Part 34

05-10-08

 

Love of an angel

         Part 34

 

Fire, sand and storm

 

Wie eh und je wartete Cee geduldig ab bis ich mich wieder soweit beruhigt hatte, das meine Tränen aufhören zu flossen. Seine warme Zunge fuhr sanft durch mein Gesicht und wischte auch die letzten Spuren meines Ausbruchs fort. Dankbar kuschelte ich mich in sein warmes Fell und genoß es eine Weile nichts anderem außer seinem regelmäßigen Herzschlag zu lauschen.

Egal, was um mich herum auch geschah in Cees Nähe fand ich immer wieder Ruhe. Im Laufe der Zeit war er zu einer Art Anker für mich geworden. Er ist fast immer an meiner Seite gewesen. Egal, wie schlimm es auch immer um uns gestanden haben mochte, er hat mich nie verlassen.

Vorsichtig schob sich eine dunkle, feuchte Nase in meinen Nacken und versetzte mir einen leichten Stups. Lächelnd drehte ich mich um und begann Cee hinter den Ohren zu kraulen. Zufrieden vor sich hinbrummend schloß er seine Augen zu zwei dünnen, rubinroten Schlitzen und ließ mich mit meinen Gedanken allein. Die durch die Fenster hereinfallende Sonne umhüllte uns wie ein warmer Mantel.

Lyakaons Ausbruch hatte mich zwar nicht sonderlich überrascht. Ich hatte bereits damit gerechnet, das die Dämonen es niemals einfach so hinnehmen würden sich plötzlich in der Obhut einiger Engel zu befinden. Auch, wenn es sich bei diesen um Rebellen handelte. Aber seine Worte hatten mich dennoch tief getroffen.

Die Frage ist nur, warum? Wenn ich von Anfang an damit gerechnet habe, warum nimmt es mich dann so sehr mit? Vielleicht…

Ja, vielleicht weil es mir vor Augen geführt hat, daß sich eines niemals ändern wird…

Egal, wie sehr ich es mir auch wünsche…

Weder bei den Dämonen noch bei den Engeln wird man mich jemals als das akzeptieren, was ich bin. Jeder von ihnen wird immer nur die andere Seite in mir sehen. Die Seite, die sie mehr als alles andere verachtet und der sie niemals vertrauen werden. Mein gesamtes Leben werde ich zweigeteilt zwischen den Welten wandeln…

Man hat mich das Beste aus Himmel und Hölle gelehrt…

Aber egal, wie gut ich mein Wissen auch anwende…

Niemals könnte ich in einer dieser Welten gefahrlos leben. Einzig und allein die Welt der Menschen, Assia hat mich so akzeptiert wie ich bin. Niemand hat mir Fragen über meine Herkunft gestellt oder geglaubt, daß ich ihn verraten könnte. Nun ja, jedenfalls nicht mehr als Menschen sich das gegenseitig so zutrauen.

Die Welt der Menschen…

…ob sie mich wieder aufnehmen wird?

Kann ich dort erneut Zuflucht finden?

Kopfschüttelnd stand ich auf als mich eine Welle Heimwehs zu erfassen drohte. Ich sehnte mich danach zurück einfach alles, was geschehen war hinter mir zu lassen und ein einfaches Leben fernab von allem was mich an meine Herkunft oder Vergangenheit erinnerte, zu führen. Doch das ist unmöglich. Ich kann nicht mehr zurück. Jetzt nicht mehr! Zuviel ist geschehen, das nichts und niemand wieder rückgängig machen kann. Geheimnisse, die für immer verborgen bleiben sollten sind ans Licht getreten und auch das Siegel ist gebrochen.

Nein, es ist weder die Zeit noch der Ort um sich Gedanken um einen Rückkehr zur Erde zu machen. Ich werde die Menschen, die ich liebe nur unnötig in Gefahr bringen. Jetzt, wo Engel und Dämonen von meiner Existenz wissen bleibt mir nur noch eins. All das hier zu einem Ende zu führen. Was dabei letztendlich aus mir wird? Ich weiß es nicht, aber vielleicht wird mein größter Wunsch erfüllt und man läßt mich endlich in Frieden sterben...

Wenn es Setsuna und mir tatsächlich gelingen sollte Adam Kadmon zu befreien, dann wird es wahrscheinlich gar nicht mehr so schwierig werden jemanden zu finden, der mich töten wird. Das hoffe ich zumindest…

 „Shao-san?" Dumpf drang Raziels Stimme durch die geschlossene Tür. Es wird nicht mehr sonderlich lange dauern bis er mich findet. Aufmerksam stellte Cee die Ohren auf und heftete seinen Blick auf die Tür. Er hatte an dem kleinen Engel ebenfalls einen Narren gefressen.

„Es wäre besser, wenn er uns nicht entdeckt.“ Verständnisvoll seine kühle Schnauze gegen mein Handgelenk. Wie immer brauchte es keine großen Worte zwischen uns.

„Weißt du wo sie Iadara hingebracht haben?“ Keine zwei Sekunden später befanden wir uns einige Decks tiefer im Rumpf der Merkabah. Cee hatte sich den denkbar einfachsten Weg gewählt um uns so nah wie möglich ans Ziel zu bringen. Dieser Teil des Schiffes war mir größtenteils unbekannt, aber Cee führte mich zielsicher durch die dunklen Gänge.

Es hätte mich auch sehr gewundert wenn er den Weg nicht gekannt hätte. Den Rebellen einfach so Iadaras leblosen Körper zu überlassen wäre ihm wahrscheinlich gar nicht erst in den Sinn gekommen. Ich erkannte sehr schnell, daß diese Ebene der Merkabah beinahe ausschließlich der Versorgung der Kranken diente. Egal, durch welche der geöffneten Türen ich auch sah, überall befanden sich verletzte Engel. Anscheinend hatten die Rebellen bereits mehr als nur einmal schwer gekämpft. Dennoch schien es ihnen allen mehr oder weniger gut zu gehen. Selbst die Schwerverletzten hatten noch einen Scherz auf den Lippen und begrüßten das Chaos, in dem sich der Himmel befand, als willkommene Chance ihrem Ziel endlich näher zu kommen. Es war ein merkwürdiges Gefühl sich mitten unter ihnen zu bewegen.

Vor einem nur mäßig beleuchteten Raum blieb Cee schließlich stehen und sah mich erwartungsvoll an. Zögernd öffnete ich die Tür und war überrascht, daß es im Innern nur ein einziges Bett stand. Dünne Vorhänge umgaben die darin liegende Gestalt und machten es in diesem Licht beinahe unmöglich diesen zu erkennen.

Ein leichtes Prickeln auf meiner Haut verriet mir, daß der Raum durch einen magischen Bann geschützt wurde. Anscheinend sollte er Unbefugten unmöglich machen sich dem Kranken zu nähern. Auf Cee und mich hatte er jedoch keinerlei Effekt.

Ich zog die Vorhänge ein gutes Stück zur Seite und ließ mich auf einen Hocker sinken, der dicht neben dem Bett stand. Vor mir lag Iadaras leblose Gestalt, die in dieser Umgebung immer mehr den Eindruck erweckte als würde er lediglich friedlich schlafen. Nur ich wußte es besser.

Sein Schlaf würde einen halbe Ewigkeit andauern. Seine Seele hatte seinen Körper vor langer Zeit verlassen und war in Assia wiedergeboren worden. Ich kannte den Menschen, der die Seele dieses mächtigen Dämons in sich trug gut. Sehr gut sogar.

Wir arbeiteten seit Jahren zusammen und hatten uns so gut wie nie ernsthaft gestritten. Er war Mitglied in derselben Band und wie Catan schaffte er es immer wieder mich zur Vernunft zu bringen. Es war immer allen ein Rätsel gewesen warum es gerade ihm ohne Probleme gelang mich von irgendwelchen ‚größeren’ Dummheiten abzuhalten.

Shion… wir werden uns wohl niemals wiedersehen…

Behutsam striff ich über das Weiß des ausgebeutelten Kissens bis ich mich dabei ertappte, wie meine Fingerspitzen mit einer rotbraunen Haarsträhne spielten. Erschrocken zog ich meine Hand zurück.

Nein, das hier ist nicht Shion! Aber ich kann nicht leugnen, daß er und Iadara sich auf einige beängstigende Art und Weise ähneln. Obwohl Astaroth mir mehr Antworten in Bezug auf Iadara gegeben hat als ich eigentlich haben wollte nagten nach wie vor Zweifel an mir. Mein Verstand brannte mir zwar immer wieder ein, daß hier einer der Söhne Luzifers lag aber es war so unglaublich schwer zu glauben. Er sieht Shion so verdammt ähnlich…

Und doch hat Astaroth sich in meiner Nähe nie wirklich zu größeren Lügen hinreißen lassen. Für einen Erzdämon ist er immer verdammt eng an der Wahrheit geblieben…

Doch kann ich ihm nun glauben oder nicht? Soll der sanfte, nie aus der Ruhe zu bringende Shion wirklich Luzifers und Liliths Sohn sein? Es widerstrebt mir zutiefst das auch nur zu erwägen! Diese Geschichte kann einfach nicht der Wahrheit entsprechen! Aber es würde so unendlich viel erklären…

Das von rotbraunen Haaren eingerahmte schlafende Gesicht war vollkommen friedlich. Es war ihm kaum anzusehen, daß er eigentlich ein äußerst mächtiger Dämon war. Auch wenn seine Seele nach wie vor in einer menschlichen Hülle steckt, es wird niemals etwas daran ändern, daß er ein Dämon ist. Ein Dämon und mein Vater…

Ich beugte mich ein klein wenig zu Iadara herunter um sein Ohr zu erreichen.

„Mag sein, daß ich Astaroth nicht sonderlich traue. Aber, mach dich darauf gefaßt, das ich einen Menge Fragen haben werde, wenn du aufwachst.“ Vielleicht bildete ich mir das nur ein, aber als ich mich zurücklehnte schien ein leichtes Lächeln über sein Gesicht huschen. Ich wartet noch eine zeitlang ab, aber Iadara blieb regungslos wie eh und je. Es wäre auch viel zu einfach gewesen, wenn er plötzlich die Augen aufschlagen und mir all meine Fragen beantworten würde. Bis dahin konnte ich nichts weiter tun als weiterhin meinem Weg zu folgen. Was im Moment soviel bedeutet wie so schnell wie möglich Michaels Hoheitsgebiet erreichen und Setsuna befreien.

