Part 28

04-06-02

 

Love of an angel

         Part 28

 

 

Death of an angel

 

Rosiel-chan kam und kam nicht wieder und die Zeit verstrich immer mehr. Langsam begann ich vor mich hinzuzählen um die Zeit, die verging besser abschätzen zu können doch viel zu schnell bewegte ich mich in Zahlen über 10.000. Das Ganze hatte unheimliche Ähnlichkeit mit einer Sanduhr in die man mich eingesperrt hatte und je länger ich auf Rosiels Rückkehr wartete desto geringer wurde meine Chancen zu fliehen und das alles zu überleben. Die Zeit verrann ohne das ich merkte wie sehr. Der Sand rieselte unaufhörlich über meinen Kopf und mein Körper versank allmählich darin. Es war als würde man mich zum Nichtstun verdammen und ich konnte rein gar nichts dagegen tun. Das Glas der Uhr war einfach zu dick und ich zu schwach. Ich schaffte es nicht mehr es zu zerbrechen.

Aber vielleicht bildete ich mir das Ganze auch nur ein. Nicht, das ich zu schwach sondern das mit der Zeit. Mein Zeitgefühl hatte sich nach Rosiels Besuch höchstwahrscheinlich endgültig verabschiedet und deshalb war ich nicht mehr in der Lage eine Minute von einer Stunde zu unterscheiden. Es war als würden Ewigkeiten an mir vorbeiziehen und jeder noch so kleine Moment kam einer Folter gleich. Ich wußte, daß ich keine Chance haben würde zu entkommen und mein Körper machte fast jede einzelne Sekunde unerträglich. Egal wie ich mich auch drehte und wendete, es gab einfach keine Stelle, die mir nicht wehtat. Aber das war bei Weitem nicht das Schlimmste.

Körperliche Schmerzen war ich gewöhnt. Vor allem diese Art von Schmerzen, die sich über den ganzen Körper ausbreiteten wie eine Welle und erst nach Tagen wieder abklangen. Immerhin hatte ich immer wieder trotz besseren Wissens und Siegel meine Kräfte genutzt. Manchmal für Wichtiges und so manches Mal einfach aus einer Laune heraus. Meistens jedoch hatte es für das Nutzen dieser Kräfte einen wichtigen Grund gegeben, da die Nachwirkungen je nach dem wie stark ich auf meine Kräfte zurückgegriffen hatte, mich so manches Mal für über eine Woche außer Gefecht setzten. Nur waren es im momentanen Fall nicht einfach nur Schmerzen. Es fühlte sich vielmehr so an, als wäre mein Körper irgendwann komplett eingeschlafen und hatte dann von jetzt auf gleich beschlossen wieder aufzuwachen. Jedes noch so kleine Blutgefäß machte sich mit einem penetranten Stechen bemerkbar und das war äußerst unangenehm. Es war ja schon schlimm genug, wenn einem Mal ein Bein oder ein Arm einschlief. Aber direkt der ganze Körper? Das war schlimmer als jede Folter und bei meinem Glück würde es auch noch eine ganze Weile dauern bis das wieder vorbei war.

Noch schlimmer als das war allerdings das Wissen darum, das es Sevothtarte nun endgültig gelungen war mich festzusetzen. Egal, was ich auch tun würde, das hohe Konzil würde mich auf jeden Fall verurteilen und je mehr Rosiel-chan dieses Urteil in Frage stellen würde, desto deutlicher würden alle anderen Engel seine Schwäche erkennen. Sie werden bestimmt nicht zögern dieses Wissen gegen ihn zu verwenden und mit mir als Druckmittel könnte es ihnen sogar gelingen den stolzen inorganischen Engel zu Fall zu bringen. Ich hoffe nur, daß er das ebenfalls weiß und im richtigen Moment den Schritt zurück macht, den die Situation erfordert. Auch wenn es ihm noch so schwerfällt er darf sich nicht opfern um mich zu retten, das bin ich einfach nicht wert. Hoffentlich schafft Catan es ihn davon zu überzeugen...

Grübelnd und grummelnd rollte ich mich hin und her und obwohl Anael noch eine ganze Zeitlang versuchte mich aufzumuntern, von wegen die Schmerzen würden auch wieder nachlassen und mir Mut zu machen, das Rosiel sicher etwas einfallen würde wie er das Wing-cutting verhindern könnte, war ich inzwischen einfach viel zu müde und KO um mir darüber noch weiter Gedanken zu machen. Egal, was jetzt auch noch passieren mochte, ich konnte nicht das Geringste dagegen tun. Die Seelenwanderung hatte mich fast alle meine Kräfte gekostet und es fiel mir nicht sonderlich schwer zu verstehen warum Engel so etwas normalerweise nicht überlebten. Dieser immense Verbrauch von Astralkräften war mehr als ich jemals zuvor erlebt hatte, doch das war die Sache wert gewesen. Ich hatte mein Versprechen gegenüber Anael eingelöst und sie mit ihrem Geliebten wieder vereint, damit ihre Seele endlich Frieden finden konnte.

Doch anstatt in die ewige Seeligkeit einzukehren war sie zu mir zurück gekommen um mir auch weiterhin beizustehen. Ich wußte nicht ob ich darüber glücklich oder traurig sein sollte. Anael kannte mich inzwischen besser als irgend jemand sonst, da sie über Monate ein fester Teil von mir gewesen war und die Abgründe meiner Seele gesehen hatte. Dasselbe galt für mich. Solange ihre Seele sich in meinem Inneren befand gab es nichts, was sie vor mir hätte verbergen können. Wenn ich wollte hätte ich ihr jedes einzelne ihrer Geheimnisse entlocken können, doch ich respektierte, das sie mir längst nicht alles zeigte, was ihre Seele enthielt und sie versuchte es bei mir ebenfalls nicht.

Stöhnend drehte ich mich erneut auf die Seite und verfluchte den Tag an dem ich so selten dämlich gewesen war der Seele eines Engels meinen Körper zu überlassen. Anael nahm diesen mürrischen Ausbruch lächelnd zu Kenntnis. Sie wußte ganz genau, daß ich das nicht ernst meinte und rein gar nichts bereute, außer, das man mich erwischt hatte. Allerdings hatte mich Rosiels Besuch auch noch meine allerletzten Reserven gekostet und ich war heilfroh als Anael seufzend feststellte, das es wohl keinen Zweck hätte sich weiter mit mir unterhalten zu wollen, da ich immer wieder kurz davor stand während unseres Gesprächs einzuschlafen. Und das sogar trotz des penetranten Stechens in meinen Adern. Ich war mehr als nur fertig und hoffte eigentlich nur noch, das ich wenigsten die Chance bekam ein klein wenig zu schlafen, bevor Sevothtarte zurückkehrte um mir das endgültige Urteil des hohen Konzils zu verkünden. Nicht, das ich scharf darauf wäre irgend etwas darüber zu erfahren, aber in diesem Fall ließ man mir keine Wahl. Sevie würde es mir auf jeden Fall erzählen und sei es nur, um sein Ego zu befriedigen. Oh man, und ich weiß immer noch nicht was ich ihm eigentlich getan habe, das es mich so sehr liebt. Ehrlich, man könnte fast meinen der hätte was Persönliches gegen mich.

Bevor mir endgültig die Augen zu fielen löste sich Anael in einer Ansammlung von kleinen Lichtpunkten auf, die langsam verblaßten und die Zelle in einem warmen Dämmerlicht zurückließen. Dankbar schloß ich die Augen und genoß die Ruhe um mich herum. Es mag zwar nicht sonderlich beruhigend sein, das man in einer solchen Situation vollkommen alleine war. Schon gar nicht, wenn man genau wußte, das Sevothtarte kurz davor stand einen zu einem Wing-cutting zu schleppen. Doch für meinen Körper war diese Pause bitter nötig. Er brauchte dringend etwas Ruhe um sich zu regenerieren und wenn ich ehrlich war, mein Geist auch. Immerhin hatte ich vor kurzem etwas überlebt von dem es hieß, daß es selbst für einen Engel unmöglich sei. Nun ja, es lag wahrscheinlich daran, daß ich fast so etwas wie unsterblich bin. Jedenfalls, was die herkömmlichen Methoden angeht. Nur die vereinte Macht eines Engels und eines Dämons kann mich töten. Das heißt eigentlich auch nur sofern man den bisherigen Gerüchten glauben kann. Doch seltsamerweise habe ich nach wie vor nicht den geringsten Grund an den Worten meiner Eltern zu zweifeln. Auch, wenn dieser Fall bisher noch nie eingetreten ist. Ich bin mir sicher, daß man mich auf diese Art und Weise töten kann. Dabei können mir unter normalen Umständen weder die Attacken der Engel, Dämonen und sogar Menschen längeren Schaden zufügen. Irgendwann regeneriert sich mein Körper wieder und alles ist so, wie es einmal war, doch bei einem Wing-cutting war ich mir nicht sicher.

Es gab niemanden in den Himmeln, der ein Wing-cutting jemals unbeschadet überstanden hätte und es war sehr wahrscheinlich, daß es mir ebenfalls so ergehen würde. Wahrscheinlich ist damals nur keiner von uns auf die Idee gekommen, das ich jemals in eine Situation geraten würde in der man mir Flügel abschneidet. Seine Flügel verlieren…

…das was einem Engel ausmacht und eines der wenigen Dinge ist, die nur ihm allein gehört und zu dem auch seine Lebensquelle darstellt, das ist eine unvorstellbar grausame Strafe…

Damit verdammt man einen Engel zum Tod und ewigem Leid ohne jegliche Hoffnung auf Erlösung. Allein der Gedanke daran brachte mich zum Frösteln und ich hüllte mich enger in die Decke. Es brachte zwar nicht sonderlich viel, aber irgendwie sorgte der rauhe, muffige Stoff dafür, das ich mich ein klein wenig geborgener fühlte. Ich schlief fast augenblicklich ein und träumte von einigen ziemlich wirren Dingen, die in keinster Weise zusammenpaßten (also bitte, Rosiel mit Quietschente und dazu passender Badehaube in einem Swimmingpool gefüllt mit giftgrüner Götterspeise oder Sevie der auf einem karierten Flamingo reitet… muß ich das verstehen?). Aber seit wann sind Träume logisch?

Leider ließ man mich nicht allzulange schlafen. Erst kam Sevothtarte dicht gefolgt von sechs Männern seiner Garde und zwei Sisters vorbei, um mir freudestrahlend mitzuteilen, daß das hohe Konzil bereits seine Zustimmung zu meinem Wing-cutting gegeben hatte. Was für ihn selbstverständlich mehr als nur einen Grund darstellte mir einen Besuch abzustatten und mich an dieser fantastischen Nachricht teilhaben zu lassen. Ehrlich, meine Freude über seine plötzliche Großzügigkeit und gute Laune kannte keine Grenzen mehr. Schon gar nicht, als er mir brühwarm jede noch so kleine Einzelheit seines Triumphes erzählte. Als wenn ihn irgend jemand darum gebeten hätte die ganze Geschichte noch einmal breit zu treten. Leider war ich immer noch viel zu schwach um ihm etwas entgegen zusetzen und so mußte ich mir die gesamte Story von Anfang bis Ende anhören ob ich das nun wollte oder nicht.

Immerhin war es ihm gelungen sein Gesuch lange bevor Rosiel sich einmischen konnte dem hohen Konzil vorzulegen. Und als Rosiel endlich seinen Antrag auf genaue Überprüfung meines Falles stellte war die Entscheidung bereits gefallen und von allen Instanzen besiegelt worden. Einzig ein wirklich triftiger Grund hätte dafür sorgen können, daß man dem Fall erneut Aufmerksamkeit widmen würde, aber Rosiel-chan konnte ihnen keinen solchen vorlegen. Selbst, wenn er gewollt hätte…

Das hohe Konzil akzeptierte nur einhundertprozentig begründete Verdachtsmomente um Nachforschungen anzustellen. Bloße Vermutungen allein zählten nicht für sie. Und ich hatte keine von Rosiels Theorien jemals bestätigt. Leider war meine Aussage das einzige Mittel, das dafür hätte sorgen können, daß man sich meiner Sache erneut annahm, aber ich würde eher sterben als das ich zulasse, daß Engel in meinem Leben herumstocherten.

Selbstverständlich wußte das auch Sevothtarte dem es wahrscheinlich mehr als nur gut gefallen hatte Rosiel diese Schlappe zu verpassen. Noch mehr genoß er es allerdings mich am Boden beziehungsweise ans Bett gefesselt zu sehen. Immerhin war ich so nicht mehr länger in der Lage vor ihm davonzulaufen oder eine große Lippe zu riskieren. Das Letztere war eigentlich auch nur der Fall, weil ich immer noch zu platt war um ihm Paroli zu bieten. Also mußte ich notgedrungen sein ganzes Geschwafel über mich ergehen lassen. Egal, ob ich nun wollte oder nicht, er hielt mir einfach einen Vortrag und ich bemühte mich so gut es ging meine Ohren auf Durchzug zu schalten. Leider brachte das nicht allzu viel, da es außer Sevies Stimme so gut wie keine Geräuschkulisse in meiner Zelle gab.

Nachdem er sich endlich lang genug über das Thema Rosiel und dessen Scheitern ausgelassen hatte kam er endlich zum eigentlichen Grund seines Besuches. Mit einem Fingerschnippen gab er den Sisters die Anweisung sich zu bewegen während er sich mit seinen Männern zeitgleich zurückzog und mir noch einen schönen Tag wünschte. Wenigstens solange ich diesen noch genießen konnte. Wirklich diese Freundlichkeit konnte einen in den Wahnsinn treiben.

Die plötzliche Anwesenheit der überfreundlichen Sisters war für mich allerdings noch irritierender als Sevies Auftauchen. Ich wußte nicht, was Sevie ihnen befohlen hatte, doch nach meinen bisherigen Erfahrungen mit ihm konnte das nichts Gutes sein. Die unzähligen Pakete auf ihren Armen bauten mich auch nicht gerade sonderlich auf. Das sah mir alles viel zu sehr nach Falle aus, aber ich konnte mich nach wie vor nur Millimeterweise bewegen und war nicht einmal ansatzweise dazu in der Lage eine Gegenwehr zu starten.

