Part 29

05-04-15

 

Love of an angel

         Part 29

 

Decision?

 

Wie lange wir dort standen konnte ich nicht sagen, aber die Sonne begann allmählich hinter dem Horizont zu versinken und das Meer unter uns verwandelte sich in eine Fläche aus flüssigem Gold das hier und da von verschiedenen Rottönen durchgezogen wurde. Raziels Schluchzen an meiner Brust verebbte allmählich doch es war mir nach wie vor unmöglich meinen Blick von der Stelle abzuwenden an der vor wenigen Minuten der Himmelskorridor versunken war.

Die Wasseroberfläche war vollkommen ruhig und kräuselte sich ab und zu im leichten Wind, der über sie striff. Es gab nicht mehr den geringsten Hinweis darauf, daß sich an diesem Ort einst das größte der Engelsgefängnisse befunden hatte. Das toxische Meer über dem er schwebte hatte sämtliche seiner Spuren für immer in sich begraben. Die Säure hatte das Gebäude und alles, was sich darin befunden hatte komplett zersetzt und niemanden würde es je gelingen auch nur den kleinsten Hinweis darauf zu finden was hier wirklich geschehen war. Es sei denn er war dabei gewesen und hatte es überlebt.

Bei dem Gedanken an all diejenigen, die gemeinsam mit den Korridor untergegangen waren spürte ich einen leichten Stich in meinem Herzen. Zaphikels leblose Hülle war ebenfalls mit dem Korridor versunken und Raziel würde keinerlei Möglichkeit haben den Körper seines Mentors zu bestatten. Ob er wohl gemerkt hat was Zaphikel ihm zu letzt noch sagen wollte? Mechanisch strich ich über das blonde Haar unter meiner Hand und spürte wie mir die Tränen in die Augen traten.

Raziel war Anaels und Zaphikels Sohn. Doch wußte er das ebenfalls? Zaphikel hatte es kurz vor seinem Tod begriffen und ich wußte es bereits seit langer Zeit. Anaels Seele hatte es mir verraten als ich in die Himmel zurückkehrte und Raziel das erste Mal wiedersah. Ihre Gefühle hatten mich damals beinahe überrannt und auch jetzt konnte ich spüren wie das Bedürfnis diesen jungen Engel zu beschützen tief in meiner Brust brannte.

Dennoch fühlte ich mich merkwürdig leer. Anaels Seele hatte mich verlassen um Zaphikel in die Ewigkeit zu begleiten und obwohl es mich freute, daß sie endlich wieder vereint waren fühlte ich mich ohne ihre Anwesenheit seltsam allein.

„Komm, du solltest dich ausruhen.“ Ohne auf seine Antwort zu warten führte ich Raziel langsam durch das Innere der Merkabah bis ich ein freies Quartier gefunden hatte in dem ihn niemand stören würde. Er würde noch früh genug mit den Anderen zusammentreffen und sich seines Amtes als Oberhaupt der Anima Mundi bewußt werden. Jetzt brauchte er Zeit um sich zu sammeln und zu trauern. Zaphikels Verlust hatte ihn schwer getroffen und ich war mir nicht sicher, wie er das verkraften würde.

„Shao-san?“ Seine aquamarinblauen waren nach wie vor mit Tränen gefüllt, doch sie rollten ihm nicht länger über seine blassen Wangen.

„Ist schon gut.“ Sanft fuhr ich durch sein Haar und drückte ihn langsam auf das Bett damit er sich hinlegte. Er gab dem Druck meiner Hand langsam nach und streckte sich vorsichtig auf der weichen Matratze aus. Er trug nach wie vor seine Uniform, doch in Anbetracht der Situation war es egal ob er sich mit Stiefeln ins Bett legte oder ohne. Als sein Kopf die Kissen berührte gewann die Müdigkeit. Er seufzte noch einmal kurz auf und dann schlossen sich seine Augen.

„Schlaf gut mein kleiner Engel.“ Ich hauchte ihm sanft einen Kuß auf die Stirn und war überrascht, daß sich eine seiner Hände fest in meine Haare geklammert hatte. Lächelnd beobachtete ich wie sich sein Brustkorb regelmäßig hob und senkte. Er schlief bereits tief und fest und machte nicht die geringsten Anstalten meine Haare freiwillig loszulassen. Seufzend sank ich neben dem Bett in die Knie und verschränkte meine Arme auf dem weißen Laken.

„Also so wird das aber nichts. Ohne Decke erfrierst du noch.“ Ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht als der den leicht tadelnden Tonfall in meiner Stimme erkannte, aber er hielt mein Haar nach wie vor festumschlossen. Es sah nicht so aus als würde er in der nächsten Zeit aufwachen und ich hatte auch nicht vor ihn zu wecken. Vorsichtig richtete ich mich etwas auf und tastete mit einer Hand nach der Decke, die sich selbstverständlich am anderen Ende des Bettes befand. Nach mehreren kleinen Verrenkungsübungen hatte ich sie dann endlich in meinen Besitz gebracht und zog sie langsam über Raziels schlafenden Körper. Er brummelte kurz etwas vor sich hin und drehte sich dann leicht zur Seite. Ja, er schlief wirklich tief und fest. So schnell würde ihn nichts wachbekommen. Was aber gleichzeitig bedeutete, daß ich mich ebenfalls nicht bewegen konnte. Jedenfalls nicht solange er meine Haare festhielt.

„Hmm… Zaphikel… …sama…“ Bei der Erwähnung dieses Namens zuckte ich unwillkürlich zusammen, doch es schien eine schöne Erinnerung zu sein, die Raziel dort in seinem Träumen besuchte. Er lächelte im Schlaf selig vor sich hin und sah dabei aus wie ein Baby, das zum ersten Mal in seinem Leben Schokolade aß. Ich mußte mir bei diesem Vergleich mühsam das Grinsen verkneifen. Er war einfach zu niedlich. Inzwischen hatte er sich auf den Rücken gedreht und lächelte die Decke über sich an während sich seine Arme und Beine in sämtliche Himmelsrichtungen ausdehnten. Ich duckte mich leicht als seine Hand meinen Kopf gefährlich nahe kam, aber wie sich herausstellte war das gar nicht nötig. Seine Hand fiel auf halber Strecke zurück auf das Lacken und er murmelte weiter vor sich hin. Anscheinend gefiel ihm sein Traum und mit einem leichten Seufzer lockerte er den Griff um mein Haar. Behutsam zog ich einzelnen Haarsträhnen aus seiner Reichweite und stand langsam auf. Inzwischen war die Sonne bereits komplett hinter dem Horizont versunken und nur noch ein dünner Silberstreif deutete auf ihre Existenz hin. Nicht mehr lange und die Dunkelheit würde jegliches Licht verbannen. Schon jetzt brannte in den Fluren der Merkabah das Licht und schien durch die geöffnete Tür zu uns herein. Neben dem Fenster war dies die einzige Lichtquelle, die den Raum erhellte.

„Ist mit ihm alles in Ordnung?“ Der Schatten, der den Raum plötzlich verdunkelte war mir nur zu gut bekannt.

„Ja, er schläft.“ Ohne ein weiteres Wort darüber zu verlieren verließ ich den Raum und ging dabei dicht an Kira vorbei. Ich konnte deutlich sehen, daß seine Sorge nicht nur allein Raziel galt.

„Und bei dir?“ Ich seufzte leicht.

„Ich weiß es nicht. Es ist zuviel passiert.“ Er sah mich lange an bevor er ebenfalls leicht seufzte. Er wußte, daß ich ihm ehrlich geantwortet hatte und daß er sich vorerst keine Sorgen um mich machen mußte. Ich merkte eher beiläufig, daß er sein Katana nach wie vor fest in der Hand hielt und zog fragend eine Augenbraue nach oben.

„Man weiß nie.“ War seine einzige Antwort auf meine unausgesprochene Frage. Ich sah an ihm vorbei den Flur hinunter und hatte plötzlich das unstillbare Bedürfnis ins Freie zu gelangen. Zielstrebig setzte ich mich in Richtung einer der kleinern Aussichtsplattformen, die es an jeder Merkabah gab in Bewegung. Kiras Hand hielt mich zurück noch ehe ich die Tür öffnen konnte.

„Hier. Es wird kalt werden.“ Er hatte den Mantel seiner Uniform bereits ausgezogen und hielt ihn mir einladend entgegen. Erst da wurde mir bewußt, daß ich mich nach wie vor in den Fetzen des Kleides befand, das Sevothtarte mir verpaßt hatte und das ich barfuß durch die Gegend lief.

„Danke.“ Ich schlüpfte in den Mantel und merkte augenblicklich den Temperaturunterschied. Kiras Wärme war nach wie vor in ihm vorhanden und ich kuschelte mich ein klein wenig enger in das Futter. Mir war gar nicht bewußt gewesen, das sich meine Haut in der Zwischenzeit so dermaßen stark abgekühlt hatte.

„Gar nicht gemerkt, wie?“ Er grinste mich schief an und ich boxte ihm leicht in die Seite. Es war nicht nötig, daß wir viele Worte verloren. Seltsamerweise verstanden wir uns seit unserer ersten Begegnung beinahe blind und das hatte ein Vertrauen zwischen uns geschaffen, das so leicht durch nichts und niemanden zu erschüttern war.

„Kommst du später mit zu den Anderen?“ Sein Kinn ruckte leicht nach hinten als er auf das andere Ende des Flur wies.

„Nein. Ich muß erst nachdenken.“ Meine Hand lag bereits auf dem kühlen Metallriegel doch noch zögerte ich.

„Verstehe. Was ist mit Cee?“ Ich starrte die Tür vor mir an und konnte das Vibrieren des Windes unter meinen Fingern spüren. Der Drang ins Freie zu gelangen wurde immer größer.

„Er weiß wo ich bin.“ Seid unserer Ankunft auf der Merkabah hatte ich meinen ständigen Begleiter zwar kaum zu sehen bekommen, doch er würde sobald ich ihn brauchte wie und je an meiner Seite sein. Vor allem nachdem ich ihn in der Hölle alleingelassen hatte, damit er auf Setsuna und Kira aufpaßte.

„Meinst du nicht, es wäre besser, wenn er nicht ganz so viel Aufmerksamkeit erregen würde?“ Seufzend drückte ich stärker gegen den Riegel. Cee hatte nach unserer Flucht die Gestalt einer schwarzen Bestie beibehalten und das schien einige der Engel die sich mit uns auf der Merkabah befanden doch recht nervös zu machen. Mit einem leisen Klacken sprang der Riegel endlich zurück und die Tür öffnete sich beinahe von allein. Der angenehm kühle Nachtwind umwehte mich und ich ließ Kira, Kira sein. Ohne mich umzusehen trat ich auf die kleine Plattform hinaus und ließ die Tür hinter mir ins Schloß fallen. Ich wußte, daß er mir nicht folgen würde, aber das würde ihn nicht daran hindern eine Weile vor der Tür stehenzubleiben um Wache zu halten.

Seufzend lehnte ich mich an die Brüstung und starrte in die Nacht hinaus. Der Himmel war Wolkenverhangen und kaum ein Stern war zu sehen. Selbst der Vollmond verbarg sich hinter einer dunklen Wolke und war nur noch schemenhaft zu sehen. Eine Nacht die zu der bedrückenden Stimmung paßte, die uns alle nach dem Untergang des Himmelskorridors erfaßt hatte. Erst nach einer Weile begann ich zu merken, das auch der Wind sich immer weiter abkühlte. Langsam ließ ich mich zu Boden sinken und lehnte mich mit dem Rücken an die Brüstung während ich Kiras Mantel enger um mich zog.