Entschlossen stand ich auf und verließ den Raum. Von nun an werde ich das alles hinter mir lassen. Astaroth, Iadara, die Rebellen, Raziel und auch Rosiel und Catan. Keiner von ihnen kann mir helfen, wenn es darum geht die Welt der Menschen zu retten. Engel und Dämonen stehen sich und ihrer eigenen Welt immer selbst am Nächsten und niemanden sonst. Sollte es darauf ankommen würden sie Assia bedenkenlos für ihre eigenen Ziele opfern.

Nein, Setsuna muß befreit werden um unsere Welt zu schützen. Und selbst wenn nicht, dann ist er nach wie vor ein Freund. Ich werde ihn nicht im Stich lassen! Ebensowenig Sara-chan. Die Beiden haben für ihre Liebe bereits so viel geopfert…

Warum sollen sie nicht glücklich werden? Außerdem haben sie mein Wort, das ich sie wieder zusammenbringen werde. Für einen kurzen Moment sah ich die Beiden und Kira-chan vor mir, wie sie an einem sonnigen Tag in einer Eisdiele auf mich warteten. Ihre Gesichter strahlten mich freudig an und keiner schien sich Sorgen um seine Zukunft zu machen…

Warum können wir nicht einfach in diese Zeit zurückkehren? Eine Zeit in der Engel für uns alles nichts weiter als Sagengestalten waren?

Beinahe geräuschlos glitt eine Tür auf und holte mich in die Gegenwart zurück. Aus irgendeinem Grund hatte mich mein zielloses Umherirren genau in die Waffenkammer der Rebellen geführt. Noch während sich die Neonbeleuchtung einschaltete sah ich mich suchend in den Regalen um. Cee folgte mir wie ein dunkler Schatten.

Es gab beinahe jede erdenkliche Art von Waffen. Die Rebellen hatten verdammt gut vorgesorgt. Trotzdem würde es dennoch nicht ausreichen um gegen Sevothtartes oder Rosiels Armeen zu bestehen. Für umherstreifende Dämonen und Patrouillien war diese Ausrüstung jedoch vom Allerfeinsten. Selbst Michael würde bei diesem Anblick Sternchen in den Augen bekommen.

Ich mußte mich beeilen. Irgendwo hat mein unbefugtes Eindringen unter Garantie einen stillen Alarm ausgelöst. Es wird lediglich eine Frage der Zeit sein, bis die ersten Rebellen hier unten auftauchen, um nach dem Rechten zu sehen.

Sehr schnell entschied ich, daß für mein Vorhaben einige kleine Handfeuerwaffen und Granaten reichen würden. Alles andere wäre viel zu gefährlich oder sperrig um es zu über weite Strecken oder durch die Kontrollen zu transportieren. Außerdem konnte es sich ein Mitglied aus Rosiels Garde nicht leisten bis an die Zähne bewaffnet bei dem unberechenbaren Feuerengel aufzutauchen. Michael und seine Männer könnten doch glatt auf die Idee kommen Rosiels Männer hätten Angst vor ihnen. Und das würde sie nur noch schneller zum Angriff übergehen lassen.

Systematisch schritt ich die Regalreihen ab und hob hier und da prüfend eine Waffe an. Es dauerte nicht länger als zehn Minuten bis ich mit meiner Ausrüstung zufrieden war. Meine Kräfte würden dann hoffentlich den Rest erledigen.

Zurück auf dem Gang konnte ich bereits eilige Schritte hören, die sich meiner Position näherten. Mit einem leisen Pfiff wies ich Cee an mir zu folgen und huschte in die entgegengesetzte Richtung. Während einer kleinen Pause schlüpfte ich kurz aus dem Uniformmantel und legte den stibitzten Schulterhalfter um und verstaute in ihm sorgsam eine der Pistolen. Danach folgten Granaten, diverse Ersatzwaffen und einige kleine Messer. Wie es Vorschrift war verschwand beinahe alles davon nahezu unsichtbar unter meiner Kleidung und dem Mantel. Einzig und allein die Waffe in dem Halfter konnte man deutlich erkennen.

Vorsichtig sicherte ich mich nach allen Seiten ab, bevor wir uns auf den Weg in Richtung Außenplattformen machten. Cee schien einen Heidenspaß daran zu haben, daß wir die Engel wieder einmal an der Nase herumführten. Mir hingegen behagte es eindeutig weniger. Ich wußte, daß ich Raziel vertrauen konnte und daß er es mir nicht verzeihen würde, was ich jetzt tat. Doch ich wollte ihn nicht noch mehr in Gefahr bringen. Er würde mich so dicht an Michaels Hoheitsgebiet bringen wie nur eben möglich und dabei sich und alle Anderen einer Gefahr aussetzen, die sie ebensogut umgehen konnten.

Nein, es ist besser, wenn ich mich jetzt aus dem Staub mache. Sie werden meine Flucht bemerken und umkehren lange bevor Michaels Sensoren die Merkabah überhaupt erfassen konnten.

„Es ist also wahr.“ Scheiße! Ich gefror mitten in der Bewegung.

„Lyakaon hat tatsächlich die Wahrheit gesagt. Du gehörst zu Rosiels Leuten.“ Entschlossen trat Cassiel aus einem dunklen Gang und stellte sich mir in den Weg.

„Du gehst also ohne dich von uns zu verabschieden?“ Ich seufzte leise. Warum mußte er mich ausgerechnet jetzt finden?

„Wenn du schon allein gehst, dann solltest du das nicht vergessen.“ Mit einem traurigen Lächeln hielt er mir die Mütze meiner Uniform entgegen. Ich mußte sie irgendwo in der Waffenkammer vergessen haben.

„Ich hätte niemals gedacht, daß ausgerechnet du uns verraten würdest.“ Diese Worte trafen mich wie ein Dolchstoß.

„Cassiel, es ist nicht so wie du denkst.“ Entschlossen setzte ich die Mütze auf und zog mir den Schirm tiefer ins Gesicht.

„Es ist nicht immer so, wie es aussieht.“ Selbst in meinen Ohren klangen diese Worte hohl und wenig überzeugend. Doch für mehr war einfach keine Zeit. Entweder er glaubt mir oder nicht. Cee drückte sich eng an meine Beine während ich an Cassiel vorbeischritt. Bis zur nächsten Außenplattform war es nicht mehr sonderlich weit und ich hatte nicht vor mit Cassiel weiter über die Beweggründe meines Handelns zu sprechen. Leider hatte ich dabei seine Hartnäckigkeit unterschätzt. Er blieb mir einfach auf den Fersen.

„Und du meinst, das reicht? Du überläßt uns den Rebellen und verschwindest dann einfach?“ In seiner Stimme schwankte mühsam unterdrückter Zorn mit. Ohne ihn zu beachten ging ich weiter. Es ist keine Zeit! Ich kann nicht stehenbleiben und es ihm erklären! Ich muß hier weg ehe Raziel mein Vorhaben durchschaut!

„Warum hast du uns nicht gesagt, daß du zu Rosiels Leuten gehörst?“ Er folgte mir beharrlich. Ob mir das nun paßte oder nicht. Sorgsam überbrückte ich den Türcode der Luftschleuse. Sie glitt beinahe geräuschlos auf und gab den Weg zur Außenplattform frei. Der kühle Wind verfing sich in meinem Mantel.

„Verdammt! Shao! Warum sagst du nichts?! Wir haben dir immer vertraut. Du schuldest uns zumindest eine Erklärung.“ Er war den Tränen nahe doch ich drehte mich nicht um. Egal, was ich ihm jetzt auch sagen würde, keiner von ihnen würde es verstehen. Es ist besser, wenn sie mich so schnell wie möglich vergessen.

„Shao-san, warte!“ Raziels klare Stimme traf mich wie ein Peitschenschlag.

„Bitte geh nicht.“ Wir wußten beide, daß ich gehen mußte und dennoch kämpfte er mit seiner Rolle als Anführer der Anima Mundi und der Freundschaft zu mir.

„Raziel-chan…“ Für einen kurzen Moment war ich bereit all meine Pläne über den Haufen zu werfen und seiner Bitte nachzukommen. Nur, um ihn wieder lächeln zu sehen. Allerdings nicht lange genug, um mich von meinem Entschluß abzubringen.

„Bitte!“ Seine aquamarinblauen Augen standen kurz davor in einem Meer von Tränen unterzugehen. Bitte Raziel-chan, mach es mir nicht so schwer. Ich muß gehen, das weißt du!

„Ich muß gehen.“ Behutsam legte ich meine Hände auf seine Schultern. Zitternd sah er zu mir auf.

„Raziel, ich habe dir und deinen Leuten etwas äußerst wertvolles anvertraut. Ich verlasse mich darauf, das ihr gut darauf aufpaßt.“

„Shao-san, ich…“ Er schluckte schwer und sein Blick wurde plötzlich härter.

„Laß mich dir eine Eskorte mitgeben.“ Ja, Zaphikel hat eine hervorragende Wahl getroffen. Sein Sohn ist ein mehr als nur würdiger Nachfolger. Mit ihm als Anführer wird die Anima Mundi problemlos den Himmel befreien.

„Nein. Du brauchst im Moment all deine Leute hier. Nur mit eurer gesamten Kraft könnt ihr das Chaos zu euren Gunsten nutzen. Es wäre Verschwendung sich meinetwegen unnötig zu schwächen. Ich kann gut auf mich selbst aufpassen.“

„Du willst wirklich allein gehen?“

„Nicht ganz, Cee begleitet mich.“ Noch ehe er etwas darauf erwidern konnte hatte ich bereits einen Finger auf Raziels Lippen gelegt und ein ganz bestimmtes Bild in Cees Bewußtsein projiziert. Er gab ein äußerst unwilliges Schnauben von sich.

„Raziel-chan, ich bringe euch den Messias zurück. Du hast mein Wort.“ Er nickte kurz und folgte mir auf die Außenplattform. Ebenso Cassiel, der tief in Gedanken versunken war und Cee, der aussah als würde den nächsten Engel, der ihm zu nah kam am Liebsten direkt zum Frühstück verspeisen.

„Du willst mit einem Dämon an deiner Seite in Michaels Hoheitsgebiet eindringen?“ Zweifelnd sah Cassiels auf Cees dunkle Gestalt. Auch Raziel schien noch letzte Zweifel zu hegen, was das anging. Dabei kennt er mich doch eigentlich schon wesentlich länger als Cassiel.

