Short 01

04-07-18

Shorts

      Gravitation


Somewhere that’s green

 

Immer noch nach Luft schnappend hetzte Shuichi in den Central Park. Wobei er das Schild das dieses Ereignis groß ankündigte gar nicht erst sah. Er wollte nur noch weg!

Weg von dieser irren Managerin, die ihn dazu ‚überreden’ wollte in Amerika Karriere zu machen; weg von K, der im Moment auch keine sonderlich große Hilfe war; weg von dieser schrägen Schauspielerin, die ihm den ganzen Schlamassel überhaupt erst eingebrockt hatte und ihn zu dem noch in ein Kranich Kostüm gesteckt hatte; aber am Meisten wollte er weg von allem, was ihn an Yuki erinnerte.

Es war gerade mal drei Tage her, das Yuki ihn wegen eines Anderen verlassen hatte. Die Wunde war noch frisch und so sehr sich Shuichi auch bemühte diese zu verbergen oder so zu tun als wäre sie nicht da, sie schmerzte immer noch. Sein Herz fühlte sich an, als hätte es jemand brutal in zwei Teile gerissen. Es gab einfach nichts, was er dagegen tun konnte. Nicht, nachdem er Yuki aufgegeben hatte.

Auch das Bleichen seiner Haare hatte ihn nur kurzfristig von dem Schmerz in seinem Herzen ablenken können. Und selbst seine Entführung vor knapp Vierundzwanzigstunden hatte nichts daran geändert, das er sich vollkommen allein fühlte. Gerade jetzt, in einem Land in dem er nicht einmal die Sprache verstand fühlte er sich einsamer als jemals zuvor. Alles schien so unendlich weit weg zu sein. Seine Familie, seine Freunde, seine Band… Yuki….

„Hey! Are you allright? You look pale?“ Schon wieder! Schon wieder sprach ihn jemand an und dabei verstand doch so gut wie gar kein Englisch! Was wollten die Leute bloß alle von ihm? Er wollte doch nur noch allein sein! So gut es ging versuchte Shuichi sich davon zu schleichen, aber irgendwie schien diese Person nicht aufgeben zu wollen. Zeitgleich mit seinen Schritten klangen auch jedes Mal die seines Hintermanns auf und allmählich wurde ihm die ganze Sache doch unheimlich. Hoffentlich war das hinter ihm kein Killer. Immerhin hatte er genügend Filme über Amerika gesehen in denen ein Wahnsinniger am helllichten Tag auf offener Straße Menschen umbrachte und selbstverständlich tauchte die Polizei immer erst dann auf, wenn schon alles zu spät war. Was, wenn das hinter ihm genauso so ein Typ war?

Hastig beschleunigte er seine Schritte und war heilfroh, als ihm diese Person nicht mehr weiter folgte. Allerdings hatte er nun ein ganz anderes Problem. Er hatte nämlich nicht mehr die geringste Ahnung wo der Ausgang war. Nachdem er eine ganze zeitlang ziellos durch die Parkanlage gewandert war ließ er sich schließlich auf eine Bank fallen. Irgendjemand würde ihn schon finden. Immerhin waren genügend Verrückte auf der Suche nach ihm. Doch wollte er das überhaupt? Wollte er gefunden werden?

„Oh, that’s a surprise! It’s you!“ Nur zögernd hob Shuichi den Kopf, da ihm diese Stimme wage bekannt vorkam. Wenn er auch nicht wusste woher.

„You look a little bit better now. But what’s this outfit? Are you in a theatre company or something like that?” Über Shuichis Kopf begann ein halbes Dutzend Fragezeichen aufzuleuchten. Er verstand kein einziges Wort, aber irgendwie kam plötzlich eine junge Frau äußerst zielstrebig auf ihn zu. Er hatte nicht die geringste Ahnung was sie von ihm wollte aber sie machte einen wesentlich freundlicheren Eindruck als die bisherigen Typen denen er begegnet war. Sie sah nicht so als wäre sie ebenfalls so durchgedreht wie diese.

„Mind it if I sit down?“ Sie deutete auf den freien Platz neben ihm und Shuichi nickte langsam als er begriff dass sie sich nur neben ihn setzen wollte. Warum sprach hier denn auch keiner japanisch?