Ich hatte nicht gelogen! Ich war in die Nacht hinausgegangen um nachzudenken doch schon nach einer Weile war ich mir gar nicht mal mehr so sicher ob diese Idee so gut gewesen war. Die Stille um mich herum und das regelmäßige Geräusch des Windes machten mich zum einen schläfrig und zum anderen wurden meine Sinne dadurch um so mehr geschärft. Es war lange her, das ich eine Nacht vollkommen allein im Freien verbracht hatte und wahrscheinlich suchten mich gerade deshalb die Erinnerungen an alte Zeiten heim. Entschlossen schnappte ich mir jeden einzelnen dieser Fetzen, der meine Gedanken durchstriff und verbarg ihn wieder in der großen, dunklen Truhe aus der er gekommen war. Ich hatte keine Zeit mich erneut um die Vergangenheit zu kümmern. Viel wichtiger als das war die Gegenwart und die Zukunft.

Sobald Rosiel herausfand, das ich dem Korridor entkommen war würde er nichts unversucht lassen um mich zu finden. Es bestand gar kein Zweifel daran, daß es herausfinden würde. Die Frage war nur wieviel Zeit blieb mir bis dahin. Wie lange würde es dauern bis er wußte wo ich mich befand?

Nicht, das ich etwas dagegen haben würde, zu ihm zurück zukehren doch die klitzekleine Tatsache, das er nichts unversucht lassen würde um einen meiner Freunde zu töten war mehr als nur ein Grund ihm vorerst nicht zu begegnen. Das und das er nicht wußte wer oder was ich wirklich war. Sicher, inzwischen hatte er so einiges über mich herausgefunden, doch die Tatsache, daß ich das Kind eines Engels und eines Dämons war blieb nach wie vor ein Geheimnis. Auch, das seine Zwillingsschwester Alexiel meine Mutter ist weiß er nicht und ich habe nicht vor es ihm zu sagen. Es ist schon so schwer genug zu wissen, das ich ihn eines Tages verraten werde. Gefühle hin oder her, ich habe nicht vor die Welt der Menschen für mein persönliches Glück aufs Spiel zu setzen. Dafür waren meine alten Wunden viel zu schlecht verheilt und zu tief. Ich hatte bereits einmal erlebt, wie man mich schützen wollte und ich dadurch alles verlor, was jemals für mich von Bedeutung gewesen war. Diese Erfahrung wollte ich kein zweites Mal machen. Ich hatte mir geschworen meine Freunde und die Welt der Menschen zu beschützen und bisher hatte das auch eigentlich mehr oder weniger gut geklappt. Nur langsam wurde unsere Lage immer schlimmer. Es blieb uns nicht mehr allzuviel Zeit um Adam Kadmon zu befreien, doch bevor es dazu kam mußte erst einmal Sara-chan gerettet werden, die sich nach wie vor in den Fängen von Sevothtarte befand. Setsuna würde die Welt der Menschen erst dann retten, wenn Sara in Sicherheit war. Was bedeutete, daß ich ihm entweder dabei half oder mir selbst einen Weg nach Ethemenanki suchen mußte um Adam Kadmon aus seinem Gefängnis zu befreien.

Das Problem daran war nur, das man ohne entsprechenden Dimensionstunnel nicht unbemerkt dorthin kam. Immerhin mußte man dafür erst einmal sämtliche Schichten der Himmel durchqueren und da wir gerade äußerst erfolgreich den Himmelskorridor versenkt hatten dürfte das ziemlich schwierig werden. Zum Einen, da sich in diesem Korridor so ziemlich die einzigen freizugänglichen Teleporter befunden hatten mit denen man so etwas hätte bewerkstelligen können und zum Anderen, dürften jetzt sämtliche Engel in Alarmbereitschaft sein und sie hatten bestimmt jeden anderen Teleporter mit mindestens zwei Wachen oder mehr versehen. Unbemerkt würde man da auf gar keinen Fall vorbeikommen. Was auch heißt, das es nicht einfach werden wird Sara-chan zu befreien. Sprich, es wäre reiflich unklug Setsuna und Kira das allein versuchen zu lassen. Sie würden jede Hilfe brauchen, die sie kriegen konnten.

Doch war ich bereit dazu? Konnte ich mich Rosiel wirklich entgegen stellen? Was wenn ich im entscheidenden Moment zögerte?

…KIND… …ERDE …LANGE…

Angestrengt lauschte ich in die Dunkelheit und mußte lächeln als ich die leisen Töne erkannte, die sich durch die Wolken zogen. Die Wolkenwale hatten sich durch den Untergang des Korridors in keinster Weise beeindrucken lassen und zogen jetzt ihre Bahnen durch den nächtlichen Himmel. Ich hörte ihren Gesängen eine Weile zu und erkundigte mich hier und da nach etwas doch daß schien sie kaum zu verwundern. Sie hatten sich schon gefragt wie lange es dauern würde bis sie mich wiedersahen und konnten mir gar nicht genug erzählen. Nur als sie mir davon berichteten wie Rosiel beinahe jeden Abend alleine in den Himmel sah immer in den Hoffnung, das ihm der nächste Morgen endlich die erhoffte Nachricht über meinen Verbleib bringen würde verdüsterte sich meine Stimmung fast ebenso sehr wie die bereits hereingebrochene Nacht.

Nur zu gut hatte sich der Anblick wie Rosiel einsam und allein auf einer Terrasse stand in mein Gedächtnis gebrannt. Das war in meiner Wohnung gewesen. Lange bevor all diese Ereignisse geschahen. Es kam mir beinahe unwirklich vor, daß ich einmal ein Leben unter Menschen geführt hatte. Jahrhunderte lang hatte ich alles was Engel und Dämonen betraf weit hinter mir gelassen, doch in den letzten Monaten hatten sie mich mit unglaublicher Geschwindigkeit eingeholt und dasselbe galt für meine Vergangenheit. Das Siegel, das mich solange vor ihnen verborgen hatte war gebrochen und ich konnte jede Minute enttarnt werden. Nun ja, das wäre so, wenn es noch Hunter geben würde. Außer diesen Engeln wußte eigentlich so gut wie niemand von meiner Existenz, doch Rosiel würde nicht eher ruhen bis er mich wiedergefunden und jedes meiner noch so kleinen Geheimnisse erkundet hatte. Auch Raphael war nicht dumm. Er wußte genau, das er mich bereits einmal behandelt hatte und so sehr mich meine Ausreden und Ausflüchte in der letzten Zeit auch gerettet haben mochten es war klar, daß das nicht ewig gut gehen konnte. Irgendwann würden sie alles herausfinden und das würde alles andere zerstören.

Der Gedanke an Rosiels liebevollen Blick, der sich in dem Augenblick in dem er die ganze Wahrheit über mich und meine Herkunft erfuhr in das völlige Gegenteil verkehren würde jagte mir eine Gänsehaut über den Rücken.

Nein, es war unmöglich. Wir hatten keine Zukunft! Ich könnte mit ihm niemals glücklich werden. Unsere Ziele standen uns im Weg. Es würde niemals gutgehen. Es ist besser, daß ich mich von ihm getrennt habe. Wenn er herausfindet, daß ich mich den Rebellen angeschlossen habe wird er vielleicht ebenfalls begreifen, das wir keine Zukunft haben. Nur, wenn ich das alles weiß warum tut es dann noch so verdammt weh?

Ich hatte das Gefühl in meinem Inneren vollkommen zerrissen zu sein. Ich würde nichts lieber tun als alles stehen und liegen zu lassen nur um zu Rosiel zurückzukehren, aber gleichzeitig wollte ich auch meine Freunde nicht gefährden. Meine Entscheidung ist bereits vor langer Zeit gefallen, aber der Schmerz, der damit verbunden war bahnte sich erst jetzt seinen Weg. Verzweifelt tastete ich in meinem Inneren nach Anaels Anwesenheit obwohl ich genau wußte, daß sie sich nicht länger dort befand. Bisher hatte sie mir immer Trost spenden können wenn meine Gefühle mich zu übermannen drohten und ohne sie fühlte ich mich vollkommen allein gelassen. Es gab niemanden in meiner Nähe dem ich mich hätte anvertrauen können. Dafür gab es einfach viel zu viele Geheimnisse, die zwischen uns standen. Selbst Kira-chan, der mich von allen wahrscheinlich noch am Besten verstand hatte nicht die geringste Ahnung wie es in meinem Inneren wirklich aussah.

…ZU UNS… TROST… ENGEL NICHT WEINEN…

Ich sah in den dunklen Himmel hinauf. Die Wolkenwale waren jetzt gefährlich nah an der Merkabah, aber sie hielten ihren Abstand. Verwirrt blinzelte ich als die Tränen in meinen Augen bemerkte. Mir war gar nicht aufgefallen das ich weinte. Die Gesänge der Wale wurden ein klein wenig lauter und versuchten mich zu trösten. Diese Tiere waren wirklich einzigartig. Irgendwie gelang es ihnen immer wieder genau die richtigen Töne zu finden um das Herz eines Engels oder Menschen beruhigen. Dankbar sah ich zu ihnen hinauf bevor ich aufstand und aus einem Impuls heraus meine Schwingen entfalte. Es dauerte nur einen Wimpernschlag und schon war ich mitten unter ihnen während ihre Stimmen mich einhüllten wie ein warmer Mantel. Eine zeitlang folgte ich ihnen durch die Wolken doch ich war mir der Gefahr von den Anderen entdeckt zu werden nur zu bewußt. Sicher, auf der Merkabah befanden sich nur Rebellen, die mich bestimmt nicht verraten würden, aber das hieß nicht, das man uns nicht von irgendwoher beobachtete. Vorsichtig ließ ich mich vom Wind in die Nähe eines der friedvollen Tiere treiben, das sich einladend zur Seite drehte und dann in den Wolken verschwand nur um dann direkt unter mir aufzutauchen. Ich dankte ihm leise und schwebte beinahe lautlos auf seinen Rücken. Seufzend sank ich in mich zusammen und streckte mich auf der warmen Haut aus. Er duftete angenehm nach Wolken, Wasser und Wind. Die anderen Wale blieben dicht bei uns und ich beobachtete gedankenverloren die Wolken über mir, die ab und zu von einem dieser prächtigen Tiere durchbrochen wurde.

Tat ich wirklich das richtige? War es richtig von mir mich gegen Rosiel zu stellen und von meinem besten Freund zu verlangen mich zu töten? Kira-chan hatte zwar kein weiteres Wort mehr über dieses Versprechen verloren, doch ich wußte, daß es ihn beschäftigte. Sicher, er würde es niemals brechen, aber ich begann mich zu fragen ob es fair von mir war ihn damit zu belasten. Er wußte, daß ich sterben wollte und verstand diesen Wunsch sogar mehr oder weniger. Doch wie grausam mußte es für ihn gewesen sein, als ich ihn gebeten hatte, daß er derjenige sein sollte, der meinem Leben ein Ende setzt? Dabei war es mehr oder weniger nur ein dummer Zufall gewesen, der mich überhaupt auf diese Idee gebracht hatte.

Normalerweise konnte mich so gut wie nichts und niemand derartig verletzten, das die Wunde von langer Dauer war. Nur als mich Setsunas Schwert Nanatsusaya in Anagura am Arm verletzte verheilte die Wunde nicht wie sonst beinahe sofort sondern ich hatte ziemlich lange was davon. Selbst jetzt war bei direkter Sonneneinstrahlung noch ein dünner weißer Strich auf meinem Arm zu erkennen. Ich war mir ziemlich sicher, daß dieses Schwert in der Lage wäre mich zu töten und genau deshalb hatte ich Kira darum gebeten. Wenn Adam Kadmon befreit und die Erde endlich gerettet war, dann sollte er dieses Schwert benutzen um mich zu töten.

…NICHT DENKEN… RUHEN… GEIST BRAUCHT FRIEDEN… SCHLAFEN… SCHLAFEN… SCHLAFEN… SCHLAFEN… SCHLAFEN…

Die sanften Töne lullten mich immer weiter ein und kurz bevor ich endgültig in den Tiefen des Schlafes versank bemerkte ich einen dunklen Schatten mit rubinroten Augen über mir. Mit einem Lächeln auf den Lippen schlief ich ein und die Wale begannen ihre Gesänge zu dämpfen um meinen Schlummer nicht zu stören.

