Part 36

06-03-05

 

Love of an angel

         Part 36

 

Wounded hearts

 

Mitten in der Tür stand mit einem Blick, der Bände sprach Uriel. Es war offensichtlich, das er ziemlich genau wußte, was ich vorhatte. Aus irgendeinem Grund besaß er eine Art siebten Sinn dafür, wenn ich versuchte etwas vor ihm und den Anderen zu verbergen. Sicher, er hatte bisher nichts gesagt, aber das würde sich wahrscheinlich sehr schnell ändern. Das eisige Funkeln in seinen Augen verriet mir zu deutlich, das er nicht gerade plante mich bei meinem Vorhaben, egal welcher Art, zu unterstützen.

„U… ri… el?“ Ich stotterte seinen Namen halb und schalt mich innerlich einen Idioten. Nun hat er die Bestätigung für seine Vermutung! Trottel! Jetzt weiß er mit Sicherheit, daß etwas nicht stimmt.

„Mit dir habe ich irgendwie nicht gerechnet.“ Verdammt! Was mach ich jetzt? Wie komme ich unbemerkt von diesem Schiff runter, wenn Uriel ein Auge auf mich hat?

„Das habe ich mir fast gedacht.“ Er trat einen Schritt nach vorn und versperrte damit den Weg zur Tür.

„Irgend jemand oder irgend etwas hat vorhin mit dir Verbindung aufgenommen. Also, wo willst du hin?“ Shit! Erwischt! Er hat alles mitbekommen!

„Nun?“ Zögernd sah ich Cee an der ganz den Eindruck erweckte als wäre ihm Uriels Einmischung höchst willkommen. Soviel also zu der erhofften Unterstützung…

Ich knirschte leise mit den Zähnen. Es paßt mir ganz und gar nicht ausgerechnet jetzt aufgehalten zu werden. Schon gar nicht, wenn es sich dabei um Uriel handelt. Sicher, er wird mich vorbeilassen sobald ich ihm antworte. Allerdings nur solange ihm die Antwort auch gefällt. Ist das Gegenteil der Fall bin ich mir ziemlich sicher, daß er nicht zögern wird mich an jeglicher Art des Fortkommens zu hindern. Auch, wenn ich es ihm noch so gut erkläre, wenn er die Wahrheit erfährt, steckt er mich in eine Zelle und wirft den Schlüssel weg. Nur wie komme ich dann an ihm vorbei?

„Etwas frische Luft schnappen.“ Super! Ganz toll! Wann hast du eigentlich verlernt sinnvolle Ausreden zu finden, die wenigstens halbwegs glaubwürdig klingen?

„Und danach?“ Das Funkeln in seinen Augen verriet deutlich, das es mir nicht gelingen würde ihn reinzulegen. Mal abgesehen davon, daß er mir kein einziges Wort von dem, was ich sage glaubt.

„Soll ich es dir verraten?“ Er baute sich direkt vor mir auf. Unter seinem harten Blick wurde mir ganz schön mulmig. Ruhig bleiben! Ruhig ganz bleiben! Es ist nur Uriel. Er wird dir eine Standpauke halten und das war’s. Beiß einfach die Zähne zusammen und bring es hinter dich.

„Du willst zu ihm. Das werde ich nicht zulassen.“ Entschlossen packte er meine Schultern. Moment mal! WAS?!

„Shao, das ist Wahnsinn! Du kannst nicht zu ihm zurück. Begreif das endlich.“ Die Heftigkeit in seiner Stimme überraschte mich. Sicher, so ganz falsch liegt er mit seiner Vermutung nicht, aber das ausgerechnet Uriel deshalb dermaßen die Beherrschung verliert…

„Du irrst dich.“ Ich befreite mich aus seinem Griff.

„Ich will nicht zu ihm.“ Wie könnte ich das jetzt noch? Das Band zwischen uns habe ich eigenhändig zerrissen. Nachdem, was in der Hölle geschehen ist kann ich Rosiel nie wieder unter die Augen treten. Wir würden uns nur beide verletzen.

„Und warum antwortest du mir dann nicht?“ Er sah mich gleichzeitig vorwurfsvoll und zutiefst besorgt an.

„Ich habe Alec versprochen auf dich aufzupassen, aber du machst es einem wirklich nicht leicht.“ Der Hauch eines Lächelns umspielte meine Lippen als ich den Blick hob und ihn fest ansah.

„Uriel, ich kann nicht. Ich würde einen Freund verraten.“ Seufzend sah er an mir vorbei.

„Du bist wie deine Mutter. Immer ignorierst die Warnungen der Anderen und gehst deinen eigenen Weg. Einen Weg, auf dem dir niemand folgen kann.“ Ich wich seinem Blick aus. Die Gefühle, die sich darin spiegelten waren nicht für mich bestimmt. Er vermißte meine Mutter beinahe noch mehr als ich. Und jedes Mal, wenn er mich mit diesem Blick ansah hatte ich den Eindruck Remiriels Augen vor mir zu sehen. Die Beiden waren sich in manchen Dingen erschreckend ähnlich und dennoch sind sie grundverschieden. Es ist schwer zu erklären…

„Wirst du den Anderen sagen, daß du fortgehst?“ Ich schüttelte den Kopf.

„Nein, aber ich komme so schnell wie möglich zurück.“ Er seufzte leicht.

„Es wird schwierig werden die Merkabah unbemerkt zu verlassen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind sehr hoch.“

„Nicht hoch genug.“ Mit einem breiten Grinsen löste ich mich vor seinen Augen auf und verschwand im Dunst der Wolken. Lediglich eine Astralkopie von mir blieb zurück. Durch ihre Augen sah ich noch Uriels ungläubigen Blick ehe er amüsiert den Kopf schüttelte und mir viel Glück wünschte.

Ich war mir sicher er würde sich um alles weiter kümmern. Wenn alles glatt ging würde niemand an Bord, das ich die Merkabah verlassen hatte. Die Sicherheitsvorkehrungen mochten noch so gut sein. Sie konnten mich nicht mehr länger aufhalten. Luzifer hatte den letzten Rest des verbliebenen Siegels zerstört und ich begann nach und nach das wahre Ausmaß meiner Kräfte zu begreifen. So vieles ist plötzlich so einfach… Als würde es nie wieder ein Hindernis geben, das mich aufhält…

Aber gleichzeitig machten mir diese neu entdeckten Fähigkeiten auch eine Heideangst. Sollte ich in diesem Zustand auch nur einen einzigen Augenblick die Kontrolle über meinen Geist verlieren, dann wäre ich fähig alles und jeden in meiner Nähe für immer auszulöschen. Und niemand würde mich mehr aufhalten können...

Ärgerlich schob ich diesen beängstigenden Gedanken beiseite und machte mich auf die Suche nach dem Treffpunkt den Catan mir gezeigt hatte. Zum Glück ahnt Uriel nicht wohin ich gehe…

Catan kann den intakten Bereich des Himmels nicht unbemerkt verlassen also würden wir uns irgendwo am äußersten Rand der letzten intakten Sphäre treffen. In der stillen Hoffnung, daß uns dort niemand entdeckt. Es ist gefährlich, aber wir beide sind bereit dieses Risiko einzugehen. Vielleicht ist es sogar das letzte Mal, das wir uns wiedersehen…

Die Ereignisse spitzen sich immer weiter zu und niemand kann mit Sicherheit sagen, wie lange es noch dauern wird ehe die Situation zwischen den herrschenden Engeln und den Rebellen völlig eskaliert. Nicht zu vergessen die Dämonen, die nur auf eine Chance lauern endlich die Himmel zu stürmen. Noch sind alle Seiten zu sehr durch die jüngsten Verluste geschwächt, aber es wird unter Garantie nicht mehr lange dauern bis ihre Reihen wieder geschlossen sind. Es ist nur eine Frage der Zeit und es werden diejenigen gewinnen, die als erstes erfolgreich zuschlagen.

Ein tiefes Brummen über mir riß mich aus meinen Gedanken. Ohne es zu merken war ich mitten in eine Herde Wolkenwale geraten, die mich immer wieder zum Spielen aufforderten. Vergeblich versuchte ich ihnen klarzumachen, das mir dafür die Zeit fehlte. Wie immer waren sie viel zu aufgeregt, daß es endlich wieder einen Engel gab, der sie verstand, als das sie mir zuhörten.