„Sicher. Aber das werden sie erst merken, wenn es bereits zu spät ist.“

„Du willst ihn verstecken? Wie willst du diese Aura verbergen? Ein Blinder würden merken, das er ein Dämon ist.“ Cassiel schien mich für komplett übergeschnappt zu halten. Grinsend sah ich zu Cee hinüber der mich beleidigt anknurrte. Ihm gefiel mein Vorhaben überhaupt nicht, aber wenn er mich begleiten wollte, dann blieb ihm keine andere Wahl als mitzuspielen.

„Ach komm schon. Zeig es ihnen einfach.“ Mit einem Brüllen, das sowohl Cassiel als auch Raziel leichenblaß werden ließ verschwand Cee in einem Meer aus schwarzen Flammen. Innerhalb von verpufften diese und gaben den Blick auf komplett veränderte Gestalt frei. Statt der üblichen Höllenbestie stand nun ein pechschwarzes, geflügeltes Pferd vor uns.

Aus den sich aufblähenden Nüstern stoben kleine Flammen begleitet von einem zutiefst verärgerten Blich aus einem Paar rubinroter Augen. Sie leuchteten bedrohlich in ihren Höhlen und auch der Rest der imposanten Erscheinung hatte diese Wirkung. Das weiche Fell war pechschwarz. Ebenso die großen Flügel, die bedrohlich vom Körper abgespreizt waren. Unter den scharrenden Hufen stoben silberne Funken hervor. In der letzten Zeit hatte Cee nur selten so gefährlich ausgesehen wie jetzt.

„Was im Namen aller großen Engel ist das?“ Cassiel starrte abwechselnd Cee und mich an.

„Na Cee. Wer denn sonst?“ Ich mußte mir ein Grinsen verkneifen als die beeindruckenden Hufe mit einem lauten Knall zu Boden sausten. Ein wahres Funkenmeer war die Folge.

„Er kann seine Gestalt ändern?“ Auch Raziel konnte nicht glauben, was er da sah und vorsichtshalber hielt er einen gebührenden Abstand ein. Bei Cees momentaner Gemütsverfassung eine sehr weise Entscheidung.

„Wenn ich ihn darum bitte, ja.“ Zufrieden grinsend sah ich Cee an, der von seiner jetzigen Erscheinungsform alles andere als begeistert war. Kein Wunder, er wußte ja bereits, was noch kommen würde. Dabei macht er als geflügeltes Wesen gar keine so schlechte Figur. Ich weiß gar nicht, warum er sich deshalb so anstellt.

„Aber er sieht immer noch wie ein Dämon aus. Auch, wenn er jetzt ein Pferd ist.“ Das brachte Cassiel einen unsanften Stoß mit einem dunklen Flügel ein. Im Moment war da jemand ganz und gar nicht gut gelaunt.

„Er hat recht. So kannst du Michaels Männer nicht täuschen.“ Erneut gab es einen leisen Knall als Cees Hufe auf den Boden aufstampften. Ärgerlich schüttelte er seine lange Mähne und gab ein lautes Schnauben von sich. Sollte er sich jetzt aufbäumen und mit den Flügeln schlagen würden unter Garantie gleich zwei junge Engel in Ohnmacht fallen.

„Meint ihr?“ Lächelnd entfaltete ich meine Schwingen und zupfte drei Federn aus ihnen. Behutsam ließ ich sie in meine linke Hand sinken und blies sacht dagegen bis eine kleine, silberne Wolke entstand, die sich nach und nach weiß färbte. Mit einem erneuten Lufthauch wuchs sie weiter und ich umschloß sie vorsichtig mit beiden Händen. Erst als sie eine bestimmte Größe erreichte ließ ich sie frei. Kaum hatte sie genügend Raum breitete sich die Wolke weiter aus und hüllte Cee ein.

Ein aufgebrachtes Wiehern war für kurze Zeit das einzige, was uns an seine Gegenwart erinnerte. Dicker, weißer Nebel hatte ihn komplett vor unseren Blicken verborgen. Nur langsam gelang es dem Wind die dicken Schwaden zu vertreiben und die darunter verborgene Gestalt zu befreien.

Raziel und Cassiel fiel bei dem Anblick fast das Kinn auf den Boden. Schlanke Fesseln, ein Fell so weiß wie der klarste Stern am Himmel, Hufe in den sich das Licht der Sonne fing und die Flügel eines Schwans. Vor uns stand ein strahlend weißes Pferd, wie man ihn fast ausschließlich aus griechischen Sagen kannte. Ein Pegasus, das edelste unter den geflügelten Pferden.

„Unglaublich! Wie hast du das gemacht?“ Fassungslos starrte Cassiel die weiße Gestalt an. Alles Bedrohliche war aus Cees Erscheinungsbild verschwunden. Er verkörperte jetzt nur noch Reinheit und Unschuld. Selbst seine Aura hatte sich gewandelt. Niemand würde auf die Idee kommen ihn für einen Dämon zu halten. Allerdings zeigte sein unruhiges Verhalten deutlich wie sehr es ihm mißhagte ausgerechnet in dieser Gestalt gefangen zu sein.

„Die Streitpferde der Engel… Shao-san, du kennst sie?“ Raziel starrte Cee wie ein Weltwunder an.

„Man hat mir sogar beigebracht auf ihnen zu reiten.“ Mit diesen Worten schwang ich mich auf Cees Rücken. Raziels und Cassiels Augen weiteten sich sichtbar. Kein Wunder, diese Pferde galten seid Jahren als beinahe ausgestorben und es war äußerst schwierig sie zu zähmen.

Es gab nur noch sehr wenige Engel, die überhaupt noch eines dieser edlen Geschöpfe ihr eigen nennen konnten. In den Himmeln waren sie so kostbar wie auf der Erde blaue Diamanten. Niemand würde es mehr wagen ein solches Geschöpf in eine Schlacht zu führen. Als Luzifer fiel sind einfach zu viele von ihnen gestorben. Man hatte Angst, das diese edlen Tiere eines Tages ganz aussterben könnten.

„Nun seht mich doch nicht so überrascht an. Ihr wißt beide, das ich wesentlich älter bin als ich aussehe.“ Mit einem kurzen Zungenschnalzen gab ich Cee das Signal zum Aufbruch. Er tänzelte einen Moment hin und her bevor er sich in die Lüfte erhob. Die Merkabah war schon bald nur noch ein dunkler Fleck in einem blauen Meer, das genau unter uns lag.

Anfangs hatte ich einige Probleme damit mich sicher auf seinem Rücken zu halten doch bereits nach wenigen Minuten machte es mir rein gar nichts mehr aus ohne Sattel durch die Wolken zu jagen. Cees Schwingen trugen uns immer schneller durch das weite Blau. Wahrscheinlich waren wir auf den Bildschirmen der meisten Wachposten nicht mehr als ein pfeilschneller Punkt, der ebenso gut hätte Einbildung sein können. Ab und zu glitt ein Wolkenwal an uns vorbei, doch diese Tiere zogen es vor ihre Bahnen in Ruhe zu ziehen statt an unserem kleinen Rennen teilzunehmen. Die einzigen wahrnehmbaren Geräusche waren schon bald nur noch der Wind, Cees kräftiges Schnauben und der regelmäßige Schlag seiner starken Schwingen. Es war wunderschön! Nicht so schön wie selbst zu fliegen, aber es kam dem wohl am Nächsten. Ich genoß es den Wind in meinem Gesicht zu spüren.

Dennoch erreichten wir unser Ziel viel schneller, als ich erwartet hatte. Michaels Palast erstreckte sich bereits unter uns. Er lag mitten in einer Sandwüste.

Vorsichtig ließ ich Cee ein paar Runden darüber drehen um nicht direkt in eine Falle zu tappen. Erstaunlicherweise war alles ruhig. Es gab nicht das geringste Anzeichen dafür, daß unser plötzliches Erscheinen am Himmel irgendwo im Inneren einen Alarm ausgelöst hatte.

„Sei vorsichtig wenn du landest. Irgend etwas stimmt da nicht.“ Es war mehr als nur merkwürdig, das uns bisher noch keiner von Michaels Wachposten angegriffen hatte. Normalerweise hätten sie sich schon lange zeigen müssen. Mit einem ärgerlichen Knurren, das viel eher nach einem Wiehern klang, ließ er mich wissen, daß es dieser Aufforderung nicht bedurft hätte.

Mit bedächtigen Flügelschlägen steuerte er den Palast an und ließ es sich nicht nehmen den Überwachungskameras dabei seine Schokoladenseite zu zeigen. Mochte ihm sein momentanes Erscheinungsbild auch noch so sehr Mißhagen, er konnte es einfach nicht lassen die Engel zu beeindrucken. Schwungvoll und äußerst elegant landete er schließlich auf einer der höher gelegenen Terrassen.

Noch immer war weit und breit niemand zu sehen. Das ist ganz und gar nicht gut. Das riecht ja förmlich nach Falle! Langsam, so als könnte mir nichts und niemand etwas anhaben saß ich ab und tätschelte über Cees warmen Hals während ich mich umsah. Es war alles vollkommen friedlich. Ergo muß entweder etwas passiert sein oder sie liegen alle im Innern auf der Lauer. In Michaels Palast wird normalerweise immer trainiert oder gekämpft. Es sei denn, sie bereiten etwas vor… Leicht wurde ich von der Seite angestupst.

„Wenn du weiterhin so brav bist gibt es heute abend Hafer als Belohnung.“ Ärgerlich schnappte Cee nach meiner Mütze, die ich grinsend festhielt. Manchmal ist es so einfach ihn zu ärgern.

„Warte hier. Ich werde mich etwas umsehen.“ Daß ihm das noch viel weniger paßte als ein weißes Pferd zu sein brauche ich wohl nicht unnötig zu erwähnen. Oder? Seitdem in den Himmeln das Chaos ausgebrochen ist läßt er mich ohnehin kaum noch allein. Kein Wunder, wenn man daran denkt, was immer passiert, wenn er mal nicht in meiner Nähe ist. Gut, es ist nach wie vor meistens meine eigene Schuld, aber ich schätze mal er nimmt es mir übel, ihn jedesmal aufs Neue zurückzulassen. Wahrscheinlich ist er es leid mich immer wieder als halbtotes Frack wiederzufinden.