Ein angenehm warmes Prickeln auf meiner Haut weckte mich langsam und als ich vorsichtig unter den Augenlidern hervorlinste bot sich mir ein Anblick, der ebenso selten wie kostbar war. Die Sonne stieg allmählich hinter dem Horizont auf und färbte das toxische Meer in flüssiges Gold während die Wolken, durch die wir uns bewegten rotorange leuchteten und jeder einzelne Wolkenwal in einem Meer von silbernen Schuppen verschwand. Irgendwo in mir regte sich eine Erinnerung, daß ich etwas ähnliches bereits schon einmal gesehen hatte, doch es war mit dem hier kaum zu vergleichen. Dieser Anblick war einmalig und ich setzte mich langsam auf um ihn zu genießen. Hinter mir klang ein undeutliches Knurren auf, das schon bald in ein leises Brummen überging. Entspannt lehnte ich mich an den schwarzen Fellberg hinter mir, der das Ganze kaum zur Kenntnis nahm. Sein Körper hob und senkte sich langsam und ich war froh seine Wärme wieder so nah bei mir zu spüren. Ich hatte ihn zwar mit voller Absicht in der Hölle zurückgelassen damit er meine Freunde dort vor den Erzdämonen beschützte, aber er hatte mir trotzdem unglaublich gefehlt. Es kam selten vor das wir lange Zeit voneinander getrennt waren und wenn ich ehrlich war, dann war es seit über neunzig Jahren das erste Mal, das ich Cee allein zurückgelassen hatte. Es war also kein Wunder, das er mich mitten in der Nacht gesucht hatte und nicht mehr von meiner Seite gewichen war. Geistesabwesend strich ich durch sein langes Fell und stellte überrascht fest, daß die Hälfte meines Körpers unter einer dicken Wolldecke verborgen war. Anscheinend machte sich Kira doch wesentlich mehr Sorgen um mich als ich vermutet hatte.

Und richtig als ich von dem Rücken des Wolkenwals hinunter zur Merkabah sah stand er auf der kleinen Plattform wo ich ihn an Vorabend allein gelassen hatte und nippte immer wieder an einer Tasse mit dunklem Inhalt während sein Blick suchend über den Himmel striff. Es dauerte nicht allzu lange bis mich das Aroma eines guten, heißen Kaffees erreichte. Grinsend linste ich zu Cee dessen rechtes Ohr immer wieder leicht im Wind zuckte, aber er machte nicht die geringsten Anstalten aufzuwachen. Langsam stand ich auf und war überrascht festzustellen, daß mir irgendwann in der Nacht klar geworden war, daß es besser wäre die Dinge einfach so auf sich zukommen zu lassen statt sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Ob das nun an dem ausreichenden Schlaf oder den Wolkenwalen lag wußte ich nicht, aber mein Geist hatte sich beruhigt und dafür war ich mehr als dankbar. Grinsend hob ich die Decke auf und schlang sie über meine Arme und den Rücken bevor ich mich rückwärts in das rote Wolkenmeer fallen ließ.

„Kira-chan!“ Er starrte vollkommen fassungslos nach oben als mein Ruf ihn erreichte und seine Augen weiteten sich noch mehr als er mich erkannte. Lachend landete ich vor ihm und strahlte ihn an.

„Guten Morgen!“ Noch ehe er den kleinen Schock verdaut hatte, das ich soeben aus einer nicht unerheblichen Höhe mit Flügeln auf ihn zugeschossen war hatte ich schon seine Kaffeetasse in meinem Besitz gebracht und schloß genießerisch die Augen als die angenehm warme und bittere Flüssigkeit sich ihren Weg von meinem Mund in den Magen suchte. Kira trank seinen Kaffee ebenso wie ich pechschwarz und nach allem, was wir gestern erlebt hatten auch extra stark.

„Morgen. Bekomme ich meinen Kaffee wieder?“ Ich grinste ihn über den Rand der Tasse hinweg an während meine Schwingen wieder verschwanden.

„Nein.“ Und schon landete der nächste Schluck zielsicher in meinem Magen. Er seufzte resigniert und lehnte sich dann gegen die Brüstung während er zusah wie ich genüßlich den Rest seines Kaffees trank. Als die Tasse leer war stellte ich sie auf den Boden und lehnte mich entspannt neben ihm an die Brüstung um die Wolkenwale, die silbern an uns vorüberzogen und einen leichten Gesang zur Begrüßung der Morgensonne anstimmten zu beobachten.

„Geht es dir besser?“ Ich lehnte mich leicht gegen die Brüstung und verschränkte meine Arme auf dem Geländer.

„Ja etwas.“

„Ich habe mir Sorgen gemacht.“ Lächelnd zog ich die Decke ein klein wenig enger um mich.

„Das weiß ich.“ Danach schwiegen wir beide und sahen nur noch das Naturschauspiel vor uns. Ein Traum aus Gold-, Rot- und Silbertönen. Warum kann es nicht so friedlich bleiben? Warum müssen wir wissen, daß dieser Augenblick etwas Kostbares ist und wir ihn nicht zu schnell verstreichen lassen dürfen, weil es vielleicht das letzte Mal ist, das wir so etwas gemeinsam sehen?

„Shao-chan?“ Nur zögernd löste ich mich von dem Anblick vor uns und sah Kira fest an.

„Ich werde bleiben. Dieses Mal gehe ich nicht zurück.“ Er seufzte leicht, aber seine gesamte Körperhaltung verriet, daß er mit dieser Antwort bereits gerechnet hatte. Sie schien ihm aber trotz allem nicht sonderlich zu gefallen.

„Und das ist in Ordnung für dich? Du wirst es nicht bereuen?“ Das waren zwar mehr rhetorische Fragen, da er die Antwort mit Sicherheit schon längst kannte oder sie zumindest ahnte. Dennoch beantwortete ich sie.

„Nein, ist es nicht. Und werde es unter Garantie bereuen, aber meine Entscheidung steht fest. Es gibt nichts mehr, was ich in den Himmeln noch tun könnte.“ Er stieß einen überraschten Pfiff aus, aber hakte nicht mehr weiter nach. Statt dessen drückte er mich plötzlich fest an sich.

„Paß bloß gut auf dich auf.“ Ich konnte seinen Atem in meinen Haaren spüren. Er machte sich wirklich ernsthafte Sorgen um mich und irgendwie beunruhigte mich das. Er war doch sonst nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen.

„Nur keine Sorge so schnell sterbe ich nicht.“ Bei dem Wort sterben spannte sich sein Körper spürbar, aber er ließ mich nicht los.

„Trotzdem solltest du nicht leichtsinnig werden.“ Verblüfft sah ich ihn an und konnte in seinem Blick deutlich genug erkennen, wie viele Sorgen er sich um mich machte.

„Mache ich, aber das selbe gilt auch für dich.“ Sein Blick verdüsterte sich ein klein wenig und er murmelte irgend etwas Unverständliches. Anscheinend merkte er gerade wie gut ich ihn kannte. Er würde so ziemlich jedes Risiko eingehen um Setsuna zu helfen und er wußte, daß ich ihm dabei in nichts nachstand. In diesem Punkt waren wir uns verdammt ähnlich. Der Druck in meinem Rücken verstärkte sich etwas als er das ebenfalls erkannte und behutsam schloß ich meine Arme um seinen Rücken. Vielleicht war es das letzte Mal für lange Zeit, das wir so ehrlich zueinander sein konnten wie in diesem Moment.

„Kira-chan, paß gut auf dich auf.“ Er seufzte leicht und lockerte unsere Umarmung ein klein wenig um mir besser in die Augen sehen zu können.

„Eigentlich sollte ich wohl eher besser auf meinen Kaffee aufzupassen.“ Er grinste mich schief an und es dauerte genau zwei Sekunden bevor wir beide in schallendes Gelächter ausbrachen.

„Du machst dir Sorgen um… um… deinen… Kaffee?“ Vor lauter Lachen bekam ich fast keine Luft mehr.

„Sicher. Es kommt immerhin nicht jeden Tag vor, das ein Engel vom Himmel fällt und mir direkt unter der Nase die Kaffeetasse entführt.“ Das er bei dieser Aussage auch noch eine todernste Miene machte half mir in keinster Weise weiter. Da er merkte wie sehr ich versuchte mein Lachen unter Kontrolle zu bekommen setzte er prompt noch einen drauf in dem er fleißig mitlachte. Und eines war schon jetzt klar. Innerhalb der nächsten Stunden würden wir beide ziemliche Bauchschmerzen haben.

„Shao-san?“ Es dauerte einen kleinen Moment bis ich mich soweit wieder unter Kontrolle hatte, das mich zum einen umdrehen und zum anderen das Lachen endlich wenigstens zum Großteil abstellen konnte.

„Morgen Raziel-chan.“ Ich segnete Kira mit einem strafenden Blick als dieser erneut verdächtig zu kichern begann und er wandte sich hustend ab und gab vor äußerst interessiert die Wolkenwale zu beobachten. Das Lächeln in seinen Mundwinkeln war dennoch kaum zu übersehen. Ein falscher Satz und wir beide würden erneut losprusten.

„Shao-san, geht es dir gut?“ Lediglich Raziels zutiefst besorgter Blick hinderte mich daran erneut in einen Heiterkeitsausbruch zu verfallen. Anscheinend war er schon eine ganze Weile auf der Suche nach mir gewesen hatte mich aber bisher hatte mich aber an Bord der Merkabah nirgends finden können.

„Ja. Und dir?“ Eigentlich war es überflüssig ihn danach zu fragen. Seine Augen wiesen nach wie vor deutliche Spuren von Tränen auf. Sie waren rot und geschwollen. Auch sein Körper und sein Verhalten verrieten deutlich, das ihm Zaphikels Tod immer noch zusetzte doch er hatte sich im Griff. Wenigstens was sein Auftreten Anderen gegenüber anging. Er würde den Tod seines Mentors und Vaters (sofern er davon wußte) niemals völlig verarbeiten. Der Schmerz würde ihn immer begleiten. Das wußte ich besser als irgend jemand sonst.

„Ich weiß es nicht.“ Er sah vollkommen verloren hinauf zum Himmel und wirkte so einsam und verlassen wie ich mich noch am Vorabend gefühlt hatte.

„Raziel-chan, komm!“ Noch ehe er protestieren konnte hatte ich sein Handgelenk festumschlossen und zog ihn in Richtung der Brüstung.

„Shao-san?“ Er sah mich zweifelnd an und ich schenkte ihm das dämonischste Lächeln das ich unter diesen Umständen zustande brachte.

„Du hast doch Flügel. Es wird langsam Mal Zeit für dich diese auch zu benutzten.“ Mit einem Ruck beförderte ich ihn über die Brüstung und hatte bereits ebenfalls einen Fuß auf darauf gesetzt als Kira mich kurz zurückhielt.

„Ich hoffe du weißt was du tust.“ Lächelnd sah ich ihn an.

„Nur keine Sorge Kira-chan. Ich habe versprochen auf ihn aufzupassen.“ Seine Lippen formten tonlos das Wort >WEM< aber ich schoß bereits Raziel hinterher, der es trotz der anfänglichen Überraschung geschafft hatte seine Schwingen zu entfalten. Sie leuchteten strahlend weiß in der Sonne, die den Horizont inzwischen hinter sich gelassen hatte.

„Was sollte das?“ Seine Stimme spiegelte deutlich seine mühsam unterdrückte Wut wieder, doch ich wußte nur zu gut, daß er damit ein ganz anderes Gefühl verdecken wollte. Immerhin benutzten die wenigsten Engel ihre Schwingen einfach nur so zum Spaß und dabei war fliegen doch so herrlich.

„Na was schon?“ Zufrieden nahm ich zur Kenntnis wie er abwechselnd ungläubig erst mich und dann meine silbernen Schwingen ansah.