Wie ein aufgeschreckte Schwarm Fische umkreisten sie mich und stupsten mich hier und da mit ihren weichen Schnauzen an. Erst als sich ein besonders beeindruckendes Exemplar durch ihre Reihen schob wichen sie allmählich zurück. Es war ein sehr alter Wolkenwal, der sich auf mich zu bewegte. Bestimmt mehrere Jahrtausende alt.

Seine Schuppen hatten beinahe all ihren silbrigen Glanz verloren und waren blasser geworden. Sein Körper war nun vollkommen weiß und wie ich bei seinem Näherkommen feststellte mit unzähligen Narben übersäht. Gelassen trieb der riesige Koloß auf mich zu bis sich eines seiner tiefblauen Augen direkt neben mir befand.

…ENGEL ASSIAS… Die tiefe, dunkle Stimme hallte weit in den Himmel hinaus.

…ES IST VIEL ZEIT VERGANGEN… DU BIST ENDLICH ZURÜCKKEHRT… Ungläubig starrte ich das intelligente Auge vor mir an. Ich verstand jedes Wort ohne mich auch nur im Geringsten konzentrieren zu müssen. Ein unterdrücktes Lachen zeigte deutlich, das es ihn nicht überraschte mich so verwundert zu sehen. Er lud mich ein mir meine Fragen zu beantworten während er mich auf seinem Rücken zu meinem Ziel tragen würde. Sofern ich bereit war die Farbe meiner Kleidung zu ändern, damit mich niemand bei ihm entdecken konnte. Etwas benommen willigte ich ein und streckte mich auf seinem warmen Rücken aus. Mit einem lauten Pfeifen wies er die Herde an weiterzuziehen.

Ich genoß es denn Wind um mich herum spüren und dem leisen Gesang Wale lauschen zu können. Beinahe lautlos landete Cee ebenfalls auf dem Rücken des weißen Wals und rollte sich in seiner Wolfsgestalt neben meinen Füßen zusammen.

Der Koloß begann mir seine Geschichte zu erzählen doch schon kurz nachdem er begonnen hatte lullte mich der Klang seiner Stimme dermaßen ein, das ich in eine Art Dämmerzustand verfiel. Sein Lied drang nach wie vor an meine Ohren, doch ich maß den Worten keine Bedeutung mehr zu.

Irgendwo in meinem schläfrigen Geist tauchten hinter einem leichten Nebelschleier die Bilder seines Lebens auf und ich begleitete den weißen Riesen vom Tag seiner Geburt bis zu seiner ersten Begegnung mit einem Engel.

Es war ein wunderschöner Tag und er war übermütig geworden als er sich den Städten der Engel näherte. Er hatte sich zu weit von seiner Herde entfernt und fand den Weg zurück nicht mehr. So sehr er auch rief seine Mutter antwortete ihm nicht. Völlig verzweifelt kreiste er immer enger um die Stadt der Engel. Doch es war niemand dort. Niemand, der sein Lied verstand.

Die Engel sahen ihn zwar, aber für sie war er nichts weiter als ein weiterer Wolkenwal am Himmel. Einst, so wußte er sprachen Engel und Wale dieselbe Sprache, doch das war lange her. Irgendwann hatten die Engel verlernt mit ihren Herzen zu lauschen und die Gesänge der Wale wurden stumm für sie.

Mit dieser erschreckenden Erkenntnis stand er kurz davor aufzugeben als er eine leise Melodie vernahm, die ihn entfernt an etwas erinnerte. Zögernd folgte er den leisen Tönen bis weit hinter die Grenzen der Engelsstadt. Mitten im hohen Gras stand eine seltsam gewandte Gestalt, die eine traurige Melodie sang. So traurig und einsam, das der junge Wal dachte sein Herz würde zerspringen.

Als der Engel verstummte unternahm der Wal einen letzten Versuch. Wenn es jemanden gab, dessen Herz ihn verstehen würde, dann vielleicht dieser Engel. Er klagte sein Leid dem Wind und war überrascht als der Engel ihm antwortete. Er begriff nicht jedes seiner Worte, da der Engel die Sprache der Wale nur gebrochen beherrschte, aber er hatte ihn verstanden und versprochen ihm zu helfen. Langsam ließ er sich zu dem Engel hinab sinken, damit dieser sah, daß er keine Angst vor ihm hatte. Lächelnd sah der Engel zu ihm hinauf. Es war das erste Mal, das der Wal einen Engel sah und dieses Antlitz hatte er Zeit seines Lebens nie mehr vergessen.

…das Lächeln eines unschuldigen Kindes… makellose Haut.. langes, wallendes Haar in dem sich das Licht der Sonne brach… Augen aus purem Gold…

„Rosiel!“ Ich schoß in die Höhe. Das kann unmöglich sein! Er versteht die Sprache der Wale nicht, da bin ich mir ganz sicher!

…EINST SPRACH DIESER ENGEL EBENSO MIT UNS WIE DU… DOCH SCHON SEIT LANGER ZEIT SIND SEINE LIEDER VERSTUMMT… ER WEISS, DAS WIR IHN RUFEN, ABER ER ANTWORTET NICHT… Fröstelnd hüllte ich mich enger in meine Jacke und verbarg mein Gesicht unter der Kapuze. Mir war plötzlich eiskalt.

„Er kann euch hören?“

…JEDER ENGEL KANN DAS… ABER NUR NOCH WENIGE VON IHNEN VERSTEHEN UNSERE WORTE… JE MEHR ZEIT VERGEHT DESTO MEHR VERGESSEN SIE UNS… Er durchstieß eine Wolke und weißer Dunst hüllte uns ein. Die feinen Wassertropfen hinterließen überall ein feines Netz aus glitzernden Perlen, die in der Sonne wie unzählige Diamanten funkelten.

…BALD SCHON WERDEN WIR FÜR SIE NICHTS MEHR WEITER ALS TIERE SEIN… Der Schmerz in seiner Stimme war nicht zu überhören. Wie alle anderen Wale, so erinnerte auch er sich noch an die Generationen vor ihm. An eine Zeit in der Engel und Wale dieselbe Sprache sprachen und sich die Himmel teilten.

…SOVIELES GING VERLOREN… SOVIEL WISSEN UND WEISHEIT… Nachdenklich striff ich mit einer Hand über seine warme Haut. Er trauerte um das Schicksal der Engel obwohl er sie kaum gekannt hat…

…WIRST DU ES EBENFALLS VERGESSEN?... DAS WISSEN, DAS DIR ERLAUBT MIT UNS ZU SPRECHEN?... Seufzend streckte ich mich auf seinem Rücken auf und preßte ein Ohr gegen seinen Körper. Sein Herzschlag war gleichmäßig und ruhig.

„Ich könnte es niemals vergessen. Es ist ein Teil von mir.“ Und das entsprach der Wahrheit. Die Sprache der Wale ist für mich nur kurze Zeit ein Rätsel gewesen. Ich habe nie verstanden warum die anderen Engel nicht ebenso einfach mit ihnen sprechen können wie ich. Es ist doch ganz einfach… man muß ihnen nur zuhören…

…ENGEL ASSIAS, SIEHST DU DIESE EBENE? DORT LIEGT DAS ZIEL DEINER REISE… Vorsichtig krabbelte ich an den Rand des breiten Rückens und sah hinunter. Der aufsteigende Wind zog an meiner Kleidung und fuhr mir kalt durchs Gesicht. Doch noch viel mehr als das ließ mich der Anblick unter uns frösteln. Egal, wohin man auch sah überall herrschte Zerstörung und dabei befanden wir uns in einer intakten Himmelsschale. Die Zerstörung der Säulen hätte hier eigentlich gar keinen Schaden verursachen dürfen…

…SIE VERANSTALTEN TREIBJAGTEN AUF SOGENANNTE VERRÄTTER… DAS ERGEBNIS IST IMMER DASSELBE… ZERSTÖRUNG UND TOD… Seine Worte trafen mich tief. Zeigte er mir doch zeitgleich wie dieser Ort in seiner Erinnerung aussah. Ein friedlicher, kleiner Außenposten umgeben von einem Meer weißer Blumen die nach Paradies dufteten.