„Well, if you’re in a theatre company you must come to our show. We have acting practice today and in a few days there will be a great open air show here in the park.” Sie lächelte ihn an und um Shuichi begann sich so ziemlich alles zu drehen. So viele englische Wörter konnte sein Gehirn einfach nicht verarbeiten. Doch ein Wort hatte er erkannt und das machte ihn neugierig.

„Open air?!“ Er sah sie fragend an. Wenn es wirklich ein Open air geben sollte, dann könnte dieser Tag vielleicht doch noch freundlich werden. Wenigstens ein bisschen. Shuichi war sich sicher, das ihn ein ordentliches Konzert erst einmal von all seinen Problemen ablenken würde.

„Oh yes! It’s this years highlight. The Broadway shows are showing there skills with a giant open air here in the central park. Everyone is looking for it!” Ihre Augen strahlten während sie sprach und ihre Stimme verriet deutlich ihre Begeisterung für was auch immer sie gerade meinte. Es war doch zu ärgerlich. Wenn er wenigstens ein bisschen von dem verstehen würde, was sie sagte. Es klang so als wäre es ein Großereignis, und er kapierte nicht ein einziges Wort. Seufzend gestand Shuichi sich ein, das es wohl besser gewesen wäre im Englischunterricht nicht dauernd zu schlafen. Aber was nützte ihm das jetzt? Sein Englisch war mehr als nur dürftig und so startete er einen halbherzigen Versuch ihr zu erklären, dass er kein Englisch konnte.

„Sumimas… sorry, but I-“

„You’re from japan?!“ Sie wirbelte herum und griff nach seiner Hand. Shuichi wäre vor lauter Schreck beinahe von der Bank gefallen.

„Nani?!“ Sie schüttelte ihm vollkommen begeistert die Hand und Shuichi begann sich zu fragen ob sie nicht doch mit zu den Irren zählte, die ihm momentan das Leben schwer machten.

„Oh, sorry! Es ist schon eine halbe Ewigkeit her, das ich jemanden aus Japan begegnet bin.“

„Du sprichst japanisch?!“ Shuichi starrte sie vollkommen fassungslos an.

„Ja, ich habe einige Jahre dort gelebt. Das ist aber schon lange her.“ Das war unfassbar! Endlich jemand in diesem Land, der ihn verstand. Shuichi konnte sein Glück kaum fassen. Er konnte gerade noch verhindern, das ihm vor Lauter Freude die Tränen in die Augen schossen.

„Aber sag mal ist mit dir wirklich alles in Ordnung? Du hast vorhin so bedrückt gewirkt.“

„Es ist nichts…“ Er versuchte ihrer Frage auszuweichen.

„Hmm?“ Ihre braunen Augen sahen ihn fragend an und irgendwie konnte Shuichi nicht anders als Weiterzusprechen.

„…nur das…“ Und ehe er sich versah erzählte er ihr die gesamten Geschichte. Wie er Yuki kennen gelernt hatte, von den Startschwierigkeiten, die ihre Beziehung hatte bis hin zu ihrer Trennung. Er wusste eigentlich noch nicht einmal so genau warum er ihr das eigentlich alles erzählte, aber es tat gut jemanden zu haben, der einfach nur zuhörte und ihm je nach Bedarf eine xl-Packung Tempostaschentüchern zur Verfügung stellte. Als er fertig war holte sie kurz tief Luft und bat sie ihn kurz auf sie zu warten, da sie kurz nachdenken und ihnen nebenbei auch etwas zu trinken holen wollte. Nachdenklich sah Shuichi ihrem wehenden, weißen Kleid hinterher, das schon bald hinter einer grünen Hecke verschwand. Schon merkwürdig. Diese Frau sprach ihn, einen wildfremden, der noch dazu in einem Kranich-Kostüm steckte einfach so an und hörte ihm dann auch noch geduldig dabei zu, wie er ihr sein Herz ausschüttete. Ob das in Amerika wohl normal war?

Sie kam nach knapp fünf Minuten mit zwei eiskalten Colaflaschen und zwei superheißen Hotdogs zurück. Als sie Shuichis wässrige Augen sah drückte sie ihm lächelnd auch noch ihren Hotdog in die Hand und trank genüsslich aus ihrer Flasche. (Selbstverständlich mit Strohhalm.)