„Du? Du hast uns damals gerettet?“ Ohne ihm zu antworten schoß ich in die Wolken hinauf und ließ eine ganz bestimmte Tonleiter von meinen Lippen ihren Weg in den Wind finden. Die Antwort darauf erfolgte fast augenblicklich und Raziel, der mir gefolgt war sah sich plötzlich einem neuen Problem gegenüber. Die Wolkenwale hatten meine Aufforderung zum Spielen nur zu gerne angenommen und er hatte sichtliche Mühe mit den riesigen Tieren umzugehen und mich einzuholen. Anscheinend war er tatsächlich noch nie einfach nur so zum Spaß in das Blau des Himmels aufgestiegen und schon gar nicht um mit den Wolkenwalen zu spielen. DAS machte das Ganze selbstverständlich nur noch interessanter. Es machte einen Heidenspaß mit ihm zwischen diesen sanften Riesen verstecken zu spielen und nachdem er den Dreh so halbwegs raushatte begann sich Raziels Miene endlich etwas aufzuhellen. Es dauerte nicht allzu lange bis er sogar so gut war, daß er mir verdächtig nahe kam. Aber das reichte bei Weitem nicht. Er war gut, aber nicht gut genug.

„Hey ihr beiden! Wie wäre es mit Frühstück?“ Kira hatte seine Hände zu einem Trichter geformt damit er sicher gehen konnte, daß wir ihn auch hörten. Frühstück klang herrlich und mit einem lauten Jauchzer verließ ich meine Deckung und sauste im Sturzflug auf Kira zu. Pech nur, das Raziel etwa zeitgleich genau dieselbe Idee hatte nur mit dem Unterschied, das ich für die Landung rechtzeitig bremsen konnte. Bei ihm war das nicht ganz der Fall und so landeten wir schließlich in einem reiflich unordentlichen Knäuel aus Armen, Beinen und Federn auf dem Boden.

„Seid ihr jetzt endlich fertig?“ Kira thronte grinsend über uns und genoß es sichtlich wie wir versuchten unsere Gliedmassen wieder zu sortieren. Das größte Problem stellten unsere Flügel dar, die sich komischerweise immer wieder miteinander zu verknoten schienen. Irgendwann hatte Kira schließlich ein Einsehen und mit wenigen gekonnten Griffen beförderte er mich und Raziel jeweils in entgegengesetzte Richtungen.

„Hey! Kira-chan, das tat weh!“ Vorsichtig rieb ich mir über mein schmerzendes Hinterteil. Er hatte nicht lange gezögert und mich einfach mit viel Schwung wieder zu Boden fallen lassen, als er das Knäuel entwirrt hatte.

„Das war die Rache für den Kaffee.“ Er grinste mich zufrieden an und hielt dabei Raziel immer noch am Kragen fest, so daß dessen Füße knappe zehn Zentimeter über dem Boden schwebten. Murrend stand ich auf und schüttelte mich erst einmal gründlich. Meine Flügel waren zwar nicht verletzt, aber das die Federn in alle möglichen Richtungen abstanden war auch nicht sonderlich angenehm. Zum Glück reichte in solchen Fällen immer ein kurzes Schütteln aus um wieder Ordnung in das Gefieder zu bringen.

„Shao-chan, darf ich?“ Zögernd streckte Kira seine Hand in meine Richtung aus als er merkte was mich störte. Ich wich vor ihm zurück als hätte mich jemand mit einer Nadel gestochen.

„Ist… ist… ist schon in Ordnung.“ Sein entsetzter Gesichtsausdruck strafte meine Worte allerdings lügen. Ich schnappte kurz nach Luft um meinem Pulsschlag die Chance zu geben sich wieder zu beruhigen.

„Sorry.“ Seufzend sah er erst mich und dann Raziel an, der sich inzwischen bewußt wurde, daß er immer noch an Kiras Arm hing.

„Hey, laß mich runter.“ Ohne zu zögern löste Kira den Griff seiner Hand und Raziel landete äußerst unsanft auf seinem Hosenboden.

„Auh!“ Sein Protest brachte ihm ebenso viel ein wie mir kurz zuvor. Nämlich gar nichts. Kira zog ein Gesicht als könnte er kein Wässerchen trüben und beobachtete interessiert wie sich Raziel ebenfalls kurz schüttelte um das Gefieder seiner Schwingen wieder in Ordnung zu bringen.

„Wenn ihr beiden dann mit euerer Mauser fertig seid können wir hoffentlich endlich Frühstücken.“

„Kira-chan!“ Er wich mir geschickt aus und nahm mich dann in den Schwitzkasten.

„Du solltest mir lieber dankbar sein. Wenn es nach den Anderen gegangen wäre, dann hätten sie dich letzte Nacht schon gesucht.“ Daß sich seine Hand dabei wieder verdächtig meinen Schwingen näherte sorgte allerdings dafür, daß er sich keine zwei Sekunden später rittlings an der Brüstung wiederfand.

„Verdammt Kira-chan! Nicht anfassen!“ Er starrte mich an, als wäre es das erste Mal in seinem Leben das er mich so derartig aus der Fassung erlebte während Raziel sich mühselig das Lachen verbiß. Seine Schwingen waren selbstverständlich schon längst verschwunden und mit einem lauten >Hmpf< tat ich mit meinen dasselbe. Nicht, das Kira noch einmal auf dumme Ideen kam.

„Was ist denn bitte schön an diesen Dingern so besonderes?“ Jetzt war es vorbei. Raziel kugelte beinahe vor Lachen über den Boden und Kira verzog beleidigt das Gesicht.

„Faß sie einfach nicht an, OK?“ Freundschaftlich hielt ich ihm eine Hand entgegen und half ihm beim Aufstehen.

„Wirklich, ich verstehe euch Engel nicht.“ Ich stoppte mitten in der Bewegung und ließ seine Hand los. Mit einem lauten Rumms landete er wieder auf dem Boden und sah mich vorwurfsvoll an.

„HEY!“

„Ich – bin – kein – Engel!“ Meine Stimme war gefährlich leise und selbst Raziels Lachen verstummte als Kira mich anstarrte als wäre ich ein Geist.

„Und was bist du dann?“ Wenn er nicht mein bester Freund wäre und ich ihn nicht so schätzen würde, dann hätte ich ihm in diesem Augenblick den Hals umgedreht.

„Das weißt du ganz genau.“ Mein Tonfall ließ nicht den geringsten Zweifel zu, daß das Thema für mich damit erledigt war. Ich haßte nichts mehr als wenn man mich mit Engeln verglich. Auch wenn ich vielleicht rein biologisch gesehen zum Teil einer von ihnen sein mochte weigerte ich mich dennoch diese Tatsache zu akzeptieren. Nach allem, was man mir in der Vergangenheit angetan hatte war das letzte Wesen mit dem ich verglichen werden wollte ein Engel.

„Ah, hier seid ihr! Hey, Katou ich habe sie gefunden!“ Setsunas laute Stimme löste die Spannung, die sich zwischen uns aufgebaut hatte und mit einem leisen Zischen stand Kira auf. Anscheinend war die Sache zwischen uns noch nicht ganz ausgestanden, aber auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Raziel sah fragend erst Kira-chan und dann mich an, doch er beschloß, das es besser war, wenn er nichts sagte. Da wir jetzt also fast alle komplett auf der Plattform versammelt waren schaltete ich in den Gute-Laune-Modus und verblüffte damit wohl so ziemlich jeden.

„Hey, Setsuna! Wie geht es unserem Messias heute morgen? Bereit die Himmel zu erobern?“ Er grinste mich selbstzufrieden an.

„Immer.“ Na, das nenne ich Selbstvertrauen. Alle Achtung!

„Ja, sicher und wir dürfen dir hinterher wieder den Arsch retten, was?“ Katou hatte Setsuna im Vorübergehen eine Kopfnuß verpaßt und ließ sich jetzt äußerst wort- und blumenreich über dessen nicht zu erschütternden Leichtsinn und Optimismus aus.

„Und rate mal, wer die beiden den ganzen langen Weg bis zur obersten Sphäre des Himmels ertragen darf.“ Freundschaftlich schlang Kira seinen Arm um meine Schulter und grinste mich an.

„Willst du mir damit etwa sagen, die sind immer so?“ Dabei deutete ich auf Setsuna und Katou, die sich gerade ein äußerst hitziges Wortgefecht lieferten, das wohl nur ein gut gefüllter Eimer mit Eiswasser beenden konnte.

„Oh nein, normalerweise sind sie noch viel schlimmer.“ Für zwei Sekunden starrte ich ihn einfach nur an, doch dann entglitten mir sämtliche Gesichtszüge.

„WAS?!“ Mehr war nicht mehr nötig. Er brach in schallendes Gelächter aus und brachte damit sämtliche Anwesenden mit Ausnahme von mir dazu ihn vollkommen fassungslos anzustarren. Mein eisiger Blick hätte eigentlich ihm gelten sollen, doch ein Zupfen an meinem Mantel und Kleides beziehungsweise das, was davon noch übrig war und ein leichtes Streicheln über die Haut meines linken Oberschenkels veränderten dessen Richtung schlagartig.

„Interessant.“ Ein Junge mit Nickelbrille und rotbraunen Haaren, die zum Großteil unter einem Ballonkappi steckten betrachtete interessant die dunkle Tattoowierung auf meiner Haut und ließ sich dabei nicht im Geringsten stören. Mit meiner Beherrschung war es fast vorbei.

„Und was wird das, wenn es fertig ist?“ Der leicht drohende Unterton meiner Stimme schenkte mir dann doch noch die Aufmerksamkeit des frechen Kerls. Er lugte kurz über seine Brille und stellte sich knapp als Riuet vor. Danach fuhr er seeleruhig fort meine Tättoowierung zu untersuchen und strich hier und da über die Haut oder dehnte sie etwas aus. Entnervt sah ich Kira an, er kurz nickte. Na gut, dann…

„AUH!“ Grinsend pustete ich gegen meine Faust und sah Riuet zufrieden an, wie er sich über den schmerzenden Kopf fuhr. Wie heißt es noch so schön? Wer nicht hören will muß fühlen.

„Was fällt dir ein?!“ Er sah mich vorwurfsvoll, doch das interessierte mich nicht im Geringsten. Selbst schuld!

„Sei mir lieber dankbar. Zwei Sekunden später und er hätte dich zerfleischt.“ Aus einem Impuls heraus deutete ich hinter mich wo Cees massige Gestalt sich tatsächlich gerade halb über die Brüstung schob und dabei den kleinen Engel, der nach wie vor an meinem Bein rum fummelte (die Kopfnuß war anscheinend nicht hart genug gewesen) nicht eine einzige Sekunde aus den Augen ließ. Er hatte sein wahres Aussehen beibehalten und die Tatsache, daß er leise zu Knurren begann je weiter er auf die Plattform gelangte machte ihn nur noch bedrohlicher.

„Eine Höllenbestie?“ Sichtlich neugierig und nicht im Geringsten beunruhigt rückte Riuet ein kleines Stückchen von mir ab um Cee besser sehen zu können. Interessiert schob er seine Brille zurück und sein Gesicht nahm einen angespannten Ausdruck an. Nachdenklich sah ich zu Cee hinüber, der den kleinen Engel wohl gerade unter die Kategorie verspätetes Frühstück einordnete.

„Ähm, wird es hier nicht allmählich etwas eng?“ Katou sah sich zweifelnd auf der Plattform um, die nach Cees Ankunft schon beinahe wegen Überfüllung geschlossen werden mußte.

„Ist schon gut Cee. Sie werden mir nichts tun.“ Im Bruchteil einer Sekunde war die massige, schwarze Gestalt verschwunden und an ihrer Stelle befand sich ein Wolf mit rubinroten Augen. Ich verdrehte die Augen gen Himmel und fragte mich womit ich das alles eigentlich am frühen Morgen schon verdient hatte. Seufzend stieß ich etwas Luft zwischen meinen Zähnen hindurch.