Die Wale liebten es die Wolken hier zu verspeisen, da ihr Wasserdampf besonders süß war und nun war rein gar nichts mehr davon übrig. Die Wolken sind grau, das Wasser der Flüsse für immer schwarz und überall riecht es nach verbrannter Erde. Kein einziger Wal oder anderes Lebewesen könnte hier noch leben. Dieser Ort ist für alle verloren.

„Bist du dir sicher, daß dieser Ort gemeint war?“ Er stieß ein entrüstetes Schnauben aus, das selbst Cee dazu veranlaßte sich zu bewegen. Anscheinend kam es einer Beleidigung gleich den Orientierungssinn eines Wolkenwals in Frage zu stellen.

Langsam sank er nach unten und wartete geduldig bis Cee und ich von seinem Rücken auf den Boden gelangt waren. Wir standen auf den Überresten einer Klippe und vor uns erstreckte sich beinahe die gesamte Ebene. Mit einem leisen Wehklagen stieg der weiße Wal wieder hinauf zu seiner Herde.

„Nee-chan?“ Der Klang dieser weichen, warmen Stimme ließ mich beinahe sämtliche Gründe die gegen ein Treffen mit ihm sprachen vergessen. Wir hatten einfach schon viel zu viel Zeit miteinander verbracht, als das ich ihm dieses Treffen hätte verweigern können. Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen drehte ich mich um.

„Catan!“ Eine Welle der Erleichterung durchfuhr mich als er mein Lächeln erwiderte. Das warme Leuchten seiner Augen erinnerte mich so sehr an unsere glückliche, gemeinsame Zeit in Assia, das es schon fast wehtat. Der Wind zerrte an unserer Kleidung während das Schweigen zwischen uns immer lauter wurde. Beide versuchten wir zu vermeiden die alten Wunden des Anderen zu öffnen doch nach allem, was bereits geschehen war dürfte das so gut wie unmöglich sein.

Catans langer, schwarzer Mantel hob sich deutlich von dem trostlosen graubraun der Felswand hinter ihm ab. Ich hatte keinerlei Ahnung, wie er es geschafft hat so plötzlich und vollkommen unbemerkt hinter mich zu gelangen. Und wenn ich ehrlich bin, dann will ich es auch lieber gar nicht wissen. Wichtig ist einzig und allein, daß er hier ist. Ein plötzlicher Windstoß fegte die Kapuze von seinem platinblonden Haar und zersauste es leicht.

„Ich bin froh, daß du gekommen bist.“ Mit einem leichten Nicken gab ich ihm zu verstehen das es mir ähnlich ging.

„Warum treffen wir uns ausgerechnet an einem solch trostlosen Ort?“ Mit einer Hand wies ich auf die verdorrte Ebene unter uns. Er seufzte leicht.

„Hier sind wir ungestört. Es ist der letzte Ort an dem er uns suchen würde.“ Obwohl mir die Frage auf der Seele brannte, was genau er damit meinte wagte ich es nicht sie zu stellen. Zu groß war meine Angst vor der Antwort, die er mir vielleicht geben würde.

„Bitte warte einen Moment.“ Er legte den Kopf leicht schief und sah mich mit kurz zusammengezogenen Augenbrauen. Der Wind pfiff durch meine Kleidung als ich mich auf den Boden kniete und eine Hand auf die verbrannte Erde drückte. Vielleicht ist noch nicht alles verloren. Vielleicht… vielleicht kann ich hier meinen Fehler von damals wiedergutmachen…

Ich schloß die Augen und begann meine Suche. Vielleicht gibt es hier noch einen kleinen Funken Leben. Einen Funken, den man wieder entfachen kann. Eine letzte Spur des Lebenswillens dieses Ortes würde ausreichen, das spürte ich. Nur ein einziger Funke und dieser Ort wird zu seiner alten Schönheit zurückfinden…

Vorsichtig taste ich mich über die zerstörten Pflanzen, Bäche und Häuser hinweg bis ich schließlich fand, wonach ich gesucht hatte. Ganz schwach und kaum noch spürbar war unter all dieser Zerstörung der Wille des Lebens verborgen, der leise vor sich hinklomm. Mit jeder Minute die verstrich wurde sein warmer Schein schwächer, aber noch war genügend Zeit.

Behutsam griff ich nach dem kleinen Funken, der jeden Moment zu erlöschen drohte und schürte ihn so lange bis er wieder regelmäßig brannte. Erst danach hauchte ich ihm soviel Kraft ein, wie nötig war um die Zerstörung zu überwinden und das Leben zurück in diese Ebene zu bringen.

Ich spürte wie die Erde unter meiner Hand langsam und regelmäßig pulsierte und öffnete die Augen. Beinahe im selben Moment schoß von meiner Handfläche ausgehend ein grüner Blitz durch die gesamte Ebene. Binnen Sekunden eroberte sich die Natur ihr Territorium zurück.

Wie im Zeitraffer schossen Blumen, Gräser, Bäume und klares Wasser aus der verbrannten Erde. Innerhalb weniger Minuten hatte die gesamte Fläche beinahe genau das Aussehen angenommen, das ich in der Erinnerung des Wolkenwals gesehen hatte. Auch der Himmel über uns klarte allmählich auf. Das Grau mußte einem unbeschreiblichen Blau weichen durch das sich die sanften Strahlen der Sonne ihren Weg bahnten.

Jubelnd zog die Walherde über uns hinweg und verschwand hinter einer Wand weißer Wolken. Für sie war es das schönste Geschenk, was man ihnen machen konnte. Und obwohl ihr Gesang immer leiser wurde war ich mir sicher, daß sie diese Ebene erst wieder verlassen würden, wenn wir ebenfalls gingen.

„Nee-chan?“ Unsicher sah Catan mich an. Doch noch ehe er weitersprechen konnte fiel ich ihm um den Hals. Ein plötzlicher Windstoß zog die Kapuze meiner Jacke mit sich und befreite eine Flut haselnußbrauner Haare, die sich augenblicklich ineinander verknoteten. Sie verloren sich im Spiel des Windes. Das Kämmen heute abend würde mit Sicherheit einem Himmelfahrtskommando gleichkommen.

„Ich hab dich so vermißt!“ Er strich leicht über mein Haar und murmelte etwas Ähnliches in mein Haar.

„Nee-chan, wie hast du das gemacht?“ Nur langsam löste ich mich von ihm und strahlte ihn an. Grinsend schüttelte er den Kopf und begann mich von oben bis unten durchzukitzeln ehe wir beide lachend ins weiche Gras fielen. In mitten von einem Meer weißgelber Blumen kamen wir schließlich zum Stillstand und schnappten nach Luft. Es tat so unendlich gut wieder gemeinsam mit ihm zu lachen.

Direkt unter uns erstreckte sich nun eine grüne Oase, die von den meisten Menschen wohl als Paradies bezeichnet worden wäre. Doch wer einmal den wahren Garten Eden mit eigenen Augen gesehen hatte, der wußte genau, daß dieses grüne Paradies nur ein müder Abschlag seines Glanzes war.

„Du bist und bleibst unmöglich.“ Lachend richtete ich mich ein Stückchen auf und sah ihn an. Sein schwarzer Mantel war über und über mit hellen Blüten verziert und wie und je lag sein Blick voller Wärme auf mir.

„Solltest du nicht langsam daran gewöhnt sein?“ Ehe er zu einer Antwort ansetzen konnte sprang Cee auf seine Brust und fuhr ihm schwanzwedelnd mit der Zunge durchs Gesicht. Es dauerte eine ganze Weile bis er sich von ihm befreit und Cee sich wieder soweit beruhigt hatte, daß wir unser Gespräch ungestört fortsetzen konnte. Auch, wenn nun der Teil folgte, den ich am Liebsten auf ewig ausgeklammert hätte.

„Bitte komm mit mir zurück.“ Seine klaren Augen sahen mich bittend an. Abwesend kraulte ich Cee hinter den Ohren.

„Ich kann nicht.“ Der Grund für seine Frage war offensichtlich, auch wenn es niemand von uns aussprach. Rosiel braucht mich, daran gibt es keinen Zweifel und ich würde nichts lieber tun als zu ihm zurück zukehren  doch inzwischen stand einfach zu viel zwischen uns. Nicht zuletzt sein Versuch Kira und Setsuna zu töten…

„Es tut mir leid Catan, aber ich kann dich nicht begleiten.“ Ich kann nie wieder zurück. Ein einziger Blick in seine einsamen Augen würde ausreichen um mich alles und jeden vergessen zu lassen… nein, ich kann nicht zu Rosiel zurückkehren. Ich würde es mir nie verzeihen, wenn meine Freunde unter meiner Entscheidung leiden müßten.