Ehe ich mich versah war mein Blickfeld von diversen Stoff- und Tüllbahnen eingenommen und als ich endlich wieder sehen konnte was um mich herum geschah wurden mir auch schon die Haare ins Gesicht gekämmt. Mit einer Engelsgeduld wurden diese gekämmt, mit Bändern versehen, geflochten und je nach Bedarf noch mit Tausenden von Nadeln hochgesteckt. Zum krönenden Abschluß gab es dann noch ein gründliches Make-up und einen Schleier, der sich hauchdünn über meine Augen legte.

Mit einer leichten Verbeugung verabschiedeten sich die Sisters ebenfalls und ich sank vollkommen erschöpft zurück auf die Pritsche. Was um alles in der Welt hat das zu bedeuten?

Der Fummel in den sich mich gesteckt hatten spottete allerdings jeder Beschreibung. Mal abgesehen davon, das er vollkommen unpraktisch war und kitschig. Weiße Seide mit Rüschen und Puffärmeln, die Stellenweise mit schwarzer Spitze und Tüll besetzt war Dazu eine passende Perlenkette aus Süßwasserperlen und einen Schleier, ebenfalls aus schwarzer Spitze in dem sich ein leichtes Rosenmuster erahnen ließ. Wenn ich es nicht besser wüßte, dann würde ich davon ausgehen mich in der falschen Zeitepoche zu befinden. Dieses Kleid paßte viel mehr ins viktorianische England als in die Jetztzeit. Aber Hey, wir reden hier von Engeln. Seit wann haben die so etwas wie Modegeschmack? Vor allem Sevie, der sich immer so kleidet als wollte er einer Mumie Konkurrenz machen?

Nun ja, es dauerte nicht allzu lange bis ich den Grund für all die Herrausputzerei erfuhr. Allerdings war es nicht Sevie, der ihn mir nannte sondern Raphael und Barbiel. Von ihnen erfuhr ich, was der weiße Engel eigentlich plante. Die Beiden tauchten nämlich so ungefähr eine halbe Stunde (oder verging doch mehr Zeit? Mein Zeitgefühl war wirklich komplett dahin) nach dem die Sisters meine Zelle verlassen hatten auf. Wobei Raphael reiflich blaß wirkte und Barbiel irgendwie den Eindruck machte, als stünde sie kurz davor in Tränen auszubrechen. Anscheinend war ich die Einzige, die sich an der momentanen Situation nicht mehr sonderlich störte. Immerhin konnte ich sie nicht ändern und mein Körper schrie nach wie vor nach Erholung. Was sollte ich also anderes tun als abzuwarten bis es mir wenigstens halbwegs wieder besser ging? Nur als Raphael mir mitteilte, daß er die letzte ärztliche Untersuchung vor meinem Wing-cutting durchzuführen sollte wurde ich doch ganz schön blaß. Wenn er mich untersuchen sollte, dann konnten es bis zu meinem Wing-cutting nur wenige Stunden sein. Und allein dieser Gedanke reichte aus, um mich am ganzen Körper zittern zu lassen. Urplötzlich wurde mir bewußt wie sehr ich eigentlich in der Klemme steckte und keiner, aber wirklich gar keiner könnte mir dieses Mal noch helfen zu entkommen. Entweder ich schaffte es allein oder ich würde sehr bald am eigenen Leib zuspüren bekommen was es hieß an einem Wing-cutting teilzunehmen. Und das war keine besonders angenehme Vorstellung.

„Na, na wer wird denn gleich verzweifeln? Ich bin mir sicher uns fällt da noch etwas ein.“ Ich konnte Raphaels Optimismus nicht so recht teilen und daß er mir dabei nebenbei auch noch den Kopf tätschelte und durch meine Haare wuschelte machte die Sache auch nicht gerade besser. Mein Blick fiel auf Barbiel, die seufzend den Kopf schüttelte und ich verstand. Anscheinend hatten sie und Raphael sich bereits diverse Pläne zu meiner Rettung überlegt, aber keiner von ihnen schien gut genug gewesen zu sein, um ihn in die Tat umzusetzen. Sieht ganz so aus, als müßte mir selber etwas einfallen und das verdammt schnell.

„Halt mal kurz still!“ Das plötzliche Auftauchen von Raphaels Hand vor meinem Gesicht machte diese Anweisung zwar fast überflüssig, aber irgendwie war mir nicht sonderlich danach ihn darauf hinzuweisen. Also tat ich, was er sagte und merkte, wie er mit seinen Kräften vorsichtig meinen Körper abtastete. Es hatte etwas Ähnlichkeit mit einer Sonnenbank. Nur, das sich die Wärme hier nicht gleichmäßig über meinen Körper verteilte sondern langsam von oben nach unten wanderte bis sie schließlich verschwand.

„So, das war’s. Ich kann nichts Außergewöhnliches feststellen. Alles ist genauso, wie es sein soll.“

„Versuchst du gerade mich aufzubauen?“ Es war doch wohl offensichtlich, das einige Dinge ganz und gar nicht stimmten. Allen voran die Tatsache, das mein Körper sich nach wie vor anfühlte als hätte ihn jemand mit Blei gefüllt.

„Eigentlich nicht. Ich sollte lediglich feststellen ob diese angebliche Seelenwanderung stattgefunden hat von der Sevie dauernd erzählt.“ Jetzt wurde ich erst richtig blaß. Wenn Sevie von der Sache mit Anael Wind bekam, dann war das Wing-cutting bei Weitem mein geringstes Problem. So wie ich ihn kenne bringt der es fertig und sperrt mich hinterher bei lebendigem Leib in einen seiner Versuchscontainer. Und das Schlimmste ist, das er den Beweis dafür ja schon längst gesehen hat. Immerhin ist er es gewesen, der mich bei Zaphikel fand und in diesem Moment wäre selbst einem Blinden aufgefallen, das meine Haare eine vollkommen andere Farbe hatten als es normalerweise für sie üblich war. Na ja und einige andere Dinge an meinem Körper dürften ihm ebenfalls aufgefallen sein. Sieht ganz so aus als würde das Wing-cutting langsam aber sicher zu etwas völlig nebensächlichem werden.

„Raphael-sama, was meint ihr mit Seelenwanderung?“ Barbiel wirkte sichtlich überrascht und Raphael ließ endlich von meinem Haaren ab um in seinen eigenen herum zu wuseln.

„Hatte ich etwa vergessen das zu erwähnen?“ Ein strafender Blick von Barbiel zeigte deutlich, das es nicht das erste Mal war, das ihr Vorgesetzter rein zufällig vergaß ihr ein paar wichtige Details zu erzählen.

„Sevothtarte ist der festen Überzeugung, daß Rosiels Schützling eine Seelenwanderung durchgeführt haben soll und diese ganz nebenbei auch noch überlebt hat. Stört es eigentlich wenn ich Rauche?“ Er hatte die Zigarette bereits in der Hand noch bevor er die Frage zu Ende gestellt hatte.

„Nein. Aber warum habt ihr davon nichts erwähnt als wir auf dem Weg hierher waren?“ Raphael ließ sich mit seiner Antwort Zeit. In aller Ruhe zündete er zuerst seine Zigarette an und nahm einen tiefen Zug, den er seufzend wieder ausatmete.

„Wann hätte ich das denn bitte schön tun sollen Barbiel? Als du mir erzählt hast mit welch genialem Plan ihr euch in den Himmelskorridor begeben habt? Oder besser dann, als Rosiel mir fast den Hals dafür umgedreht hat, das meine Assistentin seinem Schützling bei diesem schwachsinnigen Unterfangen auch noch unbedingt helfen mußte? Nein, am allerbesten wäre es wahrscheinlich gewesen, wenn wir dieses Thema direkt vor Sevies Nase diskutiert hätten als er uns von dem Wing-cutting unterrichtete. Meinst du nicht auch?“ Oh man, dieser Mann konnte vielleicht reden, wenn er wollte.

„Schon gut, ich habe es verstanden.“ Barbiel wirkte so als hätte sie soeben in eine Zitrone gebissen, aber ansonsten ließ sie sich nicht sonderlich viel anmerken. Anscheinend schmeckte es ihr nicht sonderlich, daß man sie bei diesem kleinen Vorhaben ertappt hatte. Etwas, was ich sehr gut verstehen konnte. Mir wäre es auch wesentlich lieber, wenn man mich nicht dabei erwischt hätte wie ich versuchte einen zu einem Wing-cutting verurteilten Engel zur Flucht zu verhelfen.

„Ist dieser Raum eigentlich Abhörsicher?“ Ich nickte kurz auf Raphaels Frage und fragte mich was er damit bezweckte.

„Bestimmt Rosiel, oder?“ Ich antwortete ihm nicht, aber anscheinend reichte ihm mein Schweigen als Antwort völlig aus. Mir war immer noch nicht klar, was Raphael inzwischen eigentlich alles über mich und Rosiel wußte. Sicher, ich war ihm gegenüber bei Weitem nicht so mißtrauisch wie bei anderen Engeln, aber dennoch war ich vorsichtig.

„In diesem Fall kannst du mir vielleicht endlich meine Frage beantworten. Wie kommt es das du immer noch lebst?“ Ich grinste ihn leicht an. Wenn er glaubte, daß ich ihm die Sache so einfach machen würde, dann hatte er sich geschnitten. Engel der Heilung hin oder her. Es gibt Dinge, die sollte selbst er auf gar keinen Fall erfahren und meine wahre Herkunft gehört dazu.

„Es gibt gute Ärzte.“ Seufzend blies er ein klein wenig Rauch in meine Richtung und sah mich lange an. Er machte ganz den Eindruck, als überlegte er wie er mich am Besten wissen lassen könnte, das es besser für mich wäre, wenn ich jetzt mit ihm redete. Ich erwiderte seinen Blick ohne im Geringsten zurück zuweichen. Niemand würde mich dazu bringen einem Engel irgend etwas über meine Vergangenheit zu erzählen.

„Rosiel ist wirklich nicht zu beneiden. Du bist ein Sturkopf wie er im Buche steht. Es hat sich rein gar nichts geändert.“ Irritiert sah Barbiel ihren Vorgesetzten an und erneut fragte ich mich wieviel Raphael eigentlich über mich wußte. Es mochte vielleicht eine halbe Ewigkeit her sein, das Remiriel mich zu ihm gebracht hatte damit mein Leben gerettet werden konnte und meine Mutter hatte später dafür gesorgt, das alle Unterlagen die Raphael in dieser Zeit über mich erstellt hatte vernichtet wurden, nur leider schien sein Gedächtnis hervorragend zu funktionieren. Wahrscheinlich wäre er auch nur ein halb so guter Arzt, wenn das nicht so wäre. Selbst zu meiner Studienzeit in den Himmeln hatte Raphael den Großteil seiner Patientenakten im Kopf gespeichert. Vor allem, wenn es sich bei ihnen um junge, gutaussehende, weibliche Kadetten handelte.

„Raphael-sama…”

Schon gut Barbiel. Vielleicht habe ich mich auch nur getäuscht…“ Ein Blick in seine Richtung reichte allerdings vollkommen aus, um zu wissen, daß er nicht ein einziges Wort davon glaubte. Mit einem kalten Lächeln ließ Raphael mich wissen, daß er sich dieses Mal keinesfalls so einfach geschlagen geben würde. Immerhin war dies wahrscheinlich die letzte Chance, die sich ihm bot um mehr über mich zu erfahren.

„Nee-chan!“ So plötzlich wie Catan in den Raum stürmte erschreckte er jeden von uns beinahe zu Tode und brachte nebenbei auch noch Raphael völlig aus dem Konzept. Wie fast immer tauchte er genau im richtigen Augenblick auf um mir den Hals zu retten. Es war schon fast unheimlich wie gut ich mich in manchen Dingen auf ihn verlassen konnte. Vielleicht gibt es ja doch so etwas wie Schutzengel…

Ach, was völliger Quatsch. Selbst wenn es so wäre, dann würde Catan zu Rosiels Schutzengeln zählen und nicht zu meinen. Niemals würde mich ein Engel vor Sevothtarte beschützen können. Das einzige Wesen, das dazu in der Lage wäre hatte ich in der Hölle zurück gelassen damit er über meine Freunde wachte. Ich wollte nicht, daß einem von ihnen noch mehr Leid geschah.

„Nee-chan, ist mit dir alles in Ordnung?“ Ohne Raphael und Barbiel überhaupt eines Blickes zu würdigen stürmte Catan auf mich zu und zog mir den Schleier aus den Haaren. Er war leichenblaß.

„Mach dir nicht immer so viele Sorgen. Ich kann mich zwar kaum bewegen, aber ansonsten fehlt mir nichts.“ Er drückte mich fest an sich und fast hatte ich den Eindruck er würde kurz davor stehen zu weinen. Was um alles in der Welt war bloß los mit ihm? Hatte Rosiel ihm etwa nichts erzählt? Warum ist er so aufgewühlt?

„Du mußt sofort von hier verschwinden!“ Vollkommen perplex sah ich ihn an. Er war ungewöhnlich ernst und seine Stimme hatte einen seltsam harten Klang angenommen. Hatte Rosiel ihm wirklich nichts erzählt? War er deshalb so aufgebracht?

„Und wie willst du das anstellen junger Cherubim? Willst du sie an den Wachen vorbei hier raustragen?“ Eisig funkelte er Raphael an.

„Wenn es sein muß ja! Ich werde auf gar keinen Fall zulassen, das man sie zu einem Wing-cutting bringt!“ Jetzt war es raus und der drohende Klang seiner Stimme machte deutlich, wie ernst es ihm damit war und das Rosiel ihm tatsächlich nichts erzählt hatte. Ansonsten würde Catan niemals zu impulsiv reagieren. Verdammt Rosiel-chan! Du hättest es ihm sagen müssen! Wie konntest du es ihm nur verschweigen? Du müßtest doch inzwischen Wissen, das er nichts unversucht lassen würde um mir zu helfen. Oder hast du das etwa geahnt und ihm deshalb nichts gesagt? Aber selbst dann hättest du wissen müssen, daß er es früher oder später allein rausfindet. Rosiel-chan, du bist ein solcher Idiot!

„Du willst es nicht zu lassen?! Meinst du wirklich das wäre so einfach?“ Die Spannung zwischen den Beiden war inzwischen beinahe körperlich spürbar und endete erst als Catan mich vorsichtig auf seine Arme hob und Raphael herausordernd anfunkelte. Er würde nicht einen einzigen Schritt zurückweichen soviel wußte ich.