„OK, bevor die Sache hier jetzt noch komplizierter wird. Cee, du läßt die Engel in Ruhe und ich gehe duschen.“ Entschlossen machte ich mich daran mein Vorhaben in die Tat umzusetzen doch leider hielt mich Kira erneut auf als ich die Plattform verlassen wollte.

„Nicht so schnell! Was meinst du eigentlich warum wir alle dich solange gesucht haben?“ Entnervt pustet ich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und sah ihn strafend an.

„Wenn du nicht schon wieder auf deinem Hosenboden landen willst, dann laß mich besser los.“ Mit gespielten Entsetzten löste er seine Hand blitzschnell von meinem Arm und hob abwehrend die Hände. Wenigsten er begriff, daß ich im Moment nicht sonderlich zu Scherzen aufgelegt war. Wahrscheinlich lag das vor allem an der Tatsache, das mir inzwischen richtig kalt geworden war und ich so schnell wie möglich ins Warme wollte.

„Du bist heute schwer genießbar, Shao-chan.“ Am Liebsten hätte ich ihm eine Ohrfeige verpaßt, doch da in diesem Augenblick selbstverständlich wieder einmal alle Blicke auf uns ruhten beschränkte ich mich darauf ihn zu ignorieren und mit hocherhobenen Kopf die Plattform zu verlassen um nach einem Badezimmer zu suchen. Es mochte bisher vielleicht niemanden außer mir aufgefallen sein, aber mir war eiskalt und ich lief immer noch in den Fetzen durch die Gegend, die ich schon seit meiner Befreiung aus dem Korridor trug und auch wenn mich das eigentlich noch nicht einmal sonderlich störte hatte ich nicht vor diesen Kleidungsstil beizubehalten. Dafür befanden wir uns immer noch viel zu nah an jeder nur erdenklichen Gefahrenquelle und außerdem gab es auf dieser Merkabah mindestens ein halbes Dutzend Engel, das sich bestimmt schon jetzt den Mund darüber zerriß was mit mir im Korridor passiert war. Na ja und außerdem kam ich ohne eine ausgiebige Dusche morgens einfach nicht in Gang.

Nach knappen zehn Minuten fand ich schließlich auch einen Raum, der dem was ich suchte verdächtig nahe kam obwohl er eher zweckmäßig als luxuriös eingerichtet war. Ein kleiner, vollgestopfter Vorraum mit einem kleinen Waschbecken und Stuhl, komplett geflieste Wände und eine Duschekabine die bestimmt schon einmal bessere Zeiten gesehen hatte. Und das alles selbstverständlich in diesem herzerfrischenden Militärgrün und –grau. Probeweise drehte ich erst einmal den Wasserhahn auf und nahm grinsend zur Kenntnis, daß der daraus schießende Strahl heiß und hart war. Zufrieden drehte ich ihn wieder zu. Nichts war schlimmer als eine Dusche in der kein Druck herrschte. Suchend sah ich mich nach einigen anderen Sachen um, die für eine ausgiebige Morgendusche dringend von Nöten waren. Handtücher gab es in den kleinen Schränken, die aussahen als würden sie ganz dringend einen Schreiner brauchen, auch zu genüge und selbstverständlich alle in diesem schicken Militärgrün. Nett!

Bei weiterem Stöbern fand ich dann auch noch etwas Seife, Shampoo und einige Trainingsanzüge, die wohl ursprünglich für die Soldaten der Merkabah gedacht worden waren. Etwas zu groß, aber einer von ihnen würde seinen Zweck bestimmt erfüllen. Jedenfalls hatte ich nicht vor mich auch noch weiterhin in diesem Aufzug an Bord einer Merkabah, die von Engeln befehligt wurde zu bewegen. Seufzend befreite ich mich aus dem Mantel den mir Kira gegeben hatte und schälte mich aus den kläglichen Überresten meines Kleides. Bevor ich jedoch in der Kabine verschwand ließ ich einen sehnsuchtsvollen Blick über die grüngrau gefliesten Wände schweifen. Ich erinnerte mich nur zu gut an Rosiels Badezimmer, das schon eher einem kleinen Palast gleichkam. Für eine mit heißem Wasser und Schaum gefüllte Badewanne hätte ich in diesem Moment sonst etwas gegeben, aber eine Dusche würde ihren Zweck ebensogut erfüllen. Es ging schließlich nur darum sauber zu werden und nicht darum sich stundenlang zu entspannen. Noch während ich die Kabinentür hinter mir schloß fuhr meine Hand über das milchige Glas und ich dachte daran, daß es an sich gar keine schlechte Idee wäre, wenn Rosiel mir später eine Rückenmassage verpassen würde. Er hatte Talent dafür.

„Mach dich nicht lächerlich!“ Ärgerlich schimpfte ich mit mir selber. Die Sache mit Rosiel würde niemals gutgehen. Ich sollte endlich aufhören ständig an ihn zu denken. Das wäre wesentlich besser für meine und seine Gesundheit. Unter dem lauten Prasseln des Wassers auf meinem Kopf ließen sich diese Gedanken allerdings nur schwer vertreiben. Viel zulange war ich mit diesem gestörten Engel zusammengewesen und wir beide waren unseren Gefühlen lange Zeit davongelaufen. Jedenfalls bis zu jenem Zeitpunkt an dem er mich nicht mehr hatte weiter fliehen lassen. Plötzlich war er dagewesen und hatte sich mir in den Weg gestellt und keines meiner Argumente mehr gelten lassen. Er hatte mich dazu gezwungen zu meinen Gefühlen zu stehen und ließ mich nicht mehr aus den Augen. Wobei es mich immer wieder erstaunte, daß ausgerechnet er es gewesen war, der den ersten Schritt gemacht hatte. Anstatt mich komplett aus seinem Denken zu verbannen (was wesentlich besser für uns beide gewesen wäre) hatte er sich immer wieder in mein Leben eingemischt bis es schließlich für uns beide zu spät war. Warum nur? Warum hast du das getan Rosiel-chan? Du mußt doch gewußt haben, was das für dich bedeutet. Warum hast du mich nicht gehen lassen als du es noch konntest? Warum mußtest du mich festhalten?

„Du bist ein solcher Idiot!“ Dabei wußte ich noch nicht einmal ob ich ihn oder mich selbst meinte. Mein Blick hob sich in den warmen Wasserstrahl und er spülte langsam die Tränen davon, die über meine Wangen rannen. Warum muß es nur so unerträglich weh tun?

„Shao-chan?“ Ich zuckte zusammen wie von einer Viper gebissen.

„Shao-chan, hier sind ein paar Sachen für dich.“ Nur langsam löste ich mich aus meiner Erstarrung als ich merkte, das Kira weder etwas von meinem Selbstgespräch mitbekommen hatte noch durch das milchige Glas der Duschkabine sehen konnte. Wenn er meine Tränen bemerkte wäre alles zu spät.

„Danke.“ Brachte ich schwach hervor und war äußerst dankbar dafür, daß der Wasserstrahl das leichte Zittern in meiner Stimme übertönte. Vor der Kabinentür begann es verdächtig zu rascheln und ich konnte seine Silhouette durch das Glas klar und deutlich erkennen. Viel mehr würde er von mir ebenfalls nicht wahrnehmen können. Eine dunkle Silhouette, die von Dampf und Wassertropfen umgeben war.

„Du solltest nicht zu weit weglaufen.“ Seine Hände preßten sich an das milchige Glas.

„Es könnte sein, das wir dich sonst nicht mehr finden.“ Ich unterdrückte den Drang einfach laut zu schluchzen und trat einen Schritt nach vorn. Zitternd legte ich meine Hände auf die Stellen, an denen sich Kiras abzeichneten. Wir waren schon viel zu lange Freunde. Er kannte mich einfach zu gut. Noch bevor ich Mitglied von White Demon Feather wurde hatten sich unsere Wege bereits gekreuzt. Wie lange war das jetzt schon her? Wer von uns hatte damals schon ahnen können, was uns Jahre später erwarten würde?

„Ich laufe nicht mehr davon.“ Er seufzte leicht. Alles klar. Durchschaut! Er weiß, daß ich nicht mehr vor meinem Engelproblem davonlaufe aber er ahnte bereits, daß es statt dessen etwas Neues gab, das in etwa dasselbe Ausmaß besaß. Zum Glück für mich hatte bisher noch niemand das Thema Rosiel erwähnt, doch das würde bestimmt nicht mehr allzulange auf sich warten lassen.

„Ich kenne dich besser.“ Meine Beine begannen zu zittern, doch ich riß mich zusammen. Jetzt nur keine Schwäche zeigen! Verdammt! Wann hat er eigentlich gelernt mich so gut zu durchschauen?

„Kira-chan, mir geht es gut.“ Er schüttelte leicht den Kopf und preßte dann seine Stirn an das kühle Glas.

„Mach es dir nicht noch schwerer als es ohnehin schon ist.“ Ich konnte deutlich hören wie seine Stimme mühsam darum kämpfte nicht zu schwanken. Doch ich antwortete nicht dafür hatte ich viel zu sehr mit meinem Gefühlen zu kämpfen.

„Paß auf dich auf.“ Mit einem leichten Ruck löste er sich von der Scheibe und klopfte zum Abschied einmal kurz dagegen.

„In zwanzig Minuten ist Lagebesprechung. Ich heb dir was vom Frühstück auf.“ Beinahe lautlos schloß sich die Tür des Badezimmers hinter ihm und kaum war er verschwunden brach ich schluchzend zusammen. Wie kommt es, daß er mich trotz allem immer sofort zu durchschauen scheint? Ich hatte ihm so wenig wie möglich erzählt und dennoch hatte er genau die richtigen Schlüsse gezogen. Es ging mir in keinster Weise gut. Ich fühlte mich seit Anaels Verschwinden vollkommen auseinandergerissen und was noch schlimmer war, ich vermißte Rosiel. Wie sehr, das war mir erst bewußt geworden als mir die Wolkenwale von ihm erzählten. Ich hätte sonst etwas darum gegeben einfach so zu ihm zurückkehren zu können, doch damit würde ich sowohl ihn als auch meine Freunde gefährden. Sevothtarte würde Rosiel aus meiner Flucht einen Strick drehen aus dem sich dieser nie wieder befreien konnte und Setsuna und die Anderen wären Rosiel und Sevothtartes Schergen hilflos ausgeliefert. Nein, ich mußte hierbleiben, so schwer es mir auch fiel. Zum Wohl Assias und meiner Freunde durfte ich meinen Gefühlen für Rosiel nicht noch einmal nachgeben. Ich hatte schon so viel mehr erhalten als ich mir jemals zu träumen gewagt hätte. Mehr konnte ich nicht verlangen. Es war vorbei. Nur warum zerreißt es mich dann?

Nachdem ich mich endlich wieder so halbwegs im Griff hatte griff ich entschlossen nach einer Flasche Shampoo und kümmerte mich um meine Haare, die dringend einiger Pflege bedurften. Hier und da suchten sich zwar noch einige vereinzelte Tränen ihren Weg, doch sie würden schon bald ganz verblassen. Ich hatte keine Zeit um Rosiel hinterher zu weinen und in Selbstmitleid zu zerfließen. Es gab wesentlich Wichtigeres zu tun. Zum Beispiel Setsuna davon abzuhalten sich mal wieder mit seiner och-das-schaff-ich-schon-irgendwie Art in Lebensgefahr zu begeben. Kira würde ihm in diesem Fall zwar zur Seite stehen, aber das hieß so gut wie gar nichts. Die Engel waren auf gar keinen Fall zu unterschätzen.