„Ich kann nicht zu ihm zurück.“ Es würde alles nur noch schlimmer machen. Wir würden uns nur gegenseitig verletzen. Unsere Ziele sind viel zu gegensätzlich. Es kann einfach nicht gutgehen…

„Nee-chan, was verheimlichst du? Wieso bist du nicht ehrlich?“ Der Schmerz in seiner Stimme war nicht zu überhören. Er ist also da. Der Moment vor dem ich mich solange gefürchtet habe… die Wahrheit… soll ich sie ihm wirklich verraten?

Ich sah hinunter in die grüne Ebene. Warum kann nicht alles so einfach sein wie das hier? Warum kann dieser dumme Streit zwischen Engel und Dämonen nicht einfach beigelegt werden? Es kann doch nicht so schwer sein in Frieden zusammen zu leben…

Was bleibt am Ende denn außer Tod und Zerstörung noch übrig? Wozu kämpfen wir überhaupt, wenn wir am Ende doch alles in Schutt und Asche legen wofür es sich zu leben lohnt?

„Nee-chan?“ Wieder wich ich seinem Blick aus und verschränkte meine Arme über den Knien. Nein, es ist unmöglich Rosiel-chan. Weder kann ich zu dir zurück kehren noch kannst du Luzifer kontrollieren. Du weißt so wenig über uns und meinst doch unser Leben bestimmen zu können. Du bist so ein dummer Engel! Du merkst gar nicht, wie du in dein Verderben rennst.

Catans Frage schwebte nach wie vor unbeantwortet zwischen uns und ich hatte nach wie vor Angst davor ihm alles anzuvertrauen. Was, wenn er es nicht versteht? Was, wenn er dieses Wissen gegen mich verwendet? Unsanft gruben sich Cees spitze Zähne in meine rechte Hand. Er knurrte leicht.

„Schon gut, du hast ja recht.“ Vorsichtig ließ er meine Hand los und fuhr mit seiner Zunge über die kleinen Wunden. Ja Cee, du hast recht. Bisher haben wir ihm immer vertrauen können… Er muß die Wahrheit erfahren…

„Catan, ich habe keine Ahnung, wann und ob wir uns in all diesem Wahnsinn noch einmal sehen werden… ich glaube ich bin dir die ganze Wahrheit schuldig…“ Ein plötzlicher Windstoß durchfegte die Ebene und wirbelte ein Meer von weißen Blütenblättern auf. Nur Mut! Komm schon! Jetzt nur keinen Rückzieher machen.

„An vieles konnte ich mich bis vor kurzem selbst nicht erinnern. Deshalb kann es sein, das mein Gedächtnis nach wie vor lückenhaft ist. Doch das, an das ich mich erinnern kann werde ich dir sagen.“ Er sah mich äußerst besorgt an. Einen Teil meiner Vergangenheit kennt er bereits und der war nicht sonderlich angenehm.

„Vor langer Zeit gab es in den Himmeln einen Engel namens Asrael, der als einer der besten seines Jahrgangs galt jedoch kurz nach den Abschlußprüfungen spurlos verschwand. Beinahe sämtliche Daten, die diesen Engel betreffen sind im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen und so gut wie niemand erinnert sich mehr an ihn. Ein Kadett unter vielen… wer vermißt schon einen einzigen Engel, wenn es so viele andere gibt, die seinen Platz einnehmen können.“

„Du meinst den Schatten, oder?“ Ich nickte leicht. Er weiß es also. Kein Wunder! Er hat wahrscheinlich Hunderte von Computerdateien auf der Suche nach mir und meiner Vergangenheit durchforstet. Das hat die von ihm erstellte CD-Rom über den verbleib meines Kreuzes eindrucksvoll bewiesen. Trotzdem ist er nie hinter das eigentliche Geheimnis gekommen…

„Mehr sagt dir dieser Name nicht?“ Er schüttelte den Kopf.

„Über Asrael bin ich eher zufällig gestolpert. Rosiel hatte mich beauftragt soviel wie möglich über einen Engel namens Remiriel herauszufinden. Doch das war ebenfalls ein Fehlschlag. Von beiden existierten weder komplette Akten noch Fotos. Lediglich in manchen Berichten wurden sie erwähnt.“ Rosiel hat versucht etwas über Remiriel herauszufinden?! Ist er etwa immer noch eifersüchtig auf ihn? Warum? Dazu besteht doch überhaupt kein Grund… er sollte doch wissen, das…

Argh! Verdammt! Was denk ich da?! Mit einem leisen Räuspern hatte ich mich schließlich wieder soweit ihm Griff, das ich mich nicht länger von Rosiels Interesse an Remiriel ablenken ließ.

„Das wundert mich kaum.“ Meine Eltern hatten ganze Arbeit geleistet. Wenn es selbst Catan nicht gelang die Verbindung zwischen mir und Asrael herzustellen, dann würde es auch keinem anderen Engel gelingen. Mit Ausnahme von Raphael vielleicht… wieviel er letztendlich über mich wußte konnte wohl niemand sagen. Raphael besaß wie so viele Engel das seltene Talent wichtige Dinge solange für sich zu behalten bis sie ihm eines Tages nützlich erschienen. Die Frage ist nur, wie lange würde das noch dauern? Wie lange dauert es bis Raphael einem anderen Engel oder Rosiel erzählt was ich bin?

„Nee-chan, alles in Ordnung?“ Besorgt sah Catan mich an. Anscheinend hatte ich mich zu sehr ablenken lassen.

„Ja, es fällt mir nur nicht leicht, dir das alles zu erzählen.“ Die kleine Falte zwischen seinen Augen blieb dennoch bestehen. Er kennt mich einfach viel zu gut um nicht genau zu wissen, daß es mindestens noch ein bis zwei Gründe gibt sich ernsthafte Sorgen um mich zu machen. Langsam fuhr ich fort um ihm nicht noch mehr zu beunruhigen.

„Asrael verschwand weil ein Dämon ihn tötete. Ein Dämon, der später den Namen des Engels annahm, den er im Kampf besiegt hatte.“

„Aber das ist doch nur ein Märchen, das jungen Engeln erzählt wird damit sie sich vor Dämonen in Acht nehmen!“ Erstaunt sah ich ihn an. Er kennt die Geschichte?

„Und warum gibt es dann nicht eine einzige Geschichte in der die Heldentaten derer besungen werden, die auszogen um Asraels Mörder zur Strecke zu bringen. Wieso gibt es nur diese eine? Catan, hast du dich nie gefragt ob sich hinter diesem Ammenmärchen nicht wesentlich mehr verbirgt als es den Anschein hat?“ Verständnislos sah er mich an. Er hat es also nicht herausgefunden.

„Nur sehr wenige Engel wissen genaueres, aber Asrael tauchte praktisch aus dem Nichts auf, bestand fast alle Prüfungen mit Auszeichnung und verschwand dann auf irgendeinen Außenposten in Assia. Die Daten über ihn gingen im Laufe der Zeit alle verloren. Niemand weiß genau was er dort getan hat oder was aus ihm wurde bis ihn dieser Dämon tötete.“ Ich konnte deutlich sehen wie es hinter seiner Stirn arbeitete. Allmählich begann sich das Puzzle zusammenzusetzen. Nun denn, bringen wir es zu Ende.

„Gerüchten zu Folge soll Asrael von einem Mündel Luzifers getötet worden sein. Aber das wurde nie bewiesen. Man ließ den Fall ruhen, damit es nicht zu einem erneuten Krieg kommen konnte und vertuschte Asraels Tod so gut es ging. Viele Kadetten hielten einen Engel mit seinen Fähigkeiten ohnehin bereits für etwas, das ihre Ausbilder sich ausdachten um sie zum Lernen zu animieren. Es war also nicht sonderlich schwer ihn ganz im Schatten der Vergessenheit verschwinden zu lassen. Inzwischen dürfte es für seine Existenz nicht mehr den geringsten Beweis geben. Alle Daten sind vernichtet worden.“

„Nee-chan, woher weißt du das alles?“ Cee stieß ein unterdrücktes Bellen aus, das sich fast wie ein Lachen anhörte. Strafend stieß ich ihn mit einer Hand an, doch er ignorierte mich. Mit einem leichten Seufzen antwortete ich Catan.