Vorsichtig machte ich mich auf den Weg in das Innere von Michaels Palast und war dabei sehr darauf bedacht meine Aura zu kaschieren. Die üblichen Fallen und Alarmsysteme umging ich so gut wie möglich. Aber merkwürdigerweise passierte rein gar nichts. Niemand schien mich aufhalten zu wollen, als ich immer weiter in den Palast eindrang.

„Na gut, dann eben Mut zum Risiko.“ Innerhalb von Sekunden tastete ich die Umgebung nach Setsunas Aura ab. Es dauerte gar nicht mal lange bis ich ihn schließlich entdeckte. Ein kurzer Blick nach links und rechts genügte, um mich nach wie vor in Sicherheit zu wissen. Allerdings wird das wahrscheinlich nicht mehr allzu lange der Fall sein.

Um meine Suche zu verkürzen teleportierte ich mich direkt zu Setsunas Aufenthaltsort. Wenn Michaels Leuten mein Eindringen bisher noch verborgen geblieben sein sollte, dann würden sie mich spätestens jetzt entdecken. Nur machte ich mir darüber im Moment (wie eigentlich fast immer) kaum Gedanken.

Der Anblick von Setsunas zerschundenem Körper tat ein übriges, um mich alle Vorsicht vergessen zu lassen. Ich stand einfach nur da und starrte ihn an.

Sie hatten ihn in einen Käfig gesteckt und seine linke Hand mit einer kurzen Kette an den oberen Stäben gefesselt. Seine Wunden waren notdürftig verbunden und sein rechter Flügel stach strahlend hell aus der trostlosen Umgebung hervor. Er hielt den Kopf gesenkt, doch ich konnte deutlich erkennen, daß auch sein linkes Augen unter dicken Mullschichten verborgen war.

Nach und nach führte mir mein Bewußtsein vor Augen, wer dafür verantwortlich war. Rosiel…

Rosiel hatte ihn so zugerichtet und dieses Wissen zwang mich in die Knie. Der Engel, dem mein Herz gehört hat meinen besten Freund getötet und Setsuna beinahe ebenfalls. Es ist fast ein Wunder, das Setsuna überhaupt noch lebt. Hätte Astaroth mich nicht von dort entführt, dann hätte ich Setsuna vielleicht retten können…

Mit nur einem Flügel fehlt ihm ein beachtlicher Anteil seiner Astralkräfte und eine Heilung seiner Wunden ist somit beinahe unmöglich. Ich kann noch nicht einmal mit Sicherheit sagen ob ich ihm in diesem Zustand überhaupt helfen kann. Sicher, ihn zu befreien wird nicht allzu schwierig werden. Nur wie will er in diesem Zustand Sara-chan befreien? Weder Rosiel noch Sevothtarte werden lange zögern um sich dem angeblichen Messias zu entledigen. Verdammt noch mal! Ich hätte sie beschützen müssen!

„Es tut mir so Leid Setsuna…“ Wäre ich schneller gewesen, dann hätte ich euch beide retten können. Vielleicht wäre Kira dann noch am Leben…

„…ich konnte euch nicht beschützen.“ Es tat weh daran denken zu müssen, was sich in der Hölle ereignet hatte. Es ist meine Schuld! Ich hätte sie nicht allein lassen dürfen! Ich hätte Rosiel irgendwie durchschauen und aufhalten müssen! Es hätte niemals soweit kommen dürfen…

„…sa…“

„Setsuna? Setsuna, bist du bei Bewußtsein?“ Ich klammerte mich an die Stäbe seines Gefängnisses. Ein Eisschauer durchfuhr mich.

„…ra…“ Nein, er ist nicht wach. Er spricht im Schlaf. Sein Körper ist noch immer zu sehr vom Verlust seines Flügels geschwächt. Was ist das eigentlich für ein komisches Prickeln? Absorbiert dieser Käfig etwa Astralkräfte?

„…Sara…“ Selbst in diesem Zustand denkt er an nichts anderes...

Typisch Setsuna. Traurig sah ich ihn und rang ich mich zu einem Entschluß durch. Setsuna murmelte immer wieder den Namen seiner Schwester. Ich muß ihn befreien und zu ihr bringen. Mir bleibt eigentlich schon fast keine andere Wahl. Wenn ich etwas von meiner Schuld wieder gutmachen will, dann ist daß das Mindeste, was ich tun kann. Und wer weiß? Vielleicht reichen meine Kräfte ja aus um Setsuna wieder einigermaßen auf die Beine zu bringen. Entschlossen stand ich auf und spürte einen kühlen Metallkolben an meinem Hinterkopf. Mit einem metallischen Klicken wurde die Waffe entsichert.

„Dreh dich langsam um und nenn mir einen einzigen Grund, warum ich dich nicht auf der Stelle töten sollte.“ Na klasse! Sie haben mich also endlich gefunden. Hat zwar gedauert, aber wenigstens hatte ich so genügend Zeit mir einen halbwegs vernünftigen Plan auszudenken.

„Rosiel-sama schickt mich.“ Lässig sah ich mein Gegenüber an. Es überraschte mich etwas einen Veteranen zu sehen. Seine linke Gesichtshälfte war beinahe komplett unter einer dicken Eisenplatte verdeckt und auch der Rest seines Körpers machte den Eindruck als wäre er schon reiflich oft wieder zusammengeflickt worden. Die kurzgeschorenen blonden Haare, ein dunkelrotes Stirnband und eine nicht unerhebliche Anzahl deutlich sichtbarer Muskeln verziert mit einem beachtlichen Narbenmuster ließen nur zu deutlich darauf schließen, das mit diesem Engel nicht gut Kirschen essen war. Er würde sich so schnell von nichts und niemanden täuschen lassen.

„Das sehe ich.“ Charmant wie ein Granitblock. Er ließ deutlich durchblicken, daß diese Tatsache allein nicht ausreichte um mich auch weiterhin am Leben zu lassen. Nun denn, das ein oder andere As habe ich schließlich noch im Ärmel. Mal sehen, wie weit ich damit komme. Zum Glück hatte ich noch genügend Zeit gehabt meine Stimme zu verändern. Sie klang jetzt ganz und gar nach einem eingebildeten Offizier.

„Warum senkt ihr nicht eure Waffe und wir reden in Ruhe weiter.“ Ein trocknes Lachen scholl mir entgegen. OK, schon begriffen. Der Versuch ist armselig gewesen. Alles klar.

„Rosiel hat wirklich Nerven einen Schönling wie dich hierher zu schicken. Michael dreht durch, wenn er dich zu Gesicht bekommt.“ Warum das denn? Gut, der Knirps und ich hatten nicht unbedingt den besten Start. Aber warum sollte er direkt durchdrehen? So groß kann seine Widersehensfreude doch gar nicht sein.

„Na komm schon ehe Michael-sama zurückkehrt.“ Lässig schulterte er seine Waffe und deutete mit einem kurzen Kopfnicken hinter sich. Von mir aus. Hauptsache am Ende läuft alles so, wie ich mir das vorgestellt habe. Noch während wir durch den Palast wanderten begann der blonde Hüne mit dem Verhör. Oder dem, was er dafür hielt.

Meine Antworten hingegen waren derart ausweichend, das es ihm äußerst schwerfallen dürfte darin einen Sinn oder eine Lüge zu entdecken. Allerdings erfuhr ich bei dieser Gelegenheit auch seinen Namen, Camael. Ich bin mir sicher diesen Namen schon einmal irgendwo gehört zu haben, aber ich komm nicht drauf wo und wann. Im Endeffekt auch egal. Denn schneller als mir lieb war fand ich mich in einer Art Verhör Zimmer wieder, damit Camael sich ‚ganz in Ruhe’ mit mir unterhalten konnte. So drückte er es jedenfalls aus.

Ich kehrte nach wie vor den lässigen Offizier raus und er kaufte es mir problemlos ab. Dennoch ließ er nicht locker, was den Grund für meine Anwesenheit anging. Irgend etwas an mir schien ihn unheimlich zu stören. Es stellte mich allerdings vor ein Rätsel, was das sein sollte. Außerdem war er sehr darauf bedacht, das mich weder die anderen Männer noch Michael irgend etwas über meine Anwesenheit erfuhren.

Da wir nach etlichen Diskussionen nicht weiterkamen bot er mir schließlich einen Deal an. Wenn ich ihm den Grund für meine Anwesenheit nannte würde er mir im Gegenzug freiwillig eine nicht näher definierte Information geben. Dieses Angebot war mehr als nur verlockend.

„Die volle Wahrheit?“ Mißtrauisch sah ich ihn an.

„Ja.“ Seufzend ließ ich meine Schultern ein Stückchen hängen und gab mich mehr oder weniger geschlagen. Wenigstens nach außen. Camael ist ein verdammt harter Brocken und ich hatte nicht vor noch im nächsten Jahr hier fest zu sitzen. Außerdem, was kann es schon schaden? Er weiß ja zum Glück nicht, daß ich kein Offizier bin.

„Also gut. Rosiel-sama hat mich damit beauftragt den Messias zu befreien und in seinen Palast zu bringen.“

„Rosiel hat WAS?!“ Laut schlug er mit einer Hand auf den Tisch und unterdrückte mühsam seinen Zorn. Ich überließ ihn einen Moment sich selbst bevor ich zu einer ausführlicheren Erklärung ansetzte. Am Ende sah Camael mich mit demselben merkwürdigen Blick an, mit dem er mich bereits hin und wieder taxiert hatte. Irgend etwas an mir schien ihn wirklich ganz gewaltig zu stören. Allerdings kann ich immer noch nicht sagen was. Meine Verkleidung ist wasserdicht. Er kann unmöglich herausbekommen haben, daß ich eine Frau bin.

„Welche Information soll ich dir geben?“ Er preßte die Zähne zusammen um sein Wut zu zügeln. Kein Wunder! Welcher Engel wäre nicht sauer, wenn ein anderer ihm einfach so mir nichts dir nichts die mühsam errungene Beute abjagen will.

„Den Aufenthaltsort von Jibril!“ Oh Shit! Zunge schneller als Hirn! Verdammt!

„Seltsam, das ein hoher Offizier wie du das nicht weiß.“ Was auch immer ihn beschäftigt hatte es löste sich gerade in Wohlgefallen auf. Seine Augen lagen lauernd auf mir. Fast so wie bei einer großen Raubkatze, die gerade ihr nächstes Stück Wild erspäht hat. Oh man, jetzt bloß keinen Fehler machen. Das Eis auf dem ich stehe ist plötzlich verdammt dünn geworden.