Entschlossen drehte ich den Hahn der Dusche zu, drückte mein Haar kurz aus und hüllte mich in ein Handtuch. Ja, es war besser sich mit dem hier und jetzt zu beschäftigen. Über das später konnte ich mir Gedanken machen, wenn es soweit war. Das wäre immer noch früh genug. Nachdem meine Haare dank der Hilfe einiger weiterer Handtücher endlich einen halbwegs trockenen Zustand erreicht hatten begann ich damit sie zu zwei ordentlichen Zöpfen zu flechten. Maria würde mich zwar unter Garantie wieder ausschimpfen weil ich mit meinen Haaren so unpfleglich umging, aber im Moment fiel mir nichts Besseres ein um sie zu bändigen. Würde ich sie offen an der Luft trockenen lassen, dann würden sie bald in alle erdenklichen Richtungen abstehen und sich erst nach zwei bis drei Tagen wieder bändigen lassen. Nicht, das ich etwas gegen meine füllige Haarpracht einzuwenden hätte, aber in diesem Zustand war sie einfach nur nervig. Vor allem, da sie dann gut und gerne das doppelte ihres normalen Volumens annahm.

„Maria…“ Ob es ihr und dem Baby auch gutging? Zögernd hielt ich inne als mir bewußt wurde an was ich da eigentlich dachte. Es war schon so lange her, das die Zeit auf der Erde stillstand, doch bisher hatte ich an meine Band und alles was damit zusammenhing nicht allzu viele Gedanken verschwendet. Warum kam ich ausgerechnet jetzt darauf? Fast meinte ich Marias Lachen hören zu können, doch das war nur meine Phantasie. Ich würde keinen von ihnen je wiedersehen. Als Astaroth mich zurück auf die Erde geschickt hatte war diese Entscheidung bereits gefallen. Ich hatte meinen Abschiedsbrief aus seinem Versteck geholt und zu Granny gebracht. Das war alles, was meinen Freunden von mir bleiben würde. Ein Brief und ein Demoband mit einem neuen Song. Wenn all das hier vorbei war würde ich sterben. Das hoffte ich zumindest und dennoch fühlte sich mein Herz bei dem Gedanken meine Band zu verlieren unglaublich schwer an.

„Du bist wirklich ein Idiot.“ Schallt ich mein verschwommenes Spiegelbild, doch es lächelte mich nur traurig an. Es hatte lange gedauert, bis ich Menschen wieder so nah an mich herangelassen hatte wie meine Freunde und es war immer nur aus einem einzigen Grund geschehen. Ich wußte, daß ich sie früher oder später verlassen mußte oder sie mich verließen. Etwas, das ich weder ihnen noch mir zumuten wollte. Doch das Leben hatte schon immer merkwürdige Ansichten wenn es um solche Dinge ging. Ich hatte es nie wirklich geschafft mich ganz von den Menschen fernzuhalten. Irgendwie hatte mein Leben stets mitten unter ihnen stattgefunden, auch wenn ich wußte, daß dies ein schmerzvoller Fehler war. Ich konnte einfach nicht anders als ihn jedes Mal aufs neue zu begehen. Weiß der Geier warum.

„Besser jetzt, als wenn es zu spät ist.“ Ich bekräftigte meine eigenen Worte damit, daß ich mich nun endlich auch um den Rest meines Körpers kümmerte. In nur wenigen Minuten war ich schließlich so trocken, das ich bequem in den Overall schlüpfen könnte, den ich mir vor dem Duschen über einen Stuhl gelegt hatte. Doch dieser war spurlos verschwunden. Statt dessen lagen dort nun drei ordentlich eingeschweißte Kleiderpackete. Neugierig öffnete ich das erste von ihnen und ein Hauch aus weißer Spitze fiel mir entgegen. Sowohl der BH als auch der Slip waren allerbeste Qualität und ein derartiger Hauch von nichts, das ich mich ernsthaft zu fragen begann wie zum Teufel Kira ausgerechnet an so etwas gekommen war. Das hier war ein String!

Aber besser als nichts. Gekonnt schlüpfte ich in die weiße Spitze und war überrascht wie angenehm sich der Stoff auf meiner Haut anfühlte. Fast so als wäre er gar nicht vorhanden. Ein kleiner Blick in den Spiegel genügte allerdings um mir zu beweisen, das man trotz all meiner Zweifel immer noch sofort erkennen konnte, das ich Unterwäsche trug. Im nächsten Paket befand sich ein schwarzes Oberteil das auf den ersten Blick wesentlich kleiner aussah als es in Wirklichkeit war. Der Stoff ließ sich bequem in alle Richtungen ausdehnen und schmiegte sich eng an meinen Körper. Allmählich begriff ich warum die Unterwäsche so dünn war.

Lächelnd zog ich das Kreuz, das Rosiel mir geschenkt hatte unter dem Rollkragen hervor und ließ es mir über die Brust fallen. Das Gold funkelte leicht im Licht des Badezimmers auf und gab einen schönen Kontrast zu der ansonsten dunklen Farbe. Meine Arme blieben unbedeckt, da es sich um ein Shirt ohne Ärmel handelte. Passend dazu enthielt zweite Paket dann noch einen blutroten Minirock, der an beiden Seiten ziemlich hohe Beinschlitze und zusätzlich noch einen breiten, schwarzen Gürtel besaß. Gut, das war nichts Außergewöhnliches. Solche Sachen trug ich auf der Bühne fast immer, aber was bezweckte Kira damit? Wußte er nicht wie prüde Engel auf so etwas reagierten?

Alles in allem war ich mit meinem Anblick aber dennoch zufrieden. Endlich sah ich wieder halbwegs so aus, wie ich mich in Erinnerung hatte. Deshalb fragte ich mich auch was es mit diesem dritten Paket auf sich hatte. Nachdem ich es endlich geöffnet hatte kamen ein leichter Damenmantel und ein Paar bequeme, hochhakige Sandalen zum Vorschein. Eines mußte man Kira lassen. Geschmack hatte er ja. Die Sandalen waren schwarz und ließen sich bequem mit zwei Schnüren über meinen Knöcheln befestigen und der Mantel reichte mir bis knapp an die Knie ohne mir dabei im Weg zu sein. Aus diesem Grund ließ ich ihn auch offen. Ich warf einen prüfenden Blick in den Spiegel. Ja, jetzt sah ich wieder aus wie Shao Deshon. Perfekt gestylt, unnahbar und selbstbewußt. So kannte ich mich.

Grinsend zwinkerte ich meinem Spiegelbild zu und verließ das Bad. Es überraschte mich kaum, daß ich dabei fast über Cee stolperte, der sich vor der Tür zu einer riesigen Fellkugel zusammengerollt hatte. Er war eben unverbesserlich. Außerdem nahm er es mir nach wie vor übel, das ich ihn einfach so in der Hölle zurückgelassen hatte.

„Na komm schon Kleiner. Es wird Zeit, das wir uns endlich um ein paar Probleme kümmern.“ Etwas benommen hob er seinen Kopf doch als er mich und meinen Aufzug erkannte begann er freudig mit dem Schwanz zu wedeln.

„Du weißt doch bestimmt, wo die Anderen sind, oder?“ Er gab ein leises Wuff von sich und schritt dann schwanzwedelnd voran. Im Gegensatz zu mir schien er sich bestens auf diesem Schiff auszukennen. Zielstrebig streifte er durch die unzähligen Gänge und sicherte sich nur hin und wieder ab ob ich ihm auch tatsächlich immer noch folgte und nicht plötzlich wieder so mir nichts dir nichts verschwand. Als wir unser Ziel erreicht hatten setzte er sich aufrecht neben die offene Tür und sah mich erwartungsvoll an. Lächelnd kraulte ich ihn hinter den Ohren und versicherte ihm flüsternd, daß ich nicht vorhatte ihn noch einmal allein zu lassen. Er nahm es mit einem zufriedenen Brummen zur Kenntnis.

„Bist du dir sicher?“ Durch die Öffnung der Tür fiel ein angenehm heller Lichtschein auf den dämmrigen Flur und die Stimmen aus dem Raum waren deutlich zu hören. In diesem Fall war es unverkennbar Setsuna gewesen, der sich anscheinend gerade in einer äußerst angeregten Diskussion befand.

„Ganz sicher! Sie ist es. Es ist absolut unmöglich das ich mich irre.“ Das klang sogar schon beinahe halbbeleidigt. Anscheinend mochte es diese Person nicht sonderlich wenn man ihre Fähigkeiten in Frage stellte. Ich überlegte kurz wo ich diese Stimme schon einmal gehört hatte und dann fiel mir ein, daß sich Riuet der Engel, der so dreist an meinem Kleid herumgefummelt hatte sich ganz ähnlich anhörte.

„Aber das ergibt keinen Sinn!“ So wie es aussah war auch Raziel anwesend. Wobei deutlich zu merken war, das er sich über dieses Gespräch am Meisten aufzuregen schien. Da in mir inzwischen ein ganz bestimmter Verdacht keimte über wen in diesem Raum diskutiert wurde zögerte ich ihn zu betreten. Erst einmal abwarten was da noch so kam.

„Und was ist dann das hier?“ Riuet klang deutlich genervt und irgend etwas fiel flappend auf einen Tisch. Urplötzlich wurde es in dem Raum totenstill und ich lehnte mich seufzend an die Wand neben der Tür. Was auch immer Riuet ihnen da gerade zeigte es mußte sie erschüttern und es hatte ohne Zweifel etwas mit mir und meinem Aufenthalt in dem Himmeln zu tun. Mist!

„Aber ist das ist nicht Shao-san!“ Alles klar, es ging also tatsächlich um mich. Nicht, das es mir nicht schon bewußt gewesen wäre, aber ich hatte immer noch einen kleinen Funken Hoffnung gehabt, das ich mich irrte.

„Raziel, sie ist es. Sie ist es ganz sicher.“ Irgendwo aus einer anderen Ecke des Raumes war ein undeutliches Murren von Setsuna zu hören, der Raziels Ansicht anscheinend teilte. Nämlich, das egal was Riuet ihnen da gerade auch zeigte es sich dabei keinesfalls um meine Person handeln konnte.

„Außerdem hat Sevothtartes Bericht das alles bestätigt.“ In meinem Magen begann sich bei der Erwähnung dieses Namens unwillkürlich ein Eisklumpen zu bilden.

„Warum gehst du nicht einfach rein, wenn es dich so sehr interessiert? Oder willst du noch länger hier draußen rumstehen?“ Erschrocken zuckte ich leicht zusammen als Kira beinahe wie aus dem Nichts vor mir auftauchte.

„Mußt du mir deshalb gleich einen Herzinfarkt verpassen?“

„Als wenn man den so schnell bekommen würde. Hier, hab ich dir wie versprochen aufgehoben.“ Breit grinsend reichte er mir eine Papiertüte aus der es verführerisch duftete. Da mein Magen der festen Überzeugung war, das er innerhalb der nächsten zwei Minuten komplett in sich zusammenfallen und all seine Funktionen auf ewig einstellen würde, wenn ich ihn nicht augenblicklich fütterte, riß ich sie auf. Das erste Croissant hatte ich schon fast komplett vertilgt als Kira damit begann mich nach und nach über die bisherigen Geschehnisse in Kenntnis zu setzen.

Allem Anschein nach hatte Riuet meine kurze Abwesenheit dazu genutzt alles Mögliche an Informationen über mich und meinen Aufenthalt in den Himmeln zusammenzutragen. Die Ergebnisse präsentierte er gerade im Inneren des Raumes all denjenigen von denen er der Meinung war, daß sie davon wissen sollten. Na ja, bis auf Kira, der sich auf die Suche nach mir begeben und sich seinen Teil bereits gedacht hatte.

„Meinst du nicht, es wäre besser, wenn du mit ihnen sprichst?“ Fragend sah ich Kira über den Rand meines dritten Croissants an.

„Meimpfst du?“ Genüßlich kaute ich auf dem süßen Etwas in meinem Mund herum und genoß es gerade einmal an nichts anderes zu denken, als daran wie schnell das nächste dieser leckeren Objekte am Schnellsten in meinem Magen landen könnte. Irgendwie hatte es Kira sogar geschafft eine riesen Thermoskanne mit Kaffe zu erobern aus der er mir immer wieder fleißig nachschenkte. Dieser Kaffee hier war sogar noch besser als der, den ich ihm heute morgen entführt hatte. Ein leichtes Zimtaroma vermischte sich mit den Kaffeebohnen. Wer auch immer diesen Kaffee gekocht hatte, er verstand etwas von seinem Handwerk.