„Weil ich es war, die Asrael getötet hat.“

„DU?! Aber dann müßtest du…“ Er verstummte als sich sämtliche Puzzleteilchen in seinem Kopf nach und nach zu einem Bild zusammen fügten.

„Nee-chan wer oder was um alles in der Welt bist du?“

„Shao Deshon, wenn es nach meinem aktuellen Paß geht, aber das weißt du ja. Hier…“ Ein letztes Mal atmete ich tief ein. Augen zu und durch.

„…bin ich Azrael. Luzifers Tochter.“ Die Auswirkung meiner Worte war verheerend. Sämtliche Farbe wich aus seinem Gesicht.

„Du lügst! Das kann unmöglich dein Ernst sein! Du hast mir doch gesagt, daß deine Mutter ein Engel ist! Luzifer kann nicht dein Vater sein!“ Manchmal wünschte ich wirklich, es wäre so. Catan, es würde so vieles einfacher machen, wenn es wahr wäre…

„Nein Catan, du irrst dich. Es stimmt beides. Luzifer ist mein Vater und meine Mutter ist ein Engel. Du kennst sie ebenfalls.“ Seine Lippen formten ein stummes Nein.

„Es ist Alexiel.“ Ihm diese Tatsachen derartig schonungslos beizubringen widerstrebte mir vollkommen, aber der Himmel allein weiß wieviel Zeit uns noch bleibt ehe man unser Verschwinden bemerkt. Er war leichenblaß und zitterte leicht.

„Und das ist auch der Grund, warum ich unmöglich zu Rosiel zurückkehren kann.“ Seine Augen flehten förmlich darum, daß meine letzten Worte nur ein schlechter Scherz waren. Doch tief in seinem Inneren wußte er bereits, daß jedes einzelne davon wahr war. Der Schleier über seinen Augen hatte sich bereits gelüftet und er konnte die Ähnlichkeit zwischen mir und meinen Eltern nicht länger leugnen. Jetzt kannte er den wahren Grund.

„Ich hatte keine Ahnung…“ Mit einer Hand fuhr er sich durch die Haare und starrte in die Ebene hinab.

„Deine Alpträume… deine Abneigungen gegen Engel… die merkwürdigen Kräfte, die hier und da um dich wirkten… all das ergibt plötzlich Sinn…“ Ich folgte seinem Blick. Eine zeitlang herrschte Schweigen zwischen uns, das er schließlich durchbrach.

„Wie lange weißt du es schon?“ Stockend berichtete ich ihm wie das Siegel nach und nach brach und meine Erinnerungen immer vollständiger wurden. Bis zu dem Augenblick in dem Luzifer es endgültig gebrochen hatte.

„Du meinst, du wußtest bereits seit deiner Rückkehr in die Himmel, das du Alexiels Tochter bist und hast kein einziges Wort gesagt?“

„Was hätte es denn geändert? Catan, wir hatten uns bereits rettungslos ineinander verliebt. Ich konnte es ihm nicht sagen.“ Wie so vieles anderes… Rosiel darf niemals die ganze Wahrheit über mich erfahren. Es würde ihn zu Fall bringen.

„Und du meinst, das würde ihn aufhalten?“ Die plötzliche Bitterkeit in seiner Stimme überraschte mich.

„Nee-chan, er wird dich niemals gehen lassen. Ihm ist vollkommen egal, was oder wer du bist.“ Nein! Rosiel, das darfst du nicht tun! Du mußt mich gehen lassen! Du mußt mich vergessen!

„Er wird dich für den Rest seines Lebens verfolgen.“ Traurig sah er mich an.

„Rosiel wird keinen von uns gehen lassen.“ Bei der Endgültigkeit seiner Worte lief mir ein eiskalter Schauer über den Rücken.

„Warum? Catan, warum tut er das? Er müßte doch wissen, das es besser wäre, wenn er einfach losläßt.“ Ich konnte nicht mehr verhindern, daß meine Stimme zitterte. Rosiel, du bist ein solcher Idiot! Du wirst dich nur selbst verletzen. Warum läßt du nicht einfach los? Vergiß mich! Vergiß mich doch endlich!

„Aus demselben Grund wie wir nehme ich an. Du fliehst vor ihm um ihm nicht zu schaden, ich bleibe bei ihm um ihn von dem Schlimmsten abzuhalten und er versucht verzweifelt uns beide vor dem Rest dieser verkorksten Welt zu beschützen.“ Tränen bahnten sich den Weg über meine Wangen.

„Und wer beschützt ihn? Wer wacht über sein Leben?“ Augenblicklich verdüsterte sich Catans gesamte Miene.

„Im Moment Luzifer.“

„WAS?!“ Bitte Rosiel-chan! Bitte sag mir, daß du nicht so dumm gewesen bist, dein Leben in die Hände des Höllenfürsten zu legen.

„Er hat Luzifer zu seinem Leibwächter ernannt.“ Mir war als hätte man mir soeben den Boden unter den Füßen weggezogen.

„Er meint ich soll mir keine Sorgen um ihn machen. Solange er den Blutkristall in seinen Händen hält wird Luzifer ihn niemals verraten.“ Es war offensichtlich, das Catan daran ernsthafte Zweifel hegt und er hat Recht. Es ist unmöglich Luzifer zu kontrollieren.

„Wenn er das wirklich glaubt wird es sein Untergang sein. Er kann ihn nicht beherrschen, das kann niemand.“ Es ist als würde man versuchen eine Naturgewalt in Ketten zu legen. Eine zeitlang mag es ja funktionieren, doch über kurz oder lang wird es zu einer Katastrophe kommen. Niemand weiß das besser als ich, denn in meinen Adern fließt dasselbe unheilvolle Blut. Das Blut zweier Verräter, die sich von nichts und niemanden haben aufhalten lassen…

„Dann hilf mir! Nee-chan bitte komm mit mir zurück. Auf dich würde er hören. Du könntest ihn retten.“ Der Wind trieb die letzten Überreste meiner Tränen davon als ich den Kopf schüttelte.

„Nein, Catan das ist unmöglich. Ich könnte niemals gegen Luzifer kämpfen.“

„Weil er dein Vater ist?“

„Nein, weil er vielleicht meine letzte Chance ist zu sterben.“ Fassungslos starrte er mich an. Selbst Cee, der seit geraumer Zeit friedlich zwischen uns döste spitzte plötzlich die Ohren.

„Du willst sterben?“ Dieses Mal hielt ich seinem Blick stand.

„Wenn die Welt der Menschen gerettet und dies alles vorbei ist will ich meinen Frieden finden. Ich bin es leid immer und immer wieder Schmerz und Trauer zu fühlen, meine Freunde sterben zu sehen… all die Zerstörung um mich herum, die nie mehr rückgängig gemacht werden kann, die Schreie in der Nacht... Ja Catan, ich will den ewigen Frieden. Eine Dunkelheit aus der mich nichts und niemand mehr zurück holen kann. Und Luzifer ist vielleicht der einzige Weg dorthin.“ Er hat es mir vor langer Zeit versprochen…

„Und Rosiel? Was wird aus ihm, wenn du nicht mehr da bist? Du läßt ihn einfach so im Stich?“ Seufzend strich ich durch Cees warmes Fell. Er ist immer noch der festen Überzeugung, das Rosiel und ich zusammengehören. Wie lange wird es dauern bis er einsieht, daß es einfach nicht sein kann? Es ist unmöglich, das Rosiel und ich zusammen glücklich werden.

„Catan, du wirst stets an seiner Seite sein. Was macht es da, das ich ihn verlasse?“ Auf dich kann ich mich verlassen. Du kennst ihn und mich besser als irgend jemand sonst. Du wirst ihn davon abhalten sich ganz und gar von Luzifer abhängig zu machen. Du bist wahrscheinlich der einzige, der ihn vor sich selbst beschützen kann.

„Nur bis zu meinem Tod. Danach wird er wieder vollkommen allein sein und an dieser Einsamkeit zu Grunde gehen.“ Ich erstarrte mitten in der Bewegung. Es stimmt. Beinahe hätte ich vergessen, daß sein Leben nur noch auf Messers Schneide stand. Rosiel hat ihm zwar eine seiner Federn gegeben um seine Wunden zu heilen doch diese wird ihn irgendwann in einen willenlosen Ghoul verwandeln. Es ist nur noch eine Frage der Zeit…

„Du hast es vergessen. Stimmst?“ Er lächelte mich traurig an.