„Ich werde sie hier rausbringen!“ Das war genau der Moment in dem Raphael einen Lachanfall bekam und Barbiel sichtliche Mühe hatte ihren Vorgesetzten wieder zur Vernunft zu bringen. Selbst mir wurde unter diesen Worten unwohl. Wenn Catan sein Vorhaben wirklich in die Tat umsetzte, dann wäre bald jeder verfügbare Soldat des Himmels hinter uns her. Immerhin stand auf die Befreiung eines zum Wing-cutting verurteilten Engels ebenfalls die Höchststrafe. Noch während ich versuchte Catan dazu zu bewegen mich wieder los zulassen brach zwischen ihm und Raphael eine hitzige Diskussion aus, ob man mir im Moment überhaupt noch helfen könne usw. usw., wobei es niemanden zu interessieren schien, das ich auch noch da war und das Catan mich immer fester an sich drückte.

Es war ihm verdammt ernst damit mich zu retten, aber damit brachte er sich weitaus mehr in Gefahr als mich und ihn ebenfalls zu verlieren wäre etwas, das Rosiel auf gar keinen Fall verkraften würde. Wenn es jemanden gab, den dieser durchgeknallte Engel brauchte, dann war es Catan. Ich wußte das besser als jeder Andere und es war einer von vielen Gründen warum ich auf jeden Fall verhindern mußte, das Catan sein Vorhaben in die Tat umsetzte. Es würde rein gar nichts nützen, wenn er sich ebenfalls in Gefahr begab. Es war einzig und allein meine Schuld, daß man mich gefangen genommen hatte. Wäre ich nicht so leichtsinnig gewesen, dann hätte Sevie mich niemals erwischt. Aber es war ohnehin schon viel zu spät um sich noch weiter Gedanken darüber zu machen. Erst einmal mußte ich Catan davon abbringen mich unbedingt retten zu wollen. Wing-cutting hin oder her, ich konnte nicht zulassen, das er sich meinetwegen in Gefahr begab.

„Catan laß mich los! Ich kann nicht mit dir gehen.“ Mit unglaublicher Mühe gelang es mir mich auf seine Armen hin und her zu winden. Es hatte ganz den Anschein als würde das Gefühl in meinen Muskeln allmählich wieder zurückkehren.

„Nee-chan?“ Er sah mich an, als hätte ich ihm soeben das Ende der Welt verkündet, doch ich hatte meine Entscheidung bereits getroffen. Ich durfte nicht fliehen. Nicht jetzt und nicht so. Wenn ich Sevothtarte jetzt entkam würde jeder wissen wer dahinter steckte. Es durfte einfach nicht sein.

„Wenn du mir jetzt hilfst zu fliehen, dann wird man uns beide verfolgen.“

„Das ist mir egal! Ich lasse nicht zu das man dir deine Flügel nimmt.“ Seine Arme drückten mich noch enger an seine Brust, doch ich wußte, daß ich mich aus dieser Umarmung befreien mußte, wenn ich nicht wollte, daß ihm etwas passierte. So sehr mich seine Worte auch freuten, ich durfte nicht zulassen, daß er mir half. Also stemmte ich mich so gut es ging gegen ihn, doch er ließ sich nicht beirren. Seine Arme hielten mich trotz aller Versuche fest. Warum machst du es mir nur so schwer? Du bist genauso wie Rosiel. Warum könnt ihr beide mich nicht einfach loslassen? Das würde so vieles einfacher machen…

„Man hat mich bereits verurteilt und wenn du mir zur Flucht verhilfst, dann wird man IHN zur Verantwortung zu ziehen. Wenn wir beide verschwinden wer paßt dann noch auf IHN auf?“ Das zeigte Wirkung. Langsam ließ er mich zu Boden sinken und sah mich zweifelnd an. Es tut mir leid, aber du kannst nicht länger bei mir bleiben. Rosiel-chan braucht dich. Er braucht dich soviel mehr als mich.

„Meinst du das ernst?“ Sein sorgenvoller Blick lag auf mir und ich ahnte schon, das es nicht leicht werden würde ihm den Rest zu erklären. Vor allem, da ich immer noch reiflich Mühe damit hatte mich auf den Beinen zu halten.

„Du mußt zurück! Mir kann niemand helfen. Wenn Sevothtarte auch nur eine einzige Person dabei ertappt, die versucht mir zur Flucht zu verhelfen wird er nicht lange zögern und sie ebenfalls zum Tode verurteilen lassen. Wir können IHN nicht beide verlassen!“ Das wäre zu viel. Rosiel würde es niemals verkraften wenn Catan und ich beide gleichzeitig aus seinem Leben verschwanden. Der Verlust von einem von uns würde ihn schon schwer treffen und im Moment brauchte er Catan wesentlich mehr als mich. Vor allem, da ich eines Tages sowieso vor hatte ihn zu verraten. Es konnte niemals gut gehen, das wußten wir beide. Doch waren wir auch bereit der Wahrheit ins Auge zu sehen? Das unsere Beziehung nur solange funktionierte wie sich unsere Ziele nicht gegenseitig im Wege standen und wir auf den Anderen vertrauen konnten…

„Soll das heißen du opferst dich für uns?“ Opfer? Kann man es wirklich so nennen? Verstehst du es denn immer noch nicht? Eines Tages werde ich euch ohnehin im Stich lassen. Warum nicht jetzt? Wenn die Wunde, die ich Rosiel zufügen werde noch nicht ganz so tief ist und sie mit der Zeit heilen wird. Warum sollte ich damit noch länger warten? Je länger wir zusammen sind… desto schwieriger wird es werden einander loszulassen. Behutsam strich ich mit einer Hand über seine Wange und sah in seine klaren, blauen Augen. Bitte versteh mich doch. Du kennst mich wesentlich länger als so manch anderer. Selbst Rosiel ist nicht solange bei mir gewesen wie du. Du müßtest wissen warum ich das tue.

„Nein, ich bin nur müde. Es wird Zeit sich den Dingen zu stellen und nicht länger davon zu laufen.“ Er wollte protestieren doch ich legte eine Hand auf seine Lippen bevor er diese öffnen konnte.

„Versteh doch, eines Tages hätte ich euch sowieso verlassen. Ich hätte euch verraten um die Welt der Menschen zu retten und dabei hätte ich nicht einen einzigen Moment gezögert. Glaub mir, es ist besser so.“ Ein leiser Pfiff im Hintergrund erinnerte mich daran, daß wir nicht allein waren, doch darum konnte ich mich nicht kümmern. Es war wichtig das Catan verstand, das er mir auf gar keinen Fall helfen durfte. Egal, wie schwer es ihm auch fallen würde.

„Und was ist mit Rosiel-sama? Liebst du ihn nicht?“ Vorsichtig linste ich zu Raphael und Barbiel die unser Gespräch interessiert verfolgten. Aber was soll’s? Es war ohnehin kein sonderlich großes Geheimnis mehr, was ich für diesen durchgeknallten Engel empfand. Warum es nicht endlich aussprechen?

„Doch, ich liebe ihn. Viel mehr als du dir vorstellen kannst, aber das ändert rein gar nichts. Vor langer Zeit habe ich mich schon einmal unsterblich in einen Engel verliebt und alles riskiert um ihn und meine Familie zu retten und das hat mich alles gekostet. Außer meiner Erinnerung wurde mir nichts gelassen…“ Ich brach ab als die Ereignisse jenen Tages erneut über mich hereinbrachen, aber ich mußte es ihm erklären. Er würde mich niemals zurücklassen, wenn er es nicht verstand. Dabei hatte ich ihm beinahe alles aus jener Zeit erzählt. Warum verstand er es dann immer noch nicht? Ihm müßte doch klar sein, warum ich gar nicht anders handeln konnte.

„Du willst die Welt der Menschen ganz alleine retten? Das nenne ich mutig.“ Raphael sah mich merkwürdig an während er das sagte, aber ich beachtete ihn nicht weiter.

„Ja, genau das habe ich vor.“

„Aber warum? Nee-chan, was ist so wichtig daran?“ Kopfschüttelnd sah ich Catan an. Es war lange her, das seine klaren Augen mich so dermaßen verzweifelt und fragend angesehen hatten. Das war kurz nachdem er bei mir eingezogen war und ich das erste Mal in seiner Gegenwart aus einem meiner Alpträume hochgeschreckte. Damals hatte er mich mit genau demselben Blick angesehen und es hatte Monate gedauert ehe ich mich ihm anvertraute. Während dieser Zeit ist er immer für mich dagewesen ohne mir irgendwelche Fragen zu stellen. Doch dieses Mal hatten wir weder die Zeit, noch hatte er die Geduld zu warten bis ich endlich mit der Sprache rausrückte. Je länger er blieb desto größer wurde die Gefahr in der er schwebte. Ich mußte mich beeilen.

„Catan, verstehst du es etwa immer noch nicht? Die Welt der Menschen war seit meiner Kindheit der einzige Ort an dem ich glücklich und sorglos leben konnte und mich geborgen fühlte. Sie steht mir viel näher als der Himmel oder die Hölle. Ich werde nicht zu lassen, das man sie zerstört.“

„Der Himmel oder die Hölle?!“ Seine Brauen zogen sich fragend zusammen. Shit!

„Nee-chan, was meinst du damit?“ Verdammt! Warum mußte mir das ausgerechnet jetzt rausrutschen? Auch Raphael schien hellhörig geworden zu sein. Wenn mir jetzt nicht blitzschnell etwas einfiel, dann würden sie hinter mein Geheimnis kommen.

„Ja, die Hölle…“ Bleib am Besten so dicht wie möglich an der Wahrheit und laß einfach nur einige Details aus. Das funktioniert immer noch am Besten.

„Das ist lange her… ich erinnere mich auch nicht mehr genau daran, aber irgendwann ist ein Dämon in der Nähe unseres Dorfes aufgetaucht und hat mich mit einem Trick in eine Falle gelockt. Als ich wieder zu mir kam fand ich mich in der Hölle wieder und hatte alle Hände voll zu tun um von dort zu fliehen. Wenn mir nicht ein anderer mächtiger Dämon geholfen hätte, dann wäre ich wohl heute noch dort gefangen.“

„Du warst in der Hölle? Als Halbengel hast du die Hölle überlebt?“ Verblüfft sah ich in Catans erschrockene Augen.

„Nach allem, was du bisher über mich weißt wundert dich das noch?“ Ich konnte mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.

„Ja, ich war in der Hölle und ich habe sie überlebt. Bis heute weiß ich nicht, was einen mächtigen Dämon dazu bewegte mir zu helfen, aber Dank ihm konnte ich fliehen und in die Welt der Menschen zurückkehren.“

„Ein Dämon hat dir geholfen?!“ An Catans vollkommen irritierten Blick war deutlich zu erkennen für wie unmöglich er das hielt. Doch es war die Wahrheit. Obwohl ich bis heute nicht verstanden habe warum Astaroth nach wie vor den Befehlen meines Vaters gehorchte. Warum beschützte er mich nach all der Zeit immer noch?

„Ja, damals und auch als mich erneut in die Hölle begab um meine Freunde zu retten. Er hat mich gefunden und wie einst vor den Blicken der anderen Dämonen verborgen. Er war es auch, der mir vor langer Zeit einen Beschützer zur Seite stellte, damit mir weder Dämonen noch Engel etwas antun können.“

„Beschützer?“ Es wurde immer schlimmer. Je mehr ich ihm erzählte, desto verwirrter wurde er. Es tut mir leid Catan. Ich würde dir dieses Wissen so gerne ersparen, aber du läßt mir keine andere Wahl. Du wirst mich nur zurücklassen, wenn du begreifst warum du mir nicht helfen kannst.

„Du kennst ihn. Er ist seit jener Zeit niemals von meiner Seite gewichen. Er war stets in meiner Nähe.“ Er sah mich nachdenklich an und ging im Geiste die Möglichkeiten durch, wo sich ein solcher Beschützer verborgen halten konnte.

„Sein Name ist Cerberus.“ Hinter mir sog Barbiel scharf die Luft ein während Catans Gesicht leichenblaß wurde.

„Die Höllenbestie?! Die Bestie, die selbst Luzifer in Ketten legen muß um vor ihr sicher zu sein?“ Vollkommen verblüfft starrte ich ihn an. Seit wann fürchtete sich Luzifer vor Cerberus? Es war Astaroth, der die schwarze Bestie in Ketten gelegt hatte, nicht der Herrscher der Hölle. Doch wenn ich ihm das erzählte, dann würde er mir nur noch mehr Fragen stellen. Es war besser wenn ich es dabei beließ.

„Ist er wirklich so gefährlich?“ Meine Stimme klang ehrlich überrascht und das brachte Catan nur noch mehr aus der Fassung.

„Soll das heißen, du wußtest das nicht?“

„Woher sollte ich es wissen? Damals ging alles so schnell. Selbst heute erinnere ich mich kaum daran, was genau in der Hölle vorgefallen ist. Er hat mich immer beschützt. Ich kenne ihn nicht anders. Er war immer für mich da und hat nie zugelassen, das man mir wehtat.“ Gut, das Letzte ist gelogen. Cee ließ es sehr wohl zu, das man mich verletzte. Vor allem, wenn ich ihm vorher befohlen hatte sich rauszuhalten. Dennoch würde er niemals zu lassen, das mich ein Engel oder Dämon tötete.

„Aber wer? Nee-chan, ich habe in deiner Umgebung keinen Dämon gespürt. Die Aura eines solch mächtigen Wesens müßte weithin spürbar gewesen sein.“ Ich sah ihn lange an und allmählich begriff er.

„Er hat sich verborgen. Er hat seine Aura komplett unterdrückt, damit ihn niemand finden kann. Unglaublich!“ Sein gesamter Körper begann zu zittern als er sich bewußt wurde in welcher Gefahr er sich bei mir befunden hatte.

„Wenn du wirklich so einen mächtigen Beschützer hast, warum ist er dann nicht hier um dich zu retten?“ Catans Blick fiel vernichtend auf Raphael, der inzwischen die dritte Zigarette zwischen seinen Zähnen hatte. Das sagten mir jedenfalls die ausgedrückten Reste, die sich zu seinen Füßen befanden.

„Weil ich ihn in der Hölle zurück gelassen habe.“ Irgendwie schien diese Tatsache Raphael zu überraschen. Wenigstens vergaß er für einen kurzen Moment seine Zigarette festzuhalten und sie fiel glimmend zu Boden.

„Aber du könntest ihn rufen?“

„Ja, aber das werde ich nicht tun.“ Ärgerlich trat Raphael seine Zigarette aus und starrte mich an als wäre ich komplett irre.