„Wäre wahrscheinlich besser. Sie sind ziemlich besorgt.“ Er zuckte grinsend mit den Schultern als würde ihn das ansonsten nicht mehr weiter interessieren doch ich wußte, daß er darauf brannte ebenfalls zu erfahren was mich in den Korridor verschlagen hatte.

„Na gut.“ Seufzend drückte ich ihm die leere Tüte in die Hand und verspeiste das siebte Croissant mit drei Happen.

„Dir ist schon klar, daß die Dinger Kalorien haben, oder?“

„Sehr witzig!“ Ich funkelte ihn an. Als wenn ich jemals unter so etwas wie Figurproblemen gelitten hätte. Das wäre ja noch schöner!

„Ehrlich, ich frage mich wo du das alles läßt.“ Er ließ seinen Blick prüfend über meinen Körper gleiten.

„Neidisch?“ Aufreizend machte ich auf dem Absatz kehrt und klopfte an den Türrahmen um mich bemerkbar zumachen.

„Kann man reinkommen oder ist das hier eine private Versammlung?“

„Shao-san!“ Raziel strahlte mich an und war schon halb von seinem Stuhl aufgesprungen.

„Ganz ruhig. Nur keine Hektik.“ Erleichtert ließ er sich wieder zurücksinken und starrte Riuet mürrisch an während dieser mich eingehend musterte. Setsunas tat etwas ganz ähnliches, auch wenn sein Blick eher besorgt wirkte.

„Was ist los mit euch? Habe ich neuerdings drei Köpfe.“ Der Scherz war zwar alles andere als gut und eigentlich nur dazu gedacht die Situation etwas zu entspannen, aber er ging voll nach hinten los.

„Das hier.“ Mit Schwung warf Riuet mir einen Stapel Fotos zu, die bis dahin noch auf dem Tisch gelegen hatten.

„Was ist das?“ Kira lugte interessiert über meine Schulter und ließ sich durch meinen strafenden Blick in keinster Weise davon abhalten. Ich warf einen flüchtigen Blick auf die Fotos. Sie zeigten mich und Rosiel, wie wir uns mal wieder stritten oder uns gegenseitig in den Armen lagen. Nichts, was Setsuna, Kira und Raziel noch nicht gewußt hätten. Doch das letzte Foto hatte es in sich. Es zeigte einen Teil meines nackten Rückens und eine Flut an gelockten, blonden Haaren. Ich hatte mich halb auf einen Arm gestützt um denjenigen, der dieses Foto gemacht hatte besser sehen zu können, doch die Augen, die dort in die Kamera sahen gehörten nicht mir. Sie waren wasserblau und vollkommen in einer anderen Welt versunken. Anael!

„Steht dir.“ Ohne auf Kiras Einwurf zu achten machte ich einen Schritt nach vorn und schnippte die Fotos über den Tisch zurück zu Riuet.

„Was willst du wissen?“ Er sah mich reiflich überrascht an und neben ihm schoß Raziel von seinem Stuhl hoch um sich schützend zwischen mich und ihn zu stellen.

„Laß sie in Ruhe!“

„Raziel-chan, es ist in Ordnung.“ Beruhigend legte ich ihm eine Hand auf die Schulter, doch er war nicht bereit sich auch nur einen einzigen Millimeter zu bewegen.

„Nein, das ist es nicht! Er behauptet… er behauptet…“

„Der Typ faselte irgend etwas wirres von einer Seelenwanderung oder so ähnlich und das es unmöglich sei so etwas zu überleben.“ Sichtlich genervt ließ Setsuna sich auf einen Stuhl fallen und verfluchte anscheinend gerade den Tag an dem er Riuet begegnet war.

„Ach hier seid ihr! Hab ich was verpaßt?“ Das plötzliche Auftauchen von Katou sorgte dann für noch mehr Chaos da plötzlich alle wild durcheinander reden mußten. Kira hatte recht ich mußte wirklich mit ihnen reden. Sonst würden wir hier niemals wegkommen.

„Seelenwanderung, hmm?“ Ich sah abwarten in die Runde und zog mir dann einen Stuhl zu Recht.

„Ja. Irgend etwas ist mit dir im Korridor geschehen. Ich wußte zu gerne was.“ Das glaubte ich Riuet sofort. Welcher Engel würde sich nicht für eine Seelenwanderung interessieren, die erfolgreich verlaufen ist? Pech nur, das ich nicht vorhatte ihm irgend etwas darüber zu erzählen.

„Du meinst außer der kleinen Tatsache, daß ich versucht habe Zaphikel zu retten, Sevothtarte mich dabei erwischt hat und kurz davor war mich umzubringen?“ Um mich herum wurde es totenstill.

„Du wolltest ihn retten?“ Raziel sah mich mit großen Augen an.

„Genau das, aber leider war Sevothtarte schneller. Er hat mich erwischt bevor ich überhaupt in die Nähe seiner Zelle gelangen konnte.“ Und für diese Lüge hätte mich eigentlich sofort der Zorn Gottes treffen müssen. Das war so dermaßen weit an der Wahrheit vorbei, wie es nur irgendwie ging.

„Und was hat dann das hier zu bedeuten?“ Riuet hielt das Foto, das mich in blond zeigte hoch und sah nicht so aus als wäre er bereit mir auch nur ein einziges Wort zu glauben.

„Sevies Chance mich für immer aus dem Weg zu räumen. Er meinte, wenn er eine Seelenwanderung nachweisen könnte, dann würde ich ihm nie wieder entkommen können.“

„Was?!“ Setsuna starrte mich an als wäre ich ein Geist.

„Weißt du das nicht? Keinem Engel ist es jemals gelungen eine Seelenwanderung durchzuführen und das zu überleben. Na ja, und da Rosiel-chan ihm sonst keine Chance lassen würde Hand an mich zu legen hat er sich eben das ausgedacht.“ Ich deutete auf das Foto und schüttelte den Kopf.

„Allerdings hätte ich nicht gedacht, daß er mich dafür extra erblonden läßt.“

„Warum ist der Kerl eigentlich so scharf darauf dich aus dem Weg zu räumen.“ Katou hatte sich ebenfalls einen Stuhl organisiert und sah mich neugierig an.

„Soweit ich das mitbekommen habe bist du doch eigentlich recht harmlos.“ Bei diesem Satz verkniff ich mir mühsam ein Grinsen und ließ Katou einfach in seinem Glauben.

„Laß mich kurz überlegen, warum Sevie mich nicht leiden kann. …Also, ich habe keine Angst vor ihm, halte mit meiner Meinung nicht hinter den Berg, habe versucht Sara-chan zur Flucht zu verhelfen, seine Männer haben dank mir ein paar blaue Augen mehr, ich bin in den Himmelskorridor eingedrungen um Zaphikel zu befreien und Rosiel-chan hat ihm verboten mich anzufassen.“ Grinsend sah ich in die Runde, die bei meiner kleinen Aufzählung sichtlich blaß geworden war.

„Du hast versucht Sara bei ihrer Flucht zu helfen?“ Ächzte Setsuna.

„Nicht ganz. Sevothtarte glaubt das nur, aber als ich Sara-chan besuchen wollte war sie schon längst weg. Eigentlich war ja auch selbst schuld. Warum mußte er Sara-chan auch unbedingt erzählen, daß sich Setsuna in den Himmeln aufhält? Es war doch klar, das sie dann versucht zu fliehen. Das hätte selbst einem Engel klar sein müssen.“ Setsuna starrte mich mit offenem Mund an. Da mich niemand weiter unterbrach fuhr ich fröhlich weiter fort.

„Aber das hier wird dich freuen. Er meint ich wäre schuld daran, das du in den Himmel eingedrungen bist um deine Schwester zu retten. Im allgemeinem bin ich wenn man Sevothtarte fragt an so ziemlich allem schuld was in den Himmeln in der letzten Zeit so schiefgegangen ist.“ Meine Güte Laune während dieser kleinen Aufzählung schien Setsuna ziemlich aus dem Konzept zu bringen. Kein Wunder, wenn man bedenkt in welchem Zustand er und Kira mich gefunden hatten.

„Und Rosiel?“ Es war deutlich zu merken wie sehr Setsuna dieses Thema mißhagte, aber er wollte Antworten. Ich zuckte kurz mit den Schultern.

„Ich weiß es nicht. Er hat seinen eigenen Kopf, aber ich glaube er weiß ziemlich genau was ich angestellt habe und was nicht.“ Damit war die Diskussion fast zum Erliegen gekommen. Sie starrten mich an als wären sie plötzlich alle Fische auf dem Trockenen.

„Dann ist das Gerücht also tatsächlich wahr.“ Raziel sah mich merkwürdig an.

„Wenn es um mich und Rosiel geht, ja.“ Ich schenkte ihm ein ehrliches Lächeln und er nickte verstehend.

„Hey, um was geht es hier eigentlich?“

„Katou, Katou du hast wie immer nicht den geringsten Durchblick. Komm hilf mir mal eben.“ Ohne auf die Proteste seines Freundes zu achten schob Kira diesen bestimmt aus dem Raum und zwinkerte mir zu. Alles klar. Ein Gespräch unter denjenigen, die es etwas anging. Wahrscheinlich würde er Katou später nach und nach in alles einweihen. Zumindest hoffte ich das, denn ansonsten würde mir diese Ehre zu Teil werden.

„Und das war es? Das war alles?“ Setsunas Stimme hörte sich merkwürdig belegt an und er linste vorsichtig zu Riuet und Raziel, die beide nicht so aussahen als hätten sie vor den Raum in Kürze zu verlassen. Was auch immer wir zu besprechen hatten, wir mußten es wohl oder übel vor diesen Beiden tun.

„Ja. Viel mehr gibt es nicht. Ihr seid gerade noch rechtzeitig aufgetaucht um mich zu retten und was danach passiert ist wißt ihr ja.“ Ein lautes Quietschen ausgelöst von einem Stuhl, der über den Boden geschoben wurde ließ mich zu Raziel herumfahren.

„Entschuldigung.“ Er stürmte aus dem Raum ohne einen von uns auch nur anzusehen.

„Raziel-chan!“ Ich rannte ihm hinterher noch bevor mich jemand hätte aufhalten können. Es dauerte einen Moment bis ich ihn eingeholt hatte doch dann gelang es mir seinen Arm zu erwischen.

„Raziel-chan…“ Er unternahm einen schwachen Versuch sich von mir zu befreien gab es aber schnell auf.

„Tut mir leid ich wollte nicht…“ Ich ließ ihn nicht ausreden sondern drückte ihn fest an mich.

„Schon gut. Es ist in Ordnung.“ Zaphikels Tod hatte ihn schwer mitgenommen. Viel mehr als er selbst bereit war zuzugeben. Wahrscheinlich würde er Jahre brauchen um sich davon zu erholen und wenn er ebenfalls gesehen hatte, welche Vision Adam Kadmon Zaphikel gezeigt hatte, dann war sein Verlust doppelt schwer.

„Ich sollte mich zusammenreißen. Ich habe jetzt die Verantwortung…“

„Schschttt… dafür ist später Zeit genug.“ Beruhigend strich ich über sein Haar und wartet bis er sich langsam wieder beruhigte. Er schluckte schwer bevor er sich sanft aus meiner Umarmung befreite.

„Danke, aber ich denke es ist besser, wenn ich mich schnell daran gewöhne.“ Daran einsam zu sein. Er sprach es zwar nicht aus, aber ich konnte diesen Satz deutlich in seinen Augen sehen. Dabei war er eigentlich viel zu jung um an so etwas überhaupt zu denken.

„Daran gewöhnt man sich nie.“ Erschrocken sah er mich an doch dann brachte er ein schmerzverzerrtes Lächeln zustande.

„Wahrscheinlich hast du recht. Aber es ist einen Versuch wert.“ Vorsichtig legte ich eine Hand auf seine Schulter und sah ihn fest an. Ich hatte Anael versprochen mich um ihren Sohn zu kümmern und komme was da wolle, diesen Schwur würde ich halten.