„Man hatte mich direkt nach der Katastrophe in den Randgebieten eingeteilt. Ich wurde erst vor kurzem zurückbeordert und bin daher nicht ganz auf dem neusten Stand.“

„Du hast dort gekämpft?“ Das klingt so derartig ungläubig…

„Kämpfen trifft es nicht so ganz. Es war eine geheime Mission.“ Ich setzte ein unverbindliches Lächeln auf und hoffte, daß er den Köder schluckte.

„Wo genau warst du stationiert?“ Na bitte, geht doch.

„Wie gesagt, die Mission war geheim. Es würde Rosiel-sama wenig freuen, wenn er erfährt, das ich mit euch über seine Pläne spreche.“

„Verstehe.“ Mit einem dunklen Glitzern in den Augen lehnte Camael sich etwas zurück und fixierte mich eisig.

„Jibril befindet ich in den Kerkern des Justizpalastes.“ Keine Ahnung wie, aber irgendwie gelang es mir meine Überraschung zu verbergen. Sevothtarte reagiert wesentlich schneller als mir lieb ist. Wenn Sara bereits im Justizpalast ist, dann kann ihre Verhandlung nicht mehr allzu fern sein.

„Komm, ich begleite dich ein Stück ehe Michael-sama zurückkehrt.“ Da mir nichts Sinnvolles einfiel um dieses Angebot abzulehnen nickte ich kurz. Dennoch verursachte mir Camaels Gegenwart eine leichte Gänsehaut. Er hatte in unserem Gespräch irgend etwas über mich herausgefunden. Mich würde nur interessieren was?

„Mir scheint dein Reittier ist verschwunden.“ Ein lautes Wiehern direkt über uns belehrte ihn schnell eines besseren.

„Verzeiht mir, wenn ich so plötzlich aufbreche, aber Rosiel-sama erwartet meinen Bericht.“ Ich schwang mich auf Cees Rücken.

„Davon bin ich überzeugt.“ Er gab Cee einen leichten Klaps und protestierend erhob sich dieser in die Lüfte. Vor lauter Überraschung klammerte ich mich in der samtweichen Mähne fest und ließ diese nur langsam los. Es war seltsam. Dieses Gefühl komplett durchschaut worden zu sein und trotzdem hatten sich daraus keinerlei Konsequenzen ergeben. Camael ist ein ziemlich merkwürdiger Kerl, wenn man mich fragt. Aber wahrscheinlich muß man das sein, wenn man mit Michael zusammenarbeitet.

„Wir müssen zum Justizpalast. Er liegt in Machonon, der vierten Sphäre. Kennst du den Weg?“ Cee schüttelte widerwillig den Kopf aber verstärkte gleichzeitig den Schlag seiner Flügel. Die Wolken zogen nur noch in Fetzen an uns vorbei.

„Ich danke dir.“ Lächelnd beugte ich mich über seinen warmen Hals und kraulte mit einer Hand durch den Ansatz seiner Mähne. Er achtete nicht auf mich sondern durchstieß die nächste Wolke. Der Justizpalast lag unter uns. Wie selbstverständlich landete Cee auf dem großen Vorplatz und genoß das Staunen um sich herum. Es kam wirklich nicht mehr oft vor, das ein Engel auf einem geflügelten Pferd erschien. Zum Glück kam es hier nicht ganz so selten vor wie im Rest des Himmels.

„Warte hier auf mich.“ Ich klopfte ihm kurz auf die Flanke und straffte meine Schultern ehe mich auf den Weg ins Innere machte. Das Gebäude beeindruckte mich bereits von außen. Es war eine halbe Ewigkeit her, das ich diese Stufen zum letzten Mal erklommen hatte. Es kam mir beinahe unwirklich vor, wie wenig sich in all der Zeit doch verändert hatte. Der Prunk war nach wie vor einzigartig in den Himmeln und dennoch flößte einem dieses Gebäude einen Heidenrespekt ein. Unzählige Ornamente und Statuen säumten den Eingangsbereich und im Inneren wurden es noch mehr. Überzogen mit Bronze, Silber, Gold oder direkt aus kostbarstem Marmor hatte man hier keine Kosten und Mühen gescheut um die Bedeutung dieses Ortes mehr als nur deutlich hervorzuheben.

Gefangengenommen von dem ganzen Prunk um mich herum vergaß ich weiter auf den Weg zu achten und hatte mich nach nur wenigen Minuten komplett verlaufen. Der Justizpalast war riesig und es war äußerst schwierig zurück zum Ausgangspunkt zufinden. Ratlos blieb ich zwischen zwei Marmorsäulen stehen und versuchte mich daran zu erinnern wie man von hier am Besten in den Verhandlungssaal gelangte. Noch während ich vor mich hingrübelte schlugen meine Füße wie selbstverständliche eine bestimmte Richtung ein. Ohne daß es mir bewußt gewesen wäre fand ich mich plötzlich im Hauptbereich des Justizpalastes wieder. Von hier aus war es ein leichtes sich zurecht zu finden. Wenn mich mein Gedächtnis nicht ganz im Stich läßt liegt der Verhandlungssaal direkt am Ende dieser Halle.

Doch statt einfach die große Halle zu durchqueren drückte ich mich erst einmal hinter eine große Statue. Gerade noch rechtzeitig genug um nicht entdeckt zu werden. Den fast im selben Moment hatten Rosiel und Catan die Halle betreten. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Nach allem, was Rosiel meinen Freunden angetan hat kann ich ihm nicht mehr in die Augen sehen. Es würde mich zerreißen mich erneut von ihm abwenden zu müssen. Und dennoch, es geht nicht anders. Wir können nicht zusammen sein, wenn ich Assia retten will. Vorsichtig linste ich aus meinem Versteck, aber sie standen immer noch mitten in der Halle.

Es sieht ganz so aus als würden sie ebenfalls als Zuschauer an der Verhandlung teilnehmen. Etwas, das mir ganz und gar nicht behagte. Immerhin hatte ich fest vor Sara zu retten und dabei wollte ich Rosiel keinesfalls über den Weg laufen. Nur würde sich das schwer vermeiden lassen, wenn ich mitten in die Verhandlung platze und Sara vor den Augen aller entführe.

Erneut sah ich vorsichtig nach ob die Luft endlich rein war. Es dauerte noch einen kleinen Moment, aber dann verschwanden auch die letzten Engel aus der Halle. Ich nutzte die Chance, die sich mir bot und eilte mit großen Schritten auf die Treppe zu, die hinauf zu den Publikumsemphoren führte zu. Zum Glück wagte es niemand mich aufzuhalten nachdem der inorganische Engel Rosiel bereits diesen Weg genommen hatte. Man nahm an, daß ich mit einer wichtigen Nachricht für ihn unterwegs sei.

Dennoch zögerte ich ein klein wenig den Logenbereich zu betreten. Was, wenn Rosiel mich entdeckt? Oder Catan? Was, wenn ich mich ihnen erst stellen muß um Sara zu retten?

Langsam zog ich meine Hand zurück und wich von der Tür zurück. Nein, es muß einen anderen Weg geben. Vielleicht kann ich Sara ja schon vor der eigentlichen Verhandlung befreien…

Als ich einen Schritt zurück machte prallte ich gegen eine dick vermummte Gestalt. Mit einer gemurmelten Entschuldigung huschte ich an ihm vorbei und wurde augenblicklich am Arm gepackt und zurückgezogen. Noch ehe ich protestieren konnte preßte sich eine behandschuhte Hand fest auf meinen Mund und ich wurde quer an einigen Logen vorbei in den reservierten Bereich gezerrt. Kaum war die Tür und der dicke Samtvorhang hinter uns zugefallen herrschte mich eine dunkle Stimme an.

„Was machst du hier?“ Mir klappte die Kinnlade nach unten als ich die Stimme erkannte.

„U-“

„Nicht! Niemand darf wissen, das ich hier bin.“

„Dann sind wir schon zwei.“ Er schob die Kapuze ein klein wenig aus seiner Stirn und sah mich ernst an.

„Du solltest nicht hier sein.“

„Laß das meine Sorge sein.“

„Nein, ich habe Alec versprochen auf dich aufzupassen. Allerdings ist das befürchte ich schwerer als einen Sack Flöhe zu hüten.“

„Tut mir Leid, aber-“

„Ich kann ganz gut auf mich alleine aufpassen.“ Beendete er meinen Satz. Gegen meinen Willen mußte ich lachen. Sein Gesicht hingegen blieb vollkommen ernst.

„Ich werde dich besser nicht fragen, wie du hierherkommen bist. Ich glaube, das möchte ich auch gar nicht erfahren. Versprich mir nur eins.“ Fragend sah ich ihn an.

„Überlaß die Sache mit Jibril mir. Wenn du dich jetzt zeigst werden sie niemals mehr Ruhe geben.“ Seufzend ließ ich mich in einen Sessel fallen.

„Meinst du ich bin scharf darauf, daß sie rausfinden wer ich bin? Aber ich muß Sara-chan retten. Egal wie.“

„Weiß Rosiel, das du hier bist?“ Erschrocken zuckte mein Kopf nach oben. NEIN!

„Wenn das so ist, dann solltest du dich auch weiterhin im Hintergrund halten. Du hast keine Ahnung, was dich erwartet.“ Er zog einen anderen Sessel heran und ließ sich nachdenklich darin nieder. Seine grünen Augen ruhten fest auf mir.

„So wie du aussiehst brauchst du dringend etwas zu trinken.“ Gelassen zog er an einer unauffälligen Schnur in seiner Nähe und gab der kurz darauf erscheinenden Sister Anweisungen einige Erfrischungen zu bringen.

„Hast du keine Angst, daß sie dich erkennt?“

„Manchmal muß man eben ein kleines Risiko eingehen.“ Er grinste mich verschwörerisch an und ich gab mich geschlagen. Uriel konnte man so leicht nicht das Wasser reichen. Unter seinem sanften Wesen verbarg sich ein messerscharfer Verstand, den man nur zu leicht unterschätzte.