„Warum Nee-chan? Warum rufst du ihn nicht? Er würde dich mit Sicherheit hier rausbringen.“ Ich drehte mich nicht um. Ein Blick in Catans besorgtes Gesicht würde reichen um mich alle meine guten Vorsätze vergessen zu lassen. Ich durfte Cee nicht rufen. Auf keinen Fall durfte er Setsuna und die Anderen verlassen.

„Er hat eine andere Aufgabe. Ich habe ihn zurückgelassen um meine Freunde in der Hölle zu beschützen. Wenn ich ihn jetzt zu mir rufe werden sie in Gefahr sein. Nein, das hier werde ich allein hinter mich bringen.“ Er seufzte leicht und aus den Augenwinkeln konnte ich erkennen, wie die Anspannung allmählich aus seinem Körper wich. Nach und nach begann er zu begreifen, daß er mich nicht von meinem Entschluß abbringen konnte und, daß er mich zurücklassen mußte. Raphael warf Barbiel einen kurzen Blick zu und sie ging ohne zu Zögern an mir vorbei und griff nach Catans Hand.

„Kommt, es gibt nichts mehr, was wir hier noch tun können.“ Er wehrte sich nicht einmal mehr als sie ihn langsam aber bestimmt in Richtung Tür führte. Einzig sein vollkommen verzweifelter Blick ruhte nach wie vor auf mir.

„Glaub mir, es ist besser so.“ Er sah mich lange an und wendete dann seinen Blick ab, damit ich nicht doch noch die Tränen in seinen Augen entdeckte. Er hatte verstanden. Endlich hatte er verstanden, daß auch wenn er es sich noch so sehr wünschte er mir niemals helfen konnte. Und das brach ihm das Herz.

Seine Lippen formten stumm Worte, die mich nie erreichten. Sie waren einzig und allein für mich bestimmt, doch da wir nicht allein waren konnte er sie nicht aussprechen. Als sich die Tür meiner Zelle hinter ihm und Barbiel schloß fiel mir ein Stein der Erleichterung vom Herzen. Er war in Sicherheit. Ihm würde nichts geschehen.

„Warum bist du eigentlich so versessen darauf zu sterben?“ Raphaels Frage kam ganz beiläufig und brachte mich zurück zu all meinen derzeitigen Problemen. Ich sah ihn lange an und überlegte wie ich meine Antwort am Besten formulieren konnte ohne ihm noch mehr über mich zu verraten. Er sah mich abwartend an während er sich erneut eine Zigarette ansteckte und den Rauch zur Decke blies. Ich sah den dünnen Rauchfahnen hinterher, und überlegte nicht länger.

„Vielleicht weil ich genau weiß, daß ich das nicht kann?“

„Nicht?“ Es war halb Verblüffung, halb Bestätigung was da aus seiner Stimme hervorklang. Doch das war egal. Er war nicht dumm und ahnte bereits viel zu viel. Dennoch begann ich meine Vorsicht ihm gegenüber allmählich über Bord zu werfen. Warum? Warum wurde ich so leichtsinnig? War es, weil wir plötzlich allein waren? Weil uns niemand mehr zu hörte?

„Ich weiß nicht, ob ein Wing-cutting mich töten kann… Aber bisher konnte ich noch so schwer verletzt sein… nichts konnte mein Leben beenden. Du glaubst gar nicht wie oft ich mir in den letzten Jahrhunderten den Tod gewünscht habe…“ Langsam ging ich zurück zur Liege und setzte mich vorsichtig darauf. Mir war bereits vor geraumer Zeit schwindelig geworden, doch bisher hatte ich es kaum bemerkt. Erst jetzt, wo Catan und Barbiel fort waren merkte ich wieviel Kraft es meinen Körper gekostet hatte solange zu stehen.

„Willst du deshalb nicht fliehen? Weil du dir die Schuld gibst?“ Ich beachtete seine Frage nicht und sprach tonlos weiter.

„Das war lange bevor ich Catan oder die Anderen kennenlernte. Damals irrte ich ziellos in der Welt der Menschen umher und fragte mich immer wieder warum ausgerechnet ich immer noch am Leben war wenn alle Anderen um mich herum langsam starben…“

„Aber du hast überlebt.“

„Ja, ich habe überlebt und in Assia immer wieder von vorn begonnen. Ein altes Ich starb, ein neues wurde geboren.“

„Und jetzt? Wenn dein jetziges Ich stirbt, wer wird geboren?“ Müde hob ich meinen Blick und sah ihn an.

„Vielleicht mein wahres Ich?“

„Ein Ich, das nach einem Wing-cutting nur noch Wochen hat um zu leben?“

„Ein Ich, das endlich frei ist.“ Er sah mich lange an und kam dann entschlossen auf mich zu. Seine Hände drückten mich auf die Matratze und ich hatte nicht die Kraft um mich zu wehren. Seine Augen fesselten mich. Bahnten mich. Ich konnte mich nicht mehr rühren. Für einen kurzen Moment ließ er mich los um noch einen letzten Zug von seiner Zigarette zu nehmen, die er dann achtlos irgendwo hinter sich warf. Er sah mich an als würde er mich zum ersten Mal in seinem Leben wirklich sehen und dann berührten seine Lippen die meinen.

Ich versuchte ihn abzuwehren, doch seine Hände drückten meine Arme unerbittlich nach unten bis sie schließlich vollkommen bewegungslos auf den weißen Laken lagen und sich mein Mund ein klein wenig öffnete. Darauf hatte er gewartet ohne zu Zögern vertiefte er den Kuß und blies den Rauch, der sich bisher noch in seinem Körper befunden hatte in meine Lungen. Ich konnte nicht mehr atmen. Alles um mich herum verschwamm. Tränen strömten aus meinen Augen doch er ließ mich nicht gehen. Die Luft in meinen Lungen brannte und mein Körper wurde immer schwächer. Als er den Kuß langsam löste und sich behutsam von mir löste sank ich zeitgleich immer weiter zurück bis um mich herum alles nur noch aus Schwärze bestand. Einzig und allein Raphaels durchdringender Blick hatte sich tief in mein Gedächtnis gebrannt bevor mich die Ohnmacht völlig umfaßte.

 

*Shao… Shao…* Von irgendwoher drang eine sanfte Stimme zu mir, doch mein Geist konnte sie nicht fassen.

*…Shao… aufwachen… Shao…* Die Dunkelheit um mich herum verblaßte allmählich, doch es reichte nicht um meinen Geist zur Rückkehr zu bewegen.

*…du mußt aufwachen… Shao…* Müde versuchte ich das, was mich ausmachte zusammen zu sammeln und meine Augen zu öffnen, aber es war bei Weitem nicht so einfach. Ich fühlte mich, als hätte mich irgend etwas überfahren.

*Shao… jetzt komm schon…* Die Dunkelheit wich einer hellen Dämmerung und mein Geist schien endlich bereit zu sein sich aus den Tiefen in denen er sich verborgen gehalten hatte zu erwachen.

*…wach endlich auf… Shao… Shao…* Ich klammerte mich an den Ruf meines Namens und ließ auch den letzten Rest der Schwärze hinter mir. Mühsam öffnete ich meine Augen und stöhnte als sie vom hellen Licht geblendet wurden.

*…mach mir nicht solche Angst…* Anscheinend war ich immer noch nicht vollkommen wach. Die Stimme klang immer besorgter.

„…bin doch…“ Gähn.

„…wach…“ Am Liebsten wäre ich sofort wieder in die angenehme Stille und Schwärze versunken, die mich bisher umfangen gehalten hatte doch irgend etwas griff nach mir und hielt mich unermüdlich fest.

*Shao?... Shao? …Du lebst noch?!* Gähnend öffnete ich meine Augen zu zwei kleinen Schlitzen um sie nicht noch einmal dem grellen Licht auszusetzen.

„Bin müde… schlafen…“ Ein unangenehmes Ziehen in meinem Hinterkopf verhinderte, das ich mir diesen Wunsch erfüllen könnte.

*Du darfst nicht schlafen! Du darfst auf keinen Fall schlafen!* Mittlerweile klang die Stimme fast panisch und aus irgendeinem Grund heraus löste das einen stillen Alarm in meinem Inneren aus. Mein Geist begann nun ernsthaft gegen die ständig wiederkehrende Müdigkeit anzukämpfen und allmählich konnte er sich behaupten.

„Wehe es… ist… nicht wichtig…“ Ich stand kurz davor meine mühsam errungenen Siege erneut einzubüßen, aber plötzlich hatte ich das Gefühl, das meine Handgelenke mit glühenden Eisen umschlossen waren. Die schleichende Müdigkeit wich augenblicklich von mir und mit einem Aufschrei schnellte ich nach oben. Zitternd betrachtete ich meine Handgelenke an denen sich jedoch nicht die geringste Spur einer Verbrennung finden lassen konnte. Lediglich ein unangenehmes Pochen wies daraufhin, das sie bis vor kurzem noch in Flammen gestanden hatten.

*Shao? Alles in Ordnung?* Da ich inzwischen vollkommen wach war wußte ich auch wieder wem diese sanfte Stimme gehörte.

„Ja Anael, es geht mir gut.“ Ihre Astralgestalt saß neben mir und beobachtete besorgt, wie ich meine Handgelenke massierte.

*Es tut mir leid.* Lächelnd sah ich auf meine Hände als mir klar wurde warum man keinerlei Spuren einer Verletzung an ihnen feststellen konnte.

„Das muß es nicht. Es ist ja nichts passiert.“ Ich hielt ihr mein rechtes Handgelenk entgegen, das vollkommen unberührt war.

„Aber warum hast du mich eigentlich geweckt? Du wolltest doch, das ich mich ausruhe.“ Ihre Hand strich vorsichtig über die dünne Haut meines Handgelenks, was ein leichtes Kribbeln verursachte.

*Aber nicht so. Hast du denn gar nicht gemerkt, was Raphael mit dir gemacht hat?* Ich versuchte mich daran zu erinnern was passiert war bevor mich die Schwärze umfangen hatte doch die Bilder drangen nur noch verschwommen aus meinem Gedächtnis hervor. Das Letzte, an das ich mich klar erinnern konnte war wie Raphael an der Wand gelehnt und geraucht hatte bevor er dann mit festentschlossen Augen auf mich zukam. Danach war alles Dunkel. Ich hatte nicht die geringste Ahnung was geschehen war nachdem Raphael mit diesem Blick, der ein Feuer binnen Sekunden hätte löschen können, vor mir gestanden hatte.

*Du erinnerst dich nicht.* Das war keine Frage sondern eine Feststellung. Fast schon so als hätte sie damit gerechnet.

„Anael, was ist passiert?“ Sie sah mich lange an. Fast so als müßte sich abschätzen ob sie es mir wirklich erzählen sollte oder ob es besser war, wenn sie schwieg. Es irritierte mich, daß sie sich so seltsam verhielt. Normalerweise war sie die Erste, die mich nach einer Ohnmacht auf den neusten Stand brachte. Warum war es jetzt anders? Was hatte Raphael getan?

*Er hat versucht dir deine Lebenskraft zu rauben.* Ich starrte sie an als hätte sie sich soeben in einen rosafarbenen Elefanten verwandelt.

*Neben Uriel ist er der einzige Engel, der dazu in der Lage ist.* Ich begriff immer noch kein einziges Wort von dem, was sie sagte. Sicher, ich wußte, daß Raphael dazu in der Lage war einen Menschen von den Toten wiederauferstehen zu lassen, aber seine Kräfte auch andersherum funktionieren sollten war mir neu.

*Er hat dich vollkommen überrascht und du hattest noch nicht einmal eine Chance überhaupt zu begreifen, was er eigentlich vorhatte. Hätte ich nicht eingegriffen, dann hätte er dich ohne Probleme über die Schwelle des Todes befördert.* Nur langsam begriff ich die Zusammenhänge und den Grund für meine so lang anhaltende Müdigkeit. Doch warum sollte Raphael mich töten wollen? Und wie hatte Anael eingreifen können ohne, das er sie bemerkte?

*Keine Sorge, er hat mich nicht gesehen. Ich habe lediglich kurz den Teil von dir, der noch wach war etwas angestachelt und ihn durch die halbe Zelle befördert. Da du dich danach nicht mehr bewegt hast ging er wohl davon aus, das er sein Werk vollendet hätte.* Allmählich begann ich zu Zittern. Warum hatte Raphael das getan? Warum wollte er mich plötzlich töten? Wollte er mir etwa das Wing-cutting ersparen?

„Und du? Ist mit dir alles in Ordnung?“ Wenn ich mich wirklich so dicht am Rand des Todes befunden hatte, dann müßte Anaels Seele ebenfalls davon betroffenen gewesen sein. Je schwächer ich wurde, desto größer wurde die Gefahr, daß sich ihre Seele von mir löste und von den anderen Engeln entdeckt wurde.

*Ja, ich war zum Glück schnell genug. Nur eine Minute später und dein Körper wäre lange Zeit nicht mehr erwacht.* Sie wußte, das ich niemals durch die Hand eines einzelnen Engels sterben konnte und sprach deshalb auch nicht davon, das ich beinahe gestorben wäre. Fügte man mir eine tödliche Verletzung zu, dann verfiel mein Körper in einer Art Scheintod aus dem er nach einiger Zeit wieder erwachte. Dabei konnte es sich um Tage, Wochen, Monate oder Jahre handeln. Es kam immer auf die Art der Verletzung an. Und wenn Raphael mir beinahe meine gesamte Lebenskraft entzogen hätte, dann wäre ich bestimmt nicht aufgewacht bevor nicht wenigstens ein Jahrhundert verstrichen war.

„Danke.“

*Du mußt mir nicht danken, das weißt du.* Ich lächelte sie an.

„Ja, das weiß ich, aber ich danke dir trotzdem.“ Sie erwiderte mein Lächeln warm.

*Als du geschlafen hast war Rosiel kurz hier, doch Raphael hat ihn davon abgehalten sich dir weiter zu nähern. Die Beiden sind gemeinsam gegangen.* Nickend nahm ich diese Information zur Kenntnis und zog geistesabwesend eine Nadel nach der anderen aus meinen Haaren. Langsam löste ich sich die kunstvolle Frisur, die mir Sevothtartes Sisters verpaßt hatten und ich fühlte mich ein klein wenig erleichtert. Wenn Raphael Rosiel mitgenommen hatte, dann konnte ich mir sicher sein, daß vor meiner endgültigen Verurteilung niemand mehr meine Zelle betreten würde. Erst, wenn es an der Zeit war mich zum Wing-cutting zu führen würde sich diese Tür erneut öffnen und Engel eintreten lassen.