„Denk nicht soviel darüber nach was du hättest tun können oder tun sollen. Laß die Vergangenheit ruhen und sieh in die Zukunft. Das hätte er sich auch gewünscht.“ Zwischen uns breitete sich ein einvernehmliches Schweigen aus, das nur von dem leisen Vibrieren der Maschinen unterbrochen wurde. Die Zeit verstrich quälend langsam doch dann hob er entschlossen den Kopf.

„Dann sollten wir bald landen um alles zu beenden.“ Ich fragte ihn nicht danach, was er meinte sondern nickte nur und folgte ihm in die Kommandozentrale wo er genaue Anweisungen erteilte was unseren Zielort betraf. Eine halbe Stunde später fand ich mich zusammen mit allen anderen auf einer grünen Wiese wieder, die an das toxische Meer grenzte und auf der hier und da Sockel mit kleinen Engelsputten sprießten als würde es sich bei ihnen um Blumen und nicht um leblose Steinblöcke handeln. Einige von ihnen waren sogar mit kunstvollen Gravuren versehen, die jedoch zum Großteil bereits komplett verwittert waren. Es war nicht sonderlich schwierig sich auszurechnen warum Raziel ausgerechnet diesen Ort gewählt hatte um uns allen seine Entscheidung in den Himmeln zu bleiben mitzuteilen. Lächelnd trat betreffende Person einen Schritt auf mich zu und hielt mir seine geschlossene Faust entgegen.

„Shao-san?“ Ich streckte ihm meine Hand entgegen und er ließ einige Samenkapseln darauf fallen. Fragend zog ich eine Augenbraue nach oben. Meinte er wirklich? Er nickte kurz. Nun gut. Ich ließ die Kapseln vorsichtig auf den Boden fallen und kniete mich dann über die Stelle. Binnen weniger Sekunden entstand dort ein Rosenbusch, der unter seiner Blütenpracht beinahe zusammenzubrechen drohte.

„Mochte er weiße Rosen?“ Fragend sah ich Raziel an, der entschlossen den Kopf schüttelte.

„Die Farbe war ihm egal, es war ihr Duft der ihn magisch anzuziehen schien.“ Vorsichtig schnupperte ich an einer der großen Blüten und spürte einen schmerzhaften Stich in meinem Inneren. Anaels Astralkörper hatte einen ganz ähnlichen Duft verströmt wenn auch nur schwach. Warum fiel mir das erst jetzt auf?

„Beinahe zu schade…“ Vorsichtig machte sich Raziel daran einen großen Strauß Rosen von dem Busch abzuschneiden um daraus ein atemberaubendes Bouquet zu formen. Der Busch sah nach dieser Tortur aus wie ein gerupftes Huhn.

„So schlimm ist es auch wieder nicht. Solange er gesunde Wurzeln hat wird er sich immer wieder erholen.“ Zum Beweis meiner Worte streifte ich einmal kurz mit meiner Hand über den Busch, der unter dieser Berührung sofort begann sich zu regenerieren. Nach zehn Sekunden sah er wieder so aus als hätte ihn noch nie irgend jemand in seinem kurzen Leben berührt.

„Danke.“ Raziel sah mich kurz an bevor sein Blick sich etwas völlig anderem zuwandte, das außer ihm wahrscheinlich niemand sehen konnte. Er drehte sich wortlos um und schritt auf eine der kleinen Statuen zu, die sich ganz in der Nähe der Brandung befand. Von dort aus konnte man direkt auf das toxische Meer sehen in dem sich die Nachmittagssonne spiegelte. Ein wunderschöner Anblick, der für Raziel aber wahrscheinlich gleichzeitig herzzerreißend war. Sein Rücken war uns zugewandt als er vor der Statue auf die Knie sank und sanft den Rosenstrauß vor den Sockel legte. Mit einem leichten Seufzer setzte sich Setsuna in Bewegung und gesellte sich zu ihm während wir bei einer anderen Statue zurückblieben. Katou hatte sich bereits genüßlich dagegen gelehnt und beobachtete wie wir Raziel und Setsuna.

„Und wir lassen Raziel einfach hier?“ Die Frage war an Kira gerichtet, der sein Katana locker über der Schulter trug. Ich stand in leicht versetzt neben ihm und schielte aus den Augenwinkeln zu ihm rüber, doch er wandte seinen Blick nicht von Setsuna und Raziel ab.

„Er hilft Setsuna am Meisten, wenn er vom Untergrund aus agiert. Er wird sich schon bald melden.“

„Hmpf…“ Überrascht zuckte Kiras Augenbraue nach oben als er dieses doch recht ungewöhnliche Geräusch tiefster Mißbilligung von mir hörte. Ich war mir nämlich überhaupt nicht sicher, daß es eine solch gute Idee war Raziel ausgerechnet jetzt allein zu lassen. Aber er hatte uns unmißverständlich zu verstehen gegeben, das er keine Hilfe wollte. Er würde schon zu Recht kommen. Außerdem kannte er viele Mitglieder der Anima Mundi bereits und sie würden ihn bestimmt unterstützen. Alles andere hatte er während seiner Ausbildung oder zu anderen Gelegenheiten gelernt. Es mochte mir zwar nicht gefallen, aber tief in meinem Inneren wußte ich, daß er recht hatte. Trotzdem hielt ich die Idee nach wie vor für nicht sonderlich clever. Das Geräusch klickender Handschellen holte mich aus meinen Gedanken zurück. Aus einem Reflex heraus huschte mein Blick sofort auf meine eigenen Handgelenke, doch dort befand sich zum Glück keiner der silbernen Reifen.

„Wir haben ’nen Deal.“ Riuet hatte Katou an die Kette gelegt wie ein kleines Hündchen und bekam prompt die passende Reaktion darauf.

„Ich erinner mich nicht, daß mich irgendwer nach meiner Einwilligung gefragt hat!“

„Was geht mich das an! Volltrottel!“ Es schien Riuet nicht im Geringsten zu kümmern was Katou mit ihm anstellte. Eher im Gegenteil er wich jedem noch so kleinen Angriff breit grinsend aus und verpaßte Katou hier und da einen Elektroschock.

„Oh man…“ Gelassen fischte Kira eine vollkommen zerknautschte Packung Zigaretten aus seiner Hosentasche und zog sich einen Glimmstengel mit dem Mund heraus. Anscheinend kannte er dieses Spielchen schon und es würde wohl noch eine ganze Weile so weitergehen.

„Krieg ich auch eine?“ Er reichte mir kommentarlos die Packung und wartete geduldig bis ich ebenfalls eine Zigarette zwischen den Lippen hatte. Es fehlte nur noch…

„Feuer?“ Grinsend hielt ich ihm meine Handfläche entgegen auf der sich nun eine kleine Flamme befand.

„Danke, aber könntest du das in Zukunft lassen? Es irritiert mich.“ Mühsam unterdrückte ich bei seinem vorwurfsvollen Gesichtsausdruck ein Lachen und nahm erst einmal einen tiefen Zug. Eigentlich rauchte ich so gut wie nie, aber in manchen Momenten war es ein idealer Streßabbau. Auch wenn es tierisch ungesund war.

„Meinst du die Beiden kommen klar?“

„Katou? Nur keine Sorge, der überlebt alles.“ Das glaubte ich ihm sofort. Immerhin war besagter gerade dabei sich in eine handfeste Schlägerei mit Riuet verwickeln zu lassen, die er nur verlieren konnte.

„Eigentlich meinte ich diese Beiden.“ Ich deutete mit einer Hand auf Setsuna und Raziel, die sich immer noch vollkommen bewegungslos vor der kleinen Statue befanden. Kiras Blick war meiner Hand gefolgt doch er sagte nichts, da der Wind gerade einen Teil der Unterhaltung der beiden zu uns herüber trug.

„Ob es richtig war… ihn einfach dazulassen?“ Setsunas Stimme klang leicht verunsichert. Anscheinend hatte er lange überlegt bevor er das Gespräch in diese Richtung lenkte. Wahrscheinlich weil er sich nach wie vor die Schuld an Zaphikels Tod gab. Etwas, das der Setsuna, den ich bisher kannte niemals getan hätte. Wir hatten uns also alle auf die ein oder andere Art und Weise verändert. Auch wenn uns selbst das Wohl am Allerwenigsten auffiel.

„…Ja. Seine Seele… war nicht mehr dort. Jemand hat ihn mitgenommen. Eine wunderschöne Frau… mit meerblauen Augen… und blondem Haar.“ Ich zuckte bei dieser Beschreibung unwillkürlich zusammen. Wieder einmal wurde mir schmerzhaft bewußt wie sehr ich Anaels Anwesenheit vermißte. Es war so als wäre ich nicht mehr vollständig und dabei wußte ich doch ganz genau, das es niemals für ewig hätte sein können. Dafür waren Seelenwanderungen einfach viel zu gefährlich. Dennoch trauerte ich ihr und auch Zaphikel hinterher. Die Beiden hatten soviel durchgemacht um endlich wieder vereint zu sein. Warum mußten sie dafür nur unbedingt sterben?

„Nein… vielleicht war sie immer da…“ Kaum merklich drehte Raziel seinen Kopf dabei in meine Richtung doch ich tat so als hätte ich nichts gemerkt. Er würde später allein mit mir reden, darum hatte er mich bereits vor unserer Landung gebeten und ich wußte nur zu gut worum es in diesem Gespräch gehen würde.

„Raziel…? Darf ich dich etwas fragen? Zu Zaphikel…“ Er hob leicht seinen Kopf als Setsuna ihm diese Frage stellte. Und für einen kurzen Moment ruhten seine aquamarinblauen Augen, die denen von Anael so sehr ähnelten auf mir. Jetzt konnte ich nicht mehr länger so tun als würde ich seinen Blick nicht bemerken also tat ich das zweitbeste. Ich tarnte mich hinter dem Rauch meiner Zigarette und versuchte mich nebenbei auf Katou und Riuet zu konzentrieren die sich immer noch stritten.

„…Aah… weil… ihr… mein geliebter Mentor wart.“ Dabei ergriff er den Rosenstrauß zu seinen Füßen und begann die Blüten langsam zu zerrupfen. Der Wind trug die weißen Blätter bis hinaus auf das toxische Meer wo sie landeten und schon bald von der Säure zerfressen wurden bevor sie untergingen. Reinheit und Zerstörung in ein und demselben Moment. Ein letzter Gruß an die Person, die bisher die wichtigste in Raziels Leben gewesen war. Ich wußte nicht ob ich mich über diesen Anblick freuen oder weinen sollte. Kiras Arm schlang sich sanft um meine Schultern und er drückte sich fest an mich.

„Glaubst du er weiß es?“

„Ja, er weiß es ganz sicher.“ Spätestens in dem Moment wo Riuet ihm dieses verfluchte Foto von meinem erblondeten Zustand zeigte hatte Raziel alles begriffen. Er wußte sehr gut wer und was Zaphikel gewesen war. Auch wenn er das niemals laut aussprechen würde. Es würde für immer hinter seinen Lippen versiegelt sein.

 

05-04-25

 

 

Next: Part 30 – Return to the grounds of hell

 

 



Hey, hey dieses Mal ging es mit dem neuen Kapitel ausnahmsweise etwas schneller, aber bittet rechnet nicht damit, das ich das immer schaffe.

In den letzten Tagen hatte ich einfach etwas viel Zeit über und vor allem hatte ich diesen Part schon eine halbe Ewigkeit im Kopf. Der nächste Teil wird leider etwas komplizierter, da unheimlich viel zu berücksichtigen ist, damit die Story so weitergeht, wie sie weitergehen soll. Gut, den Großteil habe ich im Kopf, aber die Details haben es in sich.

Hoffentlich hat euch dieses Kapitel gefallen ^.^

’til the next time!

 

UPDATE Kurenai no Tenshi
 

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