„Catan, ich-“ Er schüttelte kurz den Kopf und bat mich nicht weiterzusprechen.

„Du mußt mir nichts erklären. Ich weiß, daß du es nicht wahrhaben willst. Du bist wie er. Ihr beide seit nicht bereit es zu akzeptieren.“ Ich schluckte kurz und faßte einen Entschluß.

„Ebenso wenig wie du. Du weigerst dich zu akzeptieren, daß ich mich von Rosiel trennen mußte.“ Mißtrauisch zog er die Augenbrauen leicht zusammen.

„Glaubst wirklich es ist mir leicht gefallen euch zu verlassen? Catan, du kennst mich besser als irgend jemand sonst und Rosiel ist der erste der nach langer Zeit mein Herz berührt hat. Es war nicht leicht euch den Rücken zu zudrehen, aber es mußte sein. Es ist unmöglich, das wir zusammen glücklich sind.“ Ehe er protestieren konnte hob ich bittend eine Hand.

„Nicht, bitte laß mich ausreden.“ Nachdenklich nickte er.

„Rosiel hat es wahrscheinlich längst vergessen, aber ich kenne ihn wesentlich länger als ihr beide glaubt. Als ich noch ein Kind war sind wir uns zum ersten Mal begegnet und obwohl er es sehr gut versteckte habe ich es dennoch sofort gesehen. Die Einsamkeit in seinen Augen. So als würde ihn nichts und niemand auf dieser Welt verstehen oder lieben können.“ Ich hob den Blick. Catans Augen waren vor Überraschung geweitet.

„Er war der beste Freund meines Ziehvaters und solange er in unserem Dorf war habe ich alles getan um ihn von seiner Einsamkeit abzulenken. Es war mir unerträglich mit anzusehen wie ihn diese Einsamkeit verschlang.“ Ich lachte leise auf.

„Aber wahrscheinlich war ich für ihn eher eine kleine Nervensäge, die ihm einen Streich nach dem anderen spielte. Doch obwohl ich die meiste Zeit von meinen Zieheltern und ihm ausgeschimpft wurde war ich glücklich. Die Einsamkeit in seinen Augen verschwand zwar nie ganz, aber sie wurde nach und nach von einer milden Wärme überdeckt…“ Ich hatte es vergessen… dieser ausgelassene Rosiel, der mich voller Wärme ansah obwohl er kurz zuvor noch mit mir und Remiriel geschimpft hatte… wir hatten damals alle viel Spaß zusammen…

„Du warst noch ein Kind?!“ Der Blick mit dem mich Catan ansah brachte mich zum Lachen.

„Was denn? Ich sagte doch, das ich wesentlich älter bin als ich aussehe.“ Er schüttelte amüsiert den Kopf wurde jedoch sofort wieder Ernst.

„Du hast mir das alles doch aus einem bestimmten Grund erzählt. Oder?“ Ich nickte leicht. Mit unendlichem Bedauern in den Augen sah er mich an.

„Wir werden uns also nie wieder sehen?“ Ich schloß für einen kurzen Moment die Augen und betete, daß mein Entschluß der richtige war.

„Vielleicht ist es besser so.“ Ebenso gut wie er wußte ich, daß diese Worte keineswegs der Wahrheit entsprachen. Mit meiner Entscheidung verletzte ich nicht nur mein Herz sondern auch seins und das der Person, die ich liebte. Doch was bleibt mir denn noch für eine Wahl?

Wenn ich die Welt der Menschen und meine Freunde retten will ist es der einzige Weg, der mir noch bleibt. Es ist der einzige Weg um Assia zu retten.

„Und du glaubst das?“ Langsam stand ich auf und ging ein Stückchen den Hang hinab. Cee folgte mir mit leichtem Abstand.

„Was spielt das letztendlich für eine Rolle? Catan, versprich mir, das wenn du zurückkehrst Rosiel nichts von unserem Treffen erzählst.“

„Wenn ich es ihm sage wird er mir den Kopf abreißen weil ich dich gehen ließ.“ Er stand jetzt genau hinter mir.

„Keine Sorge Nee-chan, ich werde nichts sagen. Noch hänge ich nämlich an dem kümmerlichen Rest meines Lebens.“ Als ich mich umdrehte grinste er mich an. Trotzdem tat es weh ihn so zu sehen. Diese Trennung würde für immer sein. Zuviel war geschehen und konnte nie mehr rückgängig gemacht werden. Unser altes Leben war für immer und ewig verloren.

„Danke.“ Der Wind fuhr in unsere Kleidung und bauschte seinen dunklen Mantel wie eine unheilvolle Wolke auf.

„Dann heißt es nun wohl Abschied nehmen.“ Der Schmerz in seinen Augen war kaum noch zu übersehen. Ohne den Blick von mir zu nehmen griff er mit einer Hand in die Tasche seines Mantels.

„Hier, nimm das.“ Er hielt mir einen dünnen Silberreif entgegen, der mir wage bekannt vorkam.

„Ich habe ihn präpariert. Er wird dich direkt zu Jibril bringen.“ Erstaunt sah ich ihn an.

„Du weißt wo sie ist?“

„Sara-chan ist deine Freundin, oder? Ich war mir sicher, du würdest sie suchen. Da sie zusammen mit Raphael verschwunden ist war es nicht sonderlich schwer herauszufinden wo sich aufhalten.“ Jetzt sah er wie ein richtiger Lausbube aus, der gerade seinen neusten Streich erfolgreich ausgeführt hatte.

„Sobald du ihn überstreifst öffnet sich ein Portal und bringt dich direkt dorthin.“ Vorsichtig nahm ich den Reif entgegen.

 „Nee-chan…“ Er drückte mich fest an sich. Als er sich wieder von mir löste schimmerten Tränen in seinen Augen.

„… bitte laß mich ein einziges Mal deine Flügel sehen.“ Meine eigenen Tränen unterdrückend nickte ich und machte einen Schritt zurück. Als sich meine Schwingen voll entfaltet hatten lächelte er mich sanft an.

„Neben Rosiel bist du der schönste Engel, den ich jemals gesehen habe.“ Tränen rannen seine Wangen herab. Es war das erste Mal, daß er mich so sah wie ich wirklich bin.

„Ich danke dir Catan. Für alles.“ Mit einem leichten Flügelschlag erhob ich mich in die Lüfte und brachte es nicht fertig mich noch einmal umzusehen. Ich wußte er würde solange dort unten stehen bis ich vollkommen aus seiner Sichtweite verschwunden war.

An einem Punkt dicht unter den weißen Wolken kam ich zum Stillstand und wartete darauf, das Cee mich einholte. Er war hinter mir zurückgeblieben holte jedoch schnell auf. In nur wenigen Sekunden befanden wir uns auf gleicher Höhe. Sein warmer Körper preßte sich eng an mein rechtes Bein. Abwesend kraulte ich durch sein weiches Fell und betrachtete den Silberreif in meiner Hand.

Er erinnerte mich daran, wie Astaroth mir bewiesen hatte, das man einen Dämon egal wie freundlich er sich auch gab niemals vertrauen durfte. In diesem Reif war die einzige Chance auf Heilung für Catan enthalten gewesen und ein simpler Bann hatte sie komplett zerstört. Es war meine Schuld, daß ich den Reif nicht überprüft hatte. Und nun sollte mir dieses kleine Stückchen Schmuck helfen Sara-chan zu finden…

Die Ironie, die daran lag war kaum noch zu überbieten. Catan hatte aus meinem Fehler gelernt und nutzte den Silberreif nun um einen Unschuldigen zu retten. Ich war ihm unendlich dankbar dafür und streifte den Reif ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden was alles passieren könnte über mein rechtes Handgelenk. Augenblicklich schlugen die Dimensionen über uns zusammen.

Als ich endlich keine Purzelbäume mehr schlug und auch wieder wußte wo oben und unten war sah ich mich suchend nach Cee um. Er schwebte knurrend circa zwei Meter unter mir und schüttelte sich ungehalten. Der Silberreif an meiner Hand zerfiel zu Asche, die vom Wind davongetragen wurde.