„Liebst du Yuki denn noch?“ Was für eine Frage! Als wenn das jemals nicht so gewesen wäre. Damals hatte er es zwar nicht eingesehen, aber wenn man so wollte konnte man es wohl als Liebe auf den ersten Blick bezeichnen. Auch wenn er Yuki bei ihrer ersten Begegnung am Liebsten erwürgt hätte. Immerhin wurde da einer seiner Songtexte von einer wildfremden Person einfach so schlecht gemacht. Damals hatte er auch nicht im Geringsten daran geglaubt diese Person jemals wieder zusehen geschweige denn mit ihr eine Beziehung anzufangen. Aber Liebe war nun einmal unberechenbar.

„Ja!“ Sie zog kurz an ihrem Strohhalm wobei sich ein paar braune Locken aus ihrer Frisur lösten und ihr ins Gesicht fielen.

„Und warum gibt’s du dann auf?“ Shuichi verschluckte sich fast an seinem Hotdog. Während sie erneut an ihrer Cola nuckelte.

„Aber Yuki hat…“ Er brachte es nicht fertig weiter zu sprechen. Der Schmerz war einfach noch immer viel zu stark und die Szene wie sich Yuki von ihm abwendete nur um sich für einen Anderen zu entscheiden war zu tief in sein Gedächtnis eingebrannt.

„Baka! Glaubst du wirklich nach allem, was ihr zwei durchgemacht habt wäre das so einfach?“

„Aber…“ Er wusste nicht, wie er es ihr erklären sollte. Er war Yuki hinterher gefahren um dafür zu sorgen, dass ihre Beziehung nicht in die Brüche ging oder ihm sein Widersacher Yuki abspenstig machte. Niemals hätte er damit gerechnet, das Yuki von sich aus mit ihm Schluss machen würde nur um dann mit dieser Person zusammen zu sein. Angeblich war niemand besser für Yuki als diese Person. Die Beiden kannten sich schon seit einer halben Ewigkeit und beide hatten ihm zu verstehen gegeben, das er Shuichi dagegen niemals eine Chance haben würde. Zwischen ihnen gab es keinen Platz für ihn. Er war überflüssig.

„Was? Nur weil ein Nebenbuhler auftaucht willst du klein beigeben? Wenn Yuki wirklich deine große Liebe ist, dann darfst du nicht so einfach aufgeben!“

„Ich habe es versucht, wirklich versucht…“ Aber Yuki hatte sich von ihm abgewendet. Yuki brauchte ihn nicht länger sondern viel mehr jene Person. Er hatte nicht das Recht sich dort einzumischen.

„Du hast Angst!“

„Was?!“

„Du hast Angst davor, dass du Yuki verraten könntest. Das eure Beziehung plötzlich zu tief wird und ihr beide auf einmal viel mehr von euch preisgebt als früher. Davor hast du Angst.“

„Nein, das ist es nicht! Es ist-“ Ihre Hand legte sich plötzlich auf sein Herz und er merkte, wie er rot anlief.

„Genau hier! Hier ist es. Dein Herz, das nur für diese eine Person schlägt und gleichzeitig so wahnsinnige Angst hat diese zu verletzen. Hörst du wie es schlägt?“ Shuichi schloss seine Augen und konnte seinen Herzschlag deutlich spüren. Stark und regelmäßig. Wie der Klang einer Trommel.

„Ja…“

„Hör genau hin. Die Schläge sind ganz regelmäßig und auch, wenn sie einmal von jemandem aus dem Takt gebracht werden, sie kehren immer wieder zu ihrem alten Rhythmus zurück. Jeder einzelne Schlag ein Zeichen dafür, das du lebst und das sich deine Gefühle so schnell nicht ändern werden. Auch wenn es wehtut, aber du solltest auf das hören, was dein Herz dir sagt.“

„Was mein Herz mir sagt?“ Jetzt war Shuichi vollkommen verwirrt. Sie zog ihre Hand langsam zurück uns sah ihm fest in die Augen.

„Ja, dein Herz. Das ist es, was zählt. Sicher, dein Kopf hat sich bereits entschieden, dass es besser ist wenn du dich von Yuki fernhältst, aber was ist mit deinem Herz? Denkt es genauso?“ Diese Frage konnte ihr Shuichi nicht beantworten. Zuviel purzelte in seinem Kopf durcheinander. Sicher, er hatte beschlossen Yuki aufzugeben. Aber hatte er auch ein einziges Mal darüber nachgedacht wie stark es schmerzen würde Yuki niemals wieder zusehen. Sicher, er hatte gewusst, dass es wehtun würde, aber das wirkliche Ausmaß dieses Schmerzes war wesentlich grausamer als er es sich jemals hätte vorstellen können.