Zeit genug um sich endlich einen Plan zu Recht zu legen, wie ich ihnen doch noch entkommen könnte. Gedankenverloren fuhr ich mir durch die offenen Haare bis ich mir plötzlich bewußte wurde, was ich da eigentlich tat.

„Anael, wieso kann ich mich eigentlich wieder bewegen?“ Sie sah mich verblüfft an.

*Aber das konntest du doch schon die ganze Zeit.* Ich schüttelte kurz den Kopf.

„Das meine ich nicht. Mein Körper fühlt sich nicht mehr länger an als hätte ihn jemand mit Blei gefüllt. Ich kann mich wieder bewegen ohne, das mir irgend etwas weh tut.“ Allein diese Tatsache verursachte bei mir ein unbeschreibliches Hochgefühl. Jetzt sah die Sache schon wieder ganz anders aus. Wenn ich mich frei bewegen konnte, dann würde es auch nur noch halb so schwierig werden dem Wing-cutting zu entgehen. Hoffe ich zumindest. Einen Plan, wie ich das am Besten anstelle habe ich nämlich immer noch nicht.

*Aber das verstehe ich nicht. Nach Raphaels Angriff dürftest du nicht einmal halb so munter sein, wie du es jetzt bist.*

„Meinst du das ernst? Ich fühle mich, als könnte ich Bäume ausreißen.“ Ihr Blick wanderte nachdenklich umher bis sie mich schließlich wieder fest ansah.

*Vielleicht hat er… aber nein… das unmöglich… Raphael würde niemals…* Fragend sah ich sie an und zog nebenbei meine Beine etwas näher an meinen Körper. Dieses Kleid war nach wie vor eine Beleidigung meines persönlichen Modegeschmacks, aber wenigstens hielt es warm.

*Er hat dir doch nicht etwa einen Teil seiner Astralkräfte übertragen?*

„Keine Ahnung. Ich weiß nur, das ich mich wieder bewegen kann.“ Es war mir vollkommen egal, was und wie Raphael dieses kleine Wunder vollbracht hatte. Hauptsache ich fühlte mich nicht mehr bei jeder Bewegung wie eine alte Schachtel, der schon der Kalk aus den Gelenken rieselte. Und die Tatsache, daß ich mich wieder ungehindert bewegen konnte machte ich mir gleich zu nutze, um allen überflüssigen Tand von diesem schrecklichen Kleid zu entfernen. Warum mußten Engel auch immer einen so derartig abartigen Modegeschmack haben? Anael beobachtete mich schweigend und hing ihren eigenen Gedanken nach bis plötzlich etwas anderes ihre Aufmerksamkeit fesselte. Angestrengt begann sie in eine ganz bestimmte Richtung zu sehen. Fast so, als würde sie nach etwas suchen. Ich ließ das Kleid in Ruhe und folgte ihrem Blick, doch ich konnte nichts weiter entdecken als eine kahle, graue Wand, die mich an einer Flucht hindern sollte.

*Hörst du es?* Sie sah mich nicht einmal an als sie das fragte.

*Es hat begonnen…* Ich schloß die Augen um mich besser konzentrieren zu können und schon nach wenigen Augenblicken konnte ich die Gesänge vernehmen, die leise durch die Wand meiner Zelle zu uns drangen. Sie kündigten den Beginn an, den Beginn eines Wing-cuttings.

„Zaphikel.“ Ich öffnete meine Augen und fing Anaels traurigen Blick auf. Ihre aquamarinfarbenen Augen standen kurz davor in einem Meer von Tränen unterzugehen.

*Ja.*

„Willst du nicht zu ihm gehen?“ Sie schüttelte den Kopf.

*Es hätte keinen Sinn. Er würde mich nicht mehr bemerken. Ihre Barrieren sind zu stark.* Ihr Blick wanderte sehnsuchtsvoll zurück zu der Wand durch die die Gesänge am Deutlichsten zu hören waren. Sie hatte recht. Selbst wenn es ihr gelang unbemerkt in den Raum zu gelangen so war es beinahe unmöglich, das Zaphikel sie in diesem Moment noch bemerken würde. Die Barrieren um diesen Raum waren die Stärksten der Himmel und sein Geist war mit Sicherheit inzwischen so sehr geschwächt, das er auf die Anwesenheit einer Seele kaum noch reagieren würde.

*Shao…* Sie sah mich mit einer stummen Bitte in ihren wunderschönen Augen an und ich verstand. Sie mußte es nicht aussprechen.

„Schon gut. Laß uns diese anklagenden Gesänge übertönen. Er hat den Frieden verdient.“ Sie lächelte mich dankbar an und griff nach meiner Hand.

*Danke.* Ich lächelte kurz und drückte ihre Hand ein klein wenig fester. Wie lange war es her, das ich diese Worte in den Mund genommen hatte? Konnte ich mich überhaupt noch an sie erinnern?

Wie ein wärmenden Lichtstrahl verband sich Anaels Erinnerung mit meinem Geist und ließ wie von selbst Worte auf meinen Lippen entstehen die ich seit meiner Ausbildungszeit in den Himmeln nicht mehr benutzt hatte. Langsam begann meine Stimme ihren gewohnten Klang anzunehmen und Anaels sanfte Stimme folgte schon bald der meinen. Unser Gesang erfüllte die Zelle in die man mich eingesperrt hatte und drang durch die dicken Wänden nach außen bis hin zu einem Raum dessen Barrieren niemals für Gesang gedacht worden waren. Zaphikel würde uns hören. Ganz sicher. Seine Seele würde uns hören und ihren Frieden finden. Ich schloß die Augen als die letzten Worte meine Lippen verließen und begann von vorn. Niemand sollte mit einer Anklage in den Tod gehen. Zaphikel, mein letztes Geschenk an dich. Meine wahre Stimme.

Anaels Hand drückte sich fester an meine und zum ersten Mal seit langer Zeit nahm ich dir Worte, die ich solange vergessen hatte bewußt wahr, bis der Text sich wieder vollkommen in meinem Geist verankert hatte. Zaphikel hatte dieses Lied geliebt und er hätte sich nichts sehnlicher gewünscht als es vor seinem Tod noch einmal zu hören. Das alles ließ mich Anael nach und nach wissen, doch nach einiger Zeit beschlichen mich Zweifel. Ich war mir nicht sicher, ob er uns wirklich hören würde, doch ich würde nicht eher aufhören zu singen bis es vorbei war und wenn es bis in die Ewigkeit heißen würde:

 

 

Gloria in excelsis deo.

 

Et in terra pax hominibus bonae voluntatis.
Laudamus te.

 

Benedicimus te.
Ado ramus te.

 

Glori ficamus te.
Gratias agimus tibi propter magnma gloriam tuam.

 

Domine Deus, Rex caelestis, Deus Pater omnipotens.
Domine Fili unigenite, Jesu Christe.

 

Domine Deus, Agnus Dei, Filius Patris.
Qui tollis peccata mundi, miserere nobis.

 

Qui tollis pecca mundi, suscipe deprecationem nostram.
Qui sedes ad dexteram Patris, miserere nobis.

 

Quondam tu solus sanctus.
Tu solus Dominus.

 

Tu solus Altissimus, Jesu Christe.
Cum Sancto Spiritu, in gloria Dei Patris.

Amen.  *


Die anderen Gesänge gingen in dem Klang unserer Stimmen beinahe unter doch das schien niemanden zu stören. Die Zeit verstrich und je länger wir sangen, desto näher rückte der Augenblick in dem wir Zaphikel für immer verlieren würden. Anaels Hand begann zu zittern und ohne die Augen zu öffnen wußte ich, daß es nicht mehr lange dauern würde. Ich sang unbeirrt weiter bis eine dunkle, warme Stimme an mein Ohr drang.

*Laila… Laila, Laila… wie wenig du dich selbst kennst.* Ein Schatten lösten sich aus dem Dunklen. Die Silhouette eines Mannes, der mir wage vertraut vorkam.

*Du liebst mich doch.* Weißer Mantel, dunkle Hose, kinnlanges rabenschwarzes Haar.

*Nicht wahr?* Eine Frau auf der Flucht. Wunden an ihren Beinen, ihrem Körper, ihrem Geist.

*…Laila…* Leblose Augen. Stummes Flehen um Gnade, Erlösung.

*Laila kümmer dich nicht um die Narbe auf deiner Stirn. Du brauchst dein Gesicht nicht zu verstecken.* Anael?

*Du bist eine wunderbare Person. Und eine Liebe Freundin.* Anael! Hoffnung, Freundschaft, Vertrauen…

*Ich soll die Finger von Anael lassen? Was für eine rührende Freundschaft.* Kinnlanges rabenschwarzes Haar, die Stimme kalt und dunkel. Herausfordernd. Zaphikel?

*L… Laß mich…* Bedrängt, verängstigt, unsicher.

*Hör auf…!!* Ausgeliefert.

*Du merkst auch gar nichts, hm Laila?* Dunkle Augen die fesseln, die Wand im Rücken. Wehrlos, hilflos.

*Du liebst mich. Daher haßt du mich so abgrundtief.* Ein Kuß. Fordernd, hart, unnachgiebig, verletzend.

*Unter der Maske der Freundschaft beneidest du sie. Anael, deine beste Freundin. Anael, die in allem Besser ist als du.* Ein Ruck, ein Blitz in der Dunkelheit, die Chance sich zu befreien.

*Unsinn!!* Die dunklen Augen von sich stoßend. Entschlossen.

*So etwas würde ich nie tun.* Flucht. Lange weiße Gänge, Flure, Korridore.

*Nein.* Entschlossenheit, eine Tür die sich öffnet.

*Das ist nicht wahr!* Grimmige Gesichter, dunkle Bedrohung. Finsternis.

*Nie und nimmer wahr!* Verzweifelte Schreie in der Dunkelheit. Vergebliche Flucht vor kalten, beschmutzenden Händen. Panik, Einsamkeit.

*Dann… soll ich sie für dich verschwinden lassen?* Hoffnung, gebrochener Geist. Hoffnung für dich?

*Ich werde alle zerquetschen, die dir wehtun wollen.* Ein Geist, der langsam verlischt in der Dunkelheit versinkt. Den Weg ebnet für das Chaos…

 

Die Energiewelle traf mich plötzlich und vollkommen unerwartet. Ich hörte Anael neben mir aufschreien als mich eine unbekannte Macht auch schon quer durch die Zelle schleuderte. Ich hatte ihr nicht das Geringste entgegen zusetzten. Zu schnell war der Angriff gekommen, zu sehr war mein Geist in dieser merkwürdigen Vision gefangen gewesen. Ich schrie Anael zu, das sie ihre Astralgestalt so schnell wie möglich auflösen und sich in mein Inneres flüchten sollte bevor mich die Matratze traf und ich unter ihr und dem Bettgestell begraben wurde. Ein warmes Aufklimmen in meiner Brust war der einzige Hinweis den ich auf Anael erhielt. Sie war in Sicherheit.

Innerhalb weniger Minuten brach in meiner Zelle das Chaos aus und ich dankte welcher Macht auch immer, das ich mit unter einer Matratze befand, die alles andere so gut es ging abfederte. Würde ich mich nach wie vor ungeschützt am Boden befinden, dann hätten mich inzwischen sicherlich über ein halbes Dutzend Steinbrocken an den Rand des Todes befördert. So bekam ich zwar immer noch mehr als genug ab, aber es reichte bei Weitem nicht aus um mich ernsthaft zu verletzten.

So plötzlich wie er gekommen war endete dieser Spuk auch wieder. Es gab nur ein einziges Problem, die Matratze unter der ich lag war über und über mit Geröll bedeckt und ich konnte mich einfach nicht befreien. Irgendwie lag ich so dermaßen ungünstig, das mich die Steinmassen vollkommen eingeklemmt hatten.

„Endstation…“ Erst glaubte ich an eine Sinnestäuschung, doch diese Stimme würde ich unter Tausenden erkennen. Nur was zur Hölle machte er hier?

„Das ist der Spezialtrakt. Er ist irgendwo hier drin.“ Irgendwie gelang es mir einen Arm zu befreien und meinen Oberkörper ein klein wenig abzustützen. Alles oder nichts!

„KIRA-CHAN!!!“ So laut es ging schrie ich seinen Namen gegen meine Zellentür. Was auch immer er hier unten machte konnte mir egal sein. Er mußte mich nur hören.

„KIRA-CHAN!“ Ich konnte hören wie sich meiner Zelle Schritte näherten.

„Shao? Shao bist du das?“ Erleichterung machte sich in meinem Inneren breit. Es sah ganz so als würde Sevie noch ein klein wenig warten müssen ehe er in den Genuß kam mir die Flügel zu stützen.

„Hier drüben! Ich bin eingeklemmt!“ Hastig wurde die Tür meiner Zelle geöffnet doch außer einen Paar Stiefel konnte ich nicht sonderlich viel erkennen.

„Shao-chan?“ Ein dunkler Schatten huschte an Stiefeln vorbei und flitzte zielstrebig über den Geröllberg bis er schließlich genau vor meiner Nase saß. Hechelnd und schwanzwedelnd sah er mich an, bevor seine Zunge mir freudig durchs Gesicht fuhr.

„Cee! Nicht! Das kitzelt.” Er war dermaßen aus dem Häuschen, das es ihn nicht im Geringsten kümmerte, das ich mich vor Lachen bog.

„Shao-chan, bist du hier irgendwo?“ Das Paar Stiefel stand vollkommen unschlüssig im Raum bis Cee endlich von meinem Gesicht abließ und sich lautstark bemerkbar machte. Augenblicklich setzte sich Kira in Bewegung und landete nach einem kleinen Ausrutscher ziemlich genau in meinem Blickfeld. Aus irgendwelchen Gründen steckte er in einer Soldatenuniform des Korridors. Doch danach konnte ich ihn später noch fragen.

„Hi!“ Er starrte mich erst vollkommen fassungslos an und brach dann in schallendes Gelächter aus.

„Jetzt sag nicht, daß es dich auch noch freut mich hier so liegen zu sehen.“ Meine Lippen verzogen sich zu einem kunstvollen Schmollmund, der ihn nur noch mehr zum Lachen brachte.