„Cee, alles in Ordnung bei dir?“ Sein flammender Blick verbrannte mich fast. Anscheinend war ihm die Schaukelei ganz und gar nicht bekommen. Mit zwei kurzen Flügelschlägen war ich bei ihm und strich sanft durch sein Fell.

„Catan hat sein bestes geben um uns zu helfen. Sei ihm nicht böse.“ Ein unwilliges Brummen war die einzige Antwort, die ich erhielt. Es sah nicht so aus als würde er in der nächsten Zeit sonderlich gut auf einen gewissen Engel zu sprechen sein.

Unter uns erstreckte sich Raphaels Domizil. Wenigstens nahm ich an, daß es das war. Die Gebäude erinnerten stark an die Plantagen der südlichen Länder. Alles war im mediterranen Stil gehalten und hier und da verschwand so mancher Gebäudeteil beinahe komplett hinter sorgfältig geschnittenen Bäumen und Hecken. Obwohl die Grünflächen selten natürlich aussahen bemerkte man dennoch, daß jemand regelmäßig Hand an sie legte.

Eine laute Explosion riß mich aus meinen Gedanken. Aus einem der Gärten stieg eine dunkle Rauchwolke auf. Sara-chan!

Ohne nachzudenken schoß ich davon und nutzte die erst beste Gelegenheit um in das Gebäude zu gelangen. Von außen war nichts als Rauch zu sehen gewesen, aber innen schien noch alles unbeschädigt zu sein. Ich folgte den Explosionsgeräuschen und erstarrte schließlich vor Grauen. Mir den Rücken zudrehend umarmte Sara ein Ungeheuer dessen bloßer Anblick allein ausreichte um meinen Körper zum Zittern zu bringen.

Ein riesiges Maul in dessen Mitte sich ein einziges rotes Auge befand starrte mir weitaufgerissen entgegen. Ein Meer aus Flügelüberresten über und über mit roten Augen übersäht legte sich schützend um Sara-chan während Dutzende von Kinderhänden nach ihr griffen. Es gelang mir nicht mich zu bewegen. Die Aura dieses Dings lähmte mich vollkommen und zwang mich in die Knie. Ich hatte das Gefühl mich jeden Augenblick übergeben zu müssen. Ein greller Lichtblitz schleuderte mich schließlich rückwärts gegen Cee und machte mich für einen Moment lang blind.

„SARAAA!!“ Setsunas Aufschrei brachte mich wieder auf die Füße. Noch war meine Umgebung zwar unter unzähligen farbigen Punkten verborgen, aber es wurde von Minute zu Minute besser.

„Sandalphon… nein… diesmal ist es wirklich Metatron!“ Uriel? Ach ja, sie sind ja alle zusammen unterwegs…

„Dieser Dreikäsehoch war das Monstrum von eben?!“ Ich folgte den Stimmen der beiden und kletterte nebenbei über die Überreste einer Wand. Wie sind sie hierhin gekommen? Wollten sie nicht eigentlich den Rebellen helfen?

„Er atmet noch. Sandalphon ist nicht vollständig besiegt. Er hat sich nur vorübergehend in seinen eigenen Körper zurückgezogen. Ihm sind beim Kampf im Körper seines Zwillings Grenzen gesetzt.“ Was auch immer hier geschehen war. Es behagte mir gar nicht. Diese merkwürdige Aura… ich habe sie schon einmal gespürt… damals in Yetzirah als ich mich in einem Dimensionstunnel befunden hatte…

„Seit ihr in Ordnung?“

„Solltest du nicht an Bord der Merkabah bleiben?“ Ärgerlich sah Uriel mich an als ich den Staub von meiner Kleidung klopfte.

„War mir zu langweilig.“ Mit einem vollkommen unschuldigen Blick sah ich ihn an.

„Vielleicht braucht ihr mich ja?“ Gelassen ging ich ihn zu und ignorierte seine strafenden Blick vollkommen während ich Setsuna angrinste. Sorry Uriel!

„Sara ist hier Kleiner, du mußt sie nur noch finden. Nun mach schon.“ Er strahlte über das ganze Gesicht bevor er sich umwandte um meiner Aufforderung nachzukommen. Obwohl es dieser wohl kaum bedurft hätte. Er war auch so kaum noch zu bremsen.

„Ist mit Metatron alles in Ordnung?“ Besorgt betrachtete ich den schlaffen, kleinen Körper in Uriels Armen.

„Man kann zusehen wie sich seine Wunden schließen…“ Danke, ich weiß, daß du sauer au mich bist. Trotzdem kannst du normal mit mir reden.

„Er hat eine erstaunliche Lebenskraft!“ Und das stimmte. Binnen Sekunden schlossen sämtliche Wunden und Metatrons Atem wurde regelmäßiger. Er war in tiefen Schlaf gesunken.

„Sara… Sara…!“ Lächelnd drehte ich mich zu Setsuna um. Sara lehnte mit einem Ausdruck purer Glückseligkeit schlafend an einem Felsbrocken. Mit unendlicher Zuneigung in seinen Zügen sah er seine Schwester an. Endlich, endlich sind die Beiden wieder vereint. Jetzt wird alles gut werden.

„Sara… ich bin’s… ich bin hier…!!“ Langsam wie aus einem wunderschönen Traum erwachend öffnete sie ihre Augen. Doch anstatt Setsuna um den Hals zu fallen versetzte sie ihm eine schallende Ohrfeige.

„NICHT…! KOMM NICHT NÄHER! DU MONSTER!“ Ihre Stimme war panikerfüllt und sie drückte sich eng an die Wand hinter sich während sie eine Hand in den Stoff ihrer Kleidung krallte als wollte sie sich vor seiner Berührung schützen.

„Du kannst dich noch so gut als Setsuna verkleiden! Ich erkenne dich…!“ Nein! Sara-chan, nein!

„Du wirst mein Kind nicht anfassen!“ Jedes ihrer Worte traf Setsuna wie ein Dolchstoß. Seine Züge waren leichenblaß.

„Es ist hier… in meinem Bauch…“ Schützend legte sie ihre Hände über ihren Körper.

„Mein und Setsunas Kind! Es ist unser süßes, kleines Baby! Es hat viele rote Augen und ist sehr stark!“ Sie sah bei diesen Worten so unendlich glücklich aus, daß es mir schwerfiel mich an die Szene vor  wenigen Minuten zu erinnern.

„Wo ist er… wo ist Setsuna? Er hat mich eben noch in den Armen gehalten!“ Nur am Rande nahm ich wahr, wie sich Raphael und Michael ebenfalls dem Geschehen näherten. Zu grausam war die Szene direkt vor uns.

„Wo ist er hin?! Hast du, hast du ihm etwas angetan?!“ Sara-chan! Bitte Sara-chan komm wieder zu Bewußtsein. Er steht doch genau vor dir. Siehst du ihn etwa nicht?

„SAG SCHON! Was hast du mit ihm gemacht?! Monster!“ Ihre Fäuste trommelten auf Setsunas Brust.

„SETSUNA! Gib mir Setsuna zurück!“

„ICH BIN SETSUNA…!!! SCHAU MICH DOCH AN!“ Grob packte er ihre Schultern doch Saras Blick blieb leer.

„Das Monster ist verschwunden! Ich bin es Setsuna!“ Seine Stimme war pure Verzweiflung. Es war offensichtlich, daß sie ihn nicht erkannte.

„Laß mich los!“ Verzweifelt versuchte sie sich aus seinem Griff zu winden, doch er hielt sie unbeirrt fest.

„Was ist hier los?!“ Ich riß mich von der Szene los und sah Raphael ratlos an während Uriel ihm antwortete.

„Sandalphon hat ihre Seele verschlungen.“ Der Engel des Windes wurde bei diesen Worten leichenblaß.

„SANDALPHON?!“ Mit einem Satz stand Michael neben Uriel und mir.

„Rosiel hatte die Obhut über Metatron und Sandalphon. Ich glaube nicht, daß sie ihm so einfach entwischt sind.“ Mit anderen Worten er hat sie freigelassen. Großer Gott! Rosiel-chan wie konntest du das nur tun?!

„WEG DA! LASS MICH DAS MACHEN! MESSIAS…!“  Raphael versuchte Setsuna von Sara wegzuzerren hatte jedoch nur wenig Erfolg.