Nachdem ich das zweite Glas des köstlichen Rotweins, den man uns gebracht hatte, in der Hand hielt breitete sich in meinem Inneren eine angenehme Wärme aus. Entspannt lehnte ich mich zurück und beobachtete aus den Augenwinkeln die dunklen Schatten des Vorhangs. Irgendwie kam es mir so vor als würde man mir meine Beziehung mit Rosiel erneut vor Augen halten. Licht und Schatten do dicht beisammen und doch nie vereint. Denn jedes Mal, wenn das Licht sie berührte trieben sie weiter auseinander. Nein, es konnte unmöglich funktionieren. Wir würden uns nur beide ins Unglück stürzen…

Kira-chan… könntest du mir jemals verzeihen?

„Vielleicht wäre es besser, wenn du nichts mehr davon trinkst.“ Ratlos sah ich auf das leere Glas in meiner Hand. Ich war überrascht, daß meine Sicht plötzlich verschwommen war. Hatte ich ohne es zu merken geweint?

„Hier, du wirst es brauchen.“ Lächelnd reichte Uriel mir ein Taschentuch. Zitternd nahm ich es an.

„Danke.“

„Keine Ursache.“ Einem Impuls folgend schoß ich nach vorne und klammerte mich fest an seine Brust.

„Sachte, sachte.“ Er strich sanft über mein Haar. Ohne es verhindern zu können brach sich mein Kummer plötzlich eine Bahn und ich erzählte ihm was in der Hölle zwischen mir und Rosiel vorgefallen war. Daß ich dabei am ganzen Körper zitterte merkte ich erst als er den Mantel enger um meine Schulter zog. Er hielt mich fest während meine Beine immer wieder drohten unter mir nachzugeben.

„Du machst es dir wohl nie sonderlich einfach.“ Ohne meine Antwort abzuwarten drückte er mich auf ein kleines Sofa und kniete vor mir nieder.

„Hier, trink das. Danach wird es dir besser gehen.“ Ich schüttete den Inhalt des Glases in meinen Hals und wäre fast daran erstickt. Was auch immer er mit dem Wein veranstaltet hatte, er war plötzlich wesentlich stärker als vorher. Lächelnd klopfte er mir auf den Rücken.

„Ruh dich ein wenig aus. Ich wecke dich, wenn die Verhandlung beginnt.“ Ich schaffte es gerade noch so ein Danke zu murmeln ehe mich die Müdigkeit komplett übermannte. Mir war gar nicht aufgefallen wie wenig ich in der letzten Zeit geschlafen hatte.

Als Uriel mich weckte fühlte ich mich seltsam. Sicher, der Schlaf hatte mir gutgetan, aber irgend etwas war anders. Plötzlich schien alles so fern. Ich richtete mich langsam auf, doch die Verhandlung lief an mir vorbei als würde mich ein unsichtbarer Vorhang von ihr trennen. Ich nahm nur am Rande wahr, was sie Jibril vorwarfen und auch als Sara in den Saal geführt wurde blieb ich seltsam ruhig. Ihre Haare sind so kurz und sie sieht blaß aus…

Seit wann kümmert mich das so wenig? Liegt es vielleicht daran, daß ich sie egal, was sie ihr auch vorwerfen am Ende retten werde? Das ich weiß, das Sevothtarte niemals in den Genuß seines Triumphes kommen wird? Was macht mich so seltsam ruhig?

Mir entging nicht, wie Uriel immer wieder besorgt zu mir herübersah. Seine Hauptaufmerksamkeit galt jedoch der Verhandlung. Es schien fast so, als würde er auf etwas warten. Ich nahm das alles nur am Rande wahr. Was mich plötzlich wesentlich mehr fesselte als das Geschehen im Gerichtssaal war die Loge die beinahe direkt gegenüber von unserer lag. Dort befanden sich Rosiel und Catan und ich betete inständig dafür, daß keiner von beiden den Blick heben und mich entdecken würde. Doch auch sie schien die Verhandlung zutiefst zu fesseln. Wenigstens war das bei Rosiel der Fall. Für Catan hingegen schien sie eher nebensächlich zu sein. Sein Hauptaugenmerk lag auf Rosiel. Wahrscheinlich macht er sich Sorgen um ihn…

Je länger ich die beiden beobachtete desto mehr begannen Zweifel an mir zu nagen. War es richtig was ich tat? Niemand kennt die beiden so gut wie ich und dennoch werde ich sie verraten…

Kann ich Rosiel wirklich allein lassen? Er wird in seiner Einsamkeit zu Grunde gehen…

Aber was bleibt mir denn noch für eine Wahl? Ich kann nicht zulassen, daß die Menschheit ins Verderben gestürzt wird nur damit ein großenwahnsinniger Engel seine Ziele verfolgen kann. Nein, ich kann unmöglich zulassen, daß er sein Vorhaben in die Tat umsetzt. Er darf Setsuna nicht töten! Ich würde es nicht ertragen noch einen Freund auf diese Art und Weise zu verlieren. Ich würde daran zerbrechen…

Kiras grausames Ende und Rosiels flehender Blick standen mir immer noch viel zu gut vor Augen. In diesem Moment ist mir zum ersten Mal bewußt geworden was es eigentlich bedeutete in einen Engel wie Rosiel verliebt zu sein. All das Glück, das ich in seiner Nähe empfinde kann niemals den Schmerz in meinem Herzen aufwiegen, wenn der Preis dafür das Leben meiner Freunde ist. Nein, es ist vollkommen unmöglich. Ich kann, darf mich nicht mehr in Rosiels Nähe sein. Es wird uns beide zerstören. Mein Verstand weiß das, aber mein Herz…?

Raphaels plötzliches Auftauchen, das im Gerichtssaal ein mittleres Chaos verursachte rüttelte mich mit einem Schlag wieder wach. Und zum ersten Mal fiel mir bewußt auf, daß Sara die ganze Zeit über kein einziges Wort gesprochen hatte.

„Da stimmt etwas nicht.“ Zögernd trat ich neben Uriel und spähte hinunter in den Gerichtssaal. Raphael hatte Sara jetzt fast erreicht.

„Sie haben ihre Stimme versiegelt.“ Das ist es also. Deshalb wehrt sie sich nicht gegen die Vorwürfe. Diese Gerichtsverhandlung ist eine Farce, die einzig und allein dazu dienen soll Sevothtartes Macht zu festigen. Meine Hand krallte sich in die Brüstung.

„Bleib ruhig.“ Uriels Hand legte sich leicht auf meine Schulter.

„Wir müssen den richtigen Moment abwarten.“ Fragend zog ich die Augenbrauen nach oben.

„Wir?“

„Würdest du zurückbleiben, wenn ich dich darum bitte?“

„Nein.“

„Siehst du?“ Er lächelte leicht und wandte seine Aufmerksamkeit wieder den Geschehnissen unter uns zu. Die Wachen hatten Raphael inzwischen in Gewahrsam genommen als plötzlich das Gebäude in seinen Grundfesten erbebte.

„Jetzt!“ Ich drückte mich reflexartig in den hinteren Bereich der Loge, als Uriel die Aufmerksamkeit auf sich zog. Wir hatten uns zwar nicht abgesprochen, aber ich wußte instinktiv, daß es besser wäre, wenn ich mich erst einmal im Hintergrund hielt. Damit hält Uriel einen Trumpf verdeckt in seiner Hand.

„Dieses Gericht ist ungültig. Mit einem Betrüger als Gerichtsvorsteher hat der Wahrheitseid keinen Wert.“ Ohne zu zögern schwang er sich hinunter in den Gerichtssaal und landete zwischen völlig perplexen Engeln.

„Hab Dank für die Vertretung, Feriel.“

„IHR… IHR SEID…!!“ Mit viel Schwung befreite Uriel sich von seinem dunklen Mantel. Die voll entfalteten Schwingen verliehen seiner Erscheinung eine Autorität, die niemand in Frage zu stellen wagte.

„Ich bin der rechtmäßige Justiziar. Der Engel der Vollstreckung, Uriel.“ Was für ein Auftritt! Davor konnte man einfach nur den Hut ziehen. Lächelnd lehnte ich mich an den Rand der Loge und wartete ab, was als nächstes geschah. Jetzt würde mich niemand mehr bemerken. Alle sahen nur noch den Engel der Erde.

„Nach dem Wortlaut der himmlischen Justizschriften muß der Gerichtsvorsteher aus den Engeln ausgewählt werden, deren Rang den eines Justiziars ersten Grades übersteigt und deren Namen vorschriftsmäßig im Register der Engel verzeichnet sind.“ Alle Achtung! Er hat seinen Hausaufgaben sehr gründlich gemacht. Er schlägt sie mit seinen eigenen Waffen.

„Du hast das heilige Gericht entehrt, Sevothtarte! Ich frage dich, dessen Name im Register der Engel nicht auftaucht: WER BIST DU?!“ Damit hatte selbst ich nicht gerechnet. Ausgerechnet Sevothtarte, Mr. Reinheit in Person, soll kein wirklicher Engel sein?!

„Du hast von deiner Kanzlei aus Ungerechtigkeiten im heiligen Gerichtshof walten lassen. Wer bist du?“ Die Abschrift der Justizschriften in seiner Hand ließ Uriels Worte nur noch bedrohlicher wirken.

„Was sagt ihr da? Uriel! Mein Name soll nicht verzeichnet sein?“ Sevothtarte schien es plötzlich unter seiner Maske ziemlich heiß zu werden. Ich konnte mir ein zufriedenes Grinsen nicht verkneifen.

„…genauer gesagt, es ist nicht DEIN Name.“ Die Sache wurde von Minute zu Minute besser. Es viel mir gar nicht schwer auch weiterhin in der Loge zu verharren und diese interessante Verwicklung von oben zu verfolgen.

„Es existiert tatsächlich ein Engel namens Sevothtarte unter den Abermillionen von Daten. Obwohl er nicht besonders hervorstach, wurde er Think-Tank-Kadett und erlangte auf seine Weise Ruhm im ersten großen Krieg.“ Uriel war ganz in seinem Element.

„Er war der einzige Überlebende, nachdem alle anderen Krieger in einer Gegenoffensive den Tod fanden. Er wurde an Gesicht und Körper verletzt und legte eine Maske an, um die nicht mehr heilbaren Narben zu verdecken. Aber sind diese Wunden der wahre Grund warum du dein Gesicht verbirgst? Der Fall wirft eine Frage auf:“ Aufgeregt trat ich von einem Fuß auf den anderen. Das wird ja von Minute zu Minute besser!