„Nein, das nicht.“ Mit einem Ruck war er wieder auf den Beinen.

„Ich bin nur heilfroh dich zu sehen.“ Merkwürdige Art das zu zeigen.

„Setsuna! Hilf mir mal eben!“ Es kam eine etwas merkwürdige Antwort, doch ich konnte merken wie erneut jemand über den Geröllberg kletterte. Oh man, ich hoffe nur das Ding bricht nicht doch noch über mir zusammen.

„Shao?“ Setsunas braune Augen lagen fragend auf mir. Während Kira sich an dem Bettgestell und der Matratze zu schaffen machte.

„Gott sei Dank lebst du noch!“ Er klang sichtlich erleichtert, aber ich hatte keine Zeit mehr ihm zu antworten. Kira spannte ihn vollkommen ein und nachdem er die Matratze sowie das Bettgestell nach oben gedrückt hatte zog mich Setsuna langsam unter dem Geröllhaufen hervor.

„Setsuna, ich will ja nicht drängeln, aber könntest du dich bitte etwas beeilen. Das hier ist verflucht schwer.“ Mit einem Grinsen im Gesicht zog Setsuna nun stärker an meinem Armen und mit einem letzten Ruck, der unzählige Schrammen auf meinem Beinen hinterließ, beförderte er mich knapp einen halben Meter von dem Geröllberg unter dem ich bis vor kurzem noch begraben gewesen war, weg. Erleichtert ließ Kira das Bettgestell los und sah zu wie der Geröllberg dieses allmählich unter sich begrub. Mir wurde bei diesem Anblick ziemlich mulmig.

„Shao was zur Hölle machst du eigentlich hier?“ Etwas erstaunt sah ich Setsuna an.

„Eigentlich könnte ich euch genau dieselbe Frage stellen.“ Kira wuschelte mir mit strafendem Blick durch die Haare.

„Tust du aber nicht. Oder?“ Seine Stimme klang leicht drohend und ich konnte nicht mehr verhindern, daß ich zu Grinsen begann.

„Nein, tue ich nicht.“ In seinen Augen konnte ich noch ein brav lesen bevor mich ein überglückliches Fellbündel vollkommen in Beschlag nahm. Cee hatte anscheinend nur darauf gewartet, das ich mich halbwegs aufrecht hinsetzte um auf meinen Schoß zu springen.

„Er hat dich vermißt.“ Sanft kraulte ich den kleinen Hund hinter den Ohren während ich Kira antwortete.

„Ich weiß. Es war grausam von mir ihn allein zurück zulassen.“ Cee leckte durch mein Gesicht als würde er mir sagen wollen, daß das alles Schnee von gestern sei. Hauptsache ich war gesund und wieder bei ihm.

„Wir sollten uns beeilen. Ich weiß nicht wie lange sie noch abgelenkt sind.“ Noch ehe ich oder Setsuna darauf etwas erwidern konnte befand sich Kira schon auf halben Weg in Richtung Ausgang.

„Schaffst du es?“ Setsuna sah mich besorgt an während er mir seine Hand anbot.

„Nur keine Sorge. Sieht schlimmer aus als es ist.“ Gelassen setzte ich Cee auf dem Boden ab und ergriff Setsunas Hand um mich auf die Füße ziehen zu lassen. Das einst so prächtig kitschigweiße Kleid hing nur noch in Fetzen von meinem Körper und meine Haut war über und über mit Schrammen und kleinen Wunden, die leicht bluteten versehen. Aber ich hatte schon wesentlich schlimmer ausgesehen. Nichts, worum man sich Sorgen machen müßte.

„Meinst du?“ Er sah mich zweifelnd an, aber als ich dann entschlossen und barfuß vor ihm über den Geröllberg kletterte zerstreute das wohl seine Zweifel. Er folgte mir ohne ein weiteres Wort darüber zu verlieren.

„Und was jetzt?“ Fragend beäugte ich Kira, der sich absichernd in dem riesigen Flur vor meiner Zelle umsah.

„Wir müssen ihn nur noch finden, dann können wir zurück.“ Bei mir leuchtete ein Fragezeichen nach dem Anderen auf und so erklärten mir die Beiden kurz warum sie sich soweit in den Himmelskorridor vorgewagt hatten. Noch ehe ich ihnen erklären konnte, daß sie bereits zu spät kamen um Zaphikel noch retten zu können stürmten wir schon den Flur entlang. Kira hatte es eilig.

„Ziemlich ruhig hier… Als ob das Chaos oben nur Fassade wär.“ Sein abruptes Stoppen brachte mich völlig aus dem Konzept. Doch auch ich fand es merkwürdig, daß uns noch nicht eine einzige Wache begegnet war. Was ging hier nur vor sich?

„Außerdem… riecht es hier komisch.“ Prüfend sog ich die Luft ein und Setsuna tat dasselbe. Ein übelkeitserregender Geruch trat mir in die Nase und ich stand kurz davor mich einfach zu übergeben. Ich wußte, was das war.

„Das ist…“ Kira sah uns prüfend an bevor er seinen Satz beendete.

„…Leichengestank…!!!“ Fast im selben Augenblick stieß Setsuna eine Tür auf und eine Wolke vollkommenen Verwesungsgeruches drang in unsere Richtung. Entsetzt von dem was er sah zuckte Setsuna ein klein wenig zurück und landete dabei genau vor meinem Brustkorb. Ich hielt mir eine Hand vor die Nase um nicht noch mehr von diesem beißenden Gestank einatmen zu müssen.

„Wa… war das alles Raziel?!“ Setsunas Reaktion überraschte mich. Hieß das Raziel befand sich ebenfalls im Korridor? Hatte Zaphikel ihn etwa nicht in Sicherheit gebracht?

„Nein.“ Mit einer beinahe unnatürlichen Ruhe sah Kira sich in dem mit Leichen übersäten Raum um. Ich folgte den Beiden langsam und hielt mich dabei dicht an der Wand. Mir wat speiübel.

„Sie sind nicht wie die anderen gestorben. Sie haben sich gegenseitig aufgefressen.“ Der Gestank raubte mir fast den Atem. Gab es hier den nirgendwo ein Fenster?

„Sie sind… von innen verfault.“ Mein Blick huschte kurz über die verwesenden Leichen. Ich wußte, das Kira recht hatte. All diese armen Kreaturen waren einst Engel gewesen. Engel, denen man ihre Flügel genommen hatte. Und mich hätte beinahe dasselbe Schicksal ereilt. Mir wurde schwindelig. Wie lange mußten wir noch in diesem Raum bleiben? Warum gingen wir nicht weiter? Das Geräusch von morschem Fleisch, das sich bewegte riß mich aus meiner Erstarrung. Doch es war zu spät. Was auch immer dieses Wesen einst gewesen war nun griff es Setsuna an. Keiner von uns hatte es bemerkt und jetzt stand er diesem vollkommen ungeschützt gegenüber.

Der Schuß einer Pistole hallte durch den ansonsten leeren Raum und der Ghoul fiel leblos zu Boden während Setsuna direkt in den Lauf einer auf ihn gerichteten Waffe blickte.

„Was…?“ Er starrte die Gestalt, die bedrohlich über ihm thronte vollkommen fassungslos an.

„Was tust du hier? ‚Messias’?“ Die Stimme eiskalt, die Augen blutrot. Konnte das wirklich Raziel sein? So zornerfüllt?

„Wir sind hier, um mit dir zusammen Zaphikel rauszuholen.“

„Das soll wohl ein Witz sein! Du bist schuld daran, das er hier ist!“ Ich verstand nicht das Geringste von dem was los war und sah fragend Kira an, der mir lediglich bedeutete mich rauszuhalten. Das sollten die Beiden unter sich klären.

„Das weiß ich ja…“

„Du weißt gar nichts!!“ Raziel ließ ihn noch nicht einmal ausreden.

„Du weißt überhaupt nichts über uns! Ich lasse nicht zu, daß du den Namen unserer Welt noch einmal in den Mund nimmst!“ Vorsichtig stand Setsuna auf und versuchte Raziel mit seinen Blicken zu beruhigen, doch es war vergeblich. Der ansonsten so ruhige und besonnene Engel schrie Setsuna seinen Haß entgegen.

„Diese Welt ist krank! Hast du nur einen ihrer Schmerzensschreie gehört?! Du brauchst nur zu graben und schon stehst du knietief im Blut!“ Nein, das hier war kein Haß. Das hier war pure Verzweiflung über die eigene Hilflosigkeit einer großen Macht gegenüber, gegen die ein Einzelner nicht das Geringste ausrichten konnte.

„All die Opfer, die sie gefordert hat!! Wie sie geweint haben! Du hast rein gar nichts gehört!“ Der Lauf seiner Waffe begann verdächtig in Raziels Hand zu Zittern. Wollte er etwa wirklich abdrücken? Waren sein Haß und seine Verzweiflung so groß, daß er Setsuna tatsächlich töten wollte?

Der Aufschrei eines gequälten Tieres verhinderte alles Weitere. Aus einer der unzähligen geöffneten Zellentüren flog eine abgerissene Hand, die keinen Meter entfernt hinter Raziel landete. Wie alle Anderen starrte ich das blutüberströmte Körperteil vollkommen fassungslos an während sich ein lautes Schmatzen seinen Weg durch die Flure zu uns bahnte.

„Wa… was ist das für ein Schmatzen…? Ist das etwa…?“ Setsuna war leichenblaß und auch aus Raziels Gesicht war sämtliche Farbe gewichen.

„Setsuna, du weißt was ein Wing-cutting mit einem Engel anstellt.“ Betont langsam hob Kira sein Katana an und hielt es griffbereit in seiner Hand. Er war binnen Sekunden dazu imstande die gefährliche Klinge aus ihrer Scheide zu ziehen und in eine tödliche Waffe zu verwandeln. Das hatte er mir oft genug in einer seiner Trainingseinheiten demonstriert.

„… er verliert nicht nur seine Astralkräfte…“ Mir ging es immer schlechter. Je länger wir an diesem Ort verweilten desto deutlicher wurde mir bewußt, das es mir sehr schnell ähnlich ergangen wäre wie diesen Armen Kreaturen. Ich preßte die Hand fester auf meine Nase und Mund um nicht noch mehr von diesem unerträglichen Leichengestank einatmen zu müssen.

„Auch seine Abwehrkräfte. Sein Körper verfault langsam. Bis es das Hirn erreicht.“ Ohne, das einer von uns ihn daran hindern konnte schritt Raziel auf die halbgeöffnete Tür zu und öffnete diese. Das Schmatzen verstärkte sich nur noch weiter.

„Za… …phikel… …sama?“ Raziels gesamte Gestalt spiegelte das Entsetzen wieder, das sich hinter dieser Tür verborgen hatte während Kira mit ruhiger Stimme weitersprach.

„Sie verrotten bei lebendigem Leibe. Bis nur noch ein grotesker Klops rohen Fleisches…übrig bleibt…“ Entschlossen folgten er und Setsuna Raziel. Es dauerte einen kleinen Moment bis ich mich ebenfalls wieder bewegen konnte doch Raziels vollkommen panischer und gepeinigter Aufschrei lösten auch noch meine letzten Fesseln. Ich verdrängte den Verwesungsgestank um mich herum und stellte mich hinter Kira.

„S- Se… seid ihr das, Zaphikel-sama?!“ Bei dem Anblick, der sich uns bot war Raziel auf die Knie zusammengebrochen und hielt seinen Kopf mit seinen Händen fest. Fast so als könnte er sich auf diese Weise vor dem grauenvollen Anblick der sich ihm bot schützen.

„Was… was ist mit euch?“ Ich suchte an Kiras Schulter halt als sich das Bild von Zaphikels bereits verwesender Gestalt tief in mein Gedächtnis brannte. Sie hatten ihm die Haare geschnitten und sein Körper war bereits dabei zu verwesen. Er saß lediglich mit einem schwarzen Mantel bekleidet auf dem Boden. Umgeben von den Überresten einstiger Engel von denen er einen Kopf in seinen Händen hielt und immer wieder seine Zähne tief in das tote Fleisch grub. Es war entsetzlich! Obwohl ich genau gewußt hatte, daß wir zu spät kamen schockierte mich dieser Anblick. Es war rein gar nichts mehr von dem einst so stolzen Engel übrig. Er war ein Ghoul, ein Leichenfresser.

„Was ist mit euch geschehen?!“ Ohne sich um uns zu kümmern ging Raziel zielstrebig auf seinen einstigen Mentor zu.

„Ihr… ihr kennt mich doch noch, oder? Zaphikel-sama…?“ Tränen flossen aus den aquamarinblauen Augen und benetzten das Gesicht des jungen Engels, der einen solchen Anblick eigentlich niemals ertragen sollte. Ich verbarg meinen Kopf leicht hinter Kiras Schulter als sich Anaels stummer Aufschrei seinen Weg durch mein Inneres bahnte.

„Kommt. Laßt uns gehen! Zurück zu den Anderen… Es wird alles wieder gut.“ Raziels ruhige Worte, seine Tränen, die innere Verzweiflung, die ihn zerreißen mußte das alles trieb mir die Tränen in die Augen. Es gab rein gar nichts mehr was für ihn noch tun konnten Zaphikel war für immer von uns gegangen.

„Ihr werdet wieder so sein wie früher!“ Sanft strichen die jungen Hände über das von Verwesung gezeichnete Gesicht bis Zaphikel schließlich in den Armen seines Schülers lag.

„Ganz sicher Zaphikel-sama!“ Raziel drückte sich fest an seinen Mentor dessen ausdruckloses Gesicht einen Punkt weit entfernt von jeder Wirklichkeit beobachtet. Es hatte keinen Zweck. Es war sinnlos! Nichts und niemand würde ihn je wieder zurück bringen!

Mit einer plötzlichen Bewegung griff Zaphikel plötzlich nach Raziels Arm, der ihn schützend gehalten hatte und zog ihn nach vorn. Noch ehe einer von uns begriff was eigentlich geschah vergrub er seine Zähne bereits tief in Raziels Hals. Für eine Sekunde ließ er von seiner Beute ab und kniete wie ein vollkommen ausgehungertes Raubtier über den Überresten der Leichen, die bisher seine Nahrung dargestellt hatten. Nein, das war hier nicht mehr der Engel, den ich in Yetzirah kennengelernt hatte und den Anael einst geliebt hatte. Das hier war nur noch eine leblose Hülle, die auf ewig versuchen würde ihren Schmerzen zu entfliehen.