„Faßt mich nicht an! Geht weg von mir ALLE!“

„Hör auf! Laß mich los! Du bist ein Monster!“ Doch je mehr sie versuchte sich zu befreien desto fester drückte Setsuna sie an sich.

„Laß mich los…“ Sie knieten beide auf dem Boden und keiner von uns würde ihnen helfen können…

„HÖR AUF!“ In ihrer Verzweiflung griff sie nach einem Stein und ließ diesen immer wieder auf Setsuna niedersausen. Doch er hielt sie fest. Egal, wie sehr sie auch schrie oder sich wehrte er würde sie nicht mehr loslassen. Zu lange hatte er darauf gewartet sie endlich wieder in seinen Armen halten zu können… Warum? Warum nur?

Mit einem verächtlichen Zischlaut nahm sich schließlich Michael der Sache an. Ohne die geringste Rücksicht auf Setsuna oder Sara zunehmen schlug er ihr gezielt mit der Handkante in den Nacken. Augenblicklich sackte sie ohnmächtig zusammen.

„…SARA!!“ Setsuna stand kurz davor Michael sein Schwert tief in den Körper zu bohren.

„Beruhige dich, Alec.“ Uriels ruhige Stimme tat ein übriges. Statt sich mit Michael zu prügeln zog Setsuna die Bewußtlose enger an sich.

„Es gibt nur einen Weg, sie von ihrem Alptraum zu erlösen. Wir müssen Sandalphons Körper suchen und uns ihre Seele zurückholen!!“ Und wie soll das gehen? Uriel sieh sie dir doch an! Sie hält ihn für ein Monster. Ich ging neben Setsuna in die Knie und heilte unbemerkt von allen die Wunden, die ihm Sara zugefügt hatte während ich mit einer Hand über ihr weiches Haar striff. Das habt ihr beide nicht verdient…

Dankbar lächelte ich Raphael an als er anbot Sara in seinen Mantel zu hüllen. Gemeinsam legten wir ihn wie eine Decke über die schlafende Gestalt. Ich hoffe wenigstens in deinen Träumen bist du glücklich Sara-chan.

„Wir müssen ihn finden bevor er seine Kräfte regeneriert! Sara wird bestimmt… sie wird bestimmt…!“ Und was wenn nicht? Setsuna, was tust du, wenn all deine Bemühungen vergeblich sind und sie nichts und niemand retten kann?

„Du hast recht Alec.“ Verblüfft sah ich Uriel an. Stellt ihr euch das wirklich so einfach vor? Nach allem, was ihr bisher durchgemacht habt meint ihr, daß es so einfach ist sie von diesem Fluch zu befreien?

„Sa… …. Ra…?“ Metatrons kleine Arme streckten sich ihr flehend entgegen.

„…Sara …ich hab gemacht… was sie gesagt hat… ich hab Sevie gesagt… daß ich immer bei ihm bleiben will…“ Der kleine Körper zitterte vor Anstrengung doch niemand von uns hinderte ihn am Weitersprechen.

„In meinen eigenen Worten… genau wie du’ gesagt hast! Ich hab all den Mut zusammengenommen, den du mir gegeben hast. Aber… aber Sevie hat mich nicht gehört! Er haßt mich jetzt ganz bestimmt!“ Ich spürte wie mir die Tränen in die Augen schossen. Er ist ein Kind! Er ist doch ein Kind! Was haben sie ihm nur angetan?!

„Aber dann hat Sandalphon ihm wehgetan und Sevie hat geweint… und als er dann auch Sara weh tun wollte, hab ich gewußt, was er vorhat… und hab ihn gestoppt.“ Dieser Knirps hat es ganz allein mit diesem Monstrum aufgenommen?

„Er ist Böse.“ Nur zu deutlich erinnerte ich mich an Metatrons fröhliches Lachen als er mit Sara, Lil-chan und mir im Wassergarten gepicknickt hatte… Was ist nur aus uns geworden?

„Ich laß nicht zu, daß er denen wehtut, die ich lieb hab!“ Nein Kleiner, das tust du nicht. Du hast sie beschützt so gut du konntest. Du hast sie vor dem Bösen beschützt.

„Ich hab’s geschafft! War ich nicht gut Sara…“ Eine schmale Hand schob sich auf meine Schulter. Dankbar lächelte ich Lil-chan an, die sich neben mich und Sara kniete.

„Ich gebe… nicht auf! Hörst du, Sara?“ Der Funken einer dunklen Aura ließ mich herumfahren. Doch es war bereits zu spät. Metatrons Körper war von einer dunklen Masse durchbohrt worden, die nun schmatzend auf seinen Eingeweiden herumkaute. Ich nahm diesen Anblick überdeutlich wahr.

Der kleine Körper, der plötzlich meterhoch über uns schwebte… der riesige, schwarze Fremdkörper, der sich brutal durch den blassen Leib gebohrt hatte… das widerwärtige Schmatzen des Höllenwesens… der stumme Schrei, der auf den zarten Lippen erstorben war noch ehe er die Lungen verlassen konnte... die Tränen in den gebrochenen Augen… das Blut, das an den Mundwinkeln herunterlief… die kleinen, roten Tropfen, die zu Boden fielen…

Jeder einzelne Tropfen Blut der den Boden berührte klang in meinen Ohren wie Donnerhall. Wie eine Unheil verkündenden Glocke hallte dieser Ton in meinem Innern wieder bis er schließlich auf eine Wand traf, die sein Echo reflektierte. Ich spürte, wie sich eine Feuersbrunst in meinem Innern ausbreitete und alles und jeden um mich herum zu verschlingen drohte.

Den Aufschrei meiner Seele unterdrückend, der mein Herz von seinem Schmerz hätte befreien können schlang ich die Arme eng um meinen Körper und tat alles um die stetig größer werdende Flamme zu ersticken. Es darf nicht sein! Es darf nicht sein! Wenn du jetzt die Kontrolle verlierst, wirst du sie alle vernichten…

Ich darf nicht zu lassen, daß ihnen etwas passiert! Ich habe es Kira-chan versprochen! Mit aller Macht stemmte ich mich gegen was auch immer versuchte gerade von mir Besitz zu ergreifen.

„Metatrons wahre Rolle… ist die des Schlüssels.“ Diese Stimme… dunkel wie die Nacht und so kalt wie ein Eishauch… so fremd und gleichzeitig so unendlich vertraut…

„Der einzige Weg, Sandalphon in die Knie zu zwingen, wenn er zu Toben beginnt.“ Ich folgte der Spur des Höllenwesens und erkannte den dunklen Schatten beinahe sofort. Luzifer!

„Zwischen ihm und Metatron besteht eine direkte Verbindung.“ Bar jeder Emotion sah er auf uns herunter.

„Wer Metatron tötet, tötet auch Sandalphon.“ Er rief sein Höllenwesen zurück und schleuderte Metatrons Körper achtlos davon. Ich spürte, wie sich das Feuer in meinem Innern erneut ausbreitete und stand langsam auf. Gegen Luzifer mochte ich vielleicht nicht bestehen können und dürfte ihn auch nicht töten, aber ich würde alles tun um meine Freunde vor ihm zu schützen. Doch er wußte das ebenfalls und noch ehe ich mein Schwert rufen konnte schoß ein dunkler Schatten direkt auf mein Herz zu.

Als ich den Schmerz endlich wahrnahm hatten sich die Kiefer des Höllenwesens bereits um Herz geschlossen. Mit einem Ruck riß es sich und mein Herz von meinem Körper los. Verblüfft starrte ich auf das riesige Loch, das in meiner Brust klaffte. Ich war über und über mit Blut bedeckt und merkte nur allmählich wie mein Körper immer schwächer wurde. Mit ohrenbetäubenden Brüllen schoß Cee nach vorn und zerfetzte das Höllenwesen während immer mehr Blut aus der Wunde quoll.

„SHAO!!!“ Ich nahm die panikerfüllten Stimmen um mich herum kaum noch wahr. Am Rande merkte ich noch, wie mein Körper in sich zusammensackte. Mein Kopf traf auf etwas Hartes. Doch ich nahm weder den Schmerz noch die Welt um mich herum mehr wahr.

  

06-03-25

 

Next: Part 37 – Someones dream

 



Und bevor jetzt wieder dieses ganze Geschrei etc. losgeht:

1.)     Ja, ich weiß ich bin gemein

2.)     Ihr habt ja noch keine Ahnung wie sehr ^.^


 

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