„Nach deiner Rückkehr warst du wie ausgewechselt – du wurdest im Nu zum Seraph, zu Metatrons Stellvertreter und somit zur grauen Eminenz des Himmelreichs befördert. Aber es gab niemanden, der dich vor dem großen Krieg kannte. Und aus unerfindlichen Gründen fand jeder, der etwas von deiner Vergangenheit wußte den Tod in der Ausübung der einen oder anderen äußerst gefährlichen Pflicht.“ Es war mittlerweile totenstill im Saal. Jeder einzelne Engel hing an Uriels Lippen.

„Angenommen, du warst derjenige, der die Spuren seiner alten Existenz verwischte, läßt dies nur einen Schluß zu. Du bist nicht Sevothtarte.“ Ein leises Raunen ging durch die Logen.

„Du bist nur ein Betrüger, der sich für den im Krieg gefallenen Sevothtarte ausgibt. Denn Totengeister haben keine Namen. Hiermit erkläre ich dieses Gericht für ungültig!“ Diese Worte hatten eine durchschlagende Wirkung. Ein mittlerer Tumult war nun fast nicht mehr zu verhindern und es war immer noch nicht vorbei. Nun war Sevothtarte am Zug.

„… Uriel…!!! Du selbst hast dein Amt ohne Vorwarnung niedergelegt, hast deinen Posten all die Jahre vernachlässigt… Wer, glaubst du, wird DEINEN Worten noch GLAUBEN SCHENKEN?!“ Alle Achtung, er gibt nicht auf. Er klammert sich an seinen letzten Strohhalm.

„Ich…? Ein Betrüger?! Wo sind die Beweise für deinen Behauptung?!“ Spiel Satz und Sieg. Er ist Uriel komplett in die Falle gegangen.

„Nun gut. Kennt ihr diesen Mann?“ Vor den Augen aller baute sich Schritt für Schritt ein Hologramm auf. Fast tat mir Sevothtarte sogar etwas leid. Er merkte gar nicht, wie sehr er Uriel dabei half ihn zu vernichten.

„Wer…ist? Was weiß ich? Irgendein mir unbekannter Engel. …Ich kenne ihn nicht! Ich bin ihm noch nie begegnet.“ Sevothtartes Selbstbewußtsein kehrte Schritt für Schritt zurück. Nicht zu fassen! Er merkt es tatsächlich nicht.

„Kennt ihr ihn wirklich nicht? Denkt gut nach.“

„Hör auf mich zu langweilen! Ich hab ihn nie zuvor gesehen!“ Ich stieß einen leisen Pfiff aus, der mir einige empörte Blicke einbrachte. Entschuldigend zog ich die Mütze ein Stück tiefer in mein Gesicht.

„Ich verstehe… Tatsache ist…“ Uriel griff kurz in seine Manteltasche und hielt Sevothtarte einen kleinen Gegenstand entgegen.

„…dieser Backenzahn gehörte einst diesem Mann. Ich habe sein Bild aus der darin befindlichen DNA rekonstruiert. Er wurde vor dem Krieg aufgrund einer seltenen Krankheit gezogen und durch einen künstlichen ersetzt. Er wurde für Forschungszwecke gelagert und überdauerte so die Jahre. Endlich habe ich ihn gefunden.“ Ich biß mir auf die Lippen um nicht triumphierend loszubrüllen. Er hat ihn! Damit hat er Sevothtarte komplett schachmatt gesetzt.

„Es ist das einzig verbliebene Besitztum Sevothtartes zu Lebzeiten. Dies war sein wirkliches Aussehen. Der Mann, den ihr angabt nicht zu kennen, ist der echte Sevothtarte!“ Es war Ewigkeiten her seit ich Uriel das letzte Mal so gesehen hatte. Während meiner Ausbildungszeit hatten wir mehreren Prozessen gelauscht in denen er den Vorsitz führte. Er hatte rein gar nichts von seinem Können eingebüßt. Ich kam nicht umhin diesen Mann zu bewundern.

„Du bist allen eine Antwort schuldig, Sevothtarte!“ Saras Stimme klang glockenhell durch den Gerichtssaal.

„Du hast Raphie-kun erpreßt, eine falsche Aussage zu machen und mir einen Medizin gegeben, die mich stumm machte! Gib es endlich zu!“ Alle Achtung Sara-chan! Du hast Mumm dich ausgerechnet mit ihm anzulegen.

„Sei still…!“ Mein Blick flog zu Sevothtarte.

„SEI STILL, DU KLEINES…!“ Noch während er seinen Angriff ausführte schoß ich nach unten. Mit dem Wissen, das ich nicht schnell genug sein würde.

„Raphie-kun…!“ Unglaublich, er hat ihn tatsächlich abgewehrt! Raphael hat Sara das Leben gerettet! Ich landete direkt neben ihm.

„Eure Exzellenz, ich muß doch bitten! Dies ist ein heiliger Gerichtssaal!“ Plötzlich befand ich mich mitten unter Soldaten, die Raphael und Sara schützend umstellten. Ich sank auf die Knie und griff nach Saras Hand.

„Seid ihr unverletzt Jibril-sama?“

„Hä? Oh…“ Ich zwinkerte ihr leicht zu als sie mich erkannte und legte einen Finger auf die Lippen.

„HEY!“

„Hast du nicht gehört, was sie gesagt hat? Oder…“ Wieder war Raphael schneller. Er hatte den Soldaten entwaffnet noch ehe diese zu einer ernsthaften Gefahr werden konnte.

„… seid ihr tatsächlich zu Spielzeugsoldaten herabgesunken, die nicht fähig sind, für sich selbst zu denken? Habt ihr etwa gefühlt, daß Jibril… Sara Mudou die Wahrheit sprach? Seid ihr wirklich nur Puppen, die den Drang die Wahrheit zu ergründen, verloren haben?!“ Raphael ist ja richtig ernst bei der Sache. Und seine Worte rüttelten auch den allerletzten Zweifler wach. Der gesamte Saal war in Aufruhr. Sevothtartes Macht schien so gut wie gebrochen und das wußte diese ebenfalls.

„Ihr… ihr sendet immer noch?! Das ist nicht möglich.“ Oh, oh, deshalb wollte Uriel also, das ich mich zurückhalte. Diese Verhandlung wird im gesamten Himmel übertragen. Ich hatte mich zu den Soldaten gesellt und stand schützend vor Sara. Es würde nicht mehr allzu lange dauern bis es zu einer Katastrophe kam. Die anwesenden Engel bombardierten Sevothtarte immer mehr mit Fragen und je lauter ihre Stimmen wurden desto mehr schien es als würde der einst so mächtige, weiße Engel in sich zusammenbrechen. Ihre lauten Stimmen schienen ihm beinahe körperliche Schmerzen zu bereiten.

„HÖRT AUF…!“ Eine immense Macht befreite sich zeitgleich mit Sevothtartes gepeinigtem Aufschrei und dann explodierte der Justizpalast.

„Verdammter Mist!“ Wütend befreite ich mich von einer Säule, die halb auf mich gestürzt war. Zum Glück hatte sie sich an einigen Felsblocken verhackt und keinen größeren Schaden angerichtet. Jedoch konnte ich so nicht verhindern, daß sich Raphael mit Sara aus dem Staub machte.

„Shao, bist du verletzt?“ Dankbar nahm ich Uriels Hand an und ließ mir auf die Beine helfen.

„Nein, nur mein Stolz hat gelitten.“ Ärgerlich klopfte ich mir den Staub von der Uniform. Die Explosion war so plötzlich gekommen, daß ich es nicht mehr rechtzeitig geschafft hatte einen Bannkreis zu errichten. Sie hatte mich komplett überrumpelt.

„Was machst du da?! Ich chauffier dich extra bis zum Gericht und du läßt sie dir von Raphael einfach wegnehmen?!“ Oh super! Michael! Damit sind wir ja wieder komplett. Mist! Die Frisur ist auch im Eimer!

„Beinhaltet den Verständnis von ‚chauffieren’, das Ziel dem Erdboden gleichzumachen?“

„Uriel…!!“ Kennt hier irgend jemand sonst noch einen zwei Meter Engel mit dunkler Haut?

„Ganz schön lange her. Ich dachte, du Feigling hätt’st dich endgültig verpißt! Rück mir nicht so auf die Pelle.“ Ich unterdrückte mühselig ein Lachen. Michael sah richtig niedlich aus, wenn er schmollte während Uriel nicht im Geringsten die Miene verzog.

„Immer noch der alte Streithammel. Du hast es wieder mal geschafft. Wir habe keine Zeit, rumzustehen und zu reden.“ Und pünktlich aufs Stichwort stürmte selbstverständlich ein Trupp Soldaten in den halb zertrümmerten Saal.

„Ihr da! Keine Bewegung!! Alle Beteiligten dieses Gerichts sind vorläufig festgenommen!“ Na ganz toll. Also doch kämpfen.

„Sucht den Anstifter dieses Krawalls! Und versorgt die Verletzten!!“ Oh, das letzte klingt ja fast schon vernünftig. Vielleicht hat Sara-chans kleine Ansprache doch etwas gebracht.

„Achtung! Folgende Personen sind sofort zu inhaftieren!“ WAS?! Sevothtarte? Lebt der Kerl etwa immer noch? Ich denke die Explosion hat ihn zerfetzt.

„Der Engel des Wasser, Jibril; der Engel des Windes, Raphael; Uriel, der Engel der Erde und der Feuerengel Michael, der mit seinem Schiff ohne Erlaubnis hier eindrang…“

„WAS?!“ Michaels selten begeisterter Gesichtsausdruck verleitete mich zu einem leisen Kichern.

„… sowie der Seelenträger des gefallenen Engels Alexiel, Setsuna Mudou und das Halbblut Shao Deshon!“ Wäre ja auch zu schön gewesen!

„Was?! Shao-san?“ Ich winkte Setsuna leicht zu als dieser mich vollkommen ungläubig anstarrte.

„Findet sie, koste es, was es wolle!“ Na prima! Und was nun? Kämpfen oder abhauen? Fragen sah ich Uriel an.

„Wenn ihr mitwollt, schwingt die Hufe! Um das Weib kümmern wir uns später!“ Michael war bereits halb in seiner Merkabah verschwunden.

„Er hat recht, wir müssen hier weg.“ Uriel schnappte sich Setsuna und folgte Michael.

„Verhaftet sie! …  Seine Exzellenz befiehlt es!“ ARGH! Ich kann es nicht mehr hören!