„Hey!“ Sie stupste ihm kurz mit einem Finger an der Stirn an.

„Denk lieber nicht soviel darüber nach. Die Antwort wirst du schon noch finden. Sie kommt schneller, als du denkst.“ Sie stand schwungvoll auf und streckte ihm ihre Hand entgegen.

„Let’s go!“

„Was?“

„Na los, komm schon! Die Probe geht gleich weiter!“ Sie zog ihn hinter sich her zu einer riesigen Openair Bühne in deren Umgebung es zuging wie in einem Ameisenhaufen. Ihre Colaflaschen blieben einsam und verlassen auf der Parkbank zurück.

„WOW! Was für ein Konzert findet denn hier statt?“ Shuichi war vollkommen beeindruckt von der enormen Bühne und der ganzen Technik. Der gesamte Bau war sogar so groß, das en Schnürboden sowie die dazugehörigen Kulissen Platz hatten. Es sah nach einem Großereignis aus.

„Nein, nein kein Konzert. Ein Musical.“

„Musical?!“ Aber so etwas wurde doch nicht Open air aufgeführt. Oder doch? Sie bemerkte seinen fragenden Gesichtsausdruck und lächelte.

„Es ist das erste Mal, das jemand so etwas Open air macht. Deshalb sind hier auch alle so nervös. Komm! Von hier hast du den besten Blick. Ich muss nämlich gleich wieder auf die Bühne.“ Sie drückte ihn in einen Regiestuhl und zog ihm ein Cappy auf, das mit drei weißen Buchstaben versehen war, V.I.P.. Eigentlich wollte Shuichi protestieren, aber sie war so dermaßen freundlich zu ihm gewesen, das er einfach sitzen blieb. Es konnte ja nicht schaden wenn er sich ein klein wenig die Proben ansah.

„Darling! Here you are!“ Ein ziemlich mitgenommer Kerl im fortgeschrittenen Alter stürmte auf sie zu. Shuichi dachte erst, das dieser Typ ihn vertreiben wollte, aber er wurde gar nicht erst beachtet. Der Typ stürmte zielstrebig auf seine Begleitung zu.

„Das ist mein Boss. Er ist momentan mit den Nerven ziemlich am Ende.“ Sie klopfte Shuichi noch kurz auf die Schulter und machte dann Anstalten zu gehen. Er zog kurz an ihrem Handgelenk, da er plötzlich Angst davor hatte allein zu sein. Sie befreite sich vorsichtig von ihm und lächelte ihn sanft an. Noch bevor sie sprach konnte man in ihren Augen lesen, das schon bald alles gut werden würde und er sich keine Sorgen machen sollte.

„Tut mir leid, aber ich muss weiter proben. Sieh dir einfach alles in Ruhe an.“ Sie drückte ihm noch ein Programmheft in die Hand (erstaunlicherweise in Japanisch) und widmete sich dann ihrem Boss.

„Warte! Welche Rolle spielst du denn?“ Sie hörte ihn nicht mehr, da sie bereits hinter den Kulissen verschwunden war. Shuichi klappte das Heft mit dem verschnörkelten Schriftzug auf und suchte nach ihrem Foto. Als er es gefunden hatte schnappte er nach Luft. Dort stand:

 

Christine Dawn – Elisabeth (1. Besetzung)

 

Das war die Hauptrolle!

 

Beendet 04-07-18



Die Idee hierzu entstand als ich den achten Band von Gravitation gelesen hatte. Das war einfach viel zu gut geeignet für eine kleine Sidestory ^^

Und? Habt ihr erkannt, wer die Frau ist, die Shuichi aufmuntert? Wenn nicht lest einfach weiter

Die Dame, der Shuichi begegnet ist niemand anders als Shao aus Love of an angel. Diese Begegnung fand allerdings vor den Ereignissen in Love of an angel statt.

 

UPDATE Kurenai no Tenshi
 

ab sofort erhältlich

Volume 13

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UPDATE Convention
 
Teilnahme an folgenden
CONVENTIONS:

Dokomi
30.04. - 01.05.2016
in Düsseldorf
eigener Stand
UPDATE Fanfiction
 
Moon Shadows
Chapter 14
___________________

Secrets
wird fortgesetzt
___________________

Love of an angel
abgeschlossen
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Kaze to ki no uta

Cover, Farbbilder und
Animescreenshots sind online
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