„ZAPHIKEL-SAMAAA!!!“ Raziels verzweifelter Aufschrei hallte von den Wänden des Raumes wieder, als Zaphikel erneut nach vorn schnellte und seine Zähne erneut in dem Fleisch seines einstigen Schülers versenkte. Es war entsetzlich!

„Kira-chan, du mußt ihn erlösen.“ Ich krallte mich in dem Stoff seines Mantels fest als Raziels Schreie noch lauter wurden. Es war unerträglich. Wie konnten Engel nur zu solchen Grausamkeiten fähig sein? Wie konnten sie einem der ihrigen nur so etwas unvorstellbar Grausames antun?

„Bitte!“ Er sah mich kurz über seine Schulter an und seine Augen weiteten sich etwas als er bemerkte, daß ich zitterte. Ich hob meinen Blick und gab ihm somit meine tränenerfüllten Augen preis.

„Bitte.“ Er nickte und griff mit einer Hand unter seinem Mantel. Ich konnte hören wie er eine Waffe entsicherte.

„Bitte nicht schießen!!“ Raziels verzweifelter Stimme verursachte mir beinahe körperliche Schmerzen, aber es ging nicht anders. Wenn wir Zaphikel retten wollten, dann blieb uns keine andere Wahl. Wir mußten ihn töten bevor die Verwesung zu weit fortgeschritten war. Doch noch ehe Kira sein Vorhaben in die Tat umsetzen konnte schnellte etwas an ihm vorbei und bohrte sich tief durch Zaphikels Brust. Fast im selben Moment veränderte Cee seine Gestalt und drängte uns in das Innere des Raumes.

„Das Virus in der Schwertspitze infiziert seine verrotteten Zellen. Wenn es den Körper durchdringt stirbt er.“ Die Stimme war dunkel und kalt. Schneidend wie Stahl.

„Keine Bewegung!“ Cee drückte mich an eine Wand und stellte seine massige Gestalt zwischen mich und den Eindringling, der eine Pistole auf uns richtete. Ein Engel in der korrekten Uniform des Himmelskorridors dessen rechtes Auge von einer Augenklappe verdeckt wurde. Barbiel hatte mich bereits vor ihm gewarnt. Sariel!

„Die ‚ungebetenen Gäste’ nehme ich an? Ich bin Sariel der der Kommandant des Korridors.“ Das laute Heulen einer Sirene durchbrach die plötzlich eingetretene Stille.

„Die Sirene, die ihr hört ist der tertiäre Alarm. Das heißt der Kontrollraum steht unter ihrer Gewalt. Nicht mehr lange und der gesamte Korridor wird ins toxische Meer stürzen…“ Geradeheraus, befehlsgewohnt und nicht im Geringsten beunruhigt teilte Sariel uns diese Nachricht mit.

„…und restlos versinken.“

„Wa… Was sagen sie da…?!“ Sowohl Raziel und Setsuna hatten es geschafft sich aus ihrer anfänglichen Erstarrung zu lösen.

„Du mußt der sein, den sie Messias nennen. Beruhige dich.“ Gelassen fixierte er Setsuna und strömte dennoch eine unglaubliche Aura der Bedrohung aus. Was war das nur?

„Es wird nur diese Insel treffen. Jibril-sama befindet sich in Einzelhaft auf einer anderen Insel.“ Sara?! Sie haben sie erneut eingesperrt?

„Kommandant Sariel!“ Ein anderer Engel in Uniform stürmte in die Zelle.

„Das letzte Schiff läuft aus! Bitte sie müssen evakuieren!“

„Das ist mein Stichwort.“ Immer noch die Ruhe selbst musterte uns Sariel der Reihe nach. Als sein Blick auf mich fiel knurrte Cee in bedrohlich an. Vollkommen unbeeindruckt wandte Sariel sich wieder Setsuna zu.

„Ihr könnt zusammen mit der Insel sterben, oder ihr laßt die Waffen fallen und ergebt euch. So oder so, er ist nicht mehr zu retten.“ Dabei wies er mit einem verächtlichen Blick auf Zaphikel, der sich auf dem Boden wand als wäre er ein verwundetes Tier.

„Was… ?!“ Setsunas völlig fassungslose Stimme schien Sariel ein klein wenig aus dem Konzept zu bringen. Er erklärte wesentlich mehr als er es in dieser Situation gemußt hätte.

„Besser ihr laßt ihn hier sterben. Die Fäulnis wird bald sein Hirn erreichen und ihn nach seinem Tod zum Ghoul werden lassen. Sie alle treibt der gleiche Schmerz – der Verlust ihrer Flügel. Es ist der Durst in ihnen, der sie nach Fleisch gieren läßt – sogar nach dem der ihrigen. Für ihn seid ihr nun…“ Verächtlich sah Sariel auf die Gestalt am Boden, die langsam wieder zu Kräften kam.

„…nichts mehr als Beute.“

*Hunger… die Schmerzen sollen aufhören… muß essen… Fleisch… frisches Fleisch…* Noch während ich diese Gedankenfetzen aufschnappte sah ich in Raziels weit geöffnete Augen. Nein! Nein! Das darfst du nicht tun!

*Ich rieche frisches Blut, junges Blut… keine sehnigen bitteren Eingeweide.* Langsam, beinahe unnatürlich langsam kehrte das Leben in Zaphikels verwesenden Körper zurück. Immer weiter kroch er auf Raziel zu, der seinen Mentor nach wie vor mit weit aufgerissenen Augen anstarrte ohne auch nur einen einzigen Millimeter zurückzuweichen. Tränen eines unaussprechlichen Schmerzes rannen über seine aschfahlen Wangen.

*Es riecht so gut… ich muß essen… vielleicht hören dann die Schmerzen auf… Essen…* Ich versuchte mich von Cee zu befreien, doch er drückte mich nach wie vor fest gegen die Wand. Er gab mir keine Chance zum Eingreifen.

„…nur zu.“ Die aquamarinblauen Augen voller Trauer und Schmerz öffnete Raziel den Mantel seiner Uniform und legte seinen Hals frei.

„Hier… eßt. Es macht mir nichts aus. Wenn es euren Schmerz erleichtern kann, ist es mein Wunsch.“ Anael schrie in meinem Innern auf.

„Ich… habe eine besondere Kraft… mein Bewußtsein der Astralkraft anderer anzupassen und ihre Kräfte zu verstärken… Kaum daß ich sie benutzte, wurden meine Augen rot wie die eines I-children. Ich haßte mein Talent und verbarg es vor den Anderen.“ Ich hatte immer mehr damit zu kämpfen Anael im meinem Innern zu halten. Sie wäre am Liebsten aus mir hervorgebrochen um Raziel daran zu hindern sich für seinen Mentor zu opfern. Doch das durfte ich nicht zu lassen. Wenn Sariel ihre Seele zu Gesicht bekam würde er sie für immer zerstören.

„Als sie mich entdeckten… endete ich als Versuchskaninchen im ‚weißen Zimmer’. Ihr wart es, der mich aus dieser Hölle befreite… der mich lehrte meine verhaßten Kräfte zu kontrollieren… und sie als Geschenk zu verstehen.“ Ich wimmerte leise vor mich hin als Raziels Hände zärtlich Zaphikels Gesicht umfaßten. Außerstande mich aus Cee schützender Deckung zu befreien. Warum? Warum mußten diese Beiden so sehr leiden?

„Alles, alles habe ich euch zu verdanken… nun soll euch wenigstens mein Tod nutzen sein. Bitte.“ Raziels Gesicht war vollkommen ruhig als sich Zaphikel ihm noch weiter näherte.

*Fleisch…! Junges Fleisch…! Ich muß essen!* Zaphikels Hand legte sich in Raziels Nacken während dieser die Augen schloß und mit einem unmenschlichen Knurren öffnete Zaphikel den Mund bereit seine Beute zu erlegen. Der Aufschrei, der durch mein Inneres fuhr lähmte mich beinahe völlig und plötzlich war etwas da. Etwas, das sie Intensität eines Blitzes besaß und bis hin zu Zaphikels verschüttetem Verstand vordrang. Ein einziger Satz, der Zaphikel in mitten seiner Bewegung stoppen ließ.

*Erlaubst du mir… dein Gesicht zu berühren?* Noch ehe ich Anael fragen konnte ob sie dafür verantwortlich gewesen war begannen die Wände um uns herum einzustürzen. In diesem kleinen Tumult gelang es Setsuna sein Schwert Nanatsusaya zum Einsatz zu bringen. Leider verfehlte er Sariel um Haaresbreite. Lediglich dessen Augenklappe segelte zu Boden. Doch auf das was danach geschah war keiner von uns gefaßt. Eine unglaublich starke Macht lähmte uns völlig. Sie durchdrang den Raum und fraß sich bis tief in unser Innerstes.

„Auch ich habe meine Kräfte gehaßt… auch ich hatte keine andere Wahl als mit ihnen zu leben… meinem bösen Blick!“ Haß und Verachtung verfärbten Sariels Stimme und der Soldat, der seinen Kommandanten eigentlich nur hatte retten wollen sank mit einem schmerzhaften Schrei leblos zu Boden.

„Ein schwacher Wille zerbricht unter seinem Anblick… auf dem Rest kann ich spielen wie auf einer Fidel. Euer Schicksal war in dem Moment besiegelt als ihr in mein Auge saht.“ Das grelle Licht, das aus Sariels rechtem Auge strömte fesselte mich. Es war zugleich wunderschön und bedrohlich. Langsam hob er seine Waffe an und richtete sie auf Setsuna, der sich ebenso wenig bewegen konnte wie ich.

„Ach wirklich?“ Kiras ruhige Stimme brachte Sariel aus dem Konzept.

„Scheint so, als wäre dein Blick bei mir wirkungslos.“ Lächelnd hielt er Sariel das Katana unter die Kehle während dieser sich entsetzt umwandte. Er hatte nicht gemerkt wie Kira sich in seinen Rücken geschlichen hatte.

„Wirkungslos…? Was zu…?” Er sah direkt in Kiras Gesicht und er wurde blaß.

„DU! Dein Gesicht! DU bist… Michael-samas ‚ungebetener Gast’?“ Der kleine Moment in dem Sariels Blick mich nicht mehr direkt traf hatte gereicht. Ich spürte wie die Lähmung allmählich von meinem Körper wich und ich mich ebenfalls wieder bewegen konnte. Anscheinend wirkte sein böser Blick nur solange wie man ihm direkt ausgesetzt war.

„Also hat Rosiel-sama über dich gesprochen.“ Mit einem Ruck nutzte Sariel es aus, das er Kira abgelenkt hatte und brachte etwas Entfernung zwischen sich und die gefährliche Klinge.

„Wovon redest du da?“ Aufgebracht setzte Kira ihm nach, doch seine Klinge wurde von Setsunas Schwert abgewehrt. Aus irgendeinem Grund stellte sich dieser nun schützend vor Sariel.

„S- Setsuna er steuert dich!“ Fassungslos starrte Kira seinen besten Freund an, der wie eine willenlose Marionette sein Schwert festhielt um Kira am Fortkommen zu hindern.

„Das ist normalerweise nicht meine Art… aber mit dir als Gegner bleibt mir keine Wahl…“ Keine Ahnung was Rosiel ihm erzählt hatte, aber es sah ganz so aus als hätte Sariel denselben Verdacht, der mich bereits in der Hölle überkommen hatte. Kiras Gesicht sah dem von Luzifer einfach viel zu ähnlich als das es sich dabei lediglich um einen Zufall handeln konnte. Irgend etwas steckte dahinter, doch was?

„Messias! Töte ihn!“ Das Leuchten in Sariels rechtem Auge verstärkte sich um ein vielfaches und ich wandte den Blick ab um nicht erneut von ihm gelähmt zu werden. Noch während sich Setsuna versuchte gegen Sariels Einfluß zu behaupten setzte sich sein Körper in Bewegung.

„NEEEEEEEIN!“ Meine verzweifelte Stimme hallte von den Wänden wieder doch sie erreichte Setsuna nicht. Mit hoch erhobenem Schwert stürmte er auf Kira zu, der sich nicht im Geringsten bewegte.

„Das… ist… nicht möglich…! …Wieso… hat mein Auge dich nicht…?“ Das Licht von Sariels Auge verblaßte urplötzlich. Blut strömte über die rechte Seite seines Gesichtes wo sich bis vor kurzem noch sein Auge befunden hatte. Hinter ihm ragte ein dunkler Schatten bedrohlich auf.

„Aber natürlich…“ Mit einem schmatzenden Geräusch zog Zaphikel das Schwert aus Sariels Kopf zurück.

„du bist… blind.“ Sariels Körper fiel leblos zu Boden und gab den Blick auf Zaphikels blutverschmierte Brust frei. Wann hatte er?

„Was tut ihr hier?! Wer hat gesagt, daß du herkommen und mich retten sollst?! Was glaubst du, wozu ich dich nach Anagura geschickt habe?! Raziel!“ Oh ha, da war jemand sauer.

„Du solltest dem Messias zur Seite stehen! Eine Brücke sein zwischen ihm und der Organisation falls ich gefangen werden sollte! Was fällt dir ein, dich noch einmal in solche Gefahr zu begeben?!“ Der plötzliche Ausbruch seines Mentors überraschte Raziel ebenso sehr wie uns. Keiner hatte damit gerechnet, daß er noch einmal derartig zu Verstand kommen würde. Doch es war nicht von langer Dauer. Bereits jetzt hustete er Blut und sank in sich zusammen.

„Geht! Ich kann jede Sekunde… wieder die Besinnung verlieren!“ Er wies Raziels Hände von sich als dieser ihm aufhelfen wollten.

„Dieser Virus vermag es als einziger einen Ghoul zu töten… aber er aktiviert gleichzeitig sämtliche Hirnzellen… so wie jetzt. Bis dann letztendlich auch SIE verfallen… und mich erneut der Hunger überkommt.“ Langsam löste sich Cee von mir und ich konnte wieder ungehindert atmen. Es war mir gar nicht aufgefallen mit wieviel Druck er mich an der Wand gehalten hatte. Langsam näherte ich mich den Anderen unschlüssig, was ich tun oder sagen sollte.

„Wenn das geschieht Raziel-kun… will ich, daß DU mir das Herz durchstößt. Das ist der einzige Weg.“ Ich schluckte. Es war grausam, das er das ausgerechnet von Raziel forderte, dem er mehr bedeutete als alles andere auf der Welt.

