen Dimensionstunnel vergessen.

"Ja sicher, du bist doch diese Tante, die immer so komische Lieder über Engel singt. " Tante?! Komische Lieder?! Kleiner, gleich wird es hier gefährlich für dich.

"Mika-chan!"

"Reg dich ab Raphi. Ich mag die Band. Endlich mal jemand, der uns Engel nicht so verkitscht sieht wie der Rest der Menschheit und außerdem stimmt einiges von dem was sie sagen. Unsere hohen Tiere sind ja wohl kaum so sauber wie sie aussehen." Na sieh mal einer an. Der Kleine ist ja richtig clever. OK, er hat vielleicht eine merkwürdige Art sich auszudrücken, aber an sich ist er gar nicht so übel. Wieso sind wir damals eigentlich nicht mit seinen Schülern klargekommen?

"HEY! Jetzt hab ich's!" Oh man, bitte nicht! Diese Brüllerei ist ja furchtbar.

"Dir hab ich diesen Ärger zu verdanken gehabt!" Sein Schwert klebte unter meiner Kehle und außer mir hatte wohl keiner eine Ahnung worum es ging. Ich glaube ich erinnere mich langsam wieder was das Problem war.

"Du und dieser merkwürdige Typ, ihr habt doch damals diesen Aufstand angezettelt und meine Schüler vermöbelt, oder?" Oh man, hoffentlich ist mein Gesichtsausdruck jetzt überzeugend. Bitte!

"Mika-chan, Mika-chan. Sie ist ein Mensch, wie soll das gehen?" Augenblicklich für der Feuerengel herum.

"Nenn mich nicht Mika-chan! Und außerdem hatte sie vorhin jawohl Flügel, oder hab ich mich da verguckt?" Abwehrend hob Raphael die Hände und schob die Schwertspitze lächelnd von seiner Kehle.

"Ich bin mir ganz sicher, das es dafür eine Erklärung gibt, oder Shao-san?" Ich segnete ihn mit einem Blick der Vernichtung. Er glaubt doch wohl nicht wirklich, das ich ihm jetzt antworte, oder?

"Shao-san unser Schutzengel!"

"WAS?" Das Sara so etwas behauptete überraschte nicht nur mich. Auch Michael und Raphael waren reiflich aus der Fassung.

"Ja, sie ist Setsunas und mein Schutzengel."

 

 

03-06-25

 

Next: Part 22 – Renewed meeting in Yetzirah

 




Gebt es ruhig zu damit hat jetzt keiner gerechnet ^.^

Das nächste Kapitel wird noch besser. Endlich trifft Shao Rosiel und Catan wieder. Ach ja, das wird schön... dumdium...

He, he und wie gemerkt haben werdet konnte ich dieses Mal nicht wiederstehen und habe mich an den klassischen Opern-Arien gütlich gehalten. Die Arien stammen beide aus der Oper >Die Zauberflöte< von Wolfgang Amadeus Mozart und zwar einmal die 4. Arie gesungen von der Königin der Nacht, als ihre Tochter Pamina von Sarastro entführt wurde und sie Pamino bittet diese zu befreien, sowie die 14. Arie ebenfalls gesungen von der Königin der Nacht, als sich herausstellt, das Pamina Sarastro nicht töten kann/ will/ wird (sucht euch einfach was aus ^^). Na gut, und so ganz nebenbei paßten sowohl Text als auch Musik mal wieder so gut in diese Situation, das ich einfach nicht widerstehen konnte. Mal so ganz nebenbei, wir wußten doch alle, das Luzifer eine kleine Schwäche für Mozart hat, oder?

Äh und leider habe ich im letzten Kapitel einen kleinen Fehler gemacht. Ich habe Asmodis geschrieben, wo es eigentlich Asmodeus hätte sein müssen. Tut mir wirklich leid!

Bin schon gespannt was ihr von diesem Kapitel haltet. Haltet euch nicht zurück! Ich freue mich schon auf euere Antworten. Außerdem würde mich interessieren welche Szenen/ Charas euch bisher am Besten gefallen haben, damit ich schon mal weiß ab wann ich auswandern muß, wenn ich dies oder jenes schreibe ^^

Und irgendwann schaffe ich es vielleicht endlich auch mal das ganze Bildmaterial online zu stellen, was sich hier im Laufe der Zeit so angesammelt hat. (Kann sich nur noch um Jahre handeln S)

UPDATE Kurenai no Tenshi
 

ab sofort erhältlich

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