„Shao!“

„Ja, ja ich komm ja schon!“ Fluchend stieß ich mich vom Boden ab und stieß dabei fast mit Cee zusammen, der mir besorgt entgegen gekommen war.

„Was hat dich aufgehalten?“ Als Michael jedoch Cee sah, der sich direkt hinter mir ins Innere der Merkabah drückte verpuffte seine anfängliche Sorge in einer ausführlichen Triade darüber warum an Bord seiner Schiffe Tiere verboten sind! Wenigstens war diese nicht ganz so schlimm wie die, die sich Uriel anhören durfte als er Michael das nächste Ziel nannte. Ich überließ die Beiden sich selbst, da Setsunas Zustand mir wesentlich mehr Sorgen bereitete. Er hatte sich seit unserem Abflug drastisch verschlechtert, was nicht zuletzt daran lag, das er sich selbst das rechte Auge ausgestochen hatte. Er lag halbbewußtlos auf dem Boden der Merkabah. Es gelang mir gerade so ihn wieder auf die Beine zu bringen, damit wir das Schiff wechseln konnten.

„Ich verlange eine Erklärung…!!“ Michael war immer noch reiflich wütend, daß er sich nun mitten unter den Rebellen befand.

„…noch kann ich nichts genaues sagen. Sein Auge kann ich ersetzen, aber ein ausgerissener Flügel ist unheilbar…“ Uriels Stimme drang nur leise in mein Bewußtsein. Meine Aufmerksamkeit lag bei Setsunas Behandlung. Sie taten ihr möglichstet, aber ohne seinen zweiten Flügel war es fraglich wie er all das überstehen würde. Außerdem hatte er mir verboten seine Heilung noch weiter zu beschleunigen. Er meinte, das wäre reine Kraftverschwendung. Ohne seinen zweiten Flügel wäre das ein Faß ohne Boden.

„Hätten wir den zweiten Flügel, könnten wir versuchen ihn wieder anzusetzen…“ Der zweite Flügel… er liegt irgendwo unter den Trümmern von Anagura. Vielleicht sollte ich ihn suchen gehen…

„So schwach, wie er ist, bleibt uns nur seinen Flügel in seine Astralform zurückzuversetzen und ihn ruhen zu lassen.“ Nachdenklich hockte ich mich auf das Sideboard an dem auch Michael lehnte. Anagura… was würde ich dort vorfinden?

„QUATSCH! Wie’s ihm geht, kümmert mich einen Scheißdreck! Erklär mir lieber DAS DA, Uriel!“ Mit ‚das da’ meinte Michael die Rebellen und mich.

„Folgen sollen wir dir, FOLGEN, und was sehe ich? Was ist das überhaupt für ein nebulöser Haufen Spinner?! Guerillakämpfer?!“ Ich bewunderte Raziels Selbstbeherrschung. Bisher hatte er sich von den Ausbrüchen des Feuerengels in keinster Weise aus der Ruhe bringen lassen. Auch nicht, als ich ihm vor versammelter Mannschaft den Schal von Hals gezogen hatte um die darunter liegende Wunde zu heilen. Ein Querschläger hatte ihn getroffen und eine häßliche Brandwunde hinterlassen. Und er hatte ernsthaft geglaubt, das vor mir geheimhalten zu können. Vielleicht hätten ich ihm sagen sollen, daß der Bann, den ich über ihn gelegt hatte mir solche Dinge sofort verriet. Immerhin wollte ich ganz sicher gehen, daß ihm nichts passierte.

„Ganz richtig. Nach Zaphikels Tod habe ich mich den Anima Mundi angeschlossen. Wir kämpfen gemeinsam für den Sturz der ‚weißen Welt’.“ Ich wurde hellhörig.

„Diese Leute sollten hier auf mein Zeichen warten, den Gerichtssaal stürmen und Sevothtarte als Geisel nehmen… zumindest war das unser Plan, bis ihr hereingeplatzt seid.“ Oh, deshalb wollte er nicht, daß ich mich einmische. Sie hatten das von Anfang an geplant. Das erklärt auch, warum Raziel mir nur erzählt hat, wo ich Setsuna finden kann. Er wußte bereits, daß man Sara retten würde.

„Oh, entschuldige! Sag das eurem Messias, nicht mir!!“ Hui, Michael ist ja ganz schön empfindlich.

„Ich handle aus freiem Willen. Ich kann nicht ewig davonlaufen. Das hat mich Alec… der MESSIAS gelehrt.“ Wenn das mal immer so einfach wäre… Nicht davonlaufen… das sagt sich so einfach…

„Dich doch ebenfalls. Oder Michael?“

„Tse!“ Übersetzung: Diskussion beendet, Feuerengel beleidigt.

„Die Bandage ist nur für kurze Zeit, ruh dich aus. Alec.“ Als wenn Setsuna sich jemals an diesen Ratschlag halten würde. Dafür kenne ich ihn viel zu gut. Jetzt, wo Sara so dicht vor seiner Nase gewesen ist, wird er nicht eher Ruhe geben, bis er sie erneut gefunden hat. Egal, in welchem Zustand sich sein Körper auch befinden mochte.

„Langsam verstehe ich, Uriel… du und Zaphikel ward Freunde. Sieht so aus, als ständen wir wieder in deiner Schuld Raziel.“ Und bitte. Kaum sich kaum aufrecht halten und plant bereits den nächsten Schritt.

„Nein… ich machte mir Sorgen, als ich hörte, das Anagura zerstört wurde.“ Ein kurzer Blick in meine Richtung verriet sämtlichen Anwesenden, daß er sich nicht nur um den Messias gesorgt hatte. Ich wich ihm aus in dem ich meinen Blick auf Setsunas Rücken heftete.

„Sag mal Uriel… seit wann hast du deine Stimme wieder? Waren deine Stimmbänder nicht verletzt…?“

„Ich habe den Errungenschaften der Zivilisation eine Chance gegeben. Du hast viel in mir bewegt.“ Unter Setsunas neugierigen Blicken öffnete Uriel seinen Hemdkragen. Darunter kam ein weißes Halsband mit einigem technischen Schnickschnack zum  Vorschein.

„Dieses Gerät generiert meine alte Stimme aus den Schwingungen meines Kehlkopfs. Mit entsprechender Justierung vermag es jede Stimme nachzuahmen.“ Das kann ich auch ohne so ein Ding. Bedeutet das jetzt ich bin unnormal?

„Die Ausstrahlung der Gerichtsverhandlung hat die Herzen aller unterdrückten Engel vereint! Das Volk unterstützt uns! Es ist die perfekte Chance Sevothtarte zu stürzen! Wir dürfen sie uns nicht entgehen lassen!“ Jetzt ist er wieder ganz der Anführer der Anima Mundi. Anael, du kannst wirklich stolz auf deinen Sohn sein. Er hat die Situation perfekt eingeschätzt.

„Wir stürmen Sevothtartes weiße Villa auf Zebul, der sechsten Sphäre Beriahs, und nehmen ihn gefangen… oder töten ihn, wenn es sein muß!“ Es ist also soweit, die Entscheidungen fallen. Zeit ebenfalls eine zu treffen.

„Messias, verehrter Michael-sama, Shao-san… ich tue es nicht gern, aber falls ihr nicht kooperieren solltet muß ich hier internieren.“ Lächelnd lehnte ich mich ein kleines Stück zurück. Glaubst du wirklich ich würde dich allein gehen lassen Raziel-chan? Hast du vergessen, was ich Zaphikel versprochen habe?

„Pah! Glaubt ja nicht, ich hätt Schiß vor ein paar Engelchen! Aber das schau ich mir lieber aus der Ferne an. Der einzige Feind, den ich kenne ist die Dämonenarmee!“ Michaels Entschluß war endgültig und auch Setsuna zögerte. Langsam stand ich auf.

„Shao-san?“

„Ich begleite euch, Raziel. Es wäre doch unverzeihlich, wenn dir etwas zustoßen würde.“ Mit einem breiten Grinsen wuschelte ich durch seine Haare.

„Shao-san!“ Lachend wich ich einen kleinen Schritt zurück als er mich wütend anfunkelte.

„Schon gut, schon gut ich tu’s nie wieder. Versprochen.“ Daß ich mir dabei mühselig das Lachen verkniff machte meine Worte nicht gerade glaubwürdiger. Mit einem lauten HMPF drehte Raziel mir den Rücken zu und wandte sich an seine Männer.

„Verstanden! An alle! Wir rücken aus!“ Dankbar nahm ich die Pistole an, die mir jemand von der Seite in die Hand drückte.

„Wartet! Wartet bitte…!“ Ich erstarrte als Setsuna hinter uns aufstand. Uriels Mantel lag nach wie vor um seine bandagierten Schultern.

„Ich gehe mit euch zu Sevothtarte…!“ Hat dieser Kerl eigentlich die geringste Ahnung, auf was er sich da einläßt?! Bisher war taktischer Selbstmord doch mein Ressort!

„Nehmt mich mit, bitte!“

 

05-12-27

 

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Puh, es hat tatsächlich noch dieses Jahr mit dem neuen Kapitel geklappt. *freu*

Fast hätte ich schon selbst nicht mehr daran geglaubt. Gut, ich war es wieder mal selber schuld. Was mußte ich zwischendurch auch unbedingt noch meine Nase in die zweiten Weitseher Chroniken, der Schwarm, die Narnia Chroniken, den neusten Harry Potter und Eragon stecken?

Bücher lesen hält ja so etwas von auf. ^.^

(Die o.g. Bücher sind übrigens einer der Gründe warum Cee plötzlich als Pferd durch die Gegend laufen muß. Ein anderer ist, das ich die Tierchen mag und er sich nicht dagegen wehren kann *grins*)

Zum Glück konnte ich über die Weihnachtsfeiertage einiges aufholen. Wie man merkt spitzen sich die Ereignisse immer weiter zu. Ihr dürft mehr als nur gespannt sein, was die Rebellen in Sevothtartes Villa erwartet.

Hach, endlich ist Uriel zurück in der Storyline. Ich hab ihn wirklich vermißt. Mehr dazu erfahrt ihr dann im neuen Jahr.

Ich wünsche euch allein einen guten Rutsch!

Wir sehen uns dann 2006 ^.^

PS: Wer noch nicht im Kino war um sie die Chroniken von Narnia anzusehen sollte das dringend nachholen. Es lohnt sich ^.^

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