„Aber das… DAS KANN ICH NICHT!“

„Sei nicht dumm! Willst du den Messias noch größerer Gefahr aussetzen? Du wirst es tun.“

„Zaphikel! Gib ihm nicht die Schuld! Ich war es, der…“

„Du mußt dich bei mir für nichts entschuldigen, Messias. Es war alles Teil meines Plans...“ Zaphikel saß auf dem Boden und klammerte sich an die Wunde in seiner Brust um bei Verstand zu bleiben während Raziel vergeblich versuchte seinem Mentor zu helfen.

„Angefangen damit, daß ich Jibrils Fluchtpläne bewußt geheim hielt, als ich Raziel zu dir sandte… um sicherzustellen, das du alleine in den Himmel kommen würdest. Sodann trieb ich dich absichtlich in deinen Alleingang… und fingierte deinen Fehlschlag, so das du dir deiner Rolle als Messias bewußt wurdest.“ Ich starrte die Gestalt, die nur wenige Meter von mir entfernt auf dem Boden saß fassungslos an. Er hatte das alles geplant?!

„Genauso… wie ich Sara Mudo überzeugte, sich aus freien Stücken zurück an Sevie zu übergeben…! Denn ich wußte mit deiner Geliebten in seinen Händen… würdest du ihn hassen und gnadenlos bekämpfen, bis du sie zurückhättest.“ Es war unglaublich, was er uns da eröffnete. Er hatte Setsuna und Sara benutzt als wären sie nichts weiter als Schachfiguren auf einem Spielbrett.

„…Ja …ich beging zahllose Untaten und trug dabei die Maske eines Heiligen… Alles um noch einmal den heiligen Einsiedler Adam Kadmon zu sehen… doch genau wie meine Augen, blieb mein Herz in lichtlose Dunkelheit gehüllt… Genau wie damals… Ich war immer noch blind…“ Er hatte den Kopf gesenkt und eine Hand in seinen Haaren vergraben.

„Anael trug unser Kind in sich. …Ich fühlte, daß etwas sich in mir gewandelt hatte. Deshalb versprach ich ihr, den Dienst zu quittieren. …dies sollte meine letzte Mission sein.“ Ich schluckte. Anael hatte mir bereits gezeigt was damals geschehen war, doch es aus Zaphikels Mund zu hören war etwas vollkommen anderes. Anaels Erinnerungen und der mit ihnen verbundene Schmerz kehrten in mein Herz zurück.

„Wir wollten das Kind bekommen, an irgendeinem menschenleeren Ort… und ein ruhiges Leben führen…“ Was er sagte erinnerte mich an meine Eltern, die gezwungen waren das Kind ihrer Liebe in Assia zu verstecken um sich selbst und ihr Kind zu schützen.

„Aber… die Mission, die über meine Erlaubnis zum Ausscheiden aus der Einheit entscheiden sollte war ihre Falle. Nie hätte der hohe Rat den Mann aufgegeben, der all ihre schmutzigen Geheimnisse kannte. Nun… lag Anael in Dunkelheit vergraben… und mit ihr jede Spur von Sevothtartes Machenschaften.“ Er machte eine kleine Pause, zwang sich dann aber zum Weitersprechen.

„Ich brach ins Labor ein, schnitt das formlose Embryo aus ihrer Leiche und bettete es in künstliches Fruchtwasser… es hatte keinen Zweck. Es war… schon tot…!! In nur einem Augenblick… hatte ich alles, was ich einst hatte, verwirkt…“ Hatte er mir deshalb nie wieder Fragen über meine Vergangenheit gestellt? War das der Grund? Weil er gewußt hatte welchen Schmerz man dort begrub?

„Mag sein, daß ich in dir dieses tote Kind sah.“ Mit einer kraftvollen Bewegung löste er Raziels Hände von seinem Körper und stieß diesen ein klein wenig von sich.

„Die ganze Zeit spielte ich den Wohltäter, der sich um diesen aschgrauen Himmel sorgt… alles, um dem ins Gesicht spucken zu können, der mir eine schwerere Bürde auferlegte, als diese Gestalt. …damals, als sein wunderbringendes Licht das Schicksal vereitelte, daß ich im Meer meines eigenen Blutes zu ertränken dachte.“ Die unterdrückte Verzweiflung in seinen Worten war mir nur allzu vertraut. All das hatte ich bereits vor langer Zeit gefühlt. Damals, als ich ebenfalls an einem Tag alles verlor, was mir wichtig war…

„Was ist? Antworte mir endlich! Was ist es, was ich mir wünsche himmlischer Adam Kadmon?! Wofür habe ich diesen hohlen Körper, dieses hohle Herz bis hierhin gezerrt?! Wofür habe ich gelitten?! Wieso hast du mich damals nicht sterben lassen?!“ Er schrie seinen Zorn hinaus die Augen zu einem unsichtbaren Himmel gehoben.

„SAG ES MIR ADAM KADMON!“ Ein gleißendes Licht erfüllten den Raum und die Zerstörung um uns herum stoppte beinahe im selben Augenblick als Adam Kadmons Gestalt innerhalb dieses Lichtes erschien. Die Zeit stand still.

*Die Zeit ist gekommen, mein Versprechen einzulösen. Zaphikel, mein verlorenes Kind weißt du denn nicht? Dein Wunsch… hat sich längst erfüllt.* Die Stimme fern in Raum und Zeit umwehte uns ohne, das er irgend jemanden außer Zaphikel Beachtung schenkte.

*Öffne dein Herz. Es ist an der Zeit, die Wahrheit zu sehen. Was war es, was deine Augen sahen?* Zaphikel rührte sich lange nicht. Er saß nur da und badete mit geschlossenen Augen im Licht Adam Kadmons.

„Dann… ist das Kind… Anaels noch am Leben?“

*Was ist Schicksal, als eine Reihe von Zufällen? Ja, es wuchs… und das Schicksal hat euch bereits zusammengeführt. Obwohl das, was du suchtest schon in deinen Händen war… war es zu nah, als daß du es gesehen hättest. Deine Trauer zu tief… du fürchtest dich davor Milde und Sanftmut in dein Herz zu lassen. Nun… Welche Wahrheit sehen deine Augen nun?* Langsam beinahe bedächtig öffnete Zaphikel seine Augen und blickte direkt in Raziels Gesicht.

„Ra… Raziel…?“

„Zaphikel-sama…! Ihr könnt sehen…?! Za…“ Noch ehe Raziel weitersprechen konnte hatte Zaphikel ihn sanft umarmt und drückte ihn fest an sich.

„Versprich mir… tu nie wieder etwas so unüberlegtes! Glaube an ihn. Sei ihm ein guter Ratgeber und ein verständiger Gefährte.“ Das Gesicht keine Handbreit von dem seines Schülers entfernt sprach Zaphikel weiter.

„Im Namen des großen Throns Zaphikel… ernenne ich dich Kadett Raziel… zum Anführer der Anima Mundi!“

„Ja…!“ Mit Tränen in den Augen löste sich Raziel von seinem Mentor und salutierte vor diesem.

„Großer Thron Zaphikel! Kadett Raziel akzeptiert dem ihn anvertrauten Posten! Es ist mir eine Ehre!“ Ein zufriedenes Lächeln legte sich auf Zaphikels Gesicht und für einen kurzen Moment sah er an seinem Schüler vorbei in meine Richtung. Er nickte mir kurz und seine Lippen formten noch ein stummes Danke, bevor sich sein Körper verkrampfte und der Ghoul vollständig aus ihm hervorbrach.

„RAZIEL!!“ Wir alle waren bereit zum Eingreifen, doch Raziel schien uns nicht zu hören. Mit merkwürdig leeren Augen sah er die Gestalt vor sich an.

„Rührt… ihn nicht an!“ Mit einer Entschlossenheit, die ich ihm nicht mehr zugetraut hätte zog Raziel eine Pistole aus seinem Hosenbund und schoß Zaphikel zielsicher mitten durchs Herz. Beinahe im selben Moment löste sich Anael von mir und schoß auf die zu Boden fallende Gestalt zu.

Zaphikel lächelte sie sanft an als das Leben aus seinem Körper wich und sie ihm ihre Arme entgegenstreckte. Er griff danach und noch ehe sein lebloser Körper den Boden berührte verschwanden die Beiden eng umschlungen und mit überglücklichen Gesichtern in einem Meer aus Licht.

„Niemand sonst wird euch anrühren.“ Die Tränen rannen mir heiß über das Gesicht während ich mich langsam Raziel näherte und ihm vorsichtig seine Waffe aus der Hand nahm. Er nahm es nicht einmal wahr. Er starrte vollkommen paralysiert auf Zaphikels Leichnam.

„Weil ihr… ihr…“ Der Rest seiner Worte ging in dem Geräusch zerberstender Wände unter. Die Zeit stand nicht länger still. Wir mußten machen, daß wir hier wegkamen.

*Mehr vermag meine Kraft nicht zu tun… bevor ich entdeckt werde. Eile zu mir Messias! Oder meine Macht wird für immer versiegelt. Im hohen Rat… und auch in der Hölle beginnt man meine Präsenz zu spüren. Wenn dies geschieht, wird die Zeit sich auf der Erde weiterdrehen. Messias! Du darfst keine Zeit verlieren!* Adams Kadmons Gestalt verblaßt ebenso schnell wieder wie sie gekommen. Es gab nun keine Macht mehr, die die Zerstörung des Korridors noch weiter aufhalten konnte. Alles stürzte ein und noch immer bewegte sich niemand von uns.

„HEY!! Macht hin und bewegt euren Arsch! Pennt ihr oder was?“

„Katou?!“ Er stürmte mit griffbereiter Waffe in den Raum, ignorierte Setsunas Frage und machte uns allen gehörig Dampf unterm Hintern. Keine fünf Minuten befanden wir uns schon an Bord einer Merkabah, die uns in Sicherheit brachte während der Korridor allmählich in sich zusammenstürzte und im Meer versank.

Raziel stand vollkommen allein an einer der großen Scheiben und beobachtete, wie der Korridor immer weiter in den Wassermaßen verschwand. Seine Augen waren mit Tränen gefüllt und je mehr der Korridor versank, desto stärker strömten die Tränen über seine Wangen. Er hielt sich verzweifelt an der Scheibe aufrecht ohne zu merken, das ich bereits seit geraumer Zeit hinter ihm stand. Vorsichtig legte ich ihm eine Hand auf die Schulter und wartete bis er sich daran gewöhnt hatte. Sein unterdrücktes Schluchzen drang leise an meine Ohren und ohne mich um irgend etwas oder irgendwen zu kümmern umarmte ich ihn. Er ließ das Meer über dem sich der Korridor befunden hatte jedoch nicht eine Sekunde aus den Augen.

„Es ist gut. Du hast das Richtige getan. Jetzt ist er endlich frei.“ Mit einem Aufschrei drehte er sich zu mir um und versank schluchzend an meiner Brust. Sanft strich ich durch sein goldenes Haar und beobachtete, wie sich das Meer vor uns allmählich wieder glättete.

Zaphikel hatte endlich seinen Frieden gefunden.



05-03-27

 

 

Next: Part 29 – Decision?

 

 



Puh, endlich fertig. Wie ihr gemerkt haben werdet hat es tatsächlich geklappt dieses Kapitel über Ostern zu beenden. *freu*

Vielen Dank noch mal für die aufbauenden e-mails! (Und das alles wo ich euch solange habe warten lassen…)

Irgendwie ist dieses Kapitel auch plötzlich wesentlich länger geworden als geplant, aber ich wette, das stört euch nicht im Geringsten, oder?

Wie auch immer Shao hat es endlich geschafft Sevie zu entkommen. Das war übrigens ein ganz schönes Stück Arbeit. Ich war mir bis zu letzt nicht sicher wieviel ich Raphael über sie erfahren lasse, aber wie ihr bereits gelesen habt war es nicht allzu viel. Er ist genauso klug wie vorher ^.^

Hmm, da ich ohnehin gerade beim Nachwort bin könnte ich doch eigentlich etwas Werbung in eigener Sache machen, oder? (Es ist jetzt nicht so, als wenn das irgend jemand von euch verhindern könnte, oder so. ^.^) Nach inzwischen beinahe drei Jahren ist es mir nämlich gemeinsam mit ein paar Freunden gelungen eigenes Manga und Anime Fanzine fertigzustellen. *freu*

Wenn es euch interessiert, dann seht einmal auf unserer Website nach,

http://kurenai-no-tenshi.de.tl/

Es würde mich freuen, wenn ihr beim Lesen des Fanzines genauso viel Spaß habt wie wir beim Erstellen ^.^

@Alexiel-chan
Lebst du noch? Deine alte email-addy funktioniert nicht mehr und eine neue habe ich nie erhalten.

@Umi-chan
Na, ist dieses Ende besser? Bei Secrets war ich aber auch fies…

Ich wünsche euch allen noch einen schönen Ostersonntag und hoffe inständig, daß ich für die neuen Kapitel nicht wieder so ewig brauchen werde wie dieses Mal.

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* Übersetzung lateinisches Gloria:

Ehre sei Gott in der Höhe.

Und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.
Wir Loben dich.

Wir preisen dich.
Wir beten dich an. 

Wir rühmen dich.
Und Danken dir, den groß ist deine Herrlichkeit. 

Herr und Gott, König des Himmels und Vater, Herrscher über das All.
Herr eingeborener Sohn, Jesus Christus.

Herr und Lamm Gottes, Sohn des Vaters.
Du nimmst hinweg die Sünde der Welt: erbarme dich unser.

Du nimmst hinweg die Sünde der Welt: nimm an unser Gebet.
Du sitzest zur Rechten des Vaters: erbarme dich unser.

Denn du allein bist der Heilige.
Du allein der Herr. 

Du allein der Höchste, Jesus Christus.
Mit dem heiligen Geist zur Ehre Gottes des Vaters.
Amen.


(Sowohl der lateinische Text als auch die deutsche Übersetzung stammen aus dem Gotteslob des Bistums Hildesheim.)


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UPDATE Kurenai no Tenshi
 

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Teilnahme an folgenden
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30.04. - 01.05.2016
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UPDATE Fanfiction
 
Moon Shadows
Chapter 14
___________________

Secrets
wird fortgesetzt
___________________

Love of an angel
abgeschlossen
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Kaze to ki no uta

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Animescreenshots sind online
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